E.T.A. HOFFMANN – der Komponist

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    Denkt man heute an Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822), dann ganz vorrangig an den romantischen Schriftsteller. Er war aber viel mehr: Musikkritiker, Karikaturist, Kapellmeister – und Komponist. Um letzteren soll es hier nun gehen.

    Er komponierte Instrumentalmusik, Vokalmusik und Bühnenwerke, darunter mehrere Opern. Glücklicherweise liegt mittlerweile einiges in tadellosen Einspielungen auf Tonträger vor:



    Das Vorbild Mozarts, zu dessen Ehren er seinen dritten Namen Wilhelm in Amadeus umänderte, ist durchaus spürbar. In der Ouvertüre zur Oper Der Trank der Unsterblichkeit fühlt man sich stark an die Don Giovanni-Ouvertüre erinnert. Gleichwohl ist Hoffmann kein bloßer Epigone, sondern hat wirklich hörenswerte Musik hinterlassen, die irgendwo zwischen Klassik und Romantik steht. Sehr packend (und paukenstark) die Symphonie Es-Dur. Die cpo-Einspielungen sind über jeden Zweifel erhaben und stellen ältere Aufnahmen in den Schatten. Hoffmanns wohl bekannteste Oper Undine wurde bereits 1982 für Koch Schwann referenzträchtig aufgenommen.



    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Denkt man heute an Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822), dann ganz vorrangig an den romantischen Schriftsteller. Er war aber viel mehr: Musikkritiker, Karikaturist, Kapellmeister – und Komponist.

    Beides ist richtig und, zumindest bei mir, auf einige seiner schriftstellerischen Werke und, das vor allem, auf seine "Rolle" in Offenbachs Oper beschränkt. Aus Josephs Beitrag ist mir der Hinweis auf seine "Undine" sofort ins Auge gesprungen. Das rief die Erinnerung an ein Hörerlebnis zurück: Ich habe vor Jahrzehnten diese Oper mal beim Ersten Kapellmeister meiner Hagener Heimatoper in einer Tonbandaufnahme teilweise gehört und - ich empfand sie als langweilig. Es ist mir heute nicht mehr möglich, die Interpreten anzugeben, ich weiß auch nicht mehr, ob es eine Überspielung einer Platte oder vielleicht auch eine Aufnahme aus einem Theater war. Da Joseph die Koch-Schwann-Aufnahme als "referenzträchtig" beschrieben hat, möchte ich ausschließen, dass es diese war, die ich als Überspielung von einer Platte gehört habe. Zumindest aber hat S.M. einen Hinweis auf eineinteressante Repertoire-Auffüllung gegeben (allerdings nicht zu dem momentan angezeigten Preis). Und dafür will ich ausdrücklich danken.

  • Die Es-Dur-Sinfonie ist offenbar eine Hommage an Mozarts Es.Dur KV 543. (Ich dachte, ich hätte davon eine CD, finde aber gerade nichts...) Ich kenne zwar sonst nur noch das Klaviertrio E-Dur, aber insgesamt scheint mir Hoffmann Mozart noch näher als Beethoven zu stehen. Das Trio gibt es mit dem Trio Jean Paul (moderne Instrumente + Beethoven) bei Ars Musici.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Das Vorbild Mozarts, zu dessen Ehren er seinen dritten Namen Wilhelm in Amadeus umänderte, ist durchaus spürbar.

    Auf dem Grabstein erscheint der Name allerdings in seiner offiziellen Version:



    Die letzte Ruhestätte von Hoffmann befindet sich auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde vor dem Halleschen Tor im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Als Hoffmann zu Grabe getragen wurde, befand sich der inzwischen sehr verzweigte Friedhof noch außerhalb der Stadtgrenze. Heute ist er mitten drin. Der originale Stein, der mit den Jahren stark verwittert gewesen sein soll, wurde 1905 ersetzt. Ich gehe gern zu dem Grab. Wo sonst kommt man Menschen, die lange tot sind, so nahe? Seine Oper "Undine", auf die von Joseph und Musikwanderer bereits verwiesen wurde, erlebte 1816 in Berlin ihre Uraufführung. An Darbietungen in jüngster Zeit kann ich mich nicht erinnern. Ist es Unbildung oder Ignoranz? Berlin tut sich schwer mit Hoffmann, der entscheidende Jahre in der Stadt verbrachte.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Auf dem Grabstein erscheint der Name allerdings in seiner offiziellen Version

    Danke für diesen Hinweis. Es lief mir auch schon über den Weg. Vielleicht war Amadeus ein reiner Künstlername, den sich Hoffmann nie offiziell eintragen ließ. Jedenfalls dürfte er landläufig doch eher als E.T.A. bekannt sein.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Vielleicht war Amadeus ein reiner Künstlername, den sich Hoffmann nie offiziell eintragen ließ. Jedenfalls dürfte er landläufig doch eher als E.T.A. bekannt sein.

    Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es das seinerzeitige Personenstandswesen nur zuließ, Taufnamen auf Grabsteinen zu verewigen. Mit der Quelle kann ich aber im Moment nicht dienen. :( Daran haben sich wohl dann auch Verehrer Hoffmanns gehalten, als sie den ursprünglichen Stein haben ersetzen lassen.


    Die Oper "Undine" verdiente es, wieder einmal gegeben zu werden - meinetwegen auch konzertant. Sie klingt sehr romantisch, in Teilen auch kraftvoll und einfallsreich. Musikalisch am beeindruckten finde ich das Finale - beginnend "Reines Minnen, holdes Sehen". Doch spätestens bei einem Blick auf die Sprache beschleichen einen Zweifel, ob das heute noch so ankommt. Dramaturgisch scheint mir auch einiges sehr gestelzt und unausgegoren. Es gibt keinen richtigen inneren Zusammenhalt. Das sind aber keine Gründe, das Stück links liegen zu lassen. Es braucht nur einen einfallsreichen Regisseur.


    Zu der oben vorgestellten Aufnahme gibt es weitere:



    Es fällt auf, dass zwei Produktionen aus Bamberg stammen. Grund ist, dass Hoffmann von 1808 an für ein paar Jahre in dieser Stadt musikalisch tätig war. Die für mich bedeutendste und stimmungsvollste Einspielung ist jene vom Bayerischen Rundfunk unter Jan Koetsier.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."