Hoffmanns Erzählungen - Ein unzerstörbares Meisterwerk - Inszenierungen durch die Jahrzehnte

  • Nach längerer schöpferischer Pause melde ich mich hier wieder mit einem neuen Thread, da der alte "Hoffmann" Thread

    Hoffmanns Erzählungen - Ein Unglücksstück?

    nun doch allmählich in die Jahre gekommen ist.

    Der von mir gewählte thematische "Focus" ist indes ein anderer, und so können beide Threads paralell zueinander bestehen.

    Es sollen hier Bilder oder Cliips einzelner Inszenierungen gepostet werden (Pro Beitrag nur EINER) wobei dann Anmerkungen zur gelungenen oder weniger gelungenen Inszenierung geamcht werden können, und vielleicht ein wenig zum Thema "Werktreue" in Bezug auf das Stück., sowie auf allgemeine Details der Inszenierung

    Eigenlich ganz leicht: Ein unzerstörbares Meisterwerk" - wel es das in dieser Form eigentlich gar nicht gibt. Das Werk strotzt vor Umarbeitungen (eigentlich Rekonstruktionen) eingefügten Arien, um textungen, Versionen (mit oder ohne Rezitativen- deutsch oder französich) Viele haben versucht das Werk durch originelle Einfälle zu modernisieren - was nicht immer mißlungen ist. Bie Dieser Oper ist IMO vieles erlaubt, was ich bei anderen strikte ablehnen würde.

    Ein Original gibt es nicht - die Story selbst ist - sachlich betrachtet - (IMO gelungenes) Flickwerk, das nur durch einen gemeinsamen "roten Faden" zusammengehalten wird.

    Wir müssen auch die Person von Offenbach selbst in Betracht bei unserer Beurteilung ziehen, der ja in gewisser Weise dem Kabarett zugeneugt war und der vermutlich in Bezug auf Auslegung dieses Stücks relativ tolerant gewesen wäre. ETA Hoffmann -da bin ich mir indes nicht so sicher....

    Das Spiel kann beginnen.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • László Moholy-Nagy, Bühnenbildentwurf zu "Hoffmanns Erzählungen" von Offenbach, 1929, Krolloper Berlin:

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • hoffmannerzaehlen.jpg

    Hans Nocker als Hoffmann und seine Kumpane bei Lutter & Wegner - Klein Zack

    Verfilmte Inszenierung von Walter Felsenstein 1970 (Babrelsberg)

    Diesen wunderbaren Film habe ivch mir vor drei Wochen aus Anlass von Walter Felsensteins 118. Geburtstag wieder einmal mit Vergnügen angesehen.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

    Einmal editiert, zuletzt von William B.A. ()

  • Hans Nocker als Hoffmann und seine Kumpane in Auerbachs Keller - Klein Zack

    Verfilmte Inszenierung von Walter Felsenstein 1970 (Babrelsberg)

    Guten Morgen, lieber Willi, wenn Du bitte nochmal nachschauen möchtest: Die Szene spielt bei Lutter & Wegner in Berlin. Wer sich diese Verfilmung anschaut, wird feststellen, dass die Sängerin der Mutter im Antonia-Akt keine Erwähnung findet, weder im Abspann, noch in der Dokumentation der verschiedenen DVD-Ausgaben. Es ist Hanne-Lore Kuhse, die diese unsichtbare Rolle auch bei Aufführungen in der Komischen Oper Berlin und bei Gastspielen gesungen hat:


    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Es ist Hanne-Lore Kuhse, die diese unsichtbare Rolle auch bei Aufführungen in der Komischen Oper Berlin und bei Gastspielen gesungen hat

    Lieber "Rheingold1876",


    weißt du zufällig auch, ab wann und in welchem Umfang Frau Kuhse diese Rolle an der Komischen Oper Berlin gesungen hat? Ich hätte gedacht, dass sie die Rolle anfangs (Ende 1950er bis Mitte 60er), also sie anderswo noch die großen Sopran-Heroinen gesungen hat, wohl noch nicht gesungen hat. Nun habe ich nochmal in das Jahrbuch der Komischen Oper Berlin geschaut, wo alle Sängerinnen und Sänger, die dort bis 1972 gesugen haben, mit ihren jeweiligen Rollen aufgelistet sind, und muss sagen: Ich finde zwar ein halbes Dutzend Sängerinnen, welche die "Barkarolenstimme" gesungen haben, als Stimme der Mutter in "Hoffmanns Erzählungen" finde ich jedoch nur Frau Kuhse. Kann das sein, dass sie alle Vorstellungen dieser Inszenierung gesungen hat?

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Stimmenliebhaber, mit genauen Informationen kann ich leider auch nicht dienen. Ich weiß es nur pauschal. :(

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Zitat von Stimmenliebhaber

    Guten Morgen, lieber Willi, wenn Du bitte nochmal nachschauen möchtest: Die Szene spielt bei Lutter & Wegner in Berlin.

    Lieber Stimmenliebhaber, du hast natürlich völlig Recht. Ich war da wohl einer Fehlinformation innerhalb unserer Chorgemeinschaft aufgesessen. Jetzt singt er wieder am rechten Platz. Was Hanne-Lore Kuhse betrifft, habe ich nochmal das ganze Booklet durchgeschaut und nichts gefunden.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi, keine Ahnung, warum du mich jetzt namentlich zitiert hast, das Zitierte stammt zweifelsfrei von "Rheingold1876".

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Mit dem Zitieren - ist es so eine Sache, das ist eine große Kunst mit fieser Software.

    Aber ich komme zurück zum Thema.

    Eigentlich bin ich kein begeisterter Anhänger von Studio- oder Freilicht-Verfilmungen von Opern, Opern gehören meiner Meinung nach auf eine Bühne, vorzugsweise in einem Opernhaus.

    Aber die Inszenierung von Walter Felsenstein (ich wusste gar nicht, daß er Österreicher war) ist schon etwas ganz besonderes. Ich besitze die Aufnahmen, die aber inzwischen aus unerfindlichen Gründen leider gestrichen wurde.

    Sie bringt die Stimmung der eigentlichen romantischen Erzählungen aus denen die Oper zusammengeflickt wurde, absolut authentisch.

    Allerding könnte es sein - daß die Inszenierung von jüngeren Leuten (ich meine hier, jene, die um die 40 sind) als "antiquert" oder "verstaubt" gesehern wird, atmet sich doch in der Tat den Geist des 19. Jahrhunbderts, was durch die deutsch Sprache noch unterstrichen wird.

    Auch ich sehe das natürlich - aber es wird immer eine reine Geschmacksfrage sein, ab man diesen Hauch des altertü,lichen, der hier sehr gut rübergebracht wurde - als verstaubvt oder als Charmant- authentisch sehen will.

    Alles in allem eine Referenzaufnahme an der sich andere werden messen lassen müssen. Es geht hier nicht um "Qualität", sonderm wie "beeindruckend" die Geschichte rübergebracht wurde.

    Das hängt teilweise auch von der Bedeutung der Rehmenhandlung und der Rolle der Muse ab, wie man die schwerpunktmäßig eingeordnet hat.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Walter Felsenstein (ich wusste gar nicht, daß er Österreicher war)

    Die Information darüber wurde auch sehr kurz gehalten. Zumindest in der DDR. Felsenstein wäre ja auch töricht gewesen, seine ihm durch Geburt erworbene Staatsbürgerschaft aufzugeben. Nach meinen Informationen hat die DDR alles daran gesetzt, Felsenstein zum Übertritt in ihre Staastbürgenschaft zu bewegen. Das das schlug fehl. Stattdessen zog der Intendant der Komischen Oper aber von Dahlem im West-Teil Berlins in eine Gemeinde auf DDR-Gebiet, Glienicke/Nordbahn nördlich in Pankow um. Das war offenbar der Kompromiss. Dort wurde eine riesiges abgeschottgetet Anwesen für ihn mit Auslauf für Pferde hergerichtet. Gleichzeitig besaß er noch ein nicht minder großzügiges Anwesen auf der zur DDR gehörenden Ostseeinsel Hiddensee, wo er auch begraben ist. Frau Felsenstein fuhr zu Premieren ihres Mannes in einer Art Staatskarosse mit Chauffeur vor, nach meiner eigenen Erinnerung pompöser als die Queen. Die DDR ließ sich ihren berühmteste Intendaten schon einiges kosten.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Wie ich sehe, kann man hier immer noch dazulernen.


    Als nächste Inszenierung möchte ich die vohn John Schlesinger erwähnen. Meiner Aussfassung nach ist von den auf eine Opernbühne aufgeführte Inszenierung, diejenige, die das Feeling der Zeit am besten rüberbringt (wobei natürlich nicht von allen Inszenierungen Videoaufzeichnungen existieren) Also auch hier eine "konservative" Aufführung, scharf beobachtet und teilweise in einer Mischung aus bösartig und witzig. Von den Darstellern aus 1981 wird mir Tobert Tead als Spalanzani unvergesslich bleiben.Hier passt wohl der Satz "Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein kleiner Schritt. Dies Selbstgefälligkeit, diese hohle Würde - natürlich auch durch das Kostüm unterstrichen. Auch die Gesellschaft bei der Vorführung von Olympia ist bösartig karikiert


    Die Inszenierung wurd -soweit ich weiß - wieder neu aufgelegt uns hat einigen Jubel hervorgerufen. Es gibt auch schon eine neue -aufzeichnung von 2017 (natürlich wieder Covent Garden), die kenne ich aber (noch nicht) Ich habe erst vor einer -Stunde von deren Existenz erfahren. Selbsat wenn sie nicht so überzeugend sein sollte wie das Original - sso ist es begrüssenswert, daß auch heutige Opernbesucher diese wunderrbare Inszenierung sehen können....


    Dr. Kaletha und Rheingold1876 werden übrigens gebeten - so möglich - die von ihnen vorgestellten Inszenierungen kurz zu erläutern...


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • ... und Rheingold1876 werden übrigens gebeten - so möglich - die von ihnen vorgestellten Inszenierungen kurz zu erläutern...

    Das ist mir leider nicht möglich, weil mir entsprechehendes Material nicht zur Verfühung steht. Ich wollte nur auf die Kühnheit eines Bühnenbildes für "Hoffmann" im Jahr 1929 aufmerksam machen. Die Krolloper in Berlin war bekanntlich sehr avantgardistisch und deshalb vor allem den aufziehehende Nazis ein Dorn im Auge, die nicht nur gegen diese frühe Form desssen, was später Regietheater genannt wurde, waren sondern auch gegen den Komponisten Offenbach.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Ich brinr hier eine weitere Inszenierung ins Spiel, welche in der Tat "entstaubt" wurde ohne daß die Substanz angegriffen wurde. Inszeniert und ausgestattet von Pier Luigi Pizzi (inzwischen auch schon 89) im Jahre 2004, wobei die historische Substnz weitgehend unangetastet blieb, allerdings unter Vermeidung von übertriebenem Bombast. Interessant die Vertreter des Bösen in ihreren einheitlich schwarz-Roten Kostümen, faszinierend die Verwandlungen auf offener Böhne, beeindruckend das Ballet. Desiree Rancatore bringt hier eine neue Version der "Olympia" ins spiel, nämlich die einer FRIVOLEN und aufsässigen Puppe. Das wäre in dieser Lesart vor 50 und mehr Jahren schlichtweg undenkbar gewesen.

    Dieser Regieeinfall wurde in späteren Jahren von rahlreichen Regisseuren (IMO schlecht) kopiert oder übernommen.


    Über Thomas Morris, welcher als Darsteller des Spalanzani genannt wird, konnte ich leider nichts finden

    In der von mir verlinkten Szene liefert er ein Kabinettstück an Schauspielkunst.



    Eine wunderbare Inszenierung

    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Als nächste Inszenierung möchte ich die vohn John Schlesinger erwähnen. Meiner Aussfassung nach ist von den auf eine Opernbühne aufgeführte Inszenierung, diejenige, die das Feeling der Zeit am besten rüberbringt (wobei natürlich nicht von allen Inszenierungen Videoaufzeichnungen existieren)


    Die Inszenierung wurd -soweit ich weiß - wieder neu aufgelegt uns hat einigen Jubel hervorgerufen. Es gibt auch schon eine neue -aufzeichnung von 2017 (natürlich wieder Covent Garden), die kenne ich aber (noch nicht) Ich habe erst vor einer -Stunde von deren Existenz erfahren. Selbsat wenn sie nicht so überzeugend sein sollte wie das Original - sso ist es begrüssenswert, daß auch heutige Opernbesucher diese wunderrbare Inszenierung sehen können....

    Lieber Alfred,


    ich habe beide Aufführungen - sowohl die mit Domingo als auch die mit Grigolo - auf DVD. Beide habe ihre Meriten. Ich halte die Inszenierung von John Schlesinger für die beste Inszenierung von "Hoffmann Erzählungen", die es zur Zeit auf dem Markt gibt.

    Ich hätte genau diese Aufnahmen in das aktuelle Thema eingestellt.

    Die neuere Aufnahme ist als sängerischer Vergleich zu der älteren durchaus empfehlenswert. Leider hat Covent Garden die Oper in der Saison 2018/19 und in der neuen Saison 2019/20 nicht unter seinen Übertragungen in die Kinos angeboten. Sollte sie erneut angeboten werden, würde ich sie sofort buchen. Covent Garden bietet für seine Übertragungen überwiegend die wunderbaren Ballette des Royal Opera Houses an.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Hier der Trailer aus Gera von der Aufführung, die ich Weihnachten 2018 sah.



    Ich habe einen ziemlich umfangreichen Bericht eingestellt ins Forum, kann ihn aber nicht hierher verlegen, ja ich kann ihn nicht einmal finden. Irgendwie bin ich zu doof.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Meine liebste Inszenierung ist diese:


    Hoffmanns Erzählungen / Tales of Hoffmann


    Leider wohl nur als CD erhältlich, ich habe aber eine Verfilmung, die deutlich abweicht vom Original, da Balletteinlagen zu Beginn dominieren, aber Handlung und vor allem der gesangliche Teil mit einem phantastischen Rudolf Schock und einem hervorragenden Josef Metternich und den kaum nachstehenden Damen mich völlig überzeugen. Ich bin immer wieder begeistert.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich habe einen ziemlich umfangreichen Bericht eingestellt ins Forum, kann ihn aber nicht hierher verlegen, ja ich kann ihn nicht einmal finden. Irgendwie bin ich zu doof.

    Lieber La Roche, ich gehe mal davon aus, dass Du diesen Bericht über "Hoffmanns Erzählungen" in Gera meinst, den Du am 27. Dezember 2018 eingestellt hast:

    "Es war meine 5. Inszenierung, die ich von dieser Oper sah, davon die 3. in Gera (Anfang der 60-er Jahre,und vor ca. 20 Jahren, weiterhin in Leipzig etwa 1980 und in Dessau vor ca. 12 Jahren).

    Im Gedächtnis bleibt unverrückbar, daß mit der politischen Wende 1990 auch eine Wende in der Art der Regieführung zu beobachten ist.


    Um Karten für diese Aufführung mußte ich mich bemühen, bevor ich wußte, was mich erwartet. Premiere war am 30.11.2018, und Weihnachten war schon im Vorverkauf ausgebucht. Ich habe also entgegen meiner sonstigen Art die „Katze im Sack“ gekauft.


    Das Haus war also rappelvoll, wir saßen 8. Reihe Parkett, Kartenpreis 36,00 Euro. Im Foyer lag ein offensichtlich Obdachloser auf den Treppen, ein erster Hinweis auf kommende Ereignisse. Der geschlossene Vor-Vorhang wurde angestrahlt mit einer Außenaufnahme des Geraer Theaters, sah gut aus.


    Mit dem Klingelzeichen kam der Gammler ins Parkett und legte sich dort zur Ruhe. Mit dem Öffnen des Vorhanges schwebte die Gallionsfigur des Geraer Theaters virtuell vom Dach und trat als spätere Muse von der Seite her auf, der Einfall war gut.


    Mit Öffnung des roten Vorhanges erwartete man Lutters Weinkeller, doch es zeigte sich die Geraer Theatergaststätte „Szenario“ als Kulisse, dahinter wieder ein Vorhang. Es folgte der bekannte 1. Akt mit einem starken Chor im relativ modernen Ambiente.


    Übergangslos ging es zum Olympiaakt. Der nächst Vorhang ging dazu auf, es entstanden keine Pausen. Auf der Bühne ein riesengroßes, die gesamte Bühne umfassendes bahnhofshallenähnliches Gebilde, rechts von einem übergroßen Geigenkasten begrenzt, nach unten abschließend mittels Stoffvorhängen, in denen sich Eintrittsschlitze für die Besucher des Festes befanden. Sonst nichts auf der Bühne. Lediglich aus dem Gebilde ragten, den puppenähnlichen Charakter der Szene betonend, menschliche Gliedmaßen heraus. Spalanzani hatte Ähnlichkeit mit Albert Einstein. Es kamen die Muse im sehr sehr schönen Kostüm durch den Geigenkasten, Hoffmann ebenso, im grünen Kostüm. Die Gäste der Puppenvorführung kamen durch die Schlitze im Stoff, in weißen Kitteln, sie bekamen grünen Mundschutz und Kopfhauben darüber. Olympia befand sich in einem Gitter an einem Drehkreuz, im roten Kleid. Das Drehkreuz wurde elektronisch gesteuert. Olympia sang ihre Arie, und als ihr der Strom auszugehen drohte, verschwand sie im Seitenabgang und wurde elektronisch mit gräßlichen Geräuschen aufgeladen, bevor sie weitermachen konnte. Der Regisseur hat sich damit eines sehr bewährten Mittels verweigert, dem Aufziehen der Puppe mittels Hand. Hoffmann und Olympia „tanzten“ zusammen, indem sie im Drehkreuz Rücken an Rücken gedreht wurden. Der Chor stand ein 2-er Reihen hintereinander, nahm die Schutzmasken ab und jeder aus der 1. Reihe bekam mittels einer Gießkanne etwas zu trinken. Ein sehr bewegendes Bild. Die 2. Reihe ging leer aus. Schluckimpfung ist süß!! Der Chor kroch durch die Vorhänge nach draußen, frisch gestärkt oder medizinisch versorgt. Olympia wurde dann hinter die Bühne gefahren, und Coppelius brachte Arme und den Kopf der Ärmsten.


    Ohne Umbauten ging es weiter zur Antonia. Dasselbe Gebilde auf der Bühne, nur angedeutete Zypressen rechts und links ober. Der Geigenkasten lag jetzt in der Mitte. Antonia sang ihr Auftrittslied, laut dem mir bekannten Text sang sie über die entflohene Taube. Das war natürlich diesmal anders. Sie saß dazu in einem Käfig und wurde hochgezogen. Zum Glück ist sie nicht herausgefallen aus ihrem Käfig, der nicht einmal vergoldet war. Wieder mußten die Hauptakteure den Kasten als Tür nutzen und von unten her hochkrabbeln. Auf die Figur des Franz verzichtete die Regie. Spannung war nicht vorhanden, Dr. Mirakel war ein wenig Schrecken verbreitender „Landarzt“. Gut gemacht war der Auftritt der Stimme der Mutter, da hob sich eine Seite des Geigenkastens und man sah gespiegelt darin das Bild der Mutter, die ihre Tochter versuchte, zum Gesang zu überreden und damit zu sich zu holen. Das klappt ja dann auch. Warum Antonia im Rollstuhl sitzen mußte und dieser teilweise ohne Antonia ferngesteuert allein einige Runden auf der Bühne drehte, ist mir unklar.


    Nach der Pause stand der Gammler vor geschlossenem Vorhang auf, lief über die überbaute Vorbühne und sang das Couplet des Franz. Für mich deplaziert.


    Der Vorhang ging zum 4. Akt auf, wieder das Gerüst, im Hintergrund die Rialtobrücke. Der Geigenksten wurde zum Boot. Giulietta war verführerisch, wirkte aber steifbeinig und als Verführerin völlig ungeeignet. Warum Hoffmann barfuß, in Unterhosen und mit Bademantel auftrat, war gewöhnungsbedürftig. Der Akt ging ohne Höhepunkte zu Ende. Man traf sich danach wieder im Geraer Lokal, Hoffmann hatte erneut Pech, die Muse nahm wieder ihren Platz auf dem Dach des Theaters ein und es war Schluß.


    Es gab guten Applaus. Allerdings sind etliche Zuschauer in der Pause gegangen. Einige haben zum Applaus keinen Finger gerührt. Es wirkten auch Mitglieder des Thüringer Opernstudios auf der Bühne mit, und deren Anhänger waren es, die einige Bravorufe losließen. Der Beifall dauerte ca. 6 min.


    Nun zur Musik. Es wurde die Übersetzung von Josef Heinzelmann genutzt, und damit wird die Spiegelarie (deren Zuordnung sowieso umstritten ist) zur Diamantenarie. Der GMD Laurent Wagner war nicht am Pult, der langjährige 1. Kapellmeister Thomas Wicklein hat übernommen.

    Der ansonsten sehr hoch angesehene Duncan Hayler hatte die Ausstattung gemacht, sie war tatsächlich farbenfroh, aber sie kam nicht an das Niveau früherer Inszenierungen heran. Sein Image hat einige Kratzer bekommen, jedenfalls bei mir. Die Regie hatte der Generalintendant Kay Kuntze zu verantworten. Insgesamt sprang selten ein Funke über, was man am Szenenapplaus bemerken konnte. Diese Oper, die vor Melodien und Bühneneffekten nur so strotzt schleppte sich größtenteils nur dahin. Szenenapplaus gab es nur beim Kleinzack (sehr verhalten), bei den Auftrittsliedern der Olympia und Antonia und nach der „Diamantenarie“.


    Hugo Mallet als Hoffmann hat eine glanzvolle Stimme und steigerte sich nach schwachem Beginn. Allerdings ist seine Stimme entweder für den Hoffmann ungeeignet oder nicht“schwer“ genug. Sie klang selbst für unser Theater sehr klein. Es ist mir unvorstellbar, wie er in Würzburg und Zagreb den Lohengrin sowie in Longborough und Peking den Siegfried gesungen haben soll, wie es seine Vita angibt.

    Der auch im Forum geführte Alejandro Larraga Schleske gab einen soliden Bösewicht, konnte gesanglich gefallen, aber überzeugte darstellerisch nicht. Das diabolische besonders als Dr. Mirakel

    ging ihm völlig ab. Er hat noch viel vor sich, ein gutes Stimmenmaterial hat er jedenfalls.

    Die Olympia gab Miriam Zubieta. Ihre Koloraturen kamen rein und klar. Ich mag mir vorzstellen, wie groß ihre Wirkung gewesen wäre, wenn ihr die Regie keine Fesseln angelegt hat. Ihre optische Erscheinung und leichfüßige Bewegung hätten mehr ermöglicht.

    Als Antonia überzeugte Anne Preuß. In tiefen und mittleren Lagen ist ihr Sopran tragfähig und klangschön, bei hohen Tönen waren scheppernde Töne allerdings nicht zu überhören. Rebekka Reister als Giulietta, hat einen sehr dunkel gefärbten Sopran, und wie schon bemerkt, konnte ich ihr die Rolle als Kurtisane nicht abnehmen. Die beiden Stimmen in der Barkarole paßten auch nicht so recht zusammen, weshalb der gerade nach diesem Zugstück der erwartete Applaus ausblieb. Die Muse von Juliane Bookhagen als Gast vom Thüringer Opernstudio war in meinen Augen die Bestbesetzung. Ein angenehm timbrierter Mezzo mit wunderbarer Tiefe verspricht mehr. Sie kann einmal ein ausgezeichneter Octavian werden, und ich überlege, sie als neue Stimme vorzustellen.

    Die übrigen Rollen waren dem Niveau des Hauses entsprechend besetzt. Hervorzuheben wäre der Chor, der verdient großen Applaus bekam.

    Ob das Orchester unter seinem GMD zu mehr Verve in der Lage gewesen wäre, kann ich nicht beurteilen. Wicklein ist eigentlich bekannt für zügige Tempi. Ich glaube, daß auch die Spielfreude

    aller Akteure durch die Regie gelitten hat, denn mein Gesamteindruck ist eindeutig. Was das Geraer Theater kann, hat es z.B. im Oedipe bewiesen. Dieser Hoffmann ist ein anderer Maßstab.


    Herzlichst La Roche"


    Wie habe ich ihn gefunden? Ganz einfach indem ich bei Google folgendes eingegeben habe. "Taminio Klassikforum La Roche Hoffmanns Erzählungen Gera". So gesucht, klappt es (fast) immer. :) :hello:

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lieber LaRoche,


    du meinst sicherlich diesen Film:

    4006680078960.jpg

    Er ist als Ballettfilm konzipiert. Ein farbenprächtiger Film, den man als den besten Opernfilm aller Zeiten bezeichnet, obwohl es richtiger "Ballettfilm" heißen müsste. Ich habe ihn mir kurz nach dem Erscheinen gekauft und schon einige Male angeschaut. Er ist übrigens zu einem sehr günstigen Preis sowohl bei Amazon als auch bei jpc zu erwerben (unter 10 €)


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • "Zum Glück ist sie nicht herausgefallen aus ihrem Käfig, der nicht einmal vergoldet war."

    Über diesen Satz muss ich nun doch schmunzeln. Wahrscheinlich ist der Solidaritätszuschlag nicht hoch genug, dass sich Gera Blattgold leisten kann! :D


    Schöne Grüße

    Holger

  • Lieber Holger, das Zitat stammt leider nicht von mir. Ich hatte mir lediglich erlaubt, eine Besprechung von La Roche, die er nicht wiederfinden konnte, in dieses Thema einzustellen. Unser Freund wird hoffentlich nichts dagegen haben. :hello:


    Ich habe einen ziemlich umfangreichen Bericht eingestellt ins Forum, kann ihn aber nicht hierher verlegen, ja ich kann ihn nicht einmal finden.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Unser Freund wird hoffentlich nichts dagegen haben. :hello:

    Im Gegenteil, lieber Rüdiger, ich danke Dir dafür!!


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Eine meiner Lieblingsopernist "Hoffmanns Erzählungen. Da kann man als Regisseurt nur wenig falsch machen - obwohl es einigen immer wieder gelingt- Die Oper ist von Beginn an Patchwork (allerdings ein Gelungenes) Deutsch Novellen von E.T.A. HOFFMANN werden zu einem Ganzen geflickt - und das auf französiche. die Reihenfolge der Akte ist einigermaßen beliebig. Einige der berühmtesten Arien stammen garnicht aus dieser Oper und teilweise velleicht gar nicht von Offenbach. Die Rolle der Muse wird beliebig gekürz oder aufgewertet. Alles ain allem eine kunterbunte Mischung - aber was für eine. Offenbach war selbst kein Puritaner - er hätte gegen Bearbeitungen nur wenig einzuwenden gehabt. Allerdings ist es eine Frage wie weit man gehen sollte:

    Die Aufführung aus Gera fand ich - nachdem was ich davon gesehen hatte - nicht so schlim - notabene, da sie einige Perversitäten perfekt in unsere Zeit transponiert. Wo dem Patienten das Herz entnommen wird um es der Puppe einzupflanzen - das hat schon was


    Ich komme nun zu meiner Lieblinginszeierung der heutigen Zeit - unmd das ist jene der Wiener Staatsoper. Zwar erreicht sie nicht as Flair der alten Londoner Inszenierung, wo das 19. Jahrhundert geradezu perfekt persifliert wird - aber es gibt da einige Stellen, die optisch beeindruckend sien, einerseita die altertümlichen Geräte in Spalanzanis Kabinett - andrerseits meine ich, daß die weissen Männchen, die von ihrem Hern und meister dirigiert werden, Bits eines Computers darstellen sollen... '('?)

    Sollte die Aufführung je auf CLue Ray erhältlich sein - ich würde sie mit Tausend Freuden kaufen



    Ebenfalls Wien:

    Hier die Wiener Volksoper:


    Eie ander Inszenierung - aber der "Wiener Geschmack" ist IMO unverkennbar....


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Oh ja, am kommenden Donnerstag geht es seit Februar 2020 endlich wieder in die Oper und auf dem Spielplan steht eine Neuinszenierung von Offenbachs Les contes d’Hoffmann. Es werden unter anderem singen Benjamin Berheim in der Titelrolle, Olga Peretyatko die Damenrollen Olympia/Antonia/Giulietta/Stelle und Luca Pisaroni als Bösewichte Lindorf/Coppélius/Dr.Miracle/Dapertutto. Am Pult GMD Maestro Nagano.


    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Das scheint ja musikalisch ein Leckerbissen zu sein! Berheim macht stimmlich einen ausgesprochen guten Eindruck, Peretyatko sieht außerdem noch immer prachtvoll aus. Eigentlich mag ich es nicht, wenn alle 4 Damen von ein- und derselben Person gesungen werden. Nicht jede, die die Koloraturen der Olympia bringt kann auch als teilweise dramatische Antonia zu überzeugen. Vielleicht gelingt es in Hamburg. Pisaroni kann das diabolische und dämonische seiner Rollen

    garantiert spielen, aber seine gesanglichen Glanzpunkte waren ja eigentlich Mozartrollen. Hier betritt er wahrscheinlich Neuland, wobei er sicher weiß, was er kann und will.

    Die Regie scheint für mich im Grenzbereich zu sein, aber wäre ich Hamburger, würde ich mir auch eine Karte besorgen.

    Nach so langer Abstinenz wäre selbst ich bereit, über meinen Schatten zu springen, wenn die Mauern nicht zu hoch sind.


    Viel Spaß, Unterhaltung und vielleicht auch neue Erkenntnisse wünscht La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich hab mir den Trailer angeschaut.

    Wenn man es akzeptiert, daß man hier IMO auf die vielen Möglichkeiten verzichtet, die eine "Historisch übertriebene" Ausstattung böte, dann ist diese Auffassung gar nicht mal so schlecht. Insbesondere die Szenen aus Venedig - der Teil den ich stets als den schwächsten empfand . ist hier dank "historischer" Kostüme geglückt.

    Aber die Krönung der Saison folgt in meinem anschliessenden Beitrag.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Liebe Opernfreunde

    und speziell Freunde der Oper "Hoffmanns Erzählungen"

    Machen wie einen kurzen Ausflug nach Buenos Aires ans Tetro Colon -eines der schönsten Opernhüuser der Welt.


    Hier habe ich einen Clip gefunden, den ich ursprünglich für einen Trailer hielt - aber nein - es sit die gesamte aufführung in bester Optische und akustischer Qualität und eine der übeerzeugendsten Inszenierungen unserer Zeit. Natürlich wollte man auf ein paar modernismewn nicht verzichten - aber der Gesamteindruck ist über alle Maßen ästhetisch, beeindruckend, überzeugend und die Parodistische Not kommt auch nicht zu kurz. Nehmen wir zwei kurze Stellen: Den Ball zur Promotion von Olympia. Das Publikum sit im Still der 20er Jahre (1920) gekleidet, aber die Pagen tragen Rokoko-Livrees. Das Ballet hat die hübschesten Tänzer aufgeboten. Scheinbar perfekt, aber hinter all der oberflächlichen arrogant-eleganten Schönheit verbirgt sich ein boshafter Zug, die neugierige Gesellschaft wird lächerlich dargestellt.Die Darstelle sind gut gewählt und die Kostüme ebenso. IMO einfach perfekt. Es ist bedauerlich, daß wir hier (zumindest) DREI inszenierungen geigen konnten, von denen keine einzige käuflich zu erwerben ist - Nur das was man uns aufzwingen will wird als Blue ray produziert. (und das werde ich DENNOCH NIC'HT !!) kaufen.

    Wer diese Videoaufzeichnung nicht ansieht ist selber schul - ewig wird sie ja vermutlich nicht im Netz bleiben....



    mfg aus Wien

    Alfred


    Hinter den Kulissen:





































































































































































































































































































































    mfg aus Wien

    ALfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......