Alexander Zemlinsky "Der Zwerg", DOB, Premiere am 24.3.2019

  • Im Tamino-Forum werde ich im Laufe der Woche von der Premiere von Zemlinskys Zwerg an der Deutschen Oper Berlin berichten. Heute abend schaffe ich das nicht mehr.

    Vielleicht nur soviel vorweg: Es war ein interessanter Abend und die Musiker, Sänger, das Orchester und auch der Regisseur wurden zurecht mit viel Beifall bedacht.


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    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Um einen inzwischen schon etwas inflationär verwendeten Ausdruck zu gebrauchen, hoffe ich, Du hattest einen beglückenden Opernabend!? Auf Deinen Bericht bin ich jedenfalls sehr gespannt! - Ich schätze diese Oper und habe sie schon vor Jahrzehnten, also zu Zeiten der Zemlinsky-Renaissance, hier in Hamburg gesehen, und später dann vor einigen Jahren in Lübeck (siehe hier). Wenn ich nach dem Trailer schließe, den Du vor kurzem eingestellt hast, fasst die Inszenierung das Stück als eine Art Künstlerdrama auf? Wäre interessant, da auch die lübecker Inszenierung in diese Richtung geht, wobei allerdings der Zwerg dort kein Sänger ist, sondern mit Zemlinsky selbst identifiziert wird.


    Wurde Der Zwerg mit einem anderen Werk kombiniert?

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Wurde Der Zwerg mit einem anderen Werk kombiniert?

    Nein. Und genau das ist es, was mich an dieser Neuproduktion ärgert und weshalb ich nicht vor habe, sie zu besuchen. An der Komischen Oper Belrin bekam man 2002 vor der Pauser die "Florentinische Tragödie" und nach der Pause den "Zwerg". An der Semperoper Dresden war der "Zwerg" in den Neunzigern mit "Der Gefangene" von Dallapiccola gekoppelt. An der DOB wird nur der "Zwerg" gespielt, der sonst 1:20 dauerte, jetzt soll die DOB-Aufführung aber 1:45 dauert, weshalb ich mit zahlreichen stückfremden "Zutaten" auch bezüglich der akustischen Ebene gerechnet habe. Es gibt zum Beispiel in der Besetzungsliste einen Pianisten als Zemlinsky, ich vermute also eine Art Rahmenhandlung um die eigentliche Oper herum.


    Unabhängig davon wäre ich schon daran interessiert, was Hans gerae dazu schreibt, wie also die Spieldauer des Einakters auf 1:45 h gestreckt wurde.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • Lieber Stimmenliebhaber, es gibt


    Als Prolog


    Arnold Schönberg (1874 – 1951)


    Begleitungsmusik zu einer Lichtspielscene für Orchester op. 34 (1930)

    Das ist ein ziemlich kluger Schachzug gewesen. Die Oper selbst ist frei von stückfremden Zutaten, die Du befürchtest. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Hans, ich danke dir für diese rasche Aufklärung. :hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • An der Rheinoper gibt es bei modernen Stücken nicht so viel Zuschauer Interesse.

    Lieber Rodolfo!


    Zemlinskys "Der Zwerg" wurde vor 99 Jahren geschrieben. Das ist eigentlich nicht mehr so ganz modern.

    Vielleicht ist die Zurückhaltung des Publikums an der Rheinoper darauf zurückzuführen, dass das Werk in Köln uraufgeführt wurde?


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Zemlinskys "Der Zwerg" wurde vor 99 Jahren geschrieben. Das ist eigentlich nicht mehr so ganz modern.

    Vielleicht ist die Zurückhaltung des Publikums an der Rheinoper darauf zurückzuführen, dass das Werk in Köln uraufgeführt wurde?

    So weit geht die Rivalität der beiden rheinländischen Städte dann wohl doch nicht. :)


    Leider muss ich rodolfos Beobachtung bestätigen. Bei der Aufführung von Prokofjews "Der feurige Engel" am Sonntag war das Opernhaus in Düsseldorf höchstens zu 2/3 gefüllt, obwohl die Deutsche Oper am Rhein dafür sogar ein besonderes Angebot "zwei Karten zum Preis von einer" gemacht hatte. Sehr schade. Das sieht in Berlin wahrscheinlich anders aus.

  • Leider muss ich rodolfos Beobachtung bestätigen. Bei der Aufführung von Prokofjews "Der feurige Engel" am Sonntag war das Opernhaus in Düsseldorf höchstens zu 2/3 gefüllt, obwohl die Deutsche Oper am Rhein dafür sogar ein besonderes Angebot "zwei Karten zum Preis von einer" gemacht hatte. Sehr schade. Das sieht in Berlin wahrscheinlich anders aus.

    Ob das in Berlin wirklich anders ist? - Auch in Hamburg mache oft leider oft genug die Erfahrung, dass sich Repertoire außerhalb von Wagner, Verdi, Puccini und Mozart beizeiten sein Publikum suchen muss X(

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Für Hans Heukenkamp und alle die "Der Zwerg" oder "Der Geburtstag der Infantin" interessiert....


    Ach Alma....


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Für Hans Heukenkamp und alle die "Der Zwerg" oder "Der Geburtstag der Infantin" interessiert....


    Ach Alma....

    Für alle, die jetzt rätseln: Gemeint ist natürlich Alma Mahler-Werfel-Gropius-Kokoschka-etc-pp, nur eben nicht Zemlinsky :untertauch:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Für alle, die jetzt rätseln: Gemeint ist natürlich Alma Mahler-Werfel-Gropius-Kokoschka-etc-pp, nur eben nicht Zemlinsky :untertauch:

    Deinen Einwurf verstehe wer will, mit Kokoschka war Alma auch nicht verheiratet!

    Und was heisst "nur eben nicht Zemlinsky"???


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Für alle, die jetzt rätseln: Gemeint ist natürlich Alma Mahler-Werfel-Gropius-Kokoschka-etc-pp, nur eben nicht Zemlinsky :untertauch:

    Deinen Einwurf verstehe wer will, mit Kokoschka war Alma auch nicht verheiratet! Und was heisst "nur eben nicht Zemlinsky"???

    Jessas! Es sollte lediglich ein Hinweis darauf, wer mit Alma gemeint ist verbunden mit einem kleinen Scherz sein! Ich weiß selber, dass sie nicht mit Kokoschka verheiratet, sondern er lediglich ihr Geliebter gewesen ist und Zemlinsky wohl zu seinem Leidwesen nicht bei ihr "landen" konnte. - Vergiß es einfach!

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Alexander Zemlinsky/Georg C. Klaren, Der Zwerg, Premiere am 24.3.2019, Deutsche Oper Berlin, dir. Donald Runnicles.

    Nota preliminar

    Mick Morris Mehnert heißt der stumme Darsteller des Zwergs. Mehnert ist ein kleinwüchsiger Schauspieler. Klarens Zwerg gibt er mimisch Empfindlichkeit, Neugier, Sanftheit, Verwirrung. Die Anstrengung, die es ihn kostet, sich der fremden Gesellschaft, in die er geworfen wird, anzuschließen, die Qualen, die die Zurückweisung bedeutet, sind bei Mehnert sofort faßlich. Ein großer Darsteller.


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    El prólogo

    Erst durch Fragen im Tamino-Forum lernte ich, daß Zemlinskys einaktige Oper üblicherweise mit einem anderen seiner Werke kombiniert wird. Der Regisseur, Tobias Kratzer, merkt im Programmheft an, daß es den Plan gab, die Oper alleine aufzuführen. Er hat sich dann für ein Vorspiel entschieden.

    Das ist ein geschickter und geistreicher Kunstgriff. Der Prolog ist Schönbergs etwa neunminütige Begleitmusik zu einer Lichtspielscene für Orchester op. 34. Dabei gibt man auf der Bühne eine etwas hölzerne Pantomime, in der Alma Schindler (Adelle Eslinger) während einer Musikstunde Alexander Zemlinsky (Evgeny Nikiforov) erst lockt und dann zurückweist. Das Klavierzimmer ist plüschig und kommt dem Stil im bürgerlichen Wien der Jahrhundertwende sicher nah. Alma, groß, blühend, verführerisch im roten Kleid, kann jeden erobern. Alex, klein, ein Schattengewächs, nicht eben kräftig vom Klavierspiel, will nur sie. Ihr Abgang schmettert ihn zu Boden.

    Schönbergs Musik ist spannend. Daß sie nicht im Kino, sondern in der Oper zu hören ist, mindert nicht ihren Effekt.

    Kratzer entledigt sich mit dem Vorspiel allen Zwangs, mit seiner Inszenierung des Zwergs eine öde biographische Deutung abliefern zu müssen. Das Spannungsfeld, in dem Zemlinsky komponierte, ist angedeutet, die Auswahl der Lichtspielscene sogar ein wenig maliziös.

    Das Publikum ist eingeweiht und kann sich Zemlinskys Werk zuwenden.

    La noche

    Übergangslos beginnt die Oper. In den ersten Takten glaube ich ein wenig von Mahlers Erster zu hören. Bald jedoch dominiert ein leicht ironischer Gestus. Don Estoban, der Haushofmeister, mäßig pressiert, trifft die letzten Anordnungen zur Geburtstagsfeier der Infantin. Philipp Jekal hat komödiantisches Talent und einen jungen (Baß-?) Bariton, der mir sehr gut gefallen hat.

    Die Szene ist der Musiksaal des Schlosses, der hell erleuchtet ist. Die Zofen räumen mit wenig Elan ein paar Notenständer hin und her, indessen Estoban das schönste Geschenk in scheußlicher Erscheinung - den Zwerg, den der Sultan sendet – ankündigt.

    Infantin Clara und ihr weiblicher Hofstaat rücken als Girlie-Truppe ein. Das sind Kaugummi kauende Blumenmädchen in paradiesisch leuchtenden Farben, die ständig ihre Mobiltelefone heben, um sich zu fotografieren. Es ist ein großes Vergnügen, den Damenchor der Deutschen Oper so staffiert auf der Bühne zu sehen. Die Prinzessin biegsam, gertenschlank im kupferroten Paillettenkleid, das ständig Blitze schleudert. Elena Tsallagova singt ebenso schlank, mit wenig Vibrato, manchmal etwas spitz klingend.

    Gruppen wie diese kann man durch die Berliner Innenstadt ziehen sehen. Das ist stimmig und überzeugt unmittelbar. Die Mädchen haben eine gewisse Risikobereitschaft und äugeln nach der nächsten Sensation.

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    Die Sensation ist der Zwerg. Er taumelt in den Saal. Die Prinzessin kann er im Geflirr und Geglitzer der Frauen nicht ausmachen und bedarf der Hilfe des Haushofmeisters: Es ist die, die sitzt.

    In diesem Moment vermeine ich deutlich zu hören, daß Korngold ein Zemlinsky-Schüler ist und ihn im Vorspiel zum dritten Akt seiner Heliane besonders gewürdigt hat.

    Gleichzeitig hat David Butt Philip die Bühne betreten. Er singt die Titelpartie. Anfänglich ist er am Spiel fast unbeteiligt und singt vom Blatt. Mehnert gibt den Zwerg allein. In diesen ersten Minuten, in denen er nicht spielt, hat Philips Stimme Anlaufschwierigkeiten. Beim Ansatz in Mittellagen klingt er manchmal ein wenig heiser. Das gibt sich, als er beginnt, auch Teil des Spiels zu werden. Die späteren hochdramatischen Passagen - „Sag, daß es nicht wahr ist!“ - sind ohne Fehl und Tadel.


    Es ist zu einfach, Mehnert und Philip als Abbilder der zwergenhaften Fremdwahrnehmung und der ritterlichen Eigenwahrnehmung zu deuten. Der Zwerg, der die Meere besegelte und an den Sultan verkauft wurde, der die Welt kennt und sich mit ihr arrangiert hat, dissoziiert erst dann in zwei Wesen, die am Ende einander zu Todfeinden werden, als er der Infantin gegenübersteht. Er überschreitet seine innere Roche-Grenze, indem er sich Donna Clara nähert, deren erotische Gezeitenkräfte ihn zerfetzen.


    Nicht ohne Bosheit bietet sie dem Zwerg an, eine ihrer Hofdamen zur Frau zu wählen, um ihn dauerhaft an den Hof zu binden. Diese fallen vor Schreck in Ohnmacht, aber märchenhaft naiv schlägt der Mann das Angebot aus: „Ich wähle dich, Prinzessin.“


    Die Prinzessin oszilliert zwischen Anziehung und Abscheu. Kratzer läßt sie mit beiden Darstellern interagieren, ohne daß ihre Zuneigung nur dem Sänger und ihre Abneigung allein dem Kleinwüchsigen gälte. Das ist außerordentlich klug gemacht. Donna Clara sieht mehr als einen Verwachsenen, und auch sie verspürt einen ernsthaften Reiz, den dieser Mann ausübt. Der Zwerg, dem ein Ruf als Dichter vorauseilt, improvisiert eine Drachentötergeschichte, deren Königstochter sie, deren Ritter er vorstellt.

    In den Minuten, in denen sie mit ihm allein ist, läßt sie sich ganz auf ihn ein. Ihr Gefühl ist undurchsichtig wie eine Emulsion, die sich bei einem kleinen äußeren Impuls scheiden wird. Diese Störung ist die Außenwelt, die Girls, die alsbald zurückkehren. Claras Begehren ist mimetisch geformt, auch für die Chefin gilt: Erlaubt ist, was sich ziemt.

    Öl und Wasser haben sich geschieden. Der Zwerg wird nicht erhört. Diese Momente der Unsicherheit, die sie empfunden hat, werden kompensiert mit leichter, mädchenhafter Grausamkeit, die dem nicht satisfaktionsfähigen gilt.


    Die Vertraute Ghita (Emily Magee), die dem Zwerg eigentlich gewogen ist, wird von der Prinzessin beauftragt, den Zwerg vor einen Spiegel zu führen und mit seiner Häßlichkeit zu konfrontieren: „Er weiß nicht, wie er aussieht, Ghita!“

    Der Saal wird präpariert, ein getönter Spiegel erscheint. Philip, der Sänger, kehrt glücklich vom Tanz mit der Prinzessin zurück. Die weiße Rose, die sie ihm geschenkt hat, ist in dieser Inszenierung ein pinker Ballon.

    Ghita enthüllt den Spiegel, und Philip steht Mehnert gegenüber. Ritter gegen Zerrbild, Held gegen Fratze. So lange der Zwerg nicht wahrhaben will, daß er sich im Spiegel sieht, wird der Konflikt der beiden Egos verbal ausgetragen. Erst als die Prinzessin erscheint und ihn seiner Häßlichkeit versichert, beginnen Philip und Mehnert zu ringen. Es ist ein ungleicher Kampf. Der Kleine unterliegt dem Großen, das herrliche Ich würgt das scheußliche Ich zu Tode.

    Kratzers Lösung bewährt sich am Schluß erneut. Der innere Kampf des Mannes mit sich selbst kann mit zwei Figuren auf der großen Bühne raumgreifend exponiert werden. Beide Darsteller rasen im tödlichen Strudel umeinander.

    Mensch ist nur, wer von den anderen dafür gehalten wird. Die Zurückweisung bringt den Zwerg um.

    Die Infantin wirft einen Blick auf die Toten: „Geschenkt und schon verdorben, das Spielzeug zum achtzehnten Geburtstag.“ und geht, um mit Don Alvarez zu tanzen. Im Abgehen zersticht sie den pinken Ballon.


    Ich war in einer spannenden, klugen Inszenierung, mein erster Zemlinsky in der Oper. Spätromantik, auch die späteste, macht in der Deutschen Oper immer Spaß. Das Orchester war nicht so groß, wie ich erwartet hatte.


    El epílogo


    Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur
    Das Leben lehret jedem, was er sey.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Nein. Und genau das ist es, was mich an dieser Neuproduktion ärgert und weshalb ich nicht vor habe, sie zu besuchen. An der Komischen Oper Belrin bekam man 2002 vor der Pauser die "Florentinische Tragödie" und nach der Pause den "Zwerg".

    Die habe ich etwas später (könnte so 2003-04 gewesen sein?) gesehen. Hat mir damals zwar gut gefallen, allerdings muss ich zugeben, dass mir der "Zwerg" nach der Pause doch ein wenig lang wurde. Das mag sicher auch daran gelegen haben, dass ich keines der Stücke vorher kannte, aber die Florentinische Tragödie ist ein sehr kompaktes und intensives Stück, da ist es einfach auch als Hörer ein bißchen schwierig, sich danach mit gleicher Konzentration auf ein Neues einzulassen.

    Obwohl ich knapp anderthalb Stunden auch etwas dürftig für einen Opernabend finde, kann ich daher verstehen, dass man den "Zwerg" mal allein zur Geltung kommen lassen möchte.

    (Die Kombination mit Schönbergs kurzem Instrumentalstück wage ich nicht zu beurteilen; ich habe im Radio eine Rezension gehört, die das weniger überzeugend fand und meinte, wenn schon, dann sollte man eben wirklich nur "Der Zwerg" aufführen.)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hat mir damals zwar gut gefallen, allerdings muss ich zugeben, dass mir der "Zwerg" nach der Pause doch ein wenig lang wurde.

    Mir hat diese Homoki-Inszenierung damals überhaupt nicht gefallen, gerade "Der Zwerg" nicht, weil ich das Gefühl hatte, dass der Regisseur die durch die Musik transportierten Emotionen nicht ernst nahm oder aber diese bewusst karikieren wollte. Ich erinnere mich noch gut, dass ich damals ziemlich sauer über dieses für mich unbefriedigende Ergebnis war.


    Das mehrfache Hören dieser CD-Aufnahme in Vorbereitung bzw. im Vorfeld meines damaligen Live-Ersterlebnisses dieser Oper hat mir hingegen damals wesentlich mehr gegeben als der Vorstellungsbesuch in der Komischen Oper, der dann doch eine große Enttäuschung für mich wurde:



    P.S.: Ich würde mir ja die DOB-Inszenierung vielleicht ansehen, aber kann an allen Reprisen-Terminen nicht. (Und wenn ich den "Zwerg" sehe, möchte ich Zemlinsky hören und nicht auch noch Schönberg. Und wenn ich Verdis "Don Carlos" sehe, möchte ich unmittelbar davor keinen Orchesterprolog von Manfred Trojahn, der "Carlos" ist lang genug.)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • P.S.: Ich würde mir ja die DOB-Inszenierung vielleicht ansehen, aber kann an allen Reprisen-Terminen nicht. (Und wenn ich den "Zwerg" sehe, möchte ich Zemlinsky hören und nicht auch noch Schönberg.

    Lieber Stimmenliebhaber, wenn Du es nicht schaffst, in dieser Saison zu gehen, wird es Dir in der nächsten auch nicht gelingen. Der Zemlinsky gehört nicht zum Repertoire der Spielzeit 19/20. Genausowenig wie die Heliane, was mich wirklich enttäuscht hat. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Hans,


    den Jahresspielplan der DOB für die kommende Saison habe ich natürlich längst gelesen und mit 13 Termine rausgesucht, die mich interessieren. Dass "Der Zwerg" nächste Spielzeit nicht wiederkommt, habe ich auch gesehen, aber vielleicht in einer nachfolgenden Spielzeit. Dafür kommt nächste Spielzeit ja vieles andere, darunter Sachen, bei denen man dachte und teilweise auch hoffte, dass sie längst im Orkus gelandet sind...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • "Das Wunder der Heliane", das hat die DOB bereits im Zusammenhang mit der sehr erfolgreichen Premierenserie kommuniziert, wird in der Spielzeit 2020/21 wiederaufgenommen.

    Lieber Melomane, das hatte ich nicht mitbekommen. Umsomehr freue ich mich darüber, daß der Korngold wieder auf die Bühne kommt. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Stimmenliebhaber, wenn Du es nicht schaffst, in dieser Saison zu gehen, wird es Dir in der nächsten auch nicht gelingen. Der Zemlinsky gehört nicht zum Repertoire der Spielzeit 19/20.

    Lieber Hans Heukenkamp!


    Das ist sehr schade, denn ich schaffe es auch nicht, die Produktion noch in dieser Spielzeit zu besuchen.


    Seit ich das Werk 1981 im Hamburg unter Gerd Albrecht erstmals gehört habe, bin ich immer besonders neugierig, andere Deutungen zu hören. In Hamburg wurde das Werk noch unter dem Titel "Der Geburtstag der Infantin" gegeben. Das Ereignis aber war Kenneth Riegel als Zwerg. Das ist mir als eine unvergessliche Leistung dieses großartigen Sängerdarstellers in lebendiger Erinnerung!


    Man hat damals in Hamburg das Werk zusammen mit Zemlinskys "Eine Florentinische Tragödie" gespielt. So bekommt man das ja meistens. Nur Hannover hat die "Florentinische Tragödie" sehr originell und ausgesprochen wirkungsvoll mit Puccinis "Gianni Schicchi" kombiniert!


    Beste Grüße

    Caruso41

  • Man hat damals in Hamburg das Werk zusammen mit Zemlinskys "Eine Florentinische Tragödie" gespielt. So bekommt man das ja meistens. Nur Hannover hat die "Florentinische Tragödie" sehr originell und ausgesprochen wirkungsvoll mit Puccinis "Gianni Schicchi" kombiniert!

    Lieber Caruso41, der Herausforderung, einen ganzen Abend zu gestalten, wenn man eigentlich einen relativ kurzen Einakter spielen will, steht ein Regisseur auch bei anderen spätromantischen Projekten, wie etwa der Violanta, gegenüber. In meinem Bericht hatte ich versucht auszudrücken, mit welcher Raffinesse Kratzer dies gemeistert hat, indem er einerseits mit der Lichtspielscene den Bezug zu Zemlinsky herstellt, andererseits Zemlinskys Biografie vordergründig aus der Inszenierung heraushält. Es mag sein, daß nur ich das so sehe - vielleicht würde sogar Kratzer widersprechen - mich hat dieser dramaturgische Kniff jedenfalls entzückt. Es grüßt Hans


    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz