BEETHOVEN: Musik zu Goethes Freiheitsdrama "Egmont"

  • Im Jahr 1775 faßte Johann Wolfgang von Goethe den Entschluß, über den Freiheitskampf der Niederländer gegen die spanische Herrschaft ein Trauerspiel zu schreiben. Er nahm es zwar noch im gleichen Jahr in Angriff, vollendete sein Werk aber erst 12 Jahre später, 1787. Am 9. Januar 1789 fand in Mainz die Uraufführung des Stückes statt.

    Im Jahr 1809 beauftragte der Leipziger Verleger Gottlieb Christoph Härtel (Verlag Breitkopf & Härtel) Ludwig van Beethoven, für Goethes Drama eine Schauspielmusik zu komponieren. Beethoven war sofort begeistert und machte sich unverzüglich an die Arbeit seines Opus 84, die er bereits im folgenden Jahr abschloß. Besonders bekannt wurde die Ouvertüre, die immer wieder im Konzertsaal aufgeführt wird und bis heute zu den populärsten Stücken des Komponisten zählt.

    Insgesamt umfaßt Beethovens Komposition, die in der Folge mit Goethes Drama eng verbunden blieb, folgende Nummern:


    1. Ouvertüre

    2. Klärchens Lied: "Die Trommel gerühret"

    3. Zwischenaktmusik I (Andante - Allegro con brio)

    4. Zwischenaktmusik II (Larghetto)

    5. Klärchens Lied: "Freudvoll und leidvoll"

    6. Zwischenaktmusik III (Allegro - Marsch. Vivace)

    7. Zwischenaktmusik IV (Poco sostenuto e risoluto - Larghetto - Andante agitato)

    8. Musik, Klärchens Tod bezeichnend (Larghetto)

    9. Melodram (Egmont): "Süßer Schlaf"

    10. Siegessinfonie (Allegro con brio)


    Beethoven schrieb seine Schauspielmusik für eine szenische Aufführung. Da diese im Konzertsaal nicht realisierbar ist, wird dort in der Regel nur die Ouvertüre gespielt.

    Goethes Drama spielt in Brüssel während der Zeit des niederländischen Aufstandes gegen die spanische Herrschaft, in den Jahren 1566 bis 1568. Es hat den Untergang und Tod des Grafen Egmont zum Thema, der ursprünglich loyal zur spanischen Krone steht, später aber die Aufständischen unterstützt. Egmonts Geliebte Klärchen unternimmt einen vergeblichen Versuch, die gefangenen Rebellen zu befreien. Nach dem Scheitern ihrer Bemühungen wählt sie den Freitod, während Egmont des Hochverrats bezichtigt und von den Spaniern hingerichtet wird.


    In meiner CD-Sammlung befinden sich zwei Gesamtaufnahmen von Beethovens Schauspielmusik:

    Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker

    Klärchen: Gundula Janowitz (Sopran), Sprecher des Egmont: Erich Schellow (Aufnahme: 1969, Jesus-Christus-Kirche, Berlin);


    sowie:

    George Szell und die Wiener Philharmoniker

    Klärchen: Pilar Lorengar (Sopran), Sprecher: Klausjürgen Wussow (Aufnahme: 12/1969, Sofiensäle, Wien).


    ..... und außerdem noch folgende Auswahl:

    Sinfonie 6/Egmont+Prometheus

    Otto Klemperer mit dem Philharmonia Orchestra London

    Klärchen: Birgit Nilsson (Sopran) - Aufnahme: 10/1957, Kingsway Hall, London.


    Alle drei Interpretationen sind von hohem künstlerischen Wert. Das beste Klärchen hat für meine Begriffe Karajan mit Gundula Janowitz zur Verfügung. Seine Version ist auch klanglich hervorragend. Karajan läßt sich vor allem von den klanglichen Schönheiten der Musik faszinieren, während George Szell ebenfalls eine klangschöne Darbietung bringt, jedoch mehr auf Präzision und die dynamischen Werte achtet. Auch er hat eine glänzende Darstellerin des Klärchen zur Verfügung; doch die junge Pilar Lorengar verfügt (noch) nicht über die Reife und auch nicht das Stimmvolumen ihrer Kollegin Gundula Janowitz.


    Klemperer (EMI) beschränkt sich in seiner Aufnahme auf die Ouvertüre sowie die beiden Gesangsstücke des Klärchen, die von der Schwedin Birgit Nilsson kraftvoll gesungen werden. Er schließt seine Darbietung mit der "Musik, Klärchens Tod bezeichnend" ab. Seine Interpretation ist, wie bei Klemperer nicht anders zu erwarten, von herber Strenge, mit großartigen Steigerungen vor allem in der Ouvertüre. Der Klang ist frühes Stereo, räumlich und recht transparent.


    Zum Schluß möchte ich noch zwei Aufnahmen der Ouvertüre nennen, die sich mir als besonders geschlossen und künstlerisch überragend eingeprägt haben:

    Ferenc Fricsay mit den Berliner Philharmonikern (Aufnahme: Berlin, 9/1958, Stereo)


    und diese:

    Ouvertüren

    Václav Neumann mit dem Gewandhausorchester Leipzig (Aufnahme: 1969, Leipzig).


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

    2 Mal editiert, zuletzt von nemorino ()

  • Ich habe in dieser GA:

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    auf CD Nr. 65 den Egmont mit Elisabeth Breul, Sopran, Horst Schulze, Sprecher, Staatskapelle Berlin, Dirigent Heinz Bongartz;

    AD:; 1970, Christuskirche Berlin

    Was ich sonst noch an Einzelwerken habe, kann ich im Moment nicht überblicken.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

    Einmal editiert, zuletzt von William B.A. ()

  • Danke für dieses Thema!



    Die überzeugendste Aufnahme bleibt für mich ganz klar die genannte von George Szell mit den Wiener Philharmonikern, was ich gerade auch auf den überragenden Sprecher Klausjürgen Wussow zurückführe. Packender kann man die Schlussansprache gar nicht darbieten. Kein anderer mir bekannter Sprecher hat eine ähnliche Wirkung erzielt. Eine Jahrhundert-Aufnahme.


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Geht es nur um die Ouvertüre, unbedingt erwähnenswert Georges Prêtre bei seinem letzten Konzert mit den Wiener Symphonikern, keine drei Monate vor seinem Tod:



    Monumentaler geht's eigentlich nicht.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber Willi, lieber Joseph II., danke für Eure Antworten.


    Die Prêtre-Aufnahme habe ich mir inzwischen angehört, vielen Dank dafür, lieber Joseph. Es ist in der Tat eine sehr wuchtige, monumentale Wiedergabe, die man dem damals über 90jährigen Dirigenten nicht mehr zugetraut hätte. Auf CD ist sie wohl anscheinend nicht erhältlich.


    Auch ich schwanke, wenn es um die GA von Szell bzw. Karajan geht, immer, welcher ich den Vorzug geben soll. Schlußendlich würde ich mich wohl, ebenso wie Du, für Szell entscheiden, aber bei Karajan reizt mich immer wieder die betörende Stimme von Gundula Janowitz (was keine Abwertung für Pilar Lorengar bedeuten soll). Doch Janowitz rangiert bei mir in einer Extraklasse.

    Hansjürgen Wussow ist als Sprecher des Egmont kaum zu übertreffen, ich muß nur leider immer wieder, wenn ich seine Stimme höre, an den Professor Brinkmann denken:D! Doch das sollte den Genuß der Aufnahme nicht trüben.


    Im übrigen bin ich froh, daß ich beide Aufnahmen besitze, und Klemperers Auszüge möchte ich auch nicht missen. Schade, daß er sich nicht zu einer GA entschließen konnte.


    Schönen Abend,

    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Zitat von nemorino

    Hansjürgen Wussow ist als Sprecher des Egmont kaum zu übertreffen, i

    Aber doch....



    .....von Ulrich Tukur :hail: und mit Ruth Ziesak und natürlich mit dem Mann vorm Orchester Gerd Albrecht!😀:jubel:

    Zitat von nemorino

    ich muß nur leider immer wieder, wenn ich seine Stimme höre, an den Professor Brinkmann denken! Doch das sollte den Genuß der Aufnahme nicht trüben.

    :hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha: allein aus dem Grunde ......:cursing:


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Die überzeugendste Aufnahme bleibt für mich ganz klar die genannte von George Szell mit den Wiener Philharmonikern,

    Szell, lieber Joseph, hat die Ouvertüre in Salzburg auch mit der Tschechischen Philharmonie aufgenommen - das Orchester sprang damals für die verhinderten Wiener Philharmoniker ein. Bemerkenswert, dass die Tschechische Philharmonie mit ihrem sehr idiomatischen Eigenklang den typischen Szell-Klang zeigt:


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    Schöne Grüße

    Holger


  • Hansjürgen Wussow ist als Sprecher des Egmont kaum zu übertreffen, ich muß nur leider immer wieder, wenn ich seine Stimme höre, an den Professor Brinkmann denken :D ! Doch das sollte den Genuß der Aufnahme nicht trüben.


    Hallo Nemorino,


    warum sollte der Gedanke an die TV-Serie den Genuss auch trüben ? Das eine ist eine TV-Serie, das Andere eine offenbar von Klausjürgen Wussow gut gelungene Sprechrolle in Egmont.

    :) Aber da gebe ich Dir noch Kontra:

    Ich denke bei der Stimme an Der Kurir der Kaiserin, die 26teilige Serie, die noch vor der Schwarzwaldklink lief und Du sicher auch kennst.


    Von Egmont, kenne ich nur die grossartige Ouvertüre.

    :thumbup:Dank an Josef für die YT-Datei zu George Pretre, mit der unglaublich monumentalen Int der Ouvertüre. Klasse !

    :saint: In dem Punkt stehen die Bernstein-Hammer-Aufnahmen mit den New Yorker (SONY) und auch den Wiener PH (DG) dieser kaum nach ... hört mal rein !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • MI0001031062.jpg?partner=allrovi.comEin schönes Thema hat uns Nemorino beschert. Danke. Bei mir werden sogar Jugenderinnerungen wach, weil die Ouvertüre zu "Egmont" eines der Musikstücke gewesen ist, die ich zuerst ganz bewusst wahrgenommen habe. Es sind wichtige Aufnahmen genannt worden. Ich hätte sonstwas gegeben, den "Egmont" von Goethe mal mit der Musik von Beethoven zu erleben. Ich möchte eine sehr individuelle Einspielung empfehlen, die sich in der links abgibildeten Box findet: Eine Eindrichtung von Hermann Scherchen aus seiner Leipziger Zeit. Es ist eine sehr wuchtige Interpretion mit dem Rundfunk-Sinfonie Orchester Leipzig vom 25. November 1960. Klärchens Lied singt Rosemarie Rönisch, die am 9. Juli 2019 ihren 90. Geburtstag beging. Sprecher ist der österreischische Schauspieler Karl Paryla. Scherchen lässt Egmont auftreten noch bevor die Ouvertüre einsetzt: "Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde mit unseres Schicksals leichtem Wagen durch." Paryla bringt eine etwas scharfe, ja bissige Note in seinen Vortrag. Scherchen, der zur klassichen Literatur ein inniges Verhöltnis pflegte, und von dem es noch eine andere Einspielung gibt, wollte mit dieser Fassung einen Gesamteindruck des Stückes vermitteln. Die 3-CD-Edition von Tahra, die antiquarisch mancherorts zu einem völlig überzogenen Preis angeboten wird, enthält noch weitere musikalische Adaptionen von Weltliteratur. Ich habe sie mal sehr günstig erwischt - und hüte sie wie meinen Augapfel.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Hallo, Taminos!


    Außer den obengenannten Aufnahmen mit Janowitz/Schellow/Karajan (1969), Lorengar/Wussow/Szell (1969) und Ziesak/Tukur/Albrecht (1991) habe ich noch zwei Schallplatten mit der kompletten Schauspielmusik, wobei sich der Beitrag der Sprecher auf das Melodram „Süßer Schlaf, du kommst wie reines Glück.“ beschränkt:


    Magda László / Fred Liewehr / Orchester der Wiener Staatsoper / Dirigent: Hermann Scherchen ('Westminster' / 1953)

    Agnes Giebel / NN (Volker Wangenheim?) / Orchester der Beethovenhalle Bonn / Dirigent: Volker Wangenheim ('Stadt Bonn' / 1970)


    Ferner weisen meine Discographie-Unterlagen noch folgende Aufnahmen aus:


    Friederike Sailer / Peter Mosbacher / Sinfonie-Orchester des Südwestfunks Baden-Baden / Dirigent: Eduard van Remoortel ('VOX' / ca. 1959)

    Galina Vishnevskaia / Mikhail Tsarev / Orkestr Bolshogo Teatra SSSR (Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau) / Dirigent: Boris Khaikin ('Melodiia' / ca. 1960) (in russischer Sprache)

    Netania Davrath / Walther Reyer / Utah Symphony Orchestra / Dirigent: Maurice Abravanel ('Vanguard' / ca, 1962)

    Éva Andor / Magyar Állami Hangversenyzenekar (Ungarisches Staatsorchester) / János Ferencsik ('Hungaroton' / 1973) (Nur 5 Nummern ohne das Melodram)

    Miriam Gauci / Dirk Schortemeier / Orchestre Philharmonique de la RTB (Brüssel) / Dirigent: Alexander Rahbari ('Discover' / 1992)

    Sylvia McNair / Will Quadflieg / New York Philharmonic / Dirigent: Kurt Masur ('Teldec' / 1993)

    Madeleine Pierard / Claus Obalski / New Zealand Symphony Orchestra / James Judd ('Naxos' / 2003)

    Maria Bengtsson / Tobias Moretti / ORF Radio-Symphonieorchester Wien / Dirigent: Bertrand de Billy ('Oehms' / 2011)

    Simone Kermes / Christian Quadflieg / Göttinger Symphonie-Orchester / Dirigent: Christoph Mathias Müller ('RCA' / 2013) (Gekoppelt mit der Konzertarie „Ah, Perfido!“)


    Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!


    Und erst dieses Jahr erschienen:


    Olga Bezsmertna / Matthias Brandt / Beethoven Orchester Bonn / Dirigent: Dirk Kaftan ('Dabringhaus + Grimm' / 2018)


    LG


    Carlo

  • .....von Ulrich Tukur :hail: und mit Ruth Ziesak und natürlich mit dem Mann vorm Orchester Gerd Albrecht

    Lieber Fiesco,


    danke für diesen Hinweis. Ich wußte von der Existenz dieser Version gar nichts.

    Eine Frage dazu: Ist das eine Studio- oder eine Live-Aufnahme?


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Die 3-CD-Edition von Tahra, die antiquarisch mancherorts zu einem völlig überzogenen Preis angeboten wird, enthält noch weitere musikalische Adaptionen von Weltliteratur. Ich habe sie mal sehr günstig erwischt - und hüte sie wie meinen Augapfel.

    Lieber Rüdiger,


    ….. das glaube ich Dir gerne! Das ist ja wirklich ein seltenes Stück, und Hermann Scherchen ist ohnehin immer eine sichere Bank.

    Auch hier meine Frage: Handelt es sich um einen Mitschnitt oder eine Studioproduktion, und wie ist die Aufnahme klanglich drauf? Ich beabsichtige zwar nicht, sie in absehbarer Zeit zu kaufen (falls sie überhaupt zu haben ist), aber auf jeden Fall will ich mir die Aufnahme merken.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Hallo lieber Nemorino, eine Live Aufnahme von 1991 mit sehr guter Klangqualität!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ich denke bei der Stimme an Der Kurir der Kaiserin, die 26teilige Serie, die noch vor der Schwarzwaldklink lief und Du sicher auch kennst.

    Lieber Wolfgang,


    den "Kurier der Kaiserin" habe ich nie gesehen, kenne aber den Titel. Die "Schwarzwaldklinik" lief im Hauptabendprogramm, deshalb konnte ich mich dieser Serie nicht immer entziehen. Natürlich wäre es ungerecht, Hansjürgen Wussow auf den Prof. Brinkmann zu reduzieren, aber wenn ich ihn den Egmont sprechen höre, muß ich automatisch an diese seine "Paraderolle" denken.


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • eine Live Aufnahme von 1991 mit sehr guter Klangqualität!

    Lieber Fiesco,


    danke für die prompte Antwort. Die Aufnahme wäre wohl schon allein wegen Tukur interessant.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Das ist ja wirklich ein seltenes Stück, und Hermann Scherchen ist ohnehin immer eine sichere Bank.

    Auch hier meine Frage: Handelt es sich um einen Mitschnitt oder eine Studioproduktion, und wie ist die Aufnahme klanglich drauf?

    Lieber nemorino, Fiesco hatte sich auch schon gemeldet - aber irgendwie scheinen die Zitate durcheinander gekommen zu sein und er meinte eine ganz andere Aufnahme. Wie auch immer. Die von mir vorgestellte Scherchen-Aufnahme ist im Studio des Senders Leipzig entstanden. Wie die Tochter des Dirigenten, Myriam Scherchen, im Booklet berichtet, wurde von 9 bis 12 Uhr mit Streichern und Bläsern geprobt, am Nachmittag kamen die Solisten hinzu, die Aufnahme selbst entstand zwischen 20 und 24 Uhr. Nach dieser strengen Tagesordnung spielte Scherchen zwischen 25. November und 1. Dezember 1960 neben dem "Egmont" noch weitere eigene Bearbeitungen literartisch geprägter Stücke ein, die sich allesamt in der Box befinden: "L'Arlesienne" (Bizet), "Manfred" (Schumann), "Prometheus" (Beethoven), "Sommernachtstraum" (Mendelssohn) sowie "Peer Gynt" (Grieg). Der Klang der Aufnahmen, die im Original im Deutschen Rundfunkarchiv aufbewahrt werden, ist sehr präsent, manchmal leicht hallig, doch niemals grau und verwaschen. Scherchen selbst soll nach Angaben seiner Tochter vom Resultat begeistert gewesen sein und sich immer eine Veröffentlichung auf Platte gewünscht haben. Mit der Herausgabe der Sammlung bei Tahra ging dieser Wunsch schließlich mit großer Verspätung in Erfüllung.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • DieseListe erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

    Hallo Carlo,


    ich bin erstaunt, wieviele Aufnahmen es von Beethovens kompletter Egmont-Musik gibt, auch wenn Deine Aufstellung vielleicht nicht alle nennt. Danke für die ausführliche Auflistung.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Die von mir vorgestellte Scherchen-Aufnahme ist im Studio des Senders Leipzig entstanden.

    Lieber Rüdiger,


    ….. auch Dir vielen Dank für die Auskunft. Bedauerlich ist nur, daß die Aufnahmen z.Zt. wohl im offiziellen Handel nicht angeboten werden. Vielleicht ändert das sich ja irgendwann wieder. Ich gratuliere Dir jedenfalls zu diesen seltenen Kostbarkeiten.


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber Rüdiger,


    ….. auch Dir vielen Dank für die Auskunft. Bedauerlich ist nur, daß die Aufnahmen z.Zt. wohl im offiziellen Handel nicht angeboten werden. Vielleicht ändert das sich ja irgendwann wieder. Ich gratuliere Dir jedenfalls zu diesen seltenen Kostbarkeiten.


    LG, Nemorino

    Hallo lieber Nemorino, die Aufnahme gibt es .....


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    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Das ist aber nun die andere Aufnahme von Scherchen - nicht die aus Leipzig.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • OK,ich suche jetzt aber nicht mehr weiter!

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ich erinnere mich gerne an zwei Konzerte im Konzerthaus, Großer Saal mit der gesamten Egmont Musik und dem dazugehörigen Text, damals (1960er Jahre) von Mimi Coertse und Erich Auer dargeboten.

    Es ist ungerecht, Wussow auf seine Arzt-Serien zu reduzieren, denn er hat jahrelang in Wien in vielen Klassikern auf der Bühne gestanden.

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Es ist ungerecht, Wussow auf seine Arzt-Serien zu reduzieren, denn er hat jahrelang in Wien in vielen Klassikern auf der Bühne gestanden.

    Aber damals hat halt auch noch niemand im Publikum an Dr. Brinkmann gedacht. ;)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Bis auf weiteres keine neuen Beiträge mehr von mir außerhalb meiner Besetzungsrubriken!

  • OK,ich suche jetzt aber nicht mehr weiter!

    Lieber Fiesco, ich kann es doch nicht ändern. Es ist wirklich etwas verwirrend mit den beiden "Egmont"-Aufnahmen Scherchens. Auch ich glaubte zunächst, DIE Scherchen-Einspielung zu haben, die von Westminster nämlich,

    MagdaLászló / Fred Liewehr / Orchester der Wiener Staatsoper /Dirigent: Hermann Scherchen ('Westminster' / 1953)



    bis ich ehr zufällig feststellte, dass es noch die aus Leipzig gab. Mit der hatte ich nun nicht gerechnet. Wie oft hast Du nicht schon das richtig Cover zu dazugehörigen Aufnahme gefunden. Lass uns nicht im Stich. ;)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Es ist ungerecht, Wussow auf seine Arzt-Serien zu reduzieren, denn er hat jahrelang in Wien in vielen Klassikern auf der Bühne gestanden.

    Hallo,


    Klausjürgen Wussow hat den 'Egmont' nicht nur in der DECCA-Aufnahme von Beethovens Schauspielmusik zu Goethes „Egmont“ gesprochen, sondern ihn auch auf der Bühne gespielt: 1957 am Düsseldorfer Schauspielhaus in einer Inszenierung von Karl-Heinz Stroux (Bühnenbild: Jean-Pierre Ponnelle). Das 'Klärchen' der Düsseldorfer Aufführung hat er auch 1960 dort geheiratet - Ida Krottendorf; beide waren für einige Jahre Mitglieder des damals viel gerühmten Ensembles unter dem Intendanten Stroux. (1971 hat Wussow den „Egmont“ dann auch an der Wiener 'Burg' gespielt.)


    In Wien habe ich Klausjürgen Wussow drei Mal auf der Bühne des Burg- bzw. Akademietheaters gesehen: 1968 als Graf Almaviva in Beaumarchais' „Der tolle Tag“, 1975 als Tyrone jun. in O'Neills „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ und 1976 als Algernon in Wildes „Bunbury“. Wussow spielte seit 1964 an Österreichs berühmtester Schauspielbühne und 'überlebte' zahlreiche Intendantenwechsel; in der Presse hat er sich einige Male darüber beschwert, zu wenig und dann auch noch oft in falschen Rollen eingesetzt worden zu sein.


    1985 spielte er nach zahlreichen Film- und Fernsehrollen den 'Professor Brinkmann' in der „Schwarzwaldklinik“-Serie, was ihm nicht nur viel Geld, sondern auch viel Häme - hauptsächlich seitens der österreichischen Presse („Hat er das nötig?“) - eintrug. Der Schauspieler, seit seiner Heirat mit Ida Krottendorf Österreicher, war darüber derart verärgert, dass er wieder Deutscher wurde und nach 22 Jahren aus dem Ensemble des Burgtheaters ausschied. Hätte er noch 3 Jahre gewartet und die österreichische Staatsbürgerschaft behalten, wäre er pensionsberechtigt gewesen, was ihm später in finanziell prekärer Lage (wegen zwei – auch medial ausgeschlachteten – kostspieligen Scheidungen) sehr geholfen hätte.


    Ich weiß, das Alles gehört zwar nicht in diesen Thread, aber ich wollte – genau wie Erich Ruthner – dem Theaterschauspieler Klausjürgen Wussow Gerechtigkeit widerfahren lassen.


    LG


    Carlo

  • Ich weiß, das Alles gehört zwar nicht in diesen Thread, aber ich wollte – genau wie Erich Ruthner – dem Theaterschauspieler Klausjürgen Wussow Gerechtigkeit widerfahren lassen.

    Für jene, lieber Carlo und lieber Erich, die Wussow nicht mehr erlebt haben auf den großen Schauspielbühnen, bleiben nur die Dokumente. Ich schwöre, dass ich nie in diese "Schwarzwaldklinik" hineingeschaut habe, aber man kam ja nicht an ihr vorbei. Wollte man sich mal einen Film schauen im Fernsehen oder die Nachrichten verfolgen, ging entweder eine Serienfolge gerade zuende oder sie begann. Und die letzten Jahre des Schauspielers waren in der medialen Widerspiegelung einfach nur unwürdig und peinlich. Zurück aber zum "Egmoint". Mir sagt seine Interpretation nicht sonderlich zu. Ich finde sie etwas flach. Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung. Hier können wir sie auf schnellstem Wege hören:


    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • die Aufnahme gibt es .....

    Lieber Fiesco,


    ….. vielen Dank für den Hinweis auf die Westminster-Aufnahme mit Scherchen von 1953 aus Wien.

    Aber, wer um Gotteswillen hat denn dieses scheußliche, ja entsetzliche Titelbild auf dem Cover verbrochen? Wen will man damit in die Flucht schlagen?

    Ehrlich gesagt, das Bild allein genügt, um mir diese Aufnahme nicht zu kaufen, so gut und wertvoll sie auch sein mag! Vielleicht gibt es ja im Booklet eine Anmerkung zu dem "Künstler", der das zustande gebracht hat.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • ….. vielen Dank für den Hinweis auf die Westminster-Aufnahme mit Scherchen von 1953 aus Wien.

    Aber, wer um Gotteswillen hat denn dieses scheußliche, ja entsetzliche Titelbild auf dem Cover verbrochen? Wen will man damit in die Flucht schlagen?

    Ehrlich gesagt, das Bild allein genügt, um mir diese Aufnahme nicht zu kaufen, so gut und wertvoll sie auch sein mag! Vielleicht gibt es ja im Booklet eine Anmerkung zu dem "Künstler", der das zustande gebracht hat.

    Lieber nemorino, diese "Scheußlichkeit", die Dir die Musik gleich mit verhagelt, hat Max Klinger verbrochen.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Hallo,


    das "Beethoven-Denkmal" von Max Klinger, das 1902 in Wien der Öffentlichkeit präsentiert wurde, befindet sich im 'Museum der bildenden Künste' in Leipzig und wurde damals sehr kontrovers beurteilt. Heute gilt es als ein Hauptwerk der heroischen Denkmalskunst.

    Ob das einst auch für das "Beethoven-Denkmal" von Markus Lüpertz gilt, das 2015 vor diesem Museum aufgestellt wurde? Das ist für mich 'eine Scheußlichkeit'!


    Carlo

  • MI0001031062.jpg?partner=allrovi.comEin schönes Thema hat uns Nemorino beschert. Danke. Bei mir werden sogar Jugenderinnerungen wach, weil die Ouvertüre zu "Egmont" eines der Musikstücke gewesen ist, die ich zuerst ganz bewusst wahrgenommen habe. Es sind wichtige Aufnahmen genannt worden. Ich hätte sonstwas gegeben, den "Egmont" von Goethe mal mit der Musik von Beethoven zu erleben. Ich möchte eine sehr individuelle Einspielung empfehlen, die sich in der links abgibildeten Box findet: Eine Eindrichtung von Hermann Scherchen aus seiner Leipziger Zeit. Es ist eine sehr wuchtige Interpretion mit dem Rundfunk-Sinfonie Orchester Leipzig vom 25. November 1960. Klärchens Lied singt Rosemarie Rönisch, die am 9. Juli 2019 ihren 90. Geburtstag beging. Sprecher ist der österreischische Schauspieler Karl Paryla. Scherchen lässt Egmont auftreten noch bevor die Ouvertüre einsetzt: "Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde mit unseres Schicksals leichtem Wagen durch." Paryla bringt eine etwas scharfe, ja bissige Note in seinen Vortrag. Scherchen, der zur klassichen Literatur ein inniges Verhöltnis pflegte, und von dem es noch eine andere Einspielung gibt, wollte mit dieser Fassung einen Gesamteindruck des Stückes vermitteln. Die 3-CD-Edition von Tahra, die antiquarisch mancherorts zu einem völlig überzogenen Preis angeboten wird, enthält noch weitere musikalische Adaptionen von Weltliteratur. Ich habe sie mal sehr günstig erwischt - und hüte sie wie meinen Augapfel.


    Bei dieser Einspielung beeindruckt mich der Sprecher, der genannte Karl Paryla (1905-1996), ein gebürtiger Wiener, der zeitweise in der DDR wirkte und sich zum Kommunismus bekannte (Mitglied der KPÖ). Er wirkte auch in einigen Film- und Fernsehproduktionen mit. 1990 erhielt er den Nestroy-Ring.


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    Leider ist der Text des Sprechers in der Scherchen-Aufnahme im Vergleich zur Szell-Aufnahme gekürzt.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid