Die Ausrüstung für den kleinen Tontechniker

  • Als Mitglied in einem 12-Personen-Ensemble, das den Titel "Meisterchor" trägt, und das nach jeder Probe den Eindruck hinterläßt, es hätte auch gern doppelt so lange geprobt sein dürfen, weil der Sound so gut ist, möchte man diesen sehr vergänglichen Klang doch gern für die Ewigkeit bannen. Mit den Handys geht es so lala, auch Spitzenversionen wie das Galaxy S8+ vermitteln nicht annähernd den Spaß, der beim Singen entsteht.


    Also habe ich mich entschlossen, ein bißchen Tontechnik anzuschaffen, um diesen Chor (und ggf. die anderen, in denen meine Frau und ich singen, und was z.B. auch für Familienevents eingesetzt werden kann) adäquat aufnehmen zu können. Ich will keinem Tonstudio Konkurrenz machen, der selbstgestellte Auftrag lautet: mit einem kleinen Budget richtig gute Aufnahmen hinkriegen.


    Seit heute Nachmittag bin ich der Meinung: Mission accomplished.


    Wie es dazu kam, welche Hard- und Software gekauft wurde und wie das Ergebnis aussieht, davon soll in diesem Thread berichtet werden.

  • Mein erstes Instrument, um einen Chor aufzunehmen, war ein Zoom: sieht aus wie ein Rasierer (altes Zoom) und hat eine sehr erfreuliche Klangqualität, wenn man nur wenige Zentimeter davon entfernt singt.


    Da ich des Notenlesens eher unkundig bin (inzwischen kann ich das eine oder andere erkennen, aber ein komplexes Bild mit Bindungen, Punktierung, Kreuzen, Wiederholungen und Sprüngen überfordert mich immer noch vollständig), hatte ich das Gerät für den Zweck, die Tenorstimme aufzunehmen (Dirigent spielt sie auf dem Klavier vor oder meine Mittenöre singen sie mir ins Mikro) und sie dann auswendig zu lernen. Immer dann, wenn ich mal den ganzen Chor zwecks Verbringung eines besonders schönen Stücks auf die Homepage oder ins Internet aufgenommen habe und das Zoom ein paar Meter vor dem Chor stand, wurde der Klang dumpf und mumpfig.


    Heute benötige ich das Zoom nicht mehr, das Handymikrofon reicht für die Protokollierung der Tenorstimme völlig aus. Aber für den ganzen Chor taugt das Handy auch nicht.

  • Irgendwann habe ich bei einer amazon-Aktion ein USB-Mikrofon (Rode) erstanden, um ein bißchen damit rumzuspielen.


    Neulich habe ich dann Mikro und Laptop zur Chorprobe mitgenommen (Software: audacity) um mit dem Rode den Gesamtklang einzufangen. Ergebnis: auch mumpfig, und zwar schon auf 3 Meter Abstand. Das hat mich dann doch geärgert, ich hatte mit einem besseren Ergebnis gerechnet. Außerdem kann man ohne Audio-Interface nur ein USB-Mikro am Laptop verwenden (auch dann, wenn man mehrere USB-Eingänge hat oder einen USB-Hub), vernünftige Stereoaufnahmen sind also über diese Konfiguration auch nicht möglich.

  • Zum einen ist hier zu sagen, daß Choraufnahmen und auch Orchester immer "mumpfig" klingen werden, wenn ein Laie aufnimmt. Ich kann nicht sagen, wie Aufnahmen klängen würde ich sie aufnehmen (weil ich mich nie mit Choraufnahmen befasst habe).

    Aber ganz allgemein kann gelten:


    ENTWEDER man hat die Möglichkeit mit den Mikros relativ nahe ans Geschehen zu kommen, ODER man kann den Saal weitgehend hallfrei herrichten.

    EIN Problem ist nämlich die Halligkeit der Räume, die Vermischung von Originalton und Hall. Nicht umsonst wird auch heute noch die oft verteufelte Multmikrophonie eingesetzt, wenn professionelle Aufnahmen gemacht werden.


    Die Zoom oder Tascen Recorder ermöglichen von der technischen Seite her in der Tat Studioqualität, wichtig ist dann der Einsatz der richtigen Mikrophone und deren Aufstellung. Wenn man es nicht schafft, Schallquelle und Reflexion in eine vernünftige Balance zu bringen, dann hat man schon verloren. Modern Tascam oder Zoom Recorder sind in der Lage - je nach Modell bis zu 6 Kanäle gleichzeitig aufzunehmen. Die mixt dann eine dafür ausgebildete (oder talentierte) Person auf 2 Kanäle herunter. Viel Vergnügen.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Naaa, nix mehr Zoom, die Story ist ja noch nicht zu Ende.


    Die zweite Tochter hat Kamera studiert, da war auch ein Teil Aufnahmetechnik mit dabei, das hat sie zwar nicht mehr weiter verfolgt, aber sie kennt einen Laden in Köln, Music Store, der eine große Auswahl an verschiedenen Geräten hat, unter anderem Mikrofone und Mischpulte.


    Also da hin, zunächst mal in verschiedene Räumen mit vielen Mikros - diese ausprobiert, was klingt gut, wenn man direkt reinspricht und immer noch gut, wenn man sich langsam entfernt. Das konnte man mit Hilfe eines Kopfhörers ganz gut nachvollziehen. Schließlich 2 Mikrofonpaare im Bereich 150 bis 180 € identifiziert und dann ab zur Beratung, welches Mischpult kommt in Frage, die kann man ja nicht so ohne weiteres ausprobieren.


    Erstmal einem Verkäufer, der an einem Beratungsplatz saß, also mit einem PC eine ziemliche Übersicht hatte, was auf Lager war und was wieviel kostete, umfänglich die Wünsche dargestellt, am besten Mischpult mit 4 Mikrofoneingängen, um SATB getrennt aufzunehmen etc. Die und die Mikrofone erschienen geeignet...


    Als erstes meinte er, ich bräuchte kein Mischpult, da ich den Ton ja nicht erheblich nachbearbeiten wolle. Besser sei ohnehin ein Interface (was der genaue Unterschied zum Mischpult ist, ist mir verborgen geblieben, aber ich wollte auch nicht allzu blöd aussehen), und es gäbe nicht viele Zwischengesichter, die auf vier Digitalkanäle ausgeben, da bräuchte ich ein Steinberg UR 44, ca. 270 €.


    Irgendwie machte der Mensch einen sehr kompetenten Eindruck, wo ich doch ansonsten Verkäufern eher mißtraue, da ich sie immer im Verdacht habe, mir entweder ihr teuerstes Gerät (das mit der höchsten Spanne) oder aber ihren ältesten Ladenhüter andrehen zu wollen. Aber da habe ich spontan gesagt: her mit dem Steinberg.


    Als nächstes fand er die Wahl meiner Mikrofone ungünstig. Er meinte, das seien eher Bühnenmikros, für meine Wünsche gäbe es was besseres, nämlich Kondensatormikrophone, und zwar welche mit kleiner Membrane. Er hätte die letztens auch eingesetzt für diese oder jene Aufnahmeprojekte (normalerweise schrillen da alle Alarmglocken, das ist typisch Goldtrick Nr. 1 "daaaas Gerät ist guuuuut, das habe ich auch zu Hause", aber wie gesagt, irgendwie schimmerte die Kompetenz durch die Knopflöcher).


    Er hatte im Angebot Rode NT5, als selektiertes Pärchen im Koffer, um die 250 €, oder ein besseres aber wesentlich teureres Paar von Schießmichtot (resp. HIV: Han isch verjessen).


    War mir zu teuer, also her mit den Rode. Das ist ja nun wirklich eine renommierte Marke. Und die Rode waren nicht in den Mikro-Räumen ausgestellt, deshalb sind sie mir entgangen. Aber erstmal nur 2, wenn ich sie gut finde, kann ich ja immer noch nachkaufen.


    Nun noch Mikroständer, zwei XLR-Kabel, in Summe um die 600 €. Ich sollte zudem noch anmerken, daß der Verkäufer eher leichtes Spiel auch deshalb hatte, als ich in mehreren youtube-Beiträgen über "Wie nimmt man einen Chor auf" schon das eine oder andere mal auf diese Mikros gestoßen war.


    Ich hatte noch Audacity erwähnt, als Software, um die Signale abzuspeichern, aber er sagte, bei dem Steinberg sei wohl eine abgespeckte Version von Cubase mit dabei, das sei besser (hatte ich noch nie was von gehört).


    Jedenfalls mit all dem Geraffel nach Hause, um es sofort auszuprobieren.

  • Hallo Wikau,


    vielen Dank für den Hinweis, den hatte ich - zusammen mit einigen youtube Filmen - bereits gefunden.



    weiter mit der Geschichte:

    Zu Hause ging es dann an den Aufbau und das Einspielen der Software für das Interface auf den PC (Desktop, mein Hauptarbeitsgerät, wenn auch nicht für Choraufnahmen). Insbesondere von Bedeutung ist der asio-Treiber (https://de.wikipedia.org/wiki/Audio_Stream_Input/Output), den es von Steinberg, aber auch in einer frei verfügbaren Version als asio4all, gibt.


    So angeschlossen und ausgerüstet lieferte das Steinberg-Interface (der UR 44) die Signale von den Mikros an den PC - aufgefangen mit audacity hörte es sich richtig gut an, auch dann, wenn Quelle und Mikro in etwas größerer Entfernung zueinander standen (also etwas weniger als 1 m), also genau das, was ich gesucht hatte. Also zunächst einmal glücklich und zufrieden.


    Ich habe gleich 2 Mikrofone nachbestellt und dann mit 4 Mikros wieder getestet. Im PC kommen zwar 4 Kanäle an, audacity nimmt aber davon nur 2 auf, da kann man sich sonstwie auf den Kopf stellen. Das Programm ist für 4 Kanäle nicht vorgesehen.


    Zum Glück war beim Interface tatsächlich ein Gutschein für eine Vollversion Cubase AI dabei, die ich dann nach einigen Lizenz-Spiralen auch installiert gekriegt habe. Cubase ist eine nicht ganz einfache Software, und ich habe einige Stunden mit Herumexperimentieren verbracht, aber nun kann ich mit 4 Mikros eine gute Aufnahme machen, die in 4 Kanälen aufgefangen wird, die dann auf 2 Stereo-Kanäle heruntergemixt werden (wav-Datei).


    Und das Ergebnis kann sich hören lassen. Schon unbearbeitet ist es sehr gut. Wenn man dann noch die Features von Cubase, von denen ich bisher aber nur weiß, daß sie existieren, sinnvoll einsetzt (Hall, etwas Seide in die Höhen, etwas Druck in den Baß), hoffe ich auf gehobene Laienqualität, mit der sich ein Chor dann auf seiner Homepage (ggf. Copyright-Probleme beachten) oder bei youtube (hat mit der Gema ein Rahmenabkommen) präsentieren kann.

  • Jetzt hatte ich zwar Cubase auf meinem Desktop, aber noch nicht auf dem Laptop, der ja bei den Aufnahmen vor Ort eingesetzt wird.


    Zum Glück gab es vor zwei Jahren eine Zeitschrift namens Keys, der eine Vollversion von Cubase LE beilag. Es gibt noch Exemplare der Zeitschrift. Man kriegt damit eine brauchbare Version für ganz kleines Geld.


    https://www.amazon.de/Cubase-V…aps%2C157&sr=8-1-fkmrnull


    Das rundet nun mein Equipment ab.


    Vor Ort kann ich 4 Kanäle aufnehmen, die Daten nach Hause tragen, dort auf dem Desktop weiterbearbeiten und schließlich ausgeben. Demnächst sollen die ersten Probeaufnahmen mit unserem Chor gemacht werden.