Dirigentengehälter in den USA

  • Und weil es meine Spezialität ist, mache ich mir hier wieder ein paar Feinde.


    Kunst und Kultur - gut und schön - alles hat seinen Preis


    ABER:


    In der Vergangenheit haben sie die Herrschenden, die Kauser, Könige, Fürsten, Grafen und anderere Adelige Orchester und Künstler gehalten und bezahlt. Gingen die Geldmittel aus - was oft der Fall war wurden die Orchester aufgelöst und die Beschäftigten mussten sich neue Dienstgeber suchen


    Später ging der "Musikbetrieb" dann an Institutionen des kulturbeflissenen reichen Bürgertums über.


    Prinzipiell regelte aber immer die Nachfrage den Preis. Das Angebot musste dem "Konsumenten" das wert sein, das es kostete.


    Mit Einführung der "staatlichen Regulierung" ist es scheinbar gelungen Gagen zu erhalten, die in keiner Relation zur wirtschaftlichen Ertragsmöglichkeit stehen. Darüber liesse sich trefflich streiten, Man könnte sagen, das Volk. welches in letzter Konsequenz durch die Steuergelder als zahlende Melkkuh herangezogen wird, erkennt den Wert der Kultut und blutet gerne für "Berühmheiten" (wobei sich die Mehrheit der Bevölkerung gar keine Vorstellung davon macht was sogenannte "Spitztenstars" - im konkreten Fall Dirigenten verdienen, und das, weil ein paar Millionen (Euro oder Dollar) zuwenig sind, gleich bei mehrerern Orchestern.
    Ich habe schon vor Jahren darüber nachgedacht - was würde passieren - wenn man all die überzahlten Stars in die Pension (oder in die Wüste) schicken würde und durch hochtalentierte junge Nachwuchskräfte ersetzen würde. (?)
    Ich bin zu dem Schluss gekommen, daß alles beim alten bliebe, es gäbe neue Gesichter, ein anderes (bezahlbareres) Preisgefüge.
    Nun werden mir zahlreiche Leute - vorzugsweise jene, die vom derzeitigen Starrummel profitieren - erklären - daß das nicht funktionieren könne. die Leute würden nicht in Konzerte mit unbekannten jüngeren Dirigenten gehen, und auch nicht in solche mit unbekannteren Orchester.
    Und weil das System so gut vernetzt ist - bis in die Politik hineine - wird es schwer sein das Gegenteil durch einen aktiven Versuch zu beweisen.


    In der Praxis ist das Denkmodel indes schon bewiesen.
    Und zwar in der Tonträgerindustrie durch Klaus Heymann und seinem Plattenlabel "NAXOS"
    (Andere sind dem Denkmodell teilweise oder ganz gefolgt, aber Heymann war zweifellos der erste)
    Er erkannte, daß der Unterschied zwischen einem gehypten "Spitzeninterpreten" und einem SEHR guten Nachwuchskünstler sehr oft nur marginal ist und vom Durchschnittspublikum üblicherweise kaum bis nicht wahrgenommen wird.
    Ist das wahr ?
    Nun - der überragende Erfolg des Labels Naxos spricht eine eindeutige Sprache.
    Es hat sich eine eigene Gruppe von "Naxos Berühmtheiten" herauskristallisier, die sicher nicht am Hungertuche nagen - aber Klaus Heymann ist auch Geschäftsmann und er hat mit Sicherheit ausgerechnet, welche Stückzahlen einer Aufnahme verkauft werden müssen um ihm Profit und seinen Künstlern ein angemessen gutes Leben zu ermöglichen.
    Deswegen finden sich zwar viele gute Aufnahmen in seinem Angebot - aber selten "Spitzen-kräfte"


    Man sollte über derartige Denkmodelle nachdenken :untertauch:


    mfg aus WIen
    Alfred

  • Vielleicht interessiert ja auch mal, was die Herren am Pult bei den Orchestern in den USA verdienen:


    Ich finde, die Gehälter sind verglichen mit dem, was mittelmässige Fußballer verdienen und was deren Transfers kosten, noch recht normal.
    Auch die Chefärzte von größeren Krankenhäusern konnten sich bis vor kurzem über solche Einkünfte freuen. Und von den Betrügern an den Spitzen unserer Autokonzerne will ich hier gar nicht reden. :untertauch:

  • Zitat

    Ich finde, die Gehälter sind verglichen mit dem, was mittelmässige Fußballer verdienen und was deren Transfers kosten, noch recht normal.
    Auch die Chefärzte von größeren Krankenhäusern konnten sich bis vor kurzem über solche Einkünfte freuen. Und von den Betrügern an den Spitzen unserer Autokonzerne will ich hier gar nicht reden


    Prinzipiell ist das ja richtig.
    Aber - was ich vergessen habe zu schreiben - und dennoch so wichtig ist.


    Das Interesse an Klassischer Musik und Oper ist rückläufig


    Bei Fussball weiß ich nicht


    und in der Medizin wirds vermutlich akzeptiert werden.


    Ach ja - die Autokonzerne -
    solange Autos als heilige Kühe gelten wird man die momentanen Zustände akzeptieren,
    sollte - was zu erwarten ist - ein Wertewandel stattfinden - dann wird sich das alles einpendeln
    oder aber (wahrscheinlicher) es wird kein Stein auf dem andern bleiben.


    Bleiben wir bei den Dirigenten.
    Solange sich Sponsoren finden, die die schier gigantischen Summen für den Konzertbetrieb aufbringen
    solange Staaten zweifelhafte Inszenierungen und Events subventionieren
    solange wird der Status quo aufrechterhalten bleiben.
    Im Falle das Staates und Subventionierung von elitären Festivals
    muß man allerdings auch die voraussichtlichen Einnahmen aus dem Edeltourismus
    mit in die Rechnung einbeziehen....


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Lieber Alfred!

    …..solange Staaten zweifelhafte Inszenierungen und Events subventionieren


    Die Staaten subventionieren so gut wie gar nicht in den USA!
    Kultur wird nicht als staatliche Aufgabe betrachtet


    Das Interesse an Klassischer Musik und Oper ist rückläufig.


    In den USA?
    Sonderbar, habe ich gegenteilige Informationen!


    Beste Grüße
    Caruso41

  • Zitat Caruso41:

    Zitat

    Die Staaten subventionieren so gut wie gar nicht in den USA!
    Kultur wird nicht als staatliche Aufgabe betrachtet


    Zitat Alfred:Schmidt

    Zitat


    Das Interesse an Klassischer Musik und Oper ist rückläufig

    .


    Zitat Caruso41:

    Zitat

    In den USA?
    Sonderbar, habe ich gegenteilige Informationen!


    Meine Aussage bezog sich nicht auf die USA - sondern ganz allgemein
    Eine Unachtsamkeit von mir
    Aber wenn das so ist;
    Steigendes Interesse an Klassik
    Private Sponsoren die für die Kosten aufkommen


    Dann ist zumindestens in den USA die (Klassik)Welt in Ordnung
    Dann sind auch die Gegen der Dirigenten kein Thema...


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Meine Aussage bezog sich nicht auf die USA - sondern ganz allgemein


    Lieber Alfred!
    "Ganz allgemeine" Aussagen haben immer eine große Chance, für jedes denkbare Land falsch zu sein.
    Der New York Times Artikel von gestern aber basiert auf sehr sorgfältiger Recherche und dürfte für die USA unbestreitbar sein!
    Die Verhältnisse in Deutschland sind einfach ganz andere als in den USA!
    Ob Deine Anmerkungen für Deutschland stimmen, das lasse ich denn mal dahingestellt.
    In diesem Thread geht es um die USA-Orchesterszene!


    Beste Grüße
    Caruso41