Rameau – Platée (Semperoper Dresden) (11.04.2019)

  • Gestern waren wir in der 2. Vorstellung der Oper „Platée“ von Rameau in der Inszenierung von Rolando Villazón. Geleitet wurde das Orchester von Paul Agnew, der selbst in seiner Sängerlaufbahn diese Rolle mehr als 60 mal in verschiedenen Inszenierungen verkörpert hat und zusammen mit William Christie Leiter des französischen Barock- Ensembles Les Arts Florissants ist.


    Als erstes kann ich sagen, dass es eine musikalisch hervorragende Vorstellung war, sowohl das Orchester als auch die meisten Sängerleistungen betreffend, war. Das kann ich nur von meinem Empfinden her beurteilen, ich bin kein Fachmann und kann also keine Stimmenanalyse betreiben.


    Hier der Trailer der Semperoper:


    https://www.semperoper.de/file…01_Platee_Trailer_web.m4v


    Als ich in der Premierenkostprobe war, in der das Regiekonzept erläutert wurde, war ich zunächst äußerst skeptisch. Rolando Villazón verlegt die Handlung auf einen modernen Universitätscampus der Gegenwart und Platée ist ein junger Mann, der sich aber eigentlich als Frau fühlt und dies auch ausleben will, damit aber dort zum Außenseiter wird und dementsprechend von allen gemobbt wird. Platée ist übrigens nicht hässlich, sondern eigentlich zum „Anbeißen süß“ in seinem Faltenrock (fand ich). Auf alle Fälle geht das Konzept auf und es ist eine spannende, handlungsreiche, komödiantische und traurige Inszenierung geworden, die mir total gefallen hat, obwohl ich, was Inszenierungsstil von Opern betrifft, mehr konservativ eingestellt bin.


    Ganz hervorragend der Darsteller der Platée (Philip Talbot), die La Follie (Inga Kalna), die stürmischen Szenenapplaus bekam nach ihrem Auftritt, der Mercure / Thespis (Mark Milhofer) sowie der Jupiter von Andreas Wolf. Alle trugen voll das Konzept Villazóns mit großem schauspielerischen und komödiantischen Können mit. Vor allem für den Merkur hatte die Regie aus dem Vollen geschöpft und sich für jeden Auftritt etwas anderes einfallen lassen. Aber auch Tania Lorenzo als Amour (sie ist z. Zt. Mitglied im Opernstudio) hat mir mit ihrer vollen, aber jugendlichen Stimme sehr gefallen sowie auch Iulia Maria Dan als Thalie / Clarine. Etwas abgefallen waren für mich überraschenderweise Utel Selbig als Juno, die Stimme war spröde und nicht sehr kräftig (wir sitzen im 4. Rang) und Sebastian Wartig als Momus. Über die Sänger kann man leicht über die Webseite der Semperoper mehr erfahren.


    Sowieso lebt die Inszenierung von tausend Einfällen, kleinen Interaktionen der Personen des Chores, vielfältigen Requisiten, so dass ständig auf der Bühne etwas los ist und keine Minute Langeweile aufkommen kann. Der Platée sind mehrere Figuren (Tänzer) beigegeben, die mit ihren Kostümen an die Muppetshow erinnern, und die man einerseits als ebensolche Außenseiter wie Platée betrachten kann, die sich ihr angeschlossen haben und deren Gefühle mitempfinden und mitleiden oder vielleicht verkörpern sie auch die Gedanken und Empfindungen von Platée, das ist Interpretationsweise.


    Zur Vorereitung des Opernabends hatte ich mir wieder die folgende DVD „Platée“ angesehen, in der Paul Agnew die Platée verkörpert, eine wunderbare, stimmige, komödiantische und auch traurige Inszenierung:



    Je öfter ich Musik von Rameau höre, umso begeisterter bin ich von dem Einfallsreichtum, die verschiedensten Stimmungen ausmalenden und spritzigen Musik, die aber auch wunderbar die traurigen Momente charakterisieren kann.


    Mit besten Grüßen

    Ramona1956

  • Hallo Ramona 1956, hier noch was gegensätzliches.....


    Kindergeburtstag mit Rameau in der Semperoper – Rolando Villazon reduziert „Platee“ auf Pappnasen-Klamauk


    ....ich kann leider nichts dazu beitragen, war nicht dabei, aber das könnte mir gefallen!

    Dresden ist allerdings so garnicht meine bevorzugte Richtung!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Vielen Dank, liebe Ramona, für Deine Schilderungen aus der Semperoper. Ich kann nachvollziehen, dass Dir Rameaus Musik gefallen hat, denn auch ich höre sie immer wieder gerne. Meine Empfindungen gehen in die gleiche Richtung, die Du allgemein, also nicht nur bezüglich "Platée", mit "spritzig" und zugleich "traurig" beschreibst. Dieses Werk, das ich noch nie gesehen habe, kenne ich nur als Audio-CD in der Co-Produktion Erato-WDR unter Minkowski mit Ragon, de Mey, Gens (u.a.) sowie "Les Musiciens du Louvre". Es nötigt mir immer eine gewisse Stimmung ab, die mehr ins tragische, als zum buffonesken geht, aber immer wieder unter die sprichwörtliche Haut.


    :hello:

  • Lieber Fiesco und musikwanderer,


    bezüglich des von Fiesco gesetzten Links (Klassikblog) - manchen Leuten kann eben nichts recht gemacht werden. Die Rezension dort ist arrogant, herablassend, übrigens auch Rolando Villazón gegenüber, vielleicht Neid über den mehrfach Begabten. Der Rezensent hat nicht erkannt, dass Villazón sein Anliegen, nämlich aufzuzeigen, wie heute immer mehr auf Andersartigkeit, Andersdenken, sich nicht Anpassen, mit Mobbing reagiert wird. Dies hat er sehr gut mit vielfältigen Einfällen, kleinen Handlungen der agierenden Personen dargestellt. Die roten Pappnasen hatten übrigens die Tänzer dann auf, als sie als Begleitung der La Follie auftraten, in dem Zusammenhang also nicht so abwegig.


    Sich über das Bühnenbild als „Beton-Brutalismus“ aufzuregen, ist nun völlig absurd angesichts dem Meisten, , was uns in den letzten Jahren so auf Opernbühnen geboten wurde, bei uns in Dresden, aber vielleicht noch mehr auf westlichen Bühnen (ich lese seit Jahren im Klassikforum mit).


    Erstens ist klar gesagt, dass es sich um einen Unicampus handelt und die meisten großen Unikomplexe sind nunmal Neubauten, die Handlung ist nicht in alten ehrwürdigen Gebäuden wie Oxford oder Cambridge angesiedelt. Zweitens wurde das Bühnenbild in jedem Akt entsprechend den Anforderungen der Handlung abgewandelt. Der „Jahrmarkt mit Schießbude“ im letzten Akt, in dem die angebliche Hochzeit Platées mit Jupiter stattfinden soll, ordnet sich ebenfalls in die Inszenierung ein.


    Wennn der Rezensent sich einmal die Mühe machen sollte, genauer in den Text der Oper einzudringen, wird er feststellen, dass in diesem Akt Platée mit verschiedenen Festlichkeiten und Tänzen unterhalten werden soll, hauptsächlich um Zeit „zu schinden“, da Juno noch nicht am Schauplatz der Handlung eingetroffen ist und damit das eigentliche Ziel der ganzen Posse mit Platée verfehlt werden würde. Diese bricht am Schluss völlig verzweifelt zusammen, als sie erkennen muss, wie ungeheuerlich mit ihr verfahren wurde.


    Wo ich etwas enttäuscht war (und da stimme ich mit dem Blogger überein), waren die Choreographien der Tänze. Das war zu wenig. Als Vergleichsmöglichkeit hatte ich die von mir vorgestellte DVD und dort sind die Tänze wirklich genial choreographiert.


    Seiner negativen Beurteilung der Sänger stimme ich ebenfalls nicht zu: Im Vergleich zu meiner DVD mit französischen Sängern waren die Soprane (La Follie, Thalie, nicht Juno) hier stimmlich besser, mit französischen Sopranen habe ich einige Schwierigkeiten, zu dünn, zu schrill in vielen Fällen die Stimmen.


    Wie ich bereits geschrieben habe, bin ich eigentlich mehr konservativ eingestellt, was den Stil von Operninszenierungen anbelangt. Trotzdem war der Gesamteindruck der Oper gestern absolut positiv, und so dürfte es fast dem gesamten Publikum ergangen sein, wenn ich den begeisterten Beifall bedenke. Ich würde sagen, im Wesentlichen bestand es aus Leuten, die genau diese Oper sehen wollten und die das Inszenierungskonzept im Gegensatz zum Rezensenten verstanden hatten. Laufpublikum (die Touris, wie wir Dresdner sagen, die dann mit ihren Handys herumfuhrwerken), habe ich in unserem (großen) einsehbaren Bereich nicht erblickt.


    „Einem Schlüsselwerk des französischen Barock wird diese Aufführung in keinem Augenblick gerecht“ (Zitat)


    Völlig falsche Einschätzung: Es ist wichtig, die in Dresden bisher vernachlässigte französische Barockoper einem Publikum näher zu bringen. Und das kann mit einer solchen Inszenierung ein Stückchen weit gelingen, die weder „dröge“ daherkam, noch in irgeneiner Form „langweilig“ war, sondern die, wie ich bereits geschrieben habe, bunt, einfallsreich und unterhaltsam war, und das ist schon sehr viel, denn im Allgemeinen hat die französische Barockoper bei vielen Musikfreunden genau diesen Ruf der absoluten Langweiligkeit ( bei mir vor einigen Jahren übrigens auch). Und bei dem Ergebnis toleriere ich auch einige Diskrepanzen sowie Dinge, die vielleicht noch besser gemacht werden könnten.


    Mit besten Grüßen Ramona1956

  • Der Rezensent hat nicht erkannt, dass Villazón sein Anliegen, nämlich aufzuzeigen, wie heute immer mehr auf Andersartigkeit, Andersdenken, sich nicht Anpassen, mit Mobbing reagiert wird.

    Hoffentlich saßen auch die Leute im Publikum, die die solche Aufklärung dringend nötig haben. Immerhin: Wer in einer Opernvorstellung sitzt, der kann nicht gleichzeitig auf öffentlichen Plätzen prügeln.

    Trotzdem war der Gesamteindruck der Oper gestern absolut positiv, und so dürfte es fast dem gesamten Publikum ergangen sein, wenn ich den begeisterten Beifall bedenke. Ich würde sagen, im Wesentlichen bestand es aus Leuten, die genau diese Oper sehen wollten und die das Inszenierungskonzept im Gegensatz zum Rezensenten verstanden hatten. Laufpublikum (die Touris, wie wir Dresdner sagen, die dann mit ihren Handys herumfuhrwerken), habe ich in unserem (großen) einsehbaren Bereich nicht erblickt.

    Endlich sind die Dresdner mal wieder unter sich. Touris raus! Liebe Ramona, wenn ich - was theoretisch denkbar ist - in der Semperoper in Deiner Sichtweite säße und nicht mit einem Handy "herumfuhrwerken" würde, woran würdest Du erkennen, dass ich in die Kategorie "Laufpublikum" gehöre?

    Es ist wichtig, die in Dresden bisher vernachlässigte französische Barockoper einem Publikum näher zu bringen.

    Das wird auch Zeit!

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

    Einmal editiert, zuletzt von Rheingold1876 ()

  • Dresden freut sich über jeden Besucher, der sich hier die zahlreichen Kunstschätze ansehen will, die wundervolle Landschaft erkunden will oder die vielen kulturellen Ereignisse, die in Dresden geboten werden (Musikfestspiele, Jazz- und Dixielandfestival, oder das Kammermusikfestival in Moritzburg, um nur einiges zu nennen) besuchen möchte. Diese Leute fuhrwerken dann natürlich nicht mit ihren Handy herum, klatschen in die Zwischensätze von Sinfonien und Konzerten oder in Liedgruppen hinein, so dass man sich vor den Künstlern regelrecht schämt. Übrigens wurde Dresden im vergangenen Jahr von ca. 2,2 Millionen Menschen aus dem In- und Ausland besucht.


    Immerhin: Wer in einer Opernvorstellung sitzt, der kann nicht gleichzeitig auf öffentlichen Plätzen prügeln.“ (Zitat Rheingold)


    Das ausgerechnet du nicht mitbekommen haben willst, wie öffentliche Meinung manipuliert wird, um Leute von bestimmten Problemen abzulenken, in ihnen falsche Denkweisen zu implementieren, allgemein nach dem alten Grundsatz zu handeln „divide et impera“, wundert mich jetzt doch, scheint aber bei dir offensichtlich gut funktioniert zu haben.


    Es ist wichtig, die in Dresden bisher vernachlässigte französische Barockoper einem Publikum näher zu bringen“

    Rheingold: „Das wird auch Zeit!“


    Oh, ich bin natürlich voll überzeugt, dass im Rest Deutschlands an den Opernhäusern ununterbrochen französische Barockopern aufgeführt werden! Da muss unser hinterwäldlerisches Dresden aber endlich nachziehen.


    Mit besten Grüßen

    Ramona1956

  • Wer in einer Opernvorstellung sitzt, der kann nicht gleichzeitig auf öffentlichen Plätzen prügeln.

    Diese Aussage paßt nicht zu Dir, lieber Rüdiger!!


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Lieber La Roche, so aus einem Zusammenhang gerissen, mutet der absichtlich zugespitzte Satz tatsächlich irritierend an. Wenn Du willst, dann schau noch mal nach, was ich als Entgegnung auf Ramona und im Zusammenhang geschrieben hatte. Worauf will ich hinaus? Ich höre oft von Regisseuren nach bestimmten Ereignissen, dass man nun erst recht dieses und jenes auf die Bühnen bringen und die Zuschauier aufrütteln müsse. Nur frage ich mich dann immer, ob tatsächlich auch jene im Publikum sitzen, die solcherlei Aufklärung bitter nötig haben. Ich zierte deshalb nochmal:


    Der Rezensent hat nicht erkannt, dass Villazón sein Anliegen, nämlich aufzuzeigen, wie heute immer mehr auf Andersartigkeit, Andersdenken, sich nicht Anpassen, mit Mobbing reagiert wird. Dies hat er sehr gut mit vielfältigen Einfällen, kleinen Handlungen der agierenden Personen dargestellt.

    Hätte ich im Publkum gesessen, mich hätte man nicht belehren müssen, was Andersartigkeit oder Andersdenken bedeutet. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich dann immer so, als hätte ich die Belehrung nötig. Warum soll ich mich dem aussetzen? Andererseits kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sich jenes Gesindel, das Nachilfe in menschlichem Verhalten dringend nötig hat, in Rameaus "Platée" verirrt. Gesindel, das auf öffentlichen Plätzen Menschen verprügelt - wie bekanntlich in jüngster Zeit auch in Sachsen geschehen. Wenn diese Leute aber - wie durch ein Wunder - doch ihren Abend in der Oper verbringen würden, dann könnten sie nicht prügeln. So habe ich das gemeint!



    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Gesindel, das auf öffentlichen Plätzen Menschen verprügelt - wie bekanntlich in jüngster Zeit auch in Sachsen geschehen.

    Politik wollen wir doch hier nicht loslassen, lieber Rüdiger. Aber bitte, deklariere nicht die Sachsen als die Bösen. Unangenehme Dinge passieren außerhalb Sachsens auch. In Bayern und BaWü, in Ungarn und Libyen, in Israel und USA.

    Hätte ich im Publkum gesessen, mich hätte man nicht belehren müssen, was Andersartigkeit oder Andersdenken bedeutet. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich dann immer so, als hätte ich die Belehrung nötig.

    Zu dieser Bemerkung, womit wir wieder im Theater sitzen, kommen wir eigentlich der ganzen Ideologie der Regie näher, nämlich dem Anspruch. Du fühlst - wenn ich Dich richtig verstanden habe - daß Du neuen Interpretationen bekannter Stoffe aufgeschlossen und erwartungsvoll gegenüber stehst, weil Du Dich als Schüler im Sinne von Faust sehen kannst. Du bekennst Dich dazu, auch ins Theater als Lernender zu gehen. Mit dieser Haltung gehe ich nicht ins Theater. Auch ich bin noch lernbegierig, will noch hinzuzulernen. Ich nutze dazu aber Dokus, Bücher, Vorträge u.a., aber nicht das Opernhaus. Höchstens, um eine neue Oper kennenzulernen, was ich in letzter Zeit häufig tat (Cinque Mars, Amleto, Oedipe ....). Ansonsten ist ein Oper- oder Konzertbesuch für mich der Wunsch, etwas nicht Alltägliches live zu erleben, mich an schönen Stimmen erfreuen zu können, dem Rausch der Musik zu erliegen. Eigentlich paßt das mehr irgendwo anders hin. Was solls.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Du fühlst - wenn ich Dich richtig verstanden habe - daß Du neuen Interpretationen bekannter Stoffe aufgeschlossen und erwartungsvoll gegenüber stehst, weil Du Dich als Schüler im Sinne von Faust sehen kannst. Du bekennst Dich dazu, auch ins Theater als Lernender zu gehen. Mit dieser Haltung gehe ich nicht ins Theater.

    Lieber La Roche, ist das jetzt ironisch gemeint? Ich gehe nie in der Erwartung in ein Theater, etwas zu lernen. Ich gehe hin, weil ich neugierig bin und ein bestimmtes Werk sehen und bestenfalls auch genießen möchte. Was die musikalische Seite in der Oper angeht, lasse ich mich meist überraschen. Ist das Niveau sehr gut, gehe ich umso vergnügter wieder nach Hause oder in das nächste Restaurant. :) Bin ich mit musikalischen Leistungen nicht zufrieden, legte ich mir anschließend eine CD auf, um wieder aus dem Kopf zu bekommen, was mir nicht gefiel. Allerdings habe ich nichts dagegen, wenn für ein Stück ungewöhnliche, aufregende und abenteuerliche szenische Lösungen angeboten werden. Von Theater als Lehranstalt, wie es Brecht vorschwebte, halte ich absolut nichts. Das funktioniert nämlich nicht, wie ich finde. Und wenn ein Regisseur glaubt, jemandem etwas lehren zu müssen, dann muss derjenige, den er verändern will, auch im Publikum sein.


    So weit liegen wir also nicht auseinander.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Lieber La Roche, ist das jetzt ironisch gemeint? Ich gehe nie in der Erwartung in ein Theater, etwas zu lernen. Ich gehe hin, weil ich neugierig bin und ein bestimmtes Werk sehen und bestenfalls auch genießen möchte. Was die musikalische Seite in der Oper angeht, lasse ich mich meist überraschen. Ist das Niveau sehr gut, gehe ich umso vergnügter wieder nach Hause oder in das nächste Restaurant

    Lieber Rüdiger,


    wie Du schon sagtest, wir liegen gar nicht weit auseinander. Auch ich habe noch die Neugier in mir, im Theater etwas Neues zu erleben, ein Stück, welches ich noch nicht kenne z.B. Ich will jetzt nicht wieder aufwärmen, daß mich Neuinterpretationen oder Regie nach bestimmten Konzepten vom Theater abhalten. Da ist es bei einem unbekannten Stück bei mir ganz anders. Meine Erste und bisher einzige "Frau ohne Schatten" war in Dresden (innerhalb weniger Wochen gleich 2x, einmal davon sogar mit Johan Botha), und die keinesfalls märchenhafte Inszenierung hat mich weniger gestört. In der Pause kam ich mit einer Nachbarin ins Gespräch, die seit 40 Jahren in Dresden die Oper besucht, und die fand die Inszenierung ganz furchtbar. Weil sie Inszenierungen kannte, die in ihren Augen eine märchenhafte Darstellung des Stoffes (der das durchaus zuläßt) als Grundlage hatten.

    Ich habe noch nie Manon, Faust (Gounod) oder Romeo et Juliette live gesehen, obwohl sie musikalisch bei mir ganz weit vorne sind. Meine innere Überzeugung verhindert aber, mir z.B. Faust anzusehen, der wie in Chemnitz vor Jahren auf einer Mülldeponie angesiedelt ist. Da bleibt meine Neugier aus.

    Salome oder Rigoletto uva. habe ich sicher schon 10x gesehen. Und das würde ich sofort wieder hingehen, um neue Sänger zu erleben. Aber nie, um Neudeutungen ansehen zu müssen.

    Und wenn ein Regisseur glaubt, jemandem etwas lehren zu müssen, dann muss derjenige, den er verändern will, auch im Publikum sein.

    Mit dieser Einstellung kann ich mich auch anfreunden. Es ist das, was z.B. Konwitschny in Leipzig machte. In Leipzig wurden extra Kurse abgehalten, in denen das geneigte Publikum sich auf eine Konwitschny-Oper vorbereiten konnte, um das zu verstehen, was er dem Zuschauer lehren wollte. Und das ist nicht mein Ding.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.