La Fanciulla del West (Puccini), Hamburgische Staatsoper, 15.05.2019

  • Diese Oper sah und hörte ich zum zweiten Mal, heute gefiel sie mir auch kompositorisch wesentlich besser als beim ersten Hören vor 4 Jahren. Die Minnie war allerdings nicht mit der damals in der Höhe schrillen Emily Magee besetzt, sondern mit Anja Kampe, die ihre raumgreifende Stimme nicht nur groß aufblühen ließ, sondern auch mit schönen Tonbindungen und dynamischen Abstufungen fesselte. Ihrem Partner Marco Berti (Dick Johnson) war dieses nicht gegeben, wenngleich er über eine durchaus blendende Höhe verfügt, die oft unvermittelt eingesetzt wird; beim Todesgebet im dritten Akt gelang es ihm allerdings tontechnisch und auch dramatisch zu Anja Kampe aufzuschließen. Claudio Sgura war ein guter Jack Rance, Kartal Karagedik beeindruckte als Sonora. Neben Johnsons Gebet bzw. seiner Ansprache vor dem Aufgeknüpftwerden blieb vom Ariosen her besonders die kurze Arie des Jake Wallace im Ohr hängen, sie wurde ausgesprochen schönstimmig und mit genügendem Schalldruck von Shin Yea vorgetragen. Der Sänger trug eine blonde Frauenperücke und war (deshalb) später beim Schlussapplaus von mir nicht zu erkennen. Insgesamt war es vor allem dank der Präsenz von Anja Kampe ein lohnenswerter Abend. Dirigiert hat Josep Caballe-Domenech. Die Orchesterleistung vermag ich wegen unseres orchestertechnisch stark suboptimalen Abo-Platzes ganz vorn in der ersten Loge nicht hinreichend zu beurteilen.Ralf Reck

    Oper lebt von den Stimmen, Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv

  • Ich fand die Aufführung eher schleppend. Das mag natürlich auch an der Arienarmut des Werkes liegen. Es war wie ein abgespielter, gesungener Film, und dafür passiert mir zu wenig im Bühnenbild. Auf der anderen Seite bin ich dankbar für das Fehlen bemühten Spektakels. Es war unterhaltsam, aber nichts, woran ich mich zukünftig wohlig erinnern werde.

  • Trotz vieler unzulänglichen Frühwerke von Puccini (die ich aber sehr mag), kann ich mit der >La Fanciulla del West<nichts anfangen, warum ?? ist mir ein pers. Rätsel! :(


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Geht mir genauso, lieber Fieso. Ich finde zu "Fanciulla" überhaupt keine Bindung, wie übrigens auch nicht zur "Rondine" und zu "Gianni Schicchi". Dagegen kann ich den "Mantel", die "Tosca" und die "Butterfly", auch die "Schwester Angelica" immer wieder hören. "Edgar" und "Villi" kenne ich leider nicht. "Boheme", "Lescaut" und "Turandot" sind sehr schöne Opern, gehören aber nicht (mehr) zu meinen Favoriten. Über Geschmäcker sollte man nicht streiten.


    Herzlichst La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Ich finde zu "Fanciulla" überhaupt keine Bindung, wie übrigens auch nicht zur "Rondine" und zu "Gianni Schicchi". Dagegen kann ich den "Mantel", die "Tosca" und die "Butterfly", auch die "Schwester Angelica" immer wieder hören. "Edgar" und "Villi" kenne ich leider nicht. "Boheme", "Lescaut" und "Turandot" sind sehr schöne Opern, gehören aber nicht (mehr) zu meinen Favoriten. Über Geschmäcker sollte man nicht streiten.

    Was "Das Mädchen aus dem Westen" betrifft, geselle ich mich zu denen, die mit dem Stück nichts anfangen können. Es geht mir wie Fiesco und La Roche - und ich kann es mir auch nicht erklären. Das hat nach meinem Dafürhalten auch nichts damit zu tun, dass Puccini in der Rangliste meiner Lieblingskomponisten nicht weit vorn rangiert, denn mit den anderen Werken bin ich immer "warm" geworden. Außerdem war gerade diese Oper meine erste Begegnung mit Puccini - in den Sechzigern in meiner Geburtsstadt Hagen. Erinnerlich blieb mir nur das Szenenbild einer aus dem Genre Film übernommenen typischen Wild-West-Stadt mit Saloon, einer Keilerei und den angebundenen Pferden (natürlich keine echten). Von der Musik blieb sofort jenes "Lasset sie glauben, dass ich in die Welt zog" bis heute im Gedächtnis, und eine der Sängerinnen: Rita Zorn. Wen sie dargestellt hat, weiß ich nicht mehr.


    Übrigens muss ich bei "Il Tabarro" (anders als La Roche) eine kleine Einschränkung machen, denn manchmal ist das Stück mir zu düster, manchmal aber auch wieder nicht, was ich ebenfalls nicht erklären kann. Vielleicht muss ich für diesen Einakter in einer besonderen Stimmung sein?! Ich habe auch "La Villi" und "Edgar", die auch beide unüberhörbar Puccini sind, aber ich hake sie unter Frühwerke ab...


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Insbesondere der 2. Akt entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

    Ich kann mit vielen anderen Puccini-Opern zwar mehr anfangen als mit der "Fanciulla"(von "Manon Lescaut" bis "Butterfly", zudem mit "Trittico" und "Turandot"), aber im 2. Akt dieser Oper, um die es hier geht, hat Puccini meines Erachtens die schönste Melodie komponiert, die er je komponiert hat.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Wenn ich hier getätigten politischen, kulturpolitischen oder sonstigen Aussagen nicht widerspreche, bedeuttet dies keine Zustimmung meinerseits zu diesem Aussagen. Für Meinungen bestimmter User habe ich bestenfalls noch einen Smiley übrig. Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.

  • Welche Melodie wäre das genau, Stimmenliebhaber?


    Ich mag "Fanciulla" wirklich gern. Puccini zeigt darin auch, dass er sehr modern war, denn etliche Stimmungsmomente in seiner durchkomponierten Oper hätte man später zweifellos bei Westernfilmen verwenden können.


    Es ist zwar Puccini pur und doch einmal etwas anderes als die omnipräsenten "üblichen Verdächtigen".


    Was seine beiden Frühwerke und auch die Rondine betrifft - finde ich allesamt wunderschön! Was da für Melodien beinhaltet sind, die manche Opernfreunde gar nicht kennen ...

  • Die "Fanciulla" gehört nach meinem Dafürhalten zu Unrecht zu den lange vernachlässigten Opern. Wenn es vielleicht auch nicht die stärkste und eingängigste Oper Puccinis ist, liebe ich sie doch und habe sie erst im letzten Jahr in einer Übertragung aus der MET mit Eva Maria Westbroek und Jonas Kaufmann in einer Inszenierung gesehen, die mich und meine Begleiterinnen sehr begeistert hat. Ich habe auch noch zwei weitere Inszenierungen auf DVD (aus der Scala mit Mara Zampieri und Placido Domingo und aus Wien mit Nina Stemme und ebenfalls Josef Kaufmann). Auch ich finde die Melodien reichhaltig, wobei ich besonders "Ch'ella me creda libero e lontano" aus den letzten Akt liebe. Und dass zu wenig auf der Bühne geschieht, kann ich auch nicht bestätigen.

    Auch "Edgar" und "La Rondine" habe ich und mag ich sehr. Von "Le Villi" kenne ich zu wenige Melodien. Am wenigsten fange ich mit "Gianni Schichi"an.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Ich fand auch lange keinen Zugang zu dieser Oper, egal ob mit Jose Cura/Sylvie Valayre/Juan Pons auf der Bühne oder im TV mit Kaufmann/Stemme. Erst vor 5 Jahren hat es geklickt mit Catherine Naglestad /Zoran Todorovich /Scott Hendricks unter der Regie von Kosky. Ich habe dann sehr schnell aufgeholt und die Inszenierung in drei Jahren dreimal gesehen.

  • Erst vor 5 Jahren hat es geklickt mit Catherine Naglestad /Zoran Todorovich /Scott Hendricks unter der Regie von Kosky. Ich habe dann sehr schnell aufgeholt und die Inszenierung in drei Jahren dreimal gesehen.

    Lieber Souffleur, diese Züricher Produktion war mein erster Kontakt mit dem Werk auf der Bühne, und ich war sofort sehr angetan von der Oper. Es freut mich, dass Du diese Produktion auch und sogar mehrfach gesehen hast und schätzt.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Welche Melodie wäre das genau, Stimmenliebhaber?

    Für mich ist es die, die hier bei 1:04:59 zu hören ist:


    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Stimmenliebhaber

    An genau diese Melodie dachte ich auch, deshalb habe ich noch einmal nachgefragt.

    So richtig dramatisch wird sie auf 1:14:30.

    Kennst du die Oper mit Bonisolli, Kmentt, Corelli, Del Monaco?


    Live gesehen habe ich sie auch in Zürich, mit Cura. Muss vor ca. 15 Jahren gewesen sein.

  • Kennst du die Oper mit Bonisolli, Kmentt, Corelli, Del Monaco?

    Nein, ich habe die Oper über eine Aufnahme mit Domingo kennen gelernt.

    Live gesehen habe ich sie auch in Zürich, mit Cura. Muss vor ca. 15 Jahren gewesen sein.

    Mit Cura habe ich sie an der Deutschen Oper Berlin 2006 auch erlebt.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Wenn ich hier getätigten politischen, kulturpolitischen oder sonstigen Aussagen nicht widerspreche, bedeuttet dies keine Zustimmung meinerseits zu diesem Aussagen. Für Meinungen bestimmter User habe ich bestenfalls noch einen Smiley übrig. Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.

  • Bei mir waren es Arlene Saunders und Giuseppe Giacomini 1980 am ROH in London. Beim Abendspaziergang kam ich zufällig am Covent Garden vorbei, als mir jemand ein Ticket vor die Nase hielt. Da griff ich zu und hab’s nicht bereut. Auf der Bühne rauchten sie echte Zigarren, deren Duft die Erinnerung wach hält.

    Freundliche Grüße Siegfried

    Einmal editiert, zuletzt von Siegfried ()

  • Ich habe sie in dieser Inszenierung kennengelernt.....



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    .....und in dieser Besetzung! Aber leider ohne nachhaltige Wirkung, und es lag wahrlich nicht an der Inszenierung oder gar der Besetzung, denn ich kannte sie ja schon von der CD mit Domingo und Zampieri!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ich kann Ralf Reck wieder einmal in vielen Punkten nur recht geben, Anja Kampe überstrahlte alle(s). Das Highlight war dann aber doch zum Abschluss Ch'ella Mi Creda in das Marco Berti und das Orchester alles hineinlegten was ihnen zur Verfügung stand. Insgesamt ein schöner Abend in der erschreckend leeren Staatsoper.

  • Ich kann Ralf Reck wieder einmal in vielen Punkten nur recht geben, Anja Kampe überstrahlte alle(s). Das Highlight war dann aber doch zum Abschluss Ch'ella Mi Creda in das Marco Berti und das Orchester alles hineinlegten was ihnen zur Verfügung stand. Insgesamt ein schöner Abend in der erschreckend leeren Staatsoper.

    ...auch das muss ich leider bestätigen, ich hatte meine eigene Loge, ganz alleine.

  • Nach einigen Anfangschwierigkeiten, vor allem mit dem 1. Akt, habe ich die Oper immer mehr geliebt. Live habe ich sie leider noch nie erlebt. Früher hatte ich ein Video von einer Aufführung der Metropolitan Oper mit Placido Domingo, Sherrill Milnes und Barbara Daniels in den Hauptrollen, welches ich auf- und ab gespielt habe und das mittlerweile durch eine DVD ersetzt worden ist. Den 2. Akt finde ich musikalisch und dramatisch hochspannend, vor allem auch die Pokerszene, in der Mimi den Sheriff so herrlich betrügt und über den Tisch zieht.



    Mit besten Grüßen Ramona1956