GOUNOD, Charles: FAUST

  • Charles GOUNOD


    Faust (Marguérite, Margaret(h)e)


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    Oper in 5 Akten


    Libretto von Jules Barbier und Michel Carré, nach Carrés Drama 'Faust et Marguerite' (1850) und Goethes 'Faust', in der Übersetzung von Gérard de Nerval ( 1828 )
    1. Fassung mit gesprochenen Dialogen (1856-1859)
    2. Fassung mit Ballett (1860/61)


    Uraufführung

    19. März 1859 Paris, Théâtre Lyrique (1.Fassung)
    3. März 1869 Paris, Opéra (Salle de la rue Le Peletier) (2.Fassung)
    Deutsche Erstaufführung: 10.2. 1861 in Darmstadt


    Originalsprache: französisch


    Solisten
    Doktor Faust (Tenor)
    Mephistopheles/Mephisto (Bass)
    Valentin, Bruder von Margarethe (Bariton)
    Wagner, ein junger Student (Bariton) *)
    Margarethe (Sopran)
    Siebel, ein junger Verehrer Margarethes (Tenor) **)
    Marthe Schwerdtlein, Nachbarin und Freundin Margarethes (Mezzosopran)
    Studenten, Soldaten, Bürger, Mädchen, Frauen, Volk, Geistererscheinungen, Hexen, Gespenster, Dämonen und Engel
    Balett


    *) in manchen deutschen Übersetzungen heißt er oft 'Brandner'
    **) wird oft mit einer Frau besetzt (Sopran)


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    1.Akt
    Faust sitzt in seiner Stube, über Bücher gebeugt, und verzweifelt am Sinn seiner Studien. 'Rien' (Nichts) hat er erreicht, um das Wesen der Natur zu begreifen. In seiner Verzweiflung will Faust aus dem Leben scheiden...schon hält er den Gifttrunk in seiner Hand, als von draussen Gesänge in die Stube dringen, die den Morgen begrüßen und Gott loben. "Was vermag dieser Gott noch für mich zu tun?" fragt sich Faust. Er verflucht die Wissenschaft, die Liebe, die Hoffnung und ruft verbittert den Teufel herbei. "Da bin ich" (Me voici) ruft Mephistopheles (in der Folge kurz Mephisto genannt) und fragt, was Faust so verärgert und griesgrämig macht. "Willst du Gold? Ruhm? Macht?". Faust weist alles zurück, denn was er begehrt, und über seine Studien versäumt hat, ist Liebe, Leidenschaft und natürlich die Jugend, um sie jetzt reichlich auskosten zu können. Mephisto will ihm diese Wünsche erfüllen, verlangt jedoch als Gegenleistung nur eine Unterschrift unter einem Vertrag, wonach hier auf Erden er ihm zu Diensten sein werde, aber nach seinem Tode er dann ihm sein Diener sein soll. Faust zögert, aber als Mephisto ihm dann das Bild der jungen, reizenden Margarethe vorspiegelt, unterschreibt Faust und ein Zaubertrunk verwandelt Faust in einen Jüngling.


    2.Akt
    Vor einer Schenke beim Stadttor feiert an einem schönen Frühlingsmorgen die Jugend ein ausgelassenes Fest. Soldaten, Studenten und Bürger zechen fröhlich, lachen und singen.... (Vin ou bière)=(Wein oder Bier). Etwas abseits stehen die drei Freunde, Valentin, Wagner und Siebel. Valentin, der in den Krieg ziehen soll, betrachtetet eine geweihte Medaille, die ihm seine Schwester als Talisman geschenkt hat und hat Sorge um seine Schwester. Deshalb bittet er Siebel, der Valentin's Schwester heimlich liebt, auf Margarethe aufzupassen und betet zu Gott um die Fürsorge für sie. (Avant de quitter ces lieux)=(Da ich nun verlassen soll mein geliebtes Heimatland)
    Wagner, der von ihnen am besten gelaunt ist, singt ein Lied, das von Mephisto, der sich unter die Leute gemischt hat, unterbrochen wird und singt selbst ein eigenes Lied - (Le veau d'or est toujour debout)=(Ja, das Gold regiert noch die Welt) - das 'Rondo vom goldenen Kalb'. Sein Lied gefällt den Leuten, und er beginnt den Leuten die Zukunft vorauszusagen. Wagner sagt er einen baldigen Tod voraus, Valentin soll ermordet werden und in Siebels Händen wird jede Blume, die er berührt, verwelken. Als Mephisto scherzt "Kein Sträusslein mehr bringst du Margarethe" ist Valentin verwirrt und fragt, wer ihm denn den Namen gesagt hat. Mephisto übergeht diese Frage und treibt weiterhin seine Spässe, springt auf das Weinfass, lässt den Wein in Strömen fließen und lädt alle ein, auf Margarethe zu trinken. Valentin greift, wie auch seine Freunde, zum Schwert, doch nicht nur, daß er gar nicht in Reichweite Mephistos gelangt, eine unsichtbare Kraft hält ihn zurück, das Schwert gehorcht ihm auch nicht....es zerbricht. Jetzt ist allen klar, daß hier der Teufel seine Hand im Spiel hat. (De l'enfer qui vient émousser)=(Doch, der du selbst das Eisen brichst) Die Menge wendet sich ab.
    Mephisto ist verstimmt, denn er konnte bislang sein Versprechen nicht erfüllen, hatte er doch mit Margarethes Vision, Faust zur Unterschrift überredet. Und nun zeigt sich Margarethe nicht. Als Faust erscheint, bietet er ihm eines jener jungen Mädchen an, die wiederum tanzen, singen und weiterfeiern. (Ainsi que la brise légère)=(Leichte Wölkchen sich erheben). Faust will jedoch Margarethe. Endlich erscheint sie und als sich Siebel ihr nähert, vertreibt ihn Mephisto, um Faust den Weg frei zu machen. Faust spricht sie galant an (Ne permettez vous pas, ma belle...)=(Mein schönes Fräulein, darf ich's wagen), doch Margarethe schlägt sein Angebot aus. Faust ist dennoch verzaubert und auch über ihre Zurückhaltung enttäuscht, doch Mephisto verspricht, all das wird sich ändern. Das Fest der jungen Leute geht weiter.....


    3.Akt
    Siebel betritt den Garten vor Margaretes Haus und will als Zeichen seiner Liebe, sie mit Blumen erfreuen. (Faites lui mes aveaux)=(Tragt meine Liebesgrüsse) Doch jede Blume, die er pflückt, verwelkt in seinen Händen sofort. Da entdeckt er das Becken mit Weihwasser, bei dem jeden Morgen Margarethe betet, wäscht sich seine Hände darin und benetzt damit die dann gepflückten Blumen und legt den Blumenstrauß vor Margarethes Tür. Faust und Mephisto beobachten ihn dabei. Als Siebel dann verschwunden ist, denkt Faust an Margarethe, welch schönes, reines Wesen doch die Natur erschaffen hat und ist von dem Zauber des Gartens beeindruckt.(Quel trouble inconnu me pénètre!....Salut! demeure chaste et pure)=(Welch unbekannter Zauber erregt mich....Gegrüsst sei mir, o heil'ge Stätte). Mephisto verschwand für einen kurzen Augenblick und erscheint mit einer Schatulle voll mit Juwelen und legt sie nebem den Blumenstrauß, war er doch gezwungen, das Geschenk Siebel zu übertreffen.. Faust zögert und wird unsicher, ob er überhaupt Margarethe sehen will, will er sie doch nicht in sein Verdammnis hineinziehen.
    Als Margarethe dann vom Kirchgang heimkehrt, denkt sie, während sie die alte Ballade vom 'König in Thule' singt (Il était un roi de Thulé), immer an den eleganten Mann, den sie auf dem Feste getroffen hat, nach. Dann entdeckt sie die Gaben vor ihrer Tür. Klar doch, die Blumen sind von Siebel, das weiß sie sofort, als sie jedoch die Schatulle erblickt, sind die Blumen vergessen. Woher kann dieses Kästchen, voll mit Diamanten und Geschmeide, stammen? Vor dem Spiegel, an der Innenseite der Schatulle angebracht, probiert sie die Schmuckstücke (Ah! je ris de me voir)=(Ha, welch ein Glück mich zu seh'n) und und ist davon berauscht. Die 'Verführung' ist geglückt. Marthe, ihre Nachbarin, tritt durch die Pforte und bestaunt den Schmuck und Margarethe. Sie meint, sie soll ihn ruhig behalten, wird er doch von dem Unbekannten stammen, nicht ohne zu betonen, daß ihr Mann sich nie so freizügig gezeigt hätte. Mephisto und Faust erscheinen. Mephisto berichtet Marthe, daß ihr Mann gestorben sei und macht ihr dabei den Hof, und daß sie sich einen neuen Schatz suchen sollte. Marthe meint, da komme er gerade zur rechten Zeit. So findet der schüchterne Faust endlich Gelegenheit, die verlegene Margarethe mit klopfenden Herzen anzusprechen. Margarethe fühlt sich verunsichert, warum, das weiß sie auch nicht so recht, es scheint ihr aber, daß mit Faust etwas nicht stimmt. Sie will sich ihm entziehen, doch Faust folgt ihr mit weiteren Liebesbeteuerungen.(Laisse moi, laisse moi contempler ton visage)=(Lasse mich in dein holdes Antlitz schauen) Mephisto ist inzwischen vor Marthe, die sich ihm etwas ungestüm genähert hat, geflohen. Margarethe bittet Faust, auf ihre Unbescholtenheit hinweisend, jetzt zu gehen. (Il se fait tard! Adieu!)=(Es ist schon spät! Lebt wohl!). Faust umwirbt Margarethe heftiger denn je zuvor und erst als sie ihm sagt, er soll doch morgen wieder kommen, gibt er sich damit zufrieden. Margarethe verschwindet in ihrem Haus. Mephisto, der die beiden belauscht hat, tritt zu Faust und nennt ihn einen Narren. Faust will ihn verärgert verlassen, doch Mephisto hält ihn zurück, hat er doch bemerkt, daß sich ein Fenster in Margarethes Haus geöffnet hat. Maragerethe vertraut der Nacht ihre Gefühle an und als Faust dies vernimmt, eilt er an ihr Fenster, ergreift ihre Hände und die Standhaftigkeit Margarethes schmilzt wie Schnee in der Frühlingssonne.Er verschwindet in Margarethes Haus. Mephisto lacht höhnisch.......


    4.Akt
    Viel Zeit ist inzwischen vergangen. Margarethe erwartet ein Kind von Faust, der hat sie aber, wie es scheint, verlassen, was den Spott und Hohn ihrer Freundinnen nach sich zieht. Sie ist bedrückt, hat Sehnsucht und es wird ihr schwer ums Herz, sollte er nicht wiederkommen. (Il ne revient pas)=(Er kommt nicht zurück). Doch sie bereut nichts, denn sie hat aus Liebe gehandelt. In dieser Zeit steht ihr nur Siebel bei, auch wenn seine Liebe nicht auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Er bietet sich an, Faust zu töten, doch als er merkt, daß Margarethe ihn noch immer liebt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als an ihrem Unglück Mitgefühl zu zeigen.(Versez vos chagrins dans mon âme!)=(Als noch in Freude dir die Tage entschwunden) Margarethe sucht Trost im Gebet und bittet Gott um Hilfe als ihr Mephisto als Geist erscheint, der ihr das Ende in der Hölle prophezeit und sie verflucht....Margarethe sinkt ohnmächtig zu Boden..
    Fanfaren und Gesänge (Déposons les armes)=(Laßt uns die Waffen niederlegen!) kündigen die Rückkehr der Soldaten an, darunter auch Valentin. Natürlich entgeht ihm der Zustand seiner Schwester nicht, worauf Siebel sich bemüht, ihn zu beruhigen, was aber nicht gelingt. Faust, der Margarethe sehen will, hat er doch Schmach und Schande über sie gebracht, erscheint mit Mephisto vor ihrem Haus. Mephisto macht sich lustig über die Skrupel von Faust und singt eine derbe Serenade unter Margarethes Fenster. (Vous qui êtes l'endormie)=(Scheinst zu schlafen du im Stübchen) Valentin hört den Gesang und stürzt wutentbrannt aus dem Haus, weiß er doch, daß das Ständchen seiner Schwester galt. Jetzt gilt es die Ehre der Familie wieder herzustellen und er zieht sein Schwert. Faust ist unschlüssig, ja mutlos, daß er etwas mit dem Schwert verteidigen soll, für das es keine Entschuldigung gibt. Als Valentin das Medaillon, das ihm seine Schwester in den Krieg mitgab, mit den Worten wegwirft, daß es entweiht wurde, frohlockt Mephisto, denn nun ist Valentin ohne Schutz. Es kommt zum Kampf zwischen Faust und Valentin, in dessen Folge Valentin durch das Schwert Faust's, das Mephisto lenkt, tödlich getroffen zu Boden sinkt. Faust und Mephisto fliehen. Leute, vom Kampfeslärm angelockt, eilen aus ihren Häusern, so auch Margarethe. Sie sieht ihren Bruder am Boden liegen und will ihm helfen. Er stößt sie mit allerletzter Kraft zurück und sterbend verflucht er sie, obwohl die Leute ringsumher, ihn bitten, zu verzeihen.


    5. Akt
    Die Nacht verwandelt den Brocken im Harz in einer gespenstischen Landschaft. Es haben sich Geister und Hexen versammelt, um die Walpurgisnacht zusammen mit dem Teufel zu feiern. Mephisto führt Faust zu diesen Hexensabbat und will, daß er sich amüsiert und die bösen Erinnerungen im Rausch eines wilden Bacchanals vergißt und sein Elend in Vergnügungen ertränkt. Tänze von Geistern und Hexen steigern sich zu einem orgiastischen Höhepunkt und Faust stürzt sich mit einem Trinklied (Doux nectar, en ton ivresse)=(In des Nektars weißem Schaum senke ich die Seele mein) in die feiernde Menge. Plötzlich beherrschen Visionen seine Gedanken, im Geiste sieht er die bleiche Margarethe eingekerkert, weil sie ihr Kind getötet hat, und auf ihren Tod wartend. Faust wird von seinen Gewissensbissen geplagt und kann nun dem Treiben keine Freude mehr abgewinnen. Faust fordert Mephisto auf, ihn sofort zu Margarethe zu bringen und sie zu retten. Beide dirngen in den Kerker ein, wo sie Maragarethe schlafend auf einem Strohlager antreffen. Sie erwacht und erkennt voll Freude die Stimme ihres Geliebten und hat Hoffnung, daß nun alles wieder gut werden wird. Beide stehen zu ihrer Liebe (Oui, c'est toi, je t'aime). Sie schwelgt in Erinnerungen vergangener schönen Tage und erinnert ihn an die erste Begegnung. Faust drängt jedoch, sofort aufzubrechen, doch Margarethe beschwört Faust, bei ihr zu bleiben. Als auch Mephistos drängt, sich zu beeilen, schreit Margarethe entsetzt auf und weigert sie sich erneut, Faust in Begleitung Mephistos zu folgen. Sie wendet sich von Faust ab, stößt sie ihn weg und bittet Gott um Gnade und Erbarmen und vor allem um Schutz. Dann sinkt sie tot zusammen. "Gerichtet" schreit Mephisto. "Gerettet" widerspricht der Chor der Engeln, die Margarethe's Seele in den Himmel begleiten. Faust sinkt nieder, Mephisto stürzt unter dem Schwerte des Erzengels zu Boden.(In manchen Inszenierungen reißt Mephisto Faust mit in die Hölle)




    Entstehung

    Gounod hatte Goethes Werk schon mit 20 Jahren kennen gelernt und sich vorgenommen, es zu vertonen. Es war ihm von Anfang an bewußt, daß er nie Goethes ganzes Werk mit all ihren Facetten und Nuancen in eine Oper verpacken kann, wollte aber auf jeden Fall die Liebesbeziehung Faust-Margarethe im Gegensatz zum "Bösen", in der Gestalt des Mephisto, darstellen. Als er 1855 Michel Carré traf, der selbst mit dem Drama "Faust et Marguerite" ein bühnenwirksames Werk schrieb, und sich mit dessen Mitarbeiter Jules Barbier anfreundete, nahm der Plan Gestalt an.

    So entstand ein Libretto, dessen Grundlage in erster Linie das Drama Carré's, und erst in zweiter Linie die französische Text-Übersetzung von Goethe's Faust durch Gérard de Naval war. Als die Oper fast fertig war, bekam Gounod Schwierigkeiten mit der Zensur, war doch jene Szene, in der Mephisto in Gestalt eines Priesters Margarethe die Absolution verweigert, theologisch sehr bedenklich. Doch Gounod wollte sich von dieser entscheidenden Episode nicht trennen und setzte in kirchlichen Kreisen alle Hebel in Bewegung, um die Szene zu retten, was auch gelang. Als dann im Juli 1858 die Partitur fertig war, kam es erneut zu Schwierigkeiten, bis die Oper aufgeführt werden konnte. Léon Carvalho (eigentlich Carvaille), der Direktor des Théâtre Lyrique in Paris, verschob die Premiere, da gerade zu dieser Zeit (1858-1859) eine Reihe von Faust-Vertonungen Paris überschwemmte. Diese Verschiebung enttäuschte zwar Gounod, aber nach diesen vielen Jahren, kam es auf diese kurze Zeit auch nicht mehr an. Am 19.März 1859 fand dann die Uraufführung statt und die Oper wurde vom Publikum relativ kühl aufgenommen, erschien sie den Franzosen doch als zu 'deutsch'. Sie erlebte aber dann doch zahlreiche Aufführungen in ganz Europa, wobei es zu seltsamen Aufführungen kam....in London wurde Faust italienisch, in New York deutsch gesungen. Aus Resepkt vor Goethe wurde die Oper in Deutschland unter dem Titel "Gretchen" oder "Margarethe" aufgeführt. Im Laufe der Zeit nahm Gounod noch einige Änderungen vor, so wurde 1864 für London Valentin's Gebet eingefügt, und als nach Carvalho's Tod im Jahre 1868, die Rechte an die Pariser Opéra unter der Bedingung, daß Balettszenen eingefügt werden, übergingen, hatte Gounod zwar kein großes Interesse, fügte sich aber dann doch.

    Der nun neu bearbeitete 'Faust' kam dann im März 1869 an der Pariser Opéra heraus und dauerte fast 5 Stunden. Die Rezitative wurde nun gesungen und nicht wie 10 Jahre zuvor gesprochen. Jedenfalls kam die Oper nun viel besser beim Publikum an.

    Wurde in diesen Aufführung die Oper in 4 Akten aufgeführt, teilt man sie später wieder auf 5 Akte auf, verschob Szenen (Kirchenszene), ließ Teile überhaupt weg (Anfang 4.Akt), änderte das Finale und das publikumswirksamere Ballett löste das Bacchanal der Walpurgisnacht ab.



    Bemerkungen

    Der Faust-Mythos ist ohne Zweifel eines der ganz großen Stoffe, die im europäischen Kulturkreis fest verankert ist. Demnach ist es nicht verwunderlich, daß sich sowohl Dichter als auch Komponisten sich des Themas annahmen. Aus der literarischen Sicht ist Goethe's 'Faust' das Maß aller Dinge, während auf der musikalischen Seite eine Vielzahl von Komponisten das Thema sowohl als Oper als auch als symphonische Vertonung bearbeitet haben. Keine Komposition davon war so erfolgreich wie Gounods Oper. Seine Sicht auf das Werk kann Einsprüche hervorrufen, liegt es doch meilenweit von Goethe's Werk entfernt, weil sich die Handlung auf die Liebesgeschichte einerseits, auf Mephisto andererseits beschränkt. Gounod hat bewußt auf die philosophische Hintergründigkeit und auf die Dämonie verzichtet, beeindruckt aber durch die Schlichtheit der Gefühle, ihrer Intimität und Vulgarität, ihrer Erhabenheit und Banalität, wobei das ganze mit einem religiösen Zuckerguß überzogen wird. Somit wirkt die Oper nicht zu überladen und bietet daher musikalisch viel Freiraum für lyrische Szenen mit herrlichen sentimentalen Melodien, für beindruckenden Chören und furiosen Tänzen. Die Mileuschilderungen und die Charakterisierung der Personen vermitteln Stimmungen, die gekonnt und dramatisch eingesetzt werden. Die Oper bietet daher dankbare Aufgaben für Sänger, Chor und Ballett und wenn man sich nur einige davon ins Gedächtnis ruft - das Lied vom goldenen Kalb, die Ballade vom König in Thule, die Juwelenarie, die Kirchenszene, die Serenade Mephistos, das Gebet Valentins, die Chorszenen im 2. (vor allem der Walzer) und 4.Akt und schlußendlich die Ballettmusik und die Kerkerszene - so ist man von Gounod's musikalischen Einfallsreichtum beeindruckt und somit ist verständlich, daß die Oper bis heute auf den Spielplänen zu finden ist.


    Besetzung der Uraufführung

    Faust - Barbot

    Mephisto - Balanqué

    Valentin - Raynal

    Wagner - Cibot

    Margarethe - Caroline Miolan-Carvalho

    Siebel - Faivre

    Marthe - Duclos


    copyright 2005 Tamino Klassikforum Wien

    Zu viele Musikstücke enden zu lange nach ihrem Ende (Igor Strawinsky)


  • Ein neuer "Faust" von Gounod mit Benjamin Bernheim in der Titelrolle ist bei Palazzetto angekündigt. Die Produktion, die auf einem Mitschnitt aus dem Théâtre des Champs-Élysées von 2018 beruht, erfährt ihren ganz besonderen Reiz dadurch, dass es sich um die erste Fassung des "Faust" von 1859 als Operé-comique mit gesprochenen Dialogen handelt. Für die recht umfangreiche Diskographie des Werkes ist dies eine wichtige Ergänzung.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."