1. Satz: Adagio - Allegro vivace (11:35):
Das Eingangs-Adagio ist schön dunkel timbriert und gut durchhörbar, besonders gefallen mir hier die tiefen Streicher und die Holzbläser, die Streicher, die teilweise auch in HIP-Manier recht vibratoarm spielen. Alles geht sehr gelassen vor sich, bis sich der erste ff-Höhepunkt als großer Gegensatz erweist. Wie ein gigantischer Peitschenknall kommt das Tutti, ganz kurz, unheimlcih erregend mit enorm erhöhtem Tempo, fast "vivacissimo", immer noch ist der Klang kristallklar, es ist ein sehr kraftvoller Beethoven, keineswegs belanglos, es geht pausenlos vorwärts, die Bostoner sind wieder obenauf, die Pauken mischen an den Nahtstellen kräftig mit.
Das Hauptthema wird wiederholt- das gefällt mir alles ausnehmend gut, das hat Verve, auch die dynamischen Spannweiten der Partitur nutzt Leinsorf heir voll aus. Das merkt man auch am kraftvollen viermaligen Tuttischlag. Sehr schwungvoll ist auch die Holzbläserpassage, die dann von einer sehr "marcato" gespielten Blechbläser-Paukensequenz abgelöst wird, woraufhin dann die Streicher luftig-leicht zur machtvollen Reprise führen. Die Pauken sind als strukturierendes Element nach wie vor gut zu vernehmen.
Das ist ein Kopfsatz der Vierten, wie er sein muss, schwungvoll, prägnant, kraftvoll.
2. Satz: Adagio (9:15):
Das Adagio beginnt nicht (zu) langsam, immer am Ende jeder Phrase mit einem knackigen Schlusston, fast eienr abgebrochenen Viertel. In diesem dunkel timbrierten ersten Teil sind die mittleren Streicher am besten zu vernehmen, die dann von herrlichen Geigen-Pizzikati abgelöst werden, im Verein mit einer schmachtenden Klarinette. Das Ende dieses ersten Teils wird dann von kraftvollen Tuttischlägen abgeschlossen, dem die Wiederholung der Exposition in leichter Abwandlung folgt. Fantastisch dann im Holz der Tonartenwechsel, das alles im Tempo quasi "Adagio light", sehr beschwingt halt, was sehr gut zum Tempo des ersten Satzes passt. Auch in den p-Passagen bleibt die Spannung erhalten. Dort tun sich auch die Hörner eindrucksvoll hervor, die den Satz souverän mit den Holzbläsern zum überraschenden, paukenbewehrten Abschluss führen.
3. Satz: Allegro vivace: Trio. Un poco meno allegro (6:34):
Das Allegro vivace beginnt etwas verhaltener, könnte etwas schneller sein. Das gefällt mir nicht ganz so gut und fällt auch bis hierhin gegenüber den ersten beiden Sätzen etwas ab. Das Trio passt aber tempomäßig gut dazu und klingt auch verdammt gut. Da wird das Ganze wieder schlüssig. Dann folgt die Reprise, natürlich wieder schneller. Jetzt ist der Zusammenhang wieder da. Auch das herrliche Trio wird wiederholt nach dem Motto: so viel Zeit muss sein. - Also das Scherzo als umgekehrter temporaler Gegensatz zu den ersten beiden Sätzen. Darauf muss man erst mal kommen.
4. Satz: Allegro ma non troppo (7:06):
Der Satz beginnt im normalen Allegro-Tempo, fließt sehr schön, ist sehr transparent in allen Instrumentengruppen und bleibt schön an der oberen Spannungskante, und die Tutti-Steigerungen explodieren nicht, das ist alles sehr organisch. Ich bin dann mal später gespannt, wie das bei Leibowitz ist und habe mich spontan dazu entschlossen, auch hier Karajan I nachzuschieben. Aber dann muss es auch gut sein.
In der Durchführung hält sich Leinsdorf, auch in den Paukensteigerungen, zurück, der Fagottist ist aber hier sehr gefordert und erledigt seine Aufgabe bravourös.
In einer weiteren Tutti-Steigerung geht es aber dann mehr zur Sache: es geht langsam dem Ende zu. Der Kulminationspunkt geht aber nur bis an die Decke, nicht dadurch. Alles in allem ist her aber keine Steigerung gegenüber den ersten beiden Sätzen zu erkennen.
Liebe Grüße
Willi ![]()




![Georg Solti Conducting The London Philharmonic Orchestra - Beethoven – Symphony No. 4 In B Flat, Op. 60 – Vinyl (LP, Mono), 1951 [r12688894] | Discogs](https://i.discogs.com/HD7KlH6U-FoPGE47u-ppLRSBu2ALyA02SwaT8Ao3m9k/rs:fit/g:sm/q:40/h:300/w:300/czM6Ly9kaXNjb2dz/LWRhdGFiYXNlLWlt/YWdlcy9SLTEyNjg4/ODk0LTE1NDAwODk0/OTQtMjg0Ni5qcGVn.jpeg)

