Il Turco in Italia, 2. Mai 2019, Zürich

  • Wenn ein exotischer Ausländer zu Rossinis Zeiten per Schiff nach Italien kam, dann prallten zwei Kulturen aufeinander. Regisseur Jan Philipp Gloger hat den Staub des über 200 Jahre alten Opera-Buffa weggefegt und blieb trotzdem ganz nahe am Libretto.

    In der neuen Zürcher Inszenierung ist der Türke zwar kein Exote mehr, da er schon länger im Lande ist, und der Zusammenprall der Kulturen geschieht erst, als dieser eine Wohnung in der direkten Nachbarschaft der kapriziösen Donna Fiorilla (Julie Fuchs) und ihrem langweiligen Ehemann Don Geronimo (Renato Girolami) bezieht. Das Spiel mit diversen Klischeevorstellungen sowohl der Einheimischen gegen den Türken (Nahuel Di Pierro) wie auch umgekehrt wird auf die Spitze getrieben und liebevoll parodiert. Der neue Nachbar bedient alle gängigen Vorurteile und Ressentiments: Glutaugen, schwarze Jogginghose von Adidas, Sneakers, Lederjacke. Er legt sich natürlich mit dem eifersüchtigen Ehemann Fiorillas an, hat aber dummerweise nicht damit gerechnet, das seine eigene bessere Hälfte ihm nachreist und nicht so einfach freigibt. Don Narciso (Edgardo Rocha) wiederum hat ein Auge auf Donna Fiorilla geworfen, aber keinerlei Chancen gegen den türkischen Charmebolzen, was ihn ganz schön wütend macht. Ein weiterer Nachbar, der Komödienschreiber Prosdocimo (Pietro Spagnoli) sucht verzweifelt nach einer guten Vorlage für ein neues Stück und greift die Geschehnisse in seiner Umgebung auf und arrangiert sie so, dass sie taugen für viel Konfusion, Verwechslungen, Missverständnisse und Vorurteile. So entsteht als eine Art Selbstpersiflierung der Komödie eine Komödie über die Komödie.

    Nahuel Di Pierro spielt und singt den Türken wunderbar mit weichem Bass und überhaupt nicht machohaft. Kein Wunder, dass er die Begierde der der von ihrem Ehemann vernachlässigten Donna Fiorilla weckt. Julie Fuchs gibt zwar ihr Rollendebut, aber sie singt mit ihrer perlenden Stimmen die Koloraturen so mühelos, als wäre es seit Jahren ihre Paraderolle. Edgardo Rocha hat schon in vielen Opern bewiesen, dass er zu den besten Rossini Tenören gehört. Diese drei Sänger hatten bereits in „Viaggio a Reims“ für ein musikalisches Feuerwerk gesorgt und gehören seitdem zu den Lieblingen der Zürcher Publikums und wurden allen hochgesteckten Erwartungen gerecht. Das Publikum hatte allen Grund nach der rundum gelungenen Vorstellung diesen Opernabend zu bejubeln. Weil es so schön war, habe mir gerade eben nochmals Karten für eine der folgenden Vorstellungen besorgt



    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard


  • Lieber Souffleur, Dank für Bericht und Trailer. Das sieht wirklich nach einer flotten Komödie aus! Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • ich habe heute am 26. Mai zum zweiten mal diese Inszenierung gesehen (die achte Vorststellung), Das Team ist eingespielt, die Pointen sitzen ganz toll und alles wirkt locker und leicht. Sehr viel Spass bei allen Künstlern mit. Das Haus war bis auf einige Hörplätze total ausverkauft

    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard