Pianisten der Vergangenheit - die leider (fast) vergessen sind

  • Trotzdem möchte ich hier noch einen der ganz Großen der Pianistenzunft vorstellen, der eigentlich einen eigenen Thread verdient hat. Doch ich fürchte, der würde wohl schon nach wenigen Beiträgen gleich versanden. Vielleicht gibt es hier ein etwas breiteres Interesse. Und zwar ist es


    Stefan Askenase

    Bildergebnis für stefan askenase

    geboren am 10. Juli 1896 in Lemberg (heute: Lwów), gestorben am 18. Oktober 1985 in Bonn.


    Askenase kam in einer musikalischen Familie zur Welt. Ersten Unterricht erhielt er im Kindesalter von seiner Mutter, die eine Schülerin von Karol Mikuli war. Dieser hatte seine musikalischen Künste bei keinem Geringeren als Frédéric Chopin erlernt. Im jungen Erwachsenenalter geht Askenase nach Wien und vervollkommnet sich an der dortigen Musikakademie bei dem Liszt-Schüler Emil Sauer.

    Gleich zu Beginn seiner Karriere als Pianist wird er als Chopin-Interpret bekannt. Er reist durch ganz Europa und gibt in zahlreichen Städten Konzerte, die ihm rasch einen Namen eintragen. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs und dem Zerfall der Donaumonarchie widmet er sich vornehmlich der Unterrichtstätigkeit: 1922-1925 am Konservatorium in Kairo, nach einer Pause dann von 1937 bis 1940 am Konservatorium in Rotterdam. Wegen seiner jüdischen Herkunft kann er seine Tätigkeit nicht fortsetzen. Was er in den Jahren der Nazi-Herrschaft im einzelnen gemacht hat, ist nicht genau bekannt. Ich konnte es jedenfalls nicht ermitteln.

    Nach dem 2. Weltkrieg nimmt er seine Konzerttätigkeit wieder auf und lehrt auch wieder, und zwar von 1954 bis 1961 am Konservatorium in Brüssel. Seine wohl berühmtesten Schüler waren Martha Argerich und André Tschaikowsky.

    Seit der Mitte der 1950er Jahre ist er Exklusiv-Künstler der Deutschen Grammophon Gesellschaft und nimmt für diese Firma zahlreiche Platten auf, vor allem Werke seines Landsmannes Chopin. 1966 läßt er sich dauerhaft in Bonn nieder. Von dort unternimmt er weiterhin Konzertreisen in alle Welt, tritt aber besonders häufig in Köln und Bonn auf. Seine Konzerte sind immer Ereignisse und werden von unzähligen Musikliebhabern geschätzt. Zumindest in Europa genießt er zu dieser Zeit einen ähnlichen Ruhm wie sein Landsmann Artur Rubinstein. Gleich ihm gilt er als ein Chopin-Interpret par excellence.

    Nach einem Konzert im ehemaligen Bahnhof Rolandseck, der zum Kulturzentrum umgestaltet wurde, stirbt Stefan Askenase völlig unerwartet einen Tag später im hohen Alter von 89 Jahren in seiner Bonner Wohnung.

    Leider wurde der großartige Künstler bald nach seinem Tod von seiner Plattenfirma sträflich vernachlässigt. Seine Platten verschwanden sang- und klanglos vom Markt, und auf CD war er lange Jahre nur mit einigen belanglosen Stücken (auf Sammel-Ausgaben) vertreten.

    Inzwischen hat die DGG immerhin eine 7 CD-Box mit seinen Aufnahmen der 50er Jahre aufgelegt:

    Sie enthält fast ausschließlich Musik von Frédéric Chopin, so z.B. die Walzer, die Nocturnes, die Préludes, die Sonate Nr. 2 und das Klavierkonzert Nr. 2 (mit den Berliner Philharmonikern, Dirigent: Fritz Lehmann). Aber auch eine Mozart-Sonate (Nr. 17) ist dabei, sowie einige Stücke von Mendelssohn, Smetana und Liszt. Alles Mono-Produktionen, die aber klanglich durchaus anhörbar sind.

    Neben etlichen anderen Werken gibt es vom Chopin-Konzert Nr. 1 sogar eine Stereo-Aufnahme:

    Chopin: Klavierkonzert Nr. 1 e-moll / Krakowiak: Grosses Konzert-Rondo F-dur op. 14 [Vinyl LP] [Schallplatte]

    mit dem Residentie Orkest Den Haag, Dirigent: Willem van Otterloo (Aufnahme: 7/1959, Concertgebouw, Amsterdam).

    Sie wurde in Japan sogar auf CD überspielt, leider ist die Ausgabe aber z.Zt. vergriffen.


    Die DGG hat in den späten 1960er Jahren zahlreiche Askenase-Aufnahmen auf ihrem Billig-Label HELIODOR wieder veröffentlicht, diese sind z.T. gebraucht noch im Handel erhältlich. Eine Vielzahl davon befindet sich in meiner LP-Sammlung.


    Es bleibt zu wünschen, daß diesem großen Künstler irgendwann eine würdige Gesamtausgabe seiner umfangreichen Aufnahmetätigkeit gewidmet wird.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

    Einmal editiert, zuletzt von nemorino ()

  • meine Befürchtungen haben sich leider erfüllt: Cor de Groot ist so gut wie vergessen! Bisher jedenfalls ist die Resonanz Null, und daran wird sich wohl auch nichts ändern.

    Ähnlich ist es vor ein paar Wochen gegangen, als ich die Pianisten Jakob Gimpel und Conrad Hansen hier ins Gespräch gebracht habe.

    Lieber Nemorino,


    Conrad Hansen sagt mir etwas. Denn er ist vor 1945 in Danzig aufgetreten und hat dort die Beethoven-Klaviersonaten gespielt. Mein Vater als Gymnasiast hat sich damals die Karten besorgt und ihn gehört! Leider habe ich glaube ich keine Aufnahme von ihm, da müsste ich mal schauen. Von Jakob Gimpel habe ich eine Aufnahme der Chopin Sonate op. 35 (mit dem Trauermarsch). Das ist auch noch so ein liegengebliebenes Projekt von mir. Ich habe von Privatleuten Sachen bekommen von kaum bekannten Pianisten. Das muss ich auch noch weitermachen. Cor de Groot kenne ich nur dem Namen nach!

    Trotzdem möchte ich hier noch einen der ganz Großen der Pianistenzunft vorstellen, der eigentlich einen eigenen Thread verdient hat. Doch ich fürchte, der würde wohl schon nach wenigen Beiträgen gleich versanden. Vielleicht gibt es hier ein etwas breiteres Interesse. Und zwar ist es


    Stefan Askenase

    Die DGG-Box mit Stefan Askenase habe ich. Warum machst Du nicht einen Stefan Askenase-Thread auf? Er war ja neben Rubinstein der, welcher einen "modernen", männlichen Chopin-Stil etablierte. Ich schätze ihn sehr. Er war es übrigens, der Martha Argerich für den Chopin-Wettberwerb vorbereitete, den sie dann gewann. Sie war sehr eng mit dem Ehepaar Askenase ein Leben lang befreundet und eine ihrer Töchter trägt den Namen von Askenases Frau, zu der sie ein besonders inniges Verhältnis hatte. Er lebte in Köln und trat auch in Düsseldorf auf. Leider habe ich ihn verpasst im Konzert zu hören!


    Übrigens ist gerade diese CD neu erschienen:



    Liebe Grüße

    Holger

  • Conrad Hansen sagt mir etwas. Denn er ist vor 1945 in Danzig aufgetreten und hat dort die Beethoven-Klaviersonaten gespielt. Mein Vater als Gymnasiast hat sich damals die Karten besorgt und ihn gehört!


    Lieber Holger, guten Abend!


    Conrad Hansen war vor dem Krieg und danach bis ca. 1960 ein gefragter Pianist, der zahlreiche Solokonzerte gegeben und mit vielen bekannten Dirigenten dieser Zeit zusammen konzertiert hat.

    Wenn ich Deinen Satz richtig interpretiere, bist Du wohl der Sohn eines gebürtigen Danzigers und damit im weiteren Sinn ein Mitbürger von Günter Grass :). Hast Du die Stadt Deiner Vorfahren einmal besucht? Danzig ist ja, ganz im Gegensatz zu Königsberg, aus der einer meiner engen Freunde stammt, nach dem 2. Weltkrieg wieder sehr schön im alten Stil wieder hergerichtet worden. Breslau übrigens auch.


    Cor de Groot kenne ich nur dem Namen nach!

    Dieser Pianist hat nach dem Krieg, vor allem bei PHILIPS, viele Aufnahmen gemacht. Einige davon haben sich bis heute erhalten, teils auf LP, zum kleineren Teil auf CD, wie ich weiter oben ausgeführt habe.

    Ich bin auf diesen Künstler durch eine alte Kritik aus dem Jahr 1959 gestoßen, da hieß es zu Beethovens 5. Klavierkonzert: "Ich komme nun zu der Aufnahme von Cor de Groot (Philips), die von einzigartiger menschlicher Wärme durchflutet ist; farbig und nobel im Anschlag, dabei voller Elan, vermittelt sie vollendet die großartige Einfachheit dieses Werkes. Wie der Pianist im zweiten Satz in das weihevolle Halbdunkel plötzlich das Rembrandt-Licht hereinbrechen läßt, das ist überwältigend."

    Obwohl ich das Konzert bereits in zwei Versionen auf LP hatte (Kempff/van Kempen, Backhaus/Krauss), hat mich dieser Satz neugierig gemacht, und so habe ich die Platte gekauft. Es ist wirklich eine sehr schöne, feinsinnige Aufnahme, obwohl sicher auch andere Pianisten das "Rembrandt-Licht" aufleuchten zu lassen verstehen. Aber es ist in der Tat eine besonders schöne, liebevoll gestaltete Interpretation, wozu auch der Dirigent Willem van Otterloo seinen Teil beiträgt.

    Warum machst Du nicht einen Stefan Askenase-Thread auf?

    Ich hatte das eigentlich vor, aber die Resonanz auf diese heute kaum noch dem breiten Musikpublikum bekannten Künstler ist m.E. so gering, daß ein eigener Thread kaum die Chance hätte, es auf mehr als fünf Einträge zu bringen. Bis jetzt hat sich auch hier außer Dir keiner gemeldet. :(

    Übrigens ist gerade diese CD neu erschienen:

    Danke für den Hinweis! Ich habe Elly Ney bei einem Bonner Beethovenfest (1964 oder 1966?) noch persönlich erleben dürfen. Ein unvergeßlicher Abend! Die alte Dame, sie war damals schon über die 80, hat das "Emperor"-Konzert gespielt; man hätte fast meinen können, der Komponist selber säße am Klavier. Ich war mit einem Freund dort, wir waren so beeindruckt, daß wir fast vergessen haben Beifall zu klatschen. Wir haben in ihr nur die Kunstpriesterin gesehen, die völlig in ihr Spiel und das Werk versunken war. So etwas bleibt ein Leben lang in der Erinnerung ….


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Hallo Nemorino,


    ich finde es sehr schön, dass Du die ‚vergessenen‘ Pianisten aufführtest. Schuld an der Misere des Vergessens sind teilweise auch die Musikkritiker wie Joachim Kaiser, welcher IMO wunderbare Pianisten einfach ignorierte : z.B. Shura Cherkassky, Nikita Magaloff, Philippe Entremont, Cyprien Katsaris.

    Andere wiederum lebten nur sehr kurz: Youri Egorov, Andrei Nikolsky und Mihaela Ursuleasa.


    Ich habe die Askenase-Box auch und erlebte ihn als Schüler live in der Düsseldorfer Tonhalle mit einem seiner letzten Recitals (Mozart, Chopin). Er wird von mir nie vergessen werden !


    LG Siamak

  • Hallo wok,


    …. meine Befürchtungen haben sich leider erfüllt: Cor de Groot ist so gut wie vergessen! Bisher jedenfalls ist die Resonanz Null, und daran wird sich wohl auch nichts ändern.

    Ähnlich ist es vor ein paar Wochen gegangen, als ich die Pianisten Jakob Gimpel und Conrad Hansen hier ins Gespräch gebracht habe. Auch diese Künstler, die ähnlich wie Cor de Groot bis in den Anfang der 1960er Jahre in jedem klassischen Plattenkatalog Erwähnung fanden, sind inzwischen völlig aus dem Blickfeld der Musikfreunde verschwunden. Das mag man bedauern, zu ändern ist es wohl nicht.

    Lieber Nemorino,


    Über CONRAD HANSEN hatte ich bereits am 15.06.2013 einen Beitrag wie folgt verfaßt:


    "CONRAD HANSEN zählte absolut zu den großen Pianisten seiner Zeit und vertrat noch die alte deutsche Pianisten-Schule eines EDWIN FISCHER, dessen Schüler er war. Gewiß hatte er gegen die schon arrivierten und ganz berühmten Pianisten-Kollegen wie BACKHAUS, ANDA, GIESEKING, KEMPFF, ERMANN, BENEDETTI MICHELANGELI, CORTOT etc. einen schweren Stand.


    Als Wunderkind hatte er zumindest im norddeutschen Raum sehr schnell auf sich aufmerksam gemacht. Bereits mit 10 Jahren gab er sein erstes öffentliches Konzert. 1927 debutierte er als 21-Jähriger in einem Konzert mit den BERLINER PHILHARMONIKERN unter ihrem damaligen Chefdirigenten WILHELM FURTWÄNGLER, mit denen er in der Folge noch öfter als Solist konzertierte. Weltweit berühmt wurde er dann mit seiner Aufname von BEETHOVEN'sKlavierkonzert Nr. 4 mit den BERLINER PHILHARMONIKERN unter WILHELM FURTWÄNGLER, in dem er sich mit den musikalischen Interpretationsintentionen durch den berühmten Dirigenten ganz auf einer Linie bewegt.


    CONRAD HANSEN, den ich in den 50er Jahren auch sehr oft in Rundfunkkonzerten hörte, war auch für andere Dirigenten ein sehr gesuchter und geschätzter Solist. So gab er u. a. Konzerte mit EUGEN JOCHUM, JOSEF WILLEM MENGELBERG, HERBERT VON KARAJAN, ISTVÁN KERTÉSZ, WOLFGANG SAWALLISCH, FERENC FRICSAY, und sogar RICHARD STRAUSS.


    CONRAD HANSEN spielte auch BEETHOVEN-Sonaten ein (Sonate op. 10,1, op. 101, op. 111) , wie auch die BRAHMS-Sonate op. 5, und auch MOZART-Sonaten, und war ein exzellenter Kammermusiker. So gründete er auch sein "HANSEN-TRIO" und nahm mit ERICH RÖHN und ARTHUR TROESTER SCHUBERT's Klaviertrio Es-Dur auf, ebenso wie DVORAK's Dumsky-Trio, mit RÖHN, DOBERITZ und TROESTER nahm er BRAHM's Klavierquartett op. 25 auf, und vieles andere mehr.


    Man schätzte an CONRAD HANSEN besonders dessen Verschmelzung von kluger Getaltung, Herausarbeitung der Zusammenhänge, Reflexion und Sinnlichkeit zu einer wunderbaren Einheit. Besonders verbunden fühlte er sich wohl mit der Musik BEETHOVENs und BRAHMS. So wurde er u. a. mit der "Johannes-Brahms-Medaille der Hansestadt Hamburg" ausgezeichnet.


    CONDRAD HANSEN genoß auch weltweiten Ruhm als Musikpädagoge. Bis ins hohe Alter unterrichtete er und gab Kurse in Hamburg (1960 Nachfolger von EDUARD ERDMANN !!) und an der Lübecker Musikhochschule. Er war übrigens auch Mitbegründer der angesehenen Hochschule für Musik in Detmold."



    Ich wurde auf CONRAD HANSEN erstmals in den 50er Jahren aufmerksam, als er des öfteren Im Rundfunk vor allem mit BEETHOVEN zu hören war. Er setzte ja die gute alte deutsche Pianistentradition eines EDWIN FISCHER, zu dem er nach dem 1. Weltkrieg, 22 Jahre jung, kam, nachdem er bereits im Alter von 10 - 12 Jahren so schwierige Stücke wie die Pathetique, die Liszt-Rhapsodie und SCHUBERT's Wandererfantasie pianistisch beherrschte, der ihm immer wieder predigte, daß es bei den Interpretationen vor allem darauf ankomme, was hinter den Noten steht. Auch lernte HANSEN von ihm ein wunderbares Legatospiel. Großen Wert legte EDWIN FISCHER auch immer auf die Tonbildung und die Fingersätze, womit sich HANSEN dann später besonders beschäftiigte und für die BEETHOVEN-Sonaten extra Fingersätze ausarbeitete, die er dann auch dem Verlag Henle unterbreitete.


    Man kann sagen, daß BEETHOVEN und BRAHMS im Zentrum seines Wirkens standen. Vor allem in den 50er Jahren entstanden mit ihm doch eine Reihe wichtiger Einspielungen, wie für Telefunken Kammermusik von SCHUBERT und DVORAK, für die DGG Sonaten von MOZART - gespielt auf einem Hammerflügel), für Ariola-Eurodisc BEETHOVEN's Klavierkonzerte Nr. 1 und 3. Viele BEETHOVEN-Aufnahmen und Einspielungen zeitgenössischer Werke existieren auch in den Archiven deutscher Rundfunkanstalten.


    CONRAD HANSEN zeigte sich ziemlich kritisch und skeptisch gegenüber Auftritten jüngerer Pianisten, die nach seiner Meinung oft zu schnell und laut spielen würden. Unter den Sängern, die er begleitete, schätze er ganz besonders KARL ERB und MARIA IVOGRÜN: Besonders verehrte die verinnerlichte Spielkunst eines PABLO CASALS


    Viele Grüße

    wok

    .

  • Hallo Nemorino,


    Was Du da beklagst, kann ich nur unterschreiben. Wirtschaftliches Denken und Gewinnstreben gilt eben leider auch für die Plattenindustrie, und diese orientiert sich eben an der Nachfrage der heutigen Käufer, wobei die jüngeren unter ihnen kaum noch Interpreten der alten Schule kennen, und leider oft nicht einmal mehr dem Namen nach.

    Ein von Dir genannter Name ist für mich aber ein Begriff, nämlich BRONISLAW GIMPEL, der Bruder des berühmten Pianisten JAKOB GIMPEL, der wohl auch nur noch einigen Insidern bekannt ist. Für das Spiel BRONISLAW GIMPELs konnte ich mich schon in meiner frühen Jugend begeistern. Über ihn habe ich wiederholt in unserem Forum berichtet, und am 23.06.2013 sogar einen Thread gestartet mit dem Titel:


    "BRONISLAW GIMPEL, einer der ganz großen Geiger des 20. Jahrhunderts, den es neu zu entdecken gilt"


    Vielleicht kannst Du diesen Beitrag ja einmal bei Interesse nachlesen.


    Daraus geht auch hervor, daß seine Einspielung von BEETHOVEN's Violinkonzert und der beiden Violin-Romanzen mit den BAMBERGER SYMPHONIKERN unter HEINRICH HOLLREISER für mich einen besonders hohen Stellenwert einnimmt, und für mich Referenzstatus hat


    (Erster Satz)


    Bei Amazon gibt es davon noch ein gebrauchtes Exemplar für 12 € (mono)


    Du bist also nicht allein mit Deinem Interesse für BRONISLAW GIMPEL !!


    Viele Grüße

    wok

  • Lieber Nemorino,


    Auch mit Deiner Verehrung von STEFAN ASKENASE bist Du nicht allein. Für mich ist er für CHOPIN der große Poet am Klavier, vor allem wenn es um seine Nocturnes und Walzer geht!!. Unter dem Thread-Titel "Chopin-Pianisten von gestern" schrieb ich am 24.08.2014 einen ausführlichen Betrrag über ASKENASE, auch schon am 02. 02. 2013 unter "CHOPIN Klavierkonzerte 1 & 2", und in einem anderen Beitrag schrieb ich über STEFAN ASKENASE:


    "Und STEFAN ASKENASE eiinfach in seinem Buch (Kaiser) zu unterschlagen, geht schon gar nicht. Er galt jahrzehntelang als der große Poet des CHOPIN-Spiels, und ich liebte seine introvertierte Art wie er diese Musik spielte. Aber nicht nur Joachim Kaiser hat ASKENASE vergessen, sondern auch in der Nachwelt spielt er ähnlich wie VÁSÁRY nicht mehr die Rolle, die ihm eigentlich gebührt. Deshalb ist es ganz wichtig, daß sich immer wieder Melomanen auch heute noch finden, die diesen großen Künstlern durch immer neue Hinweise auf deren Lebenswerk Gerechtigkeit widerfahren lasen.


    Ein ähnliches Schickal des Vergessens trifft ja auch die ebenfalls von mir sehr hoch eingeschätzten CHOPIN-Spieler WILOLD MALCUZYNSKY (Mazurken und Polonaises!!!) und PETER FRANKL (Konzertrondo "Krakowiak" und "Andante Spianato et Grande Polonaise op. 22") Auch über diese schrieb ich in meinem Beitrag "CHOPIN-Pianisten von gestern" am 24.08.14.


    Auf ELLY NEY komme ich später noch zurück!


    Viee Grüße

    wok

  • Wenn ich Deinen Satz richtig interpretiere, bist Du wohl der Sohn eines gebürtigen Danzigers und damit im weiteren Sinn ein Mitbürger von Günter Grass :) . Hast Du die Stadt Deiner Vorfahren einmal besucht? Danzig ist ja, ganz im Gegensatz zu Königsberg, aus der einer meiner engen Freunde stammt, nach dem 2. Weltkrieg wieder sehr schön im alten Stil wieder hergerichtet worden. Breslau übrigens auch.

    Lieber Nemorino,


    mein Vater und meine Mutter stammen aus Danzig - kennengelernt haben sie sich allerdings erst in Kiel nach dem Krieg. Günter Grass ist derselbe Jahrgang wie mein Vater (1927) und stammte ebenfalls aus Danzig-Langfuhr und war auf demselben Gymnasium - in einer Parallelklasse. Ich habe vor Jahren mit meinem Vater zusammen Danzig besucht und wir haben all die Orte, wo er gewohnt hat, wo er zur Schule ging etc., abgewandert. Wir waren natürlich auch in der Straße in Langfuhr, wo das Geburtshaus von Günter Grass steht. Sie haben ihm da ein Denkmal errichtet. Ein Klassenkamerad von meinem Vater war der SPD-Politiker Horst Ehmke. Schon damals, als Schüler, erzählt mein Vater, wollte er Politiker werden. Er wollte allerdings von seinen alten Klassenkameraden nichts wissen und hat auf Anschreiben nicht reagiert. Lustig: Eines Tages rief ein Klassenkamerad an, der in Köln wohnte, weil in der Zeitung ein Artikel stand, dass der Trainer des Bundesligisten 1. FC Köln gefeuert wurde: Rudi Schlott. Dann rief der Rudi Schlott an - er war tatsächlich der alte Klassenkamerad und sagte spontan: "Ich dachte, Du wärst schon längst tot!" Noch so eine Geschichte: Eine Mitstudentin sagte mir einmal, dass unser Germanistikprofessor auch aus Danzig stamme. Er fuhr öfters mit mir im Zug, weil er in Düsseldorf-Oberkassel wohnte. Ich sprach ihn darauf an und es stellte sich heraus, dass er meinen Vater kannte, weil sie zusammen als Gymnasiasten bei der Flak eingezogen waren. Mein Vater portraitierte die Offiziere und das hatte er behalten. Sie sind bis heute eng befreundet - er hält Vorträge über die Danziger Dichter und mein Vater anschließend über Danziger Maler. Wie klein die Welt ist...

    Ich hatte das eigentlich vor, aber die Resonanz auf diese heute kaum noch dem breiten Musikpublikum bekannten Künstler ist m.E. so gering, daß ein eigener Thread kaum die Chance hätte, es auf mehr als fünf Einträge zu bringen. Bis jetzt hat sich auch hier außer Dir keiner gemeldet.

    Die "Nocturnes" von Chopin waren eine sehr verbreite Aufnahme von ihm - in meinem Elternhaus gab es auch die LPs. Dann werde ich mal den Thread aufmachen...

    Danke für den Hinweis! Ich habe Elly Ney bei einem Bonner Beethovenfest (1964 oder 1966?) noch persönlich erleben dürfen. Ein unvergeßlicher Abend! Die alte Dame, sie war damals schon über die 80, hat das "Emperor"-Konzert gespielt; man hätte fast meinen können, der Komponist selber säße am Klavier. Ich war mit einem Freund dort, wir waren so beeindruckt, daß wir fast vergessen haben Beifall zu klatschen. Wir haben in ihr nur die Kunstpriesterin gesehen, die völlig in ihr Spiel und das Werk versunken war. So etwas bleibt ein Leben lang in der Erinnerung ….

    Toll! Mein Vater hat Elly Ney auch erlebt - meinte, im hohen Alter war sie eine etwas seltsame Erscheinung, ziemlich ins Mystische abgedreht. Er hat auch noch Walter Gieseking gehört (ein unglaublich leichter, hauchzarter Anschlag, erinnert er sich), Monique Haas ("eine echte Pariser Dame"), die sehr viel für die Verbreitung von Debussy und Ravel in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg tat und auch Geza Anda. :hello:


    Herzlich grüßend

    Holger

  • Schuld an der Misere des Vergessens sind teilweise auch die Musikkritiker wie Joachim Kaiser

    Hallo Siamak,


    das ist ein wahres Wort. Ich wollte gestern in meinem Eintrag zu Stefan Askenase noch schreiben, daß Kaiser ihn in seinem berühmten Buch mit keiner Silbe erwähnt, wie auch die von Dir genannten Künstler, und noch einige mehr. Dabei zählten die praktisch alle zu der Zeit, als es erstmals erschien, zu weltweit anerkannten und berühmten Pianisten.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Zitat von Nemorino

    Hallo wok,


    …. meine Befürchtungen haben sich leider erfüllt: Cor de Groot ist so gut wie vergessen! Bisher jedenfalls ist die Resonanz Null, und daran wird sich wohl auch nichts ändern.

    Ähnlich ist es vor ein paar Wochen gegangen, als ich die Pianisten Jakob Gimpel und Conrad Hansen hier ins Gespräch gebracht habe. Auch diese Künstler, die ähnlich wie Cor de Groot bis in den Anfang der 1960er Jahre in jedem klassischen Plattenkatalog Erwähnung fanden, sind inzwischen völlig aus dem Blickfeld der Musikfreunde verschwunden. Das mag man bedauern, zu ändern ist es wohl nicht.

    Hier hat er aber (inzwischen) wieder Einzug gehalten:^^


    Erinnerungen an Verstorbene und Geburtstags-Glückwünsche an lebende Musiker, Buch II


    und ich werde am 7. Juli ganz gewiss an seinen 115. Geburtstag denken.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Diese wunderbare Box mit den fünf KK Beethovens mit Cor de Groot unter Willem von Otterloo habe ich inzwischen entdeckt:



    Vorher nichts von ihr gewusst zu haben, war sicher ein Verlust.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Zitat von Nemorino:


    "Ich habe Elly Ney bei einem Bonner Beethovenfest (1964 oder 1966?) noch persönlich erleben dürfen. Ein unvergeßlicher Abend! Die alte Dame, sie war damals schon über die 80, hat das "Emperor"-Konzert gespielt; man hätte fast meinen können, der Komponist selber säße am Klavier. Ich war mit einem Freund dort, wir waren so beeindruckt, daß wir fast vergessen haben Beifall zu klatschen. Wir haben in ihr nur die Kunstpriesterin gesehen, die völlig in ihr Spiel und das Werk versunken war. So etwas bleibt ein Leben lang in der Erinnerung …."




    Lieber Nemorino,

    Lieber Holger,


    Auch ich durfte ELLY NEY noch persönlich erleben, und zwar 1962 im Huttensaal in Würzburg, wo sie - wen wundert es - BEETHOVEN-Sonaten spielte. Auch für mich war dies ein überwältigendes Erlebnis, und ich habe darüber ausführlich in einem Beitrag vom 07.12. 2014 unter dem Thread-Titel "Verblassender Ruhm von Interpreten - Vol 2 - Die Instrumentalsolisten" berichtet, und über diese außergewöhnliche Pianistin auch noch einige kleinere Beiträge geschrieben. Damit Du nicht lange suchen mußt, drucke ich hier nochmals den Text meines Hauptbeitrags ab:


    • "Ich glaube, kein anderer Pianist, und keine andere Pianistin, hat sein bzw. ihr Lebenswerk so umfassend und leidenschaftlich BEETHOVEN gewidmet wie ELLY NEY. Es war ihr auch ein großes Anliegen, die Jugend für BEETHOVEN und klassische Musik im allgemeinen zu gewinnen, und so hielt sie auch immer wieder Vorträge über diesen Komponisten und sein Schaffen, und auch in Konzerten erläuterte sie oft die von ihr interpretierten Werke, um diese den Zuhörern nahezubringen. Bei der Lektüre ihres Buches "Ein Leben für die Musik" begreift man, wieviel BEETHOVEN ihr bedeutete, und wer sie bei ihren Konzerten erlebte, der wird die Aura, die von ihr unmittelbar ausging, ebensowenig vergessen, wie ihre leidenschaftliches Spiel selbst. Und wenn man sie am Flügel agieren sah, dann konnte man schon meinen, der leibhaftige BEETHOVEN selbst säße da, zumal sie auch physiognomisch eine frappierende Ähnlichkeit mit diesem aufwies, wenn man einmal von ihrer weißen "Mähne" absah.


      Ich erlebte ELLY NEY in einem Vorweihnachtskonzert 1962 in Würzburg, als sie im großen überfüllten Huttensaal ein BEETHOVEN-Konzert gab, in dem die damals 80-Jährige seine Sonaten Nr. 12 As-dur op. 26, Nr. 23 f-moll op. 57 und Nr. 32 c-moll op. 111 zu Gehör brachte. Sie abolvierte diese so fordernde Werkfolge auch in diesem Alter souverän und musizierte ihren BEETHOVEN immer noch mit der gleichen Selbstdisziplin und er gleichen Selbstkontrolle, die man von ihr gewohnt war, und wohl jeder war fasziniert von der schier unerschöpflichen Kraft, die sie vermittelte, und dem unbeschreiblichen Fluidum, das sie unmittelbar verbreitete, und dies, obwohl ihr Spiel und ihr Auftreten bar jeder starhaften Allüren oder applausheischenden Effekte war. So einfach wie sie sprach und sich gab, und so in sich versunken sie am Flügel saß, so spielte sie auch, äußerlich, doch mit ergreifender Größe und Tiefe. Für den nicht enden wollenden Applaus bedankte sie sich dann auch noch mit dreii Zugaben, und zwar mit Variationen des op. 34, sowie mit dem von ihr beonders geliebten Rondo op. 129, der "Wut über den verlorenen Groschen", und nachdem der Beifall gar kein Ende finden wollte, verabschiedete sie sich dann endgültig augenzwinkernd mit BRAHMS' "Guten Abend, gute Nacht"!! Ein unvergeßlicher Musikabend!


      Schon als ELLY NEY am 15. Oktober 1921 in der dichtgefüllten CARNEGIE HALL ihr erstes Konzert in den USA mit einem reinen BEETHOVEN-Programm gab, konnte sie ihr Publikum mit ihrem Spiel nachhaltig beeindrucken, und eine der Pressestimmen lautete: "Die Sensation der beginnenden Musiksaison war das amerikaschine Debüt von ELLY NEY in der CARNEGIE HALL. Die ganze musikalische Welt, von der Primadonna und dem Impressario bis zum Klavierfabrikanten und Schallplattenmagnaten, füllten den Saal... Elementares Feuer ist in ihrer Interpretation, Brillanz und Kraft in ihrer Gestaltung....Sie spielte die Hammerklaviersonate mit Einfühlungsvermögen, wenn nicht gar mit der Leidenschaft des alten RUBINSTEIN...Mit jeder Saison kommen und gehen Pianisten. Aber Frau NEY ist eine von denen, mit denen man rechnen muß..."


      Ich bin sicher, daß der Name ELLY NEY noch über viele Jahrzehnte zumindest für alle BEETHOVEN-Verehrer einen besonderen Klang haben, und diesen im Gedächtnis bleiben wird. Auf meinem Flügel steht bereits seit Jahrzehnten ein von ihr signiertes Original-Foto, und auch auf diesem Foto erinnert mich die schon greise Pianistin nicht nur an das mit ihr erlebte denkwürdige Konzert, sondern an BEETHOVEN selbst.

      wok"

    Zumindest zu diesem Zeitpunkt erschien mir die damals 80-Jährige ELLY NEY noch voller Kraft und Leidenschaft, hellwach, konzentriert und präsent, gewiß stets etwas in sich versunken und alle Sinne auf ihren Gott BEETHOVEN fokussiert. Allerdings eine Erscheinung wie aus einer anderen Welt und physiognomisch fast erschreckend an BEETHOVEN, so wie man ihn von Bildern kennt, und wie man sich ihn vorstellt, erinnernd!


    Ich werde diese große Künstlerin - Ihre Erscheinung und natürlich vor allem auch ihr Spiel - nie vergessen.


    Viele Grüße

    wok





  • Hallo Willi,


    Vielen Dank für Deinen Kommentar zu meinem Problem mit dem "bearbeiten".

    Inzwischen ist mein Entwurf wie durch Geisterhand wieder aufgetaucht und ich habe diesen jetzt abgeschickt.

    Für welchen Zweck das "bearbeiten" gut sein soll, weiß ich wirklich nicht, aber lassen wir das jetzt gut sein.


    Nochmals besten Dank!


    wok

  • Zitat von wok

    Inzwischen ist mein Entwurf wie durch Geisterhand wieder aufgetaucht und ich habe diesen jetzt abgeschickt.

    Das ist das, was ich andeutete, lieber wok; ein Vorzug der neuen Software, die einen Entwur zwischenspeichert, wenn man aus irgendeinem Grund den Thread verlassen muss oder rausgeworfen wird. Das Geschriebenen geht dann nicht verloren- feine Einrichtung!

    Hast du dir das andere auch überlegt, den Beitrag in Word fix und fertige zu gestalten und zu speichern und erst dann damit in Tamino zu gehen, das du ja parallel immer offen halten kannst?


    Liebe Grüße


    Willi:)


    P.S. Hast du gesehen, dass ich den Beitrag über Cor de Groot im Erinnerungsthread auch nachgeschoben habe?

    P.S.2: ich habe das rot gedruckte Wort "Bearbeiten" mal angeklickt und bin dadurch zum Anfang von Seite 2 des Threads "Verblassender Ruhm von Instrumentalsolisten" gelangt, warum auch immer. Du kannst das ja auch mal probieren.

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Erst jetzt komme ich dazu, auf etliche Einträge zu antworten.

    Zunächst einmal danke ich wok für die aufschlußreichen Informationen über Conrad Hansen, vieles davon war auch mir bisher nicht bekannt.


    Und dann Stefan Askenase: Die Chopin-Nocturnes habe ich auf LP, leider nicht greifbar, weil ich für CDs Platz schaffen und deshalb fast alle LPs auslagern mußte. Aber sie sind noch vorhanden!


    Schließlich noch kurz zu Bronislav Gimpel, obwohl er eigentlich nicht hierher gehört: Ich hatte mit ihm auf LP die Symphonie Espagnole von Lalo, mit den Münchner Philharmonikern unter Fritz Rieger, auch einem vergessenen Künstler, der entscheidend das Musikleben im Nachkriegs-München mitgeprägt hat. Von ihm gibt es fast gar keine Tondokumente mehr, und Bronislaw Gimpel ist auch nur sehr spärlich vertreten, leider!

    Symphonie Espagnole

    So sah meine LP aus; es ist eine originale DGG-Produktion, die später auf dem Billig-Label HELIODOR wieder herausgebracht wurde, leider in "electronic stereo", einer fragwürdigen technischen Errungenschaft der 1960er Jahre, die man zum Glück bald wieder ad acta gelegt hat. Das originale Mono klang wesentlich besser.


    LG nach Málaga,

    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • ich werde am 7. Juli ganz gewiss an seinen 115. Geburtstag denken.

    Lieber Willi,


    das freut mich sehr, vielen Dank im voraus!

    Cor de Groot war ein wunderbarer, bescheidener Mensch und Künstler, aber Bescheidenheit hat auch oft ihren Preis, nämlich des frühen Vergessenwerdens.

    So ist es schön, daß er hier im Tamino-Forum weiterlebt.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • mein Vater und meine Mutter stammen aus Danzig - kennengelernt haben sie sich allerdings erst in Kiel nach dem Krieg. Günter Grass ist derselbe Jahrgang wie mein Vater (1927) und stammte ebenfalls aus Danzig-Langfuhr und war auf demselben Gymnasium - in einer Parallelklasse. Ich habe vor Jahren mit meinem Vater zusammen Danzig besucht und wir haben all die Orte, wo er gewohnt hat, wo er zur Schule ging etc., abgewandert. Wir waren natürlich auch in der Straße in Langfuhr, wo das Geburtshaus von Günter Grass steht. Sie haben ihm da ein Denkmal errichtet. Ein Klassenkamerad von meinem Vater war der SPD-Politiker Horst Ehmke. Schon damals, als Schüler, erzählt mein Vater, wollte er Politiker werden. Er wollte allerdings von seinen alten Klassenkameraden nichts wissen und hat auf Anschreiben nicht reagiert.

    Lieber Holger,


    das wird Deinen Vater gefreut haben, daß Du mit ihm die Orte seiner Jugend aufgesucht hast. Es war bestimmt für ihn und auch für Dich ein prägendes Erlebnis. Mein Schulfreund aus Königsberg, der im Alter von 3 Jahren seine Heimatstadt verlassen mußte, hat so gar keinen Bezug dazu. Er war schon zweimal im südlichen (polnischen) Teil Ostpreußens, aber nach Königsberg hat es ihn nicht gezogen. Nun ja, von der alten Pracht ist ja auch so gut wie nichts übrig geblieben.

    Horst Ehmke ("Willy, aufstehen! Wir müssen regieren!") war über viele Jahre die rechte Hand von Kanzler Brandt. Ein hoch intelligenter Mann, von dessen Sorte man sich heute einige in der Politik wünschen würde, aber seine Arroganz war auch fast sprichwörtlich. Daß er auf Anschreiben seiner ehemaligen Klassenkameraden nicht reagiert hat, mag aber auch mit seiner Arbeitsüberlastung zu tun gehabt haben. Er hatte sich ja ganz der Politik verschrieben. Den zitierten Ausspruch habe ich aus einem Buch eines der Brandt-Söhne (Lars?), der erzählt hat, wie Ehmke mehr als einmal morgens in Brandts Wohnung stürmte und ihn mit diesen Worten aus dem Bett gescheucht hat ^^.

    Mein Vater hat Elly Ney auch erlebt - meinte, im hohen Alter war sie eine etwas seltsame Erscheinung, ziemlich ins Mystische abgedreht.

    Die Beschreibung trifft genau den Punkt, das war auch mein Eindruck. Nachdem die ersten Takte von Beethovens Konzert erklungen waren, war sie wie verwandelt und schien fast nicht mehr von dieser Welt zu sein. Ich habe nie mehr einen Künstler erlebt, der so mit der Musik verschmolz und ganz in ihr aufging wie Elly Ney an diesem Abend. Als der letzte Ton verklungen war, saß sie wie versteinert auf ihrem Klavierschemel, das Publikum war wie hypnotisiert und zögerte mit dem Applaus, bis der Dirigent des Abends, C.A. Bünte, sie bei der Hand nahm und mit ihr gemeinsam die Ovationen entgegennahm. Ich werde dieses Bild nie vergessen.

    Ganz ähnlich hat sie ja auch wok in seinem interessanten Beitrag #42 beschrieben.


    Nun gehört Elly Ney natürlich nicht zu den fast vergessenen Künstlern; es war aber schön, daß Du auf die Neuausgabe ihrer (wohl in der Mehrzahl) Vorkriegsaufnahmen hingewiesen hast. Aus den 1950er Jahren besitze ich von ihr noch diese Kostbarkeit:

    Klaviersonate Nr. 14 op. 27 Nr. 2 Mondschein Sonate und Nr. 23 op. 57 Appassionata. Elly Ney Mono



    Aufnahme: 12/1956, Beethovensaal, Hannover.

    Ich weiß nicht, ob die Aufnahme auf CD übertragen wurde; die LP zählt zu den wenigen, die ich nicht ausgelagert habe.


    LG Nemorino

  • Ich erlebte ELLY NEY in einem Vorweihnachtskonzert 1962 in Würzburg, als sie im großen überfüllten Huttensaal ein BEETHOVEN-Konzert gab, in dem die damals 80-Jährige seine Sonaten Nr. 12 As-dur op. 26, Nr. 23 f-moll op. 57 und Nr. 32 c-moll op. 111 zu Gehör brachte. Sie abolvierte diese so fordernde Werkfolge auch in diesem Alter souverän und musizierte ihren BEETHOVEN immer noch mit der gleichen Selbstdisziplin und er gleichen Selbstkontrolle, die man von ihr gewohnt war, und wohl jeder war fasziniert von der schier unerschöpflichen Kraft, die sie vermittelte, und dem unbeschreiblichen Fluidum, das sie unmittelbar verbreitete, und dies, obwohl ihr Spiel und ihr Auftreten bar jeder starhaften Allüren oder applausheischenden Effekte war.

    Lieber Wok,


    die Aufnahmen ich von ihr habe, sind von einer bemerkenswerten Frische und Klarheit! Ich hätte sie auch gerne gehlrt, nur 1962 war ich gerade dem Baby-Alter entwachsen! ^^


    Schöne Grüße

    Holger

  • Zumindest zu diesem Zeitpunkt erschien mir die damals 80-Jährige ELLY NEY noch voller Kraft und Leidenschaft, hellwach, konzentriert und präsent, gewiß stets etwas in sich versunken und alle Sinne auf ihren Gott BEETHOVEN fokussiert. Allerdings eine Erscheinung wie aus einer anderen Welt und physiognomisch fast erschreckend an BEETHOVEN, so wie man ihn von Bildern kennt, und wie man sich ihn vorstellt, erinnernd!


    Ich werde diese große Künstlerin - Ihre Erscheinung und natürlich vor allem auch ihr Spiel - nie vergessen.

    Lieber wok,


    ganz herzlichen Dank für Deinen umfangreichen und höchst interessanten Beitrag zu Elly Ney, auf den ich bereits in meiner Antwort an Holger Bezug genommen habe.


    Es freut mich, daß auch andere ähnliche Eindrücke von ihr mitgenommen haben wie ich damals, vor über 60 Jahren.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Kann mir jemand helfen? Wie bekomme ich das merkwürdige Teilbild unter meinem Beitrag 47 wieder weg?

    Ich weiß gar nicht, wie das dahin geraten ist.


    Danke für einen Tip!


    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber Nemorino,


    Du musst unter dem Beitrag unten rechts auf "Bearbeiten" klicken, dann das "halbe Bild markieren und anschließen auf "Löschen" klicken, dann müsste es weg sein.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Dann will ich mal einstellen, was ich alles von Elly Ney habe. Wie man sich denken kann, ist es hauptsächlich von Beethoven:

    CD 1: Beethoven, KK Nr. 5 Es-dur op. 73, Wiener Philharmoniker, Karl Böhm, AD: 1944

    .......: Sonate Nr. 32 c-moll op. 111, AD 1936

    CD: 2: Mozart, KK Nr. 15 B-dur KV 450, unbek. Orchester, Willem von Hoogstraten (Elly Neys Ehemann, AD: 1935

    ........: Schubert, "Wanderer-Fantasie C-dur D.760

    ........: Strauss, Burleske für Klavier und Orchester d-moll, Berliner Staatskapelle, Willem van Hoogstraten, AD: 1937

    ......... Es sind noch einige günstige Exemplare zu ergattern (A.Markestplace)

    Beethoven: Sonate Nr. 21 C-dur op. 53 "Waldstein" (AD. 1951)

    Beethoven: Sonate Nr. 27 e-moll op. 90, Sonate Nr. 32 c-moll op. 111 (AD: 1952)

    3 Gebrauchte ab 16,00 @

    Und mein Prunkstück:

    12 CD's mit ganz viel Beethoven, etwas Schubert, Schumann, Mendelssohn, Mozart und Brahms sowie Encores und Heiligenstädter Testament

    AD: zwischen 1960 und 1968

    3 Gebrauchte zu 180 €, 250 € und 449 €

    Folgende Beethovensonaten von Elly Ney habe ich hier schon rezensiert, jeden in einem eigenen Thread:

    Sonaten Nr. 4, 8, 14 2 x 21, 23 + 27.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hallo lieber Willi,


    Ja, das ist besonders bei größeren Texten eine gute Idee, Beiträge erst einmal fertig vorzubereiten und dann zu speichern, und erst dann auf Tamino zu übertragen.


    Ja, Deinen weiteren Beitrag über COR DE GROOT im Erinnerungsthread habe ich gesehen und mit Interesse gelesen. Vielen Dank auch für den nochmaligen Hinweis.


    Wie sich das mit dem "bearbeiten" genau verhält, muß ich später nochmals in Ruhe studieren.


    Viele Grüße

    wok

  • Lieber Willy,


    Sehr interessant Deine Auflistung über alle Deine Aufnahmen mit ELLY NEY. Ist ja immerhin einiges!


    Ja, Deine so ausführliche und spannende Besprechung der BEETHOVEN-Sonaten von ELLY NEY hatte ich damals gelesen! Das Ergebnis war ja nicht so schlecht!!!


    Viele Grüße

    wok

  • Lieber Nemorino,


    Vielen Dank für Deinen Hinweis auf die Aufnahme der sehr hörenswerten Symphonie Espagnole durch BRONISLAW GIMPEL, die ich tatsächlich noch gar nicht kannte! Noch dazu unter FRITZ RIEGER, auch ein so fast vergessener großer Dirigent, und ein kleiner Geheimtipp, denn nicht umsonst erhielt er einige sehr wertvolle Auszeichnungen, und seine MÜNCHNER PHILHARMONIKER hatten ebenfalls Qualität. Er war ja auch ein Schüler von GEORGE SZELL!! Diese Aufnahme gibt es übrigens auch auf youtube!!


    Meine Referenz-Aufnahme für dieses tolle Werk ist übrigens die CBS-Aufnahme mit ISAAC STERN und dem PHILADELPHIA ORCHESTRA unter EUGENE ORMANDY:


    Mich würde auch einmal interessieren, wie Du es zustande bringst, dieses Platten-Cover auf Tamino zu übertragen!




    Viele Grüße

    wok

  • Du musst unter dem Beitrag unten rechts auf "Bearbeiten" klicken, dann das "halbe Bild markieren und anschließen auf "Löschen" klicken, dann müsste es weg sein.

    Lieber Willi,


    vielen Dank für Deinen Tip, aber das habe ich schon gestern probiert. Wenn ich das so mache, so erscheint in einem Fenster alles mögliche, von "in neuem Tab öffnen" bis zu "Element untersuchen", aber "löschen" nicht! Vielleicht kann einer der Moderatoren es entfernen? Danke im voraus.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Mich würde auch einmal interessieren, wie Du es zustande bringst, dieses Platten-Cover auf Tamino zu übertragen!

    Lieber wok,


    da kann ich leider auch nicht helfen, mir gelingt es auch nicht. Aber bestimmt weiß unser Computer-Spezialist Fiesco Rat. Wenn er das hier liest, wird er es schon auf die Reihe bringen.


    Aber es gibt die Aufnahme mit Stern/Ormandy auch in einer anderen Ausgabe, die kann ich hier anzeigen:


    LG, Nemorino


    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber Willi,


    so richtig interessant wäre für mich die 12 CD-Box von Colosseum mit den späten Aufnahmen, aber nicht zu diesem Preis! Da warte ich lieber mal ab:


    517bGCOfEsL._AC_UL436_.jpg

    Als die Kassette noch relativ günstig zu haben war, habe ich den richtigen Zeitpunkt verpaßt.


    Folgende 10 CD-Box habe ich mal auf meine "Warteliste" gesetzt:

    Leider ist bei Amazon nicht zu erfahren, wann die Aufnahmen entstanden sind. Es handelt sich wohl vornehmlich um Einspielungen aus der Vorkriegszeit.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Hallo Nemorino,


    Danke für Deine Meldung. Aber Du hast doch das Cover Deiner Aufnahme mit der Symphonie Espagnole mit GIMPEL/ RIEGER selbst in das Tamino übertragen!? Oder hast Du das von AMAZON übertragen?


    Die großartige Aufnahme der Symphonie Espagnole mit STERN/ORMANDY, (GREAT PERFORMANCES) auf die Du Dich jetzt beziehst, dürfte die gleiche sein wie meine von MUSIQUE CLASSIQUE, denn auf beiden ist auch das Violinkonzert von MAX BRUCH; übrigens neben der mit KREBBERS/JORDANS die schönste Aufnahme dieses herrlichen Violinkonzerts, die ich kenne.


    Viele Grüße

    wok

  • Du hast doch das Cover Deiner Aufnahme mit der Symphonie Espagnole mit GIMPEL/ RIEGER selbst in das Tamino übertragen!? Oder hast Du das von AMAZON übertragen?

    Lieber wok,


    ja, dieses Cover habe ich bei amazon kopiert, allerdings nicht in der hier gewünschten Größe. Da habe ich öfter meine Schwierigkeiten.


    Meine schönste Aufnahme des Bruch-Konzertes ist diese:

    mit Jascha Heifetz und dem London Symphony Orchestra, Dirigent: Sir Malcolm Sargent (Aufnahme: 5/1962, STEREO). Sie ist mit der Schottischen Fantasie op. 46 gekoppelt und enthält noch das Konzert Nr. 5 von Vieuxtemps. Herrliche Aufnahme großen Violinspiels.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).