Hänsel und Gretel (Humperdinck), Hamburgische Staatsoper, 04.12.2019

  • Diese textgerechte Inszenierung (Peter Beauvais) in den schönen Bühnenbildern von Jan Schlubach ist bereits 47 Jahre alt und begeisterte mit der 263. Vorstellung seit der Premiere ein volles, heute von überraschend vielen jungen Leuten besuchtes Haus. Das erste Bild zeigt das Innere einer Kate, deren Tür sich nach links in einen Garten öffnet und im Hintergrund in eine Landschaft übergeht, das nächste Bild einen sich in die Tiefe erstreckenden Hochwald, in dessen Höhen sich am Ende des zweiten Bildes zahlreiche Engel um Hänsel und Gretel scharen. Im dritten und letzten Bild ist ein romantisches, mit Türmchen und Butzenscheiben versehenes Hexenhaus zu sehen, links davon gibt es einen Käfig (für Hänsel) und einen Ofen, in den die mit viel Freude gespielte böse Hexe (Renate Spingler) schließlich hineinge­stoßen und zum Lebkuchen verbacken wird. Die nach dem Tod der Hexe aus Lebkuchen zurückverwandelten Kinder treten in ihren der jeweiligen Verwandlungszeit entsprechenden Kostümen nach vorn an die Rampe und singen den Schlusschor. Zusammen mit der Humperdinckschen Musik ist das ergreifend und immer wieder gut ansehbar. Manche eingebauten Tricks, wenn die Hexe auf ihrem Besen durch die Lüfte fliegt (zunächst als Realperson, später in Puppen­form in der Höhe des Hintergrunds), werden von dem jungen Publikum bejubelt, wie auch die Oper insgesamt wegen ihrer handwerklich ausgereiften Bühenpräsentation.

    Zur musikalische Seite, die hätte besser sein können. Überzeugend war Jana Kurucovas Hänsel, während die für Elbenita Kajtazi eingesprungene Elsa Benoit als Gretel das große Haus mit ihrem Sopran noch nicht recht zu füllen vermochte. Irmgard Vilsmaier trumpfte mit Walkürenorgan auf und blieb dabei der Interpretation der auch über mütterliche Gefühle verfügenden Gertrud (Paradebeispiel Katja Pieweck in früheren Aufführungen) einiges schuldig, sie wirkte stimmlich eher wie eine böse Stiefmutter. Jochen Schmeckenbecher sang einen ordentlichen Peter Besenbinder. Sandmännchen war Kady Evanyshyn, Taumännchen Narea Son. Die Leitung des Philharmonischen Staatsorchesters hatte Volker Krafft.

    Oper lebt von den Stimmen, Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv

  • Lieber Ralf,


    danke für den Bericht. Erfreulich zu hören, dass es auch noch Inszenierungen gibt, die das Publikum begeistern können.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)