Tosca, 07.06.2019, Semperoper Dresden

  • Dass die drei Hauptrollen und der Dirigent voll und ganz überzeugen können, ist selten. Ein Opernfreund hatte mich noch belächelt, als ich meine Karte gekauft hatte, ist dann aber sogar selbst eine Woche vorher hingefahren und war ebenfalls sehr angetan. Die Tosca der Angela Gheorghiu ist ein großes Kunstwerk. Selten erlebt man, dass eine Sängerin die Rolle dermaßen verinnerlicht hat wie Gheorghiu (viel mehr als Tosca und Mimi singt sie derzeit auch nicht). Wie schon in München hat sie insbesondere den 3. Akt zu einem besonderen Ereignis gemacht. Sie scheint sich in Dresden wohl zu fühlen.Am Mittwoch war sie übrigens in der Nabucco-Vorstellung. Eine angenehme Überraschung war Riccardo Massi als Cavaradossi. Ich hatte ihn zwar schon einmal als recht guten Alfredo gehört, dafür aber nicht in bester Erinnerung als Des Grieux in der unsäglichen Staatsopern-Premiere. Manche Töne haben ein wenig verhangen geklungen, aber insgesamt spricht sein Tenor in allen Lagen gleich gut an. Sehr gespannt war ich auf den Scarpia von John Lundgren und bin auch nicht enttäuscht worden. Erwartungsgemäß hatte er keine Probleme sich Gehör zu verschaffen. Die Positionierung recht weit hinten auf der Bühne auf dem Malergerüst ist sicher nicht ganz glücklich gelöst ist. Das mag zwar was hermachen, macht es dem Sänger aber nicht unbedingt leicht. Lundgren kann nicht nur laut, sondern auch durchaus differenziert singen. Stefano Ranzani scheint ein Lieblingsdirigent von Angela Gheorghiu zu sein (im Januar ist er eigens für sie in der Bohème angesetzt worden). Er ist häufiger Gast in Dresden und in Berlin und jedesmal Garant für gute Vorstellungen. So hat er auch diese Tosca sehr differnziert und mit viel Gespür dirigiert. Im Haus gab es übrigens etliche freie Plätze.

  • Was ist da nur losß Ich war noch nie in der Semperoper, wenn Plätze frei waren. Immer voll. Selbst der nicht so bekannte "Friedenstag" war total ausverkauft, vor etwa 20 Jahren oder noch mehr. Lag es am Preis? An der Inszenierung? An der evtl. Enttäuschungserwartung, daß sie nicht kommt oder zur Pause geht wie Domingo?


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Ich verstehe es trotzdem nicht. Ich kenne das Haus nur voll, auch bei Repertoirevorstellungen und ohne hochrangige Gäste. Und diese Tosca ist sicher sehens- und hörenswert gewesen, ich kenne die Inszenierung, war sogar mehrfach drin. Das einzige, was meine daran Frau gestört hatte, war das schwarze Kleid der Tosca im 2. Akt. Sie ist auf rot fixiert. Aber bei der schönen Angela wäre mir das egal gewesen. War bestimmt ein schöner Abend, zumal die Tosca musikalisch immer sehr wirkungsvoll sein kann.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Lieber La Roche,


    kann es sein, dass du schon seit längerer Zeit nicht mehr in der Semperoper warst? Die Zeiten, da diese völlig ausverkauft war, sind schon lange vorbei. Bei sehr vielen normalen Repertoirevorstellungen kannst du fast überall noch freie Plätze sehen, sogar bei sehr gängigen Opern, leider. Zum Großteil wird die Preispolitik hier eine Rolle spielen, die Karten werden immer teurer und gerade viele alte Dresden – Opernliebhaber (wir haben über die Jahre ziemlich viele kennengelernt) müssen sich überlegen, in wieviele Opern sie gehen, zumal fast alle auch noch Anrechtsinhaber der Staatskapelle, Kammermusik sowie der Philharmonie sind, so wie wir auch. Wir haben uns gefreut, dass das Opernhaus bei der Wiederaufnahme der Toten Stadt (Korngold) doch recht voll war und dass es weitere Opern- und Ballettaufführungen gibt, die ausverkauft sind, denn ein volles Haus ergibt ja erst die rechte Stimmung.


    Viele Grüße

    Ramona1956

  • Liebe Ramona,


    dazu muß ich Dir beipflichten. Meine letzten positiven Erlebnisse in der Semperoper liegen schon etliche Jahre zurück. Nur die sich häufenden und mich abstoßenden Einfälle der Regisseure haben es geschafft, mein Lieblingshaus zu meiden. Und wenn eine Inszenierung mir nicht zusagt und dann der Preis steigt und dann noch 250 km Fahrt hin und zurück dazugehört, dann wird mir das zu bunt. Ich beobachte schon, wann was in welcher Besetzung gespielt wird, um noch einmal das einmalige Erlebnis Semperoper mit anschließend nächtlicher Zusatzfahrt über eine der Elbebrücken mit dem Genuß des wundervollen Panoramas zu genießen. Zuletzt war ich öfter in der Frauenkirche zum Konzert als in der Oper.

    Frühere Besuche in der Semperoper (ich hatte schon geschrieben, daß ich manches Jahr trotz Entfernung bis zu 10 x in der Semperoper war, bei deren Betreten ich immer noch Gänsehaut bekomme - hängt mit den Erzählungen meiner Schwiegermutter über Besuche in den 30-er und 40-er Jahren und auch mit dem Gedanken an meinen Favoriten Richard Strauss zusammen) waren immer verbunden mit Kartenvorbestellungen teilweise 8-10 Monate im Voraus, und selbst da bekam ich nicht immer was ich wollte. Sollte das nun leider anders sein, wäre das Theater in der Pflicht, die Gründe dafür zu suchen. Ich habe aber für eine Vorstellung der "Frau ohne Schatten" mit Botha u.a. Stars auch über 120,00 DM für eine Karte bezahlt. Wenn diese Kategorie jetzt in Euro berechnet wird, dann würde ich mir das auch überlegen, so viel Geld auszugeben, denn diese "FroSch" war keinesfalls märchenhaft.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.