Enoch Arden - Versepos, Oper, Meldodram

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    Enoch Arden kann nach einem Missgeschick nicht mehr eigenständig als Fischer arbeiten. Er verlässt seine Familie, um für deren Unterhalt auf jenem Schiff als Hochbootsmanns anzuheuern, auf dem er in jungen Jahren schon einmal gedient hatte. Frau Annie und die Kinder lässt er in der Obhut seines besten Freundes Philipp zurück, der auf seine stille Art immer noch in Annie verliebt ist, die ihm aber einst den eigenwilligen Enoch vorgezogen hatte. Das Schiff gerät auf seiner Reise nach China in schwere Seenot. Gemeinsam mit zwei Kameraden kann sich Enoch auf eine Insel retten. Die Gefährden sterben, er bleibt für zehn Jahre auf dem Eiland gefangen, bis er zufällig gerettet wird. Gealtert und durch die Entbehrungen schwer gezeichnet, findet er in seinen Heimatort zurück, wo er längt für tot erklärt worden ist. Annie lebt nun mit Philipp zusammen. Der Heimkehrer gibt sich nicht zu erkennen. Er siecht gebrochenen Herzens einsam dahin und offenbart sein Schicksal erst auf dem Totenbett der Wirtsfrau Miriam, die sich seiner angenommen und ihn beherbergt hatte.



    alfred-tennyson-wiki.jpgDie Geschichte erzählt der englischen Dichter Alfred Tennyson (1809 bis 1892) in einem Versepos. Er erzählt sie wortreich und ausschweifend, die Vorgeschichte inbegriffen. Tennyson entstammte bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen. Sein Vater war Priester und Lehrer. Ausgestattet mit den finanziellen Zuwendungen einer Tante begann er ein Studium am renommierten Trinity College in Cambridge. Dort begegnete er auch dem zwei Jahre älteren Arthur Henry Hallam. Sie wurden Mitglieder im legendären Apostel-Debattierclub, in dem sich unter Bezugnahme auf die Zahl der Jünger Jesu die jeweils zwölf besten Studenten bei Tee und Sardellen-Sandwiches trafen, um über Religion, Kunst und andere gesellschaftliche Themen zu diskutieren. Tennyson und Hallem arbeiteten an einem gemeinsamen Gedichtband, unternahmen Reisen und verbrachten die Ferien zusammen. Sie begaben sich sogar in geheimer Mission in die Pyrenäen, um in England gesammelte Spenden an Aufständische zu übergeben, die gegen den spanischen König Ferdinand VII. kämpften. Der hatte, nachdem er den Fängen Napoleons entkommen war, seine eigene Herrschaft mit äußerst brutalen Mittel befestigt und die anderen europäischen Königshäuser gegen sich aufgebracht. Hallam verliebte sich in die Schwester des Freundes, was nicht ohne Spannungen geblieben sein dürfte. Es besteht kein Zweifel, dass diese Erfahrungen in der Ballade im Dreierverhältnis zwischen Enoch, Philipp und Annie ihren literarischen Niederschlag fanden. Erst zweiundzwanzig Jahre alt, stirbt Hallam an den Folgen eines Schlaganfalls. Den Tod des Freundes hat Tennyson, der zu einem der beliebtesten Dichter in England aufstieg und als Peer in den Hochadel erhoben wurde, nie verwunden. 1850 veröffentlichte er "In Memorian A.H.H." eines seiner umfänglichsten Gedichte, an dem er siebzehn Jahre lang gearbeitet hatte. Es ist der Erinnerung an Hallam, dessen Namen er später auch dem eigenen Sohn gab, gewidmet. Enoch Arden erschienen 1864 und erfreute sich auf Anhieb größten Zuspruchs. Auch weit über England hinaus. In Deutschland waren gleich mehrere Übersetzungen in Umlauf. Beim Druck wurde nicht gespart. Es gab prächtige Ausgaben mit Goldprägung und Illustrationen. Im Reclamverlag erschienen Auflagen für das kleine Geld. Die wohl bekannteste Übersetzung stammt von Adolf Strodtmann, der auch selbst als Schriftsteller tätig war. Der Stoff wurde mehrfach verfilmt, Maler und Grafiker fühlten sich davon angezogen.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • R-7133832-1434554238-2224.jpeg.jpgMit seiner Oper "Enoch Arden" oder Der Möwenschrei landete der Komponist Ottmar Gerster 1936 einen seiner größten Erfolge, der allerdings nicht bis in die Gegenwart anhielt. Die Oper mit teilweise geänderten Namen der Handelnden und vereinfachten Handlungsabläufen ist in einem traditionellen und einprägsamen Stil gehalten und entsprach damit den ästhetischen Vorstellungen im Nationalsozialismus. Es giht deutliche Anklänge an Wagner "Fliegenden Holländer". Gerster, der auf Hitlers so genannter Gottbegnadetenliste stand und damit vor Kriegseinsatz geschützt war, machte seine zweite Kariere in der DDR, wo er zeitweise Direktor der Musikhochschule Weimar gewesen ist.


    Von der Oper, die damit beginnt, dass Enoch Arden erneut in See sticht, ist eine Rundfunkproduktion von 1965 überliefert, die zunächst bei ETERNA (Foto links), später dann mit den selben Ausschnitten iauf dem der neuen Musik vorbehaltenen DDR-Label Nova herausgekommen ist. Sie wird von Kurt Masur dirigiert. Die Titelrolle singt der Heldenbariton Hajo Müller, der die meiste Zeit am Nationaltheater Weimar verbrachte. Als Anni, die bei Gerster Annemarie heißt, war die ebenfalls in Weimar engagierte Sopranistin Ingeborg Zobel besetzt, meine erste Marschallin und "Fidelio"-Leonore. Sie folgte dem Regisseur Harry Kupfer an die Semperoper Dresden und gastierte oft in Leipzig und an der Berliner Staatsoper. Eine Veröffentlichung zumindest des Opernquerschnitts auf CD wäre - wie ich finde - unter historischen Gesichtspunkten interessant und wünschenswert.


    Die Rundfunkproduktion gibt das Werk nicht komplett wieder. Wie bei solchen Aufnahmen seinerzeit üblich, führt ein Sprecher durch die Handlung, was nicht ohne Wirkung ist. Insofern kann getrost von einer Mischunung zwischen Oper und Hörspiel gesprochen werden.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Die Zeiten überdauert hat Enoch Arden als Melodram von Richard Strauss, der es 1897 für den mit ihm befreundeten Schauspieler Ernst von Possart komponierte. Possart, der in Münchner Kulturkreisen großen Einfluss besaß, hatte Strauss bei der Bewerbung um eine Kapellmeisterstelle an der Bayerischen Hofoper unterstützt. Strauss räumt dem Sprecher die erste Position ein. Ganze Passagen bleiben unbegleitet vom Klavier, das mit einem stürmischen Vorspiel in die ereignisreiche Handlung einführt. Umso größter sind die Anforderungen an den Vortragenden. Strauss fühlte sich nach dem Erfolg des Enoch Arden beim Publikum ermutig, das weniger aufwändige Melodram Das Schloss am Meere nach einem Gedicht von Ludwig Uhland nachzuschieben. In der Strauss-Literatur führen beide Werke im Schatten der Opern, Lieder und Orchestermusiken ein wenig beachtetes Dasein. Das finde ich unangemessen.


    Hingegen ist die Menge der Enoch-Arden-Einspielungen kaum zu übersehen. Nicht nur Dietrich Fischer-Dieskau Sänger hat das Werk erschlossen und damit viel für dessen Verbreitung getan. Mit seinem Namen hat er dafür gebürgt. Brigitte Fassbaender nahm "Enoch Arden" und "Das Schloss am Meere" 2013 im Rahmen der von ihr betreuten Gesamtaufnahme aller Lieder von Strauss für das Label Two Pianists Records auf. Der Heldentenor Jon Vickers war über siebzig, als er für das Melodram in englischer Sprache ins Studio ging. Michael York ist einer der berühmtesten Interpreten unter den Schauspielern, die das Werk reizte. In der Produktion mit dem Pianisten Glenn Gould für CBS war Claude Rains, der Captain Renault aus dem Casablanca-Film, der Rezitator. Dass sich auch Gert Westphal damit versuchte, muss gar nicht erst besonders herausgestellt werden. Es gibt noch mehr Aufnahmen.


    Fischer-Dieskau wäre nicht Fischer-Dieskau, hätte er vom Melodram Enoch Arden nur eine Aufnahme hinterlassen. Es gibt deren drei. Mindestens. Wer weiß, vielleicht finden sich mit der Zeit noch weitere Einspielungen. Umtriebig wie er war, kann man sich da nie sicher sein. Die erste entstand bereits Mitte der sechziger Jahre für die Deutsche Grammophon mit Jörg Demus am Klavier. Sie ist offenbar nie auf CD gelangt. Jedenfalls habe ich keine Übernahme gefunden. Unter dem Gelblabel wurde 2005 eine zweite Version gemeinsam mit anderen Melodramen herausgegeben. Diesmal begleitete Burkhard Kehring. Auf dem Cover spaziert Fischer-Dieskau durch einen goldenen Blätterwald. Ein stimmungsvolles Bild aus dem Spätherbst eines erfüllten Lebens. Er hatte die aktive Sängerlaufbahn längst beendet und ging auf die achtzig zu.


    Mit der bislang dritten Produktion, die 1993 beim WDR in Köln mit Gerhard Oppitz am Klavier entstand, wartete Hänssler Classic auf. Alle drei verfügbaren Einspielungen unterscheiden sich allerdings nicht so gravierend voneinander, als dass sich beim Hören ein verdreifachter Gewinn einstellte. Fischer-Dieskau bleibt – wie könnte es auch anders sein - immer er selbst. Es gibt bei ihm erstaunliche Gemeinsamkeiten zwischen dem Klang der Sprech- und der Singstimme. Egal, in welcher Form er sich äußert, er ist immer auf Anhieb zu identifizieren. Er neigte schon früh zum Rezitieren. Schließlich war er in den sechziger Jahren mit der seinerzeit außerordentlich beliebten Schauspielerin Ruth Leuwerik verheiratet. So hatte er beispielsweise eine Aufnahme von Schuberts "Schöner Müllerin" mit gesprochenem Prolog und Epilog versehen. Fischer-Dieskau kam also im Alter lediglich aufs Rezitieren zurück, er musste es für sich nicht neu erfinden oder erst entdecken. Mit den großen Barden der Schauspielkunst konnte er es hingegen nicht aufnehmen. Enoch Arden dauert in der zuletzt veröffentlichten Aufnahme an die fünfzig Minuten. Obwohl zweigeteilt, stellt sich mit der Zeit eine gewisse Redundanz im Vortrag ein. Fischer-Dieskau wirkt auch eine Spur zu vornehm und drückt sich zu gewählt aus. Manchmal will das nicht zu der bewegten und in Teilen auch rauen Seemannsgeschichte passen.


    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Dieser Tage hatte WoKa eine Aufführung des Melodrams mit Brigitte Fassbaender angekündigt, die er besuchen wird:


    Samstag 9.11.: Wolfram Rieger und Brigitte Fassbaender: Richard Strauss - Enoch Arden im Wilhelma-Theater Stuttgart


    Hallo WoKa, das finde ich außerordentlich spannend, besonders Enoch Arden. Ich weiß zwar von der Existenz dieses Werkes von Strauss, habe aber sehr wenig Kenntnis darüber. Es wäre schön, wenn Du dazu etwas schreiben könntest.

    Kenne den Titel nur als Oper von Ottmar Gerster, da habe ich auch in alten Opernführern alle Angaben, aber eben nichts zu Strauss Melodram

    Also ich würde mich auch auf einen Bericht von WoKa freuen. :)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Lieber Rüdiger,


    danke für Deine Beiträge hier im Thread. jetzt weiß ich etwas mehr über die Strauss-Fassung des Enoch Arden. Bisher wußte ich nur von der Gerster-Oper, kann mich nicht mehr erinnern, ob ich sie in den 50-ern oder 60-ern im Theater Gera gesehen hatte. Erinnerung habe ich keine, nur an seine Hexe von Passau.


    Strauss hat ja viele seiner Lieder auch in Orchesterfassung umgesetzt. Du kennst meine Vorliebe für den satten, eigenwilligen und unverkennbaren Klang Straussscher Orchesterwerke. Eine derartige Fassung vom Enoch Arden ist wohl nicht bekannt?


    Herzlichst La Roche

    Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!

  • Zunächst einmal ganz herzlichen Dank an Rüdiger (Rheingold1876) für seine erhellenden Einträge über Enoch Arden.


    Ich muß bekennen, daß mir die von ihm ins Gespräch gebrachte Oper von Ottmar Gerster völlig unbekannt war. Auch das Melodram von Richard Strauss habe ich noch nie gehört, wußte auch nichts von seiner Existenz, aber vor einigen Jahren bin ich durch eine Abhandlung des verstorbenen Münchner Musikkritikers Joachim Kaiser auf das Stück aufmerksam geworden. Ich wollte mir es sogar anschaffen, aber irgendwie ist es mir wieder aus dem Sinn gekommen. Wenn ich es recht erinnere, gab es zu der Zeit keine brauchbare Aufnahme.

    Wie auch immer, Joachim Kaiser nannte nach einer kurzen Inhaltsbeschreibung des Epos von Lord Tennyson die Strauss'sche Vertonung schlicht ein "Rührstück", scheint aber doch davon recht angetan gewesen zu sein, denn er beschäftigt sich sehr eingehend mit dem Werk: ".... wunderbar tönt im Klavierpart das Meer (später kam Strauss in der 'Ariadne' auf seinen g-moll-Einfall zurück). Enoch Ardens rhythmisch-gezacktes Leitmotiv steht nicht zufällig in Es-Dur, der Tonart von 'Ein Heldenleben'. Annies Leitmotiv perlt charmant. Philipp wiederum wird in schwärmerischem Rosenkavalier-E-dur charakterisiert. (…..) Melodramen wurden stets ein wenig verachtet. Und Strauss selbst nannte seinen ENOCH ARDEN sogar 'Gelegenheitsschund'! Später fluchte der Pianist Glenn Gould über 'Sentimentalität', nahm aber 'das Ding' dennoch in die Reihe seiner Hauptwerke auf und spielte den Klavierpart gleichwohl engagiert. Warum? Weil die Musik souverän und entspannt zu bezwingen weiß, sie rührt mit noblem Edelmut."

    Anschließend empfiehlt Kaiser die Gould-Version mit dem US-Schauspieler Claude Rains, der "zwar nicht den deutschen Text vorträgt - sich dafür aber auf das englische Original bezieht."

    Merkwürdigerweise empfiehlt der Kritiker keine Aufnahme mit Fischer-Dieskau, sondern lobt stattdessen eine deutsche Version mit dem Rezitator Hans-Reinhard Müller, mit dem Klavierpartner Carl Seemann.

    Nochmals danke an Rüdiger, der mein Interesse neu geweckt hat, so daß ich nun auf die Suche nach einer geeigneten Aufnahme gehen werde.

    Du kennst meine Vorliebe für den satten, eigenwilligen und unverkennbaren Klang Straussscher Orchesterwerke. Eine derartige Fassung vom Enoch Arden ist wohl nicht bekannt?

    Lieber La Roche,


    leider hat meine Suche nach einer solchen Version kein Ergebnis gebracht. Es sieht ganz so aus, daß Strauss es bei der Klavierfassung belassen hat.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich kenne es auch nicht, aber bei meiner Recherche fiel mir auf, dass der engl.Text des Erzählers länger ist als z.B. bei FiDi. Lieber Rüdiger weisst du etwas darüber?


    Hier noch ein paar Ergänzungen.....



    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Hallo!


    Ich habe am vergangenen Sonntag Wolfram Rieger und Brigitte Fassbaender im Wilhelma Theater in Stuttgart mit Enoch Arden erlebt. Es ist schon ein ganz eigenes Werk, so ein Melodram. Die Geschichte ist im Grunde genommen recht einfach. Wäre sie nicht so schön geschrieben, könnte sie in ihrer Edelmütigkeit auch von Hedwig Courths-Mahler sein. Aber sie greift - vor allem in der Intimität der Erzählung und mit der emotionalen und dramatischen Unterstützung des Pianos. Und die Geschichte greift den Zuhörer auch an. Die sonore Frauenstimme der Brigitte Fassbaender, die dem Ernst der Geschichte hervorragenden Ausdruck verlieh, war sehr beeindruckend.


    Ich besitze die Aufnahme mit Dietrich Fischer-Dieskau, am Klavier Gerhard Oppitz. Ich gestehe, dass ich sie zuvor nur einmal gehört hatte. Demnächst werde ich sie erneut anhören, da ich mir eben die Gould -Einspielung mit Elisabeth Schwarzkopf bestellt habe. Dazu die Erzählung von Alfred Tennyson:



    Dann kann ich mich auch mit den möglichen Kürzungen beschäftigen.


    Es gab auch eine Zugabe: Ein weiteres Melodram von Richard Strauss. "Das Schloss am Meere" nach dem Gedicht von Ludwig Uhland wurde in eben solcher Weise von ihm bearbeitet.


    Das Schloß am Meere.


    Hast du das Schloß gesehen,

    Das hohe Schloß am Meer?

    Golden und rosig wehen

    Die Wolken drüber her.


    Es möchte sich niederneigen

    In die spiegelklare Flut;

    Es möchte streben und steigen

    In der Abendwolken Glut.


    „Wohl hab’ ich es gesehen,

    Das hohe Schloß am Meer,

    Und den Mond darüber stehen,

    Und Nebel weit umher.“


    Der Wind und des Meeres Wallen

    Gaben sie frischen Klang?

    Vernahmst du aus hohen Hallen

    Saiten und Festgesang?


    „Die Winde, die Wogen alle

    Lagen in tiefer Ruh,

    Einem Klagelied aus der Halle

    Hört’ ich mit Thränen zu.“


    Sahest du oben gehen

    Den König und sein Gemahl?

    Der rothen Mäntel Wehen?

    Der goldnen Kronen Stral?


    Führten sie nicht mit Wonne

    Eine schöne Jungfrau dar,

    Herrlich wie eine Sonne,

    Stralend im goldnen Haar?


    „Wohl sah ich die Eltern beide,

    Ohne der Kronen Licht,

    Im schwarzen Trauerkleide;

    Die Jungfrau sah ich nicht.“



    Wäre schön, wenn dieser Thread dazu beitragen würde, Enoch Arden aus der Versenkung des Klassikbetriebes zu holen. Brigitte Fassbaender und Wolfram Rieger haben ihren Teil dazu beigetragen.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo