Begegnungen mit einem Künstlerstar

  • Gestern hatten meine Frau und ich eine wunderschöne Begegnung mit einer unserer Lieblingssopranistinnen Catarina Ligendza. Das brachte mich auf die Idee, diesen Thread zu starten. Ich meine, es sollte doch interessant sein, mit welchen Künstlerpersönlichkeiten wir Taminos Kontakt haben, was wir über diese Künstler berichten können, wie sie heute leben, wie es ihnen geht, was sie machen, wie die Rückschau und die Bilanz dieses Künstlerlebens aussieht usw.? Bei jüngeren, aktiven Künstlern wären es mehr die - aber genauso interessanten - Fragen: Wie sehen sie ihre Karriere, wo wollen sie sich hin entwickeln, was sind die nächsten Projekte, was bringt die Zukunft? Also versuche ich einmal, die Schilderung einer Begegnung zu geben. Hoffentlich kann ich Euch anzünden und es folgen weitere informative Berichte:

    Punkt 12.00 Uhr trafen wir zum vereinbarten Zeitpunkt in einem kleinen mittelfränkischen Städtchen nahe Nürnberg mit einem erstklassigen Hotel ein. Sofort nach dem Eintreten sahen wir sie, die große, unvergessliche Sopranistin Catarina Ligendza. Das Alter Lügen strafend stand sie vor uns: Rank, schlank, sportlich. Strahlende Augen, blühendes Aussehen, offen, kommunikativ, kaum verändert, ganz wie früher. Frau Ligendza lebt heute wieder mit ihrem Gatten, einem ehemaligen Oboisten und Dirigenten, fast ausschließlich in ihrem Geburtsland Schweden in einem kleinen Ort in der Region Öresund. Wobei die Entfernung zum nächsten größeren Ort rund eine Autostunde ist. Für Catarina Ligendza ist das Leben in dieser ruhigen, abgeschiedenen Landschaft die Erfüllung ihres Lebenstraumes: Hier hat sie das, was sie immer gewollt hat: Eine natürlich gebliebene Landschaft, Ruhe, Weite, Unendlichkeit, Mitsommer,den schwedischen Winter und die schwedische Lebensart . Eines ihrer immer sehnlich erwarteten Ereignisse ist jährlich der herannahende Winter mit dem ersten Schneesturm Um diesen zu erleben ist sie schon ,während sie noch ganz in Deutschland lebte, gerne nach Schweden gefahren. Frau Ligendza plante ihr Leben genau: Bereits am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn wollte sie auf dem Höhepunkt ihrer künstlerischen Karriere aufhören. Genau dies hat sie ganz konsquent getan: Gerne und dankbar für das Erreichte ist sie von den Brettern, die für viele die Welt bedeuten, ohne Wehmut und schmerzvolle Rückerinnerung in die von ihr gewünschte und geplante neue Welt eingetreten. Gestern sagte sie: "Der Lohn dafür, dass ich so früh und endgültig mit dem Singen aufhörte ist, dass mir eine wunderschöne zweite Lebenshälfte geschenkt wurde." Das Operngeschehen wird zwar noch aufmerksam verfolgt, wenige Schüler bekommen, wenn sie die Meisterin aufsuchen, noch Tips, ansonsten lebt man sehr zufrieden auch ohne die Opernwelt, den Beifall und die Popularität. Frau Ligendza lenkte auch unsere Unterhaltung bald auf andere Gebiete. Oper scheint tatsächlich nur noch liebevolle Erinnerung zu sein. Ferien werden in Deutschland verbracht, wo man heute nur noch eine Ferienwohnung hat. Bald geht es wieder zurück ins geliebte Schweden. Das nächste Treffen kann deshalb erst im nächsten Jahr geplant werden.

    Wir sind tief beeindruckt, dass es einer Künstlerin gelungen ist, so konsequent und offensichtlich glücklich und zufrieden das Leben nach einer großen Karriere zu planen, aufzubauen und zu leben.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

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  • Ein sehr interessantes Thema lieber operus . Kontakt habe ich zu einigen Sängern der Rheinoper . Durch einen Zufall habe ich im Essener Aalto Theater bei einer konzertanten Norma Neil Shicoff kennengelernt, da seine Partnerin Michele Crider die Norma gesungen hat. Er hat mich gefragt wo der Künstler Eingang ist und ich hab ihn nach einem Autogramm gefragt. So haben wir uns für die Pause verabredet und ich hab von ihm und Michele Crider ein Autogramm mit persönlicher Widmung bekommen. In der Pause hatten wir ein sehr nettes Gespräch.

  • Lieber Hans,


    vielen Dank für diesen faszinierenden Bericht; Chapeau und Anerkennung für Frau Ligendza, sich auf dem Gipfel ihrer Kunst zurückzuziehen und anderen Lebensbereichen zuwenden kontte, anstatt -wie leider so oft- den Zenit weit zu überschreiten.


    liebe Grüße

  • Liebe Freunde,

    In dem neuen Threat "Begegnungen mit einem Künstlerstar" schrieb ich bewußt nichts über Werdegang und sängerische Qualitäten der Sopranistin Catarina Liegendza. Das gehört in einen ihr gewidmeten Bereich. Ich suchte im Forum fand jedoch nichts. Kann das sein, dass diese große Sängerin noch keinen eigenen ihr gewidmeten Thread hat? Vielleicht ist ein Moderator

    oder ein findigerTamino Kollege bereit, mir bei der Suche nach einem Ligendza Threat zu helfen.

    Wenn dieser wirklich nicht existiert sollte er schnellstens verfasst werden, denn diese Würdigung ist in diesem Fall mehr als verdient.

    Meiner Meinung nach wäre Caruso, der sie in Berlin sicherlich am häufigsten in Live-Auftritten erlebte am prädestiniertesten, diesen Threat zu eröffnen. Ich erlebte Catarina Liegendza leider nur in zwei Rollen, als Brünnhilde in Bayreuth und in Stuttgart als Kundry. Sollte der Meister jedoch nicht schreiben werde ich dies trotz meiner begrenzten Bühnenerlebnisse tun.


    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Liebe Freunde,


    Wie gut die Zusammenarbeit und kollegiale Hilfe doch funktioniert. Marcel Joho hat den Ligendza-Thread gefunden und für mich (uns) ausgraben und aktiviert. Dank nochmals an dieser Stelle. Wäre bedauerlich, schade und auch ungerecht gewesen, wenn diese - weil damals neuartig und anders in der Art ihrer Wagnerdarbietungen - große Wagnerinterpretin nicht mehr bei uns in Erinnerung bleiben würde.

    Herzlichst

    Operus

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