Aktive Pianisten unserer Tage - Khatia Buniatishvili

  • Lieber Holger,


    Danke sehr für die Hinweise. Paderewski ist umwerfend, genial. Perlemuter und Richter sind sehr gut und natürlich. Richter ist immer für eine Überraschung gut !

    Schade, dass es keine Aufnahme dieser Mazurka mit Ignacy Friedman gibt.


    LG Siamak

  • Danke sehr für die Hinweise. Paderewski ist umwerfend, genial. Perlemuter und Richter sind sehr gut und natürlich. Richter ist immer für eine Überraschung gut !

    Schade, dass es keine Aufnahme dieser Mazurka mit Ignacy Friedman gibt.

    Lieber Siamak,


    ich habe die polnische Paderewski-Notenausgabe der Mazurken! :) Es gibt auch eine CD mit den frühen Paderewski-Aufnahmen von 1911/12 - habe vorhin meinen Sohn in den USA beauftragt, sie zu bestellen. :) Ist aber auch dort (bei amazon.com) nicht mehr auf Lager - kann also sein, dass es sie nicht mehr gibt. Hier gibt es nur eine gebrauchte zum Mondpreis.


    Schade, Friedman wäre wirklich interessant! Von Walter Gieseking gibt es auch eine hörenswerte Aufnahme (Youtube). Ich schaue nachher mal, ob Alfred Cortot sie gespielt hat und Vladimir Sofronitzky - seine Mazurken-Aufnahme ist nicht zu Unrecht berühmt. Nach Samson Francois schaue ich auch noch und nach Stefan Askenase. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Danke, lieber m-mueller für die eingestellten Videos. Du bist offenbar auch überzeugt von dieser großartigen Künstlerin, ihr Spiel ist einfach seelenvoll. Ich fasse mich kurz, denn Musikgeschmack ist verschieden und da kann es natürlich unterschiedliche Auffassungen geben. Buniatishvili hat eine sehr intime Sicht auf die von ihr dargebotenen Werke und die soll sie haben. Das von ihr auf der CD dargebotene Impromptu As-Dur op. 90 Nr. 4 habe ich z.B. selbst in sehr jungen Jahren mit Erfolg gespielt. Sie spielt das anders. Na bitte. Das ist künstlerische Freiheit und auch in der symphonischen Musik gibt es vom gleichen Werk oft verschiedene Sichtweisen. Dann lese ich hier Vergleiche mit Altmeistern wie Rubinstein, Richter, Horowitz, Gieseking, Paderewski etc. Was soll das? Buniatishvili ist 31 Jahre jung! Mit 70 wird sie ganz sicher anders spielen.

    :hello:

  • (...)Dann lese ich hier Vergleiche mit Altmeistern wie Rubinstein, Richter, Horowitz, Gieseking, Paderewski etc. Was soll das? (...)

    Durch Vergleiche lerne ich persönlich sehr viel dazu. Und sie befördern auch die Geschmacksbildung enorm. Ob das Vergleiche von jungen mit älteren Künstlern betrifft, ist dabei zunächst einmal nicht von grundsätzlichem Belang. Aber klar: Es wäre Buniatishvili zu wünschen, dass sie sich gerade über die geistige Auseinandersetzung mit Musik in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich weiterentwickelt und womöglich dann auch zu überzeugenderen Ergebnissen kommt als beim Schubert-Album.

    Das as-Moll/As-Dur-Impromtu gehört für mich übrigens auch zu den verhältnismäßig gelungeneren Stücken darauf, gerade beim Mittelteil findet sie da einen Ton, der mich aufhorchen ließ, weil er nicht diese etwas zu vordergründig angelegte Plakativität ausstrahlt, die ich am Album an vielen Stellen leider nicht mag.



  • Nikolaus Lenau:


    Die drei Zigeuner


    Drei Zigeuner fand ich einmal
    Liegen an einer Weide,
    Als mein Fuhrwerk mit müder Qual
    Schlich durch sandige Heide.


    Hielt der eine für sich allein
    In den Händen die Fiedel,
    Spielte, umglüht vom Abendschein,
    Sich ein feuriges Liedel.


    Hielt der zweite die Pfeif im Mund,
    Blickte nach seinem Rauche,
    Froh, als ob er vom Erdenrund
    Nichts zum Glücke mehr brauche.


    Und der dritte behaglich schlief,
    Und sein Zimbal am Baum hing,
    Über die Saiten der Windhauch lief,
    Über sein Herz ein Traum ging.


    An den Kleidern trugen die drei
    Löcher und bunte Flicken,
    Aber sie boten trotzig frei
    Spott den Erdengeschicken.


    Dreifach haben sie mir gezeigt,
    Wenn das Leben uns nachtet,
    Wie mans verraucht, verschläft, vergeigt
    Und es dreimal verachtet.


    Nach den Zigeunern lang noch schaun
    Mußt ich im Weiterfahren,
    Nach den Gesichtern dunkelbraun,
    Den schwarzlockigen Haaren.


  • Danke, lieber m-mueller für die eingestellten Videos. Du bist offenbar auch überzeugt von dieser großartigen Künstlerin, ihr Spiel ist einfach seelenvoll. Ich fasse mich kurz, denn Musikgeschmack ist verschieden und da kann es natürlich unterschiedliche Auffassungen geben. Buniatishvili hat eine sehr intime Sicht auf die von ihr dargebotenen Werke und die soll sie haben. Das von ihr auf der CD dargebotene Impromptu As-Dur op. 90 Nr. 4 habe ich z.B. selbst in sehr jungen Jahren mit Erfolg gespielt. Sie spielt das anders. Na bitte. Das ist künstlerische Freiheit und auch in der symphonischen Musik gibt es vom gleichen Werk oft verschiedene Sichtweisen. Dann lese ich hier Vergleiche mit Altmeistern wie Rubinstein, Richter, Horowitz, Gieseking, Paderewski etc. Was soll das? Buniatishvili ist 31 Jahre jung! Mit 70 wird sie ganz sicher anders spielen.

    :hello:

    Lieber timmiju,


    diese Altmeisterstücke nehme ich nur noch in Ausnahmefällen zur Kenntnis (es geht halt nix über Glenn Gould), ansonsten schrecken sie mich regelmäßig durch mangelnde Tonqualität zu sehr ab.


    Da ich zudem geistige Auseinandersetzung mit der Musik erst ab einem Level anstrebe, bei dem mir die Musik gefällt (incl. Interpretation), fällt das als Grund auch aus. Ich höre, was ich hören möchte. Was ich nicht hören möchte, interessiert mich dann auch nicht weiter, und sei es noch so "geistig".

  • Es wäre Buniatishvili zu wünschen, dass sie sich gerade über die geistige Auseinandersetzung mit Musik in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich weiterentwickelt und womöglich dann auch zu überzeugenderen Ergebnissen kommt als beim Schubert-Album.

    Ich wünsche Leiermann, daß er sich geschmacklich noch ein wenig weiterentwickelt und womöglich dann bei der emotionalen Auseinandersetzung mit Musik zu überzeugenderen Qualitätsurteilen kommt als bisher.

  • Zitat von m-mueller

    Was ich nicht hören möchte, interessiert mich dann auch nicht weiter, und sei es noch so "geistig".

    Aber darum geht es doch gar nicht, ob etwas "noch so geistig" ist, sondern ob es gut (gespielt) ist oder schlecht. Und das kann man halt nur durch Hören herausbekommen, idealerweise mit gleichzeitigem Studium der Partitur, und da schneiden die sogenannten "Altmeister", wie timmiju sie nennt und sie auch anführt, nach der Meinung der allermeisten Klavierkenner verdammt gut ab, und eine einunddreißigjährige, die den Anspruch hat, an die Spitze zu wollen oder gar dort bereits zu sein, muss sich auch gefallen lassen, mit den "Altmeistern" verglichen zu werden. Es geht nicht darum,: wie jung oder wie alt, sondern: wie gut. Das soll das.


    Viele Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich wünsche Leiermann, daß er sich geschmacklich noch ein wenig weiterentwickelt und womöglich dann bei der emotionalen Auseinandersetzung mit Musik zu überzeugenderen Qualitätsurteilen kommt als bisher.

    Tut mir leid, dass dich das so ärgert. Aber auch ich kann ebenso wie du nur das schreiben, wovon ich überzeugt bin. Ich sehe keinen Grund dafür, dass das ins Lächerliche gezogen wird.

  • Lieber Willi,


    die Partitur interessiert mich schon deshalb nicht, weil ich sie nicht lesen kann. Und wenn ich es könnte, würde sie mich vermutlich immer noch nicht interessieren.


    Meine Ohren, bzw. das Stroh, das zwischen ihnen liegt, gibt Auskunft, was für gut oder schlecht gehalten wird.


    Ich kann relativ gut Chorsatz-Noten lesen, und da gibt es bei den Interpretationen durchaus große Unterschiede, und ich finde nicht unbedingt das am besten, was sich am engsten an den Satz hält. Ich vermute mal, daß es da Parallelen zur Klaviermusik gibt.

  • Tut mir leid, dass dich das so ärgert. Aber auch ich kann ebenso wie du nur das schreiben, wovon ich überzeugt bin. Ich sehe keinen Grund dafür, dass das ins Lächerliche gezogen wird.

    Was mich ärgert ist die Arroganz, mit der einer großartigen Pianisten empfohlen wird, sich weiterzuentwickeln.

  • Aber darum geht es doch gar nicht, ob etwas "noch so geistig" ist, sondern ob es gut (gespielt) ist oder schlecht. Und das kann man halt nur durch Hören herausbekommen, idealerweise mit gleichzeitigem Studium der Partitur, und da schneiden die sogenannten "Altmeister", wie timmiju sie nennt und sie auch anführt, nach der Meinung der allermeisten Klavierkenner verdammt gut ab, und eine einunddreißigjährige, die den Anspruch hat, an die Spitze zu wollen oder gar dort bereits zu sein, muss sich auch gefallen lassen, mit den "Altmeistern" verglichen zu werden. Es geht nicht darum,: wie jung oder wie alt, sondern: wie gut. Das soll das.


    Viele Grüße


    Willi:)

    Es gibt in der Musik keine Skala oder ein Meßinstrument, das zeigt, dieses oder jenes ist so oder so gut.


    Da ist alles SEHR relativ. Absolute Qualität ist vollständige Illusion.

  • Eigentlich ist darüber ein Streit gar nicht möglich.


    Die Pianohörer teile ich in drei Gruppen:


    - Hörer auschließlich von Sololiteratur. Das ist für mich eine besondere Spezies, die mit Partitur vergleichen, was der Pianist ihrer Meinung nach richtig spielt oder falsch. Ihr Anteil in der Masse der Konzertfreunde ist gering, man kann das deutlich an den Besucherzahlen sehen. Selbst im Gewandhaus finden Solokonzerte im kleinen Mendelsohn-Saal statt und nicht immer ist er voll. Ausnahme z.B. wenn Lang Lang auftritt, da ist der große Saal rappelvoll. Sehr zum Leidwesen der Experten.

    - Hörer, die bevorzugt Klavierkonzerte mögen. Das ist schon eine breiter aufgestellte Mannschaft. Auch hier mag es Experten geben, aber ihr prozentualer Anteil an der Masse der Konzertbesucher wird geringer werden. Der Masse ist es oft egal, wie der Pianist ein Werk auffaßt. Spezialisten sehen das sicher anders.

    - Hörer, denen Spezialkenntnisse völlig abgehen, die aber dennoch Klaviermusik hören und auf ihr Gefühl hören. Das dürfte der größte Anteil sein.


    Ich würde in jedes Konzert von Buniatishvili gehen, wenn sie in meinem Einzugsbereich auftritt. Und ich maße mir nicht an, sie mit anderen lebenden oder nicht mehr unter uns weilenden Pianisten zu vergleichen. Ich höre aber Tschaikowski 1 mit Swjatoslaww Richter und Karajan besonders gern. Ich bin kein Experte, höre aber besonders Klavierkonzerte sehr gerne.


    Herzlichst La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • diese Altmeisterstücke nehme ich nur noch in Ausnahmefällen zur Kenntnis (es geht halt nix über Glenn Gould), ansonsten schrecken sie mich regelmäßig durch mangelnde Tonqualität zu sehr ab.

    Das ist aber schlicht ein Vorurteil. Die Aufnahmen von Rubinstein oder Horowitz z.B. sind - gerade auch die älteren - von einer hervorragenden Tonqualität. Außerdem sind die meisten der "Altmeister" sowohl in der Mono-, als auch in der Stereo-Ära präsent.

    Da ich zudem geistige Auseinandersetzung mit der Musik erst ab einem Level anstrebe, bei dem mir die Musik gefällt (incl. Interpretation), fällt das als Grund auch aus. Ich höre, was ich hören möchte. Was ich nicht hören möchte, interessiert mich dann auch nicht weiter, und sei es noch so "geistig".

    Das ist mutig zu äußern, weil stark Ressentiment-verdächtig, nach dem Motto: Das geistig Höherstehende hat für mich keinen Wert, weil ich zu dieser geistigen Dimension keinen Zugang habe. Wert hat nur das, was mir gefällt.

    Aber darum geht es doch gar nicht, ob etwas "noch so geistig" ist, sondern ob es gut (gespielt) ist oder schlecht. Und das kann man halt nur durch Hören herausbekommen, idealerweise mit gleichzeitigem Studium der Partitur, und da schneiden die sogenannten "Altmeister", wie timmiju sie nennt und sie auch anführt, nach der Meinung der allermeisten Klavierkenner verdammt gut ab, und eine einunddreißigjährige, die den Anspruch hat, an die Spitze zu wollen oder gar dort bereits zu sein, muss sich auch gefallen lassen, mit den "Altmeistern" verglichen zu werden. Es geht nicht darum,: wie jung oder wie alt, sondern: wie gut. Das soll das.

    Ganz richtig! :thumbup:

    die Partitur interessiert mich schon deshalb nicht, weil ich sie nicht lesen kann. Und wenn ich es könnte, würde sie mich vermutlich immer noch nicht interessieren.

    Solche Ignoranz können sich aber die Interpreten nicht leisten, welche Partituren nun mal lesen und interpretieren müssen und auch in der Regel den Anspruch erheben, dass sie Partituren sorgfältig studiert haben. Sich darüber mit subjektivem Belieben hinwegzusetzen, heißt, Künstler in ihrem künstlerischen Anspruch nicht Ernst zu nehmen sondern das, was sie vortragen, nur hedonistisch als Reizquelle für das eigene Vergnügen zu betrachten. Das ist eigentlich eine Beleidigung für jeden Künstler. Und gerade Kritik ist eine Art, sie Ernst zu nehmen.

    Meine Ohren, bzw. das Stroh, das zwischen ihnen liegt, gibt Auskunft, was für gut oder schlecht gehalten wird.

    Wenn Ignoranz und die Weigerung, sich einen gewissen Sachverstand anzueignen, die Grundlage eines Geschmacksurteils ist, dann ist das Geschmacksurteil letztlich kein gutes, sondern ein schlechtes.

    Was mich ärgert ist die Arroganz, mit der einer großartigen Pianisten empfohlen wird, sich weiterzuentwickeln.

    Ein Murray Perahia meinte, dass seine frühe Auseinandersetzung mit der "Hammerkalviersonate" unreif gewesen sei, weswegen er dieses Werk 2 Jahrzehnte nicht anfasste und sich erst im Alter dieses wieder vornahm. Der Ratschlag, sich weiterzuentwickeln, ist bei den teilweise eklatanten musikalischen Mängeln bei Buniatishvili nur als guter Rat gemeint. Sonst wird sie irgendwann nämlich unweigerlich im Abseits landen. Wenn man älter wird, kann man sich nur an der Spitze halten, wenn man mehr zu bieten hat als jugendliches Ungestüm auf den Tasten. Rein biologisch ist damit nämlich irgendwann einmal Schluss.

    Es gibt in der Musik keine Skala oder ein Meßinstrument, das zeigt, dieses oder jenes ist so oder so gut.


    Da ist alles SEHR relativ. Absolute Qualität ist vollständige Illusion.

    Doch, das gibt es. Sonst brauchten Musiker nämlich kein Konservatorium zu besuchen. Da wird ihnen musikalischer Sachverstand vermittelt, der solche Qualitätsurteile ermöglicht.

    - Hörer auschließlich von Sololiteratur. Das ist für mich eine besondere Spezies, die mit Partitur vergleichen, was der Pianist ihrer Meinung nach richtig spielt oder falsch. Ihr Anteil in der Masse der Konzertfreunde ist gering, man kann das deutlich an den Besucherzahlen sehen. Selbst im Gewandhaus finden Solokonzerte im kleinen Mendelsohn-Saal statt und nicht immer ist er voll. Ausnahme z.B. wenn Lang Lang auftritt, da ist der große Saal rappelvoll. Sehr zum Leidwesen der Experten.

    Das ist einfach falsch. Die Konzertsäle bei Michelangeli, Richter, Ashkenazy, Arrau, Volodos, Sokolov, Pollini, Zimerman, Brendel sind oder waren genauso voll wie bei Lang Lang. Arrau, Gilels, Michelangeli, Ashkenazy haben ich alle in der großen Düsseldorfer Tonhalle gehört - zuletzt Pollini in der ebenfalls sehr großen Kölner Philharmonie. Das sind sehr große Säle - und der Saal war stets voll, wenn nicht ausverkauft, dann jedenfalls nicht weniger sondern deutlich voller besetzt als bei einem Symphoniekonzert. Nur saß bzw. sitzt da ein anderes Publikum als bei Lang Lang. Und Klavierabende sind neben Symphoniekonzerten wohl die häufigsten und bestbesuchtesten Konzertveranstaltungen - siehe Klavierfestival Rhein-Ruhr, Rheingau-Musikfestival, Lugano, die entsprechenden Festivals in Frankreich usw. usw. Den Klaviermusikfreund - ein exemplarischer bin wohl ich - der nur Soloklavier hören würde und keine Klavierkonzerte etwa, gibt es schlicht und einfach nicht. Ich gehe übrigens auch nicht mit dem Notentext in den Konzertsaal. Das brauche ich gar nicht und ich finde das auch gar nicht gut. Allenfalls helfe ich ab und zu mal einem Pianisten, die Notenseiten auf dem Podium umzublättern... :D


    Schöne Grüße

    Holger

  • Zitat von La Roche

    Die Pianohörer teile ich in drei Gruppen:

    Lieber La Roche,


    Ich kann mich nicht in eine der Gruppen allein einordnen, was ich am Beispiel meines Konzertkalenders 2018/2019 erhellen will:

    Ich hatte

    19 Klavierrecitals gebucht, davon 9 bereits besucht, 5 wegen Erkrankung nicht besucht, 4 kommen noch;

    8 Klavierkonzerte gebucht, davon 4 bereits besucht, 4 kommen noch;

    2 Liederabende mit Klavierbegleitung bereits besucht, 1 kommt noch,


    Zu den Besucherzahlen bei den Klavierrecitals kann ich sagen, dass ich seit nunmehr über 10 jahren ein Abo habe und seit fast ebenso vielen Jahren immer die gleichen Leute um mich herum sitzen, und da sind im Laufe der jahre etlich interessante Gesrpäche zustande gekommen. Interssant ist das Verhalten der Zuhörer im Klavierrecital. Da denke ich, dass die meisten, jedenfalls in Köln, echte Klavierliebhaber sind, die äußerst disziplinierte Zuhörer sind und, wie ich finde, bei entsprechend guten Leistungen, und die sind eigentlich in Köln durchweg geboten, mit dem beifall nicht knauserig sind.

    Ausverkauft waren in den letzten 20 Jahren in den Recitals, in denen ich saß, eigentlich nur Alfred Brendel (bis 2008) und bis heute Grigory Sokolov. Bei denen war es auch relativ egal, was auf dem Programm stand. Aber ich kann mich an ein Konzert erinnern, das der ebenfalls hervorragende französische Pianist Pierre Laurent Aimard auf einem Dienstag bestritt, in dem die Philharmonie knapp halb gefüllt war, und zwar nicht, weil Dienstag war, sondern weil Bach auf dem Programm stand, und zwar das Wohltemperierte Klavier. Seltsam, nicht wahr?

    Bei den Klavierkonzerten gebe ich dir Recht, da ist nicht so viel sachverständiges Publikum anwesend, was man auch öfter daran bemerkt, dass ein Teil zwischen den Sätzen eines Klavierkonzertes oder einer Sinfonie applaudiert.

    Du schreibst in deinen Ausführungen vom Partiturvergleich der Spezialisten.

    Ich arbeite auch mit der Partitur, aber nur Hause bei den Rezensionen der Beethovensonaten. Ohne Partitur könnte ich das gar nicht, eben weil ich kein Experte oder Spezialist bin. Am Anfang meiner Arbeit war ich dabei, nach meinem heutigen Verständnis, sehr pingelig, habe nur auf die Partitur gesehen. Heute bin ich in der Auslegung der Tempi und der Dynamik und z. T. auch des Rhythmus, großzügiger geworden, urteile mehr nach meinem Gefühl, danach, was die Interpretation des Pianisten mit mir macht. Dabei fließen nicht selten Tränen, und zwar ausschließlich im positiven Sinne.

    Natürlich hatte ich auch als Laie einige Vraussetzungen mitgebracht, die unerlässlich sind, um Aufnahmen zu beurteilen und zu vergleichen, das war vor allem eine solide Notenkenntnis, die ich durch lange Jahre bei meinem Musiklehrer erworben habe und auch durch die Einstudierunge etlicher Lieder (er war auch professioneller Liedbegleiter) früh angewendet habe, aber ein Instrument habe ich nie gespielt. Ich singe wohl viel, wobei mir die Notenkenntnis natürlich auch zugute kommt.


    Zum Schluss noch eine Bemerkung zur Berufsauffassung ds von dir auch genannten Swjatoslaw Richter, über den mein Musiklehrer ziemlich viel wusste und weshalb Richter auch einer meiner absoluten Lieblingspianisten wurde. Mein Leher erzählte, dass Richter nach einem Konzert im Moskauer Konservatorium eine Weile mit seinem Lehrer Heinrich Neuhaus im Garten des Konservatoriums spazieren gegangen sei. Nach einer Weile verabschiedete sich Richter mit der Bermerkung, er müsse noch etwas üben, was dann letztlich acht Stunden geworden wären.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ein Murray Perahia meinte, dass seine frühe Auseinandersetzung mit der "Hammerkalviersonate" unreif gewesen sei, weswegen er dieses Werk 2 Jahrzehnte nicht anfasste und sich erst im Alter dieses wieder vornahm. Der Ratschlag, sich weiterzuentwickeln, ist bei den teilweise eklatanten musikalischen Mängeln bei Buniatishvili nur als guter Rat gemeint.

    Und was mich betrifft, der diesen "Rat" (er war ja eher in Form eines Wunsches verfasst) hier geschrieben hat: Ich wäre in der Tat nicht so vermessen und würde Frau Buniatishvili allen Ernstes einen Karriere-Hinweis geben wollen. Es ist halt nicht mehr und nicht weniger als mein persönlicher Eindruck, dass ihre Interpretationen, die ich in den letzten Monaten zu Gehör bekommen habe, stark auf die Sentimentalisierung des Augenblicks setzen - auf Kosten des großen Zusammenhangs und -halts, der auch der Reflexion bedarf.

    Wenn ich die Dame nach einem Konzert träfe, würde ich eher den Teufel tun, als ihr einen Rat zu geben. Dennoch sehe ich im Forum einen Ort, an dem solche persönlichen Einschätzungen ganz normal sind bzw. zu unser aller Austausch dazugehören wie das Salz in der ansonsten verwässernden Interpretationssuppe.

    Dass aber einerseits hier meine Überheblichkeit und Arroganz sowie Vergleiche mit anderen Pianisten kritisiert werden, dann aber Frau Buniatishvili in eine Rangliste gepresst (Top 5 aller lebenden Pianisten oder so ähnlich?) und Lisitsas Liszt-Rhapsodie zur Referenz-Einspielung erhoben wird - das passt prinzipiell überhaupt nicht zusammen für mich.

  • Um auf Khatia Buniatishvili zurückzukommen, habe ich hier einen Terminvorschlag:


    Sonntag 15. März 2020:


    Tonhalle Düsseldorf:


    Ludwig van Beethoven, "Tripelkonzert" C-dur op. 56

    Gustav Mahler, Symphonie Nr. 1 D-dur "Titan"


    London Philharmonic Orchestra,

    Anne-Sophie Mutter, Violine,

    Pablo Fernandez, Violoncello,

    Khatia Buniatishvili, Klavier

    Robin Ticciati, Leitung


    Preise: € 175, 155, 135, 95, 65


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • mein persönlicher Eindruck, dass ihre Interpretationen, die ich in den letzten Monaten zu Gehör bekommen habe, stark auf die Sentimentalisierung des Augenblicks setzen - auf Kosten des großen Zusammenhangs und -halts, der auch der Reflexion bedarf.

    Das bringt es für mich sehr, sehr gut auf den Punkt! Ich war von ihrer Schubert-Aufnahme ebenfalls enttäuscht.


    Viele Grüße

    Christian