WEILL, Kurt: DER WEG DER VERHEISSUNG

  • Kurt Weill (1900-1950):

    DER WEG DER VERHEISSUNG

    Szenisches Oratorium in vier Teilen mit einem Prolog und einem Epilog - Libretto von Franz Werfel


    1. Fassung komponiert 1934/35, nicht aufgeführt, dieser Inhaltsangabe aber zugrunde gelegt

    2. Fassung als „biblical drama“ mit dem ursprünglichen Titel „The Road of Promise“, der in „The Eternal Road“ geändert wurde (Übersetzung von Ludwig Lewisohn, mit zugefügten Song-Texten von Charles Alan), uraufgeführt am 7.01.1937 im Manhattan Opera House, N.Y.

    Deutschsprachige Erstaufführung 1999 in Chemnitz



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Rabbi (Tenor) / Der Fromme (Bariton) / Der Widersprecher (Tenor) / Die Stimme (Tenor)

    Ein hoher Engel (Tenor) / Zwei helle Dienstengel (Tenöre) / Engel des Todes (Bass)

    Zwei dunkle Dienstengel (Tenor, Bariton) / Abraham (Bariton) / Moses (Bariton)

    Samuel (Bass) / Jeremias (Bariton) / Jakob (Tenor) / Boas (Bariton) / Salomo (Bariton)

    Jesaja (Tenor) / Joseph (Tenor oder Bariton) Josua (Bariton) / David (Tenor)

    Der Engel der Endzeit (Bariton) / Saul (Bariton oder Bass) / Josephs Hausverwalter (Tenor)

    Der falsche Prophet Chananjah (Bariton) / Josephs Brüder (zwei Tenöre, Bariton, Bass)

    Ein Schnitter (Bariton) / Ein Krieger (Bariton)


    Sara (Sopran) / Rahel (Sopran) / Mirjam (Sopran) / Ruth (Mezzosopran oder Alt)

    Noemi (Mezzosopran) / Die Hexe von Endor (Mezzosopran) / Der Knabe Isaak (Sopran)

    Eine Frau (Mezzosopran) /


    Sprechrollen: Vorsteher / Entfremdeter und sein 13jähriger Sohn / Ängstlicher / Reicher /

    Wächter / Junger Mensch / fremdes Mädchen / Königsbote / Türhüter / Bathseba / Greis /

    Israels Älteste / Kundschafter / ein Hebräer / Davids Gefährte / alter Gefolgsmann / Juda / Fronvogt / Pharaos Stimme / Goliaths Stimme / Zedekia / Uriah / Flieser / Ebed Melech /

    Reuben / Aaron / Schimon / Pashur / Benjamin / Jonathan


    Chöre (gemischt, Frauen, Knaben) / Ballett


    Die Handlung ist teilweise in der Gegenwart, teilweise in biblischer Zeit angeordnet.



    INHALTSANGABE


    Die Bühne ist in fünf Ränge unterteilt: Unten eine Synagoge, darüber eine leicht ansteigende Straße bis zum dritten Rang; dort zwei erhöhte Plattformen als Schauplatz biblischer Szenen; Rang vier zeigt Dekorationen des Opferplatzes Moriah, den Aufstieg zum Sinai und den Tempel-Altarplatz; Rang fünf ist die Himmelsleiter, umrahmt von einem mächtigen Felsentor, das durch Schleier entrückt ist als Sphäre der Engel und des göttlichen Wortes.


    Prolog:


    Wütendes Volk bedroht die Juden, die in einer Synagoge Schutz gesucht haben. Nach einer mit Gebeten zugebrachten Nacht ist die gesamte Gemeinde auf alle möglichen Reaktionen ihrer Gegner gefasst. Die Frage ist und bleibt: Wird die Pogromstimmung abnehmen oder wird sie von Antisemiten weiter geschürt? Der Rabbiner erscheint und kündigt den Versammelten eine Vorlesung aus den Geschichten des Tanach an; sie sollen allen Mut machen, sollen zeigen, dass gläubiges Vertrauen zum Gott Israels zu allen Zeiten den Menschen in schwierigen Situationen geholfen hat. Der Rabbi will damit seine Gemeinde auch ermuntern, jedes Schicksal demütig anzunehmen - so, wie es die Glaubensväter ihres Volkes vorgelebt haben.


    Diese vorgetragenen Geschichten, allen bekannt und jahrtausendealter Glaubensschatz, werden szenisch dargestellt. Auch einzelne Gemeindemitglieder sind an diesen Darstellungen beteiligt. Die Lehren, die der Rabbi aus den geschilderten Ereignissen zieht, werden aber nicht von allen Gläubigen akzeptiert: Der Widersprecher Zum Beispiel ficht sie vehement an, der Reiche aber bekennt sich zu ihnen. Der Entfremdete und sein Sohn suchen im Gebet nach Antworten, der Fromme dagegen findet Ermutigung für sich und sein Glaubensleben. Die aus dem höchsten Rang ertönende Stimme Jahwes spricht über das Schicksal des Volkes Israel.


    Erster Teil - Die Erzväter:


    Die erste Geschichte des Rabbi berichtet vom Bund zwischen Jahwe und dem Volk Israel, an dessen Beginn der Neunundneunzigjährige Avram (Abraham) steht. Ihm wird eine große Nachkommenschaft angekündigt und er wird zudem ein Segen für alle Völker sein. Sein Weib Sara sieht die von Jahwe angekündigte Mutterschaft aus Altersgründen skeptisch-lächerlich, was dem Gott Israels nicht gefällt. Abraham dagegen glaubt Jahwes Prophezeiung und nennt das Neugeborene später Isaak.


    Die göttliche Stimme verlangt von Abraham, ihm Isaak als Opfer darzubringen. Das Entsetzen war groß, doch der Erzvater der monotheistischen Religionen gehorcht der Stimme. In letzter Minute verhindert ein Engel das Menschenopfer und befiehlt Abraham, den wie aus dem Nichts erscheinenden Widder Jahwe zu opfern.


    Die nächste Geschichte handelt von Jakob und seinem Weib Rahel, die vierzehn Jahre auf ein gemeinsames Kind warten mussten, ehe Jahwe ihre Gebete erhörte: Rahel gebar ihrem Mann die Söhne Joseph und Benjamin, die jüngsten Kinder der Familie*. Joseph wurde zu Jakobs Lieblingssohn und war deswegen den Halbbrüdern verhasst. Sie zwangen ihn in eine Zisterne, wo sie ihn töten wollten, doch dann verrieten sie ihn an medianitische Kaufleute, die ihn später in die ägyptische Sklaverei verkauften. Hier gelang Joseph jedoch durch seine Klugheit und sein einnehmendes Wesen der Aufstieg in das zweithöchste Staatsamt. In dieser Stellung erfährt er eines Tages von einer Hungersnot in seiner Heimat, und sorgt dafür, dass die in der Existenz gefährdete Familie in Ägypten eine neue Heimat findet. Der Rabbi äußert die Hoffnung, dass der Vortrag dieser Erzählungen den Gemeindegliedern verdeutlicht, was der Glauben vermag: Die Zuversicht Abrahams in Jahwes Entscheidungen, die Entbehrungen Jakobs und Josephs Glauben an die Vergebung allen Unrechts können Lernhilfe für das eigene Dasein bedeuten.

    * Jakob hatte von seiner anderen Frau Lea die Söhne Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issachar und Sebulon. Die Söhne von Rahels Magd Bilhas hießen Dan und Naftali; die Söhne von Leas Magd Silpa waren: Gad und Ascher.


    Zweiter Teil - Moses:


    Jahwe befiehlt Moses, die sein Volk aus Ägypten in das gelobte Land zu führen. Der Pharao hat naturgemäß Einwände gegen den Fortzug der billigen Arbeitskräfte und widersetzt sich mit immer neuen Ausflüchten. Doch Jahwe schickt den Ägyptern jedes Mal Strafen und schließlich gibt der Pharao genervt auf und lässt die Knechte doch ziehen. Der Rabbi erklärt den Zuhörern den Bericht als ein universelles Zeichen für Freiheit, dadurch aber auch eine Wappnung gegen Tyrannei und Sklaverei.


    Auf dem Berg Horeb empfängt Moses von Jahwe die zehn Gebote. Nach der Rückkehr von dem geheiligten Berg in das Lager trennt er sich von seinem älteren Bruder Aaron. Der hatte dem Einfluss von Gegnern seines Bruders und Jahwes nachgegeben und ein Götzenbild in Form eines Kalbes aus zusammengerafftem Gold geschaffen, das viele, nicht alle, nun statt des Gottes ohne Namen anbeteten. Der zornige Moses wirft die Gebotstafeln mit der Handschrift Jahwes auf das Götzenbild und zerstörte es.


    Zorn und Empörung ruft der Widersprecher in der Gemeinde hervor, die ihm Zynismus vorwirft und ihn in die Dunkelheit hinausstößt. Aber er kommt in den im dritten Rang dargestellten biblischen Szenen als Satan zurück und hetzt gegen Jahwe und die Gläubigen.


    Als die Juden dem verheißenen Land Kanaan nach vierzig Jahren Wanderschaft näherkommen, wird Moses von Gott auf den Berg Nebo gerufen und erfährt hier durch die göttliche Stimme, dass er das Land nur aus der Ferne sehen, aber nicht hinübergehen darf *; er wird hier auch sein irdisches Leben beenden.

    * Moses durfte nicht in das gelobte Land ziehen, da er Jahwe nicht geglaubt, und ihn sogar herausgefordert hat: Das Volk war aus Wassermangel unzufrieden und erhob Vorwürfe gegen Moses. Im Offenbarungszelt bat er mit Aaron Hilfe von Jahwe. Der befahl ihm, zum Felsen zu sprechen, doch Moses schlägt mit einem Stab zweimal an den Felsen. Da kam viel Wasser heraus und die Gemeinde konnte trinken und ihr Vieh. Da sprach der Ewige zu Mose und Aaron: - Weil ihr mir nicht geglaubt habt und mich vor den Augen der Israeliten nicht als den Heiligen bezeugen wolltet, darum werdet ihr dieses Volk nicht in das Land hineinführen, das ich ihm geben werde.


    Die Juden ziehen also ohne Moses und Aaron, der bereits früher gestorben war, weiter, müssen viele Kriege gegen Einheimische führen, ehe sie unter ihrem Anführer Joshua die Stadt Jericho mit dem Trompetengeschmetter erobern und das gelobte Land in Besitz nehmen können.


    Dritter Teil - Die Könige:


    Hier werden Episoden aus den Regierungszeiten der bedeutendsten Könige Israels geschildert: Saul, David und Salomo. Da spielen die immer wieder aufflammenden Kämpfe gegen innere wie auch äußere Feinde eine wichtige Rolle. Saul hat mit Strenge Israel zu einem Königreich geformt, aber er hat Jahwe erzürnt und wird - wie auch sein Sohn Jonathan - im Kampf gegen die Philister getötet.


    Dargestellt ist hier - ausgeführt im dritten Rang - auch die Geschichte von Rut, der gebürtigen Moabiterin, also einer Heidin, in Israel: Sie wird durch ihren Mann Boas die Mutter von Obed, der wiederum Vater von Isais sein wird. Und der wird dereinst Davids Vater sein - insofern ist Rut auch mit Jesus verwandt. Diese Thora-Erzählung findet eine Entsprechung in einem der weiblichen und heidnischen Gemeindemitglieder der Versammelten.


    Unter König David, der nach seinem Sieg mit der Schleuder über Goliath vom Propheten und Richter Israels, Samuel, zum König gesalbt wurde. Ihm gelang die Befriedung nach Kämpfen mit Israels Feinden. Aber Jahwe hat auch diesem König Fehltritte nicht verziehen, so auch die Verbindung mit Bathseba, aus der Salomo hervorging.


    Salomo wurde seines Vaters natürlicher Nachfolger und zum König gesalbt. Als Großtat, und bis heute gerühmt, obwohl nur noch Steine und Erzählungen von ihm künden, ist der Bau des glanzvollen Jahwe-Tempels - Ort des höchsten Heiligtums des Volkes Israel, der Bundeslade. Der Tempel ist aber gleichzeitig auch ein Sinnbild der ewigen Hoffnung auf die Verheißung, dass Jahwe auf alle Zeiten zu seinem Volk stehen wird. Ist das heute noch glaubhaft? Der Rabbi lässt keinen Zweifel zu!


    König Salomo gilt, wie sein Vater, als ein herausragender König Israels, und ist nicht nur wegen des Tempelbaus in die Geschichte der Juden eingegangen, sondern auch wegen des berühmten „salomonischen“ Kindesurteils - das ihn sogar zum Sprichwortgeber gemacht hat - und als ein kluger Außenpolitiker - Stichwort: die Königin von Saba. Die Vollendung des Jahwe geweihten Tempels nahm Salomo zum Anlass, ein vierzehntägiges Fest an Sukkot, dem Laubhüttenfest, anzuordnen, währenddessen viele Tiere dem Gott Israels geopfert wurden.


    Vierter Teil - Die Propheten:


    Die neuen Ereignisberichte des Rabbi sind gut fünfhundert Jahre später angesiedelt. Die Stadt Jerusalem hat schon lange an Bedeutung verloren, ist nur noch in den Erzählungen alter Zeiten präsent. Und auch das Reich Davids und Salomos gibt es nicht mehr: Schwache Herrscher, die sich nur groß dünkten, die Korruption und Sittenverfall nicht aufhielten, sondern förderten, haben dieses Reich zerstört und es in das Nordreich Israel und das Südreich Juda geteilt. Alle Warnungen der vielen Propheten, unter ihnen Jesaja und Jeremia, wurden von den Eliten nicht ernst genommen, die Gottesmänner sogar verspottet, besonders eifrige Leugner und Zweifler bedrohten sie sogar mit dem Tode.


    Aber die Besserwisser mussten sich der Realität stellen: Jerusalem wurde gestürmt, der Tempel Salomos zerstört, das Nord- und das Südreich, Israel und Juda, zerfielen unter dem Ansturm der Soldateska aus Babylon und Assyrien. Die Folgen sind grausam für die Menschen, denn viele kommen um, die meisten aber werden von den Siegern ins Exil geführt. Aus diesem Exil wurden sie erst nach der Eroberung Babylons durch den Perserkönig Kyros II. befreit. Während der Lesung des Rabbi erörterte die Gemeinde, einzeln oder auch in Gruppen, das Für und Wider der gehörten Geschichten und trösteten einander.


    Epilog:


    Die Antisemiten haben den Tempel erobert, die jüdische Gemeinde verlässt niedergeschlagen den Ort über die nach oben führenden Ränge und vereinigt sich mit den biblischen Gestalten. Es bleibt die Hoffnung, dass nach Erfüllung der Vorhersagen im Tanach und in der Thora, eine Rückkehr zu alter Stätte möglich sein wird. Jerusalem ist verlassen, den Widrigkeiten der Natur ausgesetzt. Das szenische Oratorium endet mit einer Darstellung des 126. Psalms, der den Blick zurück auf die Heimkehr aus dem Exil in Babylon richtet, und der, wie die Psalmen 120 bis 134, als Wallfahrtslied gekennzeichnet ist. Dass in ihnen auch ein „Wunder des Herrn“ vorliegt, wird von heidnischen Völkern und vom Gottesvolk dankbar anerkannt. Konkret zeigt der Sohn des Entfremdeten seine Freude, frei von aller Angst, weil er den angekündigten Messias sehen durfte.



    INFORMATIONEN ZUM WERK


    Nachdem im Juni 1933 das Deutsche Theater von Max Reinhardt durch die Nazis geschlossen worden war, unterbreitete der amerikanische Produzent polnischer Herkunft Meyer Weisgal Reinhardt den Plan eines Musik-Theaterwerks über das prekäre Leben der europäischen Juden. Reinhardt gefiel die Idee; er bat Franz Werfel um den Text und den seit März 1933 im Exil in Paris lebenden Kurt Weill um Vertonung. Im Mai 1934 trafen sich Weisgal, Werfel und Weill bei Reinhardt in Schloss Leopoldskron bei Salzburg, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Dabei stellte Werfel seinen ersten Entwurf zu dem geplanten Stück vor.


    Schon im August 1934 begann Weill mit der Komposition, unterbrach sie aber mehrmals wegen der Musik zu Der Kuhhandel und zu Jacques Devals Schauspiel Marie Galante. Nach Erhalt des kompletten Textes von Werfel informierte er Reinhardt über seine Vorstellung: Er stellte sich ein großdimensioniertes Werk mit gesungenem, aber auch gesprochenen Szenen vor. Reinhardt hatte zwar Bedenken, übernahm aber die Verantwortung für die Produktion, worauf Weill, Lotte Lenya und Weisgal im September 1935 nach New York aufbrachen.


    Für die Übersetzung von Werfels Text ins Englische war Ludwig Lewisohn gewonnen worden, der dem Text zunächst den Titel The Road of Promise gab, ihn schließlich und endgültig in The Eternal Road änderte.


    Die für den Januar 1936 vorgesehene Uraufführung musste wegen erheblicher Schwierigkeiten mehrfach verschoben werden: Der ursprünglich als Bühnenbildner vorgesehene Oskar Strnad konnte krankheitsbedingt den Auftrag nicht annehmen, worauf Reinhardt Norman Bel Geddes verpflichtete. Dessen überdimensionierte Entwürfe erzwangen tiefgreifende Umbauten der Manhattan Opera, darunter auch den Wegfall des Orchestergrabens. Der Ausfall des Orchesters führte zu der Entscheidung, die Musik im Lichttonverfahren, das vom Film her bekannt ist, aufzunehmen, natürlich ohne die Gesangsstimmen. Im Februar 1936 waren die Umbauten im Opernhaus immer noch nicht abgeschlossen, aber die Produktionsfirma ging pleite und Weisgal gelang es erst ein halbes Jahr später, neue Geldmittel aufzutreiben.


    Als nächste tiefgreifende Entscheidung erwies sich die Verpflichtung von Crosby Gaige, einem erfahrenen Broadway-Produzenten, sowie von Harry Horner als künstlerischem Berater. Deren Vorschlag, eine abgespeckte Produktion auf den Weg zu bringen, wurde umgesetzt. Reinhardt verlangte außerdem umfangreiche Textrevisionen, neue Musik für Verwandlungen sowie neue Songs in einem populäreren Stil. Weill komponierte daraufhin kurze Orchesterüberleitungen, änderte auch das Duett Rachel-Jacob, weitere Kompositionen auf die Gesangstexte von Charles Alan sind aber nicht nachweisbar, wie auch Textänderungen nicht bekannt sind.


    Da weder Werfel noch Weill bei der Übersetzung mitsprechen konnten, dem Komponisten die eingegangenen Kompromisse letztlich zu weit gingen, distanzierte er sich schließlich von der Produktion. Nur so, davon war er überzeugt, konnte er sein künstlerisches Renommee erhalten. So war das, was auf die Bühne kam, Reinhardts Stück - ein filmisch geprägtes Breitwandepos. Die Uraufführung war aber auch mit Strichen und musikalischen Eingriffen verbunden, die letztlich Weills Distanzierung erklären: Die technisch als gefährlich eingestufte Szene der Tempel-Zerstörung fiel dem Rotstift zum Opfer, weitere Kürzungen betrafen den vierten Teil, dessen Finale dem dritten Teil - Die Könige - angehängt wurde. Heute ist es unmöglich, diese zweite Fassung /letzter Hand?) zu rekonstruieren, weil sowohl das Aufführungsmaterial, die Lichttonaufnahme, das komplette Textmaterial und ein Klavierauszug (falls es ihn gegeben hat) verschollen sind.



    © Manfred Rückert für den Tamino-Oratorienführer 2019

    unter Hinzuziehung von Publikationen der Kurt-Weill-Foundation,

    Pipers siebenbändiger Enzyklopädie des Musiktheaters,

    des MGG und Verlagsinformationen der Universal-Edition