La Fanciualla del West, Bayerische Staatsoper, 19.03.2019

  • Zum ersten Mal habe ich die Oper vor 30 Jahren mit Mara Zampieri und Plácido Domingo erlebt. Zugegebenermaßen waren das damals noch Perlen vor die Säue geworfen, da ich das Stück nicht weiter kannte. Erst danach habe ich mich in dieses tolle Werk verliebt, musste aber 15 Jahre warten, bis Christian Thielemann im März 2004 die Nemirova-Produktion dirigiert hat, die leider vor 4 Jahren zum letzten Mal gespielt worden ist. Grund genug, für die Fanciulla bei dieser vielversprechenden Besetzung nach München zu fahren (auf den Roberto am Vortag habe ich verzichtet, da Radvanovsky nicht gesungen hat). Ein Glücksfall, dass hier drei sehr starke Sängerpersönlichkeiten zur Verfügung standen. Der Besuch hat sich allein schon wegen Anja Kampe gelohnt. Sie hat sowohl stimmlich als auch darstellerisch brilliert und ein anrührendes Rollenporträt geliefert. Brandon Jovanovich war für mich der Hauptgrund unter den Sängern nach München zu fahren. Hier fiel der Eindruck allerdings ehr zwiespältig aus. Er ist ein irrer Typ und war darstellerisch der erwartet starke Dick Johnson. Bis zur Mittellage war er auch stimmlich stark, darüber klangen allerdings viele Töne blass und ohne Schmelz. Seine arie hat er allerings sehr gut gesungen. John Lundgren hatte ich schon vor vier Jahren in Berlin als Rance gehört. Inzwischen ist er sowas wie der Wotan vom Dienst und für mich der ideale Jack Rance. Damals wie heute waren ein, zwei hohe Töne, die unschön klangen, der einzige Makel seines Vortrags. Neben den drei Hauptprotagonisten lebt die Oper auch von den vielen kleinen Rollen, die aus dem Ensemble besetzt werden. Auch hier wurde höchstes Niveau geboten. Dem Dirigenten James Gaffigan stand eine Zauberharfe zur Verfügung. Was hier aus dem Orchestergraben an Transparenz, Details und satten Klängen kam, war überragend. Zu laut fand ich es nicht, zumindest nicht auf der Galerie. Insgesamt war das ein großartiger Opernabend. Ich bin zugegebenermaßen etwas neidisch auf die Münchener diese Fanciulla vor der Haustür zu haben.

  • Lieber Kapellmeister Storch,

    La fanciualla gehört auch mit zu meinen Lieblings Oper und ich hab die Premiere im Radio gehört und werde mir den Livestream aus München am 30.3 anschauen. Deine Eindrücke über die Sänger kann ich nur bestätigen. Die Inszenierung wäre wohl nichts für die Anhänger von werkgerechten Inszenierungen.

  • Insgesamt war das ein großartiger Opernabend. Ich bin zugegebenermaßen etwas neidisch auf die Münchener diese Fanciulla vor der Haustür zu haben.

    Herzlichen Dank für die ausführliche Beschreibung.

    Ich bin zugegebenermaßen etwas neidisch auf die Nicht-Münchner, die eine Karte erwischt haben 🙂. Leider habe ich mich - obwohl vor Ort - bisher vergeblich darum bemüht. Aber der Bericht spornt mich an, es weiter zu versuchen.

  • Gern geschehen. Es gibt ja zumindest immer noch Stehplätze oder Partiturplätze. Oder mit etwas Glück eine Karte draußen vor der Oper. Ich bekomme aber auch nicht alles, was ich bestelle, aber zum Glück meistens das, was mir besonders wichtig ist.



    Herzliche Grüße aus Berlin


    Kapellmeister Storch