Neujahrskonzerte 2019

  • Ich bin nun nicht der größte Verehrer von Christian Thielemann und sehe mich auch nicht befugt, bezüglich der schon weit oben benannten Werke, welche angeblich anderweitig besser aufgeführt wurden, Kontra zu bieten. Allenthalben fand ich das Konzert indes gelungen, vielleicht gerade dann, wenn der Zugriff hätte knackiger sein können und stattdessen eine angenehm melancholisch verhaltene Note ins Spiel kam.


    Wer allerdings die Meinung vertritt, Thielemann sei zu militärisch vorgegangen, der hat entweder die Veranstaltung wirklich nicht zur Kenntnis genommen oder sein Urteil in der Tat vorher unwiderruflich gefällt. Denn das stimmt einfach nicht, absolut nicht!


    :hello:Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Ich bin auch der Meinung, dass Thielemann seine Sache nicht schlecht gemacht hat.

    Er war, im Gegensatz zu anderen Dirigenten, die spritziger und auch knalliger wirkten, sehr ruhig und verhalten, auch melancholisch.

    Aber auch das ist nichts Neues, wie man nachhören kann.


    Erich

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Seit heute ist die CD offiziell im Handel und bereits jetzt ein Bestseller bei Amazon:




    Ich habe bislang nur den ersten Teil des Neujahrskonzerts angesehen und war durchaus angetan. Besonders gelungen der mir bisher unbekannte Walzer "Nordeseebilder" von Johann Strauss Sohn, der tatsächlich schon an eine Symphonische Dichtung denken lässt, wo Thielemann natürlich in seinem Element ist. Dass es besonders "preußisch" geklungen hätte, kann ich bislang jedenfalls nicht bestätigen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Nicht zu vergessen, ab 25.1.19 kann, wer will ;), ihn auch sehen....




    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Am Neujahrsmorgen war ich nach nur wenigen Stunden Schlaf (wir hatten Besuch bis gegen 3.00 Uhr) nicht scharf aufs Neujahrskonzert, habe es deshalb am Sonnabendabend angesehen. Generell finde ich, daß die Musikauswahl dieses Jahr wenig Gelegenheit gab, Spritzigkeit und Fröhlichkeit zu zeigen. Es war vielmehr ein Konzert mit viel innerlicherTiefe, mit verhaltender Musik, herrlichem Violinenklang und besonders viel romantischer Harfentöne. Da hätte auch Pretre wenig Gelegenheit gehabt, sein ansteckendes, strahlendes Lächeln zu zeigen und seine Freude an schwungvoller Interpretation auszuleben. Thielemann tat das genau richtig, mit Zurückhaltung in der Mimik und in der Gestik. Für mich war es ein besonderes Neujahrskonzert, gerade wegen vieler relativ wenig bekannter Stücke. Ich muß gestehen, von Ritter Pasman bis dato noch nichts gehört zu haben!

    Nur beim "Künstlerleben" hätte ich mir ein wenig mehr Schmiß gewünscht, aber das ist subkektiv. Von preißischem Schmiß habe ich nichts gemerkt.


    Herzlichst La Roche

    Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!

  • Manch schlechtes Urteil wäre vielleicht anders ausgefallen, wenn Thielemann nicht zu sehen gewesen wäre oder der Hörer gar nicht gewusst hätte wer dirigiert. Mir hat das Konzert gefallen. An einem erfolgreichen Konzert hatte ich auch im Vorfeld nie gezweifelt. Thielemann dürfte neben Muti ein Lieblingsdirigent des Orchesters sein. Das mit Klischees geurteilt wird, ist nichts Neues.

  • Habe auch bereits die erste Hälfte gesehen. Mir hat es sehr gut gefallen, ich empfinde es als sehr geschmeidig und leicht elegisch, nobel und intensiv. Möglicherweise ein Quentchen weniger spritzig und dynamisch als in anderen Jahre aber immer noch schwungvoll und federnd. Weniger feurig, mehr glutvoll, würde ich sagen. Sehr schön jedenfalls, für mich auch nicht langweilig.

  • Nachdem ich nun das komplette Konzert gesehen habe, möchte ich mich den positiven Reaktionen ausdrücklich anschließen. Ich hatte überhaupt nicht den Eindruck, hier stünde ein "preußischer Kapellmeister" am Pult, ganz im Gegenteil. Thielemann wusste vielmehr genau, wann er auch mal die Zügel ein wenig loslassen konnte, was bei diesem Orchester und zumal in diesem Repertoire natürlich hervorragend klappt.


    Persönliches Highlight für mich besagter Walzer "Nordseebilder" op. 390 von Johann Strauss Sohn. Selten gespielt, aber mit der tiefgründigste Strauss-Walzer, den ich kenne. Wenn ein Rezensent des Konzerts Fafner bei den "Sphärenklängen" von Josef Strauss gehört haben will, meinte er wohl eher die "Nordseebilder", die ganz "unstraussisch" düstere Passagen haben.


    Aber auch beim Donauwalzer und Radetzky-Marsch muss Thielemann keine Vergleiche scheuen. Sicher eines der besten Neujahrskonzerte der letzten Jahre.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich teile die Wertungen von Don Gaiferos und Joseph II. voll und ganz, würde der Beschreibung meiner Eindrücke nur noch das Wort elegant hinzufügen. Ja, elegant, so empfand ich es. :) Besonders sagte mir die Programmabfolge zu. Auf den etwas robust angehauchten Ziehrer-Marsch zu Beginn, der einen richtig hineineinzieht in das Konzert, die ausladenden elegischen Transactionen von Josef Strauss usw. Indessen ist das Konzert auf CD erschienen, die DVD kommt Ende des Monats auf den Markt:



    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."