Auf den Spuren eines Phänomens

  • Im Hilde Zadek Thread kam die Diskussion auf, dass die Sängerin auf der Bühne im Liveerlebnis sängerisch und darstellerisch große Erfolge hatte, in Tonaufnahmen nach verschiedenen Urteilen der Tamino Gesangsexperten diese Wirkung jedoch nie in gleichem Maße realisieren konnte. Auf der anderen Seite - und ich meine das tritt noch häufiger auf - gibt es strahlende Mikrofonstimmen, die im großen Opernhaus kläglich versagen. Was sind die Ursachen dieses Phänomens? Versuchen wir, diese zu ergründen und zu benennen. Am überzeugendsten wird uns dies gelingen, wenn wir konkrete Beispiele nennen. Ich will gerne damit beginnen und zwar mit einem Bariton, den ich verehrte und liebte: Heinz Imdahl - die rheinische Frohnatur - wurde 1924 in Düsseldorf geboren. Obwohl durch einen renommierten elterlichen Betrieb zur Führung des florierenden Unternehmens bestimmt und durch Ausbildung dafür prädestiniert setzte sich Heinz Imdahl durch und wurde trotz aller Widerstände Sänger. Ausbildung und erstes Engagement in Düsseldorf. Über Bremen, Staatsoper "Unter den Linden" Berlin, Staatstheater Nürnberg, Rückkehr an die Deutsche Oper am Rhein als Erster Bariton, jetzt jedoch mit großem Erfolg eingesetzt in den großen Fachpartien. Danach der große Sprung an die Bayerische Staatsoper in München. Dort fand er sein Stammhaus und wurde eine der großen Stützen des Ensembles und ständiger Gast an der Wiener Staatsoper. Längst wurde er weltweit zu Gastspielen verpflichtet. Er sang nun in den Opernzentren die großen Partien seines Fachs wie Rigoletto, Amfortas, Amonasro, Scarpia, Pizarro, Holländer, Telramund, Wotan, Falstaff, Sachs - seine Lieblingsrolle, usw. Weltweit wurde die Kraft, Schönheit, die sonore Fülle der Stimme, die Weite der Ausdrucksskala und die natürliche Darstellung bewundert und gerühmt. Nur die Tonindustrie ignorierte diesen Meistersänger. Mir sind nur 2 Aufnahmen von Imdahl bekannt in unbedeutenden Rollen mit mäßiger Wirkung und einige private Raubmitschnitte, die wegen der katastrophalen Ton- und Klangqualität dem Ruf des Sängers eher schaden. Auf der Bühne einer der Großen, von der Tonindustrie ignoriert, in Platten- und Funkaufnahmen ein Schatten seiner Liveauftritte. Wodurch ist dieses Phäomen, das am Beispiel von Heinz Imdahl exemplarisch dargestellt wurde, zu erklären?


    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Im Hilde Zadek Thread kam die Diskussion auf, dass die Sängerin auf der Bühne im Liveerlebnis sängerisch und darstellerisch große Erfolge hatte, in Tonaufnahmen nach verschiedenen Urteilen der Tamino Gesangsexperten diese Wirkung jedoch nie in gleichem Maße realisieren konnte. Auf der anderen Seite - und ich meine das tritt noch häufiger auf - gibt es strahlende Mikrofonstimmen, die im großen Opernhaus kläglich versagen. Was sind die Ursachen dieses Phänomens?

    Die Ursachen, lieber Hans, sind nach meiner Beobachtung sehr weitschweifig und facettenreich. Die meisten Stimmen sind - wie ich finde - auf Tonträgern überhaupt nicht oder nur sehr unzureichen abbildbar. Es sei denn, Produzenten mit großer Erfahrung und noch größerer Besessenheit versuchen, für eine Stimme die ihr angemessenen technischen Rahmenbedingungen im Studio zu finden, damit das Abbild so realistisch wie möglich ausfällt. Das ist immer mit großem Aufwand verbunden, den heutzutage keine Firma mehr leisten kann. Bei einigen Einspielungen der Callas oder der Schwarzkopf - das sind jetzt nur zwei Beispiele - ist das sehr gut gelungen. Die Platte wurde zu eigenständigen Kunstprodukten. Vor dem Mikrophon wurde in langen und zermürbenden Sitzungen versucht, Musik so vollkommen wie möglich zu bewahren. Objektiv waren auch diese Platten nie, denn sie vermittelten ja immer auch die Auffassung der Produzenten oder Dirigenten. Sänger waren meist nur ein Medium. Heute werden in der Regel nachträglich etwas bearbeitete Mitschnitte auf CD oder DVD veröffentlicht. Das sind Momentaufnahmen und keine bis in alle Einzelheiten kalkulierten Kunstprodukte wie die Platten der Nachkriegzeit. De Sabata hat die Callas bei den Aufnahmen ihrer ersten "Tosca" nach Hause geschickt, damit sie ein völlig akzentfreies Italienisch übe. Heute - in Zeiten der Globalisierung - singen alle alles. So klingt es dann oft auch.


    Heinz Imdahl, den Du ins Spiel bringst, hatte in seiner Zeit viele Mitbewerber. Mitbewerber, die auch besser und begabter waren. Das schmälert seinen Erfolg nicht. Ich schätze ihn auch. Wer aber hätte mit Imdahl einen Sachs, Holländer oder Pizarro aufnehmen sollen? Viele Titel, die noch heute den Ruhm mancher Sänger bewahren, sind nachträglich verbreitete Mitschnitte. Dadurch entstehen auch Zerrbilder.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • IMir sind nur 2 Aufnahmen von Imdahl bekannt in unbedeutenden Rollen mit mäßiger Wirkung und einige private Raubmitschnitte, die wegen der katastrophalen Ton- und Klangqualität dem Ruf des Sängers eher schaden. Auf der Bühne einer der Großen, von der Tonindustrie ignoriert, in Platten- und Funkaufnahmen ein Schatten seiner Liveauftritte. Wodurch ist dieses Phäomen, das am Beispiel von Heinz Imdahl exemplarisch dargestellt wurde, zu erklären?


    Lieber Hans,


    kennst Du denn diese Aufnahme?


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    Wer diese Aufnahme kennt, bedauert es wirklich, dass Heinz Imdahl auf so gut wie keiner Schallplatte/CD zu finden ist, denn seine sprachliche und gesangliche Gestaltung des Telramund braucht keinen Vergleich zu scheuen.


    Es wird wohl tatsächlich daran liegen, dass in den 50ern, 60ern (der Lohengrin stammt von 1968) es eine Vielzahl von hervorragenden Sänger/innen gegeben haben wird, denn auch bei vielen anderen der Protagonisten obiger Aufnahme (Leonore Kirschstein als Elsa, Herbert Schachtschneider als Lohengrin, Hans Helm als Heerrufer oder Otto von Rohr als König Heinrich, lediglich Ruth Hesse als Ortrud ist bekannter) fragt man sich, warum diese Sänger/innen nicht wesentlich präsenter auf Tonträgern gewesen sind.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Ich kann im Augenblick keine konkreten Beispiele im Stimmenbereich nennen, aber das "Phänomen" gibt es auch im Instrumentalbereich bei Solisten.

    Die einen werden beim Anblick des Publikums , das als Partner und "Mitgestalter" gesehen wird - regelrecht angefeuert, die anderen fühlen sich durch jeden Huster gestört. Beim Sänger kommt Noch die Dekoration dazu und die Stimmung durch das Licht. Es bleibt aber immer ein Risiko, wenn man live auftritt und der Auftritt ist jedesmal anders - auch in Bezug auf die Wirkung aufs Publikum.

    Im Studio fühlen sich die "Live Phobiker" wohl. Hier ist alles unter Kontrolle. EVerspieler kann geschnitten und ausgebessert werden oder im schlimmsten Fall kann der Take wiederholt werden. Kein Räuspern, kein Husten, kein zu schwacher Applaus, der demotiviern könnte.

    Die anderen wiederung fühlen sich von der Kühle der Studioathmosphäre gelähmt. Das Mikrophon ist unbarmherzig und verzeiht im Gegensatz zum Publikum keinen falschen Ton. Der Sänger kann nichts "überspielen" - was auf der Bühne doch teilweise möglich ist.


    So ist das Phänomen vermutlich in der psychischen Beschaffenheit des Sängers/Interpreten zu suchen....


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Eines sollte auch noch bedacht werden, in der Zeit, über die wir hier reden, waren Schallplatten sündhaft teuer. Viele Gesamtaufnahmen von Opern kamen nicht zustande, weil befürchtet werden musste, dass sie nicht genug Absatz würden finden. Deshalb die vielen Querschnitte. In meiner Jugend war ich heilfroh, wenn ich mir eine einzige Aufnahme meiner absoluten Lieblingsstücke leisten konnte. Vorausgesetzt, es gab sie überhaupt. Hat sich damals schon jemand mit der Frage herumgeplagt, warum es nicht viel mehr mit Heinz Imdahl gibt? Das kann ich mir nicht vorstellen. Wir dürfen den Markt der aktiven Zeit dieses Sängers nicht mit den Augen von heute, wo Überfluss herrscht, betrachten.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Und Vitamin B wird da auch mit im Spiel gewesen sein. Wir haben das ja auch in unserer Zeit erlebt. Manchmal hatte man den Eindruck es gäbe nur 3 Tenöre auf der Welt.

    Und vieles hängt vom Zufall oder EINER entscheidenden Person ab. Carus verdankt Fred Gaisberg seine Karriere, denn die Columbia hatte bereits NEIN gesagt, als sie die Gagenforderung Carusos hörte.Ähnlich Adelina Patti. Sie war zwar schon weltberühmt, aber Schallpatten hatte sie keine gemacht. Wieder war es Fred Gaisberg, der sie dazu überreden konnte.....


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Norbert ist mir mit dem "Lohengrin" unter Swarowsky zuvorgekommen, den hätte ich in jedem Fall auch angeführt. Da hat mich der "Silbersee" von Kurt Weill für den Opernführer etwas zurückgeworfen. Aber: Wie Imdahl den Telramund singt, das hat mich schon beeindruckt. Und das bei einem nicht immer Wagneraffinen Musikfreund...


    :hello:

  • Danke, liebe Freunde,


    den "Lohengrin" unter Swarowsky kenne ich selbstverständlich und besitze ihn. Ich finde auch, dass Heinz Imdahl die schwierige Rolle des Telramund sängerisch, darstellerisch, ausdrucksmäßig und deklamatorisch ausgezeichnet gestaltet hat. Bereits in den 50er -60er Jahren gab es Sänger, die von den großen Labels in starkem Maße bevorzugt eingesetzt wurden. Damals war noch großer Nachholbedarf da: Bei den Damen fallen mir spontan Schwarzkopf, Rothenberger, Köth, Streich,Hallstein, Varnay und Nilsson ein. Bei den Herren Schock, Wunderlich, Prey, Metternich, Fischer-Dieskau, Frick und Windgassen. Aus der damaligen DDR konnnten sich erfreulicher Weise - jedoch weit schwieriger - Adam und Schreier eine ähnliche Position erarbeiten.

    Sicherlich waren es damals auch schon Popularitätsgesichtspunkte und kommerzielle Erwägungen. Großen Einfluss hatten jedoch auch die Vorlieben der Dirigenten und der mächtigen Schallplattenbosse. Ausserdem waren die Sänger damals eng freundschaftlich verbunden. Wo ein Schock sang war ein Metternich und Frick nicht weit. Besonders in des Startenors Wunderlich Anfangszeit war die Freundschaft mit Gottlob Frick fast eine Vater/Sohn Beziehung. Im Hause Frick wurde für Fritz Wunderlich ständig ein zwei Zimmerappartement frei gehalten. Später äußerten Wunderlich und Prey ja öffentlich, dass sie grundsätzlich gemeinsame Engagements anstreben. Ich glaube solche engen Beziehungen, die sich gegenseitig auch stützen und fördern dürften heute kaum mehr möglich sein. Weitere Besipiele wären das legendäre Wiener-Mozartensemble und die weltweit dominierende Wagner-Connection, die damals praktisch in jeder Ring-Inszenierung aufgeboten wurde.

    Das Phänomen, dem wir auf der Spur sind, wurde bereits in Richtung Dominanz und Bevorzugung bezw. Benachteiligung von Sängerinnen und Sängern angesprochen. Was noch fehlt ist die andere Seite der Medaille: Die fantastischen Mikrofonstimmen, die in der Live-Situation und im hart-fordernden Bühnenalltag jedoch nicht bestehen konnten.


    Herzlichst

    Operus (Hans)

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    Wer diese Aufnahme kennt, bedauert es wirklich, dass Heinz Imdahl auf so gut wie keiner Schallplatte/CD zu finden ist, denn seine sprachliche und gesangliche Gestaltung des Telramund braucht keinen Vergleich zu scheuen.


    Auf interessante Telramunde bin ich immer neugierig, deswegen habe ich den Amazon-Link genutzt und die Einspielung bestellt.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Hans,

    Mit Deinem letzten Satz hast du den Kern des Problems eigentlich schon angesprochen:

    Gewisse Stimmen "liebt" das Mikrophon geradezu, andere nicht. Gerade grosse Stimmen scheinen ein Problem gewesen zu sein. Fritz Wunderlich, der eine eigentliche Mikrophon-Stimme hatte, scheint live ein viel kleineres Organ besessen zu haben. Ein Beispiel für eine grosse Stimme: Birgit Nilsson musste für Aufnahmen immer einen gewissen Abstand zum Mikro einhalten.

    Noch ein Wort zu Heinz Imdahl: 1. Seine Berühmtheit war dadurch, dass er nie in Bayreuth auftrat ziemlich eingeschränkt. Auch hatte er riesige Konkurrenz. Hermann Uhde beispielsweise hatte einfach das schönere Organ, auch Gustav Neidlinger, Eberhard Wächter und vor allem Fischer-Dieskau sangen doch in einer anderen Liga.

    Ähnliches lässt sich bei den Tenören konstatieren. Während Hopf und Beirer über die weitaus grösseren stimmlichen Mittel verfügten, konnte das Mikro Windgassens Stimme weitaus besser abbilden.

  • Mit Deinem letzten Satz hast du den Kern des Problems eigentlich schon angesprochen:

    Gewisse Stimmen "liebt" das Mikrophon geradezu, andere nicht. Gerade grosse Stimmen scheinen ein Problem gewesen zu sein. Fritz Wunderlich, der eine eigentliche Mikrophon-Stimme hatte, scheint live ein viel kleineres Organ besessen zu haben. Ein Beispiel für eine grosse Stimme: Birgit Nilsson musste für Aufnahmen immer einen gewissen Abstand zum Mikro einhalten.

    Lieber Marcel, liebe Freunde,


    für die gewissen Stimmen, die das Mikrofon geradezu liebt, die jedoch auf der Opernbühne Schwierigkeiten hatten, suchten wir noch Belege: Ein bezeichnendes Beispiel ist da für mich der Tenor Mario Lanza. Er wurde sogar mit Caruso und Gigli verglichen und hatte aufsehenerregende Erfolge mit Tonaufnahmen und im Filmgeschäft. Trotz aller Popularität und Förderung ist ihm der Sprung auf die Opernbühne nicht gelungen. Er soll 1948 lediglich an zwei Abenden in New Orleans auf der Opernbühne als Pinkerton in "Madame Butterfly" auf der Bühne gestanden haben. Danach wurde er abgesetzt, weil er die Partie nicht geschafft haben soll. Publikum und vor allem die Boulevard-Presse waren von seinem Talent, der Schönheit der lyrischen Stimme und seiner Art des gefühligen Vortrags begeistert. Was nicht ausreichte war die Belastbarkeit der Stimme und das Durchhaltevermögen. Diese Defizite lagen eindeutig in mangelnder stimmlicher Ausbildung und daher fehlender Technik. Also eine perfekte Mikrofonstimme, die jedoch für die Bühne nicht ausreichte. Auch der Beweis, dass nicht jeder Laiensänger, der eine schöne Stimme hat, als Berufssänger den hohen, harten Anforderungen, besonders in großen Partien, auf der Bühne gewachsen ist.


    Herzlichs

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • ... Mario Lanza. Er wurde sogar mit Caruso und Gigli verglichen und hatte aufsehenerregende Erfolge mit Tonaufnahmen und im Filmgeschäft. Trotz aller Popularität und Förderung ist ihm der Sprung auf die Opernbühne nicht gelungen. Er soll 1948 lediglich an zwei Abenden in New Orleans auf der Opernbühne als Pinkerton in "Madame Butterfly" auf der Bühne gestanden haben. Danach wurde er abgesetzt, weil er die Partie nicht geschafft haben soll. Publikum und vor allem die Boulevard-Presse waren von seinem Talent, der Schönheit der lyrischen Stimme und seiner Art des gefühligen Vortrags begeistert. Was nicht ausreichte war die Belastbarkeit der Stimme und das Durchhaltevermögen. Diese Defizite lagen eindeutig in mangelnder stimmlicher Ausbildung und daher fehlender Technik. Also eine perfekte Mikrofonstimme, die jedoch für die Bühne nicht ausreichte. Auch der Beweis, dass nicht jeder Laiensänger, der eine schöne Stimme hat, als Berufssänger den hohen, harten Anforderungen, besonders in großen Partien, auf der Bühne gewachsen ist.

    Du sagst es selbst, lieber operus, Lanza mangelte es an der Ausbildung. Er war für mich nur ein gut aussehendes Talent - mit null Technik. Der Vergleich mit Caruso oder Gigli ist eine Erfindung der bunten Presse, sonst nichts. Man wollte sich einen neuen Star zurechtschnitzen, mit dem sich allseits gut Geld verdienen ließ. Das klappte ja auch. Er wurde ausgeschlachtet bis er nicht mehr konnte. Eine perfekte Mikrofonstimme würde ich Lanza auch nicht atestieren. Eben habe ich nochmal in eine Opernarien-Platte hineingehehört. Sein Vortrag klingt in meinen Ohren ziemlich grobschlächtig. Insofern würde ich ihn nicht als Beispiel für Dein Thema heranziehen.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Du sagst es selbst, lieber operus, Lanza mangelte es an der Ausbildung. Er war für mich nur ein gut aussehendes Talent - mit null Technik. Der Vergleich mit Caruso oder Gigli ist eine Erfindung der bunten Presse, sonst nichts. Man wollte sich einen neuen Star zurechtschnitzen, mit dem sich allseits gut Geld verdienen ließ. Das klappte ja auch. Er wurde ausgeschlachtet bis er nicht mehr konnte. Eine perfekte Mikrofonstimme würde ich Lanza auch nicht atestieren. Eben habe ich nochmal in eine Opernarien-Platte hineingehehört. Sein Vortrag klingt in meinen Ohren ziemlich grobschlächtig. Insofern würde ich ihn nicht als Beispiel für Dein Thema heranziehen.

    Lieber Rüdiger,


    Du warst gründlicher als ich. Du hast Dein Urteil überprüft. Ich habe aus der Erinnerung heraus geurteilt. Also auch keine perfekte Mikrofonstimme. Wir werden bessere Beispiele finden.


    Herzlichst

    Operus :hello:

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Hans,

    Mit Deinem letzten Satz hast du den Kern des Problems eigentlich schon angesprochen:

    Gewisse Stimmen "liebt" das Mikrophon geradezu, andere nicht. Gerade grosse Stimmen scheinen ein Problem gewesen zu sein.

    Fritz Wunderlich, der eine eigentliche Mikrophon-Stimme hatte, scheint live ein viel kleineres Organ besessen zu haben.

    Lieber m.joho,


    dasselbe hat mir Rüdiger Wohlers bei unserem letzten Treffen auch berichtet. Er hatte ihn live einige Male in Hamburg erlebt.

    Mir dagegen fiel das in der Stuttgarter Oper nicht auf. Durch meine guten Plätze hatte ich FW immer direkt vor mir in Aktion, da trug die Stimme sehr gut. Und als 12- bis 15-Jähriger fehlten mir damals auch die Vergleiche.

  • Von kleiner Stimme habe ich bei Wunderlich nie etwas bemerkt. Ich habe ihn live in der Wiener Staatsoper an die 20mal erleben dürfen und seine Stimme war immer auf der selben Höhe mit seinen Partnern.


    Erich

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Von kleiner Stimme habe ich bei Wunderlich nie etwas bemerkt. Ich habe ihn live in der Wiener Staatsoper an die 20mal erleben dürfen und seine Stimme war immer auf der selben Höhe mit seinen Partnern.

    Lieber Erich,

    ich auch nicht. Ich war z. B. bei Aufnahmen zur "Verkauften Braut" dabei und da konnte Wunderlich voll mit Gottlob Frick bei der Stimmstärke mithalten. Die Frage, die allerdings auch oft zwischen den Freunden Wunderlich/Frick und auch hier im Forum diskutiert worden ist: Was wären die nächsten Partien gewesen? Wie wie weit hätte die Stimme gereicht? Wenn man berükcsichtigt was René Kollo mit einer ursprünglich auch lyrischen Stimme alles gesungen hat, dann wäre von Wunderlich noch sehr viel zu erwarten gewesen. Zumal der Tenor ein äußerst kluger Sänger war.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • 41RKzpyv%2BuL.jpg


    Wer diese Aufnahme kennt, bedauert es wirklich, dass Heinz Imdahl auf so gut wie keiner Schallplatte/CD zu finden ist, denn seine sprachliche und gesangliche Gestaltung des Telramund braucht keinen Vergleich zu scheuen.

    Es wird wohl tatsächlich daran liegen, dass in den 50ern, 60ern (der Lohengrin stammt von 1968) es eine Vielzahl von hervorragenden Sänger/innen gegeben haben wird, denn auch bei vielen anderen der Protagonisten obiger Aufnahme (Leonore Kirschstein als Elsa, Herbert Schachtschneider als Lohengrin, Hans Helm als Heerrufer oder Otto von Rohr als König Heinrich, lediglich Ruth Hesse als Ortrud ist bekannter) fragt man sich, warum diese Sänger/innen nicht wesentlich präsenter auf Tonträgern gewesen sind.

    Lieber Norbert, inzwischen ist diese Aufnahme bei mir eingetroffen, und ich höre sie gerade. Mir gefallen Hesse und Imdahl als dunkles Paar sehr gut, während Kirschstein und Schachtschneider mir weniger zusagen.

    Mein Examplar der Weltbild-Classics-Reihe weist schon einige Gebrauchsspuren auf, ist also vom Vorbesitzer häufiger aus dem Regal genommen worden und hat zwei erwähnenswerte Details zu bieten:

    • Das Cover nennt Otto v. Rohr als König Heinrich, das inliegende Booklet Walter Kreppel. Weißt Du, welche der beiden Angaben stimmt?
    • Im meinem Booklet steht auf der letzten Seite, mit Kugelschreiber geschrieben, folgendes: mein lieber Reiner herzlichst. Heinz Imdahl

    Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Hans,


    ja, das Timbre von Herbert Schachtschneider ist etwas gewöhnungsbedürftig. Stellenweise singt er etwas nasal.


    In meinem Booklet ist immer von Otto von Rohr die Rede, aber in einer Amazon Rezension wurde behauptet, es sei Walter Kreppel gewesen, der den König singt. Diese Diskussion wurde schon einmal in unserem Forum geführt und zwar hier: Ein nobler Universal-Bass: OTTO VON ROHR Wir waren uns einig, dass Otto von Rohr richtig ist.


    Vielleicht ist Deine Aufnahme durch die Widmung von Heinz Imdahl ja mehr wert...;)

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Habe eben mit einem Lohengrin Experten :) telefoniert, der meinte eindeutig, das Otto von Rohr den König Heinrich singt!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Fiesco, lieber Norbert, Dank für Eure Klarstellung - es ist also v. Rohr, der hier den Heinrich singt.

    Die Swarowsky-Einspielung habe ich über Amazon bei Medimops erworben. Daß Imdahl das Booklet signiert hat, war eine wirkliche Überraschung. Möglicherweise stammt das Exemplar aus einem Nachlaß. Mir sind mache CDs durchaus wert, aber Wert haben sie sicher keinen. Meine Erben werden sie nicht sichten, sondern samt und sonders in den Müllcontainer hinter dem Haus verfrachten. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Zitat von Hans Heukenkamp

    Mir sind mache CDs durchaus wert, aber Wert haben sie sicher keinen. Meine Erben werden sie nicht sichten, sondern samt und sonders in den Müllcontainer hinter dem Haus verfrachten. Es grüßt Hans

    Lieber Hans, du sprichst zwei Sätze gelassen aus! Ich mit meinen ca.15.000 CDs bereue es nicht sie mir angeschafft zu haben, was danach passiert ist mir völlig Schnuppe! :D


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Das Cover nennt Otto v. Rohr als König Heinrich, das inliegende Booklet Walter Kreppel. Weißt Du, welche der beiden Angaben stimmt?
    Im meinem Booklet steht auf der letzten Seite, mit Kugelschreiber geschrieben, folgendes: mein lieber Reiner herzlichst. Heinz Imdahl

    Liebe Freunde,

    in der "Lohengrin" Gesamtaufnahme unter Swarowsky singt Otto von Rohr den König Heinrich. Ich habe diese Aufnahme irgendwo, im Gegensatz zu Euch habe ich kaum Ordnung in meinen zahllosen Platten, CDs und DVDs. Also fange ich gar nicht an zu suchen. Mit der Widmung von Heinz Imdahl hast Du eine schöne Erinnerung an einen der originellsten, liebenswertesten Künstler, die ich je kennenlernen durfte. Heinz scheute Plattenaufnahmen. Vielleicht auch deshalb, weil ihm Gustav Gründgens in seiner Düsseldorfer Zeit eingeredet hat, er hätte keine Mikrophonstimme. Da sieht man wieder einmal welche Macht, die sich selbst erfüllende Prophezeihung haben kann. Dafür sind mir meine Begegnungen mit ihm in Liveaufführungen in bester Erinnerungen. Er sang selbst einen sehr repektablen Sachs.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!