"Wie aus der Ferne längst vergang'ner Zeiten..." - Live erlebte Opernaufführungen, an die man sich heute noch erinnert

  • Diese "Karmeliterinnen" sind allerdings lange an mir vorbeigelaufen, ich habe erst Mitte der "Einser" Jahre eine Aufführung gesehen , als die Gattin des langjährigen Intendanten nicht mehr mit von der Partie war. Frau van der Weth dann vermutlich auch nicht mehr, oder?

    Das Stück lief von 1995 bis 1998 jede Spielzeit, da hat von der Weth alle Vorstellungen gesungen. Im September 2000 gab es eine Wiederaufnahme, da hat Fionnuala McCarthy die Partie übernommenen. Dann gab es in Juni 2004 eine Wiederaufnahme-Serie, wiederum mit McCarthy (ab hier war Armstrong nicht mehr mit von der Partie). Die letzte Wiederaufnahme erlebte die Produktion im Februar 2011, hier wurde die Blanche von Rachel Harnisch gesungen.

  • Vielen Dank für die neuen Erinnerungen. Ich bin ebenfalls in der Pavarotti-Tosca gewesen. Ich denke, der Stimmenliebhaber hat in Bezug auf den zu frühen Einsatz im 3. Akt Recht. Ansonsten gibt es nichts zu ergänzen. Vielen Dank auch an den Melomanen. Pavarotti hat sicher respektabel gesungen, gab aber körperlich ein trauriges Bild ab und war insgesamt ein Schatten seiner selbst. Die Messlatte hatte er in den 80er Jahren sehr hoch gelegt, als er sich in der legendären Lievestrank-Serie und als Rodolfo in Topform präsentiert hatte. Dennoch bin ich froh, dass ich ihn noch live als Cavaradossi erlebt habe.

  • Noch ein Beitrag zum heutigen 83. Geburtstag von Kammersänger Siegfried Vogel: Mein bereits erwähnter inzwischen verstorbener Westberliner Opernbekannter schwärmte mir auch immer von seinen Besuchen von Richard-Strauss-Opern vor, erliebte die "Elektra" in der Deutschen Oper Berlin so sehr wie "Die schweigsame Frau" in der Komischen Oper Berlin. Die "Elektra" war gleich beim ersten Ansteh-Gespräch Thema und ich bin noch im September 1991 (als 17-Jähriger) erstmals in die "Elektra" gegangen. Vorher habe ich mir das Textbuch desn antiken Stoffes durchgelesen und malte mir die hehrsten klassischen Klänge aus. Was ich dann erlebte, war die erste große Opernenttäuschung meines Lebens: unsäglicher Lärm des Orchesters, dazwischen keifende Frauenstimmen, bei denen man so gut wie kein Wort Text verstand. Ein anderer Opernbekannter meinte Jahre später zu mir: "Jones und Hass kreischten um die Wette, dass man gar nicht mehr wusste, wer wer ist." Mein Bedarf nach Richard Strauss war jedenfalls erstmal gestillt und ich wollte von diesem Komponisten nichts mehr sehen. Trotzdem schwärmte mir mein Opernbekannter weiterhin von der "Schweigsamen Frau" an der Komischen Oper Berlin vor, zumal die Musik ganz anders sei als bei "Elektra" - monatelang schwärmte er mir von der Produktion vor ("Eine Mielitz-Inszenierung."- Ich wusste überhauüt nicht, wer Frau Mielitz ist und hatte noch nie etwas von ihr gesehen, was sich dann ändern sollte...) und ein halbes Jahr nach meinem "Elektra"-Debakel hatte er mich so weit: im März 1992 ging ich zum ersten Mal die "Die schweigsame Frau" an der Komischen Oper und war begeistert. Hier wurde richtig Theater gespielt und man verstand geradezu jedes Wort. Herrlich die Komödianten: Christiane Oertel, Magda Nador, Hans-Otto Rogge, Wolfgang Babl bzw. Horst-Dieter Kaschel und Hans-Martin Nau. Gut das junge paar mit Isolde Siebert und Stephan Spiewok, sehr gut gefiel mir auch Andreas David als Barbier, während die Ruth Schob-Lipka als Haushälterin gesangsästhetisch jenseits des Erträglichen fand, obwohl sie großartig spielte. Mein Star der Aufführung war aber Siegfried Vogel als Sir Morosus - einfach wunderbar, das seebärige. launische, aber auch zerbrechliche und schließlich der wunderbare Schlussmonolog "Wie schön ist doch die Musik, aber wie schön erst, wenn sie vorbei ist."

    An diesem Abend im März 1992 wurde ich zum Strauss-Fan, zum Vogel-Fan und zum Fan der Komischen Oper Berlin. Einen Monat später erlebte ich an der Berliner Staatsoper meine erste "Salome" (mit Cynthia Makris, Ute Trekel-Burckhardt, Reiner Goldberg und Ekkehard Wlaschiha), die mir als Werk zwar besser als die "Elektra", aber weniger gut als "Die schweigsame Frau" gefiel. Im Juni folgte an der Staatsoper mein erster "Rosenkavalier", auch mit Vogel als Ochs, aber die Länge des Stückes, die langen Frauenszenen, das langweilte mich schon weit mehr als "Die schweigsame Frau" - für den "Rosenkavalier" brauchte ich noch drei Jahre, bis der Knoten platze. Im Oktober 1992 sah ich an der Staatsoper meine ersten "Ariadne"-Vorstellngen und diese Oper gefiel mir außerordentlich. Aber "Die schweigsame Frau" war mein Schlüsselerlebnis bei Richard Strauss und ich besuchte diese Mielitz-Inszenierung fortan beinahe monatlich, eigentlich immer, wenn die noch kam (sie war immer ziemlich ler, es ist kein massenkompatibles Werk) - Ende 1992 ging sie leider vom Spielplan runter, ich habe sie "nur" noch 5x erleben können und jeden dieser Abende sehr genossen. Als Siegfried Vogel dann im Jahr 2001 eine Serie Morosus an der Semperoper Dresden sang, bin ich natürlich mehrfach hin und war mehrfach drin. So gut wie Anfang der Neunziger an der Komischen Oper war er da nicht mehr, die Partie ist ja auch sehr anspruchsvoll, außerdem fehlte in der großen Semperoper die Intimität für dieses Konversations- und Kammerstück, zumindest oben im Rang, trotzdem freute ich mich sehr, Vogel in dieser Rolle wiedererleben zu können. Er ist zweifellos der Strauss-Bass meines Lebens (als Ochs, Waldner, Morosus und La Roche).


    Hier kann man die Tonspur der Premiere vom März 1991 (ein Jahr vor meiner Live-Erstbegegnung) an der Komischen Oper Berlin nachhören:



    Ohne dieses positive Erlebnis der "Schweigsamen Frau" im März 1992 wäre ich nie und nimmer in den "Blaubart" im April/Mai und Juli 1992 gegangen, über den ich ja schon berichtete. Im November 1989 hatte ich dort nämlich einen derart miesen "Freischütz" erlebt, dass ich das Haus erst einmal für mehr als zwei Jahre gemieden hatte, eben bis zur "Schweigsamen Frau" im März 1992. Ab da war ich dann eigentlich für die nächsten Jahre Stammbesucher des Hauses.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Einen großen Dank an die gestrigen Schreiber, es ist mir eine große Freude, diese höchst unterschiedlichen Berichte lesen zu dürfen!


    "Die Walküre" (Premiere), Wiener Staatsoper, 2. Dezember 2007


    Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst

    Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf

    Ausstattung: Marianne und Rolf Glittenberg


    Siegmund: Johan Botha

    Hunding: Ain Anger

    Wotan: Juha Uusitalo (2. Aufzug) / Oskar Hillebrandt (3. Aufzug)

    Sieglinde: Nina Stemme

    Brünnhilde: Eva Johansson

    Fricka: Michaela Schuster

    Helmwige: Amanda Mace

    Gerhilde: Caroline Wenborne

    Ortlinde: Alexandra Reinprecht

    Waltraute: Aura Twarowska

    Siegrune: Sophie Marilley

    Rossweiße: Cornelia Salje

    Grimgerde: Daniela Denschlag

    Schwertleite: Zoryana Kushpler


    Als sich Ioan Holenders Amtszeit an der Wiener Staatsoper dem Ende entgegen neigte, plante er einen neuen "Ring des Nibelungen". Mit Wagners Tetralogie hatte er in der Spielzeit 1992/93 bereits seine Direktion begonnen, die Inszenierung von Adolf Dresen war beim Publikum eher mäßig beliebt, so dass es sich anbot, das Werk in der eigenen Direktion noch einmal anzugehen und so seinem Nachfolger ein bisschen Wind aus den Segeln zu nehmen, da dieser dann natürlich keinen neuen "Ring" planen konnte. Immerhin verpflichtete er mit Franz-Welser Möst als musikalischen Leiter denjenigen Dirigenten, der als GMD der neuen Intendanz eine neue Ära an der Wiener Staatsoper prägen sollte - dass es dazu letztlich nicht kam, ist eine andere Geschichte.

    Es geisterten viele Namen für einen neuen Ring-Regisseur umher, schließlich wurde es Sven-Eric Bechtolf, der gemeinsam mit seinem Kumpel Welser-Möst schon eine nicht besonders spannende "Arabella" am Haus am Ring herausgebracht hatte. Die Besetzung des neuen "Ringes" veröffentlichte Holender frühzeitig und medienwirksam und fügte mit der ihm eigenen Bescheidenheit hinzu, dass man den "Ring" so gut wie in Wien in der nächsten Zeit wohl nirgendwo hören werde.

    Begonnen wurde das Projekt nicht etwa mit dem "Rheingold", sondern mit der "Walküre", der Vorabend war als letzte Premiere der Tetralogie geplant. Entsprechend groß war die Spannung vor dieser Premiere an einem kalten Dezembertag. Als sich der Vorhang über Hundings Hütte hob, sah man ein ziemlich elegant eingerichtetes salonartiges Zimmer. In einer Videoprojektion sah man einen Wolf die Wände entlanglaufen. Ansonsten war szenisch wenig los - das Überlaufen eines Glases ist mir als einziges nennenswertes szenisches Ereignis in Erinnerung geblieben. Sängerisch war es freilich großartig: Nina Stemme, die die Sieglinde bereits in der vorherigen Inszenierung in einigen Repertoire-Vorstellungen gesungen hatte, war in der Form ihres Lebens, stimmlich lieferte sie eine makellose Leistung ab und machte auch die geschundene, sich nach Liebe sehnende Frau als Charakter erfahrbar. Johan Botha hätte man bei seinen Rollendebüt einen Regisseur gewünscht, der ihn bei der szenischen Interpretation des anarchischen Helden etwas mehr zur Seite gestanden hätte, aber er sang den Siegmund so unglaublich souverän, wie man es nur sehr selten erlebt. Wie er vokal die Verzweiflung aufbaute, die schließlich in den "Wälse"-Rufen kumulierte, war ganz großes Kino. Ain Anger war als Hunding den beiden Ausnahmesängern ein würdiger Partner. Welser-Möst begleitete den ersten Akt mit einem eher schlanken, kammermusikalischen Klang, der mir gut gefiel, aber nicht bei allen Besuchern Begeisterung auslöste.

    Als sich der Vorhang über dem zweiten Aufzug hob, erlebte man einen zunächst sehr zupackend singenden Juha Uusitalo und Eva Johansson, die mit ziemlich guten "Hojotoho"-Rufen aufwartete (ihre Höhe war immer ihr Kapital). Dann folgte die Szene mit Fricka, wo Uusitalo gegen die resolute Michaela Schuster vokal schon etwas ins Hintertreffen geriet, was ich aber zu diesem Zeitpunkt noch durchaus rollendeckend fand. In der folgenden Szene mit Brünnhilde begann er die Erzählung derart leise, beinahe unhörbar, dass ich mir dachte: "Der hat echt Nerven in einer Premiere, solch extreme Dynamik zu wagen!" Spätestens bei "Ich berührte Alberichs Ring!" wurde aber klar, dass die Stimme sich - besonders in der Höhe - immer mehr verabschiedete. Die folgenden Ausbrüche ("Fällen sollst du Siegmund!") konnte man gar nicht mehr hören, es kam nur noch heiße Luft. Auf die folgende Todesverkündigung konnte man sich kaum richtig konzentrieren, weil man sich die ganze Zeit fragte, wie dieser Abend wohl weitergehen sollte.

    Die Pause vor dem dritten Aufzug war dann auch ziemlich lang, alle fragten sich, was jetzt passieren würde. Als das Publikum wieder in den Saal zurückkam, trat Holender vor den Vorhang. In seiner Autobiographie "Ich bin noch nicht fertig" hat er beschireben, dass er bereits zu Hause war, weil er an diesem Abend irgendwie keine Lust auf "Walküre" hatte, ehe er, als sich Uusitalos Stimme verabschiedete, von seinem sich damals noch im zarten Teenager-Alter befindlichen Sohn Liviu wieder ins Theater zurückgerufen worden war. Holender hielt eine seiner launigen Reden vor dem Vorhang und rechtfertigte sich, man habe mit Uusitalo ja keinen Sänger aus Kirgisistan verpflichtet, sondern jemanden, der die Partie bereits unter Zubin Mehta gesungen habe, was ihm einige hämische Zwischenrufe aus der Galerie einbrachte. Er habe, sagte Ioan Holender, sich gefragt, was er jetzt tun könne und den einzigen ihm bekannten gesungenen und noch aktiven Wotan, der in Wien lebe, angerufen. Dieser sei aber nicht zu Hause gewesen. Daraufhin habe er ihn auf seinem Handy angerufen und ihn an einem Imbiss am Westbahnhof angetroffen, wo er sich gerade eine Pizza gekauft habe. Er habe aber Kammersänger Oskar Hillebrandt davon überzeugen können, sofort ins Theater zu kommen und den letzten Akt von der Seite singend, zu Ende zu bringen. ("Um Gotteswillen!" tönte es von einigen notorischen Nörglern am Stehplatz.) Einige Worte zu Oskar Hillebrandt, der im Jahre 2007 immerhin auch schon 64 Lenze zählte: Er war ein durchaus zuverlässiger Sänger im Charakterfach mit einer Stimme, die nicht jedem gefiel. Kam es zu kurzfristigen Absagen, sprang er aber durchaus auch mal als Hans Sachs an großen Häusern wie der Deutschen Oper Berlin oder der Staatsoper Hamburg ein, was dann nicht jeden erfreute. Niemand wäre auf die Idee gekommen, ihn regulär an der Wiener Staatsoper als Wotan zu besetzten, noch dazu in einer Premiere, aber die kurzfristige Bereitschaft, diesen Abend zu retten, nötigte doch den meisten Anwesenden großen Respekt ab. Und so sang er dann auch den dritten Akt, zwar mit einigen Schmissen, aber doch anständig, insbesondere, wenn man bedenkt, dass er ja noch um 20.00 gar nichts wusste, dass er an diesem Abend noch singen muss.

    Am Schluss dankte ihm das Publikum mit sehr herzlichen Beifall. Stemme und Bohta wurden gefeiert, Welser-Möst erhielt eher zurückhaltende Zustimmung, während die Inszenierung auf heftige Ablehnung stieß: Den einien war die optische Seite mit Video und Krankenhausbetten viel zu modern, den anderen war das ganze schlicht und ergreifend zu langweilig. Fairerweise muss man aber sagen, dass sich die Inszenierung bis heute im Repertoire gehalten hat und das auch noch die nächsten Jahre der Fall sein wird. In der zweiten Vorstellung übernahm Terje Stensvold den Wotan, ab der dritten sang der wieder genesene Juha Uusitalo, der später in der Presse erklärte, dass ihn an diesem Abend eine plötzlich aufgetretene Virus-Erkrankung die Stimme geraubt habe.

    Um Uusitalo ist es heute still geworden. Nach einer schweren Tumorerkrankung musste er seine große internationale Karriere vor einigen Jahren beenden. In seiner Heimat Finnland tritt er aber im Rahmen kleinerer Konzerte noch hin und wieder auf. Der wackere Oskar Hillebrandt wurde für sein Einspringen von Holender mit einigen Gastverträgen belohnt, allerdings nicht als Wotan oder Sachs, sondern als Faninal und Musiklehrer.


  • Das Thema dieses Threads heißt ja:

    "Wie aus der Ferne längst vergang'ner Zeiten..." - Live erlebte Opernaufführungen, an die man sich heute noch erinnert

    Ich hoffe, man nimmt mir nicht übel, wenn ich, entgegen des vorgegebenen Themas, von zwei Opernaufführungen berichte,

    an die ich mich eigentlich so gut wie gar nicht mehr erinnern kann. Ich mache es deshalb auch ganz kurz:

    Außer ein paar Besuchsreisen ab 1986, war es mir ja bis zum November 89 nicht vergönnt, das "westliche Ausland" zu betreten.

    Als dies dann möglich wurde, war ich natürlich neugierig, wie es denn in der Deutschen Oper Berlin (West) zugeht, wollte dort unbedingt

    auch mal Vorstellungen besuchen. Ich habe dann dort La Bohéme und die Tosca erlebt.

    Ich meine, es war am 9. Nov. 90 (???), ein Jahr nach der Maueröffnung, daß ich eine dieser beiden Opern dort zuerst gesehen habe.

    Irgenwann später dann die andere. Natürlich hatte ich große Erwartungen, aber diese wurden nicht erfüllt.

    Das Opernhaus ein großer häßlicher Betonklotz, der Zuschauerraum wie ein großer Kinosaal und die Solisten in beiden Opern -

    keinen Namen habe ich mir gemerkt, denn da hat mich niemand vom Sitz gerissen!

    Jedenfalls keiner annähernd qualitativ vergleichbar mit seinerzeit Orofino /Casapietra, bzw. Orofino /Tomowa - Sintow in der Staatsoper.

    Die Inszenierungen müssen wohl aber akzeptabel gewesen sein, denn wenn es für mich negativ gewesen wäre, hätte ich mir das gemerkt.

    Alles in allem aber - kein Vergleich mit der Deutschen Staatsoper.


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Verdi: Don Carlo, Wiener Staatsoper, 3. März 2006

    Musikalische Leitung: Renato Palumbo

    Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme: Pier Luigi Pizzi

    Chorleitung: Ernst Dunshirn


    Filippo II.: Ferruccio Furlanetto

    Don Carlo: Fabio Armiliato

    Rodrigo: Roberto Frontali

    Il Grande Inquisitore: Stefan Kocán

    Un frate (Carlo V.): Janusz Monarcha

    Elisabetta: Daniela Dessì

    Eboli: Dolora Zajick

    Tebaldo: Laura Tatulescu

    Conte di Lerma: Hans Peter Kammerer

    Un aroldo reale: Hans Peter Kammerer

    Voce dal cielo: Simina Ivan

    Flandrische Deputierte: Josef Pogatschnig, Hannes Lichtenberger, Wolfgang Equiluz, Friedrich Springer, Gerhard Panzenböck, Josef Stangl, Mario Steller, Michael Kuchar


    Der Grund, wieso diese Repertoire-Vorstellung der zwischen 1989 und 2009 insgesamt 89-mal aufgeführten Inszenierung des Don Carlo in diesem Zusammenhang erwähnenswert erscheint, ist vor allem ein persönlicher, handelte es sich dabei doch um meine erste bewusst erlebte Opernaufführung. Opern hatte ich bis dato nur per Tonträger gehört. Verdis Don Carlo hatte mich auch unter historischen Gesichtspunkten von Anfang an fasziniert. Das Video der Salzburger Inszenierung des greisen Karajan von 1986 hatte mich nachhaltig geprägt. Da war es ein glücklicher Umstand, dass ich mit der damaligen Inszenierung an der Wiener Staatsoper von Pier Luigi Pizzi eine recht stark an diese Ästhetik angelehnte Produktion erleben durfte, noch dazu gar auf sehr gutem Platz in einer Mittelloge im ersten Rang. Damals war ich jung und wenig erfahren, weswegen ich mir nach anderthalb Jahrzehnten keine wirkliche stimmliche Bewertung mehr zutraue. Was mir aber noch durchaus in Erinnerung geblieben ist, dass Ferruccio Furlanetto absolut herausragte. Er sang den Filippo bereits 20 Jahre zuvor unter Karajan, damals noch sehr jugendlich, 2006 deutlich gereift und letztlich auch rollendeckender. Die übrige Besetzung kam ohne die ganz großen Namen aus, was mir zumal damals völlig egal war. Das Gesamterlebnis war bezwingend, selbst wenn vielen diese 2009 abgesetzte Inszenierung schon seinerzeit altmodisch und starr vorgekommen sein dürfte. Das passte für das steife spanische Hofzeremoniell ja andererseits auch. Als absolutes Highlight habe ich noch heute das Autodafé vor Augen, das theatralisch und effektvoll in Szene gesetzt wurde. So etwas prägt natürlich. Die Wiener Staatsoper leistete sich in dieser Zeit den Luxus, parallel noch die französischsprachige Fassung Don Carlos in der Inszenierung von Peter Konwitschny laufen zu haben (2004-2013). Ich habe noch die Worte meiner damaligen Begleitung im Ohr, die diese Produktion scheußlich fand. Bis heute habe ich mit dieser Oper auf Französisch auch ein Problem, obwohl ich französische Opern ansonsten liebe. Wohl doch Prägung.


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    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich meine, es war am 9. Nov. 90 (???), ein Jahr nach der Maueröffnung, daß ich eine dieser beiden Opern dort zuerst gesehen habe.

    Am 9.11.1990 erlebte ich in der Deutschen Oper Berlin die zweite "Tosca" meines Lebens. Die erste "Tosca" hatte ich im Frühjahr an der Staatsoper Berlin erlebte (mit Ludmilla Magomedowa in der Titelpartie, ihrem Vater Wladislaw Piawko als ihrem Geliebten Cavaradossi und Theo adam als Scarpia.


    Am 9.11.1990 gab es in der Deutschen Oper Berlin folgende Besetzung zu ereben:


    Zitat

    1990-11-09 Tosca (Dirigent Anton Guadagno – Tosca Natalia Troitskaya; Cavaradossi Niccola Martinucci, Scarpia Ingvar Wixell, Angelotti Tomislav Neralić, Messner Manfred Röhrl, Spoletta Bengt-Ola Morgny, Sciarrone Miomir Nikolić, Schließer Klaus Lang, Stimme des Hirten 3 Schöneberger Sängerknaben)


    Ich weiß nur noch, dass ich insgesamt sängerisch, orchesteral und gerade auch von der Inszenierung her (die Mprgendämmerung mit dem Petersdom im Hintergrund) sehr angetan war, mindestens ebenso beeindruckt wie bei meiner ersten "Tosca" in der Staatsoper Berlin.


    Jedenfalls keiner annähernd qualitativ vergleichbar mit seinerzeit Orofino /Casapietra, bzw. Orofino /Tomowa - Sintow in der Staatsoper.

    Ob Herr Martinucci wirklich so viel schlechter gewesen sein soll als Herr Orofino, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass Herr Martinucci ein mindestens ebenso international erfolgreicher Tenor war, vermutlich sogar weit mehr gebucht (in Verona und überall, wo sonst italienische Oper gespielt wurde. Die Wiener Staatsoper hat ja ein sehr gutes Archiv, da kann man ja mal vergleichen, wer dort wie viele Abende gesungen hat. Bei der New Yorker MET ebenso.


    Für die Wiener Staatsoper habe ich gerade mal nachgeschaut:

    Martinucci: 36 Vorstellungen in 5 Partien

    Orofino: 2 Abende in 2 Partien (also keine Partie dort wiederholt)

    Alles in allem aber - kein Vergleich mit der Deutschen Staatsoper.

    Auf alle Fälle war Ingvar Wixell als Scarpia besser als Theo Adam. Aber wenn ich natürlich eine neue Gaststätte betrete, die mir von außen nicht gefällt, und schon vorher weiß, dass das andere Essen mir nicht so gut schmecken wird wie das gewohnte Essen, dann wird mir das andere Essen nicht so gut schmecken wie das gewohnte Essen...


    Ich habe jedenfalls in beiden großen Berliner Opernhäusern sehr viele Vorstellungen erleben dürften und könnte pauschal nicht sagen, wo es besser war. Tendenziell habe ich das deutsche Fach lieber an der Staatsoper (zumindst, als dessen angestammtes Ensemble Anfang der Neunziger noch darin auftrat) und das italienische Fach lieber an der Deutschen Oper Berlin erlebt, aber auch das stimmt durchgängig nicht.

    Der Grund, wieso diese Repertoire-Vorstellung der zwischen 1989 und 2009 insgesamt 89-mal aufgeführten Inszenierung des Don Carlo in diesem Zusammenhang erwähnenswert erscheint, ist vor allem ein persönlicher, handelte es sich dabei doch um meine erste bewusst erlebte Opernaufführung.

    Eine ungewöhnliche Einsteigeroper! ^^

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Beide Inszenierungen giibt es sogar noch. Die Bohème war damals noch recht neu. Die Tosca ist aus dem Jahr 1969 und hat inzwischen über 400 Vorstellungen hinter sich. Ich muss dem Stimmenliebhaber in allen Punkten Recht geben. Wixell hatte damals sicher seinen Zenit überschritten, war in der Rolle aber eine Institution. Martinucci habe ich einige Male gehört. Er war einer der besseren Repertoire-Tenöre. Troitskaya war allerdings nicht mein Fall. Ich sehe morgen mal nach, ob ich vielleicht auch in dieser Vorstellung gewesen bin. Vielen Dank auf jeden Fall für die Erinnerungen.

  • Beide Inszenierungen giibt es sogar noch. Die Bohème war damals noch recht neu. Die Tosca ist aus dem Jahr 1969 und hat inzwischen über 400 Vorstellungen hinter sich. Ich muss dem Stimmenliebhaber in allen Punkten Recht geben. Wixell hatte damals sicher seinen Zenit überschritten, war in der Rolle aber eine Institution. Martinucci habe ich einige Male gehört. Er war einer der besseren Repertoire-Tenöre. Troitskaya war allerdings nicht mein Fall. Ich sehe morgen mal nach, ob ich vielleicht auch in dieser Vorstellung gewesen bin. Vielen Dank auf jeden Fall für die Erinnerungen.

    Hallo, KM Storch

    Vielen Dank für Deine Antwort. Ich möchte nochmal auf meinen Bericht von der DOB zurückkommen.

    Ich habe keine genauen Erinnerungen an die Daten. Wie ich schrieb - ich meine, es war am 9. Nov. 90.

    Ich war Anfang der 90er Jahre mit Freunden mehrmals in Berlin und bin mir relativ sicher, daß wir an diesem Tag,

    wegen dem einjährigen Mauerfall, da waren. Ich halte es für möglich, daß wir da auch an diesem Tag in der DOB waren,

    weiß es aber nicht mehr sicher. Ist auch letztlich egal. Wie ich schrieb, erinnere ich mich, daß ich an beiden Inszenierungen nichts

    auszusetzen hatte. Und was die Gesangssolisten betrifft - ich habe keinen schlecht gemacht, konnte und kann aber auch keinen loben und hervorheben.

    Du bemerkst - Martinucci, war ein guter Repertoire Tenor. Ja, genau das meine ich wenn ich sage - mich hat keiner vom Sitz gerissen.

    Beide Vorstellungen waren für mich reine normale Repertoire Vorstellungen mit einem Niveau, wie man das auf jeden Fall von solch einem

    Haus erwarten darf - aber ganz sicher nicht mehr und schon gar nicht ein bleibend haftender Höhepunkt!

    Und man muß mir schon meine Meinung zugestehen, wenn ich behaupte, daß ich an der Staatsoper bis 1985 beide Opern weitaus besser erlebt habe.

    Da habe ich sehr viele gute, manifestierte, nachhaltige Erinnerungen daran, während von den beiden Aufführungen in der DOB, bei mir nichts

    haften geblieben ist.


    Herzliche Grüße

    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Nun ist es freilich ein Unterschied, ob man die der "Kapellmeister Storch" hunderte Abende an beiden großen Berliner Opernhäusern erlebt hat oder insgesamt nicht viel mehr als zehn verschiedene Inszenierungen in Berlin, davon in einem Haus ganze zwei Vorstellungen. Ich maße mir jedenfalls nicht an, das Niveau der Wiener Staatsoper zu beurteilen, weil ich da insgesamt gerade mal vier Vorstellungen gesehen habe.


    Da habe ich sehr viele gute, manifestierte, nachhaltige Erinnerungen daran, während von den beiden Aufführungen in der DOB, bei mir nichts

    haften geblieben ist.

    Dann gehören sie gemessen am Rubriktitel eigentlich gar nicht in diese Rubrik, nicht wahr?

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Der Grund, wieso diese Repertoire-Vorstellung der zwischen 1989 und 2009 insgesamt 89-mal aufgeführten Inszenierung des Don Carlo in diesem Zusammenhang erwähnenswert erscheint, ist vor allem ein persönlicher, handelte es sich dabei doch um meine erste bewusst erlebte Opernaufführung.

    Ich war in der selben Serie damals, wenn auch nicht am 3.3., sondern am 7.3. Bei mir hatte Zajick in dieser Aufführung den größten Eindruck hinterlassen, sie stand stimmlich noch voll im Saft und der Jubel nach "O don fatale" war atemberaubend. Furlanetto, das muss ich zugeben, war nie mein großer Favorit, da er zwar immer sehr stilsicher sang, aber doch auch immer ein bisschen zu larmoyant. Gerade sein Philipp litt in meinen Augen doch arg unter dieser Weinerlichkeit. Mir waren damals Salminen und auch Pape, der zu diesem Zeitpunkt anfing, immer mehr in die Partie hineinzuwachsen, deutlich lieber. Dessì hatte auch einen guten Abend, wenn ich mich recht erinnere, Armiliato und Frontali hingegen weniger. Palumbo empfand ich damals für eine Repertoire-Aufführung einer Verdi-Oper als ok, es wird aber sicher noch ein Bericht hier folgen, der sich mit einer Vorstellung beschäftigen wird, bei der er bei einem Stück aus dem deutschen Repertoire ganz im Mittelpunkt gestanden hat. (Die Berliner unter uns werden wissen, was ich meine.)

    Kurz zur Inszenierung: Für mich war das damals ein Kulturschock, so etwas kannte ich aus Berlin nicht. Auch die alten Inszenierungen hatten (und haben bis heute, so sie sich noch im Repertoire befinden) eine irgendwie geartete Personenführung. Ein solches Arrangement in Pappmaché-Bühnenbildern, die außer Auf- und Abtritten keine Bewegung kannte, war mir fremd und entsprechend schockiert war ich. (Das gleiche galt für den Maskenball am selben Ort, den ich einige Tage später erlebte.) Ich kann mich allerdings sehr gut erinnern, dass auch konservative Wiener Operngeher damals über das szenische Arrangement schimpften, nicht, weil sie Konwitschnys Inszenierung der französischen Fassung, die ich ein Jahr später in Wien sah und die großen Eindruck auf mich machte, mehr schätzten, sondern, weil sie der Vorgänger-Inszenierung von Otto Schenk nachtrauerten.


    Martinucci habe ich einige Male gehört. Er war einer der besseren Repertoire-Tenöre.

    Ich habe Martinucci als Radamès und als Cavardossi erlebt und fand ihn immer mehr als ordentlich. Neulich habe zufällig ein youtube-Video einer "Tabarro"-Aufführung aus der Mailänder Scala mit ihm als Luigi, Cappuccilli als Michele und Sylvia Sass als Giorgetta angeschaut und mir gedacht: Mein Gott, wenn es heute so einen Spinto für den Repetoire-Alltag gäbe! Das Video ist von 1983, noch 2002 erlebte ich ihn sehr ordentlich als Cavaradossi. Welcher italienische Tenor singt heute noch über so lange Zeit an so großen Häusern?

  • Das ist alles sehr interessant. Ich gebe Stimmenliebhaber diesmal zweimal recht, einmal für die Schilderung des "Ritter Blaubarts" in der hervorragenden Felsenstein-Inszenierung. Wie enttäuscht war ich über die kürzliche Wiederauflage dieser Oper an der KOB, da war nichts , aber auch gar nichts wiederzuerkennen, das war eine einzige Persiflage. Das zweite Mal für die Bewertung der "Tosca" an der Deutschen Oper Berlin.

    Ich weiß nur noch, dass ich insgesamt sängerisch, orchesteral und gerade auch von der Inszenierung her (die Mprgendämmerung mit dem Petersdom im Hintergrund) sehr angetan war, mindestens ebenso beeindruckt wie bei meiner ersten "Tosca" in der Staatsoper Berlin.

    Die "Tosca" von Carl Riha an der Staatsoper habe ich in den siebziger Jahren schätzen gelernt. Dirigent war damals Arthur Apelt, den habe ich mir nur gemerkt, weil ich enttäuscht war, dass es nicht Suitner ist, die Sänger/innen habe ich nicht mehr in Erinnerung. Diese Inszenierung habe ich dann noch mal im Jahre 2014 erleben dürfen und mich dabei an die gute alte Zeit erinnert. Sie steht aber der Aufführung an der Deutschen Oper Berlin in nichts nach. Es ist doch kein Wunder, dass sie sich immer noch seit 1966 auf dem Spielplan befindet. Jetzt im Januar war Anja Harteros in der Hauptrolle besetzt, besser geht es eigentlich nicht. Kostüme, Bühnenbild und Handlungsablauf sind zeitgerecht. Was will man heute mehr? Das Gleiche trifft in etwa auch auf die "Bohéme" zu. Die Inszenierung von Friedrich geht wahrlich unter die Haut, wenn man kein ganz Hartgesottener ist.

    Das Opernhaus ein großer häßlicher Betonklotz, der Zuschauerraum wie ein großer Kinosaal und die Solisten in beiden Opern -

    keinen Namen habe ich mir gemerkt, denn da hat mich niemand vom Sitz gerissen!

    Jedenfalls keiner annähernd qualitativ vergleichbar mit seinerzeit Orofino /Casapietra, bzw. Orofino /Tomowa - Sintow in der Staatsoper.

    Widerspruch, lieber chrissy. Sicher ist die DOB von außen kein Blickfang. Das kann man bei dem Baujahr auch nicht erwarten und wenn ich in die Oper gehe, interessiert mich die Fassade null. Bei aller DDR-Nostalgie, ich komme auch von dort, aber funktional ist die DOB das beste der drei Häuser. Sie hat den größten Saal, die größte Bühne und man hat von allen Plätzen die volle Sicht. In der Staatsoper kann ich nur von den wirklich teuren Plätzen die ganze Bühne sehen, ein sehr großer Teil ist sichtbehindert, das gibt es auch an der KOB in etwas kleinerem Umfang. Etatmäßg wird die Staatsoper bevorzugt, das spielt deutlich eine Rolle bei der Orchestervergütung, kann sich aber auch in besserer Sängerbesetzung niederschlagen. Ich brauche allerdings keinen alternden Domingo und im übrigen hat die DOB in den letzten Jahren einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht auch bei den Sänger/innen.

    :hello:

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Die "Elektra" war gleich beim ersten Ansteh-Gespräch Thema und ich bin noch im September 1991 (als 17-Jähriger) erstmals in die "Elektra" gegangen

    Also bist Du 1974 geboren. Damit wirst Du mir aber zugestehen müssen, daß Deine Erfahrungen über musikalische Höhepunkte an der Staatsoper in Ostberlin in eine Zeit fallen müssen, die doch noch stark kindlich geprägt ist. Entschuldige bitte, wenn ich die Erfahrungen von Chrissy an diesem Hause (die aus den 70- er und 80-er Jahren stammen) anders einzuschätzen weiß.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich habe an der Berliner Staatsoper 1981 "Hänsel und Gretel" gesehen und dann ab 1989 das gesamte(!) Repertoire. Nicht nur eine einstellige Anzahl von Inszenierungen. "Chrissys" Erfahrungen sollte man in der Tat anders einschätzen. Weder ist mir bei meinen umfangreichen Besetzungsrecherchen eine Aufführung mit Frau Ricciarelli begegnet noch die hier gerade erst wieder behauptete Kombination Casapietra/Orofino in irgendeiner "Tosca"-Vorstellung. Und die Kombination Tomowa/Orofino habe ich mir zumindest auf Video angeguckt und weiß daher, dass sie nicht so überragend war wie manches andere, was ich später selbst erleben durfte. Tomowa habe ich noch mehrfach als Tosca erlebt, Adam auch einmal als Scarpia.


    Zu Orofino und seiner Cavaradossi-Arie im Rahmen der "Gala Unter den Linden" habe ich alles geschrieben, was zu schreiben war, siehe Rubrik zur Cavaradossi-Arie.


    E lucevan le stelle


    Und alle anderen Berliner Opernstammbesucher wie "timmiju" oder "Kapellmeister Storch" meinen mir Recht geben zu müssen.


    Insofern wird wohl jeder Leser deinen Beitrag richtig einzuschätzen wissen...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Weder ist mir bei meinen umfangreichen Besetzungsrecherchen eine Aufführung mit Frau Ricciarelli begegnet noch die hier gerade erst wieder behauptete Kombination Casapietra/Orofino in irgendeiner "Tosca"-Vorstellung.

    Abgesehen davon, daß wohl jeder verstanden hat, daß ich mit meiner Bemerkung...


    Jedenfalls keiner annähernd qualitativ vergleichbar mit seinerzeit Orofino /Casapietra, bzw. Orofino /Tomowa - Sintow in der Staatsoper.

    ... die Kombination Orofino /Casapietra in der Bohéme und Orofino /Tomowa - Sintow in der Tosca meinte,

    hat Frau Casapietra tatsächlich auch die Tosca gesungen, in der ich sie auch erlebt habe.


    1980-01-29 Tosca (Dirigent Heinz Fricke – Tosca Celestina Casapietra, Hirt Carola Nossek; Cavaradossi Ruggiero Orofino, Scarpia George Ionescu, Angelotti Heinz Reeh, Mesner Peter Olesch, Spoletta Joachim Arndt, Sciarrone Erich Siebenschuh, Schließer Motomu Itzuki)


    1980-02-03 Tosca (Spielplanänderung!!!; Fricke – Casapietra, Nossek; Orofino, Ionescu, Reeh, Olesch, Arndt, Siebenschuh, Zettisch)


    Was Katja Riccarelli betrifft, so ist sie einmal überraschend eingesprungen, wahrscheinlich als Tosca. Das war so kurzfristig,

    darüber gibt es keine Aufzeichnungen. Das wurde mir in einem Telefongespräch auch ins Nachhinein bestätigt.

    Was hätte ich auch davon, so etwas zu behaupten, wenn es nicht stimmt?

    So viel zu den falschen Behauptung dieses "Immer Rechthabers und Besserwissers".

    Künftig wird es von mir keine Antworten an diesen "ach so tollen User" geben, da verspüre ich nicht die geringste Lust!

    Jegliches hat seine Zeit...

  • 1980-01-29 Tosca (Dirigent Heinz Fricke – Tosca Celestina Casapietra, Hirt Carola Nossek; Cavaradossi Ruggiero Orofino, Scarpia George Ionescu, Angelotti Heinz Reeh, Mesner Peter Olesch, Spoletta Joachim Arndt, Sciarrone Erich Siebenschuh, Schließer Motomu Itzuki)


    1980-02-03 Tosca (Spielplanänderung!!!; Fricke – Casapietra, Nossek; Orofino, Ionescu, Reeh, Olesch, Arndt, Siebenschuh, Zettisch)

    Oh, da hat jemand mal das von mir erstellte Besetzungsarchiv sinnvoll genutzt, das ist ja schön. :)

    Ich hatte falsch in Erinnerung, dass die Casapietra erst 1982 als Tosca debütiert hätte und zwischen 1982 und 1985 (dem letzten Cavaradossi von Orofino) gab es die Kombination Casapietra - Orfino tatsächlich nicht, 1980 allerdings ganz offensichtlich doch zwei Mal - schön, dass wir das faktisch nachprüfbar klären konnten.

    Was Katja Riccarelli betrifft, so ist sie einmal überraschend eingesprungen, wahrscheinlich als Tosca. Das war so kurzfristig,

    darüber gibt es keine Aufzeichnungen. Das wurde mir in einem Telefongespräch auch ins Nachhinein bestätigt.

    Was hätte ich auch davon, so etwas zu behaupten, wenn es nicht stimmt?

    Und genau diese Behauptung beweist, wie sich in deiner Erinnerung Realität und Fiktion vermischen. Frau Ricciarelli war eine Lieblingssopranistin Karajans, die stand weder logistisch noch finanziell der Staatsoper Berlin zur Verfügung, erst recht nicht als Einspringerin - und wenn doch, wäre riesengroß in den Zeitungen darüber berichtet worden (die berichteten riesengroß über alles, womit sich der sozialistische Staats schmücken konnte) und mindestens einer meiner zahlreichen Berliner Opernbekannten hätte das garantiert mitbekommen.

    "Das wurde mir in einem Telefongespräch" im Nachhinein so bestätigt." - keine Angabe zu Ort und Person am anderen Ende der Leitung, sorry, aber das ist faktisch so dünne, dass das Ganze einfach nur extrem unglaubwürdig ist.

    Künftig wird es von mir keine Antworten an diesen "ach so tollen User" geben, da verspüre ich nicht die geringste Lust!

    Da kann ich mit leben! ;)


    Ich bin mir auch nicht sicher, ob der "Melomane" diese Rubrik eröffnet hat, damit ein User darin Beiträge schreibt, die er exakt so schon mehrfach in diesem Forum geschrieben hat (kann man über die Suchfunktion des Forums nachprüfen). Dass du bezüglich Orofino einen extremen Tunnelblick hast, dürfte hier jeder (vielleicht mit Ausnahme von La Roche und in Wahrheit selbst dieser) schon bemerkt haben. Und weil diese Straße in diesem Tunnel so schmal ist, musst du jeden Meter davon immer und immer wieder wiederholen. Das ist einem seriösen Kassikforum einfach unwürdig!


    Natürlich hat Orofino seine großen Verdienste um das italienische Fach dieses Hauses und war ein sehr guter Tenor - wie es anderswo auch viele sehr gute Tenöre gab, Repertoiretenöre, Gebrauchstenöre, vergleichbar mit Giorgio Lamberti an der Deutschen Oper Berlin. Dass Orofino im Vergleich zu diesen vielen anderen Tenören überragend, ja maßstabsetzend gewesen sei, ist eben dein großer Irrtum, die vorhandenen Aufnahmen von ihm und anderen Tenören beweisen das Gegenteil. (Eine Höranalyse seiner Cavaradossi-Arie im 3. Akt habe ich verlinkt, s.o.)

    Wenn ich immer die dieselbe Gaststätte gehe und immer das Gleiche esse, welil es mir schmeckt, bin ich irgendwann überzeugt davon, dass dies das beste Essen der Welt sei. Das ist subjektiv berechtigt und auch völlig verständlich, aber objektiv Blödsinn, weil man das objektiv nur behaupten könnte, wenn man alle anderen Essen auch probiert und verglichen hätte. Deine Vergleichsbasis ist nun aber dermaßen dünne (du hast ja über Jahrzehnte, vor deiner Liberec-Phase, kaum 5 andere Tenöre vergleichend in diesem Fach erlebt, sondern bist immer nur zu Aufführungen desselben Tenors gefahren), dass es einfach lächerlich ist, objektiv anmutende Vergleiche aufstellen zu wollen. Und ein Haus und einen dort erlebten und international erfolgreicheren Tenor (Martinucci) abzuwerten, um den eigenen Liebling dadurch aufzuwerten. Wer jahrelang immer nur in 5 Inszenierungen an der Staatsoper mit ein und demselben Tenor war, wird diese für die besten halten, die es je gegeben hat. Ist ja aubjektiv völlig ok. Er muss aber damit rechnen, dass ihm andere, die vielfältigere, bereitere Erfahrungen gesammelt haben, widersprechen. Das eben der Unterschied zwischen einem Stammtisch und einem seriösen Klassikforum, aber den werden einige wohl nie begreifen.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Allerdings, sehr geehrter Stimmenliebhaber, hat Chrissy den Herrn Orofino gehört und gesehen, live und auf der Bühne. Dieser Liveeindruck war Dir nicht vergönnt. Warum ihm eine Weltkarriere nicht gelang, das haben wir nicht zu beurteilen. Ich habe ihn leider auch nie erlebt, außer bei 2-3 Auftritten im TV, und da fand ich ihn schon großartig. Ich glaube Chrissy, daß er sich auf jeden Abend in der Lindenoper gefreut hat, ob nun mit oder ohne Orofino.

    Übrigens nutze auch ich Deine Archive zur Information und freue mich daran erinnert zu werden, welche der von Dir aufgezählten hervorragenden Sänger ich auch schon erleben durfte, selbst in Gera oder Dessau, in Chemnitz und besonders in Dresden.

    Wir sollten diesen schönen Thread nicht mit persönlichen Angriffen zerschießen. Wir sind schließlich nicht beim Fußball.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich glaube Chrissy, daß er sich auf jeden Abend in der Lindenoper gefreut hat, ob nun mit oder ohne Orofino.

    Das entbehrt nun leider jeder Grundlage, denn er ist ja überhaupt nur zu Aufführungen mit Orofino hingefahren. Im Übrigen habe ich seinen (in diesem Forum nicht zum ersten Male gelesenen) Bericht über sein "Tosca"-Erlebnis am 6.3.1976 in der Staatsoper ja gar nicht weiter kommentiert, habe mich aber gemeldet, als er über eine "Tosca"-Aufführung am 9.11.1990 an der Deutschen Oper Berlin berichtete, in der ich nun zufällig auch war.

    Wir sollten diesen schönen Thread nicht mit persönlichen Angriffen zerschießen.

    Finde ich ja auch. Die persönliche Note hast allerdings gerade du in deinem Beitrag 44 ins Spiel gebracht und die ersten persönlichen Angriffe kamen dann vom User "Chrissy" in Beitrag 46 dieser Rubrik gestartet - davor war alles ganz sachlich.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Ich denke, zum Thema Orofino dürfte alles gesagt sein. Ich habe ihn nie mehr live auf der Bühne erlebt, ihn aber einmal als Gesangslehrer eines Bekannten kennen gelernt. Er war ein sehr freundlicher älterer Herr, der, obwohl schon in höherem Alter, noch sehr viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres legte und dabei durchaus einige Klischees des typischen italienischen Tenors erfüllte: dunkel gefärbte Haare, schwarzer Anzug, getönte Brillengläser...


    Nun zu meinem heutigen Text:


    "Werther", Deutsche Oper Berlin, 17. Dezember 2005


    Musikalische Leitung: Yves Abel

    Inszenierung: Sebastian Baumgarten


    Werther: Massimo Giordano

    Charlotte: Sophie Koch

    Albert: Markus Brück

    Sophie: Fionnuala McCarthy

    Der Amtmann: Hidekazu Tsumaya

    Schmidt: Jörg Schörner

    Johann: Hyung-Wook Lee

    Brühlmann: Paul Kaufmann

    Käthchen: Cordula Messer


    Manchmal ereignen sich im Repertoire echte musikalische Wunder. Das passiert auch immer mal wieder dann, wenn man absolut nicht damit rechnet. Sebastian Baumgartens Inszenierung von „Werther“ an der Deutschen Oper hatte 2002 in der kurzen Intendanz von Udo Zimmermann Premiere und traf – um es einmal vorsichtig zu formulieren – nicht unbedingt jedermanns Geschmack. Das Bild, das Werther und Charlotte in ihrer großen Szene im dritten Akt am heiligen Abend in einem Waschsalon zeigt (Bild unten), wurde von vielen als unpassend empfunden und ging als eine der Zumutungen, die das so genannte „Regietheater“ den Zuschauern bietet, durch die Gazetten. Erschwerend kam in der Premiere hinzu, dass weder Paul Charles Clarke, der den Werther sang, noch die junge Schwedin Charlotte Hellekant, die immerhin den gleichen Vornamen wie die Bühnenfigur, die sie verkörperte, hatte, besondere Erfolge einfahren konnte. So wurde die Produktion ziemlich schnell als Flop abgestempelt und man hatte sie eigentlich schon fast vergessen. Auch ich hatte damals die Premiere gesehen und das ganze nicht besonders gemocht.


    2005, Zimmermann war inzwischen an der Deutschen Oper Geschichte, kehrte das Werk in einer Wiederaufnahme-Serie ins Repertoire zurück. In den beiden Hauptrollen waren zwei interessante junge Sänger/innen aufgeboten: Der lyrische Tenor Massimo Giordano, der an der Deutschen Oper schon als sehr anständiger Alfredo in der „Traviata“ auf sich aufmerksam gemacht hatte sowie die Französin Sophie Koch, die man bis dato eher als Mozart-Sängerin wahrgenommen hatte. Sie gab in dieser Serie ihr Rollendebüt in einer Partie, die sie in der Zukunft an alle großen Bühnen der Welt führen sollte.


    Aufgrund der interessanten Besetzung entschied ich mich dafür, der Produktion noch einmal eine Chance zu geben. Viele andere taten das jedoch nicht und so fanden sich nur ca. 400 Besucher im weiten Rund der großen Deutschen Oper Berlin ein. Das lag zum Teil sicher an der Inszenierung, zum anderen habe ich bis heute die Erfahrung gemacht, dass es das Stück auch in anderen szenischen Umsetzungen in Deutschland im Repertoire sehr schwer hat. Für den Abend befürchtete ich in atmosphärischer Hinsicht aufgrund der gähnenden Leere das Allerschlimmste.


    Was sich dann ereignete, war ein echtes Wunder. Giordano und Koch sangen so wunderbar stilsicher, spielten auch so natürlich und so unschuldig, dass die zuvor als verkorkst abgestempelte Inszenierung für mich in jeder Hinsicht Sinn machte. Das Bild mit den Waschmaschinen am Heiligen Abend war mit diesen beiden Künstlern so traurig und so herzergreifend, dass es mich noch lange verfolgte. Das Orchester machte damals eine schwere Zeit durch, da der Generalmusikdirektor Christian Thielemann das Haus kurz zuvor im Streit mit dem Senat über die Finanzierung des Orchesters verlassen hatte und es gerade ohne Chef dastand. Der junge Kanadier Yves Abel trat gerade seine Stelle als erster ständiger Gastdirigent an und entlockte dem Orchester an diesem Abend derart viele Farben, dass es einfach nur zum Staunen war.


    Am Schluss gab es – trotz des spärlichen Besuches – einen gewaltigen, langen Applaus. Die Energie, die von der Bühne ausging, übertrug sich auf das spärlich anwesende Publikum, immer wieder wurden die Sänger herausgerufen.


    Die Produktion erlebte dennoch ihre letzten Aufführungen und wurde danach abgesetzt. Ich ließ es mir aber nicht nehmen, noch zwei weitere Vorstellungen dieser wunderbaren Serie anzuschauen. Massimo Giordano wechselte später relativ schnell ins Spinto-Fach und hat mich danach nie wieder so begeistert wie damals als Werther. Sophie Koch erlebte ich noch oft als Charlotte, da war sie immer sehr gut, aber nie wieder hat sie auf mich diesen reinen, mädchenhaften Eindruck gemacht wie in dieser Produktion.


    data3768_t1.jpg

  • Lieber "Melomane",


    da ich diese "Werther"-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin nicht gesehen habe (das Stück gehört ohnehin nicht zu meinen Lieblingsopern und auf diese Inszenierung hatte ich damals auch keine Lust), kann ich dazu nichts beisteuern.


    Ich möchte aber gerne eine meiner prägendsten Berliner Operninszenierungen beisteuern, die ich insgesamt 17x gesehen habe, weshalb es mir leider auch nicht möglich ist, mich nur auf ein Datum zu beschränken (oder ich müsste mehrere Beiträge zu dieser einen Inszenierung schreiben, was ja aber nicht sein muss):

    Ich hatte vor dem 24.4.1990 auch schon andere Opernaufführungen live erlebt und der große Funke war selten übergesprungen (meistens kamen mir die Aufführungen musikalisch schlechter als die zuvor gehörten Plattenaufnahmen vor), aber an diesem Abend im April 1990 sprang der Funke auf mich über, ich war begeistert über den "Tannhäuser" von Richard Wagner in der Inszenierung von Erhard Fischer an der Staatsoper Berlin und habe von da an versucht jede weitere Aufführung dieser Inszenierung zu besuchen, was mir bis zur letzten Vorstellung dieser Inszenierung auch noch 17x gelungen ist (und vielleicht 3x nicht, etwa 3 Aufführungen habe ich verpasst).

    An diesem 24. April 1990 dirigierte Heinz Fricke, der zum wichtigsten Wagner-Dirigenten meines Operngängerlebens wurde, die beiden Frauenrollen waren umbesetzt (was ich damals nicht wirklich registrierte, aber anstelle von Celestina Casapietra und Uta Priew sangen Helga Thiede und Ruthild Engert), die Titelpartie sang Reiner Goldberg, die Rolle des Landgrafen Siegfried Vogel, mein absoluter Favorit war aber Siegfried Lorenz als Wolfram, der sich hinter Dietrich Fischer-Dieskau auf der Konwitschny-LP (ich hatte erst einmal nur den "Querschnitt" bzw. "Szenen", nämlich den Sängerkrieg des 2. Aktes und den Beginn des dritten Aktes inklusive Abendstern, sodass eigentlich alles Wichtige von Wolfram drauf war) nicht zu verstecken brauchte und auch zu Recht besonders gefeiert wurde. "Tannhäuser" war nun meine Lieblingsoper und im Frühjahr 1991 besuchte ich die nächsten vier Aufführungen dieser Inszenierung (mit Hanna Lisowska und Celestina Casapietra als Elisabeth, Uta Priew als strahlender und gefeierter Venus, Reiner Goldberg, Klaus König, Spas Wenkoff und Wolfgang Neumann als Tannhäuser sowie Siegfried Vogel und einmal auch Theo Adam als Landgraf unter den Dirigenten Hanns-Martin Schneidt und Heinz Fricke.

    Ich erinnere mich noch gut an meinen zweiten "Tannhäuser" am 10.2.1991, wo ich mit Goldberg und Lisowska sehr unzufrieden war, mit Priew, Lorenz und Vogel hingegen sehr zufrieden. Der Tannhäuser hatte es in dieser Inszenierung auch nicht ganz leicht. Im Bacchanal (man spielte die Ouvertüre, danach das Bacchanal aus der Pariser Fassung und danach wieder die Dresdner Fassung) wurde er von einen Balletttänzer "gedoubelt" bzw . dargestellt, kurz vor der ersten Gesangsszene flitzte der schnell raus und der Sänger des Tannhäusers wankte herein und fiel der Venus zu Füßen, weit älter und gebrechlicher wirkend als sein gerade abgegangenes "alter Ego"... Besonders eindrucksvoll fand ich den dritten Akt, die leere Bühne mit dem kleinen Holzkreuz und einem Prospekt mit einer Gebirgslandschaft im Hintergrund. Der Venusberg im 1. Akt und seine Rückkehr im 3. Akt wurden mit wenig Aufwand und trotzdem effektvoll durch heruntergelassene rote Vorhänge dagestellt. Auf mich hatte das alles eine große Wirkung und das änderte sich auch in den Folgevorstellungen nicht, obwohl das Wichtigste für mich natürlich das Musikalische und vor allem Sängerische war.

    Mein dritter "Tannhäuser" am 2.3.1991 war gar nicht geplant, denn es sollte an diesem Abend eigentlich "Tristan und Isolde" gespielt werden. Kurz vor dem Reinfahren mit meinem Vater war ich richtig unwillig, hörte nochmal in das "Tristan"-Vorspiel rein und dachte bei mir: Wie schön wäre es, wenn heute statt "Tristan" "Tannhäuser" gespielt werden würde! (Mein "Tristan"-Knoten platzte erst etwas später, das Werk ist ja auch anspruchsvoller). Dann kamen wir vor die Staatsoper und es gab Schilder, dass heute statt "Tristan" "Tannhäuser" gespielt werden würde. Ich war völlig aus dem Häuschen - und noch mehr als ich las, dass Goldberg nicht sang (sondern der mir noch unbekannte Klaus König) und Lorenz aber sang.

    Bei der 4. Vorstellung im April 1991 sang Goldberg auch nicht, sondern Spas Wenkoff (der seinen Zenit überschitten hatte und mich nicht begeisterte, zumal er stimmliche Defizite zu überspielen suchte), und leider sang auch Lorenz nicht, sondern Ketelsen - nicht schlecht, aber eben auch nicht so gut wie Lorenz.

    An die 5. Aufführung im Mai 1991 erinnere ich mich noch, weil der Einspringer Wolfgang Neumann im Venuserg mit den Fassungen durcheinanderkam und ein paar Mal schmiss. Am Ende bekam er auch ein paar Buhs. Da Lorenz wieder den Wolfram sang, war mir das egal.

    Dann kam die Vorstellung am 9. November 1991 und inzwischen war viel passiert: Herr Barenboim war als neuer Künstlerischer Leiter und Georg Quander war als neuer Intendant designiert: und viele beliebte Ensemblesolisten des Hauses wie Eva-Maria Bundschuh oder Siegfried Lorenz wurden nicht verlängert, was auch durch die Berliner Presse gegangen war. An diesem 9.11.1991 kehrte Anna Tomowa-Sintow an ihr ehemaliges Stammhaus zurück, allerdings war der eiserne Vorhang noch unten, als der rote Vorhang nach dem Vorspiel zum 2. Akt aufging, sodass Frau Tomowa nicht einsetzen konnte. Fricke brach ab und fing den 2. Akt nochmal von vorne an und danach ging es dann weiter, aber entweder war Frau Tomowa dieser Beginn auf die Stimme geschlagen oder sie war einfach schon über ihren Zenit hinaus - meine Lieblingssängerin wurde sie nie. Aber Siegfried Lorenz, der entgegen meiner Befürchtung nicht abgesagt hatte (14 Tage zuvor hatte er den Beckmesser abgesagt), sang den Wolfram, und das besser denn je - für mich eine absolute Sternstunde.

    Nach einer weiteren, etwas unspektakuläreren, aber guten Aufführung im Dezember 1991 (mit Lisowska, Priew, Goldberg, Lorenz und Vogel unter Fricke) folgte dann im März 1992 die erste Wiederbegegnung mit Klaus König als Tannhäuser, der wirklich grandios sang und am Ende auch besonders gefeiert wurde. Leider hatte Lorenz die Vorstellung rankheitshalber abgesagt und Ketelsen sprang als Wolfram ein, war dieses Mal aber schlechter als im Jahr zuvor, schmiss vor allem an einigen Stellen in der Auseinandersetzung mit Tannhäuser im 3. Akt - da war ich alles andere als begeistert von ihm (in anderen Rollen schätzte ich ihn hingegen sehr).

    Dann kam der Mai 1992 heran: am 24. und 28.5. spielten beide großen Berliner Opernhäuser Wagner, die DOB "Rheingold" und am 28. "Walküre", die Staatsoper an beiden Abenden "Tannhäuser". Was tun? Den "Ring" hatte ich erst 1x komplett erlebt ("Rheingold" und "Walküre" 2x), "Tannhäuser" weit öfter. Trotzdem wollte ich lieber "Tannhäuser" hören, aber für "Rheingold" waren immerhin Ekkehard Wlaschiha als Alberich und Siegfried Jerusalem als Loge angekündigt. Mein Westberliner Opernfreund sagte zu mir: "Dann halt am 24.5. "Rheingold" in der DOB und am 28.5. "Tannhäuser" an der Staatsoper." Wie maßlos war ich enttäuscht, als ich am 24.5. zur Deutschen Oper kam und Aushänge die Absage von Wlaschiha als Alberich (und Hiestermann als Mime) verkündeten - das war eine dieser wenigen "Tannhäuser"-Vorstellungen, die ich somit verpasst habe. Am 28.5. war das dann eine eine schöne "Tannhäuser"-Vorstellung (mit Tomowa, Priew, Goldberg, Lorenz und Vogel), die letzte, die Heinz Fricke dirigierte.

    In der ersten Spielzeit der "Ära Barenboim" (der aber nur bei ganzen zwei Opern-Neuproduktionen selbst am Pult stand und keine einzige Wiederaufnahme dirigierte) wurde der "Tannhäuser" 3x angesetzt. 2x im November mit der von mir sehr gern gehörten Magdalena Hajossyova als neuer Elisabeth, Priew als Venus (die dann aber wegen ihrer Wien-Verpflichtungen mittelfristig absagte), Goldberg, Lorenz und Vogel, im Dezember mit Tomowa, König, Lorenz und Adam. Natürlich kaufte ich mir für alle drei Vorstellungen Karten. Celestina Casapietra, die unter der neuen Leitung quasi "zurückgestuft" werden sollte, sang nun in allen drei Vorstellungen statt der Elisabeth die Venus und gar nicht schlecht, während mir die Hajossyova als keusche Jungfrau doch weit überzeugender vorkam als Lisowska, Tomowa und Casapierta zuvor. Goldberg war in der ersten Aufführung am 26.11. mäßig und sagte die zweite am 29.11. ab, Wolfgang Schmidt sprang ein, der mir gut gefiel.

    In der Aufführung am 19. Dezember 1992 sagte dann Tomowa ab und Hajossyova sprang ein, was mich natürlich freute. Es war Theo Adams letzter Berliner Landgraf (zwei Tage nach seinem letzten Jochanaan) und ich erinenre mich, dass entgegen der übliche Praxis, nach dem 2. Akt keine Solovorhänge zu machen, es einen Zusatzvorhang gab, bei dem Theo Adam als Landgraf von Hajossyova und König in die Mitte genomen wurde. Die musikalische Leitung hatte inzwischen Siegfried Kurz übernommen, was auch bei der letzten 5er-Serie dieser Produktion im Herbst 1993 so blieb.

    Angekündigt waren für den Herbst 1993 Dame Margaret Prica als Elisabeth in den ersten vier Vorstellungen und Hajossyova in der fünften, Casapietra als Venus in den ersten drei Vorstellungen und Bundschuh mit Rollendebüt in den letzten beiden, dazu Goldberg und Lorenz sowie Matthias Hölle als Landgraf in den ersten vier Vorstellungen und Vogel in der letzten. Da Frau Price zwar anreiste, bei den Proben aber den Offenbarungseid leisten musste, die Partie nicht wirklich draufzuhaben, wurde Frau Casapietra in den ersten beiden Vorstellungen kurzerhand wieder zur Elisabeth (und gefiel mir besser denn ja) und Frau Bundschuh zog ihr Rolendebüt als Venus auf die erste Vorstellung am 9.10.1993 vor. Die zweite Aufführung der Serie (in der mich Herr Hölle als Landgraf aufgrund massiver Högenprobleme doch sehr enttäuschte und in der dritten Vorstellung durch Philip Kang ersetzt wurde) am 12.10. war zugleich die 100. Vorstellung dieser Inszenierung und Frau Casapietra verteilt auf eigene Rechnung Blumen an Chor und Orchester, was ihr eine Abmahnung einbrachte. Der streit zwischen ihr und der neuen Intendanz hatte auch in der Presse Wellen geschlagen, denn sie hatte gerichtlich erstritten, zumindest jeweils in einer Aufführung der Seiren ihre großen Partien (Ariadne, Elsa, Tosca), also das erste Fach weitersingen zu können, während die Intendanz sie auf Rollen wie die Gräfin Ceprano abschieben wollte. Bei der dritten Vorstellung am 19.10. dann das Unglaubliche, womit ich nie und nimmer gerechnet hatte: die Casapietra sang beide Rollen, also Elisabeth und Venus an einem Abend. Inzwischen ist ja ja nicht ehr so selten, aber Wagner wollte es eigentlich nicht, weil beide Rollen auch recht unterschiedliche Anforderungen haben. Es war jedenfals eine Sternstunde. Am Ende wurde sie von ihren Fans mit Blumen überhäuft, was ihr dann den nächsten Ärger mit der Leitung einbrachte und zu ihrer fristlosen Kündigung führte. Zwar erstritt sie vor Gericht einen Sieg und bekam eine fette Abfindung, aber dieser 19.10.1993 war ihr letzter Abend an ihrem Stammhaus, dessen Ensemble sie seit 1965 angehört hatte.

    Die vierte Aufführung dieser Serie am 24.10.1993 war für mich auch eine denkwürdige, denn ich wollte sie eigentlich gar nicht sehen, sondern mir stattdessen an der Semperoper Dreden erstmals den "Lohengrin" mit Klaus König in der Titelpartie ansehen. (4 Vorstellungen "Tannhäuser" in drei Wochen hätten ja vielleicht auch gereicht) Es waren dort im Herbst 1993 vier Vorstellungen der Mielitz-Inszenierung angesetzt, am 24.10. und 21.11. sollte aut Spielzeitheft Klasu König singen, am 11.10. und 31.10. Norbert Orth, also hatte ich mir Karten für den 24.10. und 21.11. erworben, denn Orth kannte ich als Stolzing von Berlin und mochte ihn nicht besonders. Als ich dann am 16.10. nach Dresden zur Berghaus-"Tosca" fuhr (weil Wlaschiha dort den Scarpia singen sollte, aber mittelfristig absagte), war ich entsetzt, also ich in den Monatsaushängen die Lohengrin-Besetzung genau andersherum las. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass beide Herren die Vorstellungen im gegenseitigen Einvernehmen getauscht hätten, was mich natürlich ärgerte. Ich konnte aber meine Karte für den 24.10. loswerden und bekam eine für den 31.10. - deshalb bin ich dann natürlich am 24.10. doch in den "Tannhäuser" an der Staatsoper Berlin gegangen und war natürlich völlig aus dem Häuschen vor Freude, dass Klaus König kurzfristig für Reiner Goldberg als Tannhäuser einsprang. ^^

    Die letzte Aufführung dieser Inszenierung fand dann am 1. November 1993 statt, einem Montag mit Beginn 19.30 Uhr - man wollte dieses Politikum (die Absetzung hatte in der Presse Wellen geschlagen, es soll sogar eine Anweisung des Kultursenators Roloff-Momin gegeben haben, die Kulissen erst einmal nicht zu verschrotten, sondern sicherheitshalber aufzuheben.) wohl mit so wenig Besuchern wie möglich abwickeln... :cursing:

    Dieser "Tannhäuser" war eines der absolute Aushängeschilder dieses Hauses, das ja in aller Welt für sein deutsches Repertoire berühmt war und damit zahlreich zu Gastspielen eingeladen wurde. Erhardt Fischers "Tannhäuser"-Isnzenierung war also seit der Premiere im Dezember 1977 nicht nur in Berlin zu erleben gewesen, sondern u.a. auch in Paris, Madrid, Lausanne, Zürich, Budapest, Italien, Japan, Las Palmas und an einigen anderen Orten mehr. (Die Riha-"Tosca" hat meines Wissens nirdendwo gastiert.)

    Der von mir hochverehrte Siegfried Lorenz sang nun also an diesem Abend seinen letzten Wolfram (er hatte etwa 60-65 der 103 Vorstellungeb gesungen, wenn man alle Gastspiele mitzählt), was für mich eine Zäsur war und für ihn sicherlich auch. Irgendwie war ihm das auch etwas auf die Stimme geschlagen, er war an diesem Abend nicht ganz so gut wie sonst, während Reiner Golberg an diesem Abend besonders gut war (besser als König am 24.10.) und mit Hajossyova (die auch schon am 24.10. eingesprungen war), Bundschuh und einem tollen Siegfried Vogel als Landgraf (weit besser als Hölle und Kang) war das schon nochmal eine Besetzung nach meinem Geschmack, aber es war eben ein trauriger Abend, ich war wütend über die Absetzung der so geliebten Inszenierung, viele andere auch, der Applaus, der immer groß war (Jubelorgien auch für Lorenz eigentlich nahc jedem seiner Wolfram-Auftritte, so etwas beeindruckt auch), wollte icht enden, aber irgendwann endete er doch und ich bin an diesem Abend auch nicht zum Bühneneingang hinter gegangen, weil ich so betroffen war, dass ich das nun nie erleben können sollte. Jahre später habe ich Videosequenzen vom Bühnenausgang an diesem Abend bekommen und da antwortete Siegfried Vogel voller Sarkasmus und Verachtung einer Besucherin, die zur "Tannhäuser"-Absatzung kondolierte: "Aber FREISCHÜTZ bleibt ja. Und BARBIER." Und als Goldberg kam und die Dame zu ihm sagte, dass sie zur Beerdigung des "Tannhäuser" gekommen sei, fragte er nach: "Wer wird beerdigt?"- "Der TANNHÄUSER!" - "Ach! Der geht nicht unter. Das klappt schon mal wieder." Undtatsächlich sang Goldberg dann nochmal in einer Serie 2003 der Nachfolgeinszenierung von Harry Kupfer den Tannhäuser, war zwischenzeitlich sogar als Premierenbesetzung angekündigt. Für mich war dieser 1.11.1993 der vielleicht emotionalste Opernabend, den ich je erlebt habe, aber auch viele andere dieser 17 Vorstellungen werden mir unvergesslich bleiben.


    Und hier noch einige Dokumente:









    Es gibt Leute, denen diese Isnzenierung zu konservativ, zuviel Kostümschinken war - für mich waren es mit die emotionalsten Abende, die ich in diesem Opernhaus erleben durfte. :)


    Nachtrag, weil es irgendwie noch dazugehört: Ich bin dann am 21.11. nach Dresden, um dort vor Ort meine "Lohengrin"-Karte zu verscherbeln. Auf dem Fußweg vom Hauptbahnhof zur Semperoper las ich ein Plakat: So 21.11. Kreuzirche Dresden: Ein deutsches Requiem mit dem Kreuzchor und den Solisten Birgit Fandrey und Siegfried Lorenz - natürlich habe ich mir dieses Konzert nicht entgehen lassen, sodass die Reise nach Dresden doch noch zur kulturellen Erfüllung wurde. 8)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Ich habe noch ein tragikomisches Detail vergessen: Kammersänger Peter Bindszus, langjähriges Ensemblemitglied der Deutschen Staatsoper Berlin, war in der "Tannhäuser"-Inszenierung von Erhard Fischer seit der Premierensaison 77/78 als Walther von der Vogelweide mit dabei (alternierend mit Premierenbesetzung Eberhard Büchner, der aber nur ganz wenige Vorstellungen in dieser Rolle sang). Stimmlich hatte er seinen Zenit Anfang der Neunziger bereits überschritten und diese Partie inzwischen daher eigentlich abgelegt, aber als in der letzten Aufführung am 1.11.1993 der eigentlich besetzte Pär Lindskog absagte, musste Bindszus nach mehr als anderthalb Jahren doch nochmal als Walther von der Vogelweide einspringen. Die Kurzfristigkeit des Einspringens in der lange nicht gesungenen Rolle, der überschrittene Zenit der Stimme und sein ohnehin schwaches Nervenkostüm führten dann in Kombination (nach einem ohnehin schon problematischen 1. Akt, in dem Heinrich der Schreiber im den Ensemblestellen ausnahmsweise einmal besser rauszuhören war als der eigentlich führende Walther) zu einem Totaldesaster bei Walthers Lied im Sängerkrieg. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Man könnte beinahe drüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre.


    (Das Lied kann man ab 1:18:45 sehen und hören)



    Dass er es in früheren Jahren weit besser konnte, kann man hier nachhören:


    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Zunächst möchte ich dem Melomanen für die Erinnerung an die Werther-Aufführung danken und kurz darauf eingehen. Ich habe die Vorstellung am 21.12.2005 besucht und denke sehr gerne daran zurück. Es war tatsächlich alles so wie geschildert. Ich mochte die Inszenierung eigentlich nicht, aber an diesem Abend entstanden ein Sog und eine Atmosphäre, dass ich die Absetzung der Produktion danach sehr bedauert habe. Die Aufführung war eine unerwartete Sternstunde, zu der sich nur ca. 300 Leute ins große Haus verirrt hatten. In der Spielzeit 2005/06 habe ich Massimo Giordano noch als guten Alfredo (DOB) und Rodolfo (Staatsoper) gehört, danach ist eine sehr hoffnungsvolle Karriere leider in die falsche Richtung gelaufen. Damals war er 34, im letzten Jahr war sein Ismaele in Dresden ein trauriges Zeugnis seiner aktuellen Verfassung.

  • Lieber Stimmenliebhaber,


    auch Dir vielen Dank für Deine Tannhäuser-Erinnerungen. In diesen Jahren gab es die Oper ständig. Meine ersten beiden Erlebnisse waren an der Deutschen Oper in der Horres-Inszenierung mit Prick- Ligendza/Janowitz, Martin; Wenkoff, A.Schmidt/Brendel, Stamm in der Saison 1986/87. Noch vor der Wende habe ich dann die von Dir in Erinnerung gebrachte Fischer-Produktion zum ersten Mal erlebt. Am 23.10.1988, also ca. ein Jahr vor dem Fall der Mauer, war die Besetzung Kurz- Lisowska, Priew; Goldberg, Lorenz, Adam.


    Von den von Dir aufgezählten Aufführungen habe ich auch die am 18.05.1991, 19.12.1992, 09.10.1993 und die letzte Aufführung der Produktion am 01.11.1993 besucht. In diese Zeit ist auch die Premiere der Friedrich-Produktion am 15..02.1992 in der Besetzung Kout- Hass, Armstrong; Kollo, Hagegard, Sotin gefallen, die ich ebenfalls besucht habe und die mich noch jahrelang begleiten sollte.


    An die Wagner-Zeit an der Staatsoper vor Barenboim erinnere auch ich mich gerne zurück. Insbesondere Tristan, Meistersinger und Tannhäuser waren eine Bank und ein Feiertag, wenn Heinz Fricke dirigiert hat.

  • Lieber chrissy,


    auch wenn ich inhaltlich beim Stimmenliebhaber bin, muss jeder für sich bewerten, an welche Aufführungen er sich gerne erinnert und an welche nicht. Das kann ja auch eine Aufführung im kleinsten Rahmen sein oder weil man einen Sänger besonders verehrt (aus welchem Grund auch immer).


    Da an Deinem vermutlichen Datum tatsächlich Tosca gespielt worden ist, wird es sich wohl um diesen Tag und diese Besetzung gehandelt haben. Auch wenn das Werk oft auf dem Spielplan stand, wäre der Zufall eines anderen Datums wohl zu groß. Ich bin nicht in dieser Vorstellung gewesen, vermutlich, weil ich die Dame Troitskaya nicht mochte und sie zuvor schon dreimal an der Seite von Domingo und Bonisolli gehört hatte. Wixell habe ich oft als Scarpia gehört, Martinucci habe ich als Cavaradossi nie gehört, was allerdings nichts an meiner Meinung über den Tenor ändert. Genauso wenig habe ich Orofino jemals live erlebt. Dennoch ist der Verweis auf die internationalen Karrieren beider Sänger schlüssig. Das Archiv der Wiener Staatsoper ist übrigens ein hochinteressantes Medium, in dem ich sehr gerne stöbere und schon die interessantesten Schnittmengen entdeckt habe.



    Viele Grüße


    Kapellmeister Storch

  • Lieber "Kapellmeister Storch"m,


    vielen Dank für deine Antworten und deine "Tannhäuser"-Ergänzungen!


    Martinucci habe ich als Cavaradossi nie gehört

    Wirklich nicht? Er sang ja auch in der Vorstellung im November 2002, als Ruggero Raimondi nch jahrelanger Abstinenz als Scarpia an die Deutsche Oper Berlin zurückkehrte. Da war ich natürlich drin, denn Raimondi war ja auch mein erster Schallplatten-Scarpia gewesen. der tag wird mir insofern unvergesslich bleiben, weil ich zuvor einen Zahnarztbesuch hatte und die ersten Bohrungen meines Lebens bekommen hatte... ^^

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Herzlichen Dank an den "Stimmenliebhaber" für seinen wunderbaren Tannhäuser-Bericht!


    Bleiben wir bei Richard Wagner:


    "Siegfried", Deutsche Oper Berlin, 15. Januar 2003


    Musikalische Leitung: Christian Thielemann

    Inszenierung: Götz Friedrich


    Siegfried: Christian Franz

    Mime: Thomas Harper

    Der Wanderer: Albert Dohmen

    Alberich: Franz-Josef Kapellmann

    Fafner: Philip Kang

    Erda: Mihoko Fujimura

    Brünnhilde: Frances Ginzer

    Waldvogel: Ofelia Sala


    Diese Aufführung von Wagners „Siegfried“ in der bewährten Inszenierung von Götz Friedrich hatte die eine oder andere Überraschung parat, auf jeden Fall war es eine szenische Version, die man so schnell nicht vergessen hat…


    Die beiden „Ring“-Zyklen im Januar 2003 hatten eine lange Vorgeschichte. Durch die Einsparungen im Bereich der Bühnentechnik, die die Anzahl der Arbeiter um ein Vielfaches reduzierte, war es nicht mehr möglich, den von Peter Sykora entworfenen „Zeittunnel“, der das Bühnenbild für alle Teile der Tetralogie bildete, mit hauseigenen Kräften im Repertoire-Betrieb aufzubauen. Das hieß im Klartext: Wurde der „Ring“ gespielt, konnte zwischen den einzelnen Teilen faktisch kein anderes Werk mehr gespielt werden. Auch die Probenmöglichkeiten auf der Bühne litten darunter, da jede Bühnenprobe die Schließtage, die durch den „Ring“ verursacht wurden, weiter erhöhte. Dieses Problem trat bereits in der letzten Spielzeit der Intendanz von Götz Friedrich auf, der scheidende Hausherr wollte gerne auf einen im Juni 2001 geplanten Zyklus aufgrund der geringen Möglichkeiten, daran zu arbeiten, verzichten, sein GMD Christian Thielemann, mit dem er zu diesem Zeitpunkt bereits heftig über Kreuz lag, setzte sich durch und der „Ring“ wurde angesetzt, Friedrich nannte diesen Zyklus im Vorwort zur Jahresvorschau 2000/01 „vorwiegend musikalisch orientiert“. Im gleichen Text kündigte er an, mit seinem Nachfolger Zimmermann verabredet zu haben, das Werk selbst im Januar 2003 szenisch in der bestehenden Inszenierung neu einzustudieren. Bekanntlich starb Friedrich im Dezember 2000, so dass er selbst den „vorwiegend musikalisch orientierten“ im Juni 2001 nicht mehr erlebte. Er hatte allerdings noch mit Zimmermann verabredet, dass in den Zyklen 2003 Gösta Winbergh, ein Tenor, den Friedrich als Stolzing, Lohengrin und Parsifal schätzen gelernt hatte, seine ersten Berliner Siegfriede geben sollte. Auch dazu kam es nicht: Gösta Winbergh wurde völlig überraschend am 18. März 2002 in seinem Wiener Hotelzimmer tot aufgefunden. Noch am Vorabend hatte er am Haus am Ring den Florestan gesungen. Für die Siegfriede in Berlin wurde nun Jon Fredric West angesetzt.


    Der erste „Ring“-Zyklus lief und „Rheingold“ war noch ganz in Ordnung gewesen. In der „Walküre“ war die Lage schon etwas angespannter: Die neue Sieglinde, Stephanie Friede, konnte nicht wirklich überzeugen, während an der Staatsoper bereits bewährte Siegmund, Robert Gambill, einen passablen Erfolg einfuhr. Wesentlich mehr wurde an Albert Dohmen, dem neuen Wotan, herumgemäkelt, dem es nicht gelang, seinen langjährigen Rollenvorgänger Robert Hale vergessen zu machen. Schlimm gestaltete sich der Abend für die neue Brünnhilde Frances Ginzer, die vom nicht gerade geduldigen Berliner Publikum heftig ausgebuht wurde. Bereits während der Siegfried-Vorstellung, für die sie noch angesetzt war, wurde erzählt, dass sie in der „Götterdämmerung“ und dann im folgenden Zyklus durch Luana DeVol ersetzt werden würde. Genau so kam es dann auch.


    Jon Fredric West hatte die Vorstellung kurzfristig abgesagt, so dass mit Christian Franz ausgerechnet derjenige Heldentenor einsprang, der die großen Partien gerade alle an der Staatsoper verkörperte. Er sang einen ziemlich guten ersten Akt, auch Dohmen gefiel als Wanderer mehr als zuvor in der „Walküre“. Thomas Harper sang den Mime ordentlich, wenn auch nicht mit der bezwingenden Präsenz die Horst Hiestermann, der diese Partie lange an der Deutschen Oper verkörpert hatte, dem Zwergen hatte angedeihen lassen.


    Im zweiten Akt war in dieser Inszenierung ein großes Bodentuch ausgelegt. Als Franz mit Harper auftrat, stolperte er so unglücklich, dass er sich den Fuß verletzte und kaum noch gehen konnte. Ohne zu unterbrechen, sang er die Partie jedoch weiter. Von der Seite wurde ihm ein Eisbeutel zum Kühlen hereingeworfen. Szenisch wurde das im weiteren Verlauf des Abends natürlich sehr seltsam: So konnte er sich beim Drachenkampf nicht zum Drachen hinbewegen, sondern ging auf dem kürzesten Weg ab. Am Ende des zweiten Aktes rannte der Siegfried normalerweise bis nach hinten zum Ende des Tunnels. Franz musste auf der Bühne einfach sitzen bleiben.


    Vor dem dritten Akt gab es eine Ansage, dass Franz trotz seiner Verletzung bereit sei, die Vorstellung zu Ende zu singen und auch im Rahmen des Möglichen weiter auf der Bühne zu agieren. Zur Szene mit dem Wanderer trat er mit einem kleinen Stühlchen auf, auf dass er sich setzte, während er die Beleidigungen gegen den Wanderer ausstieß. Kollegialerweise kam ihm Dohmen an der richtigen Stelle entgegen, so dass er dem Wanderer den Speer zerschlagen konnte, ohne sich dabei groß bewegen zu müssen. Auch die Szene mit Brünnhilde wurde so gestaltet, dass die körperliche Annäherung eher von der Wotanstochter ausging… Stimmlich war Franz bis zum Schluss der Vorstellung absolut auf der Höhe.


    Zum Schluss wurde der gehandicapte Drachentöter vom dankbaren Publikum gefeiert, direkt nach der Vorstellung bot ihm der mit der Planung der folgenden zwei Spielzeiten (Zimmermann war bereits geschasst und nur noch bis zum Ende der laufenden Saison im Amt) betraute Verwaltungsdirektor Hans-Dieter Sense einen Vertrag für einen kompletten „Ring“-Zyklus im März 2005 an. Dohmen erzielte einen Achtungserfolg, die arme Frances Ginzer wurde ein weiteres Mal vom Berliner Publikum ausgebuht, sie trat nie wieder an der Bismarckstraße auf. Gefeiert wurde natürlich auch Christian Thielemann, der den ganzen aufregenden Abend mit der ihm eigenen Wagner-Kompetenz begleitet hatte.

  • Lieber "Melomane",


    sei herzlich bedanke für deinen anschlaulichen Bericht vom ersten der beiden "Ringe" 2003 an der DOB, wo ich ja auch drin war und es war beim "Siegfried" mit Franz so, wie du sagst, viele teilweise unfreiwillige Komik, die beim Publikum aber gar nicht schlecht ankam.


    die arme Frances Ginzer wurde ein weiteres Mal vom Berliner Publikum ausgebuht

    Das Makabre daran war, dass vor ihrem eigentlichen Auftritt im "Siegfried" bereits klar war, dass sie die "Götterdämmerung" drei Tage später "egen Erkrankung" nicht singen würde und dass da (die natürlich viel bessere) Luana de Vol einspringen würde (und Salminen spang dann meiner Erinnerung nach auch noch als Hagen ein).


    Zum Schluss wurde der gehandicapte Drachentöter vom dankbaren Publikum gefeiert, direkt nach der Vorstellung bot ihm der mit der Planung der folgenden zwei Spielzeiten (Zimmermann war bereits geschasst und nur noch bis zum Ende der laufenden Saison im Amt)

    Stand das mit dem Ende von Zimmermann zum Sommer 2003 im Januar 2003 wirklich schon fest. Ich dachte, das wäre kurzfristiger gewesen, kann mich aber auch irren.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"