Rigoletto, 16.06.2019, Staatsoper Berlin

  • Zwei Wochen nach der Premiere habe ich es gestern geschafft mir die neue Rigoletto-Produktion anzusehen. Ein großes Plus dürfte die recht belanglose Inszenierung von Bartlett Sher gegenüber der Bosse-Produktion der DOB haben: es dürfte leichter sein prominente Sänger für Auftritte zu gewinnen. Gesanglich war der Abend nichts für Feinschmecker der italienischen Oper. Als Christopher Maltman (Rigoletto) seine ersten Töne gesungen hat hörte sich das an, als würde er mit einem Megaphon in der Hand singen. Auch wenn er zu differenziertem Gesang durchaus in der Lage war, hat er sich so durch den ganzen Abend gepoltert. Insgesamt fand ich ihn als Rigoletto durchaus interessant, weil er ein interessanter Darsteller ist, bevorzuge jedoch Sänger wie Tézier, die schönen und kernigen Gesang vereinen. Michael Fabiano (Herzog)besitzt eine durchaus schöne Tenorstimme. Leider führt er diese recht unbändig. Trotz erheblicher Defizite in der Höhe geht er jeden noch so hohen Ton mit voller Bruststimme an. Das ist wie bei einem Springreiter, der mit seinem Pferd alle Hindernisse mit Bravour angeht und abräumt. So ging sein Auftritt insgesamt ziemlich in die Hose. Eigentlich schade um das Material. Einen zwiespältigen, wenn auch deutlich besseren Eindruck, hat Nadine Sierra als Gilda hinterlassen. Sie hatte sehr starke Momente und ist eine durchaus attraktive Sängerin, aber insgesamt war mir ihr Vortrag zu unpersönlich und zu uneinheitlich. Da sind Tonsprünge nicht richtig gelungen und in schön gesungene Passagen haben sich merkwürdig harte Töne eingeschlichen, die man so nicht unbedingt erwartet hat. Mir hat Cristina Pasaroiu zuletzt in Wiesbaden deutlich besser gefallen. Etwas enttäuscht war ich auch von Elena Maximova als Maddalena, die sich routiniert ordentlich gesungen hat und hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben ist. Jan Martiník hatte als Sparafucile gegen den übermächtigen Bariton von Maltman einen schweren Stand. Ehrlich gesagt sind mir nur zwei Sängerinnen aus dem Opernstudio positiv aufgefallen: Corinna Scheuerle als Giovanna mit noblem Mezzo und die erst 25-jährige Serena Sáenz mit flirrendem Sopran, den sie im September dem Waldvogel im Siegfried leihen wird. Auch das Dirigat von Andrés Orozco-Estrada gehörte für mich nicht zu den aufregendsten Opernmomenten. Jetzt hat Berlin drei Rigoletto-Produktionen zur Auswahl. Übrigens war das Haus gut besucht. Wie schon öfter sind viele Karten erst wenige Tage vor der Aufführung verkauft worden. Ohne den Standort-Vorteil würde es wohl manchmal recht leer im Haus sein.

  • Lieber Kapellmeister, Dank für Deinen Bericht! Mich sieht die Staatsoper am Donnerstag zum Tristan. Um die Siegfried-Karte im September, die Du offenbar hast, beneide ich Dich ein bißchen. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz