Die neue Tenorhoffnung Benjamin Bernheim

  • Zum ersten Mal habe ich den französischen Tenor Benjamin Bernheim letzten Monat als Nemorino in einer Live Übertragung aus der Wiener Staatsoper gehört. Er hat eine sichere Technik , keinerlei Höhenprobleme und hat den nötigen Schmelz in der Stimme. Besonders gefallen hat er mir als Rodolfo in La Boheme, ebenfalls in einer Live Übertragung aus der Wiener Staatsoper. Bei seiner Arie Che gelida mamina. sang er das hohe C und kam auch ohne Probleme bei der Ensemble Szene am Ende des zweiten Akte über Chor, Sänger und Orchester hinweg . 2019 wird er dem Alfredo Germont in London singen, den Rodolfo in Wien und Zürich und den Faust in Chicago und in Dresden den Erik im fliegenden Holländer. Er hat in Lausanne studiert und hatte unter anderem Meisterkurse bei Giacomo Aragall





    Arie des Nemorino Una furtiva lagrima aus Wien

    Leider sind die Vorschaubilder viel zu groß geworden. Wie bekommt man die denn kleiner

  • rodolfo39

    Hat den Titel des Themas von „Dje neue Tenorhoffnung Benjamin Bernheim“ zu „Die neue Tenorhoffnung Benjamin Bernheim“ geändert.
  • Ich habe Benjamin Bernheim bisher zweimal live erlebt, allerdings nicht im italienischen Fach, sondern als Matteo unter Thielemann in Dresden und als Lenski in Berlin. Es ist erstaunlich, welche Bandbreite er jetzt schon abdeckt. Obwohl er eher lyrische Rollen singt, ist die Stimme schon recht robust. Ich habe sie mit einem warmen, silbrigen Klang in Erinnerung. Er dürfte in jedem Fall eine der größten Tenorhoffnungen sein.

  • Ich hatte ja geschrieben, dass ich bisher Benjamin Bernheim noch nicht gehört habe und auch kaum etwas über ihn gehört habe.


    Inzwischen habe ich mich etwas mit ihm beschäftigt. Etliche seiner Aufnahmen, die auf YouTube verfügbar sind, habe ich gehört. Mit seinem kräftigen jugendlichen Tenor nimmt er viele Opernliebhaber für sich ein, die gerne Tenöre hören, die auch mal blank ziehen und mit Spitzentönen prunken können. Obwohl er bisher nur im lyrischen Fach unterwegs ist, klingt die Stimme eigentlich recht heldisch. Manchmal erinnert sie direkt an den jungen Mario del Monaco. Wer den seismischen Schock von Tenorstimmen erwartet, wird von Bernheim bestens bedient. Die Stimme ist gut fokussiert und in allen Lagen klangvoll.


    Sein Singen besticht durch Klarheit, saubere Diktion, und ein verlässliches Gefühl für Phrasierung. Auf den Aufnahmen habe ich den angeblich schönen Schmelz seiner Stimme nicht hören können. Das mag an der Aufnahmetechnik liegen. Aber auch Farbenreichtum und Charme habe ich vermisst - besonders in den französischen Arien. Erstaunlich für einen Franzosen! Mir fehlt denn auch das Raffinement der französischen Gesangskultur, insbesondere das Ausklingen von Tönen und Phrasen. Speziell in der Höhe reißen die Tönen unschön ab. Das Legato ist leider nicht immer bruchlos und fließend.

    Mit Sicherheit wird Benjamin Bernheim trotz meiner Einwände Karriere machen und viele Melomanen begeistern. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass er seine Rollen intensiv gestaltet und als Darsteller zu überzeugen weiß.

    Wo er im Feld der erstaunlich vielen Tenorhoffnungen steht, möchte ich nicht entscheiden bevor ich ihn live gehört habe. Immerhin: es gibt auch noch Liparit Avetisyan, Sergey Romanowsky, Arsen Soghomonyan, Valentyn Dytiuk, Migran Agadzhanyan, Mario Bahg in diesem Fach. Das waren alles Tenöre, die im Thread NEUE STIMMEN ausführlich vorgestellt wurden und von denen ich keinen abschreiben würde! Im Gegenteil: sie erobern recht eindrucksvoll die renommierten Opernbühnen.

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

    Einmal editiert, zuletzt von Reinhard ()

  • Wie ich in meiner Besprechung der Wiener Zauberflöte geschrieben habe sehe ich Benjamin Bernheim als einen der vielversprechendsten, ja vielleicht sogar DEN vielversprechendsten jungen Tenor, den wir zur Zeit zu hören bekommen - und in der einen oder anderen Hinsicht erinnert mich sein Timbre sogar an Wunderlich. Sein Tamino war überragend (leider hat er gestern zum letzten Mal diese Rolle verkörpert). Er tendiert jetzt schon langsam zum Zwischenfach und ich kann ihn mir in einiger Zeit schon als Werther vorstellen.


    Bernheim begann als Ensemblemitglied in Zürich bevor er vor allem in Europa von sich hören ließ. Bis dato umfassen seine Rollen den Rodolfo, Flamand, Cassio, Roméo, Italienischer Sänger (Rosenkavalier), Edmondo (Manon Lescaut), Nicias (Thais), Tamino, Erik, Nemorino, Lenski und Alfredo.


    Leider wird er diese Saison in Wien nicht mehr auftreten. Seine nächsten Engagements führen in nach London und Mailand (Alfredo Germont), Bordeaux (in Manon) und Zürich (in Nabucco).


    DVDs mit ihm gibt es auch schon -


    Oedipus Rex - Rolle des Berger

    Fierrabras - Rolle des Eginhard

    I Capuleti e i Montecchi - Rolle des Tebaldo

    Otello - Rolle des Cassio

    Manon Lescaut - Rolle des Edmondo


    Wenn er seine Karriere sorgfältig plant denke ich, dass wir in einigen Jahren ihn auch als Lohengrin hören können - Bernheim ist auf jeden Fall ganz oben auf der Liste der SängerInnen, die ich beobachte!

  • Benjamin Bernheim hat einen Exklusiv-Vertrag mit der DGG abgeschlossen


    Tenor Benjamin Bernheim signs to DG (photo: Richard Boll)


    Der Tenor wird seine erste Solo-CD im Herbst herausbringen.

    Sie enthält Arie aus italienischen,. französischen und russischen Opern.


    Zitat

    Deutsche Grammophon has signed another impressive young artist to its roster – the French tenor Benjamin Bernheim. The first fruits of the 33-year-old lyric tenor’s deal with the Yellow Label will appear this autumn: joined by the Prague Philharmonia and Emmanuel Vuillaume, he has recorded an album of French, Italian and Russian opera arias (Gounod, Massenet, Donizetti, Puccini, Verdi and Tchaikovsky).


    Announcing the signing, DG’s President Clemens Trautmann commented that ‘Benjamin owns much more than a sublime voice. He is always searching for those vital elements that lie beneath the music’s surface, demonstrating a combination of intuition and empathy as well as technical mastery. We’re determined to introduce this remarkable young star to a large new audience, and show why he’s in such high demand at the world’s leading opera companies.’


    Roles in opera DVDs have already earned positive note in Gramophone – he was described as ‘an excellent Cassio’ in a DVD of Otello conducted by Christian Thielemann in 2017, while in 2016 he was also praised for his performance of Tebaldo in Bellini’s I Capuleti e i Montecchi. He also in fact made an earlier DG appearance, in Puccini’s Manon Lescaut, on a recording from the Salzburg Festival starring Anna Netrebko.

    Beste Grüße

    Caruso41


  • Ein neuer "Faust" von Gounod mit Benjamin Bernheim in der Titelrolle ist bei Palazzetto angekündigt. Ich hatte Gelegenheit, die Aufnahme zu hören und bin zutiefst angerührt. Eine wunderbar leichter französischer Tenor wie aus dem Bilderbuch. Die Produktion, die auf einem Mitschnitt aus dem Théâtre des Champs-Élysées von 2018 beruht, erfährt ihren ganz besonderen Reiz auch dadurch, dass es sich um die erste Fassung des "Faust" von 1859 als Operé-comique mit gesprochenen Dialogen handelt.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Re: Benjamin Bernheim


    Lieber Rüdiger, ist schon seit einer Woche vorbestellt, ich freue mich jetzt schon drauf! :love:


    1859: DER ANDERE "FAUST" GOUNODS VOM PALAZETTO BEI EDICONES SINGULARES "WAS FÜR EIN TENOR"!


    Sehr sehr interessant :!:und des lesens wert!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

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