Franco Faccios Hamlet am Opernhaus Chemnitz

  • Eigentlich hatte ich nicht vor, über meinen Opernbesuch am 17.03.2019 im Opernhaus Chemnitz zu berichten. Ich gehe davon aus, daß diese Inszenierung wahrscheinlich keiner kennen wird, denn es ist die deutsche Erstaufführung gewesen. Eine Diskussion erscheint nur dann angebracht - dem allgemeinen Tenor im Forum folgend - wenn man eine Oper aus persönlichem Erleben kennt. Kann ich sogar nachvollziehen bei dieser über 150 Jahre vergessenen Oper.


    MSchenk hat in einem anderen Thread aber doch darauf aufmerksam gemacht, daß ein Bericht Aufmerksamkeit erwecken kann. Deshalb nachstehende Zeilen.


    Ich hatte Gutscheine für die Oper Chemnitz erhalten, da ich mich einem bereits bezahltem Besuch der Rheingold-Premiere nach Kenntnis erster Fotos verweigerte. Das Opernhaus war sehr interessiert an einer Rücknahme der Karten, da Pressevertreter noch nachgefragt hatten und die Premiere ausverkauft war. Ich war glücklich, die Karten losgeworden zu werden, allerdings ohne Rückerstattung, aber gegen Gutschrift. Hinterher wurde mir durch ein Mitglied des Richard-Wagner-Verbandes Dresden bestätigt, daß es gesanglich ein tolles Erlebnis, aber szenisch furchtbar gewesen sei.


    Etwa ein Jahr brauchte ich, bevor ich auf eine Inszenierung am Opernhaus neugierig wurde. Schade, in den 90-er Jahren war Chemnitz unser Lieblingsopernhaus geworden, hatte uns durch zunehmend "moderne" Inszenierungen aber abgeschreckt, mit sehr wenigen Ausnahmen. Wir entschieden und nach Ansicht des Trailers und durch den Rat von Gerhard Wischnewski (der diese Oper 2016 in einer TV-Übertragung von den Bregenzer Festspielen gesehen hatte) für diese vergessene Oper. Auch die vom Opernhaus auf ihrer website eingestellten Bilder wirkten nicht abschreckend.



    https://www.theater-chemnitz.de/#images


    Über den Inhalt der Oper und die szenische Umsetzung will ich mich nicht auslassen, ich stelle am Ende div. Presseberichte ein. Beginn der Oper war Sonntag, 17.03.2019 um 15.00 Uhr, eine sehr angenehme Zeit. Fahrzeit von Gera bis ins Parkhaus direkt unter der Oper 50 Minuten, sonntags läßt sich gut fahren (zurück nach dem Ende 17.45 Uhr nur 45 min). Wir besuchten die Einführung im Foyer des 1. Ranges und nahmen unsere Plätze im Parkett. 6. Reihe links außen ein.


    Die Inszenierung stammt von Olivier Tambosi, Dirigent an diesem nachmittag war Dan Ratiu. Die Hauptrollenbestezungen: Hamlet (Gustavo Pena), Claudius (Pierre-Yves Pruvot), Polonius (Magnus Piontek) Horatio (Ricardo Llamas Marques), Marcellus (Matthias Winter), Laertes (Cosmin Ifrim), Ophelia (Guibee Yang), Gertrude (Katarina Hebelkova).


    Es gab ein Wiedersehen mit Guibee Yang, die ich als Lucia bereits erlebte, und besonders mit Matthias Winter, der viele Jahre in Gera engagiert war.

    Es wurde ein berauschendes, lautstarkes und gewaltiges Erlebnis. Die Inszenierung wirkte nicht abschreckend, es waren bunte und farbenfrohe Kostüme zu erleben, während die mit wenigen Kulissen auskommende Bühne vorwiegend dunkel gehalten wurde. Sehr beeindruckend die Erscheinung des Geistes von Hamlets Vater im hellen, strahlenden Licht.

    Aber besonders zu loben ist der musikalische Teil. Gustavo Pena ist einer der besten Tenöre, die ich in Chemnitz erleben durfte, alle anderen standen ihm nur wenig nach. Allerdings für mich der Höhepunkt: das hervorragend und kraftvoll aufspielende Orchester und die gewaltigen Chöre. Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch dieser Aufführung. Nur selten decken sich Kritiken und meine unmaßgebliche Meinung so wie bei diesem Erlebnis. Die Musik aus dem Jahr 1865 scheint ein Grund für die Versenkung dieser Oper zu sein, das Publikum war wohl noch nicht so weit, diese Musik aufzunehmen, deren Klang an Puccini, Giordano oder Mascagni erinnert. Übrigens stammt das Libretto von Arrigo Boito.


    Eine Empfehlung von mir - Chemnitz und sein Opernhaus ist mitunter eine Reise wert. Dieser Hamlet lohnt sich. Man muß allerdings akzeptieren, daß die Akteure nicht in heutiger Kleidung auftreten. Für mich war schon allein das ein Vergnügen.


    https://www.deropernfreund.de/chemnitz-6.html

    https://www.mdr.de/kultur/krit…et-oper-chemnitz-100.html

    https://www.nmz.de/online/der-…franco-faccio-in-chemnitz

    http://operalounge.de/features…stivals/der-andere-hamlet

    https://o-ton.online/aktuelle_…nitz-hamlet-coper-181118/


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Hallo La Roche, jetzt hast du uns das ganze Szenario drumherum beschrieben, mich hat das leider nicht interessiert, aber den Kern der ganzen Veranstaltung hast du uns verschwiegen!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Fiesco,

    was willst Du wissen? Die Inhaltsangabe wolle ich nicht nochmal aus dem Programmheft abschreiben, dazu habe ich die 5 Presseberichte eingestellt! Und meinen persönlichen Eindruck. Übrigens ist die komplette Inszenierung der Bregenzer Festspiele auf youtube zu sehen. Ob sie haargenau der Chemnitzer Inszenierung entspricht, das weiß ich nicht, ich habe Bregenz nicht gesehen.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Eigentlich hatte ich nicht vor, über meinen Opernbesuch am 17.03.2019 im Opernhaus Chemnitz zu berichten.

    Doch, lieber La Roche, es war richtig, daß Du darüber berichtet hast. Für mich war es auch deshalb sehr interessant,

    weil ich von diesem Werk noch nie etwas gehört habe.

    Gern hätte ich mich dazu mehr geäußert, aber eine Entscheidung der Leitung unseres Forums in einer anderen Sache,

    die ich gestern Abend mitbekommen habe, läßt mich nun, zumal es leider in unserem Forum keine Ignorierfunktion mehr gibt,

    meine eigenen künftigen Aktivitäten überdenken.


    Im sicheren Wissen verstanden worden zu sein, sende ich herzliche Grüße

    CHRISSY

  • Übrigens ist die komplette Inszenierung der Bregenzer Festspiele auf youtube zu sehen

    Hallo, Fiesco,

    habe gestern nochmals gesucht, aber aus Bregenz nur Schnipsel gefunden.

    Und zur Einschätzung: Bei einem Werk, welches man erstmalig sieht und welches in keinem Opernführer steht, bei dem man keine Anhaltspunkte zur Einschätzung von "Unebenheiten" hat, fällt es mir sehr schwer, über die Regie zu schreiben. Das alles kannst Du viel besser den Kritiken entnehmen, denen ich diesmal sogar zustimmen kann, fast ohne Ausnahme. Sollte jemand aus dem Forum diese Inszenierung besuchen, besteht Gesprächsgrundlage. Im Moment wäre ich Alleinunterhalter.

    Ich hoffe auf Änderung, denn die Oper hätte es verdient.


    Herzlichst La Roche

    aber eine Entscheidung der Leitung unseres Forums in einer anderen Sache,

    die ich gestern Abend mitbekommen habe, läßt mich nun, zumal es leider in unserem Forum keine Ignorierfunktion mehr gibt,

    meine eigenen künftigen Aktivitäten überdenken.

    Ja, lieber Chrissy, jetzt gehen die sachlichen Beiträge in eine andere Richtung. Auch ich werde mich bremsen.

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Könnte man evtl. den Nachnamen des Komponisten in der Rubriküberschrift richtig schreiben (also ohne "h")? Auch wenn das außer mir niemanden zu stören scheint, würde ich es trotzdem herzlich begrüßen. :yes::hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Für einige hier habe ich höchstens noch ab und an einen Smiley übrig...

  • Reinhard

    Hat den Titel des Themas von „Franco Facchios Hamlet am Opernhaus Chemnitz“ zu „Franco Faccios Hamlet am Opernhaus Chemnitz“ geändert.
  • Eigentlich hatte ich nicht vor, über meinen Opernbesuch am 17.03.2019 im Opernhaus Chemnitz zu berichten. Ich gehe davon aus, daß diese Inszenierung wahrscheinlich keiner kennen wird, denn es ist die deutsche Erstaufführung gewesen. Eine Diskussion erscheint nur dann angebracht - dem allgemeinen Tenor im Forum folgend - wenn man eine Oper aus persönlichem Erleben kennt. Kann ich sogar nachvollziehen bei dieser über 150 Jahre vergessenen Oper.

    Lieber La Roche, schön, daß Du aus Chemnitz berichtet hast! Den Tenor im Forum habe ich immer so verstanden, daß man sich mit Urteilen zu Inszenierungen, die man nicht gesehen hat, zurückhalten sollte. Aber das Vergnügen, einen Bericht von solch einer Aufführung zu lesen, vermindert sich dadurch nicht. Ich lese hier im Forum jeden Opern-Bericht und bin für jeden dankbar. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Ich hätte eine einzige Frage an La Roche.


    Wurde die Oper eigentlich auf Deutsch gesungen, das legt zumindest der von dir angeführte Titel Hamlet nahe. Denn Faccio als Italiener nannte sein Werk Amleto und das Libretto stammt ja von einem ganz bekannten Italiener, nämlich von Arrigo Boito

  • Wurde die Oper eigentlich auf Deutsch gesungen, das legt zumindest der von dir angeführte Titel Hamlet nahe. Denn Faccio als Italiener nannte sein Werk Amleto und das Libretto stammt ja von einem ganz bekannten Italiener, nämlich von Arrigo Boito

    Oranje hat schon die richtige Antwort gegeben. Die Oper Chemnitz wirbt in ihrem Trailer selbst mit der deutschen Übersetzung, also Hamlet. Beitrag 1 dieses Threads gibt darüber Auskunft. Auch das Theater selbst bezeichnet in seinem Spielplan die Oper als "Hamlet", die Kritik spricht größtenteils von "Hamlet". Und ich finde das auch richtig, denn unter einer Werbeüberschrift mit der Bezeichnung "Amleto" kann sich keiner etwas vorstellen. Unter "Hamlet" wird zumindest ein Bezug gegeben.

    Gesungen wurde angeblich italienisch, was ich nicht verstehe. Daher waren deutsche Übertitel richtig, was aber stark ablenkt.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Übrigens ist die Verwendung deutscher Titel in vielen Opernhäusern nichts ungewöhnliches. Ich habe unter diesem Titel z.B. erlebt:

    "Die Räuber" in Dessau, "Die Macht des Schicksal" in mehreren Opernhäusern, "Dialoge der Karmeliterinnen" in Gera, "Hoffmanns Erzählunegn" an div. Häusern, "Der Mantel" in Dresden, ebenso "Schwester Angelica", in Chemnitz steht momentan "Der Maskenball" auf dem Spielplan. Ich könnte fortsetzen.


    Bei Aida oder Rigoletto uva. ist die Wahl wesentlich einfacher.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Lieber La Roche,


    manchmal schaffen deutsche Titel aber auch mehr Verwirrung als Klarheit. Ich brauchte vor Jahren lange Zeit bis ich rausfand, was an der Rheinoper sich hinter dem Titel "Der Doge von Venedig" versteckte - I due Foscari

  • Ich brauchte vor Jahren lange Zeit bis ich rausfand, was an der Rheinoper sich hinter dem Titel "Der Doge von Venedig" versteckte - I due Foscari

    Lieber Souffleur,


    da ist Dir ein tolles Beispiel eingefallen. Ich hätte es auch nicht gewußt.

    Leider kenne ich Dein Geburtsjahr nicht. In meiner Opern-Anfangszeit (ab 1954) wurden im Radio Opernarien fast nur deutsch gesungen, die Opern wurden an allen Theatern nur auf deutsch gesungen. Das führte zu einer Identifikation mit einzelnen Titeln, die man dann im Opernhaus mitsummen konnte, sogar mit Text. Mir ist jetzt klar, daß vieles im Original besser klingt, Linien lassen sich besser singen, der Ausdruck wird stärker. Aber gerade beim Inhalt wird das Verständnis schwieriger. Viele Opern kennt man, auch wenn italienisch gesungen wird weiß man bei den meisten Verdiopern, wovon gerade gesungen wird. Die Übertitel lenken sehr ab. Ich hätte den Facchio in Chemnitz lieber in deutsch erlebt, denn man hatte die Qual der Wahl: entweder man nimmt den Kopf hoch und liest den Text mit, oder man schaut auf die Bühne und weiß nicht, was die gerade singen. Ich hab das letztere getan und mich von der Musik gefangen nehmen lassen.

    Ich stelle mir vor, wie es einem Spanier gehen mag, der Elektra auf deutsch hören muß, oder den Ring. Oper ist manchmal ganz schön verzwickt. Da hat es Shakespeare leichter, die deutschen Übersetzungen sind vorzüglich, und durch die fehlende Musik kommt das Original nicht in Schwieigkeiten. Leicht gesagt - aber wie versteht ein Russe oder Chinese denn dann einen deutschen Faust?


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.