E.W. Korngold, Die tote Stadt, Komische Oper Berlin, 28.6.2019

  • There is nothing more dangerous than a weak man

    In dem sehenswerten Gespräch zwischen Camille Paglia und Jordan Peterson merkt letzterer an: "There is nothing more dangerous than a weak man." "Absolutely!" pflichtet Paglia ihm bei.

    Auch die Frage, was Marietta und Paul aneinander bindet, kommentiert Peterson: "The femme fatale and the anti-hero are sexually attractive for a reason." (1)
    Nach meinem ersten Besuch der Carsen-Inszenierung der Toten Stadt im letzten September hatte ich in meinem Bericht für das Klassikforum einiges auszusetzen, aber im Verlauf der Spielzeit ist sie mir doch lieb geworden.

    Aleš Briscein ist ein Typ, wie man ihn auf Opernbühnen eher selten findet. Sein bei Carsen allen informativen Beiwerks entledigter Paul ist zu schwach, um dem Mahlstrom seines retardierten Begehrens zu entkommen. Carsen läßt das in Mord münden, was Schott nur als Möglichkeit angedeutet, aber mit Pauls Aufwachen verworfen hatte.

    So wie ich Briscein beim ersten Mal gehört hatte, benötigte er auch vorgestern eine gewisse Aufwärmphase, überzeugt im Verlauf des Abends aber mehr und mehr.

    Da die Tote Stadt in der nächsten Saison an der KOB nicht auf dem Spielplan steht, müssen die Berliner vorerst auf Sara Jakubiak verzichten, die als Heliane und Marietta wesentlich zu Korngolds Erfolg in Berlin beigetragen hat.

    Carsen hat ihr mit seiner Regie breiten Raum zur Entfaltung gegeben. Es ist spannend zu sehen, wie sie sich den wunden Witwer unterwirft und wie am Beginn des dritten Akts aus verführerischem Spiel Ernst wird, sie den Kampf mit der omnipräsenten Verblichenen, der sie so sehr gleicht, aufzunehmen gewillt ist. Als nicht nur er, sondern auch sie skin in the game hat, wird es wirklich gefährlich. Nicht immer verständlich, aber mit warm leuchtendem Sopran singt Jakubiak die Marietta. Daß sie auch als Erscheinung in dieser Rolle absolut überzeugt, dankt das Publikum mit viel Beifall.


    Die Tote Stadt erfreute sich auch am Ende der Spielzeit großen Zuspruchs. Das Haus war fast ausverkauft. Schwachpunkt bleibt der inkohärente Schluß, der auch bei mehrmaligem Besuch der Oper nicht überzeugender wird.



    (1) Jordan Peterson, 12 Rules for Life, Penguin Books, paperback, p. 91

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Meiner Meinung nach lebt diese Oper gerade dadurch, dass man nicht weiss, was wahr und was Wahn ist. Meiner Meinung nach holt ein Mord das Werk auf die Ebene eines Krimis runter- oder gab es da noch andere Aspekte?

    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard


  • Aleš Briscein ist ein Typ, wie man ihn auf Opernbühnen eher selten findet.

    So wie ich Briscein beim ersten Mal gehört hatte, benötigte er auch vorgestern eine gewisse Aufwärmphase,

    überzeugt im Verlauf des Abends aber mehr und mehr.

    Der Tenor Aleš Briscein ist an der Staatsoper Prag /Nationaltheater engagiert und gastiert auch an einigen anderen Häusern.

    So auch seit einigen Jahren am Opernhaus Liberec /Reichenberg. Ich habe ihn dort sehr oft als Alfredo in der Traviata und als

    Duca im Rigoletto erlebt. Er war in beiden Partien stimmlich und darstellerisch immer überzeugend und richtig gut.

    Vor allem brillierte er mit sicheren hohen Tönen.


    Hallo, Hans

    Entschuldigung, meine Ergänzung paßt zwar vielleicht nicht ganz hier in Deinen Thread.

    Aber da ich nicht weiß, ob Du diesbezüglich meine früheren Berichte gelesen hast, dachte ich, vielleicht interessiert es Dich aktuell.

    Deshalb habe ich mir erlaubt, mit meiner Einschätzung und Erfahrung zu ergänzen.


    Herzliche Grüße

    CHRISSY

  • Lieber Chrissy, Briscein hat mir als Paul ja durchaus gefallen. Im Herbst werde ich ihn in Berlin als Lenski sehen und vielleicht raffe ich mich auch auf, um seinen Lohengrin in Prag zu hören. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Meiner Meinung nach lebt diese Oper gerade dadurch, dass man nicht weiss, was wahr und was Wahn ist. Meiner Meinung nach holt ein Mord das Werk auf die Ebene eines Krimis runter- oder gab es da noch andere Aspekte?

    Lieber Souffleur, die Reduktion auf einen Kriminalfall funktioniert nicht. Ich habe versucht, das in meinem Bericht vom letzten Herbst zu begründen. Aber in Carsens Inszenierung sind viele Details zu finden, wo man ihn als präzisen Beobachter und Psychologen erkennt. Mir hat besonders sein Blick auf Marietta zugesagt, die weit mehr als das Imago der Marie ist. Mit Fr. Jakubiak hatte er auch die richtige Sängerin und Darstellerin dafür. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Chrissy, Briscein hat mir als Paul ja durchaus gefallen.

    Lieber Hans

    Das freut mich und ich habe Dich auch so verstanden.

    Im Herbst werde ich ihn in Berlin als Lenski sehen und vielleicht raffe ich mich auch auf, um seinen Lohengrin in Prag zu hören.

    Ja, ich weiß, Aleš Briscein gibt in Prag auch den Lohengrin.

    Und auch hier noch ein Hinweis, falls Du es nicht weißt:

    Auf youtube gibt es viele Aufnahmen mit ihm - u. a. als Alfredo und auch als Lohengrin.


    Dir einen schönen Abend und herzliche Grüße

    CHRISSY

  • Ich war auch in der Vorstellung am Freitag (und zuvor am 31.10.). Die letzte Aufführung in der Spielzeit der Premiere war für mich eine angenehme Überraschung. Sowohl die Inszenierung als auch die Besetzung haben mir viel besser als bei meinem Besuch im Herbst gefallen. Damals bin ich mit Ales Briscein nicht richtig warm geworden, am Freitag fand ich ihn ausgezeichnet, auch wenn die Stimme nicht unbedingt meiner Idealvorstellung für den Paul entspricht. Er zeigte auch keinerlei Ermüdungserscheinungen und passte hervorragend in die Inszenierung. Sein Tenor ist zwar schmal, aber sehr robust. Das Dirigat von Rubikis hat mir gefallen. Ich finde es bemerkenswert, dass ich in den vergangenen Tagen in der Komischen Oper zwei Werke hervorragend aufgeführt erlebt habe, die eigentlich eher in die DOB oder Staatsoper gehören. Sehr erfreulich war auch die Leistung des Orchesters.

  • Zitat von Kapellmeister Storch

    auch wenn die Stimme nicht unbedingt meiner Idealvorstellung für den Paul entspricht.

    Lieber Kapellmeister, wer wäre/ist denn deine Idealvorstellung?


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Fiesco,


    das ist eine berechtigte und gute Frage. Vor 15 Jahren habe ich Stephen Gould in der Partie gehört. Den fand ich damals hervorragend. Seine Stimme war 2004 natürlich nicht so schwer wie heute. James King habe ich als Paul leider nicht mehr live erlebt. Es wäre sicher interessant gewesen, wenn Botha die Rolle gesungen hätte. Aktuell wären vielleicht Beczala und Ventris interessante Kandidaten. Zumindest Beczala wird sich das Vielleicht nie antun. So wird auch Seiffert die Rolle aus gutem Grund nie gesungen haben. Schade...

  • Vor 15 Jahren habe ich Stephen Gould in der Partie gehört. Den fand ich damals hervorragend.

    Ich nicht. Richtig gefallen hat mir Gould dann zum ersten Mal wirklich, als ich ihn kurz darauf als Bacchus am anderen großen Berliner Opernhaus hörte. Bei seinem Paul kann ich mich hingegen nur noch an Mühe in der Höhe und Problemen bei der sprachlichen Bewältigung der Rolle erinnern. Allerdings ist das auch nicht mein Stück, insofern mag deine Meinung in diesem konkreten Fall tatsächlich mehr Relevanz haben als deine. Soll heißen: Ist mir egal, wer der ideale Paul ist, mich zieht wenig nochmal da rein. ;)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • Lieber Fiesco!


    ...wer wäre/ist denn deine Idealvorstellung?


    Bei wenigen Opernpartien ist es so schwer, sich das Ideal auszumalen, wie beim Paul.


    Auf jeden Fall müsste er wohl eine lyrische Stimme haben und die Trauer, die Melancholie und das Traumverlorene der Figur zum klingen bringen können. Zentral ist ein fließendes Legato, mit dem die wunderschönen weiten Bögen gespannt werden sollten. Das haben natürlich Tauber und Joseph Schmidt geradezu ideal gekonnt. Aber hat Tauber auch die flammende Höhe gehabt, die er etwa für die religiöse Ekstase brauchte? Also zu allen lyrischen Qualitäten müsste ein heldischer, vor allem in der Höhe expansiver Ton kommen, der im 3. Akt auch den Jähzorn, die Raserei, das Außer-sich-geraten vermitteln kann.

    Vor allem darf der Sänger kein nüchterner Gestalter sein, er müsste die extremen Stimmungen wirklich glaubhaft ausleben. Eine andere Gefahr scheint mir allerdings das Versinken in Sentimentalität und Larmoyanz. Das hat mich wieder und wieder in Aufführungen aber auch auf Aufnahmen sehr abgestoßen. Der Paul verlangt also wirklich eine heikle Gratwanderung: zwischen Nüchternheit und Rührseligkeit.


    Ich habe gut ein dutzend Interpreten der Partie gehört. Ein Tenor, der alle meine Erwartungen und Vorstellungen getroffen hätte, war nicht dabei. Trotzdem würde ich sagen, dass Wiesław Ochman dem Ideal sehr nahe kam. Sehr nahe! Er war der beste Paul, den ich live gehört habe.


    Eine Interpretationsoption, die mich sehr überzeugt hat, bot Nobert Schmittberg, der die Obsessionen und Neurosen des Paul gleichsam als pathologische Studie vorführte und vor keinen Extremen zurückschreckte. Das war beklemmend gestaltet und ungemein fesselnd. Auch seine gesangliche Leistung war eindrucksvoll, weil er damals noch lyrische Qualtäten besaß, oft sogar an Tauber erinnerte, aber auch schon den heldischen Anforderungen gerecht wurde, wobei er nicht selten an Vickers denken ließ.


    Deine Frage war zwar nicht an mich gerichtet.

    Hoffentlich nimmst Du mir es nicht übel, dass ich trotzdem meine Meinung dazu gesagt habe,


    Beste Grüße

    Caruso41

  • Eine Interpretationsoption, die mich sehr überzeugt hat, bot Nobert Schmittberg

    Lieber Caruso, wann war das denn?


    Ich habe Schmittberg zwar in guter Erinnerung als Julien in der gleichnamigen Oper von Charpentier (die Fortsetzung der Louise, die es vor Jahren in Dortmund gab), aber als Paul hatte er in Zürich stark zu kämpfen mit den Tücken der Partie.

    Ich denke immer noch an die Krämer Inszenierung an der DOR mit Cynthia Makris und Mario Brell, die waren beide in bester Verfassung. In jüngerer Zeit war in Basel Rolf Romei recht überzeugend. Wirklich interressieren würde mich noch demnächst München mit Marlis Petersen, die ich mir sehr gut vorstellen kann. Auf Jonas Kaufmann würde ich in der Rolle des Paul allerdings keine Wette abschliessen.


    was hält die Fan-Gemeinde von der Strassburger Aufführung mit Torsten Kerl (und Angela Denoke im Bild) ?



    Grüsse von Souffleur / Richard

    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard


    Einmal editiert, zuletzt von Souffleur ()

  • Lieber Fiesco,


    das ist eine berechtigte und gute Frage. Vor 15 Jahren habe ich Stephen Gould in der Partie gehört. Den fand ich damals hervorragend. Seine Stimme war 2004 natürlich nicht so schwer wie heute. James King habe ich als Paul leider nicht mehr live erlebt. Es wäre sicher interessant gewesen, wenn Botha die Rolle gesungen hätte. Aktuell wären vielleicht Beczala und Ventris interessante Kandidaten. Zumindest Beczala wird sich das Vielleicht nie antun. So wird auch Seiffert die Rolle aus gutem Grund nie gesungen haben. Schade...

    Da sagst du was. Johan Botha hätte ich gerne in der Rolle gehört. Zuletzt gab es viel Lob für die Produktion an der Scala. Zu hören noch mal am 3. August im Radio Ö1. Es sang Klaus Florian Vogt. Obwohl ich mir für die Partie sonst eine kräftigere Stimme wünsche, fand ich die gehörten Ausschnitte wunderbar.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Wirklich interressieren würde mich noch demnächst München mit Marlis Petersen, die mir sehr gut vorstellen kann. Auf Jonas Kaufmann würde ich in der Rolle des Paul allerdings keine Wette abschliessen.


    Ich plane, im Herbst nach München zu fahren und dort in die Tote Stadt zu gehen.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Souffleur!

    Lieber Caruso, wann war das denn?

    Das war 2003 oder 2004 in Braunschweig. Ich habe die Produktion dreimal erlebt - kann aber gerade das Programmheft nicht suchen, da ich nicht zu Hause bin!

    Bei Schmittberg haben mich sicher die totale Identifizierung mit der widersprüchlichen Figur und die irrsinnige Intensität der Darstellung mehr überzeugt als die rein sängerische Leistung. Aber die war auch geeignet, das Portrait, das er als Darsteller zeigte, zu beglaubigen!

    Etlichen Kritiken, die ich über seinen Züricher Paul gelesen habe, entnehme ich, dass das in Zürich nicht anders war - zumindest in der Premiere!

    http://www.impresario.ch/review/revkortot.htm#SGTB


    Beste Grüße

    Caruso41

  • Ich habe Norbert Schmittberg 2006 an der Deutschen Oper Berlin mit der Partie erlebt, da konnte er sie rein vokal nicht mehr bewältigen und hat alle hohen Töne im Falsett gesungen bzw. oktaviert. Ich habe es als ein sehr schmerzhaftes Erlebnis in Erinnerung. Zum Schluss wurde er ausgebuht.

    Im selben Jahr war er als Cover von Torsten Kerl in der gleichen Partie mit einer Vorstellung im Vertrag am Gran Teatro del Liceo engagiert. Er musste nach 20 min abbrechen, Kerl sang die Vorstellung zu Ende.

  • Meine erste Tote Stadt war die Götz Friedrich Inszenierung in Berlin mit King/Armstrong, damals galt King als >der Paul<!

    Die Brigitta sang Margit Neubauer eine Säule der Frankfurter Oper von 1977 bis 2016!


    Die letzte die ich gesehen habe war in Frankfurt mit einem hervorragenden Paul von Burkhard Fritz, auch Klaus Florian Vogt war sehr gut, die Marie/Mariettas war Nicola Beller Carbone, jedoch war.später Tatjana Pavlovskaya dann die bessere Marie/Marietta!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Die letzte die ich gesehen habe war in Frankfurt mit einem hervorragenden Paul von Burkhard Fritz, auch Klaus Florian Vogt war sehr gut, die Marie/Mariettas war Nicola Beller Carbone, jedoch war.später Tatjana Pavlovskaya dann die bessere Marie/Marietta!

    Ich habe die Frankfurter Produktion in einer Serie im Oktober 2015 erlebt. Die damals noch unbekannte Sara Jakubiak sang damals Marie/Marietta ganz hervorragend. David Pomeroy sang den Paul zwar sehr souverän, war darstellerisch allerdings fast nicht vorhanden.

  • Ihr Lieben!

    Cynthia Makris und Mario Brell

    Cynthia Makris war natürlich ideal aber auch Mario Brell war ein überzeugender Paul!

    Meine erste Tote Stadt war die Götz Friedrich Inszenierung in Berlin mit King/Armstrong, damals galt King als >der Paul<!

    Und das nicht zu Unrecht! Als James King die Partie einstudierte, hatte ich die Befürchtung, dass er mit Korngold nicht viel anfangen könnte, da seine Stimme recht metallisch war, wenig Schattierungen und Farben hatte, vor allem aber nicht geschmeidig genug eingesetzt wurde. Auch fürchte ich, dass seine geradlinige Art zu singen die Figur nicht recht treffen würde. Diese Befürchtungen waren zum Glück - nach vier oder fünf Aufführungen!!! - gegenstandslos. So war King mit Sicherheit der beste Interpret des Paul in den 70er und 80er Jahren.

    Das ändert aber nichts an meinem Urteil, dass es Wiesław Ochman war, der meinem Idealbild, das ich von der Partie habe, am nächsten kam. Aber der Vergleich muss hier nicht weiter ausgeführt werden. Schon gar nicht will ich die beiden Tenöre gegeneinander ausspielen. Sie waren beide vorzügliche Interpreten der Partie.


    Es gab noch andere, die immerhin gute Besetzungen für die Partie waren. Mario Brell wurde schon genannt. Ich würde auch John Alexander dazu zählen.


    Kollo scheint die Partie nur aufgenommen aber nicht auch der Bühne gesungen zu haben. Mein Paul wäre er auch nicht. Zumindest die Aufnahme finde ich recht unbefriedigend.


    Ich habe Norbert Schmittberg 2006 an der Deutschen Oper Berlin mit der Partie erlebt, da konnte er sie rein vokal nicht mehr bewältigen und hat alle Höhen Töne im Falsett gesungen bzw. oktaviert. Ich habe es als ein sehr schmerzhaftes Erlebnis in Erinnerung.

    Das glaube ich gerne. Ich habe ihn etwa zu selben Zeit in der Partie in Nürnberg gehört. Das war eine einzige Enttäuschung!


    Beste Grüße an Euch drei


    Caruso41

  • Kollo scheint die Partie nur aufgenommen aber nicht auch der Bühne gesungen zu haben.

    Lieber Caruso41, nun hast Du die Frage, die ich gerade stellen wollte, schon beantwortet. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Ihr Lieben!


    Durch meine Bemerkung über die "Interpretationsoption" von Nobert Schmittberg ist eine kleine Diskussion über diesen Tenor entstanden. Leider hatte er nur eine sehr kurze Glanzzeit, da er sich so rückhaltlos in seinen Interpretationen verausgabt hat. Die Diskussion aber fand ich sehr interessant und sie hat mich dazu gebracht, mich weiter mit Schmittberg zu beschäftigen. Davon etwas zu berichten, ist es zu früh und dies nicht der richtige Thread.


    Leider ist über die Konzentration der Diskussion auf Schmittberg ein Hinweis von mir auf den Paul von Wiesław Ochman überhaupt nicht weiter verfolgt worden. Das finde ich schade, denn der Paul von Ochman war nämlich etwas ganz Besonderes! Zum Glück gibt es zwei Ausschnitte, die er beim NDR oder WDR gemacht hat. Ich hoffe, dass die auch gelegentlich mal veröffentlicht werden.

    Aber sonderbarerweise gibt es nur ein Interesse an den späteren Aufnahmen von Ochman, auf denen er in Gesamtaufnahmen von slawischen Komponisten zu hören ist. So scheint die DGG nicht mal bereit zu sein, ihr viel gepriesenes Album mit Arien von Verdi und Puccini wieder auf CD herauszubringen. Das ist höchst ärgerlich. Zum Glück habe ich noch die LP und einen Plattenspieler.


    Beste Grüße

    Caruso41

  • Zitat von Caruso41

    ein Hinweis von mir auf den Paul von Wiesław Ochman überhaupt nicht weiter verfolgt worden. Das finde ich schade, der der Paul von Ochman war nämlich etwas ganz Besonderes! Zum Glück gibt es zwei Ausschnitte, die er beim NDR oder WDR gemacht hat. Ich hoffe, dass die auch gelegentlich mal wieder veröffentlicht werden.

    Aber wie soll man auf etwas Antworten was man nicht gehört hat?


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Leider ist über die Konzentration der Diskussion auf Schmittberg ein Hinweis von mir auf den Paul von Wiesław Ochman überhaupt nicht weiter verfolgt worden.

    Wiesław Ochman wurde wahrscheinlich nicht weiter beachtet, weil es bei youtube keine Aufnahme mit ihm als Paul gibt, zumindest finde ich keine.

    Aber ich hänge mich direkt dran, denn der von mir in #13 eingestellte Clip von Torsten Kerl ist anscheinend auch nciht bemerkt worden. Man sollte dazu aber unbedingt auch noch die Marietta von Angela Denoke hören in der Strassburger Inszenierung hören.



    [am]Korngold, Erich Wolfgang - Die Tote Stadt[/am]

    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard


  • Zitat von Souffleur

    Wiesław Ochman wurde wahrscheinlich nicht weiter beachtet, weil es bei youtube keine Aufnahme mit ihm als Paul gibt, zumindest finde ich keine.

    Ich auch nicht!


    Zitat

    Man sollte dazu aber unbedingt auch noch die Marietta von Angela Denoke hören in der Strassburger Inszenierung hören.


    Oh ja! :thumbup::thumbup::thumbup:Die beiden sind ein tolles Paar auch in dieser Fespielproduktion!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Aber wie soll man auf etwas Antworten was man nicht gehört hat?


    LG Fiesco

    Die Frage ist berechtigt, lieber Fiesco!

    Immerhin habe ich die Schlussszene kürzlich im Hörfunk wieder mal hören können.

    Aber die Taminos aus dem Rheinischen oder aus Hamburg könnten ihn ja auch noch live gehört haben. Allerdings hat er da meines Wissens nicht den Paul gesungen.


    Generell ist mir wichtig, auf Gesangskünstler wieder und wieder hinzuweisen, die zu Unrecht vergessen sind. Darum habe ich meinen obigen Beitrag auch noch mal erweitert, obwohl das nicht in diesen Thread hier passt.


    Beste Grüße

    Caruso41


    PS.: Denoke und Kerl habe ich zweimal live in Straßburg gehört. Die waren damals beide - und vor allem zusammen - schon sehr eindrucksvoll.


    Caruso41

  • Nur der Vollständigkeit halber füge ich Mariettas Lied in der Version von Cheryl Barker und Stefan Vinke an.


    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz