Mit Gewitter und Sturm --- Richard Wagner: Der fliegende Holländer

Alfred_Schmidt · 276 Beiträge · letzte Antwort von Antalwin

276 Beiträge
  • Lieber Stefan,


    bin leider noch weit davon entfernt, eine Karte für den Mai zu haben. Ich werde jetzt demnächst bestellen und wenn ich kein Losglück habe, es auch beim Vorverkauf versuchen. Im Januar wird dann ja schon für die Festspiele angestanden, aber da habe ich nicht viel Hoffnung auf eine Karte, denn wohl letztmalig wird dann Uusitalo diese Paraderolle singen und der Ansturm auf die Karten ist ja jetzt schon gewaltig. Es stimmt wirklich, was Mucaxel schrieb, dass der Holländer zum Besten gehört, was man seit langer Zeit gesehen hat.


    Wie wäre es, wenn Du eine S-Bahnstation ansteuern würdest, denn der MVV ist ja im Kartenpreis enthalten und man spart sich das teure Parkhaus oder die Parkplatzsuche.


    Herzl. Gruß
    Ingrid

  • Liebe Ingrid,


    nochmals vielen Dank für den Tip!!!
    Laut Internet sollte es eigentlich noch Karten für den Mai geben - nur beginnt der Vorverkauf erst in einigen Wochen (für den Juli sogar eher als für die Mai-Vorstellungen... ?( )
    Dass man mit der MVV fahren kann wusste ich nicht. Praktisch ist es jedenfalls: Fröttmaning/Freimann raus und einfach in die U6 reinhocken :D (ist ja ähnlich wie im Studium, da war ich an der LMU, pendelte aber meist mit der Bahn via Hauptbahnhof).
    Kriegt man die Karten nach Bestellung/Bezahlung eigentlich zugeschickt, so dass man auch schon bei der Hinfahrt einen MVV-Ausweis hat, oder muss man sie sich an der Abendkasse holen?
    Auch für den Fall der kurzfristigen Bestellung finde ich auf der HP der Staatsoper keine Aussage hierzu...


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Lieber Stefan,


    wenn Du über Internet oder telefonisch bestellst, kannst Du angeben, ob Du Dir die Karte schicken lassen willst. Wenn es ganz kurzfristig ist(nur wenige Tage vorher), geht es halt nur noch mit Abholung an der Abendkasse. Es kostet so oder so 1.50 Euro Aufschlag.


    Schätze mal, Du wirst im Mai in München sein. Wünsche Dir und auch mir viel Glück beim Kartenkauf.


    lb. Gruß
    Ingrid

  • Liebe Ingrid,


    dann kann ich uns nur die Daumen drück, auf dass wir uns in Bälde sehen :yes:
    (ich bin dann einer von denen auf den billigeren Plätzen :untertauch: )


    :hello:;)
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Ich natürlich auch. Nur bei der Premiere hatte ich Pech, denn der Seitenplatz neben mir kostete 50 Euro weniger, aber der war einfach nicht mehr zu bekommen und dann habe ich mir mal den teureren geleistet. Die nächsten Jahre wird halt wieder eingespart, obwohl jeder Holländer auch mehr Geld wert ist. Vorsicht: Suchtgefahr!!!!


    P.S. Hast Du Dir eigentlich schon das Kurzvideo bei der BSO angeschaut? Da bekommt man doch einen kleinen Eindruck.

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  • Kann jemand was zu einer bei DECCA erschienenen Aufnahme mit:


    London, Rysanek, Tozzi, Liebl, Lewis, Elias...


    Covent Garden Opera Orchester
    Dir: Dorati

    sagen????

  • Dorati; London, Rsyanek, Tozzi, Liebl


    Ist m.E. alles in allem die Referenzaufnahme (obwohl ich persönlich Rysanek nicht allzu viel abgewinnen kann). London ist ein optimaler Holländer ( wenn aúch live besser), Tozzi ein absolut adäquater Daland, Liebl ein ordentlicher Erik. Dorati ein unterschätzter Dirigent. Der Gesamteindruck ist um vieles besser als Summe der Einzelteile.

  • Nicht unerwähnt bleiben sollte diese leider bisher einzige Einspielung ihrer Art:



    Dort bekommt man unter Weils idiomatischer Leitung erstens die Pariser Urfassung von 1841 (die so zu Lebzeiten des Komponisten nie aufgeführt wurde) und endlich einmal eine komplette Wagneroper auf historischen Instrumenten.


    Die Klangunterschiede sind dramatisch - und z. T. sogar "einkomponiert": Wagner hat einige Stellen mit Trompeten mit, andere mit Trompeten ohne Ventil besetzt (die Ventiltrompeten waren damals eine Neuheit).


    Von den Sängern ist nur Franz Josef Selig wirklich überragend, aber insgesamt wird sehr ordentlich gesungen.


    Heraus kommt ein nuancenreicherer, transparenterer und (für mich) dadurch viel packenderer Wagner bei dem einem nicht die Ohren abfallen oder man in mächtig schwellenden trüben Klangwogen ertrinkt.


    Oder vielleicht besser doch nicht kaufen - macht sofort süchtig, neuer Stoff ist aber nicht erhältlich bisher ;) :angry: :motz: :no:


    :hello:
    Flo

    "Dekonstruktion ist Gerechtigkeit." (Jacques Derrida)

  • Zitat

    Original von richard logiewa
    Kann jemand was zu einer bei DECCA erschienenen Aufnahme mit:


    London, Rysanek, Tozzi, Liebl, Lewis, Elias...


    Covent Garden Opera Orchester
    Dir: Dorati

    sagen????


    Dass sie lange Zeit als Maßstab für Holländer-Aufnahmen galt....


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


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  • Zitat

    Original von Ingrid
    Ich natürlich auch. Nur bei der Premiere hatte ich Pech, denn der Seitenplatz neben mir kostete 50 Euro weniger, aber der war einfach nicht mehr zu bekommen und dann habe ich mir mal den teureren geleistet. Die nächsten Jahre wird halt wieder eingespart, obwohl jeder Holländer auch mehr Geld wert ist. Vorsicht: Suchtgefahr!!!!


    P.S. Hast Du Dir eigentlich schon das Kurzvideo bei der BSO angeschaut? Da bekommt man doch einen kleinen Eindruck.


    Darauf bin ich Blinder erst seit Deinem Hinweis gekommen :O - dank Dir Recht dafür!!! :jubel:


    Die Musik hört sich prima an, die Inszenierung sieht auch klasse aus - nur: warum weben die Damen denn im Fitnessstudio? :D
    Vielleicht war die immer gleiche Szene doch zu langweilig auf Dauer und die Drehbewegungen passen ja auch zum Spinrad...


    :hello:
    Stefan


    PS: Soll man eigentlich nur für eine oder gleich für mehrere Aufführungen bestellen, wenn man möglichst große Chancen auf karten aber keine Dubletten haben will?

    Viva la libertà!

  • Hallo LT


    Das "galt" bezog sich auf die Zeit, als ich mich für einen Holländer interessierte. Dorati war in Summe ausgeglichener als z.B. Böhm und Klemperer, beides auch sehr gute Einspielungen, aber mit ausgeprägteren "Problembereichen". Die Aufnahme ist natürlich in der Zwischenzeit nicht schlechter geworden, aber das Angebot viel umfangreicher, so dass eine Auswahl auch vom persönlichen Geschmack entscheidend beeinflusst werden könnte.


    Übrigens: Die Lobeshymnen für den Münchner Holländer machen mich schon sehr neugierig. Hat doch der Konwitschny-Holländer im März in Graz Premiere!



    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Hallo Theo,


    dann gehst halt Du da auch rein :D


    Welche Problembereiche haben die anderen Aufnahmen eigentlich? Bei Klemperer kommt mir der Klang teils schwach vor, die Chöre sind wenig transparent, insbesondere die Szene, in der sich beide gegenseitig an(bzw. nieder-)singen... Aber ich habe ja keine Vergleichsmöglichkeiten hier...


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Hallo Stefan


    Bei Klemperer bin ich im Moment überfragt, den müsste ich mir wieder einmal anhören. Bei Böhm (für so manchen der bestdirigierte Holländer!) ist Gwyneth Jones mehr als nur eine Geschmacksfrage. Karl Böhm arbeitete recht gerne mit dieser sehr guten Sänger-Darstellerin, aber wenn es dann von der Bühne ins Studio ging, fiel die optische Komponente weg und es blieben ohrenfällige gesangliche "Eigenheiten" übrig...


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Hallo Theo,


    danke Dir! Miss Jones war ja insgesamt bei mehreren CD-Produktionen mit von der Partie. Als Wagner-Novize kann ich mir allerdings keine dezidierte Meinung über sie bilden...
    Zum Thema durchschnittliche Sängerinnen und Optik könnte sich jetzt Dein Landsmann E.B. aus W. sicherlich eine Anspielung nicht verkneifen :D


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

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  • Hallo Stefan


    Edwin hat sich ja auch schon deutlich über Miss Jones artikuliert. Aber du musst ihm nicht immer alles glauben, er macht gerne aus einem Körnchen Wahrheit einen Elephanten (oder so ähnlich ;) ).


    In unserem Fall aber ist es so, dass ich Musikfreunde kenne, die ihre Version der Ballade kaum erträglich finden, und wenn man in diesem Punkt empfindlich ist, kann es einem schon die Aufnahme verleiden. Aber gerade der Holländer glänzt ja durch eine bei Wagner ungewohnten Fülle an guten bis sehr guten Aufnahmen.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Barezzi


    Welche Problembereiche haben die anderen Aufnahmen eigentlich? Bei Klemperer kommt mir der Klang teils schwach vor, die Chöre sind wenig transparent, insbesondere die Szene, in der sich beide gegenseitig an(bzw. nieder-)singen... Aber ich habe ja keine Vergleichsmöglichkeiten hier...
    :hello:
    Stefan


    Hallo Stefan,


    Beim Klemperer - dessen Aufnahme ich sehr schätze - , stört mich aufnahmetechnisch die Wiedergabe der Gesangsstimmen etwas. Zu wenig plastisch, irgendwie zu leise. Kein Vergleich z.B. zu der Klemperer-Fidelioaufnahme bei EMI. Weiterhin kann sich Theo Adam natürlich nicht mit den stimmlichen Gaben von George London messen, trotzdem er die Partie doch erstaunlich gut gestaltet.


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Original von Antracis
    Hallo Stefan,


    Beim Klemperer - dessen Aufnahme ich sehr schätze - , stört mich aufnahmetechnisch die Wiedergabe der Gesangsstimmen etwas. Zu wenig plastisch, irgendwie zu leise. Kein Vergleich z.B. zu der Klemperer-Fidelioaufnahme bei EMI. Weiterhin kann sich Theo Adam natürlich nicht mit den stimmlichen Gaben von George London messen, trotzdem er die Partie doch erstaunlich gut gestaltet.


    Gruß
    Sascha


    Hallo Sascha,


    vielen Dank für Deine Antwort. Theo Adam gefiel mir eigentlich ganz gut, wobei mir wie gesagt die Vergleichsmaßstäbe fehlen (wie oft wird etwas relativiert, nur weil man es irgendwo noch besser gehört hat...), bei Ensembles und Chören hatte ich irgendwie halt den Eindruck, nicht gerade transparent zu hören (insbesondere wenn dann noch das Orchester dazukommt). Man dreht laut auf und nervt schon das ganze Haus, ohne wirklich zu hören...
    Den Klemperer-Fidelio habe ich mir beim gleichen vorweihnachtlichen Kaufrausch zugelegt, den ich jetzt ab"arbeite" (da war der Klemperer-Holländer auch dabei) - da freu ich mich dann mal drauf, wenn ich Deine Aussage darüber so lese :pfeif: Den kann ich dann mit der ebenfalls erstandenen Harnoncourt-Aufnahme Vergleichshören :D


    :hello:
    Stefan


    PS: Wagner und Akustik... - schon der Böhm-live-Ring war da IMO etwas problematisch; was kauf ich mir denn da immer zusammen :rolleyes: :D

    Viva la libertà!

  • Moin Stefan,


    nicht, das es falsch rüberkommt: Ich halte Theo Adam in dieser Aufnahme für einen sehr guten Holländer, kultiviert gesungen, sehr gute Rollengestaltung und für seine Verhältnisse auch ziemlich viel Stimmkraft an den wichtigen Stellen. Aber rein von der Stimme her spielt London da in einer anderen Liga, wie ich auch Crass stimmlich deutlich stärker einschätze. Wobei der ja nie ein Heldenbarition, sondern halt ein hoher Bass war, also eher durch pure Stimmschönheit, als durch immense Durchschlagskraft beeindruckte - London fasziniert durch beides: Eine Stimme, wie aus Erz gemeisselt und ein Volumen bzw. eine Durchschlagskraft der Stimme, der man mühelos abnimmt, sie würde vertretungsweise selbst in die Segel blasen, falls der Südwind grad mal wieder nachlässt ;).


    Viel Spaß mit dem Fidelio. Die Aufnahmequalität ist Angesichts des Aufnahmedatums (ich glaube 61/62) bestechend, die Sängerbesetzung faszinierend gut und alles so packend musiziert...wie heisst es nicht über Klemperer: Nirgends brennen wir genauer...das trifft hier definitiv zu. Für mich ein Paradebeispiel für eine Opernaufnahme, die in jeglicher Hinsicht überzeugt. Weiteres siehe im Fideliothread, ich spüre schon Alfreds Nudelholz ob der drohenden offtopicness über meinem Kopfe schweben.... :untertauch:


    Gruß
    Sascha

  • Ich habe Theo Adam 1988 in Hamburg, noch in einer alten Wieland-Wagner-Inszenierung, live als Holländer erleben dürfen. Zuvor hatte ich eine regelrechte Aversion gegen diese Stimme, was sich an diesem Abend grundlegend geändert hatte. Ich glaube jeder, der Theo Adam live gehört hat, kann bestätigen, dass die Stimme in Aufnahmen absolut nicht repräsentiert wird. Crass und London habe ich nicht mehr live hören können (da zu jung), doch kann ich mir kaum vorstellen, dass der live-Eindruck da so wesentlich größer war, ihre Stimmen waren nur phonogener.


    Für mich ist Theo Adam der idealer Holländer: ihm nehme ich den Seemann, der ewig verdammt ist über die Weltmeere zu fahren und die Hoffnung auf Erlösung im Grunde schon aufgegeben hat, wirklich ab. Nach dem live-Eindruck höre ich seine Stimme auch ganz anders: wie volumös sie war, wie leicht sie auch ein großes Wagnerorchester übertönte und dabei immer kultiviert blieb, erschließt sich aus der Konserbve nur rudimentär. Der etwas blasse "wobbelige" Klang geht im Raum auch besser auf.


    Die Klemperer-Aufnahme zählt m.E. zu den gut besetzten (v.a. Anja Silja). Trotzdem kann ich mich mit ihr im ganzen nicht wirklich anfreunden, zum einen möchte ich auf die Erlösungsmusik am Ende der Ouvertüre und des 3. Aktes nicht verzichten, zum anderen erscheint mir Klemperers breites, fast "klotziges" Dirigat hier nicht so angemessen.


    Gruß aus Lübeck,
    Dieter

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  • So, ich habe mich die letzten Wochen mit dem Live-Holländer aus Bayreuth unter Sawallisch vergnügt:




    Die Aufnahme ist einer Bibliothek entliehen und, wie ich bei der Recherche nach dem Bild feststellen musste, offenbar derzeit sogar gestrichen ? :( Das mag man kaum verstehen, wenn man sie einmal gehört hat.


    Crass wird seinem Ruf als bester Sänger des Holländers in der Stereo-Ära voll gerecht. Edel timbriert, mit wohlgerundetem Ton singend, obwohl live, nur mit ganz wenigen unbedeutenden Wacklern.
    Aber was für eine Gesangskultur, man höre sich nur das "Durch Sturm und bösen Wind verschlagen..." an. Zumal als basso cantante in den wichtigen Momenten zu heldenbaritonaler Kraft gesteigert. Er überzeugt auch als Interpret, dennoch fehlt mir hier persönlich die letzte darstellerische Entäußerung z.B. eines George London (der allerdings nicht so vollendet singt), auch Adam zeigt bei allen stimmlichen und gesanglichen Defiziten für mich mehr von der dämonischen Seite des Verfluchten. Aber ein solches Singen war des Crass Sache nicht, die Quadratur des Kreises ist bekanntlich nur ein frommer Wunsch und so ist das der winzige Preis für diese wahrhaft noble Interpretation der Rolle.


    Weiterhin beeindruckt mich der Schwung der Aufnahme. Sawallisch wirkte auf mich immer etwas behäbig, aber hier ist ein immenser Zug in der Aufnahme zu spüren, der einen erfasst und bis zum Finale wunderbar kaum Atem holen lässt. Die Bühnengeräusche können stören, für mich unterstützen sie aber eher die Lebendigkeit der Aufnahme. Grandioser Höhepunkt ist sicher die Gesangsschlacht der Matrosenchöre.


    Ist Crass sängerisch überragend, gibt es allerdings ansonsten einige herbe Dämpfer. Vor allem der Steuermann von Georg Paskuda scheint sich im Südwind erkältet zu haben und singt mit scheußlich hauchigem Timbre. Außerdem hofft man, dass er nicht so steuert wie er intoniert.
    Auch Fritz Uhl kann mich nicht überzeugen, dann schon lieber Kozub bei Klemperer, der zwar auch seinen Part stoisch runtersingt, aber wenigstens mit nettem Stimmmaterial aufwarten kann.


    Greindls Daland rettet die Tatsache, dass er immer eher ein singender Darsteller war, als ein darstellender Sänger. Auch er hat sich bei der Überfahrt im schweren Wetter offenbar erkältet, die Stimme wirkt arg indisponiert. Die Zeichnung des geldgeilen Daland weiß mich aber doch zu überzeugen. Wer sich an außermusikalischen Affekten stört, den treibt allerdings das häufige meckernde Lachen sicher in die Flucht. Silja gefällt mir sehr gut, ich müsste noch mal im Vergleich Klemperer hören um zu sagen, wo sie besser ist. Die Erinnerung trügt ja doch manchmal.


    Fazit: Die perfekte Aufnahme gibt es nicht, aber Crass, Sawallisch und das Live-Feeling, das dieser Bayreuther Mitschnitt liefert - man meint den Wind zu spüren, machen es aus meiner Sicht zu einem Pflichtkauf für Holländerfans. Falls sie wirklich vergriffen ist, hoffe ich auf baldige Wiederaufnahme in einer Mid-Price-Edition.


    Gruß
    Sascha

  • Hallo Sascha,
    zu F.Crass,den ich oft auf der Bühne erlebt habe muß man sagen :
    Er war eben ein Basso-cantante,er war ein herausragender
    Oratoriensänger,ein großer Sarastro und Comtur.König Heinrich
    und Landgraf oder Pogner.Meiner Meinung fehlt ihm für den
    Holländer das,was H.Uhde oder G.London haben.Eine Portion
    Dämonie.Kurz gesagt,F.Crass ist ein braver Holländer,
    ein Belcanto-Holländer.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    Meiner Meinung fehlt ihm für den
    Holländer das,was H.Uhde oder G.London haben.Eine Portion
    Dämonie


    Aber was für eine Stimme. Sicher, man hört in der Sawallisch-Aufnahme, wie sehr sich Franz Crass anstrengen muss. Das Ergebnis überzeugt. Ich selbst bin ein George-London-Fan (habe gerade seinen 56er "Holländer" bestellt) - und stimme Herbert völlig zu - trotzdem habe ich Crass immer gerne als "Holländer" gehört (hatte auch Glück, ihn noch live zu hören, allerdings als Eremiten im "Freischütz).

  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    ...ein Belcanto-Holländer.


    Hallo Herbert,


    Du hast erst mal vollkommen recht, ein Dämon ist der Holländer von Crass sicher nicht. Ich will versuchen darzulegen, warum ich seine Deutung dennoch überaus schätze und den "Belcanto-Holländer" nicht als Fehlinterpretation werte.


    Es ist ungemein wohltuend, einen so großartigen Gesangsvortrag bei Wagner zu hören. Nicht nur dem Lohengrin bekommt ein Schuss Belcanto gut, eigentlich allen Partien. Zu oft wurden und werden Wagners Figuren ja leider eher mit den Tugenden des Bellcanto gesungen. :D
    Ich sehe Londons Gesangskunst bei weitem nicht so kritisch wie z.B. Kesting es tut, aber in Sachen Legato, Intonationssicherheit, Phrasierung und auch in der Fokussierung des Tons - es ist unglaublich, wie die Stimme von Crass in dieser für Ihn unangenehmen Tessitura jederzeit richtig sitzt- kommt er nicht an Crass heran.


    Zitat

    Alviano schrieb
    Sicher, man hört in der Sawallisch-Aufnahme, wie sehr sich Franz Crass anstrengen muss. Das Ergebnis überzeugt.


    Wobei ich finde, dass er aber nie störend forciert klingt. Als erfahrener Hörer und vor allem Kenner seiner stimmlichen Mittel merkt man natürlich, dass ihm die Durchschlagskraft in der Höhe nicht in die Wiege gelegt wurde, dass er mit Technik und kluger Disposition die heiklen Stellen bewältigt und auch deshalb natürlich nie den stimmlich überwältigen Eindruck erreichen kann, den ein Organ vom Ausnahmecharakter George Londons erzielt.


    Nur ist die Partie des Holländers ja recht vielseitig. Wenn sich die Partie in den Duetten mit Daland mit dessen "Spielopernton" vermischt, wenn in Eintracht mit Senta quasi aneinander vorbei gesungen wird, dann ist das von den stimmlichen wie auch von den gesanglichen Anforderungen schon die passende Spielwiese für einen basso cantante.
    Heldenbaritonale Selbstentäußerung und die Dämonie der Figur kommt vor allem im Eingangsmonolog und im Finale zum Ausdruck. Sicher tragende Säulen der Oper, aber auch hier muss man bei Crass nicht weghören:
    Als kluger, reflektierender Interpret weiß er, dass er weder das Timbre noch das Temperament für einen verfluchten Dämon hat und wählt eine seinen Mitteln gemäße Interpretation: Sein Holländer ist nicht zornig, sondern eher voll tiefer Trauer. Nicht verzweifelnd rasend, sondern eher resigniert. Das geht auf und bewegt mich tief.


    London ist für mich der andere große Interpret der Stereo-Ära. Eine wundervoll Stimme (für mich die Heldenbarition-Stimme), ein begnadeter Interpret und das ganze bei guter Gesangskultur. Leider merkt man noch einige idiomatische Unsicherheiten in der Partie, aber das sind „Peanuts“. ;)


    Schade bleibt, dass Crass seine Karriere vorzeitig beenden musste. Er hätte sicher noch einige großartige Aufnahmen machen können. Erinnert sein deshalb an seinen Thread im Forum


    Über Uhde (Maß der Dinge soll ja wohl der Mitschnitt von 1955 sein oder gibt es noch andere empfehlenswert) habe ich mittlerweile so viel gutes gehört, dass ich mir die Aufnahme auch kurzfristig zunehmen werde, da ja fast kostenlos zu haben.


    Gruß
    Sascha

  • Andere Fragestellung:


    Kann jemand Empfehlungen für eine DVD-Einspielung des Holländers aussprechen. Auf die Schnelle konnte ich nur die beiden folgenden Aufnahmen finden:



    Mich interessieren vor allem technische Parameter wie Bildregie, Bild und Tonqualität. Dann auch die schauspielerische Leistung bzw. die Personenregie. Musikalisch gibt es ja auf CD genug Alternativen, deshalb kaufe ich die DVD nicht unbedingt. (Grundheber und Estes habe ich darüberhinaus schon live erlebt, so schlecht sind sie denn ja auch nicht ;))
    Von Kupfers Regie habe ich als Berliner ja eine Vorstellung, kann jemand etwas zu der anderen Einspielung sagen, wie die inszeniert ist?


    Danke und Gruß
    Sascha

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  • Hallo Sascha,


    ich habe die Bayreuther Kupfer-Inszenierung auf DVD und kann sie sehr empfehlen. Der Bildqualität merkt man an, dass die Aufnahme aus den 80er ist. Ton ist gut, neben Stereo gibt es auch 5.1.


    Die Inszenierung ist ja viel gerühmt worden. Ich mag sie sehr. Manch einer stößt sich aber daran, dass hier Senta und nicht der Holländer im Mittelpunkt steht. Das ganze Drama wird aus ihrer Sicht dargestellt, ist eigentlich mehr eine Wahnvorstellung von ihr.


    Ich finde das perfekt umgesetzt. Denn es passt sehr gut zum Werk, ohne dieses zu verbiegen. Für mich ein sehr positives Beispiel eines gelungenen, neuen Regieansatzes.
    Und auch die Bühnentechnik ist phänomenal. Wenn das Schiff des Holländers naht, läuft es einem kalt den Rücken runter.


    Kupfer ist meines Erachtens ein Must have! Die Aufnahme aus Savonlinna kenne ich nicht. Weitere DVD-Einspielung gibt es meiner Kenntnis nach zur Zeit nicht.


    Gruß
    Christian


  • Heute habe ich diese tolle Aufnahme gehört, große Sänger.


    Eine Aufnahme ,die wir in dieser gesanglichen Qualität,


    wahrscheinlich nie mehr erleben werden. ;(


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Hallo Herbert,


    wie singt der gute George denn Deinem Empfinden nach in dieser Einspielung im Vergleich zu der Dorati-Produktion ? Besser ? Schlechter ? Anders ? ;)



    Gruß
    Sascha

  • Hallo Sascha,


    der gute George singt hier Live in der wunderbaren


    sängerfreundlichen Akustik des Bayreuther Festspiel-


    Hauses ,und er singt wunderbar.


    Hallo Theophilus,


    der einzige Schwachpunkt der Aufnahme ist,wie auch


    bei den beiden anderen Mitschnitten,Astrid Varnay,schade. :(


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

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