Wie entsteht eigentlich eine Opernaufführung?

  • Hallo und guten Tag,

    Ich habe im Internet der Frage "Wie entsteht den eigentlich eine Opernaufführung?" nachgespürt.

    Diesen Video gefunden

    https://www.google.com/url?sa=…I3ICQ&cshid=1575030568860


    Durch den Film bin auch nicht Schlauer geworden. Zu Abhängigkeiten und warum man dies und das so machen muss, bekam ich Denkanstöße. Und einen kleinen Einblick darüber, warum Opernhäuser einen so großen Finanzbedarf haben.


    Kennt jemand über dieses Thema vieleicht auch ein Buch?

    MfG Wilfried

  • Durch den Film bin auch nicht Schlauer geworden.

    Welcher Aspekt interessiert Dich denn genau? - Ich meine, der Film gibt schon einen recht guten Einblick zu den technischen und organisatorischen Notwendigkeiten einer Opernaufführung. Und zuz Beginn erfährt man sogar ein wenig dazu, wie die Idee bzw. eine Inszenierung zuerst im Kopf eines Regisseurs entsteht und dann nach und nach an die anderen Beteiligten weitergegeben werden kann.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Hallo,

    Eigentlich die gesamte Planung, die ja bis zu zwei Jahre vorher beginnt. Und das im Detail. Wer ist für was Zuständig und Mitverantwortlich. Ich denke der gesamte Prozess ist bestimmt sehr komplex. Ich sehe einen Regisseur mit vielen Ideen und Gedanken, sehe die vielen Werkbereiche in dem auch kreative Menschen mit viel Ideen und Wissen arbeiten und führen. Die Zeit bis der Vorhang hochgeht und die bis ins kleinste Detail festgelegte Inszenierung anläuft, stelle ich mir sehr spannend vor.

    MfG Wilfried

  • Der Intendant verkörpert in der Regel die Verwaltungsspitze seines Hauses und ist für die künstlerische und finanzielle Ausgestaltung eines Theaters zuständig.


    Ein Regisseur, auch Spielleiter genannt, führt Regie und ist damit traditionell neben den Darstellern die entscheidende Person der darstellenden Kunst bei der Aufführung von Werken.


    Und damit entsteht oft eine Unstimmigkeit über die Wünsche der Regie gegenüber dem Indentanten.


    Hinzu kommt der Bühnenbildner welcher nach seinen kreativen Vorstellungen das Bühnenbild für die einzelnen Szenen einer Inszenierung entwirft. Bei seiner Arbeit muss er sich eng mit dem Regisseur, dem Kostüm- und Maskenbildner sowie dem Beleuchtungsmeister abstimmen. In der Realisierungsphase arbeitet er mit den Vorständen der Werkstätten zusammen, die seinen Entwurf praktisch umsetzen sollen. In kleineren Häusern ist der Bühnenbildner häufig gleichzeitig auch der Kostümbildner.


    Um diese Konkurrenz der Kreativitäten zu koordinieren wird dann oftmals ein Starregisseur eingesetzt dem sich alles unterzuordnen hat.


    Dann dürfen die auserkorenen Darsteller auf Probenbühnen, mit einigen Stühlen als Kulissenersatz, das Stück proben, wobei es oftmals sehr viel Ausdauer erfordert, bis die Erwartungen der Regie befriedigt werden.


    Getrennt dazu wird der Gesang der Solisten mit den Korrepetitor einstudiert.


    Der zusätzliche Opernchor wird durch einen Chordirektor, im Bedarfsfall verstärkt durch, einen aus begabten Laien bestehenden Extra-Chor, musikalisch auf jedes Werk vorbereitet.


    Während der Vorstellung beaufsichtigt der Chordirektor hinter der Bühne die Einsätze des Chores und dirigiert schwierige Passagen von der Seite mit.


    Wenn dann nach vielen, ermüdenten Proben, mit den Kostümproben und Beleuchtungsproben endlich alles funktioniert, kommt, wie an der Mailänder Scala ein „Pavarotti“ und schmeißt alles um und der damalige Dirigent Riccardo Muti meint zu den verstörten Anwesenden „machen sie es so wie es Maestro Pavarotti sagt“, und so wird es dann aufgeführt.


    Die Inforationen zu diesem Beitrag habe ich aus mehrjähriger Erfahrung als Statist, sowie von unseren ehemaligen Chorleiter des Kirchenchores, welcher bei Chorwettbewerben mit Riccardo Muti teilnahm.

  • Wilfried, ich empfehle Dir einen Blick auf die YouTube-Seite der Oper Zürich. Dort gibt es kleine Episoden-Filme, die Schlaglichter auf das komplexe System Opernhaus werfen.

  • Wilfried, ich empfehle Dir einen Blick auf die YouTube-Seite der Oper Zürich. Dort gibt es kleine Episoden-Film, die Schlaglichter auf das komplexe System Opernhaus werfen.


    Gute Tipps sind ja immer willkommen, aber manchmal ist die Suche nervig. Auf der Youtube Seite des Opernhauses findet man alles mögliche wie zum Beispiel Episodenfilme und Trailer zu jeder Produktion.

    Ich bin immer dafür, dass man wo immer möglich einen Link setzt, dann hat der Suchende es viel einfacher.

    Also in diesem Falle diret die entsprechende Seite des Opernhauses zu den bisher 11 Episoden verlinken:

    Was Sie schon immer über das Opernhaus wissen wollten, aber nie zu fragen wagten >

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Wenn dann nach vielen, ermüdenten Proben, mit den Kostümproben und Beleuchtungsproben endlich alles funktioniert, kommt, wie an der Mailänder Scala ein „Pavarotti“ und schmeißt alles um und der damalige Dirigent Riccardo Muti meint zu den verstörten Anwesenden „machen sie es so wie es Maestro Pavarotti sagt“, und so wird es dann aufgeführt.

    Weil hier von Pavarotti die Rede ist. Bekanntermaßen war eine seiner Paraderollen der Rodolfo in La Bohéme.

    Unvorstellbar, daß er in einer Bohéme Inszenierung mitgewirkt hätte, die in Raumanzügen im Weltall spielt.

    Für solche Verunstaltung hätte er sich ganz sicher nicht hergegeben!

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Huch, chrissy, willst Du hier noch ein Thread in Sachen "Regietheater" eröffnen? Davon gibt es in diesem Forum doch schon mehr als ein Dutzend.


    Orfeo, da ich Wilfried zu einem Rundgang auf der Internet-Seite des Opernhaus Zürich einladen wollte, habe ich bewusst keinen direkten Link gesetzt. Dank Deiner Ergänzung hat er nun die Wahl: flanieren oder gezielt ansteuern...


    :)

  • Die Dissertation von Sophia Sepperer Der Integritätsschutz der Bühneninszenierung ist zwar sehr wissenschaftlich und über 200 Seiten lang, aber auch sehr genau


    - - Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis - -


    Der theaterwissenschaftliche Inszenierungsbegriff

    Entwicklung (des Begriffs) der Inszenierung S. 18

    Abgrenzung der Begriffe „Inszenierung“ und „Aufführung“ S.21

    Elemente der Theaterinszenierung S. 22


    Der Untersuchungsgegenstand

    Textarbeit am Ausgangswerk S. 25

    Erarbeitung des Regiekonzeptes S.26

    Die Bedeutung des Regiebuches S. 27

    Gesamtkunstwerk S. 28


    Die Entwicklung der Theaterregie S. 31 ff

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Die Dissertation von Sophia Sepperer Der Integritätsschutz der Bühneninszenierung ist zwar sehr wissenschaftlich und über 200 Seiten lang, aber auch sehr genau


    - - Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis - -

    Ganz herzlichen Dank für den Link, lieber Orfeo. Den Text bis S. 58 sollten eigentlich alle Opernfreunde lesen! Viele unsinnige Diskussionen werden damit vermeidbar und überflüssig! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Hallo und gute Tag,

    DANKE für die Quellen. Opernhaus Zürich hatte ich gelesen und gesehen. Bei deren Homepage gibt sehr viel zu entdecken.

    Diesen Teil werde ich sehr intensiv lesen, wenn ich Anfang Juni wieder zu Hause bin.

    MfG Wilfried

  • Einen ungefähren Überblick über den Produktionsablauf im Opernbetrieb habe ich hier zusammengestellt


    Von der Idee bis zu Premiere

    Phase I (Vorbereitung)

    Das Stück - Bühnenverlag - Dramaturgie

    Der Intendant beauftragt

    Operndirektor/ Generalmusikdirektor / Oberspielleiter

    Konzeptionsgespräche mit

    Regisseur/ Dramaturg/Bühnenbildner/ musikalische Leitung

    Bauprobe

    Phase II (Proben)

    Beginn der musikalischen Einstudierungsproben (einzeln)

    Solisten/ Korrepetitor

    Orchester

    Chor

    Evtl. Ballett

    Phase II.1

    Orchestersitzprobe (Sänger und Chor)

    Phase II.2

    Szenische Proben mit Regisseur/ Korrepetitor/ Sänger/ Chor (Probebühne/ Bühne)

    Phase II.3

    Bühnenorchesterprobe (BO) mit Orchester/ Sängern/ Chor

    Phase III

    Endproben

    Durchläufe (ganzes Stück im Ablauf)

    Technische Einrichtung/ Dekoration u. Beleuchtung

    Hauptprobe (I+ II) /Fotoproben

    Generalprobe

    Endphase

    Premiere


    Interessante Literatur zum Thema wie eine Opernaufführung entsteht findet man im Buch

    Opernarbeit von Sergio Morabito (hier nur Leseproben - 30 Auszüge aus den einzelnen Kapiteln)


    Wir denken bei einer Aufführung hauptsächlich an einen ganz kleinen Kreis von Beteiligten, vor allem an

    Sänger, Regisseur, Dirigent, erst danach interessieren vielleicht Kostüm- und Bühnenbildner.


    Informationen zum Aufgabengebiet aller Beteiligten einer Produktion findet man unter "Einzelne Theaterberufe"beim Deutschen Bühnenverein. Ich zitiere hier nur aus der Beschreibung der Aufgabe eines Regisseurs:

    "Die Aufgabe des Regisseurs besteht darin, Bühnenwerke zu inszenieren. Hierfür entwickelt er auf der Grundlage eines Textes ein Konzept für eine Szenenfolge, häufig in enger Zusammenarbeit mit Dramaturgen, Bühnen- und Kostümbildnern. Nicht immer wird der Text in der originalen Fassung übernommen, sondern verändert; sei es, dass der Text nicht zeitgemäß erscheint, Übersetzungen ungenau sind oder einzelne Passagen nicht in das Konzept des Regisseurs passen. Wenn der Regisseur »seine« Interpretation des geplanten Werkes gefunden hat, muss das Stück mit Schauspielern und Sängern besetzt werden. Sobald dies geschehen ist, beginnen die Proben, die die Hauptarbeit eines Regisseurs ausmachen. Während dieser Phase arbeitet er intensiv mit den Darstellern. Spätestens dann beginnt auch das künstlerisch-technische Personal mit der Vorbereitung der Premiere. Bühnenbilder müssen gebaut, Kostüme genäht, Lichteffekte probiert, Bühnenmusik komponiert und Masken gestaltet werden. Mit allen diesen Mitarbeitern pflegt der Regisseur – meist über seinen Regieassistenten – einen engen Kontakt, damit sich im Laufe der folgenden Wochen ein harmonisches Gesamtbild entwickeln kann. Im Musiktheater kann sich dieses Team noch um den Dirigenten, den Chorleiter, den Repetitor und den Ballettmeister erweitern. Während dieser Zeit muss der Regisseur immer wieder Entscheidungen treffen bzw. Kompromisse schließen zwischen dem künstlerischen Ideal und den gegebenen Sach- und Personalzwängen."

    Wer jetzt immer noch mehr darüber wissen möchte wie eine Oper entsteht, dem empfehle ich einen Aufsatz des österreichischen Schauspielers Josef Lewinsky aus Die Gartenlaube, Heft 42 / 1888, S. 714–717 , danach ist man zwar nicht unbedingt klüger, aber man hatte für einige Minuten eine vergnügliche Lektüre.

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Vielen Dank Orfeo für Deine letzten Beiträge. Die Dissertation liest sich für eine wissenschaftliche Arbeit erstaunlich gut. Trotz der Schwerpunkte auf Sprechtheater und Rechtsfragen ist der Text auch für passionierte Opernfreunde lesenswert. Das Portrait von Theaterberufen auf der Seite des Deutschen Bühnenverein kommt, in Verbindung mit Deiner eigenen Ablaufbeschreibung, dem Informationsbedürfnis von Wilfried vermutlich besonders entgegen. Die Sammlung von Aufsätzen des Dramaturgen Sergio Morabito regt zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Musiktheater an. Ein tolles Paket hast Du dem Wilfried zusammengestellt Orfeo!

  • Hallo und guten Tag ORFEO,

    auch von mir, vielen Dank.

    Erstaunlich, was du hier für das Forum in den Tiefen des Internets zu Tage förderst.

    MfG Wilfried