Gerhard Schjelderup (1859-1933)

  • Gerhard Schjelderup (1859-1933)

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    Gerhard Rosenkrone Schjelderup, geboren am 17. November 1859 in Kristiansand, gestorben am 29. Juli 1933 in Benediktbeuern, war ein norwegischer Komponist.


    Schon in seiner Kindheit erlernte der an der Südspitze Norwegens als Sohn gutbürgerlicher Eltern geborene und in Bergen aufgewachsene Schjelderup das Cellospiel. Ab 1878 studierte er dieses Instrument am Pariser Konservatorium bei Auguste Franchomme, daneben Musiktheorie bei Augustin Savard sowie Komposition bei Jules Massenet. Bereits während seiner Pariser Studienzeit (bis 1883) kam er mit der Musik Wagners in Verbindung, die ihn fortan stark prägen sollte. 1887 besuchte er eine Aufführung des Rings des Nibelungen in Karlsruhe, im Folgejahr den Bayreuther Parsifal. Gleichwohl war Schjelderup noch mehr als Wagner an einer Psychologisierung seiner Figuren gelegen. Deutschland sollte sein Schicksalsland bleiben, verbrachte er dort doch einen Großteil seines restlichen Lebens. Er ließ sich im bayerischen Benediktbeuern nieder, wurde Professor in München und Dresden und erhielt ab 1900 ein staatliches Gehalt als Komponist. Er zog das mondänere Deutschland dem provinzielleren Norwegen vor, blieb gleichwohl zeitlebens überzeugter Norweger.


    In der Generation norwegischer Komponisten unmittelbar nach Edvard Grieg (1843-1907) war Schjelderup neben Hjalmar Borgstrøm (1864-1925) deutlich mehr an den internationalen musikalischen Entwicklungen interessiert als der ebenfalls etwas jüngere Johan Halvorsen (1864-1935), der ganz in der Grieg-Nachfolge bis zuletzt einen nationalen norwegischen Stil suchte. Noch mehr als Borgstrøm sah sich Schjelderup als Musikdramatiker, wovon nicht weniger als neun, zwischen 1889 und 1930 entstandene Opern zeugen. Insofern muss er mit Fug und Recht als der bedeutendste norwegische Opernkomponist seiner Zeit gelten.


    Daneben tat sich Schjelderup als Compositeur von Bühnenmusiken, Symphonischen Dichtungen, Symphonien, Kammermusik und Liedern hervor. Seine Symphonie Nr. 1 c-Moll entstand bereits 1887, ging indes verloren und wurde von ihm in den 1920ern Jahren als Kleine Symphonie rekonstruiert. Als seine symphonischen Hauptwerke müssen die Symphonie Nr. 2 "Für Norwegen" (1923/24) und das Symphonische Drama in einem Satz Brand nach Henrik Ibsens Schauspiel (1908/10) gelten. Bereits anhand der Satzbezeichnungen der zweiten Symphonie lässt sich Schjelderups janusköpfige Stellung zwischen der "absoluten Musik" á la Brahms und der Symphonischen Dichtung á la Liszt erkennen, benannte er die vier Sätze doch folgendermaßen:


    I. Das Meer (Havet)

    II. Frühling (Vaar)

    III. Auf der Hochebene (Fjellvidden)

    IV. Auf zu den höchsten Gipfeln! (Op mot de høieste Tinder!)


    Besonders der gut 13-minütige Kopfsatz ist sehr stark und könnte locker als eigene Tondichtung durchgehen. Die Schilderung der stürmischen See an Norwegens Küste darf als eine der beeindruckendsten Meeresdarstellungen in der Musik überhaupt gelten. Im scherzoartigen zweiten Satz werden traditionelle norwegische Volksweisen aufgegriffen und ein Kontrast zum düsteren Anfang gesetzt. Der dritte Satz fungiert als eine Art Adagio und zitiert eine nationalromantische Nostalgie, gleichsam den Blick eines in Deutschland lebenden Exil-Norwegers auf seine alte Heimat. Im Finale schließlich wird die Größe des Kopfsatzes noch einmal aufgegriffen. Fast brucknerisch der abschließende Choral mit einem Triumph der "Religion der Kunst".


    Die Symphonische Dichtung Brand weist eine wagnerische Leitmotivik auf und orientiert sich nur grob an Ibsens Stück. Brands Leben wird in neun Abschnitten mit allen Höhen und Tiefen geschildert und endet mit dem apotheotischen Heldentod.


    Obwohl sich Schjelderup gerade vom "typisch nordischen Ton" absetzen und mit seiner Musik die Emotionen des modernen Menschen nachgestalten wollte, empfanden Publikum und Kritik seine Werke doch als typisch norwegisch mit allen damit verbundenen Klischees. So meinte etwa der deutsche Musikwissenschaftler Wolfgang Schumann noch 1929, dass er "keinen Tonkünstler [kenne], der Einsamkeit im Walde, Alleinsein auf der Haide, das leise Getön des Wipfelrauschens und des Vogelrufs, die Melodik der Winde so tief innerlich, unverlierbar und urrein gegeben hätte wie er".


    Ferner betätigte sich Schjelderup auch als Schriftsteller und legte bedeutende Biographien über Edvard Grieg (1903) und Richard Wagner (1907) vor, die auch in deutscher Sprache veröffentlicht wurden.


    Während seines letzten längeren Norwegen-Aufenthaltes (1917-1921) war er Mitgründer des Norwegischen Komponistenverbandes und amtierte bis 1920 als dessen Präsident.


    Wenige Monate nach der "Machtergreifung" durch die Nationalsozialisten starb Gerhard Schjelderup am 29. Juli 1933 im Alter von 73 Jahren in seiner bayerischen Wahlheimat Benediktbeuern, wo er eine stattliche Villa bewohnt hatte.


    Aufnahmen:


    Aufnahmetechnisch besteht im Falle Schjelderups Nachholbedarf. Derzeit greifbar ist einzig eine CD von cpo, die allerdings die beiden wichtigsten symphonischen Werke enthält. Diese Einspielung der Trondheimer Symphoniker unter Eivind Aadland ist ein flammendes Plädoyer für den Komponisten. Ferner spielte NFK Anfang der 80er Jahre die einaktige Oper Vårnatt (Frühlingsnacht) unter František Vajnar ein (offenbar nur auf LP greifbar).


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    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Joseph II.

    Hat den Titel des Themas von „Gerard Schjelderup (1859-1933)“ zu „Gerhard Schjelderup (1859-1933)“ geändert.