Klaus Mäkelä - Chefdirigent beim Oslo Filharmoniske Orkester

  • Mäkelä hat im Jänner 2019 auch bereits Bruckners Fünfte beim MDR-Sinfonieorchester in Leipzig dirigiert. Der Mitschnitt wurde seinerzeit ausgestrahlt. Gestern hörte ich ihn mir erstmals komplett an. Dass sich ein seinerzeit 23-Jähriger an die komplexeste Symphonie von Bruckner herantraut, lässt schon mal aufhorchen. Selbst Bruckner-Exegeten wie Günter Wand warteten voller Ehrfurcht, bis sie alte Männer waren. Ich habe jedenfalls bereits belanglosere Interpretationen weit etablierterer Dirigenten gehört als die Lesart Mäkeläs. Das Problem ist allerdings das Orchester, das damals wahrlich keinen guten Tag hatte. Besonders die Bläser, Holz und zumal Blech, patzen, was das Zeug hält. Ich hatte sogar den Eindruck, als wollten sie den blutjungen Dirigenten vorführen. Im ersten und zweiten Satz ist das besonders arg und verleidet einem den Hörgenuss doch erheblich. Zu frühe, zu späte und unsaubere Einsätze en masse. Danach wird es besser, bevor die hörbare Überforderung in der Schlusscoda wiederkehrt, wo so einiges schiefgeht. Dem Publikum gefiel es trotzdem, vernimmt man den Applaus. Ich glaube trotzdem nicht, dass diese Aufnahme jemals kommerziell erscheinen wird. Ob das einfach ein schlechter Tag des Orchesters war, ob zu wenig geprobt wurde oder ob es vielleicht doch am Dirigenten lag, ist schwer festzustellen, wenn man nicht live dabei war. Fazit: Bruckners Fünfte ist und bleibt eine Herausforderung der Extraklasse.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Die Neunte von Mahler hat er indes bereits tatsächlich dirigiert, nämlich letzten Dezember mit "seinem" Orchestre de Paris.

    Abrufbar ist das Konzert aber erst wieder ab Mittwoch:


    Grande Salle Pierre Boulez, Paris, Frankreich

    Kostenlos On-Demand:
    Mittwoch 24. März 2021 20:30 bis Donnerstag 23. September 2021 23:59


    Ravel, Maurice (1875-1937) Pavane pour une infante défunte

    Bartók, Béla (1881-1945) Klavierkonzert Nr. 3, Sz119

    Bruckner, Anton (1824-1896) Symphonie Nr. 9 in d-Moll, WAB109


    Orchestre de Paris

    Klaus Mäkelä Dirigent

    Kirill Gerstein Klavier


    Am 8. August 2020 hatte hatte ich bereits mitgeteilt, dass Klaus Mäkelä mit Beginn der Saison 2022/23 Chefdirigent des Orchestre de Paris wird.

    Wer was von dem jungen Senkrechtstarter haben will, muss ihn offenbar jetzt an sich binden.

    Das hat auch das Orchestre de Paris getan. Mit Beginn der Saison 2022/23 wird er Chefdirigent des Orchesters.
    Er wird dem Orchester 12 Wochen pro Jahr zur Verfügung stehen.
    Eine zeitliche Begrenzung des Vertrages scheint es nicht zu geben.


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Danke sehr, lieber Caruso, für diesen Hinweis auf das Konzert mit Bruckners Neunter. Das werde ich mir definitiv anhören. Mir ging es weiter oben indes um jenes Konzert mit Mahlers Neunter.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber JosephII.!

    Danke sehr, lieber Caruso, für diesen Hinweis auf das Konzert mit Bruckners Neunter. Das werde ich mir definitiv anhören. Mir ging es weiter oben indes um jenes Konzert mit Mahlers Neunter.

    Jessas, da habe ich beim Rück- und Vor- und wieder Rück-scrollen wohl den Durchblick verloren. Sorry!


    Insgesamt freue ich mich freilich, dass Klaus Mäkelä auch in unserem nun Forum Aufmerksamkeit findet. Das sah zunächst nicht so aus. Als sich fast ein Jahr lang niemand in diesen Thread verirrt hat, war ich schon ziemlich deprimiert.


    Hast Du denn inzwischen auch schon Konzerte von Mäkelä 'in the flesh' gehört?

    Ich hoffe, am 1. Mai 2021 in Berlin wieder das Glück zu haben! Noch ist aber nicht klar, dass das Konzert vor Publikum stattfinden kann.

    Auf jeden Fall wird es eine Übertragung in DEUTSCHLANDRADIO KULTUR geben! Der Termin dafür steht noch nicht fest.


    Beste Grüße

    Caruso41

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  • Lieber Caruso,


    nein, live erleben konnte ich Mäkelä noch nicht. Das ist mir unter den derzeitigen Umstände auch unmöglich. In Wien ist er m. W. noch nicht aufgetreten, und selbst wenn er in nächster Zeit käme, so fände das Konzert wohl ohne Publikum statt. Deswegen bin ich sehr dankbar für die Konzertvideos und Rundfunkübertragungen, die es erlauben, sich trotzdem ein Bild vom Werdegang dieses Dirigenten zu machen. Für die Zukunft bin ich zuversichtlich, dass eines der in Wien ansässigen Orchester Klaus Mäkelä einladen wird.

    Beste Grüße

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich mich an diesem Thread beteiligen soll, denn ich habe Klaus Mäkelä 2x "live" gehört und hatte keinen positiven Eindruck, der aber (ich hinterfrage mich selber kritisch) vermutlich auf Vorurteilen beruhte.

    Die Kleinstadt Mikkeli, in der ich lebe, hat sogar ein eigenes Orchester, wenn auch nur ein 12-köpfiges Streichensemble, dem Sasha Mäkilä als Chefdirigent vorstand, ein Dirigent, der mir sehr gut gefiel und den ich auch mit dem Mariinsky-Orchester erlebt habe. Differenzen mit dem Intendanten führten dazu, dass Mäkiläs Vertrag nicht verlängert wurde.

    In diese Zeit fielen die beiden Konzerte mit Klaus Mäkelä, und ich besuchte dessen Proben und Konzerte. Ich bin mir der Problematik bewusst, einen Dirigenten (vom Standpunkt des Zuhörers und Zuschauers her) zu beurteilen, und ich weiß, dass es bei mir mehr ein Bauchgefühl ist, das mich aber oft nicht getrogen hat.

    Im Falle von Klaus Mäkelä hat es mich aber ganz offensichtlich doch getrogen, denn ich konnte seinem Dirigat nichts abgewinnen. Wenn er sinfonische Werke dirigiert hätte, hätte ich etwas über seine Interpretation aussagen können, aber angesichts des Repertoires eines Streichorchesters konzentrierte ich mich auf die Art und Weise seines Dirigierens, und die kam mir anfängerhaft-mechanisch vor. Mäkelä stand damals am Beginn seiner Dirigentenkarriere und trat in einem der beiden Konzerte sogar als Cellist auf, was mir sehr gut gefiel.

    Ich habe dann Klaus Mäkeläs Weg verfolgt und musste zum Ergebnis kommen, dass ich mit meiner Einschätzung verkehrt lag. Ich fragte mich : Kann dieser Dirigent schlecht und unbedeutend sein, der von der Agentur HarrisonParrot vertreten wird, den Esa-Pekka Salonen zu seinem Assistenten bei seiner "Ring" - Einstudierung an der Finnischen Nationaloper gemacht hat, der Künstlerischer Leiter des Turku Musik-Festivals geworden ist, der namhafte Orchester als Chef- oder Gastdirigent leitet? Nein, Schünemann, da hast du dich wohl geirrt!!!

    Es gibt zum Glück sehr viele von Mäkelä dirigierte Mitschnitte, an Hand deren ich offenbar meinen auf Vorurteilen beruhenden Irrtum korrigieren kann.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

  • Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich mich an diesem Thread beteiligen soll, denn ich habe Klaus Mäkelä 2x "live" gehört und hatte keinen positiven Eindruck, der aber (ich hinterfrage mich selber kritisch) vermutlich auf Vorurteilen beruhte.

    Du hast mit Dir gerungen, lieber Peter Schürmann, und Dich schließlich dazu durchgerungen, hier auch etwas zu schreiben. Dafür bin ich Dir sehr dankbar.

    Dein ungemein offener Bericht über Deine Geschichte mit einem jungen Dirigenten, der Dich beim ersten Kennenlernen nicht überzeugt hat, nun aber Karriere macht und von allen Seiten als herausragendes Talent gepriesen wird, fand ich in seiner Ehrlichkeit ganz bewegend. Ich bin gespannt zu welchen Eindrücken und Einsichten Dich die Mitschnitte, die es ja erstaunlich zahlreich von ihm im Internet gibt, bringen werden. Zögere nicht, uns die mitzuteilen, auch wenn Deine Vorbehalte und Kritik nicht gänzlich verschwinden.


    Beste Grüße

    Caruso41

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  • Ich habe mir gestern Nacht noch die besagte Neunte von Bruckner aus dem oben gezeigten Konzertvideo komplett angehört. Mäkeläs Spielzeiten sind auf der eher gemessenen Seite: knapp 27 Minuten - 10:30 Minuten - 26:30 Minuten. Insgesamt gefiel mir diese Darbietung sehr gut. Das Orchestre de Paris ist zwar nicht eben als Bruckner-Orchester berühmt, doch gelang ein doch idiomatischer Tonfall. Mäkelä hat trotz seiner Juvenilität durchaus bereits etwas zu sagen in Sachen Bruckner (erstaunlich genug). Im Kopfsatz wurde nicht ganz die unglaubliche Intensität Bruno Walters erzielt, aber die Messlatte ist ja auch unerreichbar hoch gelegt. Am meisten sagte mir das Scherzo zu. Das Adagio klang hier durchaus so, als könnte noch ein Finalsatz danach folgen, was leider nicht der Fall war.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber Joseph II !

    Mäkeläs Spielzeiten sind auf der eher gemessenen Seite: knapp 27 Minuten - 10:30 Minuten - 26:30 Minuten.

    Wichtiger als die Zeitangaben der Spieldauer der einzelnen Sätze finde ich die Frage, ob es dem Dirigenten gelingt, die Logik und die Geheimnisse der architektonischen Form zu entschlüsseln und nachzuvollziehen. Und dafür sind eigentlich unter anderem die Temporelationen innerhalb der Sätze bedeutend. Wie die gestaltet werden, finde ich unheimlich spannend. Das zu messen ist allerdings schwierig. Ich erinnere mich an zwei Aufführungen der 9. Sinfonie von Bruckner unter Hans Rosbaud und John Barbirolli, die ich kurz hintereinander gehört habe und bei denen die Spieldauer der Sätze ungefähr gleich war. Die Relationen innerhalb des ersten und auch des dritten Satzes aber waren ganz unterschiedlich. Zudem gönnte sich Barbirolli agogische Freiheiten während Rosbaud streng auf die Einhaltung der für die jeweiligen Teile gewählten Tempi bedacht war. Dadurch entstanden völlig verschiedene Sichtweisen der Architektur. Die eine Interpretation klang nach Bauhaus, die andere nach mittelalterlichem Dom.
    Mich würde schon interessieren, wie Mäkelä das Werk aufgebaut hat. Aber im Augenblick komme ich nicht dazu die Aufnahme zu hören. Vielleicht an Ostern?


    Beste Grüße

    Caruso41

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  • Wie der Decca Homepage zu entnehmen ist, wird Klaus Mäkelä künftig für das Label CDs aufnehmen.


    Das erste Projekt wird ein Sibelius Sinfonienzyklus mit "seinen" Philharmonikern aus Oslo sein, inklusive der sinfonischen Dichtung "Tapiola" und den Fragmenten der lange Zeit als zerstört geglaubten 8. Sinfonie.


    Man darf gespannt sein, denn guten Sibelius kann man gar nicht genug hören, wenngleich der etwa zehn Jahre ältere Santtu-Matias Rouvali die Messlatte des Interpretationsvermögens von Sibelius-Sinfonien durch einen jungen finnischen Dirigenten sehr hoch gehängt hat...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Das erste Projekt wird ein Sibelius Sinfonienzyklus mit "seinen" Philharmonikern aus Oslo sein...


    Man darf gespannt sein, denn guten Sibelius kann man gar nicht genug hören, wenngleich der etwa zehn Jahre ältere Santtu-Matias Rouvali die Messlatte des Interpretationsvermögens von Sibelius-Sinfonien durch einen jungen finnischen Dirigenten sehr hoch gehängt hat...

    Ich kenne nur die Aufnahme der 2. Sinfonie von Sibelius unter Rouvali. Die hat schon ein bemerkenswerte Klarheit - der Klanges und der Strukturen. Zudem ist sie sehr engagiert und lebendig. Besonders das Scherzo finde echt mitreißend. Das Finale ist nicht weniger mitreißend und voll feuriger Energie. Allerdings vermisse ich hier das große Pathos, das bei Vanskä zu hören ist.


    Wie auch immer. Ich denke, dass Mäkelä durchaus auch noch was zu sagen hat, denn....

    .... guten Sibelius kann man gar nicht genug hören

    Beste Grüße


    Carsuo41

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  • BR-KLASSIK: 7. Oktober 2021, 20.00 Uhr

    Live aus dem Herkulessaal der Münchner Residenz - Surround

    Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks

    Leitung: Klaus Mäkela

    Solisten: Anna Lucia Richter, Mezzosopran;

    Frank Peter Zimmermann, Violine

    Béla Bartók: Rhapsodie Nr. 2, Sz 90;

    Bohuslav Martinů: Suite concertante D-Dur, H 276a;

    Gustav Mahler: Symphonie Nr. 4 G-Dur


    Klaus Mäkelä | Bildquelle: © Jerome Bonnet


    Er ist der Shooting-Star unter den jungen Dirigenten aus Finnland, die durch die legendäre Schule Jorma Panulas an der Sibelius-Akademie in Helsinki gegangen sind: Der erst 25-jährige Klaus Mäkelä ist bereits Chefdirigent der von Mariss Jansons geprägten Osloer Philharmoniker, im Herbst 2022 übernimmt er zusätzlich die Leitung des Orchestre de Paris. Mäkeläs Debüt beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Februar 2020 kam so gut an, dass er im Oktober desselben Jahres gleich wieder zu einem Coronakonzert eingeladen wurde.


    Nun steht sein dritter Auftritt beim BRSO an, und Mäkelä dirigiert Gustav Mahlers leichter besetzte Vierte Symphonie. Deren vermeintlich naiver Grundton vermittelt allerdings eine trügerische Idylle, voller Brüche, Ironie und Galgenhumor. Im ersten Konzertteil gibt es eine Wiederbegegnung mit dem fabelhaften Geiger Frank Peter Zimmermann, der dem BRSO seit über 35 Jahren freundschaftlich verbunden ist.


    Mit zwei seltener zu hörenden Violinwerke beweist Zimmermann einmal mehr, dass er sich nie mit dem Mainstream begnügt hat. Die Suite concertante von Bohuslav Martinů ist in ihrer zweiten Fassung ein neoklassizistisches Meisterstück à la Strawinsky, mit pulsierenden Rhythmen und ariosen Melodien, inspiriert von der tschechisch-mährischen Volksmusik. Noch deutlich folkloristischer gibt sich die einleitende zweite Violin-Rhapsodie von Béla Bartók, die mit ihren erst langsamen, dann schnellen Tanzrhythmen ungarisches Feuer entfacht.

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)