Gedanken über Mozarts weniger bekannte Zeitgenossen

  • Oftmals, wenn von Zeitgenossen Mozarts die Rede ist, wird ihnen das Attribut "vergessen" zu geordenet. Das ist natürlich nicht zutreffend, denn "vergessen" sind sie ja allesamt nicht, sie stehen lediglich im Schatten des "angebeteten Genies" Wolfgang Amadeus Mozart. Die Mozart Wertschätzung bzw Verehrung unterlag in den letzten 250 Jahre gewissen Schwankungen.

    Hier soll nun darüber nachgedacht werden, inwieweit seine Zeitgenossen ebenbürtig waren , bzw sind oder zumindest "annähernd"

    Oder aber, warum Sie imh NICHT ebenbütig waren. Folgen wir Leopold Mozart, war ihm NIEMAND auch nur annähernd ebenbürtig, sondern die anderen Komponisten waren Intriganten die Mozarts Karriere negativ beeinflussen wollten.

    Mehr über allgemeine Ursachen, als über Namen soll hier geschrieben werden, im Falle von Namensnennungen sollte dann - zu möglich - auf die reichlich vorhandenen Einzelthreads verlinkt werden.

    Liest man im Booklet über einen heute weniger bekannten Komponisten, denn wir zumeist darauf hingewiesen, daß er mit Mozart auf gutem Fuß stand (oder aber verfeindet war) daß er mit Haydn oder Cannabich befreundet war, mit Dittersdorf bekannt etc etc und ausserdem einer der "profilirtesten Komponisten seiner Zeit, der in Wien eine wichtige Rolle im Musikleben spielte. In Musiklexika und Konzertführern liest sich das opf anders. - oder überhaupt nicht, weil dieser einst prägende Komponist gar nicht darin aufscheint.

    Im Falle dass aber ein - natürlich angemessen kurzer - Beitrag existiert, fonden Wir dann immer wieder Sätze wie. "indes gehen den Werken jeglicher Tiefgang ab" oder zumindest so ähnlich.....

    Wie konnte es soweit kommen ? Es ist auch interessant die Bewertung Mozart vs Joseph Haydn wie sie sich heute darstell zu erfahren, Meine Erinnerung mag mich trügen, aber in meiner frühesten Jugend, schieb mir "Papa Haydn" im Schtten Mozarts zu stehen, etwas, das heute scheinbar nicht der Fall ist...


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Lieber Alfred,


    diese Fragestellung finde ich sehr spannend und interessant. Ich habe daher auch mit großem Eifer dieses Buch angeschafft:




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    In der Einleitung gelangt Wolfgang Antesberger ebenfalls zu der Einschätzung:


    Zitat

    Mozart besaß unter seinen Zeitgenossen nie jene dominierende Rolle, die man ihm heute andichtet. Viele Komponisten seiner Zeit verdienen genauso Beachtung und sind zu Unrecht in Vergessenheit geraten. (...) Die unzähligen Hof- und Opernkapellmeister des 18. Jahrhunderts hinterließen ein immenses kompositorisches Erbe, das heute unverdientermaßen wenig Beachtung findet. S. 8

    Ich kann dem durchaus zustimmen. Auch, wenn ich Mozart tatsächlich als herausragend ansehe, heißt dies jedoch nicht, dass niemand anders sonst zu dieser Zeit tolle Musik geschrieben hätte. Aber durch die immer größere Reduzierung auf immer weniger Namen, zumal die Musikgeschichte ja immer weiter fortgeschrieben wird, sind völlig zu Unrecht viele Vertreter dieser Epoche vernachlässigt worden; kennt doch der Durchschnitts-Klassikhörer selbst von Mozart nur einen Bruchteil seines reichen Schaffens; und bei dieser Kanonisierung, die immer mehr nur auf die "Crème de la crème" abhebt, und mehr und mehr konzentriert und reduziert, bleiben dann nur noch die allercharakteristischsten, bahnbrechendsten und innovativsten Werke zurück, alles andere wird dann nur als "epigonal" abgetan - was ich sehr schade finde. Es gibt noch so viel zu entdecken!

  • Aber durch die immer größere Reduzierung auf immer weniger Namen, –zumal die Musikgeschichte ja immer weiter fortgeschrieben wird–, sind völlig zu Unrecht viele Vertreter dieser Epoche vernachlässigt worden; kennt doch der Durchschnitts-Klassikhörer selbst von Mozart nur einen Bruchteil seines reichen Schaffens; und bei dieser Kanonisierung, die immer mehr nur auf die "Crème de la crème" abhebt, und mehr und mehr konzentriert und reduziert, bleiben dann nur noch die allercharakteristischsten, bahnbrechendsten und innovativsten Werke zurück, alles andere wird dann nur als "epigonal" abgetan - was ich sehr schade finde. Es gibt noch so viel zu entdecken!

    Das geschieht doch in der Musikgeschichte seit Längerem, nicht erst heute, siehe Riemann, v. Bülow, uvam. Genau dieser Zustand war die Kritik und Anlass der "HIPster", sich mit dieser "epigonalen" Musik zu beschäftigen. Recht hatten sie! Auch z.B. ein Karl Böhm hat sich kaum mit dieser Musik beschäftigt (auch nicht mit JS Bach) und hat lieber zig Mal Opern, Sinfonien, Konzerte des "göttlichen Wunderkinds" oder "Titanen" aufgeführt/eingespielt (war wohl auch einträglicher). Alle die tragen eine gehörige Portion Mitschuld an diesem Zustand, der hier im Forum genüsslich seine Fortsetzung feiert.

  • Es besteht ja keine Pflicht, für Musiker oder Zuhörer, irgendwelche Komponisten oder ihre Zeitgenossen "aufzuarbeiten. (Für Historiker ist es etwas anderes.) Zwei Generationen Barockkomponisten wurden lange weitgehend ignoriert, nämlich die mit Blütezeiten zwischen ca. 1630 und 1700, zugunsten von Monteverdi einerseits und Vivaldi, Bach, Händel, (D. Scarlatti, Telemann, Rameau...) andererseits (und die letztgenannten stellen natürlich auch ihre spätbarocken Zeitgenossen mit Blüte 1710-50 in den Schatten). Und auch wenn 60 Jahre vermehrtes Interesse hier einiges geändert haben, ist es "statistisch" immer noch nicht grundsätzlich anders.

    Ich erwarte daher nicht, dass sich das für die Generation der ca. 1730-70 geborenen Komponisten oder der dazwischen (also etwa die Bachsöhne, Gluck, FX Richter, Wagenseil etc.) ändern wird.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Den Anstoß zu diesem Therad gab heute der Kurzstückmeister, und in gewisser Weise auch der "Bachianer". welche beide meinten Mozarts Frühwerke seien überschätzt, die reifen Werke vieler seiner Zeitgenossen indes unterschätzt.


    Alle die tragen eine gehörige Portion Mitschuld an diesem Zustand, der hier im Forum genüsslich seine Fortsetzung feiert.

    Ich bin der Auffassung, da hier in ERSTER Linie die "Musikhistoriker" schuld sind, die es sich einfach gemacht haben und sich immer an den "Stützpfeilern" der "Großen Genies" orientiert haben. meist noch verschlimmert durch persönliche Abneigungen und - vor allem - kritiklosen Abschreiben aus alten Nachschlagewerken. Dem Amateur bleibt ja keine Wahl - er hat kaum Zugeng zu den Quellen - wenngleich sich in den letzten Jahren doch einiges gebessert hat . Später mehr dazu.

    Neuere Publikationen erwähnen immerhin einge der eisn berühmten - Allein - es ist (fast) zu spät. Das PUBLIKUM hat kein Interesse mahr...


    Ich verwahre mich allerdings mit Nachdruck, daß das Tamino Klassikforum hier "mitschuldig" ist



    TAMINO MOZARTFORUM - MOZART UND SEINE ZEITGENOSSEN

    Die hier aufgeführten Threads behandeln Vorzugsweise Themen rund um Mozart - und seine Zeitgenossen. Sie sind jedoch AUCH im normalen Verzeichnis zu finden, dieses Mozartforum soll lediglich eine zusätzliche Hilfe sein

    KOMPONISTEN

    Kurzbiographie des Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

    Mozart und seine Zeitgenossen: ABEL , Carl Friedrich (1723-1787)

    Mozart und seine Zeitgenossen: BACH, Johann Christian (1735-1782)

    Mozart und seine Zeitgenossen: BECK, Franz Ignaz (1734-1809) -Ein Mannheimer Sinfoniker erobert Paris!

    Mozart und seine Zeitgenossen: BEECKE, Ignaz von - Eine Größe des 18. Jahrhunderts

    Mozart und seine Zeitgenossen: BOCCHERINI, Luigi (1743-1805)

    Mozart und seine Zeitgenossen: BOCCHERINI, Luigi - Auf den Leib geschrieben - Die Cellokonzerte des Luigi Boccherini

    Mozart und seine Zeitgenossen: BRUNETTI, Gaetano (1744-1798 )

    Mozart und seine Zeitgenossen: CANNABICH, Christian (1731-1798) - ein großer Sinfoniker aus Mannheim

    Mozart und seine Zeitgenossen: CIMAROSA, Gaetano (1749-1801)

    Mozart und seine Zeitgenossen: CLEMENTI , Muzio (1732-1852)

    Mozart und seine Zeitgenossen: DANZI , Franz (1763-1826) - Kleinmeister oder mehr ?

    Mozart und seine Zeitgenossen: DITTERSDORF, Carl Ditters von (1739-1799)

    Mozart und seine Zeitgenossen: EBERL,Anton (1765-1807) - Beethovens Wiener Rivale

    Mozart und seine Zeitgenossen: EYBLER, Joseph Edler von (1765-1846)

    Mozart und seine Zeitgenossen: FRIEDRICH II. von Preußen (1712-1786)

    Mozart und seine Zeitgenossen: GASSMANN Florian Leopold (1727-1774)

    Mozart und seine Zeitgenossen: GOSSEC, François-Joseph (1734-1829)

    Mozart und seine Zeitgenossen: GRÉTRY, André Ernest Modeste (1741-1813)

    Mozart und seine Zeitgenossen: GYROWETZ, Adalbert (1763 - 1850 - "Ich war nur ein Talent"

    Mozart und seine Zeitgenossen: HASSE, Johann Adolf (1699-1783)

    Mozart und seine Zeitgenossen: HAYDN, Johann Michael (1737-1806) Der "ungeliebte" Bruder

    Mozart und seine Zeitgenossen: HOFFMEISTER, Franz Anton (1737-1806) -Komponist und Musikverleger

    Mozart und seine Zeitgenossen: HOFMANN, Leopold (1738-1793 ]

    Mozart und seine Zeitgenossen: HOLZBAUER, Ignaz (1711-1783 ]

    Mozart und seine Zeitgenossen: ISTVÁNFFY, Benedek (1733-1778 )

    Mozart und seine Zeitgenossen: JOMMELLI, Niccolo (1714-1774)

    Mozart und seine Zeitgenossen: KOZELUCH, Leopold Anton (1747-1818 )

    Mozart und seine Zeitgenossen: KOZELUCH Leopold Anton - Die Sinfonien

    Mozart und seine Zeitgenossen: KOZELUCH Leopold Anton - Die Klaviersonaten

    Mozart und seine Zeitgenossen: KRAUS, Joseph Martin (1756-1792)

    Mozart und seine Zeitgenossen: KROMMER, Franz (1759-1831) - ein weiterer böhmischer Meister

    Mozart und seine Zeitgenossen: KRUMPHOLTZ, Johann Baptist (c1745-1790 )

    Mozart und seine Zeitgenossen: LINLEY jr., Thomas (1756-1778 )

    Mozart und seine Zeitgenossen: LOUIS ERDINAND, Prinz von Preußen [1772 - 1806]

    Mozart und seine Zeitgenossen: MARTINI, Padre Giovanni Battista (1706-1784)

    Mozart und seine Zeitgenossen: MARTINI il Tedesco, Johann Paul Aegidius (1741-1816)

    Mozart und seine Zeitgenossen: MARTÍN Y SOLER, Vicente (1754-1806)

    Mozart und seine Zeitgenossen: MÉHUL, Etienne-Nicolas (1767-1817)

    Mozart und seine Zeitgenossen: MOZART jun., Franz Xaver Wolfgang (1791-1844)

    Mozart und seine Zeitgenossen: MOZART, Leopold (1719-1787)

    Mozart und seine Zeitgenossen: MYSLIVECEK, Joseph (1737-1781)

    Mozart und seine Zeitgenossen: NAUMANN, Johann Gottlieb (1741-1801)

    Mozart und seine Zeitgenossen: NEUBAUER, Franz Christoph (1760-1795)

    Mozart und seine Zeitgenossen: PAISIELLO, Giovanni (1741-1816)

    Mozart und seine Zeitgenossen: PARADIS, Maria Theresia (1759-1824)

    Mozart und seine Zeitgenossen: PHILIDOR François-André Danican [1726-1795]

    Mozart und seine Zeitgenossen: PLEYEL, Ignaz Joseph (1757-1831)

    Mozart und seine Zeitgenossen: PLEYEL Ignaz Joseph -Musterschüler von Joseph Haydn

    Mozart und seine Zeitgenossen: PLEYEL Ignaz Joseph - Die Streichquartette - Am Puls von Haydn

    Mozart und seine Zeitgenossen: RASETTI, Amédée (1759-1799)

    Mozart und seine Zeitgenossen: RICHTER, Franz Xaver (1709-1789)

    Mozart und seine Zeitgenossen: ROLLA, Alessandro (1757-1842)

    Mozart und seine Zeitgenossen: ROSETTI, Antonio (c1750-1792)

    Mozart und seine Zeitgenossen: RÖSSLER, Franz Anton (c1750-1792)

    Mozart und seine Zeitgenossen: SAINT GEORGES, Chevalier de (1745-1799)

    Mozart und seine Zeitgenossen: SALIERI, Antonio (1750-1825)

    Mozart und seine Zeitgenossen: SCHRÖTER, Johann Samuel (1752-1788 )

    Mozart und seine Zeitgenossen: SCHWEITZER, Anton (1735-1813)

    Mozart und seine Zeitgenossen: SOLER Padre Antonio (1729-1783)

    Mozart und seine Zeitgenossen: SORKOCEVICLuka [1734-1789] - Die Geburt der kroatischen Klassik

    Mozart und seine Zeitgenossen: STORACE Stephen [1762-1796]

    Mozart und seine Zeitgenossen: SÜSSMAYR, Franz Xaver (1766-1803)

    Mozart und seine Zeitgenossen: TRAETTA, Tommaso (1727-1779)

    Mozart und seine Zeitgenossen: UMLAUF, Ignaz (1746 - 1796)

    Mozart und seine Zeitgenossen: VANHAL, Johann Baptist - die Sinfonien

    Mozart und seine Zeitgenossen: VANHAL, Johann Baptist - die Konzerte

    Mozart und seine Zeitgenossen: VANHAL, Johann Baptist - die Kammermusik

    Mozart und seine Zeitgenossen: VOGEL, Johann Christoph - der "Nürnberger Mozart" (?)

    Mozart und seine Zeitgenossen: VOGLER, Abbé Georg Joseph (1749-1814)

    Mozart und seine Zeitgenossen: VRANICKÝ, Pavel (1756-1808 )

    Mozart und seine Zeitgenossen: VRANICKÝ, Antonín (1761-1820)

    Mozart und seine Zeitgenossen: WILMS, Johann Wilhelm (1772-1847)

    Mozart und seine Zeitgenossen: WINTER, Peter von (1754-1825)

    Mozart und seine Zeitgenossen: WITT, Friedrich (1770-1836)

    Mozart und seine Zeitgenossen: WÖLFL, Joseph (1773-1812) - eine Bilderbuchkarriere als Pianist und Komponist.

    Mozart und seine Zeitgenossen: ZIMMERMANN, Anton (1741-1781)


    Leider ist das Inhaltsverzeichnis niemals am letzten Stand, sodass nur ein großeber Überblick gegeben werden kann - Ich meine aber, daß das Ergebnis aussagekräftig ist.


    mfg aus Wien

    Alfred




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  • Schuld ist die Genieverehrung, die ihren Beginn im frühen 19. Jahrhundert hat, als man ein Pendant zur Weimarer Klassik auf die Beine stellen wollte, durchaus aus kommerziellem Interesse (Noten verkaufen).


    Das hält sich bis heute, zum Glück sind solche Texte, wie sie Böhm zu Mozarts erster Sinfonie formuliert hat, heute so nicht mehr denkbar.

  • Den Anstoß zu diesem Therad gab heute der Kurzstückmeister, und in gewisser Weise auch der "Bachianer". welche beide meinten Mozarts Frühwerke seien überschätzt, die reifen Werke vieler seiner Zeitgenossen indes unterschätzt.

    Die Frühwerke ab 1772 von Mozart halte ich für großartig. Die Phase, in der er als Kind Gehversuche unternimmt, Sinfonien abschreibt, die ihm dann zugeschrieben werden, eigenes versucht, was vom Vater verbessert wird, die eignet sich gut, um die Verzerrungen zu erkennen, welche die Genieverehrung hervorgebracht hat (siehe Thread zur "1. Sinfonie").


    Hier muss man wirklich immer wieder betonen, dass Wagenseil u.a. große Meister waren, und der "kleine Wolferl" noch lange nicht dort.

  • Hier muss man wirklich immer wieder betonen, dass Wagenseil u.a. große Meister waren, und der "kleine Wolferl" noch lange nicht dort.

    Der kleine Wolferl, zwar übertrieben selbstbewusst, wie auch in späteren Jahren wusste aber doch Wagenseil zu schätzen:

    Als er im Oktober 1762 am kaiserlichen Hof in Wien ein Konzert geben sollte fragte er nach Monsier Wagenseil.

    Ist Monsier Wagenseil nicht hier? der versteht es."
    Wagenseil kam. Der kleine Virtuose sagte: "Ich spiele ein Conzert von Ihnen, Sie müssen mir umwenden"


    Natürlich kennt diese wahre Begebenheit (KEINE Anekdote) jede Mozartkenner, aber wir werden ja auch von ausserhalb und von Einstiegern gelesen (hoffe ich jedenfalls)


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • ich bin der Auffassung, da hier in ERSTER Linie die "Musikhistoriker" schuld sind, die es sich einfach gemacht haben und sich immer an den "Stützpfeilern" der "Großen Genies" orientiert haben. meist noch verschlimmert durch persönliche Abneigungen und - vor allem - kritiklosen Abschreiben aus alten Nachschlagewerken.

    Nicht nur die Musikhistoriker, Biographen, Verleger, Interpreten (Brahms bildete da eine seltene Ausnahme), Opernfans, das "Amateurpublikum", uvam., ALLE sind mitschuldig an dieser Situation.

    Die lange Liste "Mozart und seine Zeitgenossen" ist ja beachtlich. Erstaunlicherweise fehlen (fast) alle "Nordisten", an der Spitze CPE Bach, von dem ja angeblich Mozart gesagt haben soll: "Er ist der Vater, wir die Bub'n. Wer von uns was Rechtes kann, hat von ihm gelernt.» Dazu wären dann noch zu zählen:

    - WF Bach

    - JCF Bach

    - JW Hertel

    - FW Rust

    - JW Hässler

    - DG Türk

    - HOC Zinck

    - JAP Schulz

    uvam.

    Was zeichnet diese Komponisten aus?

    a) Sie haben einen großen Beitrag zur Klaviermusik hinterlassen, der großen Einfluss auf nachfolgende Generationen hatte (Beethoven, Clementi, Brahms)

    b) sie haben keine Opern komponiert haben

    c) sich abfällig über die "Musik des Südens" äusserten (spöttisch das "Gemozarte"). Die Kritik CPE Bachs an den Werken seines Bruders Johann Christian dürfte sich langsam herumgesprochen haben: "sie ist NICHTS!!"

    Fehlen die etwa deswegen?

  • Fehlen die etwa deswegen?

    Dass sie fehlen, kann mehrere Gründe haben:


    1) ist das Forum im Fluss es kommt laufend neues - wir sind nicht "endgültig"

    2) Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass es unmöglich ist ein Verzeichnis ALLER Threads zu verfassen

    Ein Sekretariat wäre notwendig

    3) Wenn von einem Komponisten zu wenige Tondokumente existieren lohnt ein Thread meist nicht

    es wären zu wenige antworten.

    4)Der fehlende Komponist wurde noch von kenem Tamino Mitglied für interessant genug befunden
    Da JEDES Tamino Mitglied einen eigenen Thread starten kann (so er noch nicht existiert) kannst auch DU

    die beanstandeten Lücken schliessen.(oder wenigsens die die am meisten am Herzen liegt)

    Dieser Threadist nicht verzeichnet - aber er existiert

    Du hast sebst drin geschrieben.
    Carl Philipp Emanuel Bach – Die Konzerte


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Die Punkte 1 - 3 sind schon richtig, nur bei 4) stellt sich die Frage, warum kein Tamino Mitglied diese Komponisten für interessant befindet? Etwa, weil sie keine Opern komponiert haben, man sich folglich nicht über Inszenierungen, "atemberaubende" Gesangsstimmen auslassen kann? Das scheint offensichtlich das Hauptinteresse vieler Teilnehmer hier zu sein. Selbst der Thread CPEB- Konzerte ist hier doch den "Heldentod" gestorben. Was soll denn dann noch geschrieben werden?

  • Was soll denn dann noch geschrieben werden?

    Das Problem aller Leute mit Spezialinteressen ist, daß sie nicht, oder nur schwer verstehen könnem daß es eben nur wenige Menschen gibt. die seine Ineressen teilen.

    Das gilt für alle Bereiche des Lebens, für den der klassischen Musik aber insbesondere. die Bach Söhne kennt "Otto Normalverbraucher" so gut wie überhaupt nicht.Von den weitschichtigen Verwandten ganz zu schweigen.

    HIER kennt man ein paar Namen und ein paar Werke,

    Die grösste Popularität hat IMO Johnn Christian Bach, weil er an Mozarts Stil erinner (oder aber natürlich umgekehrt)

    Wir müssen uns glücklich schätzen, daß sich hier ein Häuflein Musikliebhaber gefunden hat, die sich überhaupt für klassische Musik interessieren, aber auch hier ist das Interesse der Musik der frühen 18.Jahrhunderts überschaubar.

    Die Menschen von heute scheinen sich generell nur dafür zu interessieren mit ihren Smartphones "Selfies " von sich zu machen.

    So ist das Leben. Ich versuche das beste dreaus zu machen . und alles in allem . gemessen an Internet-Maßstäben ist der Elfenbeinturm "Tamino.Klassikforum" ein Felsen im Sturm der Urgewalten der Unbildung..


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Eigentlich ist das Problem, was man hier über CPE Bach schreiben soll dasselbe, wie, was man über jeden anderen Komponisten schreiben soll.


    Gute Frage.


    Deshalb streitet man ja lieber übers Regietheater.

  • Deshalb streitet man ja lieber übers Regietheater.

    ..mit dem feinen Unterschied, dass diese Schreiber keine "Spezialinteressen" vertreten, incl. Gesangsvirtuosen, Inszenierungen. Das sind doch die wahren "Felsen im Sturm der Urgewalten der Unbildung".

    Über CPEB könnte man einiges schreiben, wie über alle Komponisten, incl. schöner Coverbilder.

  • Über CPEB könnte man einiges schreiben, wie über alle Komponisten, incl. schöner Coverbilder.

    Dann tu es doch, statt Dich darüber zu beschweren, dass es andere nicht tun.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Lieber Bachianer,

    Du deutest an, Du schaffst Interesse, Du lockst. Ist man dann heiß auf einen Beitrag von Dir, dann ziehst Du Dich zurück.

    Das erinnert mich an meine Jugendzeit, da hatten wir für Mädchen, die diese Strategie anwandten einen zugegeben unfeinen Ausdruck, den zu erwähnen mir mein Respekt vor Dir und den anderen Taminos verbietet. Bitte schreibe, wenn Du ein Anliegen hast und warte darauf, dass sich auch solche Spezialthemen sehr bereichernd entwickeln können. :hello:

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich versuche wieder zum eigentlichen Thema zurückzkehren:

    Wie gesagt sind die Ursachen fürs "Vergessenweden sehr unterschiedlich.

    Ich weiß natürlich nicht jeden einzelnen Fall, aber Boccherini war beispielsweise lange Zeit weitgehend unbekannt, weil sein spanischer Dienstherr über lange Zeit Kontakte unterband und das Notenmaterial für sich allein beanspruchte. Die Gegenleistung bestand in fürstlicher Bezahlung, als Boccherini einst mit einem anderen Dienstgeber verhandelte wurde sofort sein Gehalt erhöht.

    Wenn man bedenkt, daß Boccherini parallel das Streichquartett erfunden har, dann ist allerdings schwer nachvollziehbar, wieso es so lange dauerte bis er wieder "entdeckt wurde.

    Wie ich auf Boccherinni komme ? Er ist doch bekannt ?

    Ja. aber noch nicht lange, etwa seit 1995


    Luigi Boccherini und seine Streichquintette

    Luigi Boccherini-Die Sinfonien

    Luigi Boccherini

    Auf den Leib geschrieben - Die Cellokonzerte des Luigi Boccherini


    mfg aus wien

    Alfred

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  • Offenbar nehme ich hier niemandem den Platz weg.;)


    Und ich finde zig Erklärungen warum gewisse Komponisten kaum mehr jemand kennt.

    EINER dovon ist mir soeben bei Vanhal wieder ins Gedächtnis gerufen worden, obwohl das bei ihn gar nicht wirklich zutrift, Ich meine hier die Werksverzeichnisse.

    Einerseits gibt es zahlreiche Komponisten die so etwas überhaupt nicht haben, Andere haben eines, aber niemand benutzt es,

    Dann gibt eaa Komponisten mit bsi zu drei Werksvereichnissen, aber jede Schallplattenfirma benütz ein anderes um eine Aufnahme zu beschreiben. Zudem sind die Bezeichnungen oft abeteuerlich. Manche Komponidsten werden in Verzeichnissen mit Opuszahl gelistet, andere hingegen haben eine eigene Nummerierung (KV) Wiederum andere zählen Sinfonien in dieser Art und Weise; sinf g6 - soll beispielsweise heissen, daß dies die 6, Singonie in g- moll ist Ein großes G hingegen wäre ein Hinweis auf eine Sinfonie in DUR.

    Nicht sehr einladend.


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Wobei man jedoch auch fairerweise sagen muss, dass sich schon immens viel getan hat; die Plattenfirmen haben etliche Einspielungen gemacht (auch wenn natürlich viele schon wieder gestrichen sind; aber zumindest existiert dann noch die Chance, dass sie antiquarisch erworben werden können); gerade spezialisierte und Nischenlabel haben doch schon einiges gebracht, dass es früher zu Zeiten der großen Monopolisten Decca, Emi, Deutsche Grammophon etc. wohl nicht in den Katalog geschafft hätte. Naxos, CPO und viele andere haben dort eine Vielzahl von Komponisten auch wieder ins Bewusstsein gehoben.

    Und nicht zu vergessen: auch durch das Internet hat sich Vieles getan: man wird wohl kaum einen Komponisten finden, von dem es nicht zumindest irgendeine Aufnahme auf youtube gibt (auch wenn immer die Gefahr droht, dass diese Videos wieder verschwinden). Dennoch werden bisweilen seltenste Schallplattenaufnahmen, die schon lange nicht mehr erhältlich sind, digitalisiert und online gestellt, so dass man zumindest einen Eindruck erhält.

    Auch die Radioanstalten nicht zu vergessen, spezialisierte Internet-Radios, die früher in der Form schlicht nicht existierten haben da schon immer wieder mal auch für interessante Entdeckungen gesorgt.

    Alles in allem, gibt es heute mehr Möglichkeiten denn je, zu einem akzeptablen Preis Musik und Informationen über einen Komponisten zu erhalten.

    Jetzt liegt es nur an uns, unser Scherflein beizutragen, und verdienstvolle Komponisten wieder auferstehen zu lassen in diesem Forum, das es ermöglicht, potenziell eine große Leserschaft zu erreichen: auch früher undenkbar...

  • Wobei man jedoch auch fairerweise sagen muss, dass sich schon immens viel getan hat

    Durchaus - ich bin sehr froh darüber

    auch wenn natürlich viele schon wieder gestrichen sind;

    Dsrüber wird oft gejammert . ichhabe es auch oft getan

    Aber WIRKLICH SCHULD sind die Hörer und Sammler - in diesem Falle eher NICHT-Hörer und NICHT-Sammler

    mit ihrer Gleichgültigkeit und ihrem Desinteresse.

    Da werden "Wiederentdeckungen" lauthals bejubelt - und dann liegen die Aufnahme jahrelang in den Regalen

    Das lässt sich die Tonträgerinsustrei natürlich nicht gefallen

    gerade spezialisierte und Nischenlabel haben doch schon einiges gebracht,

    Absolut - Das ging aber nur - und wird auch nur olange gehen . als Liebhaber der Klassischn Musiik in den Chefetagen sitzen und dich mit moderaten Gewinnen begnügen - wenn es nich ohndies (fast) ein Nullsummenspiel ist.

    Alles in allem, gibt es heute mehr Möglichkeiten denn je, zu einem akzeptablen Preis Musik und Informationen über einen Komponisten zu erhalten.

    Jetzt liegt es nur an uns, unser Scherflein beizutragen, und verdienstvolle Komponisten wieder auferstehen zu lassen -- in diesem Forum, das es ermöglicht, potenziell eine große Leserschaft zu erreichen: auch früher undenkbar...

    Ich glaube in dier Beziehung bin ich eine gute Linie gefahren und habe einige gute Entscheidungen getroffen. Aber ohne die genannten Nischenlabel hätten wir viel weniger erreicht, Ich kann eine Aufnahme nur dann vorstellen, wenn sie auch erschienen ist.

    Durch das weiter oben bereits beklagte Desinteresse breiter Masen wird sicher nicht alles verfügbar bleiben - aber es bleibt doch immer etewas hängen.

    Im Gegenzug dazu wandern auch immer wieder "Premium-Komponisten" in die 2. und 3. Reihe

    Auch dagegen werden wir - so gut es geht - kämpfen

    und ich glaube wir sind auf einem guten Weg.


    mfg aus Wien

    Alfred

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    • Zu diesem Thread denke ich ad hoc vor allem an drei 3 weitere Zeitgenossen MOZARTs, die in dieser Reihe nicht fehlen sollten!

    • Ein ganz wichtiger zeitgenössischer Komponist war CARL FRIEDRICH ABEL, der 1725 - 1787 lebte, und der nicht unerheblichen Einfluß auf den jungen MOZART hatte. Bei seinem England-Besuch traf MOZART 1765 mit diesem - wie auch mit dessen Freund JOHANN CHRISTIAN BACH - zusammen. Die damals berühmten BACH-ABEL-CONCERTS hatten MOZART, wie auch schon HAYDN, angelockt MOZART war beeindruckt von ABEL's Sinfonien und studierte diese intensiv. Eine davon schrieb er sogar ab, und diese wurde später lange Zeit für ein Jugendwerk MOZARTs gehalten, und sie erhielt von KÖCHEL auch das KV 18.

      CARL FRIEDRICH ABEL, der letzte große Gamben-Virtuose, war vermutlich Schüler von J. S. BACH und stammte aus einer hochmusikalischen Familie, in der auch GOETHE ein- und ausging. Unter dem Thread "Carl Friedrich Abel - ein deutscher Komponist in London" schrieb ich am 21.01.2013 unter Nr. 4 einen etwas ausführlicheren Beitrag über diesen Komponisten.


      Ein weiterer interessanter zeitgenössischer Komponist war JOHANN SAMUEL SCHROETER (1750 - 1788), der 1 Jahr später als ABEL in London starb, 3 Jahre vor MOZART. Mit CARL FRIEDRICH ABEL verband SCHROETER auch, daß er bei jenen in ganz Europa hoch angesehenen BACH-ABEL-CONCERTS debütierte! Leider war SCHROETER nur ein kurzes Leben vergönnt. Zu alledem wurde er von der sehr vornehmen Familie seiner Frau, eine Schülerin von ihm, gedrängt, seine Laufbahn als Berufsmusiker aufzugeben, so daß ihm noch weniger Zeit für das Komponieren blieb. Denkwürdigerweise verliebte sich dann nach seinem so frühen Tod seine Witwe in JOSEPH HAYDN, der auch bekundete, daß er sie gerne geheiratet hätte, wäre er frei gewesen. Also, wie klein sich doch auch die europäische Musikwelt mitunter erweisen konnte!!


      SCHROETER's Lieblingsinstrument war das Klavier, für das er mehrere Konzerte komponierte, Werke, die schon als echte Klavierkonzerte bezeichnet werden können. Sein Stil ähnelt sehr dem von MOZART. Tatsächlich interessierte sich MOZART auch sehr für die Klavierkompositionen von SCHROETER (ähnlich wir für die Sinfonien von ABEL), und so schrieb er 1778 von Paris aus an seinen Vater und fragte ihn, ob es dessen Klavierkonzerte in Salzburg zu kaufen gäbe, er würde diese gerne abschreiben. MOZART schrieb dann später auch Kadenzen für 6 der SCHROETER-Klavierkonzerte, die nicht ohne Einfluß auf den Stil MOZARTs blieben.


      Vom Klavierkonzert C-Dur, op. 3 Nr. 3 von JOAHNN SAMUEL SCHROETER gibt es auch eine wunderbare Aufnahme mit der exzellenten Pianistin MARY LOUISE BOEHM und dem AMSTERDAMER KAMMERENSEMBLE unter KEES KOOPER, in der auf historisch sehr wertvollen alten Hammerflügeln musiziert wird.

      Diese Einspielung enthält auch von CARL FRIEDRICH ABEL sein Klavierkonzert G-Dur op. 11 Nr. 5 und von ADALBERT GYROWETZ (1763 - 1850), einem weiteren MOZART-Zeitgenossen, von dem in diesem Thread schon berichtet wurde, dessen Klavierkonzert F-Dur op. 26. GYROWETZ war übrigens mit BEETHOVEN befreundet, und später auch einer dessen Sargträger.

      Schließlich enthält diese Aufnahme auch noch JOSEPH HAYDN's Concertino für Klavier, Streicher und zwei Hörner, Es-Dur Hob. XIV:1


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      Ein weiterer Zeitgenosse MOZARTs, der mir auch persönlich sehr am Herzen liegt, und der fast zu gleicher Zeit Lebte wie MOZART, und noch jünger starb als dieser, und sogar jünger als JOHANN SAMUEL SCHROETER, nämlich im Alter von 32 Jahre, war JOHANN CHRISTOPH VOGEL (1756 - 1788). VOGEL wurde somit im gleichen Jahr geboren wie MOZART, und denkwürdirgerweise nannte ihn REINHARD GOEBEL, der ein großer Liebhaber und auch Förderer der Werke dieses Komponisten ist, auch "Der Nürnberger Mozart" !
      Zu diesem Komponisten habe ich unter dem Thread "Komponisten und Musik der französischen Revolution" am 30.09.2011 auch einen kleinen Beitrag verfaßt (Nr. 4).


      Während Musikliebhaber, insbesondere Opernliebhaber, vermutlich wohl gerade einmal VOGEL's einst so berühmte Oper "Démophon" kennen, und schon weniger die GLUCK gewidmete Oper "Le Toison D'Or", hat dieser auch sehr hörenswerte, oft geradezu mitreißende Instrumentalmusik komponiert, darunter 3 Sinfonien, die REINHARD GOEBEL mit seiner BAYERISCHEN KAMMERPHILHARMONIE fesselnd-virtuos eingespielt hat.


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      Höchst interesant finde ich auch dessen Rondo (Sinfonia) für Oboe, Fagott und Orchester, das mir freundlicherweise SUPRAPHON als exklusive CD-Kopie einer Aufnahme vom November 1981 durch das DVORÁK CHAMBER ORCHESTRA unter VLADIMIR VÁLEK und den exzellenten Solisten JIRÍ MIHULE,Oboe, und JIRÍ FORMÁCEK, Fagottk, zuschickte.

      Über JOHANN CHRISTOPH VOGEL wurde sogar 1914 eine hochinteressante Doktorarbeit von einem Arthur Vogler geschrieben, von der mir freundlicherweise REINHARD GOEBEL eine Kopie zukommen ließ.


      Kein geringerer als der berühmte SALIERI war damals auf das Wirken VOGELs in Paris aufmerksam geworden und berichtete GLUCK noch zu VOGEL's Lebzeiten ausführlich schriftlich über dessen Kompositionen und dessen Talent, und GLUCK sagte dann seinerseits JOHANN CHRISTOPH VOGEL eine große Zukunft voraus. Leider konnte sich diese Prophezeiung durch den frühen, durch Alkoholismus verursachten Tod dieses Komponisten, der neben CHERUBINI als das größte Talent der französischen Oper seiner Zeit galt, nicht realisieren.


    • wok




    • Hallo Alfred,
    • Ich würde nicht sagen, daß BOCCHERINI erst seit etwa 1995 bekannt ist. Ich hörte schon in den 50er Jahren im Rundfunk ziemlich oft Werke von diesem Komponisten, und ich war sofort sehr angetan von dem ganz speziellen "Sound" seiner Kompositionen, ganz besonders seiner Streichquintette, eine seiner Spezialitäten. Wenn man hier schon von "erfunden" spricht, dann eben in Bezug auf diese Streichquintette - nicht Streichquartette wie Du schreibst. (Vermutlich ein Schreibfehler). Jedenfalls zählte BOCCHERINI schon seit meiner Jugend zu meinen Lieblingskomponisten, und einige seiner Werke zu Geheimtipps. Ebenso hörenswert ist das wunderschöne Cellokonzert in B-Dur, einige seiner Sinfonien (in A-Dur, die Sinfonia Concertante in G-Dur), sein Flötenkonzert in G-Dur, seine Kammermusik, wie z. B. die Sonate A-Dur für Violoncello und Klavier, ganz besonders aber seine Klavierquintette in A-Dur und F-Dur - ich besitze 12 seiner Klavierquintette op. 56 und op. 57 mit dem ganz hervorragenden QUINTETTO ITALIANO. Aus BOCCHERINIs Musik emaniert Sonne, Licht und fibrierende südlche Wärme.

    • Wenngleich die Werke dieses Komponisten gewiß nicht so genial sind wie die eines MOZART, der sich später immerhin an den Streichqunitetten BOCCHERINIs kompositorisch orientierte, so nehmen doch gerade diese ungewöhnlich mit 2 Violoncelli konzipierten Streichquintette durch ihren ganz spezifischen Klang, ihren unstrittigeM Ideenreichtum, ihre kunstvollen Verzierungen und sorgfältig ausgearbeiteten Details, für sich ein. Wie HAYDN's in der Abgeschiedenheit Esterházy's entstandenen ganz eigenständigen Kompositionen, hat sich auch BOCCHERINI kaum an anderen Komponisten orientiert - er fand auch keinen direkten Nachfolger seines ureigenen Stils - so daß allein schon deshalb seine Werke einen hochinteressanten Stellenwert in der Musikgeschichte einnehmen. Immerhin hat BOCCHERINI schon von seinen ersten Quartetten an einen sehr modernen klassischen Kammermusikstil entwickelt. Selbst ein hervorragender Cello-Virtuose, der das Violoncello nicht nur als Basisinstrument, sondern auch schon stark solistisch einsetzte, hatte er ein Faible für dieses Instrument und komponierte seine etwa 125 Streichquintette (!) überwiegend für zwei Violoncelli, was diesen Werken auch einen ganz eigenen Klang und Reiz verleiht.


      Zu meinen Lieblingsquintetten gehören das Quintett op. 13,5 mit jenem weltberühmten Menuett, durch das sich BOCCHERINI wohl auch bei weniger informierten Musikliebhabern einen Namen machte, das ich mit einer herrlich musikantischen Einspielung mit den erstklassigen Instrumentalisten GÜNTER KEHR, Violine (dem einstigen Gründer des MAINZER KAMMERORCHESTER", WOLFGANG BARTELS, Violine, ERICH SICHERMANN, Viola, (einst 1. Solobratscher des NDR-SINFONIEORCHESTERS), BERNHARD BRAUNHOLZ, Violoncello (rrüher auch Mitglied des CONSORTIUM CLASSICUM), und FRIEDRICH HERZBRUCH, Violoncello, besitze. Ein ausgezeichnet aufeinander abgestimmtes Ensemble. In der gleichen Besetzung habe ich auch das nicht minder interessante Streichquintett a-moll op. 47,1.


      Sehr hörenswert ist auch BOCCHERINIS "Quintett für Violoncello und Steicher" in C-Dur, op. 37,7, dieses aber ausnahmsweise in der Besetzung mit nur einem Cello, das hier einen starken Solopart einnimmt, und je 2 Violinen und Bratschen. Dieses Quintett kann ich ganz besonders in der Einspielung durch die besten Instrumentalisten von ST. MARIN-IN-THE-FIELDS empfehlen, das sind in diesem Fall KENNETH HEATH , Solo-Violoncello, HUGH MAGUIRE, Violine (von 1968 - 1977 auch 1. Violinist des ALLEGRI STRING QUARTET), NEVILLE MARRINER, Violine, STEPHEN SHINGLES und KENNETH ESSEX , damals 1. Bratschist der ACACEMY OF ST. MARTIN-IN-THE-FIELDS.

    • Erstaunlich, wie gut doch Engländer diese typisch italienische Musik interpretieren können!

    • wok

  • Lieber WOK


    Wenn Du die StreichQUINTETTE von Boccherini liebts, die QAURTETTE aber nicht kennst,, dann kann ich die eine freudige Überraschung mitteilen


    Esgibt (laut Harenberg Kmmermusikfühere, die Zahlen können leicht abweichen


    125 STREICHQUINTETTE

    91 STREICHQUARTETTE


    von Boccherini .Lange Zeit konnte sich die Wissenschaft nicht einigen, wer das Streichquartett erfunden hat, Haydn oder Boccherini.

    Soweit ich weiß ist ein Patt daraus gworden und man hat die Forschungen diesbezüglich eingestellt, vielleicht aud deshalb weil schon zuvor einige Vorläufer des Streichquartetts von anderen Komponisten entdeckt worden sind. Haydn und Boccherini sollen einander gekannt haben und - traut man den Quellen - sich gegenseitig geschätzt haben.

    Das berühmte Menuett aus dem Quintett 15.3 wurde übrigens auch in einem uralten Krimi oder Krimikomödiaeeingesetzt.



    mfg aus Wien

    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

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  • Lieber Alfred,


    Vielen Dank für Deine weiteren Betrachtungen zu BOCCHERINIs Streichquartetten und Streichquintetten. Alles, was BOCCHERINI betrifft, interessiert mich immer, da ich, wie gesagt, diesen Komponisten schon immer sehr schätzte. und auch was über ihn als Mensch überliefert ist, macht ihn mir sehr sympathisch. Er galt als Mensch von edlem Charakter, der selbst, als er gegen Ende seines Lebens in Not geriet, auch verstärkt durch mehrere Trauerfälle in seiner Familie, zu stolz gewesen wäre, um aus seinen Fähigkeiten als Virtuose und Komponist materiellen Nutzen zu ziehen.

    Ich kenne natürlich auch seine Streichauartette, natürlich nicht alle, denn er schrieb davon über 90 Werke - und damit teilte er sich zu Lebzeiten das Ansehen mit Haydn - ob einer dieser beiden wirklich als erster ein Streichquartett komponierte, ist nicht gesichert, denn es gab eben vermutlich auch schon zuvor vereinzelt Streichquartette anderer Komponisten, doch sehr wohl war BOCCHERINI wohl der erste, der den Mittelstimmen der Quartette, also der 2. Violine und der Viola, mehr Gewicht verlieh und diese kompositorisch zu gleichgesinnten Partnern machte. Eine absolute Besonderheit stellen eben doch die Streichquintette dar, da BOCCHERINI diese überwiegend für 2 Violoncelli plus 2 Violinen und Viola setzte, da er selbst ein Virtuose auf diesem Instrument war und als solcher mit dem Geiger MANFREDI auf Konzertreisen gefeiert wurde. An den Höfen wurde vielfach Streichquartett gespielt, und so ergänzte er diese oft durch sein eigenes Cello-Spiel zu einem Quintett, und komponierte dafür mit ca. 125 Werken mehr Werke als für das eigentliche Streichquartett. Er komponierte aber auch sehr interessante Streich-Trios, wie z. B. die beiden Trios Nr. 1 und Nr. 2 op. 35 in f-moll und G-Dur, die ich in einer sehr überzeugenden Einspielung durch WALTER SCHNEIDERHAN, GUSTAV SOBODA und SENTA BENESCH besitze

    Nicht vergessen werden dürfen aber auch auf keinen Fall seine Gitarrenquintette, wobei die Nr. 4, G 448 in D-Dur, das "Fandango-Quintett" besonders reizend ist und ins Blut geht! Nicht unerwähnt bleiben darf auch sein Stabat Mater G 532 op. 61, für das es inzwischen auch mehrere Einspielungen gibt.


    Viele Grüße

    wok

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    Manchmal geschehen seltsame Dinge. Wok hat in seinem sehr interessanten und ausführlichen Posting dieses Bild gezeigt; es ist mir von klein auf vertraut -- weil schon meine Großmutter es bei sich hängen hatte (natürlich nur als Reproduktion), und nach einigen Umwegen ist es dann zu mir gelangt, und es hängt nun über meinem Klavier. Ich war immer schon begeistert von dieser unglaublichen Darstellung des warmen Lichtes, den eleganten Kleidern, der festlichen Atmosphäre...ein Traum...


    Ich habe immer wissen wollen, wer dieses wunderschöne Gemälde gemalt hat, und niemand konnte es mir sagen; mittlerweile weiß ich es, dank dieser CD; nach einer kurzen Internetrecherche fand ich eine Abbildug der Rückseite, und nun endlich weiß ich es...


    Der Künstler ist CONSTANTIN GRAF, geb. 1930 in Berlin, Sterbedatum ist wohl nicht bekannt. Das Bild heißt "Das Abendkonzert" und hängt wohl im Archiv für Kunst und Geschichte in Berlin. Leider konnte ich kaum etwas über den Maler finden, außer dass er ein Schüler von Anton Niewenhousen (Amsterdam und Berlin) war und zu Studienreisen wohl in Frankreich, Spanien, Skandinavien, Holland, Italien und Nordafrika unterwegs war. Die wenigen anderen Gemälde des Künstlers, die ich online gefunden habe, waren ebenfalls zutiefst beeindruckend.


    Soviel nur am Rande: bitte das off-topic zu verzeihen. Zumindest soll Carl Friedrich Abel hier noch einmal ertönen: