Auch ein Jubilar des Jahres 2020 - Friedrich Hölderlin

  • Hallo


    Über Gedichte von Friedrich Hölderlin, deren Vertonungen oder Kompositionen mit Bezug auf den Dichter wurde hier im Forum bereits sehr viel geschrieben. Besonders hervorzuheben sind die Besprechungen in Helmut Hofmanns Ausführungen über das Liedkompositorische Werk von Paul Hindemith.


    Paul Hindemith. Das liedkompositorische Werk, in Auswahl betrachtet


    Ich denke, es ist angebracht angesichts des - ebenfalls 250ten - Geburtstages dieses schwäbischen Dichters in diesem Jahr auch ihn zu ehren.


    Dabei stelle ich mir keine strenge Systematik vor. Eher ein:

    Was fällt mir dazu ein?

    Welche Vertonungen gefallen mir besonders?

    Auf welche Gedichte möchte ich hinweisen?

    Welche Jubiläumsveranstaltungen habe ich besucht?

    ...


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    Ich möchte beginnen mit einem Komponisten, der im Zusammenhang mit dem 75ten Jahrestag der Befreiung von Auschwitz als eines seiner Opfer zu Ehren kam. Viktor Ullmann hat drei Gedichte von Friedrich Hölderlin vertont. Hieraus die Abendphantasie, dargeboten von Markus Schäfer, der von Christian de Bruyn am Klavier begleitet wird:



    Gruß Wolfgang

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Ich kann noch ein Lied aus meiner Peter Corneliussammlung beisteuern, "Sonnenuntergang", von dem ich eine Aufnahme von Dietrich Fischer-Dieskau gefunden habe, das mir gut gefällt. In meiner Sammlung singt es der Bariton Hans Christoph Begemann, begleitet von Matthais Veit.

    Hier ist die YT-Version von Fidi, der hier von Aribert Reimann begleitet wird:



    Übrigens hat Friedrich Hälderlin nicht nur das Geburtsjahr gemeinsam mit Beethoven, sondern auch sein Geburtstdatum, der 20. März ist nur 6 Tage entfernt von Beethovens Todestatum, dem 26. März. An diesem Datum in 7 Jahren erinnern wir uns wieder in besonderer Weise an Beethoven, und zwar zu seinem dann 200. Todestag. Doch es geht in diesen Jahren Schlag auf Schlag:

    Gestern in 3 Jahren, am 31. 1. 2023 ist der 225. Geburtstag von Schubert, dessen 200. Todestag dan am 19. 11. in acht Jahren ist.

    Vorher jedoch, am 5. 6. in sechs Jahren ist der 200. Todestag Carl Maria von Webers, und am 11. 12. in acht Jahren feiern wir den 225. Geburtstag von

    Hector Berlioz.

    Bereits in 16 Tagen feiern wir den 200. Geburtstag von Henri Vieuxtemps, am 18. Dezember in zwei Jahren den 200. Geburtstag von César Franck, jedoch schon am 27. Mai in zwei Jahren den 200. Geburtstag von Joachim Raff, am 2. März in vier Jahren den 200. Geburtstag von Bedrich Smetana und am 4. September im gleichen Jahr den 200. Geburtstag von Anton Bruckner. Ich könnte noch ein Weilchen so weiter machen, aber will jetzt noch ein Weilchen das "aktuelle" Sportstudio schauen. Wie dem auch sei, wir kommen in absehbarer Zeit aus dem Feiern nicht mehr heraus.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Heinz Holliger hat ein Werk für Flöte, Orchester und Chor, den Scardanelli-Zyklus komponiert. Es beruht auf Texten Friedrich Hölderlins, die er in seinem Turm in Tübingen verfasst hatte. Mit Scardanelli hatte Friedrich Hölderlin unterzeichnet.


    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Friedrich Hölderlin muss man lesen, am besten laut vorlesend.



    oder hörend, wenn Bruno Ganz rezitiert.



    Der ungekürzte Text von Friedrich Hölderlins Hyperion wird vorgelesen. Die fünf CDs sind kürzlich erschienen. 6 h 38 Minuten lauscht man den Stimmen von Jens Harzer und Doris Wolters.



    Ich lese seine Briefe, die mir die Person nahe bringen.

    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Dann sei noch Peter Härtlings Roman "Hölderlin" erwähnt. Aus der Produktinformation des Werbepartners:


    "Der vor zwanzig Jahren zum ersten Mal erschienene Roman "Hölderlin" von Peter Härtling markiert einen Wendepunkt im Werk des Autors. Der Roman wurde zu einem Vorbild für die literarisch-biographische Erforschung eines Künstlerlebens, das in seinen menschlichen und geschichtlichen Spannungen von ungeahnter Aktualität geblieben ist. Mit Sachkenntnis und Sensibilität, literaischer Phantasie und Einfühlungsvermögen gelingt es Härtling, Friedrich Hölderlin als Mensch und Poet zu beschreiben, sein Leben und seine Zeit so zu entwerfen, daß sie für uns lebendig werden. Dabei vermag es Härtling, den politisch bewegten Hölderlin, aber auch den liebenden neu und differenziert zu beschreiben. Der Roman ist jedoch nicht nur eine inzwischen berühmt gewordene Version von Hölderlins Leben, so wie es gewesen sein könnte, er ist auch ein Novum in der Art, wie Härtling seinen eigenen Arbeitsprozeß und seine Beziehung zu Hölderlin, seinem Werk und der Landschaft, aus der er schöpft, in den Roman integriert hat."





    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Den Text von Hölderlins "Friedensfeier" habe ich auswendig gelernt. Er ist zu lang, um ihn hier zu setzen.


    Mein liebstes Gedicht ist dieses:


    Mit gelben Birnen hänget

    Und voll mit wilden Rosen

    Das Land in den See,

    Ihr holden Schwäne,

    Und trunken von Küssen

    Tunkt ihr das Haupt

    Ins heilignüchterne Wasser.


    Weh mir, wo nehm ich, wenn

    Es Winter ist, die Blumen, und wo

    Den Sonnenschein,

    Und Schatten der Erde ?

    Die Mauern stehn

    Sprachlos und kalt, im Winde

    Klirren die Fahnen.


    Von Marie Lise Kaschnitz gibt es einen kurzen Text zu diesem Gedicht, das sie in ihrem Leben begleitet hatte und in verschiedenen Phasen ihres Lebens von ihr unterschiedlich gesehen wurde.


    "Klirren die Fahnen.


    Mein Gedicht, das soll doch wohl heissen, eines, das mich immer begleitet hat and das mir nie ganz aus dem Sinn gekommen ist. Ein solches Gedicht ist für mich Hölderlins Hälfte des Lebens. Als ich es kennenlernte, war ich beinahe noch ein Kind. Ich wusste nicht, daß Hölderlin die Verse kurz vor seiner Erkrankung geschrieben hat, und von einem Gefühl für die Unwiederbringlichkeit vergangener Lebenszeiten war ich noch weit entfernt. Die Landschaft, die ich beim Lesen der ersten Strophe vor Augen hatte, die des Bodensees nämlich mit ihrer nachsommerlichen Fülle von Blumen und Früchten, beglückte mich, das winterliche Bild der sprachlosen Mauern erregte in mir eine Wollust der Einsamkeit, das Klirren der Drähte an den leeren Fahnenstangen war dazu die passende Musik.

    Erst in späteren Jahren verstand ich recht eigentlich die schmerzliche Frage und Klage des Gedichts, ich bezog sie auf das Alter, das jedem jungen Menschen als ein halber Tod erscheint und dessen Schrecken ich durch die Vision einer nicht mehr von Blumen und schönen Tieren belebten, grauen Winterlandschaft vollkommen ausgedrückt fand.

    Noch später las ich das Gedicht wieder anders, nämlich als tödliche Furcht vor einem krankhaften und doch auch jedem gesunden Menschen bekannten Seelenzustand der inneren Verödung und Kälte, in dem die Dinge ihre Farben, ihren Duft und ihre Stimme verlieren. Diese Furcht vor einer ewigen, nur von kalten metallischen Geräuschen noch erfüllten Gefühllosigkeit weiß der Dichter, der vorher die Liebestrunkenheit und die heilige Nüchternheit seines lebendigen Lebens in so herrlichen Bildern darstellte, auch im Leser und Hörer zu erwecken, nicht nur durch die Wahl seiner Worte, sondern auch durch die Folge seiner Vokale – man vergleiche nur die Lautfolge des Ausgangs der ersten Strophe mit der zweiten, wie da die Vereisung und Verödung schon vom Klang her Ausdruck gewinnt. Auf diese Weise gelang ihm eine so bestürzende Verdichtung menschlicher Seelenangst, daß das Gedicht mir heute zuweilen nur noch erträglich ist, wenn ich es ritornellartig lese, also die Jahreszeiten wieder wörtlich nehme, in ihrem ewigen Wechsel, ihrem Kommen und Gehen."


    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

    Einmal editiert, zuletzt von moderato ()

  • Hallo Moderato


    Hier die eindrucksvolle Rezitation des Gedichtes von Christian Brückner ergänzt um Musik von Henry Purcell.



    Gruß Wolfgang

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Ich muss gestehen, dass ich mich bisher noch nicht speziell mit Friedrich Hölderlin beschäftigt habe. Aber das habe ich jetzt geändert. Ich habe eben dieses Werk erstanden:

    Diest ist eine Kindle-Ausgabe, und die hat den horrenden Preis von 0,99 Euro gekostet und ist schon auf meinem Kindle Fire HD 10. Ich werde mich jetzt zu Bett begeben und ein wenig darin schmökern.


    Liebe Nachtgrüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • "In Hölderin bin ich gut", hat Helmut Kohl einmal gesagt und sich damit dem Spott aller Kabarettisten und der gesamten Linkspresse ausgesetzt.


    Ich bin "in Hölderlin" nicht gut, habe ganz wenig von ihm gelesen, und deshalb kann ich hier leider nichts beitragen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Karl-Heinz Ott


    Hölderlins Geister


    verrückt, vergessen, vereinnahmt, vernachlässigt, verehrt, unverstanden - passt alles zum Hölderlin.


    Um Hölderlin und seine Rezeption geht es in diesem Essay.


    Ich lese täglich eine Seite Hölderlin, manchmal auch nur eine halbe oder zwei Zeilen. Mein persönlicher Hölderlin.


    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Vor knapp zwei Wochen wurde der Hölderlinturm in Tübingen nach Renovierung wieder eröffnet. Das darin befindliche Museum ist immer einen Besuch wert. Ich war begeistert.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Luigi Nono (1924-1990)


    Fragmente - Stille, An Diotima


    LaSalle Quartett



    In den Regalen habe ich Aufnahmen mit Bezügen zu Hölderlin gesucht und habe diese CD unter dem Buchstaben N wie Nono gefunden. Ich kann mich erinnern, dass ich die Scheibe, als es noch CD-Läden gab, bei den ausgemusterten Scheiben mit reduziertem Preis erstanden hatte. Komponiert wurde Fragmente - Stille, An Diotima im Jahr 1979.


    Beim Werbepartner kann man die Aufnahme der Deutschen Grammophon aus dem Jahr 1993 erwerben.


    Lagopus beschreibt dort treffend in den Kundenrezensionen unter dem Titel "Geniale Musik: Radikal und voll stiller Kraft" seine Höreindrücke.


    Luigi Nono ist der sitzende Herr unten rechts.





    Das Aditti Quartett hat es auch eingespielt


    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Werter moderato,

    ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

    Es ist toll, wie behutsam Peter Härtling sich dem Leben Hölderlins nähert, wie sensibel er mit dem Lebenslauf dieses großartigen Dichters umgeht.

    Die Kraft der Gedichte Hölderlins ist unbestreitbar, für meinen Geschmack aber etwas "zu dick aufgetragen".

    Sie sind Ausdruck eines Freigeistes par Excellence.

    Muß man lesen.

  • Lieber Thomas Sternberg


    Das Werk Friedrich Hölderlin ist solitär. Ich kenne keinen Dichter deutscher Sprache der in einer solchen Radikalität und Komplexität seine Gedanken formuliert hat. Keine Zeile bei der man nicht gedanklich als Leser gefordert ist.


    Obwohl ich momentan beruflich an Grenzen stosse, meine Gewohnheit täglich Hölderlin zu lesen, lass ich mir nicht nehmen.


    Peter Härtlings ist mir der liebste Text über Hölderlin. Ein kleines sprachliches Detail: "Fritz" nennt ihn Härtling, weil wohl niemand im Alltag Friedrich in den Mund nahm. Härtling wurde dies von Philologen, als der Text erschien, arg verübelt. Heute nimmt niemand daran Anstoss.

    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Ich freue mich über jeden Menschen, der Hölderlin liest und ihn schätzt.

    In meinem persönlichem Umfeld kenne ich kaum einen Menschen, der überhaupt etwas mit diesem genialen Dichter anfangen kann.

    Auch darum liebe ich dieses Forum.:thumbup:

  • Und wer die Möglichkeit hat, nach Beendigung der Zwangsschließung das renovierte Museum im Tübinger gelben Turm zu besuchen, der wird es tief beeindruckt und bereichert wieder verlassen. Es wurde nach gründlicher Renovierung am 21.Februar wieder eröffnet und die Resonanz des Publikums war überwältigend.

    Im Shop ist auch die einschlägige Primär- und Sekundärliteratur erhältlich und während des Jahres finden dort zahlreiche Veranstaltungen statt. Hoffentlich bald wieder...

    Freundliche Grüße Siegfried



  • Als Textdichter wurde Hölderlin von Komponisten erst relativ spät entdeckt. Das dürfte auch daran gelegen haben, dass viele seiner Werke mit Verzögerung veröffentlicht wurden und sich einer musikalischen Verarbeitung entziehen. Oder irre ich mich? Die meisten Texte von Hölderlin dürfte Wilhelm Killmayer vertont haben. Lieder nach seinen Worten finden sich auch bei Braunfels, Cerha, Eisler, Britten, Rihm, von Einem, Fortner, Reutter, Křenek, Henze, Hindemith, Gielen, Leibowitz, Gál, Ligeti, Ullmann und der oben betreits von Willi mit Tonbeispiel versehene Reimann. Für mich die bedeutendste Hölderlin-Vertonung stammt vn Max Reger: "An die Hoffnung", hier gesungen von Christa Ludwig:



    O Hoffnung! holde! gütiggeschäftige!

    Die du das Haus der Trauernden nicht verschmähst,

    Und gerne dienend, Edle! zwischen

    Sterblichen waltest und Himmelsmächten,

    Wo bist du? wenig lebt′ ich; doch atmet kalt

    Mein Abend schon. Und stille, den Schatten gleich,

    Bin ich schon hier; und schon gesanglos

    Schlummert das schaudernde Herz im Busen.

    Im grünen Tale, dort, wo der frische Quell

    Vom Berge täglich rauscht, und die liebliche

    Zeitlose mir am Herbsttag aufblüht,

    Dort, in der Stille, du Holde, will ich

    Dich suchen, oder wenn in der Mitternacht

    Das unsichtbare Leben im Haine wallt,

    Und über mir die immerfrohen

    Blumen, die blühenden Sterne glänzen,

    O du des Äthers Tochter! erscheine dann

    Aus deines Vaters Gärten, und darfst du nicht

    Ein Geist der Erde, kommen, schröck′, o

    Schröcke mit anderem nur das Herz mir.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Der Jubilar Friedrich Hölderlin verdient es wieder einmal erwähnt zu werden. Beim Durchhören der Ligeti Edition bin ich auf diese Vertonung des Gedichtes Hälfte des Lebens gestossen, die in den drei Phantasien nach Hölderlin enthalten ist.


    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Und noch zwei Erwähungen für den Jubilar. Der etwas in den Hintergrund geratene österreichische Komponist Josef Matthias Hauer (*1883 - † 1959), bekannt geworden durch Streitereien in Zusammenhang mit der Urheberschaft der Zwölftonmusik, war ein offensichtlich begeisterer Hölderlinleser.


    Zuerst einmal seine Klavierstücke mit Überschriften nach Worten von Friedrich Hölderlin in der Ersteinspielung mit Herbert Henck:



    und dann noch seine Hölderlin Lieder für Tenorstimme und Klavier op.6, op. 12 und op.23 und aus den opp. 21,32 und 40. (Steffen Schleiermacher spielt hier die oben erwähnten Stücke für Klavier solo noch einmal separat ein.).



    Deine Tube liefert da auch einiges.


    aus der erwähnten CD das op. 23 (Abendphantasie, Der gefesselte Strom, Des Morgens , An die Parzen)



    aber auch mit Sopranstimme:


    und eines der sprachlich einzigartigen Gedichte Hölderlins noch am Ende:


    An die Parzen


    Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen!

    Und einen Herbst zu reifem Gesange mir,

    Daß williger mein Herz, vom süßen

    Spiele gesättiget, dann mir sterbe.


    Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht

    Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht;

    Doch ist mir einst das Heil’ge, das am

    Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen,


    Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt!

    Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel

    Mich nicht hinab geleitet; Einmal

    Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht

  • Noch ein bedeutender Komponist, der sich des Werkes unseres Jubilars angenommen hat und bisher noch nicht erwähnt wurde. György Kurtág (*1926) mit seinen Hölderlin Gesängen für Bariton (1993 -1997)


    Zwei Beispiele


    Im Walde

    Aber in Hütten wohnet der Mensch, und hüllet

    sich ein ins verschämte Gewand, denn inniger

    ist achtsamer auch und daß er bewahre den Geist,

    wie die Priesterin die himmlische Flamme,

    dies ist sein Verstand.

    Und darum ist die Willkür ihm und höhere Macht

    zu fehlen und zu vollbringen dem Götterähnlichen,

    der Güter gefährlichstes, die Sprache dem Menschen

    gegeben, damit er schaffend, zerstörend, und

    untergehend, und wiederkehrend zur ewiglebenden,

    zur Meisterin und Mutter, damit er zeuge, was

    er sei geerbet zu haben, gelernt von ihr, ihr

    Göttlichstes, die allerhaltende Liebe.




    Schöner finde ich die Interpretation von Kurt Widmer in dem folgenden Album, was leider auf jpc nicht zu haben ist.


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    und als zweites Beispiel ein Gedicht von Paul Celan (einer der wichtigsten Lyriker deutscher Sprache im 20. Jahrhundert) über das Verstummen bei Hölderlin


    TÜBINGEN, JÄNNER

    Zur Blindheit über-

    redete Augen.

    Ihre – „ein

    Rätsel ist Rein-

    entsprungenes“ –, ihre

    Erinnerung an

    schwimmende Hölderlintürme, möwen-

    umschwirrt.

    Besuche ertrunkener Schreiner bei

    diesen

    tauchenden Worten:

    Käme,

    käme ein Mensch,

    käme ein Mensch zur Welt, heute, mit

    dem Lichtbart der

    Patriarchen: er dürfte,

    spräche er von dieser

    Zeit, er

    dürfte

    nur lallen und lallen,

    immer-, immer-

    zuzu.

    („Pallaksch. Pallaksch.“)



    [Paul Celan: Sämtliche Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe, herausgegeben und kommentiert von Barbara Wiedemann. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005. S. 133]


    auch hier noch einmal in der Vertonung von Kurtág