ADAM, Adolphe: LE TOREADOR

  • Adolphe Adam ( 1803 – 1856 )

    Le Toréador ou l'accord parfait

    (Der Torero oder der perfekte Dreiklang)


    Komische Oper in zwei Akten

    Libretto: Thomas Marie François Sauvage

    Originalsprache: Französisch


    Uraufführung: Paris 1849


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Don Belflor, ehemaliger Torero, Bass

    Coraline, seine Frau, ehemalige Sängerin, Sopran

    Tracolin, ein Flötenspieler, Tenor


    Ort und Zeit der Handlung: Barcelona, 19. Jahrhundert


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    Haus und Garten von Don Belflor

    Don Belflor kommt im Mantel aus dem Haus, schaut sich um, ob alles ruhig ist, und verschwindet. Coraline schaut aus dem Fenster und stellt fest, dass er fort ist. Sie sei zwar nicht eifersüchtig, aber ihr Schicksal sei, dass er sie Tag und Nacht allein lasse.

    Dann erfahren wir ihre Geschichte:

    Sie sei eine gefeierte Sängerin in Paris gewesen. Sie habe alle Annäherungsversuche zurückgewiesen und auch Tracolin, einen jungen Flötisten im Orchester, der mit ihr liebäugelte, ignoriert. Dann bekam sie von ihrem Onkel einen Brief, sie solle sofort Paris verlassen, er wolle sie in Barcelona verheiraten. Käme sie nicht, werde er die Erbschaft einem anderen übertragen.

    Sie reiste und noch in Reisekleidung wurde sie in die Kirche geführt und getraut. Das alles geschah in der Dämmerung und bei Tag besehen stellte sie fest, dass sie mit einem eher hässlichen Mann verheiratet war, der – wie sie sich ausdrückt - „schon 60 Jahre die Windeln verlassen hatte“. Sie rät daher allen Frauen, sich die Männer bei Tageslicht auszusuchen.

    Dann hört sie eine Flöte und erinnert sich an Tracolin. Der Flötenspieler rezitiert einige ihr aus ihrer Zeit als Sängerin bekannte Stücke aus Opern und sie singt dazu. Daran erkennt sie schließlich, dass der Flötist Tracolin sein muss. Dann fällt ein Stein mit einem Zettel vor ihre Füße. Soll sie ihn lesen?

    Zunächst singt sie ein Couplet, in dem sie sich fragt, wie sie die Gratwanderung zwischen Liebe und Pflicht bewältigen soll, und sich über den eifersüchtigen Mann beklagt, der nie zu Hause ist. Dann liest sie den Brief, in dem Tracolin ihr erklärt, dass er ihr zu Hilfe kommen wolle. Sie möge ihn eine Antwort schreiben. Im zweiten Teil des Couplets schwankt sie, ob sie sich weigern oder antworten solle. Nun ja, wenn der Mann nie zu Hause sei, soll er die Konsequenzen tragen. Sie antwortet, ohne in der Antwort den Namen Tracolins zu erwähnen und ohne zu unterschreiben, und lässt den Brief mit einem Seil über die Gartenmauer. Dann hört man die Flöte „Triumpf! Ich habe gesiegt.“aus einer Oper von Gretry spielen.

    Plötzlich ertönt ein Hilfeschrei von Belflor und dieser kommt, gestützt von Tracolin, herein. In dem folgenden Terzett verlangt Belflor nach Wein, den Coraline für alle holt, und es folgt ein Loblied aller auf dessen Wirkung.

    Als Caroline hinausgegangen ist. Erfahren wir, dass es bei den Angriffen um eine Liebesaffaire ging, in der Tracolin Belflor zu Hilfe geeilt ist. (So verschaffte er sich den Zugang zum Haus seiner Geliebten). Belflor singt nun eine Arie auf die Liebe, seine Verführungskunst und seine Affairen. Dann rückt auch Tracolin mit seinem Anliegen heraus. Er gibt vor, mit einer Botschaft von Caritéa, einer Tänzerin zu kommen, die in Belflor verliebt sei. Da sich Belflor nicht an diese erinnert, beschreibt nun Tracolin in einer Romanze deren Schönheit und vortreffliche Eigenschaften.

    Belflor springt nicht sofort darauf an, vor allem, da Tracolin kein Schriftstück vorweisen kann, weil er es angeblich verloren hat. Da fällt ihm schließlich das Schreiben ein, das Coraline ihm vorhin geschickt hat, und er präsentiert Belflor dieses. Belflor lässt sich täuschen und ist bereit, eine Antwort zu schreiben.

    Tracolin lässt seine Flöte erklingen, woraufhin Coraline eintritt. Belflor versteckt schnell den angefangenen Brief und spielt auf das Flötenspiel an. Seine Frau könne auch leidlich Gitarre spielen. So finden Tracolin und Coraline Gelegenheit, sich weiter mit Hilfe der Musik miteinander zu unterhalten. Zu der berühmten Melodie „Ah! vous direz-je, maman...“ entspinnt sich ein Liebesgespräch, in das sich aber später Belflor einschaltet, so dass es in einem Terzett endet.

    Als Coraline für kurze Zeit hinaus gegangen ist, kommt Belflor auf seine Antwort an Caritéa zurück und schickt Tracolin, nachdem sie eine Flötenmelodie als Zeichen für das Rendevous vereinbart haben, damit fort.

    Coraline kommt wieder herein und fragt scheinheilig, was sein neuer Bekannter wohl für ein Bursche sei, ein Saufkumpan oder Ähnliches, der sich ohne Abschied verdrückt habe. (Sie kennt ja noch nicht Tacolins Absichten). Als Belflor seinen Mantel verlangt, um auszugehen, droht sie ihm die Scheidung an. Während er den Mantel nimmt, fällt ihr Brief an Tracolin zu Boden.

    In einem Duett endet der erste Akt, in dem Belflor versucht ihr den Brief abzuringen. Zwischendurch ertönt das Flötensignal, das Belflor zu seinem Rendevous ruft, während Coraline sich darüber freut, dass ihr Liebhaber in der Nähe ist. Schließlich versöhnen sich Belflor und Caroline. Er führt sie galant ins Haus. Dann kommt er schnell wieder heraus und eilt zu seinem Rendevous.


    ZWEITER AKT

    wie im 1. Akt, zu einem späteren Zeitpunkt.

    Coraline kommt aus dem Haus. Sie wundert sich, warum Belflor so sanft geworden ist. Sie hatte wegen des Briefes einen Schakal erwartet. Jetzt aber ist er wie ein Lamm. Ist Trocalin ein Zauberer? In einer Arie sinniert sie über die Wünsche der Frauen.

    Da tritt Tracolin hinter einem Baum hervor. Er wirft sich ihr zu Füßen und gesteht ihr seine Liebe. Er schildert, wie er im Orchester beim Gedanken an sie immer das Gegenteil von dem gespielt habe, was vorgegeben war. Aus einem piano wurde ein forte, aus einem Adagio ein Prestissimo, aus einem linden Säuseln ein Sturm. Er habe sie gesucht und finde sie nun als Gattin eines Gauners. Dann erzählt er ihr, wie er Belflor ein Stelldichein mit Caritéa, einer Statistin am Theater seit 20 Jahren, vermittelt habe. Coraline fordert ihn auf, mit ihr sofort zu ihrem Onkel zu gehen, um diesen aufzuklären. Doch das Tor der Gartenmauer ist verschlossen und sie hat keinen Schlüssel. Genüsslich erklärt er ihr die Einzelheiten der Begegnung zwischen Belfort und Caritéa, die sie ihrem Onkel vortragen soll. Plötzlich hören sie den Schlüssel an der Gartenpforte. Tracolin verschwindet.

    Belflor kommt heim. Sie spricht ihn auf seine Sünden an, die sie vorgeblich aus einen fingierten Kartenspiel heraus liest. Er leugnet zwar anfangs, aber von ihren „Zaubertricks“ erdrückt, gibt er schließlich alles zu und bittet um Verzeihung. Sie will ihm nicht verzeihen, sondern droht, zu ihrem Onkel zu gehen.

    Als sie zur Tür geht, tritt Tracolin wieder ein und erkundigt sich nach dem Anlass des Streites. Belflor fordert ihn auf, Schiedsrichter zu sein und Coraline stimmt zu. Das weise Urteil: Belflor solle schwören, künftig treu zu sein. Coraline solle danach Belflor vergeben. Er aber werde als Garant für die künftige Treue Belflors in ihrem Hause bleiben. Belflor und Coraline (natürlich gerne) stimmen zu. Im Dreiklang erklingt noch einmal das Lied aus dem ersten Akt: „Ah! Vous direz-je maman...“.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Anmerkungen:

    Dieses etwas frivole Stück lief mit großem Erfolg bis 1869 an der Opera Comique in Paris. In Deutschland wurde die etwa 90minütige Oper 2007 in Bielefeld wieder ausgegraben und auch in Wuppertal 2014 aufgeführt.

    Das bekannteste Stück daraus ist wohl „Ah! Vous direz-je, maman“, dessen Melodie man im Deutschen aus dem Weihnachtslied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ kennt.

    Auf CD gibt es einige Gesamtaufnahmen dieser brillanten und schwungvollen Oper. Eine ansprechende Aufzeichnung gibt es auf youtube (mit englischen Untertiteln) aus den Théâtre Impérial de Compiègne.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)