Der "Ring des Nibelungen" in Paris 2020

  • Mein lange gehegter Wunsch wird im nächsten Jahr erfüllt: Calixto Bieito inszeniert Wagners "Ring"! :jubel: Zwar nicht bei den Bayreuther Festspielen, worauf ich insgeheim gehofft hatte, sondern an der Opéra National de Paris, aber die Stadt an der Seine ist für Opern-Aficionados ja auch ein dankbares Ziel. Ich glaube zwar nicht, dass viele Mitglieder dieses Forums meine Freude über dieses Ereignis teilen werden, weise aber trotzdem darauf hin, dass die Vorstellungen jetzt schon nahezu ausverkauft sind. Abgesehen von der Regie bietet die Ankündigung m.E. auch bei der Besetzung einigen Grund zur Vorfreude.


    https://www.operadeparis.fr/en…19-20/opera/das-rheingold

    https://www.operadeparis.fr/en…n-19-20/opera/die-walkure

    https://www.operadeparis.fr/en/season-20-21/opera/siegfried

    https://www.operadeparis.fr/en…-21/opera/gotterdammerung

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Für die Walküre habe ich schon ne Karte, an meinem Birthday.:jubel:

    Werde mitgenommen, allein schaffe ich das nicht mehr, aber es gibt noch liebenswerte Menschen die einem einen Geburtstagswunsch erfüllen, nämlich meine liebenswerte Familie!:!::!::!::!::!:

    Der Grund für mich sind Kaufmann und Westbroek! :hail:


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Für die Walküre habe ich schon ne Karte

    Freut mich, dass ich nicht der einzige sein werde. Ich hätte gerne Karten für eine der beiden Aufführungsserien im Herbst 2020 erworben, bei denen die vier Stücke in einer Woche nacheinander gezeigt werden, aber leider waren da alle guten Plätze schon ausverkauft. So werde ich also über das Jahr verteilt vier Mal für den "Ring" nach Paris fahren.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Lieber Bertarido,

    Auf den Ring von Bieito wäre ich auch sehr neugierig. Ich schätze seine Arbeiten seit den frühen Inszenierungen in Hannover als sehr intelligent und echt erhellend. Zudem fand ich sie immer handwerklich ungemein professionell. In letzter Zeit war ich nicht immer zufrieden. Da hat er zu schnell zu viel gemacht und ich hatte oft den Eindruck, als habe er die Werke nicht mehr so gründlich durchdacht und seine Arbeiten nicht sorgfältig genug geprobt. Ich denke aber, dass er den Ring als so ungeheuerliche Herausforderung begreifen wird, dass er wieder eine gute Arbeit abliefern wird.


    Trotzdem werde ich mir eine Reise nach Paris wohl nicht gönnen. Aber ich weiß es noch nicht.

    Jetzt freue ich mich erst mal auf den viel gepriesenen RING in Minden.


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Wotan: Iain Paterson


    Hoffentlich ist er in Paris besser drauf als hier. Auch sein Wanderer im Hallé-Ring Elders war ja schon sehr gewöhnungsbedürftig. :no: Bieito allein würde mir nicht reichen bei Wagner. Da muss auch gut gesungen werden.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Ich muss gestehen, dass zunächst ein sehr großer Bieito-Befürworter war, seine frühen Arbeiten in Hannover sowie die "Entführung" in Berlin hatten eine enorme theatrale Kraft und waren in der Tat handwerklich sehr gut gemacht.

    Sehr schnell allerdings ist diese Begeisterung bei mir verflogen. Weitere Arbeiten konnten mich nicht mehr im gleichen Maße überzeugen, sie wirkten hingeschludert und ohne die unmittelbare Wirkung der ersten Arbeiten. Oft wurde sich zu sehr auf die Wirkung monströser Bühnenbilder verlassen, eine Durchdringung der Werke fand kaum noch statt. Zuletzt arrangierte er hauptsächlich Chorwerke (Verdirequiem, Marienvesper, Schumanns Faustszenen) und das mit sehr mäßigem Erfolg. Seine Münchner "Juive" fand ich in ihrer billigen Bildsprache ein regelrechtes Ärgernis, das dem Gehalt dieses großen Werkes nicht einmal annähernd gerecht wurde. Hoffen wir, dass er für den "Ring" noch einmal alte Kräfte reaktivieren kann. Mir fehlt da allerdings etwas der Glaube, zumal ich seinen Wagner-Zugang immer etwas zu einseitig fand wie beim Stuttgarter "Holländer". Der "Parsifal" in einem postapokalyptischen Setting war ok, wenn auch streckenweise sehr platt. Berührend war allerdings das Schlussbild, wie der völlig ermüdete Parsifal in eine Badewanne stieg.

  • Lieber Rheingold!

    :no: Bieito allein würde mir nicht reichen bei Wagner. Da muss auch gut gesungen werden.

    Da bin ich ganz bei Dir!


    Ich wage sogar zu sagen, dass die Besetzung in Minden, die ich nächsten Monat wieder erleben werde, durchdachter und stimmiger ist. Sie ist in den vier Jahren wunderbar zusammen gewachsen unter der Leitung von Frank Beermann und begleitet von einem Orchester, das intensiv zusammen mit den Sängern musiziert, wie man das nur selten erlebt.
    Zudem hat man auch in diesem Jahr Probenwochen angesetzt , wie sie in den großen Häusern einfach nicht zu realisieren sind.


    Nur man muss auch eingestehen: die Sänger würden in einem großem Haus, in dem sie dann auch nicht vor dem Orchester sondern hinter dem Orchester zu singen hätten, wohl nicht die gleichen Leistungen bringen könnten. Vor allem um die Brünnhilde ist es schade. Dara Hobbs hätte eine große Karriere verdient.


    Wer näheres zu Besetzung wissen will, findet es hier: Ring-Inszenierung in Minden

    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Dara Hobbs hätte eine große Karriere verdient.

    Die beste Isolde, die ich bisher sah!!


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Auf den Ring von Bieito wäre ich auch sehr neugierig. Ich schätze seine Arbeiten seit den frühen Inszenierungen in Hannover als sehr intelligent und echt erhellend. Zudem fand ich sie immer handwerklich ungemein professionell. In letzter Zeit war ich nicht immer zufrieden. Da hat er zu schnell zu viel gemacht und ich hatte oft den Eindruck, als habe er die Werke nicht mehr so gründlich durchdacht und seine Arbeiten nicht sorgfältig genug geprobt. Ich denke aber, dass er den Ring als so ungeheuerliche Herausforderung begreifen wird, dass er wieder eine gute Arbeit abliefern wird.


    Ich muss gestehen, dass zunächst ein sehr großer Bieito-Befürworter war, seine frühen Arbeiten in Hannover sowie die "Entführung" in Berlin hatten eine enorme theatrale Kraft und waren in der Tat handwerklich sehr gut gemacht.

    Sehr schnell allerdings ist diese Begeisterung bei mir verflogen. Weitere Arbeiten konnten mich nicht mehr im gleichen Maße überzeugen, sie wirkten hingeschludert und ohne die unmittelbare Wirkung der ersten Arbeiten. Oft wurde sich zu sehr auf die Wirkung monströser Bühnenbilder verlassen, eine Durchdringung der Werke fand kaum noch statt. Zuletzt arrangierte er hauptsächlich Chorwerke (Verdirequiem, Marienvesper, Schumanns Faustszenen) und das mit sehr mäßigem Erfolg. Seine Münchner "Juive" fand ich in ihrer billigen Bildsprache ein regelrechtes Ärgernis, das dem Gehalt dieses großen Werkes nicht einmal annähernd gerecht wurde. Hoffen wir, dass er für den "Ring" noch einmal alte Kräfte reaktivieren kann. Mir fehlt da allerdings etwas der Glaube, zumal ich seinen Wagner-Zugang immer etwas zu einseitig fand wie beim Stuttgarter "Holländer". Der "Parsifal" in einem postapokalyptischen Setting war ok, wenn auch streckenweise sehr platt. Berührend war allerdings das Schlussbild, wie der völlig ermüdete Parsifal in eine Badewanne stieg.

    Lieber Caruso,

    lieber Melomane!


    Im großen und ganzen teile ich Eure Bewertung. Bieito hat einige Regiearbeiten gemacht, die mich wirklich begeistert haben, neben der genannten "Entführung" an der KOB würde ich dazu noch Glucks "Armida" am gleichen Haus zählen, seine inzwischen an vielen Häusern gezeigte "Carmen", "Boris Godunow" an der Bayerischen Staatsoper, der genannte "Parsifal" in Stuttgart, auch seine "Turandot" in Nürnberg. Andere Arbeiten fand ich hingegen enttäuschend ("Juive" habe ich allerdings nicht gesehen, ebensowenig wie die inszenierten Chorwerke der letzten Jahre) . Ich hoffe aber ebenso wie Caruso, dass Bieito den "Ring" als Herausforderung begreift und sich damit Mühe gibt. Wenn nicht dort, wo dann?


    Bieito allein würde mir nicht reichen bei Wagner. Da muss auch gut gesungen werden.

    Keine Frage. Aber wo findet man heute noch eine "Ring"-Besetzung, bei der man sich sicher sein kann, nur gute Leistungen zu erleben? Da muss man doch meistens das Prinzip Hoffnung walten lassen und mit der einen oder anderen Enttäuschung leben, oder man bleibt zu Hause. Ein schlechter "Wotan"/"Wanderer" ist nun allerdings so ziemlich das Schlimmste, was einer "Ring"-Aufführung passieren kann, und Ian Paterson wäre sicher nicht meine Wunschbesetzung gewesen. Aber wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. War Paterson nicht auch in Bayreuth der "Wotan" der letzten Jahre?

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Provokation um der Provokation willen. Das ist für mich C. Bieito. Tu infelix Lutetia. :pfeif:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Bieito hat einige Regiearbeiten gemacht, die mich wirklich begeistert haben, neben der genannten "Entführung" an der KOB...

    Für mich gehören dazu an erster Stelle die Inszenierungen in Hannover

    2002 Don Giovanni

    2003 Trovatore

    2003 La Traviata

    2005 Pagliacci / Cavalleria Rusticana

    2006 Wozzeck


    Und eben die Entführung an der Komischen Oper Berlin.


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • In Hannover habe ich leider nie etwas von Bieito gesehen, lieber Caruso, aber den "Don Giovanni" und den "Wozzeck" kenne ich immerhin von den DVD-Aufzeichnungen, beide Arbeiten schätze ich auch sehr.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • In Hannover habe ich leider nie etwas von Bieito gesehen, lieber Caruso, aber den "Don Giovanni" und den "Wozzeck" kenne ich immerhin von den DVD-Aufzeichnungen, beide Arbeiten schätze ich auch sehr.


    Don Giovanni und Wozzeck hatten wir uns davon auch reingezogen.

    Beim Don Giovanni beeindruckte Bieitos Inszenierung. Leider überhaupt nicht das Orchester.:(


    Am 18.06.06 besuchten wir Wozzeck-Premiere. Das Orchester unter Lü und Bieitos Inszenierung kamen in höchster Intensität rüber, die in ihren beklemmenden Fluchtpunkt zur letzten Szene mit Mariens Knaben mündete "...Hopp, hopp! Hopp, hopp! Hopp, hopp! ..." Es wurde ohne Pause durchgespielt.

    An diesem Abend war das Niedersächsische Staatstheater "Weltmeister". Mega-Event.

    HAZ-Feedback ist als sehr kleinlich und mäkelig in Erinnerung; schmierte also an der Premiere ab.

    Danach jahrelang der Überzeugung, dass zu dieser szenischen Wozzeck-Umsetzung Bieitos keine Alternative möglich sei, bis ein nicht minder fetziger TV-Mitschnitt aus Moskau reinzogen wurde in der Regie Dmitri Tcherniakovs.

  • Beim Don Giovanni beeindruckte Bieitos Inszenierung. Leider überhaupt nicht das Orchester. :(

    Ja, lieber Amfortas, das Orchester kam mit Perry überhaupt nicht klar.

    Großartig aber waren die Sänger, vor allem als Kay Stiefermann den Giovanni sang und Oliver Zwarg den Leporello. Und Christiane Iven als Elvira war einfach sensationell, aber auch Francesca Scaini und Sunhae Im waren ungemein packend.


    Keiner der Sänger, die in der Aufzeichnung aus Barcelona singen, erreichte die Intensität und Passion der hannöverschen Protagonisten. Mit ihnen hatte wohl Bieito nicht so intensiv arbeiten können.

    Am 18.06.06 besuchten wir Wozzeck-Premiere. Das Orchester unter Lü und Bieitos Inszenierung kamen in höchster Intensität rüber, die in ihren beklemmenden Fluchtpunkt zur letzten Szene mit Mariens Knaben mündete "...Hopp, hopp! Hopp, hopp! Hopp, hopp! ..." Es wurde ohne Pause durchgespielt.

    An diesem Abend war das Niedersächsische Staatstheater "Weltmeister". Mega-Event.

    Das kann ich nur bestätigen! Voll bestätigen!


    Aber warum habt Ihr Bietos Trovatore nicht besucht? Meiner Meinung nach, war das die beklemmendste und abgründigste Inszenierung, die ich von Bieito gesehen habe. Unvergesslich!


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Aber warum habt Ihr Bietos Trovatore nicht besucht? Meiner Meinung nach, war das die beklemmendste und abgründigste Inszenierung, die ich von Bieito gesehen habe. Unvergesslich!

    Keinen Schimmer mehr warum ... und ja ist schade.

    Und dein Feedback zum Trovatore rührt Frustration erneut auf, ob des verpassenten Events. :(


    Zum Festzigkeits-Olymp vom Wozzeck-Event sei in jedem Fall hinzugefügt, die Premiere von Nonos Al gran sole (Harneit/Konwitschny) vom 09.05.04 und die Wiederaufnahme der Janacekschen Jenufa (de Veer, Barbara Beyer) vom 07.03.04.

  • Lieber Amfortas!


    Aber warum habt Ihr Bietos Trovatore nicht besucht? Meiner Meinung nach, war das die beklemmendste und abgründigste Inszenierung, die ich von Bieito gesehen habe. Unvergesslich!

    Keinen Schimmer mehr warum ... und ja ist schade.

    Und dein Feedback zum Trovatore rührt Frustration erneut auf, ob des verpassenten Events. :(

    Mit dem TROVATORE gastierte die Staatsoper Hannover sogar 2004 beim Edinburgh Festival. Unter dem damaligen Ersten Kapellmeister Mihkel Kütson sangen Francesca Scaini, Ki Chung Park, Leandra Overmann und Tito You.

    Bieito wurde begeistert gefeiert.

    In Hannover habe ich die Produktion mindestens vier- oder fünfmal erlebt.


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!