AUBER, Daniel Francois Esprit: LA FIANCÉE

  • Daniel François Esprit Auber ( 1782 – 1871 )

    La Fiancée

    (Die Verlobte)


    Komische Oper in drei Akten

    Libretto: Eugène Scribe

    Originalsprache: Französisch


    Uraufführung: Paris 1829


    PERSONEN DER HANDLUNG

    Baron de Saldorf, Kammerherr, Bass

    Friedrich von Löwenstein, Oberst, Tenor

    Madame Charlotte, Putzmacherin, Sopran

    Henriette, eine ihrer Angestellten, Sopran

    Mina, eine andere Angestellte; Sopran

    Fritz, Polsterer, Tenor

    Putzmacherinnen, Soldaten, Höflinge, Diener


    Ort und Zeit der Handlung: Wien, unmittelbar nach Ende der Napoleonischen Kriege


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    Ein Boulevard in Wien mit dem Geschäft der Madame Charlotte, dem Schloss des Baron Saldorf und einer Wachstation.

    Vor dem Geschäft arbeiten Henriette, Mina und die Angestellten und besingen ihre Arbeit.

    Mina fordert Henriette auf, ein Lied vorzutragen und diese singt die Romanze vom gebrochenen Liebesschwur. Dann kommt auch Madame Charlotte und beklagt sich über die Probleme ihres Geschäfts und die stets anspruchsvollen und unzufriedenen Kunden.

    Sie erkundigt sich nach den Tätigkeiten der einzelnen Angestellten. Mina fertigt einen Hut für die Baronin Saldorf, der Gönnerin von Henriette. Henriette selbst bereitet ihre Hochzeit vor, die morgen in Schloss und den Gärten von Saldorf stattfinden soll und zu der sie alle eingeladen sind. Alle sind ein wenig neidisch auf den Bräutigam Fritz, der schön und reich ist. Madame Charlotte sieht ihn jedoch als misstrauisch und eifersüchtig an. Dann fordert sie alle auf, Feierabend zu machen und sich auf die Feier vorzubereiten. Sie gehen ab.

    Fritz kommt. Er singt ein Lied auf seine Braut und die bevorstehende Hochzeit. Madame Charlotte kommt mit Henriette aus dem Laden, und fragt, warum Fritz so besorgt aussehe. Er beklagt sich darüber, dass er als einfacher Bürger noch in der Nacht vor der Hochzeit Wache stehen muss und auch darüber, dass so viele junge Männer ein Auge auf Henriette geworfen haben. Madame Charlotte übergibt Henriette ein Schreiben von einem jungen Mann, das sie vergessen hatte. Sofort erwacht Fritz' Eifersucht. Henriette zeigt ihm das Schreiben. Es stammt von dem jungen Oberst Friedrich von Löwenstein. Henriette freut sich und erklärt, dass dieser junge Mann drei Jahre bei den Russen gefangen war und sie geglaubt habe, er sei tot. Sie werde ihm alles erklären, aber nur ihm allein. Madame Charlotte zieht sich daher in das Geschäft zurück.

    Allein mit Fritz erzählt sie, dass ihr Vater als einfacher Soldat dem alten Grafen Löwenstein das Leben gerettet habe. Dieser habe ihn als Obergärtner angestellt und Friedrich habe sie immer wie eine Schwester behandelt und sei ihr Beschützer gewesen. Sie war ihm sehr zugeneigt. Weiterhin berichtet sie, dass sie Friedrich eines Tages mit Fräulein von Rhetal begegnet sei und er sie fortgeschickt habe, worüber sie sehr verzweifelt war. Er habe ihr später erklärt, dass er sie wegen ihrer Herkunft nicht heiraten könne. Fräulein von Rhetal jedoch sei ihre Wohltäterin geworden und so sei sie hier in die Stadt gekommen. Friedrich musste mit seinem Regiment in den Russlandfeldzug. Zwei Jahre später hätten die Eltern das Fräulein von Rhetal mit dem Baron Saldorf verheiratet.

    Da hört man Trommelschlag und Fritz muss zum Appell. In einem Duett vergewissern sie sich noch einmal Ihrer Liebe.

    Saldorf kommt aus dem Schloss und mahnt Fritz an seine Pflicht. Saldorf erneuert seine Einladung an Fritz und dessen Hochzeitsgäste, in seinem Schloss zu feiern. Henriette bittet er, seiner Gattin Gesellschaft zu leisten. Sie fühle sich krank, während er am Abend noch zu einem Ball müsse. Er weist ihr für die Nacht ein Zimmer im Schloss an. Fritz eilt davon und Henriette begibt sich ins Schloss.

    Allein gelassen singt Saldorf eine Arie über seinen bewegten Lebenslauf.

    Friedrich erscheint und Saldorf macht ihm Vorwürfe, dass er zwar schon bei allen möglichen Familien gewesen sei, sich aber bei ihm bisher nicht hat sehen lassen (was natürlich verständlich ist!). Er fragt ihn, ob er nicht heute zu den großen Ball käme, aber als Friedrich auf seine Frage erfährt, dass Saldorfs Gattin dorthin nicht mitkäme, gibt er vor, einen anderen Termin zu haben.

    Ein Diener kommt und überreicht Saldorf einen Brief für Friedrich. Dieser erschrickt, aber Saldorf übergibt ihn ungeöffnet an Friedrich, weil er seiner Gattin aufgetragen hatte, diesem eine Einladung zu schicken. Dann eilt er fort, um sich zum Ball bereitzumachen.

    Friedrich liest den Brief, in dem sie sich entschuldigt und berichtet, dass man ihn, den sie von Kindheit an geliebt habe, für tot gehalten und ihre Eltern sie daher für Saldorf bestimmt hätten. Er möge ihr helfen, ihre Liebe für ihn zu vergessen, indem er sie fliehe. Zwar ist er todtraurig, aber er will den Schritt nur gehen, wenn er sie noch einmal vorher gesehen habe.

    Henriette kommt aus dem Schloss, um in ihre eigene Wohnung zurückzukehren, weil die Baronin allein sein wolle. Das erzählt sie Friedrich, nachdem sie ihn entdeckt hat. Dieser verspricht ihr, sie am anderen Morgen zu besuchen. Während sie im Geschäft verschwindet, schlüpft Friedrich durch das Tor zum Schloss, das Henriette versehentlich offen gelassen hatte.

    Fritz kommt mit der Patrouille auf die Bühne und singt mit ihr ein Lied über die nächtliche Wache. Dann kehrt Saldorf vom Ball zurück und begibt sich ins Schloss. Friedrich wird von Fritz entdeckt und von der Wache festgenommen. Doch Saldorf, der den Lärm gehört hat, kommt dazwischen und tritt für ihn ein. Da der Morgen dämmert, entlässt Saldorf die Wache und Fritz ist enttäuscht, seinen Mut nicht belohnt zu sehen. Der Akt endet mit einem Ensemble der abgelösten Patrouille, der Gäste, die vom Ball kommen und dem Auftritt der Madame Charlotte mit ihren Putzmacherinnen.


    ZWEITER AKT

    In den Gärten des Schlosses Saldorf mit einem Pavillon.

    Hier haben sich schon die Hochzeitsgäste, Madame Charlotte mit ihren Putzmacherinnen sowie Henriette und Fritz in Hochzeitskleidung versammelt. Man tanzt und singt. Während Henriette in den Pavillon gegangen ist, fordert Madame Charlotte Fritz auf, zu tanzen. Doch dieser ist noch von der nächtlichen Wache erschöpft. Dann soll er eben singen; und er gibt ein Tirolerlied über einen Hirten, der in den Krieg muss, zum Besten. Der Chor stimmt mit ein.

    Henriette kommt aus dem Pavillon und fordert dazu auf, mit Rücksicht auf die kranke Baronin etwas leiser zu singen. Daraufhin fordert Saldorf sie auf, selbst ein Lied zu singen, und sie stimmt zusammen mit Madame Charlotte und Fritz einen Kanon über das Glück an. Saldorf und die übrigen Gäste bewundern Henriette.

    Dann kommt der Notar und Saldorf nimmt ihn mit in den Pavillon. Die Gäste verlieren sich in den Gärten.

    Henriette und Fritz sind allein geblieben. Nach einem kurzen Gespräch wird Fritz in den Pavillon gerufen.

    Friedrich tritt auf. Er wolle sich, bevor er von hier scheidet, nur noch einmal nach dem Wohlbefinden der Baronin erkundigen. Nun erfährt er, dass Henriette heiraten will. Sie rät ihm, die Sache mit der Baronin zu vergessen und eine andere zu heiraten, wovon er nichts wissen will. In einer Romanze erinnert er sich an die schönen Jugendtage mit Henriette. Er will fortgehen, werde aber ihr treuer Bruder und Freund bleiben.

    Als er ihr zum Abschied eine Kette um den Hals hängt und sie auf die Stirn küsst, werden sie von Saldorf überrascht. Henriette begibt sich in den Pavillon, um den Vertrag zu unterschreiben und Saldorf spricht Friedrich an. Er erklärt ihm, dass er weiß, weshalb Friedrich gekommen sei. Saldorf ist jedoch der irrigen Meinung, dass er wegen Henriette, die er in dem ihr zugewiesenen Zimmer wähnte, durch das Schlosstor geschlichen sei. Die Kette, die er Henriette um den Hals gehängt hat, entspräche genau der, die Friedrich in der Nacht bei sich trug. Er verspricht ihm Diskretion.

    Als Henriette wieder aus dem Pavillon tritt, zieht sich Saldorf dahin zurück. Sie hat der Baronin von der Anwesenheit Friedrichs erzählt und nun einen Brief für ihn erhalten. Darin bittet die Baronin ihn, sie nie wieder zu besuchen. Sie wäre zu einer bestimmten Zeit hinter dem Fenster des Pavillons, um seine Antwort entgegenzunehmen. Dann solle er die Gegend verlassen. Nachdem er den Brief gelesen hat, entflieht er schnell von der Szene.

    Fritz kommt, im Gespräch mit Saldorf. Als er die Kette an Henriettes Hals sieht, will er wissen, von wem diese ist. Saldorf gibt vor, dass er sie ihr geschenkt habe. Dann schickt er Fritz fort, weil er Henriette einen Ratschlag, den angeblich seine kranke Frau ihm aufgetragen hat, geben wolle. Dieser begibt sich murrend in den Pavillon, bleibt aber dort, um zu lauschen.

    Saldorf rät Henriette, auch die Freunde von Fritz zu ehren, was Fritz (wohl zu Recht) als einen Hintergedanken von Saldorf deutet. Dann deutet er ihr an, dass er in der Nacht Friedrich aus dem Schloss habe kommen sehen, worüber er aber Stillschweigen wahren werde.

    Als Fritz nun wütend aus dem Pavillon stürzt, treten Madame Charlotte und ihre Damen mit Blumensträußen auf und wollen ihn zur Hochzeit führen. Doch er erklärt, dass er alles gehört habe, sich betrogen fühle und nicht mehr heiraten wolle. Zu allem Überfluss taucht auch noch Friedrich auf, der von der Baronin für diese Zeit bestellt war und wundert sich, so viele Leute vorzufinden. Als er befragt wird, in welches Zimmer er hätte eindringen wollen, wählt er – um die Baronin nicht zu kompromittieren - ein beliebiges anderes Fenster. Doch dieses ist zufällig das, was Henriette zugewiesen wurde. Der Akt endet in allgemeiner Bestürzung.


    DRITTER AKT

    Das Innere von Madame Charlottes Geschäft am nächsten Tag.

    Fritz beklagt sich bei Madame Charlotte über die gestrigen Ereignisse. Madame glaubt das geahnt zu haben: Ein Mädchen, das der Günstling der Baronin ist, dazu ein so stattlicher Mann, der außerdem bei ihr einige verführerische Sachen gekauft hätte. Fritz fragt, was sie an seiner Stelle tun würde. In einem Duett rät sie dazu, aus Rache schnell eine Neue zu heiraten, um Henriette damit zu demütigen. Es stellt sich heraus, dass sie selbst ihn schon länger liebt und er will dies Mittel ergreifen und Madame vor den Augen seiner Braut heiraten.

    Henriette kommt und schwört, dass sie unschuldig sei. Aber sie hat keine eindeutige Erklärung für die Ereignisse. Fritz will ihr nicht mehr glauben und bekennt, dass er nunmehr Madame Charlotte heiraten werde. Madame Charlotte eröffnet ihr, dass sie ihr ehrenwertes Haus bis zum Abend verlassen müsse. Sie lassen Henriette allein.

    Diese beklagt in einer Arie ihr Schicksal.

    Friedrich kommt. Er zeigt tiefe Reue, sie so kompromittiert zu haben. Er übergibt ihr ein Papier, das sie jedoch von sich weist. Ehe er sich ihr offenbaren kann, kommt Saldorf. Friedrich verspricht ihr, wiederzukommen und sie zu retten. Dann verschwindet er.

    Saldorf, der gerne mit ihm geredet hätte, sieht ihn verschwinden. Er entdeckt das Papier, das Henriette zurückgewiesen hatte und wir erfahren, dass Friedrich ihr eine große Summe zukommen lassen wollte. Doch Henriette zerreißt es, denn damit hätte sie sich schuldig bekannt.

    Als nun das Gespräch auf den nächtlichen Besuch kommt, erklärt Henriette, dass sie gar nicht im Schloss gewesen sei, weil die Baronin allein sein wollte, und Saldorf beginnt zu begreifen, dass der Besuch seiner Gattin gegolten habe. In einem Duett macht er seiner Wut Luft, während Henriette bereut, was sie gesagt und damit ihre Freundin verraten hat. Saldorf will gehen, seine Rache auszuführen, doch Henriette hält ihn zurück.

    Madame Charlotte kommt mit Fritz und ihren Angestellten. In ihrem Beisein erklärt Henriette, dass die Baronin unschuldig sei und sie selbst Friedrich liebe und der Versuch eines Rendezvous ihr gegolten habe. Saldorf ist beruhigt, während Fritz und die Übrigen wütend sind.

    Madame Charlotte fordert Henriette auf, sofort das Haus zu verlassen. Da tritt Friedrich ein, verteidigt sie und – weil er geschworen hat, ihr Leben zu beschützen – will er es jetzt als ihr Ehemann tun. Während Fritz seine Eifersucht bestätigt sieht, jubeln die Angestellten der neuen Comtesse zu.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

    4 Mal editiert, zuletzt von Gerhard Wischniewski ()

  • Anmerkungen:

    „La Fiancée“ (nicht zu verwechseln mit „La Fiancée du roi de Garbe“, ebenfalls von Auber 1864) war wohl sehr beliebt. Die Oper war von 1829 bis 1858 im Repertoire der Opera Comique und erlebte in dieser Zeit 273 Aufführungen.

    Auf CD findet man z. Zt. lediglich die Ouvertüre

    auch auf youtube zu hören

    https://www.youtube.com/watch?v=-NK9uds93tg

    Franz Liszt hat eine „Grande Fantasie sur la Tyroliene“ (Tirolerlied) aus dem 2. Akt dieser Oper geschrieben.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)