Wie viele Opern gibt es eigentlich ?

  • In einem anderen Thread wurde der Grundstein für diesen gelegt, Es wurde die Frage zur Sprache gebracht, wie viele Opern es denn eigentlich gäbe.
    Man wird vermutlich im Rahmen einer Recherche auf unterschiedliche Zahlen kommen, aber bevor wir recherchieren, sollte jeder "aus dem Bauch heraus" eine ungefähre Einschätzung abgeben.(und sie idealerweise begründen)
    Es wurde auch angenommen. daß in der Vergangenheit weniger Opern entstanden sind, weil das Genre den oberen Gesellschaftsschichten vorbehelten gewesen sein und somit weniger Opernliebhaber verfügbar waren als heute, notebene auch deshalb, weil die Weltbvölkerung signifikant geringer gewesen sei.
    Mal sehen was ihr dazu zu sagen habt...


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Die Frage ist - so verlockend sie sein mag - für mich nicht zu beantworten. Selbst grobe Schätzungen dürften nach meiner Auffassung unmöglich sein. Ich meine mal Zahlen gelesen zu haben. Nur weiß ich nicht mehr, wo. Für das Genre Oper hätten wir einen Schaffenszeitraum von etwa 380 Jahren anzusetzen. Und wir müssten weit über unseren Sprachraum hinaus schauen. Es gab sehr tüchtige Opernkomponisten. Oft sind die Titel nicht einmal dokumentiert. Im großen Handbuch der Oper von Heinz Wagner wird damit geworben, dass mit Angaben über 2250 Werke "neue Maßstäbe" gesetzt würden. In der Tat werden viele Opern besprochen, die kaum jemand kennt. In eine Übersicht müssten auch solche Werke einbezogen werde, die ideologisch verdächtig sind. Dazu gehört - um nur ein Beispiel von vielen zu nennen - der Komponist Hans Grimm, der sich den Nazis andiente. Er hat mindestens zehn Opern komponiert. Selbst Wagner hat "nur" zwei seiner Opern im Angebot. Ich bin auf weitere Beiträge gespannt.

  • Diese Frage dürfte kaum zu beantworten sein. Ich habe das von Rheingold erwähnte Handbuch der Oper von Heinz Wagner mit 2250 Eintragungen. Seitdem gibt es eine 5. Auflage, die etwa 3000 Opern enthalten soll. Das Buch ist dick und schwer, obwohl es wenig detaillierte Angaben, sondern eher grobe Inhaltsangaben enthält, die kaum helfen, die einzelnen Szenen in der Originalsprache zu verfolgen. Aber man hat wenigstens einen Überblick, worum es in der Oper geht. Ich glaube, unser Opernführer, der sich bemüht, den Inhalt der einzelnen Szenen auch bei Inszenierung in der Originalsprache erfassen zu können, würde mit seinen inzwischen 920 Inhaltsangaben die Dimension eines Bandes sprengen und müsste, wenn er - auch ohne die zusätzlichen Angaben zum Werk und zu Diskographie gedruckt würde, wohl schon mehrere Bände umfassen.
    Ich habe mir nun mal die Mühe gemacht, bei einigen bekannten Komponisten in der vierten Auflage zu zählen, wie viele ihrer Werke darin enthalten sind. Bei Adolphe Adam waren es von 44 nur 9, bei Boieldieu von 38 nur 5, dagegen sind die Opern von Rossini und Donizetti und anderen fast vollständig enthalten. Ich glaube aber auch bei 3000 Einträgen kommen die Erstgenannten wohl nur mit einem Teilwerk zur Sprache. Schwieriger dürfte es noch bei den Opern des Barock sein. Die Opern von Händel sind in der 4. Auflage z.B. fast vollständig enthalten, von Vivaldi jedoch von 51 nur 12 und Paisiello von ca 100 nur 10.
    Ich schätze, dass wir auch zwischen 4000 und 5000 kaum einen annähernden Wert erreichen.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Gemäß dem, was ich in englischsprachigen Quellen gelesen habe, gehen die Schätzungen von bis zu 40.000 (!) Werken aus, wobei natürlich der größte Teil derselben völlig vergessen ist, vielleicht sogar noch nie gespielt wurde, in den Archiven schlummert, oder nur bruchstückhaft erhalten ist - oder auch gar nicht...
    Dann steigt die Zahl natürlich kontinuierlich durch Neukompositionen an.
    Man sieht also, da haben die Tamino-Autoren noch einiges zu tun. Indes kann man sich natürlich die Frage stellen, was es bringt, über eine Oper zu lesen, die man nicht sehen oder hören kann, da sie weder eingespielt noch aufgeführt wird.
    Dennoch finde ich den Ehrgeiz, möglichst viele Werke zu erfassen, sehr löblich, zumal man nie weiß, was so alles noch überraschenderweise aus dem Dornröschenschlaf geweckt wird...


    liebe Grüße

  • Ich habe vor einiger irgendwo gelesen, dass es mehr als 6.000 komplett erhaltene Werke gibt, gute eintausend sind namentlich irgendwie bekannt, 200 kennt der Liebhaber auf alle Fälle und 100 werden auch überall gespielt.

  • Ohne mich an die Quelle erinnern zu können, habe ich maö gelesen, daß es insgesamt an die 40.000 Opern geben soll.
    Das ist nicht wirklich unwahrschaienlich, wenn ich rund 400 Jahre als "Entstehungszeit" rechne, das wären das weltweit ca 100 Opern pro Jahr, kämen auf jedes Land, wo Opern geschrieben wurden, etwa 8-10. Man darf dabei nicht vergessen, daß in der Vergangenheit Opernhäse jedes Jahr eine oder mehr neue Opern auf dem Spielplan hatten. Unter den Komponisten sind Namen, die die meisten Opernfreunde heut nicht mal vom Hörensagen kennen.


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Gefragt war natürlich nach "allen" je komponierten Opern, aber in der Realititä schaut es eher so aus


    a) Alle je komponierten Opern. (einschliesslich der verloren gegangenen, die wir nicht kennen - hier sind wir auf Schätzungen angewieseen)
    b) Alle Opern, von deren Existenz wir Kenntnis haben (einschliesslich jener, die als "verscollen" oder "verloren" bezeichnet sind
    c) Alle Opern die erhalten sind
    d) Alle Opern die innerhalb der letztm 100 Jahre irgendwann und irgendwo auf einem Spielplan standen
    e) Opern die heute regelmäßig auf Spielplänen zu finden sind.


    Eigentlich müsste man die "Erstaufführungen" zeitgenössischer Werk hier ebenfalls erwähnen, die nach ein bis zwi Aufführungen wieder ins Nirwana entschwinden und auch die "Entdeckungen" für Festspiele.....


    zu e) Ich habe den Eindruck, daß diese Gruppe allmählich immer kleiner wird.....


    mfg aus Wien
    Alfred