Noch ein (ehemaliger) berühmter Aufnahmeort: GRUNEWALDKIRCHE BERLIN

  • Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert wurde die Gemeinde Grunewald im Einzugsgebiet von Berlin gegründet. Schon 1901 wurde der Ruf nach einer eigenen Kirchengemeinde laut, und bald darauf wurde mit dem Bau einer sogenannten Hallenkirche begonnen, die am 1. Juni 1904 eingeweiht werden konnte.


    Grunewaldkirche mit Turm


    Nach Zerstörungen im 2. Weltkrieg wurde der Kirchenbau ab 1949 umfangreich restauriert und renoviert. Ab 1955 nutzte der deutsche EMI-Ableger, ELECTROLA Köln, die Kirche häufig als Aufnahmestudio. So entstand zwischen 1957 und 1960 in der Grunewaldkirche die allererste Gesamtaufnahme aller Beethoven-Sinfonien mit den Berliner Philharmonikern, bereits in Stereo. Der Dirigent war André Cluytens. Karajans berühmte GA mit diesem Orchester wurde erst 1961-62 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem produziert (DGG).


    Übrigens gibt Warner Classics, als Rechtsnachfolger der untergegangenen EMI, diese GA am 3. April 2020 unter dem Erato-Label neu heraus, in dieser Aufmachung:


    Aber nicht nur diese umfangreiche Produktion entstand in der Grunewaldkirche, es wurden z.B. auch die meisten der berühmten Opern-Querschnitte in deutsch dort aufgezeichnet:

    Rudolf Schock   




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    Leider kriege ich das Bild nicht kleiner hin - deshalb ist es umso besser erkennbar. Nicht nur diese, sondern noch eine ganze Reihe anderer Opern-Querschnitte und Recitals entstanden ganz überwiegend in der Grunewaldkirche.


    Auch Karajans erste Nachkriegsaufnahmen mit "seinen" Berliner Philharmonikern wurden in der Grunewaldkirche aufgezeichnet, noch für die EMI. Vor allem diese sind erwähnenswert:

        

    Es sind Aufnahmen aus den Jahren 1957 (Bruckner), 1958 (Dvorak, Brahms) und 1960 (Tschaikowsky), sämtlich in Stereo produziert.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Danke, lieber nemorino, dass nun auch die berühmte Grunewaldkirche hier Eingang findet!


    Tatsächlich, der Beethoven-Zyklus von André Cluytens (EMI) entstand dort, was mir jetzt erst wieder bewusst wurde. Den finde ich ja nicht nur künstlerisch hervorragend, sondern überwiegend auch klanglich. Einzig die ersten Aufnahmen von 1957 fallen etwas ab, die späteren (schon die von 1958) sind exzellent eingefangen. Vollendet wurde das Projekt 1960. Damals waren die Berliner Philharmoniker sehr beschäftigt, denn 1961/62 nahmen sie bekanntlich einen weiteren Zyklus unter Karajan für die DG auf, diesmal aber in der Jesus-Christus-Kirche, wie Du ja schon schriebst. Müsste ich mich entscheiden, ich glaube, ich nähme mittlerweile sogar eher Cluytens.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber Joseph II.,


    wenn ich recht orientiert bin, konnte Bruno Walter (CBS) als Erster die kompletten Beethoven-Sinfonien in STEREO vorlegen, dicht gefolgt von André Cluytens (Electrola). Allerdings wurden die Aufnahmen sowohl von Walter als auch von Cluytens nicht als Kassette, sondern als Einzel-LPs auf den Markt gebracht. Ende der 1950er Jahre waren die meisten Musikliebhaber noch nicht in der Lage, sich eine teure Box zu leisten, beim Einzelpreis einer LP von 25 DM!

    Die DGG machte 1963 mit Karajans Zyklus den Anfang, allerdings auf Subskriptionsbasis.


    Es gab dann noch den Beethoven-Zyklus von Otto Klemperer (EMI-Columbia), der ebenfalls in Stereo produziert, aber noch 1963 zyklisch nur in Monofassung auf dem deutschen Markt angeboten wurde, zum stolzen Preis von DM 148,--.


    Übrigens habe ich inzwischen festgestellt, daß ein Komet-Studio in Berlin die Grunewaldkirche noch immer als Plattenstudio nutzt. Ob aber Klassikaufnahmen darunter sind, konnte ich nicht feststellen. Als Interpret wurde u.a. Konstantin Wecker genannt.


    Auch der frühverstorbene Dirigent Rudolf Kempe (1910-1976) hat die Grunewaldkirche für Aufnahmen genutzt. So ist u.a. ein Brahms-Sinfonien-Zyklus mit den Berliner Philharmonikern dort entstanden, und auch die folgenden Einspielungen:

    Bildergebnis für rudolf kempe beethoven eroica  Bildergebnis für gimpel  kempe brahms

    und 1955 auch diese legendäre Aufnahme:


    Und auch diese großformatigen Aufnahmen haben in der Grunewaldkirche das "Licht der Welt" erblickt:

     


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Danke, lieber nemorino, für die Erinnerung an die Grundewaldkirche als Tonstudio für Klassik. Ich habe mich über mich selber gewundert, dass ich diesen Aufnahmeort vergessen konnte - habe ich doch Anfang der sechziger Jahre bei mehreren Berlin-Aufenthalten nicht weit weg von dieser Kirche in einer Pension gewohnt. Ich erinnere mich, dass ich eines Nachts aus dem Ostteil der Stadt zurückkam und Straßenabsperrungen für Fahrzeuge mitbekam. Der Taxifahrer wusste aber Bescheid, denn er sagte, dass im "Dom dahinten" mal wieder Musikaufnahmen stattfänden.


    Einige dieser dort aufgenommen Werke hatten früher mein Vater und ich als Platten (bspw. das Brahms-Requiem unter Kempe mit der wundervollen Elisabeth Grümmer und die Schöpfung unter Prälat Fprster), einige habe ich mir später auch als Silberlinge zugelegt, darunter auch die beiden gerade genannten. Neu war vor einigen Jahren er Erwerb der Beethoven-Sinfonien unter Cluytens, eine Interpretation, die ich auch nicht mehr missen möchte. Es gibt aber noch viele weitere und damit erwähnenswerte Produktionen aus diesem Gotteshaus:


    Das Rheingold (CD, Remastered) Plattencover   Johannes-Passion, BWV 245 (CD, Album, Reissue, Remastered) Plattencover


    In der Johannes-Passion sangen übrigens Grümmer, Otto, Ludwig, Wunderlich, Schafertons, Traxel, Fischer-Dieskau. Und auch die gehören dazu:


    Tannhäuser (CD, Reissue, Remastered, Stereo) Plattencover  Der Fliegende Holländer (CD, Reissue, Remastered) Plattencover

    Stokowski: Holst • Ravel • Stravinsky (CD, Album, Compilation, Remastered, Stereo) Plattencover   Der Freischütz (CD, Reissue, Remastered) Plattencover
    Die Bildergalerie ließe sich auch noch seitenlang fortsetzen...


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Ach ja, dieses "Rheingold", das Du uns mit Cover vorstellst, lieber musikwanderer! Es wurde im März 1959 in der Grunewaldkirche eingespielt und war meine allererste Schallplatte. Der Kauf erfolge allerdings erst Jahre nach der ersten Veröffentlichung. Das Cover sah damals so aus:


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    Man findet es bei Amazon, wenn mal sich einzelne Stücke als MP3 herunterladen möchte. Inzwischen ist die Anschaffung von einst längst durch CD ersetzt. Das Besondere ist, dass einzelne Szenen durch muskalische Nachbearbeitung neu miteinander verbunden wurden. Dadurch wird der Eindruck vermittelt, als handele es sich um eine Gesamtaufnahme. Was wusste ich als Heranwachsender vom "Rheingold"? Fast nichts. Ich hatte lange Zeit Mühe, diese Übergänge wieder aus dem Kopf zu bekommen. Ärgerlich fand ich schon damals, dass den einzelnen Sängern keinen Rollen zuigewiesen waren. Sie wurden nur summarisch aufgezählt. Dennoch ist für mioch diese Aufnahme nach wie vor betörend schön. Ich höre sie oft.

    Rheingold 1876

  • Lieber Musikwanderer,


    das sind ja noch eine ganze Menge großartiger Aufnahmen, die Du genannt hast. Vielen Dank. Bis auf die "Rheingold"-Auszüge und "Holst/Stokowski" sind sie sämtlich in meiner Sammlung.

    Die Bildergalerie ließe sich auch noch seitenlang fortsetzen...

    So ist es, und deshalb nenne ich noch ein paar bemerkenswerte Aufnahmen aus der Grunewaldkirche:

    Bildergebnis für erede ariadne

    mit den Berliner Philharmonikern, Dirigent: Alberto Erede (Aufnahme: 6/1959. Für Lisa Della Casa quasi eine Ehrenrettung, denn ihre Stammfirma DECCA hat nie eine GA der Ariadne, eine ihrer Paraderollen, mit ihr verwirklicht.

    Dann noch folgende Opern-GA (in deutscher Sprache):

     


    und diese berühmten Querschnitte:

           


    LG Nemorino



    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Das Besondere ist, dass einzelne Szenen durch muskalische Nachbearbeitung neu miteinander verbunden wurden. Dadurch wird der Eindruck vermittelt, als handele es sich um eine Gesamtaufnahme. Was wusste ich als Heranwachsender vom "Rheingold"? Fast nichts. Ich hatte lange Zeit Mühe, diese Übergänge wieder aus dem Kopf zu bekommen. Ärgerlich fand ich schon damals, dass den einzelnen Sängern keinen Rollen zuigewiesen waren. Sie wurden nur summarisch aufgezählt. Dennoch ist für mioch diese Aufnahme nach wie vor betörend schön. Ich höre sie oft.

    Das wusste ich nicht. Ich muss aber auch zugeben, dass ich diese Aufnahme nicht besitze, sie in einer Datenbank fand und deshalb hier eingestellt habe

    .


    MUSIKWANDERER

  • Zitat von nemorino

    Bis auf die "Rheingold"-Auszüge

    Zitat von Rheingold1876

    Das Cover sah damals so aus:

    Das gibt es auch noch so als CD .......


    ......und für'n Abbel un een Ei lieber nemorino!


    LG Fiesco


    Es lohnt allein wegen Kusches "Bin ich nun frei?"

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Möchtest Du das nicht ändern

    Lieber Rüdiger,


    zwei Dinge halten mich davon ab: Erstens bin ich kein ausgesprochener Wagnerianer (ich schätze nur die frühen Opern), zweitens werde ich des Froh nicht froh! Da ist es auch wenig hilfreich, wenn die CD

    für'n Abbel un een Ei

    zu haben ist. In meiner Sammlung ist der "Ring" nur einmal zu finden, es ist der Karajan-Zyklus, und selbst den habe ich bis heute noch nicht ganz gehört, obwohl er seit mindestens 20 Jahren im Regal schlummert.

    Reizvoll wären für mich (neben dem Dirigenten Rudolf Kempe) vor allem Benno Kusche (den ich mal in Köln als Papageno erlebt habe, so ca. 1960), Ferdinand Frantz sowie Lisa Otto, die auf Schallplatte, gemessen an ihrem Können, recht unterrepräsentiert ist. Doch bei 1,79 € werde ich noch mal drüber nachdenken …


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • So schlecht ist Schock nicht, auch wenn er beim "Zur" nicht ganz runter kommt.


    Für 0 Euro gibt's das hier zu hören ("Zur Burg führt die Brücke" ab 36:00 bzw. 36:30):



    Stolze 69 Leute haben vor mir davon gebrauch gemacht, diese Aufnahme dort kostenlos zu hören...

    (Eingestellt seit letztem September!)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • So schlecht ist Schock nicht, auch wenn er beim "Zur" nicht ganz runter kommt.

    Ich finde, dass er sogar ganz hervorragand singt. Für mein Teil liebe solche Tenöre wie Schock als Froh und explizit für diese Szene. Sie ist mir die allerliebste im "Rheingold" und eine der schönsten Erfindungen von Wagner, natürlich immer auch Donners Gewitter mit einbezogen. Was ist einem nicht alles vorgesetzt worden! Oft ist der Froh sogar der Schwachpunkt in Besetzungslisten. Und überhaupt - wie kultiviert und verständlich aufs Wort wurde doch mal Wagner gesungen? :)

    Rheingold 1876

  • Was ist einem nicht alles vorgesetzt worden! Oft ist der Froh sogar der Schwachpunkt in Besetzungslisten.

    Absolut, wenn ich z.B. an David Griffith denke... (Im Vergleich dazu und einigen anderen live erlebten Froh-Interpreten singt Schock das sensationell!)


    Unabhängig davon käme ich nur bedingt auf die Idee, den Erwerb bzw. das Anhören einer "Rheingold"-Aufnahme ausgerechnet vom Froh abhängig zu machen. Wotan, Alberich, Loge, Fasolt, Fricka - wenn die gut sind und dann vielleicht noch die Rheintöchter einigermaßen anständig miteinander harmonieren, bin ich schon zufrieden.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Für mein Teil liebe solche Tenöre wie Schock als Froh und explizit für diese Szene.

    Lieber Rüdiger,


    das sei Dir unbenommen!


    Ehrlich gesagt, was mich viel mehr stört als Schock in der Froh-Rolle, ist ein sogenannter "Querschnitt" aus den späten Wagner-Opern. Da diese Werke, wie allgemein bekannt, durchkomponiert sind und nicht aus einzelnen "Nummern" bestehen, sind solche Potpourris IMO mehr als fragwürdig. Mit gleichem Recht bzw. Unrecht könnte man auch die "schönsten Stellen" aus einer Beethoven-Sinfonie auswählen und zusammenfügen. Es mag ja zu Zeiten der LP dafür noch ein hinreichender Grund gewesen sein, dem Hörer solche Werke wie "Rheingold" oder "Götterdämmerung" nahezubringen, doch heutzutage ist das für mich einfach ein Anachronismus. Da ist Schock nur noch eine Quantité négligeable.

    Und trotzdem: Schock als Wagner-Tenor - man höre ihn als Lohengrin (unter Schüchter, EMI, 1953) oder als Walther (unter Kempe, EMI, 1956), also in seiner besten Zeit, und vergleiche ihn dann in der Gralserzählung mit Nicolai Gedda (EMI) oder als Walther mit Richard Tauber (EMI-Odeon), um den Unterschied zwischen Champions League und Kreisklasse zu erfassen. Dabei habe ich jetzt ganz bewußt zwei Tenöre genannt, die keineswegs als Wagner-Sänger ihre Karriere bestritten haben.


    Rudolf Schock war in den 1950er Jahren ein guter Sänger im Bereich der Spieloper, aber - man möge mir helfen - ich kenne keine einzige Aufnahme von ihm (und ich kenne aus dieser Zeit die meisten), die ich nicht von anderen Tenören besser und schöner gesungen gehört habe.


    Natürlich spielt da auch der persönliche Geschmack eine Rolle, doch wer - wie ich - Schock in den 25 Jahren seiner quälenden Nachkarriere in zahllosen TV-Sendungen erlebt und erlitten hat, der weiß, wovon ich spreche. Man fragte sich dann immer, was schlimmer ist, wie er singt oder was er singt. Grauslich war beides.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ehrlich gesagt, was mich viel mehr stört als Schock in der Froh-Rolle, ist ein sogenannter "Querschnitt" aus den späten Wagner-Opern. Da diese Werke, wie allgemein bekannt, durchkomponiert sind und nicht aus einzelnen "Nummern" bestehen, sind solche Potpourris IMO mehr als fragwürdig. Mit gleichem Recht bzw. Unrecht könnte man auch die "schönsten Stellen" aus einer Beethoven-Sinfonie auswählen und zusammenfügen. Es mag ja zu Zeiten der LP dafür noch ein hinreichender Grund gewesen sein, dem Hörer solche Werke wie "Rheingold" oder "Götterdämmerung" nahezubringen, doch heutzutage ist das für mich einfach ein Anachronismus. Da ist Schock nur noch eine Quantité négligeable.

    Lieber nemorino, kein Mensch muss solche Aufnahmen kaufen. Aus heutiger Sicht kann man erste Versuche, auch ein Werk wie "Rheingold" nachhörbar dem interessierten Publkum nahezubringen, belächeln. Wir könne jetzht aus zig Gesamtaufnahmen wählen und sitzen auf dem hohen Ross. In den wenigsten Einspielungen wird aber so gut gesungen wie in diesem Querschnitt. Das ist meine feste Überzeugung. Als die Aufnahme 1959 in der Grunewaldkirche produziert wurde, war die Einspielung der ersten LP-Gesamtaufnahme in den Sophiensälen unter Solti mal eben im Kasten. Ich weiß nicht, welche von beiden ehr auf dem deutschen Markt gewesen ist. Auf jeden Fall aber war der Decca-Solti sündhaft teuer und nur einem kleinen Kreis erschwinglich. Ich hätte sie mir vom Taschengeld nicht leisten können. Folgte ich nun Deiner Sicht, verböte es sich auch, einzelne Arien und Szenen, die es zuhauf auf Platten gab, anzuhören. Wie weiter oben zu lesen ist, scheinst Du mit Wagner nicht viel anfangen zu können. Das ist ein Anderes. Dein Kritik hat also handfeste Gründe, die zu respektieren sind.

    Rheingold 1876

  • Lieber Rüdiger,


    ich glaube, daß wir im Grunde nicht weit auseinander sind. Zum Zeitpunkt der Erstausgabe des Kempe-Ausschnitts war das vollkommen legitim, auch ich habe mich mit solchen Querschnitten, z.T. auch 45er EPs, an viele Werke, vor allem Opern, herangetastet. Allerdings läßt sich z.B. "Rigoletto" oder "Tosca" viel besser als Querschnitt produzieren, da gibt es ausreichend Schnittstellen.


    Wagner ist bei mir ein Sonderfall: Die frühen Opern (Holländer, Tannhäuser, Lohengrin, auch Meistersinger) höre ich gerne, aber mit dem "Ring" und auch mit Parsifal tue ich mich bis heute schwer. Das mag auch daran liegen, daß eben gerade diese durchkomponierten Werke sich wenig für einen sogenannten Querschnitt eignen, wie eben auch beim "Rheingold". Ich werde mir aber den Kempe-Verschnitt jetzt trotzdem bestellen, Du hast mich neugierig gemacht! Und der Preis ist ja lächerlich gering.


    Ich wünsche Dir einen schönen Abend, und Gruß an Max!


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Auch Karajans erste Einspielung einer Schumann-Sinfonie fand in der Grunewaldkirche Berlin statt:

    SCHUMANN: Sinfonie Nr. 4 d-moll, Op. 120

    Herbert von Karajan dirigiert die Berliner Philharmoniker (Aufnahme: 25./26.4.1957, MONO).

    Leider stand damals in Berlin noch kein Stereo-Equipment zur Verfügung. Kurioserweise ist die gekoppelte Brahms-Sinfonie im Mai 1955 in London bereits in Stereo aufgezeichnet worden.

    Die Aufnahme hatte damals gegen die legendäre Furtwängler-Version von 1953 (DGG) allerdings schlechte Karten. Wäre sie bereits stereophon aufgezeichnet worden, hätte die Sache anders ausgesehen. Trotzdem eine erwähnenswerte Interpretation.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Dieser Tage "entdeckte" ich in meinem CD-Bestand noch folgende schöne, wenn auch ganz zu Unrecht wenig bekannte Aufnahme aus der Berliner Grunewaldkirche:

    ROSSINI: Stabat Mater

    Pilar Lorengar (Sopran), Betty Allen (Alt), Josef Traxel (Tenor), Josef Greindl (Baß),

    Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin & Berliner Symhoniker, Dirigent: Karl Forster (Aufnahme: 6/1960, Grunewaldkirche Berlin, Stereo).


    Sängerisch eine Top-Besetzung, vor allem die junge Spanierin Pilar Lorengar und Josef Traxel singen mit Herzblut und glockenreiner Stimme. Natürlich zählt der Dirigent nicht zu den sogenannten Pultstars, aber Forster war nicht nur Musiker, sondern auch Priester und hatte zu Sakralmusik einen ganz besonderen Draht. Davon zeugen noch etliche andere Aufnahmen aus dieser Zeit, u.a. eine großartige "Schöpfung". Mein Vergleich mit den ungleich berühmteren Versionen von Kértesz (mit u.a. Pavarotti) und Giulini (DGG) fiel eindeutig zugunsten der Forster-Aufnahme aus, die auch klanglich, trotz ihres Alters, mehr als zufriedenstellend ist. Sie befand sich bereits als Einzelplatte in meiner umfangreichen LP-Sammlung:

    Gioacchino Rossini - Sabat Mater (Vinyl) | Discogs


    Auf der 2 CD-Box befinden sich weitere Vertonungen der Sequenz "Stabat Mater" von Verdi, Poulenc und Szymanowski. Diese sind allerdings mit anderen Solisten und Orchestern und auch nicht in der Grunewaldkirche entstanden. Insgesamt ein schönes Doppelalbum.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).