W.A.Mozart Klavierkonzert A- Dur KV 488 - Mozarts schönstes Klavierkonzert?

  • Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit meinem Klavierlehrer über meinen Lieblingskomponisten Mozart und er meinte es gäbe wohl kein schöneres Klavierkonzert von diesem als dasjenige in A- Dur KV 488.


    Nun kenne ich dieses Klavierkonzert von Mozart schon eine ganze Weile:


    Meine allererste Aufnahme war diese, mit dem legendären Friedrich Gulda.



    Zugegeben als 10 jähriger hatte ich damals noch nicht das musikalische Verständnis für diese zauberhafte Musik.


    Einige Jahre später las ich dann jedoch einen Aufsatz über Mozarts Klavierkonzerte, in dem stand, dass es sich bei diesem Konzert um eine der größten Schöpfungen im Bereich der Konzertanten Musik handelt.


    Danach hörte ich mir das Konzert noch einmal

    an und konnte dem Autor nur zustimmen.


    Alleine schon der Beginn des 1.Satzes ist ein wahrer Genuss- es ist so als würde die Musik aus dem Nichts auftauchen, so zart und zerbrechlich ist sie.


    Das ganze Konzert wird beherrscht von dem Wechsel zwischen Streichern und Bläsern, das Mozart hier zur absoluten Perfektion treibt.


    Nach dem wunderbaren heiteren, zarten 1.Satz folgt ein Adagio in a-moll. Dieser Satz ist für mich bis heute einer der ergreifendsten Sätze von Mozart überhaupt. Wenn das Hauptthema zunächst vom Klavier vorgetragen und später vom Orchester aufgegriffen wird, so frage ich mich jedesmal was uns wohl Mozart damit sagen wollte?


    Der 3. Satz ist dann wieder absolute Lebensfreude und strahlt einen Optimismus aus der wahrhaft ansteckend ist.


    Mozart schrieb dieses Klavierkonzert 1786 in Wien, während er nebenbei Die Hochzeit des Figaro komponierte. Erstaunlich ist auch das er kurze Zeit darauf sein c- Moll-Klavierkonzert KV 491 vollendete, das aber eine vollkommen andere Atmosphäre ausstrahlt.


    Ich habe übrigens lange gesucht bis ich eine Aufnahme gefunden habe, die meine oben beschriebenen Gefühle und Eigenschaften besitzt.


    Als Verfechter der historischen Aufführungspraxis habe ich mich schließlich für diese Aufnahme entschieden:



    Bilsom und die Englisch Baroque Soloists unter Herrn Gardiner holen aus diesem Werk wirklich alles heraus: Alleine schon wegen dem fantastischen Klang der Holzbläser und des Fortepianos sollte man sich diese Aufnahme gönnen!


    So und nun interessiert mich natürlich was für eine Meinung ihr von diesem Werk habt und natürlich was für Einspielungen ihr empfehlen könnt.


    Liebe Grüße


    W.A.Mozart

    W.A.Mozart:)

  • Reinhard

    Hat den Titel des Themas von „W.A.Mozart Klavierkonzert A- Dur KV 488 - Mozarts schön stets Klavierkonzert?“ zu „W.A.Mozart Klavierkonzert A- Dur KV 488 - Mozarts schönstes Klavierkonzert?“ geändert.
  • Für mich ist das Klavierkonzert Nr.23 (KV488) von Mozart nicht nur eines seiner schönsten sondern das Schönste. Als ich die Überschrift dieses threads las, konnte ich mit KV 488 zunächst nichts anfangen, weil ich bei den Klavierkonzerten nach der Numerierung gehe. Ich dachte jedoch sofort an die Nr.23, weil es mein Lieblingskonzert von Mozart ist. Meine Lieblingsaufnahme ist die mit Murray Perahia.

    mfG
    Michael

  • Meine Lieblingsaufnahme ist die mit Murray Perahia.

    Hallo Schneewittchen,


    das kann ich gut nachvollziehen! Murray Perahia spielt einen besonders schönen, intimen Mozart.

    Trotzdem möchte ich Dir weitere zwei Aufnahmen ans Herz legen, weil ich sie für besonders gelungen halte:

    Mozart: Klavierkonzerte Nr.9 K.271 & Nr.23 K.488

    Clara Haskil (Klavier) und die Wiener Symphoniker, Dirigent: Paul Sacher (Aufnahme: 10/1954, Wien).

    Diese wunderbare Pianistin wurde als "Heilige am Klavier" verehrt, ihre Aufnahmen sind Legende, und Mozart zählte zu ihren Lieblingskomponisten. Zusätzlich teuer (das hat jetzt nichts mit Musik zu tun!) ist mir die Haskil, weil sie eine Katzenliebhaberin war, wie aus dem Bild ersichtlich.


    Und dann gibt es noch ein "Must have" viel jüngeren Datums:

    Friedrich Gulda (Klavier) mit dem Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Dirigent: Nikolaus Harnoncourt (Aufnahme: 9/1983).

    Eine ungewöhnlich stimmige, klanglich erstklassige Aufnahme, aus der (kurzen) Zeit besten Einvernehmens zwischen Pianist und Dirigent. "Musikalisch flogen mehrfach die Fetzen, aber sie flogen aufs Feinste", schrieb SPIEGEL-Musikchef Klaus Umbach zu dieser Aufnahme.

    Wer sich nicht auf eine Interpretation beschränken will, dem seien sie wärmstens empfohlen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Die von nemorino genannte mit Clarta Haskil ist wohl eine der intimsten Aufnahmen dieses beliebten Klavierkonzertes Nr.23. Die Aufnahme hatten wir zu meiner Kinderzeit im LP-Schrank und ich habe diese bereits damals (:D in allen Geschwindigkeiten) gehört. JA, das hat mich geprägt !

    Heute fällt diese historische Aufnahme nicht mehr in meine Auswahl für einen CD-Kauf.

    ** Ich gehe wie Schneewittchen auch lieber nach der Nummerierung, denn mit den KV-Nummer gelingt mir die Zuordnung nicht.


    Ich besitze die Mozart-KK-GA mit Brendel/Marriner (Philips) um alle KK zu haben.

    Ob es das Schönste ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich auf dem Stand bin nicht alle KK auseinander halten zu können ... :pfeif:eben Mozart ...

    Das KK Nr.23 KV 488 kenne hingegen gut und schätze es so hoch wie Nr. 20 und 21 - und meine favorisierte Aufnahme ist die mit Robert Casadesus / George Szell (SONY), nicht zuletzt nur wegen Casadesus als Mozart-Fachmann, sondern auch wegen Szell ausgezeicheneter Orchesterbehandlung.


    SONY,1960 (Nr.23), ADD

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Menahem Pressler hat das mozartsche Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur KV 488 mit der Magdeburgischen Philharmonie Dezember 2016 eingespielt.


    Im kurzen Hörschnipsel des 2. Satzes, dem Adagio, hört man, wie delikat Menahem Presslers Anschlag ist. Es ist Spannung in dieser kurzen Phrase drin. Da werden nicht die Noten heruntergespielt, er hat uns etwas mitzuteilen.


    .

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • meine favorisierte Aufnahme ist die mit Robert Casadesus / George Szell (SONY), nicht zuletzt nur wegen Casadesus als Mozart-Fachmann, sondern auch wegen Szell ausgezeicheneter Orchesterbehandlung.

    Lieber Wolfgang,


    …. die hatte ich ganz vergessen. Es gab vor vielen Jahren mal eine LP-Kassette von 8 Mozart-Konzerten mit Casadesus/Szell (CBS), die ist auch noch in meinem Besitz, aber leider nicht leicht greifbar. Inzwischen habe ich mir die meisten wieder auf CD gekauft, und darunter befindet sich tatsächlich auch die Nr. 23 (KV 488), was mir gar nicht mehr präsent war:

    gekoppelt mit dem Konzert Nr. 24 K. 491 und dem Konzert für 2 Klaviere K. 365 (letzteres mit seiner Ehefrau Gaby und Ormandy als Dirigent). Die habe ich soeben ausgekramt und werde sie baldigst hören. Robert Casadesus galt (nicht nur) als Mozart-Spezialist, und im Verein mit George Szell sind ihm großartige, die Zeit überdauernde Aufnahmen gelungen. Es gibt sie inzwischen auch wieder geschlossen auf CD:

    Ich habe aber inzwischen (fast) alle wieder in Einzelausgaben.


    Schönen Sonntag nach Bonn,

    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Heute fällt diese historische Aufnahme nicht mehr in meine Auswahl für einen CD-Kauf.

    Hallo Wolfgang,


    das hatte ich soeben vergessen: Ich kenne Deine Aversion gegen Monoaufnahmen, aber bei Clara Haskil sollte man technische Unzulänglichkeiten einfach übersehen, ihre Aufnahmen sind gar zu kostbar!:hail:


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich will mich gar nicht erst auf die Frage einlassen, wer sich KV 488 künstlerisch am besten nähert. Das ist nur subjektiv zu beantworten. Es hat auch damit zu tun, dass ich etliche der hier geposteten Aufnahmen nicht habe. Beantworten kann ich aber die gestellte Frage kurz und bündig: ich mag jedes der Klavierkonzerte (wobei ich die Pasticcio-Werke von KV 37 bis KV 41 als Übungsstücke ebenso außen vorlasse, wie die Konzerte nach Sonaten von Johann Christain Bach, KV 107) - vielleicht die beiden Mollkonzerte einen kleinen Tick lieber als die Durwerke.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • RE: Robert Casadesus / George Szell (SONY, 1960, ADD)


    Lieber nemorino,


    die von uns in Beitrag 4 und 6 abgebildete SONY-5CD-Box, die ich besitze, hat einen weiteren Vorteil gegenüber den Einzel-CD´s:

    :!:Die Aufnahmen wurden C 2011 im 24Bit-Verfahren neu remastert und klingen ausgezeichnet.


    :saint: Bei mir läuft gerade das Mozert KK Nr.23 und ich bin fasziert, wie natürlich das Klavier klingt und wie schön das Orchester abgebildet wird ... und das bei einer Aufnahme von 1960 !


    Ich war schon überrascht, dass auf der von Dir abgebildeten Sony-Einzel-CD das Konzert für 2 Klaviere und Orchester KV 365 enthalten ist, aber die beiden für 2Klaviere (KV 365) und 3Klaviere (KV242) sind auch in der SONY-Casedesus-Box enthalten - mit unserem Altmeister Ormandy als Dirigent.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Das ist wirklich eins der drei oder vier wunderbarsten Mozart-Konzerte! :) Meine Favoriten (die mir jetzt spontan in den Kopf kommen): Michelangeli (mit C.M. Guilini, Mono-Mitschnitt), Rubinstein (ein wunderbar getragener langsamer Satz), Gulda (wirklich berührend empfindsam, habe ich leider nicht auf CD ;() und: Horowitz! :) Anda habe ich inzwischen auch in meiner Sammlung und noch gar nicht gehört, er wird mir wohl auch sehr gefallen! :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Rubinstein (ein wunderbar getragener langsamer Satz)

    Lieber Holger,


    … Du hast natürlich recht, den hatte ich auch nicht auf dem Schirm. Dabei ist seine Version eine der schönsten, die ich kenne. Und der langsame Satz ist der Höhepunkt seiner Darbietung! Hier ist sie:

    Aufnahme: 1958, STEREO, mit dem RCA Victor Symphony Orchestra, Dirigent: Alfred Wallenstein.


    Schönen restlichen Sonntag!

    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Hallo,


    der 2.Satz dürfte ein guter Einstieg für Klassikneulinge sein. Das ist Musik für die Ewigkeit.


    Keith Jarrett sollte man bei der 488 nicht übersehen.


    Horowitz ist für mich hier sehr eigensinnig, eigentlich spielt er fast etwas schlampig, wenn man vorher Pollini gehört hat.


    Es grüßt


    Karl

  • Aufnahme: 1958, STEREO, mit dem RCA Victor Symphony Orchestra, Dirigent: Alfred Wallenstein.

    Genau die CD habe ich, lieber Nemorino - da drauf ist auch das von Rubinstein ideal interpretierte Rondo KV 511. Und diese Aufnahme ist auch wunderbar:



    :) Schöne Grüße Holger

  • Die Frage dieses Threads kann ich definitv mit Ja beantworten - allein schon wegen des überirdisch schönen langsamen Satzes (der übrigens in fis-Moll ist und nicht in a-Moll wie oben fälschlicherweise gesagt. Damit teilt er die gleiche Tonart wie die ebenfalls Ausnahme-Adagios von Beethovens Hammerklaviersonate und Schubert's letzter A-Dur Sonate - Zufall?).

    Ganz dicht in meiner Wertschätzung Mozarts Klavierkonzerte folgen für mich die beiden Moll Konzerte KV 466 und 491 und sein letztes KV 595 (hier auch wegen des langsamen Satzes)

    "When I was deep in poverty, you taught me how to give" Bob Dylan

  • Oh du meine Güte,


    jetzt habe ich, als Mozartfan, doch tatsächlich behauptet , das der Mittelsatz in a-moll steht und nicht in fis- Moll.


    Asche auf mein Haupt!


    Ich denke mir es liegt vermutlich daran, das Mozart diese Tonart so wenig verwendete.


    Also nochmal Entschuldigung.


    Aber an der Schönheit des 2. Satzes ändert das natürlich nichts.


    LG


    Mozart

    W.A.Mozart:)

  • Gerade habe ich zweimal hintereinander tatsächlich das Konzert KV 488 gehört. Der Grund ist die Aufnahme von Geza Anda, die mich einfach nicht vom Stuhl gerissen hat:



    Das Orchester spielt sehr durchsichtig, frisch und modern - aber Anda finde ich hier unauratisch, zu junonisch nüchtern. Da ist einfach keine Wärme in seinem Spiel. Allerdings versteht er es, der Kadenz und dem langsamen Satz Gewicht zu geben - da zeigt sich dann, dass er einer der Großen ist. Ich muss mal schauen, ob ich noch einen Konzermitschnitt von ihm habe. Deshalb, weil ich das Konzert ja so liebe, habe ich danach ABM gehört:



    Was für ein Unterschied! Wenn ABM dieses Konzert spielt, bekommt man nicht nur eine Gänsehaut, sondern so etwas wie Ehrfurcht vor Mozarts Musik. ABM spielt das nämlich mit einer unbeschreiblichen Tonreinheit, Klarheit, Lauterkeit, einer berührenden inneren Bescheidenheit und dem "magischen" Ton, den er in den 50iger Jahren hat. Unfassbar ist der langsame Satz! Da kommt tiefer Schmerz zum Ausdruck, aber nicht pastos und affektiv, sondern mit einer purifizierten Empfindsamkeit vorgetragen, für die einem die Worte fehlen. Allein wie er die rhythmisch Struktur herausarbeitet, zum Ausdrucksträger werden lässt, ohne irgendwie übertreibend zu rhetorisieren, ist atemberaubend. Er wahrt immer das klassische Maß! Der Finalsatz ist ungemein frisch und klar, aber wiederum mit einer absolut unaufdringlichen Selbstverständlichkeit gespielt. Virtuosität und pianistische Perfektion, die sich versteckt ist hinter dem, was die Musik zu sagen hat. Was ABM da zeigt ist - um es mit Hölderlin zu sagen - apollinische Begeisterung - wahrlich ein Klavierspiel für die Götter! :) :) :)


    P.S. Von Anda habe ich tatsächlich noch einen Konzertmitschnitt - den höre ich, aber nicht mehr heute. Denn nach ABMs Vollendetheit kann man nichts mehr hören.




    Schöne Grüße

    Holger

  • Genau die CD habe ich, lieber Nemorino - da drauf ist auch das von Rubinstein ideal interpretierte Rondo KV 511. Und diese Aufnahme ist auch wunderbar:

    Lieber Holger,


    die steht auch bei mir im Regal, in dieser spartanischen Ausgabe:

    Die habe ich mal bei SATURN Köln erworben (mit ca. 10 anderen aus der Reihe, war eine Sonderausgabe zum 200. Todestag Mozarts) für 3 DM das Stück:)! Das war damals geschenkt. Das Booklet kann man vergessen, aber es geht ja um die Aufnahme. Und die ist großartig. Es ist höchst erstaunlich, wie gut der stockkonservative Böhm und der Salon-Marxist Pollini zusammen harmonieren. Die beiden haben ja häufig und erfolgreich miteinander musiziert.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Pollini/Böhm mit den Wienern habe ich auch, aber "sozialisiert" für Mozarts Klavierkonzerte wurde ich durch Annerose Schmidt, Kurt Masur und die Dresdner Philharmoniker. Meine ersten Anschaffungen nach einer längeren Klassik-Abstinenz:

    715Mk1VkOGL._SS300_.jpg

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Sicher gehört dieses Klavierkonzert zu den herausragenden Konzerten Mozarts, wenngleich ich die beiden Konzerte KV 466 und KV 467 favorisiere. Ich habe auch die Gulda-Aufnahme, aber das Konzert KV 488 besticht besonders in der Fassung für Hammerklavier und Orchester gespielt von Rudolf Buchbinder:

    Unbedingt hörenswert!

    :hello:

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Die EMI-Aufnahme mit Caracciolo von 1953

    Lieber Holger,


    das hatte ich vergessen zu fragen: Wie ist die technische Qualität dieser ABM-Aufnahme? 1953 klingt ja nicht gerade verlockend, 62 Cent schon:). Aber ich möchte mir meinen knappen Platz nicht noch mit Aufnahmen zustellen, die tontechnisch "unterirdisch" sind, selbst wenn ABM Mozart spielt ...


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • das hatte ich vergessen zu fragen: Wie ist die technische Qualität dieser ABM-Aufnahme? 1953 klingt ja nicht gerade verlockend, 62 Cent schon :) . Aber ich möchte mir meinen knappen Platz nicht noch mit Aufnahmen zustellen, die tontechnisch "unterirdisch" sind, selbst wenn ABM Mozart spielt ...

    Lieber Nemorino,


    das ist eine EMI-Aufnahme aus Italien. Ein audiophiles Highlight ist das nicht - aber trotzdem ist die Klangqualität für Mono ordentlich. Bei so einer herausragenden Interpretation sollte man das verschmerzen.


    Ich habe übrigens gerade den SWR-Mitschnitt mit Anda gehört. Der gefällt mir tatsächlich besser. Aber woran liegt es? In der DGG-Studioaufnahme dirigiert Anda selbst - und das Orchester ist da eindeutig besser - moderner, frischer, analytischer, klarer phrasiert. In der Rundfunkaufnahme klingt es deutlich biederer, kompakter. Aber Anda spielt dort einen Tick zurückhaltender. In der Studioaufnahme versucht er dagegen, mit der Brillanz des Orchesters zu korrespondieren, also spielt er eine Idee plastischer, pointierter. Andas Spiel ist im Prinzip völlig uneitel, sehr natürlich, aber auch völlig unmetaphysisch, sehr irdisch. Deshalb wird diese kleine Kleinigkeit dann doch entscheidend. Die Zurückhaltung im Rundfunkmitschnitt, die wirklich eigentlich - wollte man meinen - nicht viel Unterschied macht, gibt seinem Spiel eine gewisse intime Wärme. Dieses "gewisse Etwas" fehlt in der DGG-Produktion. In der DGG-Studioaufnahme noch mit dem kecken Orchester wird es dagegen einfach zu positivistisch burschikos. Ich bleibe natürlich ein Anda-Verehrer. :) Der langsame Satz ist auch sehr schön expressiv bei Anda. Nur wenn man einmal im Ohr hat, wie unfassbar das ABM spielt, dann bekommt man das nicht mehr aus dem Kopf. Das ist eine andere Dimension! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • das ist eine EMI-Aufnahme aus Italien. Ein audiophiles Highlight ist das nicht - aber trotzdem ist die Klangqualität für Mono ordentlich.

    Lieber Holger,


    danke für die Auskunft! Ich habe immer geglaubt, das sei ein Mitschnitt und deshalb vom Kauf abgesehen. Mono stört mich eigentlich wenig, so werde ich mir die CD bestellen.

    Ich habe übrigens gerade den SWR-Mitschnitt mit Anda gehört. Der gefällt mir tatsächlich besser. Aber woran liegt es? In der DGG-Studioaufnahme dirigiert Anda selbst

    Ich habe weder den SWR-Mitschnitt noch die Studioaufnahme von KV 488. Allerdings aus dem Studio-Zyklus etliche Einzelaufnahmen. Anda ist natürlich eine Klasse für sich, aber ich denke noch heute, er hätte besser mit einem Dirigenten gearbeitet. Er hätte sich in jedem Fall besser auf seinen Klavierpart konzentrieren können.

    Vermutlich wollte er die künstlerische Alleinverantwortung haben, oder ob die DGG den Dirigenten aus Kostengründen gestrichen hat? Dazu ist mir nichts Genaues bekannt. Insgesamt ist die GA sicher wohlgeraten, denn sie ist immer noch, wenn es um Mozarts Konzerte geht, im Gespräch und wird zu Vergleichszwecken herangezogen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Sicher gehört dieses Klavierkonzert zu den herausragenden Konzerten Mozarts, wenngleich ich die beiden Konzerte KV 466 und KV 467 favorisiere. Ich habe auch die Gulda-Aufnahme, aber das Konzert KV 488 besticht besonders in der Fassung für Hammerklavier und Orchester gespielt von Rudolf Buchbinder:

    Unbedingt hörenswert!

    :hello:

    Das Pianoforte hat in der Buchbinder/Harnoncourt-Aufnahme einen guten Klang und die Interpretation findet bei mir auch Gefallen. Im Adagio ist Buchbinder zügig unterwegs, aber ich denke, das ist dem fehlenden Nachklingen des Instrumentes geschuldet.

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    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • Der Pianist Rudolf Serkin fand noch keine Erwähnung. Er hat eine Reihe der Mozart Klavierkonzerte mit Claudio Abbado und London Symphony Orchestra bzw. Chamber Orchestra of Europe eingespielt. In dieser Box ist es die Scheibe Nr. 7, auf der KV 488 enthalten ist. Das Orchester sind die Londoner.



    Einzeln gibt es diese Interpretation von KV 488 in einer günstigen Mide-Price Ausgabe.



    Mein pianistischer Gradmesser ist das Adagio. Serkins Spiel hat für mich Spannung, wo andere Interpreten mir zu pauschal nur die Noten spielen.

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    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • danke für die Auskunft! Ich habe immer geglaubt, das sei ein Mitschnitt und deshalb vom Kauf abgesehen. Mono stört mich eigentlich wenig, so werde ich mir die CD bestellen.

    Lieber Nemorino,


    das wirst Du sicher nicht bereuen. Es gibt auch noch den ungemein eindrucksvollen Konzertmitschnitt (RAI-Rundfunkmitschnitt) mit Guilini, der ist vielleicht ein klein wenig weniger puristisch und geht etwas mehr in die Richtung des Schwelgens im Schönen - aber da müsste ich nach langer Zeit wieder mal nachhören.

    Anda ist natürlich eine Klasse für sich, aber ich denke noch heute, er hätte besser mit einem Dirigenten gearbeitet. Er hätte sich in jedem Fall besser auf seinen Klavierpart konzentrieren können.

    Ich habe die Box noch gar nicht durchgehört. Dass er sich auf seinen Part nicht konzentrieren kann, habe ich so nicht feststellen können. Nur muss er nicht auf den anderen Ansatz eines Dirigenten reagieren und folgt ausschließlich seinem eigenen Konzept. Es ist natürlich immer ein Risiko, gleich 27 Konzerte aufzunehmen in kurzer Zeit. Da kann man sich dann manchmal vielleicht nicht mehr so exquisit hingebungsvoll dem Einzelnen widmen.

    Vermutlich wollte er die künstlerische Alleinverantwortung haben, oder ob die DGG den Dirigenten aus Kostengründen gestrichen hat? Dazu ist mir nichts Genaues bekannt. Insgesamt ist die GA sicher wohlgeraten, denn er ist immer noch, wenn es um Mozarts Konzerte geht, im Gespräch und wird zu Vergleichszwecken herangezogen.

    Davon gehe ich aus, dass Anda die Eigenverantwortung haben wollte. Er hat ja auch in Salzburg unterrichtet und wollte seine modernen Vorstellungen, wie Mozart zu spielen und zu dirigieren ist, sicher umsetzen. Barenboim und Ashkenazy haben ja ebenfalls die Mozart-bzw. Beethoven-Konzerte zugleich dirigiert und gespielt als Solisten. Von Anda habe ich auch noch einen Mitschnitt des 1. Beethoven-Konzertes, wo er dasselbe Orchester dirigiert und auch spielt. Das spricht einmal mehr dafür, dass er das bevorzugt hat! :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Der Pianist Rudolf Serkin fand noch keine Erwähnung.

    Lieber moderato,


    gut, daß Du an Rudolf Serkin erinnerst! Der zählt zu meinen Lieblingspianisten, doch das Konzert Nr. 23 K. 488 habe ich leider nicht mit ihm. Aber aus der gezeigten, unvollendeten DGG-GA mit Abbado die Konzerte Nr. 12, 17, 18, 19, 21, 22, 24, 25 & 27 (mit dem LSO) und Nr. 16 (mit dem COE), auf Einzel-CDs.

    Schade, daß der Künstler die Aufnahmeserie nicht mehr vollenden konnte. Immerhin wollen wir froh sein, daß es diese Aufnahmen gibt.


    In meiner Sammlung gibt es aber eine weitere CD mit Rudolf Serkin, aus viel früherer Zeit:

    Piano Concerti 20 & 27 MOZART: Klavierkonzerte Nr. 20 & 27

    Nr. 20 K. 466 mit George Szell und dem Columbia Symphony Orchestra (Aufnahme: 1961);

    Nr. 27 K. 595 mit Eugene Ormandy und dem Philadelphia Orchestra (Aufnahme: 1962).

    Während die späten DGG-Aufnahmen (wie Experten meinen) leichte Spannungsabfälle zeigen, ist er bei den CBS-Einspielungen in allerbester Form. Auch klanglich sind diese Aufnahmen gut gelungen.


    Aber hier geht es ja vornehmlich um KV 488, und da kann ich keine Version von Rudolf Serkin vorweisen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

    Einmal editiert, zuletzt von nemorino ()

  • Dass er sich auf seinen Part nicht konzentrieren kann, habe ich so nicht feststellen können.

    Lieber Holger,


    ich auch nicht, dafür bin ich zu sehr Laie. Aber ich könnte mir vorstellen, daß es doch ziemlich schwierig ist, sich gleichzeitig mit dem Klavier und dem Orchester zu beschäftigen. Es gibt in jedem Konzert Passagen, wo er das Orchester weitgehend sich selber überlassen muß.

    Bei Aufnahmen mit Solist und Dirigent müssen natürlich die beiden sehr gut aufeinander abgestimmt sein und vor allem aufeinander hören, sonst funktioniert es nicht.

    Es gibt ja den berühmten Konzertauftritt Glenn Gould/Leonard Bernstein (er wurde mitgeschnitten), wo Bernstein vor dem Beginn des Konzerts eine kurze Rede an das Publikum hält und sich von Goulds Interpretation distanziert. Ich kenne den Mitschnitt nicht, aber diese Szene wird immer wieder hervorgehoben, wenn es um Gould und/oder Bernstein geht.

    Es ist natürlich immer ein Risiko, gleich 27 Konzerte aufzunehmen in kurzer Zeit.

    Soweit ich weiß, wurden die Aufnahmen über mehrere Jahre "gestreckt". Sie entstanden, wenn ich es recht erinnere, zwischen ca. 1961 und 1970. In der Box werden wahrscheinlich die genauen Aufnahmetermine genannt sein. Ich selber habe nur ca. 5 Konzerte aus der Serie in meinem Bestand.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Eine bemerkenswerte Aufnahme des KK Nr. 23 KV 488 habe ich noch in meinem Fundus entdeckt, die ich hier gerne vorstellen möchte:

    Annie Fischer (Klavier) und das Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Sir Adrian Boult (Aufnahme: 4/1959, London).

    Die Ungarin Annie Fischer hat nach dem 2. Weltkrieg eine späte, aber sehr erfolgreiche Karriere gemacht, nachdem sie wegen ihrer jüdischen Wurzeln die Nazi-Jahre im Exil in Skandinavien verbringen mußte. Insgesamt hat sie für EMI 6 Mozart-Konzerte eingespielt, mit unterschiedlichen Dirigenten.

    Auf der Rückseite des Cover wird ihr treffend"ein Mozart-Spiel von weicher Eleganz, geschmeidiger Virtuosität und dramatischer Kraft" attestiert. Diesem Urteil ist nichts hinzuzufügen.


    Und zum Schluß noch eine historische Kostbarkeit: Mit dieser Aufnahme habe ich Mozarts KK Nr. 23 erstmals kennen- und liebengelernt:

    Solomon (Klavier) mit dem Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Herbert Menges (Aufnahme: 5/1955, Abbey Road Studio No. 1, London, MONO).


    Nur wenig später zwang eine schwere Erkrankung den Künstler, seine Auftritte und Plattenaufnahmen zu beenden. Das hat auch dazu beigetragen, daß sein Name (eigentlich hieß er Solomon Cutner) heute nur noch wenigen Musikfreunden ein Begriff ist.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).