Asmik Grigorian, Sopranistin aus Litauen

  • Asmik Grigorian hat eigentlich längst einen eigenen Thread verdient, in dem über ihre Stimme, ihren Gesang und ihre Darstellungskunst berichtet und diskutiert werden kann.


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    Vor zehn Monaten kam WoKa im „Gespräch über Oper“, das er mit mir hier im Forum geführt hat, auf diese außerordentliche Sopranistin aus Litauen zu sprechen. Er war so begeistert von ihrer Salome, die er in der Fernseh-Übertragung aus Salzburg gehört und gesehen hatte. Diese Salome hatte ich damals nicht im Fernsehen verfolgt, aber ich hatte Asmik Grigorian schon in einigen Partien ‚in the flesh’ erlebt.

    Deshalb habe ich nur zu gerne seine Begeisterung für die junge Sängerin aufgenommen und geschrieben:


    „Ich habe sie (also Asmik Grigorian) in so unterschiedlichen Partien wie der Tatjana (Eugen Onegin), Marie (Wozzeck), Chrysothemis, Fedora, Suor Angelica und zuletzt Jolanta (Tschaikowski) erlebt.

    Wie sie sich an jede dieser Rollen rückhaltlos ausliefert, totales Risiko nicht scheut und mit einer unbeschreiblichen Intensität gefangen nimmt, das ist singulär. Ihre Stimme ist zugleich jungfräulich und zart, ungemein zerbrechlich und doch zu großen Bögen und Ausbrüchen fähig. Sie hat ganz zarte und empfindsame Töne, kann seidig weich klingen und hat Töne erwachender Sinnlichkeit, Töne flammender Leidenschaft aber auch der Enttäuschung und Verzweiflung – dieser Sopran scheint unermesslich in seinen Farben und seinem Ausdruck. Und er hat erstaunliche Reserven. Bei ihr stellt sich die Frage gar nicht, was denn Schauspiel ist und was Gesang. Beides ist nicht geschieden und beides trägt ihre Fähigkeit, Figuren und Schicksale lebendig werden zu lassen.“

    Inzwischen habe ich sie auch als Salome und als Marietta (Die tote Stadt) gehört. Meine Begeisterung ist dadurch weiter gewachsen. Auch ihre Tatjana habe ich gerade noch mal gehört - beim Gastspiel der Komischen Oper Berlin beim Edinburgh Festival. Die gesamte Aufführung wurde begeistert aufgenommen, Asmik Grigorian wurde am Ende mit tosenden Ovationen geradezu euphorisch gefeiert. Auch die gesamte Presse lobte die Leistung in den höchsten Tönen. Hier drei Stimmen:


    Rowena Smith in THE GUARDIAN

    Zitat

    Tchaikovsky, like Pushkin, might have named his opera after its antihero, but Kosky’s production makes clear that the psychodrama really belongs to its heroine. Tatyana is present on stage almost throughout, even at moments where she would not normally be involved in the action. In Edinburgh, this interpretation was strengthened by an astonishing central performance from Lithuanian soprano Asmik Grigorian. She captures the vulnerability and impetuosity of the young Tatyana, developing from initial awkwardness to throbbing, chest-beating emotionality in the letter scene. Allied with a voice that combines power and beauty, this is an utterly riveting performance, completed by her metamorphosis into self-possessed society beauty in the final act.

    David Smythe in BACHTRACH

    Zitat

    Owning this production on opening night was award-winning soprano Asmik Grigorian as Tatyana, a singer who can completely inhabit a role. Barely leaving the stage for the first two acts, it was hard to watch anyone else as we saw her escape rural drudgery by reading, and witness the kindling of her girlish infatuation with Onegin in a message in a jam jar. Her Letter Scene, delivered on a darkened stage in a single spotlight, was unforgettable, her mercurial change of facial expressions expressing the joy of first love, her writhing hands telling a different story as she turned away from us. Grigorian’s strong bright soprano opened out at the top thrillingly, but her lower register was golden and smouldering, devastating as Onegin passed her over when she literally throws herself at him. Married to Gremin, her mature Tatyana, in a flowing scarlet velvet dress, was initially haughty, then riveting when confronted by Onegin with his own jam jar letter, emotions and memories playing across her face as she laid the ghost of what might have happened if those hazy summery pastoral feelings had been reciprocated. Tatyana’s wisdom and loyalty to Gremin leaves Onegin prostrate and devastated, but as she stands over him and the rain arrives, it’s clear that she's made the correct choice.

    Tim Bano in THE STAGE

    Zitat

    Lithunanian soprano Asmik Grigorian is responsible for all the most moving scenes. Although she has no trouble filling the Festival Theatre with raw emotion, she’s a Tatyana who pulls herself inward. At one point she completely hides her face behind a book. Her voice is flawless, but it’s her acting that seals the deal.

    Her maturation in Act III comes as a surprise. Her slightly supercilious poise as she stands over Onegin prostrate and distraught on the grass – is that pity, or just a sneer? – is quite a sight. And fair enough: from the moment Günter Papendell’s Onegin swaggers on in Act I he comes across as a bit of an arse.


    Aufnahmen gibt es leider noch immer wenig von Asmik Grigorian.


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    Vielleicht erscheint bald Ich freue mich jetzt schon auf ihre Jenufa kommendes Frühjahr in London.
    Vielleicht werde ich mir im Mai auch ihre Norma im Theater an der Wien anhören.


    Anstelle einer kurzen Auflistung der wichtigsten Daten zu ihrem Lebenslauf und zu ihrem bisherigen Karriereweg stelle ich einen Link zu einem Artikel ein, den Volker Hagedorn in DIE ZEIT am 20. Februar 2019 veröffentlicht hat.


    https://www.zeit.de/2019/09/as…-weltruhm/komplettansicht


    Ich bin neugierig, was hier über diese eindrucksvolle Sängerin mitgeteilt wird.


    Caruso41


    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Caruso,

    Du hast die Fähigkeiten dieser großartigen Sängerin detailliert und treffend beschrieben. Chapeau! Man kann nur wiederholen oder - und das tue ich gerne - mit Nachdruck bestätigen. Eine ganz wundervolle Sängerin mit allen gesanglichen Fähigkeiten reich gesegnet auf dem Weg zur absoluten Weltkarriere.

    Herzlichst

    Operus (Hans)


    ( Nur ganz schüchtern angedeutet: Wo ist der deutsche Sängernachwuchs mit solchen Potentialen?)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Hallo Caruso!


    Vielen Dank für diesen Thread.


    Ich habe heute die "First Night of the Proms 2019" angeschaut. Dort war sie in Janaceks Glagolithischer Messe zu hören und zu sehen. Auch hier war ich wieder äußerst beeindruckt.

    Begeistert hat mich ihr Auftritt anlässlich des 100teh Geburtstages des Orchestre de la Suisse romande. Hier sang sie Tatjanas Briefszene - ich finde es begnadet.



    Ich schätze, ich werde nach Frankfurt fahren um dort die Manon Lescaut zu sehen (wozu hat man eine Tochter, die in Frankfurt wohnt:P).


    Übrigens bietet myfidelio.at die Möglichkeit eines 24h - Tickets, sodass es möglich ist, sowohl die Glagolithische Messe, als auch die Salzburger Salome anzuschauen - und den Wozzeck.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Lieber WoKa!


    Bei Deiner Begeisterung für die Gesangs- und Darstellungskunst Asmik Grigorians solltest Du unbedingt eine Gelegenheit, diese außerordentliche Sängerin live erleben zu können, wahrnehmen. Also: auf nach Frankfurt!!!


    Ich bin etwas überrascht, dass offenkundig die Opernfreunde und Melomanen im Forum, Asmik Grigorian noch kaum kennen. Oder mag nur niemand etwas über seine/ihre Eindrücke preisgeben? Warten wir‘s ab.


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Caruso, ich bin ja nur neidisch, daß Du Fr. Grigorian als Marietta (in Mailand?) gesehen hast. Es grüßt Hans

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Lieber Caruso, ich bin ja nur neidisch, daß Du Fr. Grigorian als Marietta (in Mailand?) gesehen hast. Es grüßt Hans

    Lieber Hans!


    Ich habe Asmik Grigorian nicht nur gesehen, sondern vor allem auch gehört.


    Ja, das war in Mailand und leider hatte ich einen Platz mit schlechter Sicht auf die Bühne, die es in solchen alten Opernhäusern ja leider reichlich gibt. Da ist mir so richtig zu Bewusstsein gekommen, dass die Darstellungskraft von Frau Grigorian nicht allein auf ihren schauspielerischen und tänzerischen Fähigkeiten gründet sondern ganz entschieden auf ihrem stimmlichen und gesanglichen Potenzial. Auch wenn man sie nicht sieht, entsteht ein plastisches Bild von der Figur mit viele Facetten, Farben und Nuancen. Wie sie die libertäre Wiedergängerin Maries teils als sympathisch naive Figur, teils als femme fatal ganz real und mit unwiderstehlicher Intensität erstehen lässt - um sie dann wieder als Projektionsfläche von Pauls Erinnerungen und Phantasien verflüchtigt, das war hörbar, wirklich hörbar.

    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Hallo!


    Die Karten liegen ausgedruckt bei mir. Sonntag 27.10. 15:30 Uhr.

    Gruß

    WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Lieber WoKa!


    Die Karten liegen ausgedruckt bei mir. Sonntag 27.10. 15:30 Uhr.

    Das wird sicher ein wunderbarer Abend für Euch.


    Besten Dank übrigens noch für die Einstellung der Briefszene der Tatjana, die ich inzwischen gehört und sehr genossen habe.

    Ich hoffe ja doch, dass die Aufzeichnung des ganzen "Eugen Onegin" mit Asmik Grigorian (Produktion der Komischen Oper Berlin), die es ja im Fernsehen gegeben haben soll, auf DVD erscheinen wird!


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Ich habe mir grade die Tatjana angehört. Mir gefällt das sehr gut, da bekommt man richtig Gänsehaut. Ich finde ihre Stimmfarbe ja eigentlich etwas hart, aber nur ein bisschen, und bei ihr stört mich das garnicht. Da ist soviel Ausdruck drin, das macht Lust auf mehr. Leider werde ich kaum Zeit haben nach Frankfurt zu fahren, aber eine Salome bei myfidelio.at wird es wohl werden :)


    Viele Grüße

    Boismortier

  • Ich schätze, ich werde nach Frankfurt fahren um dort die Manon Lescaut zu sehen (wozu hat man eine Tochter, die in Frankfurt wohnt :P ).

    Die Karten liegen ausgedruckt bei mir. Sonntag 27.10. 15:30 Uhr.

    Lieber Woka!


    Der Rundfunk HR-Kultur hat auf seine Homepage eine Text als Hinweis auf die Produktion der MANON LESCAUT:

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Meine Frau und ich werden die Frankfurter Manon Lescaut am 10. Okt. besuchen - aus zweierlei Gründen:


    zum einen, um Asmik Grigorian, die wir bislang nur aus der TV-Übertragung der Salzburger SALOME schätzen gelernt haben, einmal live zu erleben ...


    zum anderen, weil uns Lorenzo Viotti, der bereits vielfach Gelobte, als Puccini-Dirigent interessiert ...


    Ich werde berichten.


    :hello:

  • Lieber Klaus Schreiber!


    Zitat

    Alle Sänger

    Gegrüßt! Gegrüßt! Gegrüßt sei uns!

    Landgraf

    So sei willkommen denn auch mir!

    Sag an, wo weiltest du so lang?

    Nicht Elisabeth hat Dich in unseren Kreis zurück geführt!

    Asmik Grigorian heißt sie, die solchen Zauber übte!


    Auf Deinen Bericht freuen wir uns!


    Herzliche Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Bisher war noch nichts über den Lebens- und Ausbildungsweg von Asmik Grigorian gesagt.

    Sie wurde am 12. Mai 1981 in Vilnius geboren. Ihr Vater Gegam Grigorian war mit der litauischen Sopranistin Irena Milkevičiūtė verheiratet und damals erster Tenor an der dortigen Oper.

    Asmik Grigorian studierte in Litauen und Nizza. Ihre ersten Partien auf der Bühne waren die Donna Anna und die Violetta. Offensichtlich hatte sie sich mit diesen anspruchsvollen Partien gründlich übernommen. Sie hat dann die Konsequenz gezogen und praktisch noch mal eine gründliche Gesangsausbildung begonnen. Deshalb startete ihre Karriere erst so richtig, als sie schon 30 Jahre alt war. Nun wurde sie Ensemblemitglied der Nationaloper Riga, sang an der Litauischen Nationaloper und gastierte vielfach am Mariinskij Theater sowie am Bolschoi Theater.


    Zu ihren Partien gehören unter anderem die Titelpartie von »Rusalka«, die Tatjana in »Eugen Onegin« und Puccinis Manon Lescaut. In Rom sang sie Cio-Cio-San in »Madama Butterfly«, in Köln und Amsterdam Marie in »Wozzeck« (2017 auch Salzburger Festspiele), in St. Petersburg Senta in »Der fliegende Holländer« und Desdemona in »Otello«. Die Judit in »Herzog Blaubarts Burg« sang sie in Gent, Antwerpen und Wiesbaden.
    Furore machten ihre Auftritte als die Fedora und Butterfly in Stockholm (2016/17), ganz stark dann als Salome bei den Salzburger Festspielen (2018 und 2019), und als Marietta in »Die Tote Stadt« in der Mailänder Scala.

    In der gerade beginnenden Saison wird sie in London als Jenufa auftreten.


    Bei den International Opera Awards wurde sie 2016 als beste Nachwuchssängerin und 2019 als beste Sängerin des Jahres ausgezeichnet.


    Zur Zeit ist sie in Frankfurt als MANON LESCAUT zu hören.
    Einen Trailer gibt es auf der Homepage der Oper und auf Youtube




    Vielleicht noch ein Wort zu dem Vater von Asmik Grigorian. Sie sagt von ihm "He was really big!"

    In unserem Forum hat Gegam Grigorian - wie viele Sänger aus dem Osten Europas - keinen eigenen Thread und kaum Aufmerksamkeit gefunden

    Stimmenliebhaber hat in dem Thread "Austausch über Höreindrücke zu den Sänger-Jubilaren" Aufnahmen von Ihm gehört und seine Eindrücke geschildert: Austausch über Höreindrücke zu den Sänger-Jubilaren

    Ich habe Gegam Grigorian mit "E lucevan le stelle" in einen Thread eingestellt, in dem verschiedene Interpretationen der Cavaradossi-Arie verglichen werden: E lucevan le stelle


    Asmik Grigorians Mutter Irena Milkevičiūtė hat auch eine Karriere gemacht. Es gibt nicht wenige Videos von ihr auf Youtube, die einen hellen klaren Sopran und eine wunderbar natürliche Gesangs- und Darstellungskunst zeigen. Vielleicht kommen wir noch mal auf beide in einem eigenen Thread zurück, zumal in einigen Aufnahmen beide im Duett singen.



    Caruso41

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  • Ich habe diese Rezension nun zum Anlass genommen, mir schnell noch eine der ganz wenigen verbliebenen Karten für die Frankfurter "Manon" zu kaufen. Neben Asmik Grigorian interessiert mich auch die Inszenierung.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Lieber Bertarido, lieber WoKa, Lieber Klaus Schreiber!

    Ich habe diese Rezension nun zum Anlass genommen, mir schnell noch eine der ganz wenigen verbliebenen Karten für die Frankfurter "Manon" zu kaufen. Neben Asmik Grigorian interessiert mich auch die Inszenierung.

    Weitere Ermutigung scheint nicht mehr nötig. Du wirst aber erleben, dass nicht nur die Titelheldin und die Inszenierung die Reise nach Frankfurt lohnen. Auch der Tenor Joshua Guerrero ist wirklich ganz großartig in der Partie. Und dass ich den Dirigenten Lorenzo Viotti sehr schätze, siehst Du allein schon daran, dass ich einen Thread über ihn gestartet habe.

    Vielleicht kann die Rezension in der Frankfurter Rundschau deine Vorfreude noch ein wenig anheizen:

    Zitat

    Judith von Sternburg

    Asmik Grigorian geht als Manon aufs Ganze und beschert der Oper Frankfurt im Verein mit dem Tenorkollegen Joshua Guerrero, dem Dirigenten Lorenzo Viotti und einer unverhohlen modernen Umgebung einen Puccini der Extraklasse.

    https://www.fr.de/kultur/theat…seite-liebe-13076184.html


    Ich wünsche Euch einen richtig aufregenden und anregenden Opernabend!


    Caruso41

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  • MEINE MUSIKAsmik Grigorian - Sopranistin BR 42 Min.


    Sehr interessant anzuhören!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • MEINE MUSIKAsmik Grigorian - Sopranistin BR 42 Min.


    Sehr interessant anzuhören!


    LG Fiesco


    Danke, lieber Fiesco, für den Hinweis.

    Ich packe gerade meine Koffer und muss morgen früh weg, aber wenn ich wiederkommen, werde ich bestimmt die Sendung gleich anhören!


    Hast Du eigentlich Asmik Grigarian schon live gehört? Vielleicht in Frankfurt (wenn ich mich recht erinnere, wohnst Du da nicht so weit weg) als Jolante oder als Manon? In Wiesbaden hat sie Tatjana gesungen. Vielleicht wäre das für Dich auch erreichbar?


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Herzlichen Dank, lieber Caruso, für deine nette wie originelle Begrüßung!

    Zwar bin ich im Forum zurück, jedoch mit nach wie vor gebremster Aktivität, bedingt durch Einbindung in ein Autorenkollektiv, wobei sich allerdings unsere Publikation auf der Zielgeraden bewegt.

    Den dankenswerterweise eingestellten Rezensionen aus FAZ u. FR stimme ich weitgehend zu, so dass ich mich in der Schilderung meiner Eindrücke der Aufführung vom 10.10.19 kurz fassen kann.

    Zwar erfährt die Inszenierung durch Àlex Ollé eine "Neudeutung" des Stoffs, ist aber in sich stimmig, nicht zuletzt deshalb, weil das Thema der Migration gerade opportun, sondern immer aktuell ist.

    So inszeniert scheint Asmik Grigorian Puccinis Manon auf den Leib UND in die Kehle geschrieben worden zu sein. Sie bewegt sich mit einer Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit sowohl im billigen Outfit am Bahnhof als auch mit sexy Unterwäsche bekleidet im Club. Stimmlich bleibt sie nichts an Ausdruckskraft schuldig, nicht nur in den dramatischen Teilen der Akte 1-3, sondern vor allem in den verhaltenen, nach innen gewandten Passagen. Ihr "Sola, perduta, abbandonata" im 4. Akt habe ich bislang kaum berührender gehört als von ihr. Mit Joshua Guerrero als des Grieux hat sie einen nicht nur darstellerisch überzeugenden Partner an ihrer Seite, der auch stimmlich durch tenoralen Schmelz, Kraft und Leidenschaft restlos überzeugt. Ausgezeichnet gefallen hat mir auch Iurii Samoilov mit kernigem, aber auch schönstimmigem Bariton als leichtlebiger Lescaut. Alle anderen Partien waren rollendeckend besetzt und Lorenzo Viotti stellte im Graben mit dem Orchester in enger Abstimmung mit der Inszenierung (dies ist ja keineswegs die Regel!) die kühleren Farben der Partitur aus und wurde der Musik in den dramatischen Passagen mehr als gerecht, ohne die Sänger "zuzudecken". Besonders beeindruckt haben mich Schwerblütigkeit und Melancholie der Musik, wie sie in den traumhaften Cello- und Oboensoli (!) in den beiden letzten Akten zum Tragen kamen.

    Der größte Beifall des noch lange nachwirkenden Abends ging verdient an das Paar Grigorian und Guerrero.

    :hello:Klaus

  • Lieber Klaus!


    Deinen Bericht über die MANON LESCAUT in Frankfurt habe ich mit großem Interesse gelesen. Offenbar sind Deine Höreindrücke auch ganz positiv und Deine Urteile über Asmik Grigorian genau so begeistert, wie meine.


    Mich faszinieren einfach die enorme Bereitschaft und Fähigkeit von ihr, das umzusetzen, was der Regisseur und der Dirigent von ihr wollen. Kein Wunder, dass die Kritiker der „Opernwelt“ sie gerade zur Opernsängerin des Jahres gekürt haben.

    Ich freue mich schon auf die Jenufa in London.


    Zustimmen kann ich auch Deinem Lob über Joshua Guerrero. Eine herrliche Stimme und ein ungemein sensibler Sänger, der aber auch der großen Emotionen fähig ist.


    Mit lieben Grüßen

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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