Mario Lanza und seine Filme

  • Liebe Taminos,


    Mario Lanza gehört wohl – neben Maria Callas – zu den am meisten diskutierten und auch am kontroversesten beurteilten Sängern in der neueren Geschichte des (klassischen) Gesangs, wobei sich bei beiden fanatische Bewunderung und krasse Ablehnung die Waage halten. Doch während bei der Sopranistin – die nur wenige der heute noch Lebenden auf der Bühne gesehen haben und die mangels fehlender 'bewegter Bilder' (abgesehen von zwei TV-Aufzeichnungen des zweiten „Tosca“-Aktes) heute nur anhand ihrer Tondokumente beurteilt werden kann - sich die Frage nach der (durchaus umstrittenen) stimmlichen Qualität und ihrer Gesangstechnik durch ihre singuläre gestalterische Ausdrucksvielfalt in großen Opernrollen fast erübrigt, ist es bei dem Tenor - nach Meining vieler 'Experten' - gerade umgekehrt: das zweifellos prachtvolle Stimm-Material wird wegen fehlender Opernpraxis durch einen (oberflächlich gesehen) phantasie- und stillosen Gesang konterkariert, unterstützt durch das Singen von belangloser Musik in noch belangloseren Unterhaltungsfilmen. Zudem wird diese Einschätzung durch die hierzulande noch immer praktizierte Unterscheidung von E- und U-Musik untermauert, während in den Vereinigten Staaten – und Mario Lanza war gerade wegen seines Immigranten-Hintergrunds eine typisch amerikanische Erscheinung – ein Sänger, der beide Musikrichtungen 'bedient', sich besonderer Aufmerksamkeit sicher sein kann.


    Die meisten Melomanen rümpften damals – und rümpfen noch heute – die Nase, wenn der Name 'Mario Lanza' in Verbindung mit klassischem Gesang genannt wird. Ein Tenor, der seine weltweite Popularität der Mitwirkung in mediokren Filmen und dem millionenfachen Verkauf von Schallplatten mit 'seichtem' Repertoire verdankt, der nur einige wenige Male auf der Opernbühne stand und - angeblich - keine Noten lesen konnte (was aber durch zahlreiche Aussagen von Sänger-Kollegen und Dirigenten widerlegt wurde)! Und doch hat dieser Sänger eine positive Spur in der Biographie vieler Menschen – die meistens aus kleinbürgerlichen Verhältnissen kamen, denen die 'elitäre' Welt der klassischen Musik fremd war oder die, selbst wenn in ihrer Nähe ein Opernhaus erreichbar war, dies aus 'Schwellenangst' nicht betraten - hinterlassen, weil er in ihnen durch einen Kinobesuch oder die Fernsehsendung eines seiner Filme den Grundstein der Liebe und Begeisterung für die klassische Musik und die Oper gesetzt hat.


    Natürlich sieht man diese – innerhalb von zehn Jahren von 1949 bis 1959 gedrehten – Filme heute mit ganz anderen Augen: eine meistens triviale Handlung an der Grenze zum Gefühlskitsch, die lediglich dazu dient, die Gesangsnummern des 'Helden' herauszustellen, ein etwas fragwürdiges Frauenbild und kaum ein Anflug von Sozialkritik. Aber die Menschen jener Zeit versuchten, nach den Problemen und Verwerfungen der davor liegenden Jahre sich mit Hilfe von schönen bunten Bildern und leicht eingängiger Musik aus ihrem oft öden und tristen Alltag wegzuträumen. Man sollte daher diese, oft abfällig als 'Schnulzen' bezeichneten, Filme unter diesem Blickwinkel sehen. Ausserdem wurden sie durch die verwendeten Musiknummern (Opernarien, italienische Canzonen und Tenorschlager) und nicht zuletzt durch Mario Lanzas Stimme 'veredelt'.


    Beim Wiederanschauen von seinen sieben Spielfilmen - von „The Student Prince“ ('Alt-Heidelberg') habe ich nur einige Ausschnitte in meiner Video-Sammlung, aber da ist nur seine Stimme zu hören, während sein 'Double' Edmond Purdom im Vergleich zum Darsteller Mario Lanza geradezu farblos und einförmig wirkt, was aber von der Regie so beabsichtigt war und worüber noch zu reden ist – mit einem Abstand von zwanzig Jahren ist mir positiv aufgefallen, was für ein lockerer und vielseitiger Schauspieler er auch war und wie emphatisch er seine Gesangsstücke mit geradezu 'sprechender' Mimik und Gestik vorträgt. Dies kann man auch bei den auf YouTube zu sehenden Live-Auftritten beobachten; das mag aus heutiger Perspektive altmodisch wirken, aber diese Art des 'Zelebrierens' scheint mir wesentlich effektiver als das hierzulande bei Arien-Konzerten (im Fernsehen) oft zu beobachtende 'Steh und sing-Gehabe', wo schon das Heben einer Augenbraue als 'Ausdruck' gilt und jede Emotion in den Gesang verlagert wird.


    Neben Elvis Presley und Frank Sinatra war Mario Lanza in den 50er Jahren der größte Gesangsstar Amerikas, seine Schallplatten erzielten Millionenumsätze und seine Filme gingen um die ganze Welt. Der „Schwann Record & Tape Guide“ verzeichnete noch 1975 neunundzwanzig Einzel-LPs, wobei seine Exclusiv-Schallplattenfirma 'RCA Victor' Lanza als 'klassischen' Sänger mit der Prefix 'LM' bzw. 'LSC' vor den Katalognummern (mit rotem Etikett) einstufte – die Katalognummern der 'Pop-Sänger' hatten die Prefix 'LPM' bzw. 'LSP' und ein schwarzes Etikett. Noch bis Mitte der achtziger Jahre hielt die 'RCA Victor' seine Platten hochpreisig im Katalog, ständig durch erstmalige Veröffentlichung von Live-Mitschnitten seiner Konzerte und Fernseh-Auftritte ergänzt.


    Da ich festgestellt habe, dass die sogenannten 'Mario-Lanza-Filme' schon seit Jahren nicht mehr im deutschsprachigen Fernsehen zu sehen waren und es auch nicht von allen VHS- bzw. DVD-Veröffentlichungen gibt, werde ich sie in den nächsten Wochen hier vorstellen, indem ich die Handlung nacherzähle und die in den Filmen vorgetragenen Musikstücke nenne. Es muss vorab darauf hingewiesen werden, dass der Soundtrack zu den im Playback-Verfahren gedrehten MGM-Filmen nicht mit den von Lanzas Exclusiv-Schallplattenfirma 'RCA Victor' (in Verbindung mit diesen Filmen) veröffentlichten Aufnahmen identisch ist. In den Tonstudios der MGM in Hollywood wurden die einzelnen Gesangssstücke stets vollständig eingespielt, aber in den endgültigen Filmen sind meistens nur Bruchstücke davon zu sehen oder sie wurden erst gar nicht in den Film übernommen (wie z. B. ein Duett aus „Rigoletto“ mit Jarmila Novotna und Mario Lanza für „Der große Caruso“). Eine eingehende Beurteilung der gesanglichen Ausformung der gezeigten Musikstücke seitens des Tenors ist somit von daher kaum möglich.


    In chronologischer Reihenfolge beginne ich in den nächsten Tagen mit Mario Lanzas erstem Spielfilm „That Midnight Kiss“ aus dem Jahre 1949.


    Carlo

  • Mario Lanza gehört wohl – neben Maria Callas – zu den am meisten diskutierten und auch am kontroversesten beurteilten Sängern in der neueren Geschichte des (klassischen) Gesangs, wobei sich bei beiden fanatische Bewunderung und krasse Ablehnung die Waage halten.

    Lieber Carlo, ist das wirklich so? Sollten sich auch bei der Callas fanatische Bewunderung und krasse Ablehnung die Waage halten?

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Ich freue mich auf die Besprechung der Filme. Ich denke, das ist auch von dokumentarischem Wert, denn mir ist (zumindest in deutscher Sprache) kein Text bekannt, der sich auf die Mario-Lanza-Filme konzentriert.

    Über die naserümpfenden Melomanen möchte ich nur sagen: Wer Gesangsstimmen mag, kommt an Lanza wohl nicht vorbei. Wer Gesangstechnik mag, kann sich auf Kurt Equiluz fokussieren.

    Seriöse Musiker wie Carreras, Domingo usw. erzählen, dass sie ohne Lanza wohl keine Sänger geworden wären, dann dürfen wir normalsterbliche Opernfreunde uns wohl auch mit ihm beschäftigen.

  • Lieber Rüdiger,


    ich bin kein ausgesprochener Callas-Fan, obwohl ich ihr am 20. 5. 1963 bei ihrem Stadtbummel in Begleitung von Georges Prêtre auf der Düsseldorfer 'Kö' – sie gab abends ein Konzert in der Rheinhalle – begegnet bin (sie stand minutenlang neben mir und begutachtete laut kommentierend die Schaufensterauslage einer Buchhandlung) und ich auch ein Autogramm von ihr besitze. (Einige Callas-Fans, denen ich davon erzählte, wären an meiner Stelle vermutlich in Ohnmacht gefallen.) In Paris habe ich aus purer Neugier im Juni 1977 – einige Wochen vor ihrem Tod – vor ihrem Wohnhaus in der Avenue Georges Mandel No. 36 im vornehmen 16. Arrondissement gestanden und war etwas enttäuscht über das profane Wohnungsumfeld. (Der baumbestandene Mittelstreifen dieser Straße heißt heute 'Allée Maria Callas' und am Haus befindet sich eine Tafel.)


    Aber ich habe schon in den 50er Jahren sehr viele Unterlagen über sie gesammelt (Zeitschriften, Opernkritiken, Schallplattenrezensionen und Fotos); inzwischen sind mehrere internationale Bücher und 11 Video-Kassetten (à vier Stunden) mit TV-Dokumentationen dazugekommen. Ich kann mich noch sehr gut an die damals in der Öffentlichkeit z. T. sehr heftig geführten Diskussionen (sogar mit Prügeleien) erinnern, wobei es aber meistens um ihre Persönlichkeit (die “Tigerin”) und ihre angeblichen 'Skandale' ging, was durch oft provokante Äußerungen der Sängerin noch untermauert wurde. (Ein Zeitungsinterview begann sie mit den Worten: “Von welchem Skandal soll ich Ihnen erzählen?”.)


    Mich haben ihre Persönlichkeit und ihre Ausstrahlung fasziniert, aber – ehrlich gesagt – ich fremdle mit ihrer Stimme (das berühmte 'Bitterorangen-Timbre') und ich finde die Callas eigentlich nur in solchen Rollen kongenial, die eine gewisse Nervosität und Unbedingtheit in sich haben, z. B. Tosca, Norma, Medea, La Gioconda – aber für zahlreiche andere ihrer auf Tonträgern fest gehaltenen Partien kenne ich überzeugendere Interpretationen. Sie war für mich in erster Linie eine 'Darstellerin' mit einer bei einer Opernsängerin selten zu erlebenden faszinierenden mimischen und gestischen Ausdruckskraft, doch leider gibt es bekanntlich nur wenige optische Dokumente ihrer Schauspielkunst.!


    Aber bevor hier jetzt eine große Diskussion über die 'Einzige' – fanatische Fans nennen sie sogar die 'heilige Maria' – losgeht, kehren wir besser zum Thema “Mario Lanza und seine Filme” zurück; auch da lässt es sich herrlich diskutieren!


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Lieber Carlo, das ist ja eine sehr schöne Geschichte, für ich mich nur kurz bedanken will, um den Fortgang des Themas nicht zu stören. Nur soviel: Die hartgesottenen Callas-Jünger scheinen inzwischen ausgestorben oder zahm geworden zu sein. Selbst habe ich ihre Aufnahmen, die ich sehr gut kennen. Nur hören teue ich sie fast nie mehr. Das war natürlich in meiner Jugend ganz anders. Dennoch halte ich sie für eine der begnadensten Sängerinnen, der in der Gegenwart niemand auch nur das Wasser reichen kann. Sie ist aber - wie ich finde - als historisches Phänomen zu begreifen. Als ich mir dieser Tage einen "Macbeth" aus Berlin ansaute, dachte ich bei mir: Nicht mit einem Ton konnte es die dort agierende Lady mit der Wahrhaftigkeit der Callas in dieser Rolle aufnehmen. Muss sie auch nicht. Die Zuschauer wollen Idole haben und feiuern, die noch leben und nicht die Toten anbeten. Das kann ich sehr gut verstehen und nachvollhziehen. Und es ist auch richtig so.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Hallo,


    Mario Lanzas erster Spielfilm war:


    „That Midnight Kiss“ (Ein Kuss um Mitternacht') (MGM 1949) (Farbe, 96 Min.)


    mit Kathryn Grayson, Ethel Barrymore, Marjorie Reynolds, José Iturbi, Keenan Wynn, Jules Munshin, Thomas Gomez, J. Carrol Naish u. a. / Regie: Norman Taurog


    Philadelphia, 1949. Die steinreiche Mäzenatin Abigail Trent Budell (Barrymore) beabsichtigt, ihrer Heimatstadt ein Opernhaus zu finanzieren, um ihrer Enkelin Prudence (Grayson), die gerade nach einem fünfjährigen Gesangsstudium aus Europa zurückgekehrt ist und bei ihrer Großmutter wohnt, den Schritt in das Rampenlicht zu ermöglichen. Prudence singt dem mit Abigail befreundeten Dirigenten José Iturbi (Iturbi spielt sich selbst), der ein von Mrs. Budell gegründetes Symphonie-Orchester leitet, erfolgreich die Arie der 'Gilda' aus dem „Rigoletto“ vor und Iturbi wird von Abigail beauftragt, den gefeierten Tenor Guido Russino Betelli (Gomez) für die als Premiere ausgewählte „Lucia di Lammermoor“ zu engagieren. Doch Prudence hat Probleme, den korpulenten Sänger in seiner Liebhaberrolle zu akzeptieren.

    Als das von Abigail für Prudence gekaufte Klavier geliefert wird, bekommt die junge Frau mit, wie ein junger LKW-Fahrer (Lanza) das Klavier ausprobiert und dabei eine italienische Canzone singt. Es ist Johnny Donnetti, der bei der 'G. I. Trucking Company' arbeitet und Prudence kann Mr. Iturbi überreden, Johnny dort aufzusuchen, der ihm die Arie des 'Nemorino' aus dem „Liebestrank“ vorträgt. Johnnys musikalisch begabter Kollege, Artie Glenson (Wynn), erklärt sich spontan bereit, ihn zu managen, als Mr. Iturbi Johnny als Tenorsolist für eines seiner Symphonie-Konzerte engagiert. Johnny ist so glücklich über seinen Erfolg, dass er nach dem Konzert – es ist schon Mitternacht - Prudence vor dem Haus eine Serenade singt und sie in seine Arme nimmt und küsst, was ihrer Großmutter nicht verborgen bleibt.

    Eine zweite Probe zu „Lucia di Lammermoor“ wird von Prudence torpediert und Mr. Pemberton, Mrs. Budells 'rechte Hand' (Munshin), bringt den temperamentvollen Signor Betelli dazu, einen Tobsuchtsanfall zu bekommen. Prudence möchte Johnny als Partner, obwohl der Dirigent seine Zweifel hat. (José Iturbis Urteil über Johnny Donnetti nimmt das voraus, was auch Mario Lanza später immer vorgehalten wurde: „Die Stimme ist gut. Für eine Arie von sechs Minuten. Aber eine Oper dauert zwei Stunden. Und dazu gehört Routine, Erfahrung!“) Als Prudence in die Garage der Transportfirma kommt, um Johnny zu überreden, mit ihr aufzutreten, trifft sie dort nur die Sekretärin Mary (Reynolds) an und Prudence entnimmt ihren Worten, dass Johnny und Mary ein Paar sind.

    Als Johnny Prudence zu einer Party in die Gastwirtschaft seines Vaters (Naish) einlädt, lehnt sie ab und lässt sich verleugnen. Johnny, der sich das nicht erklären kann, versucht es erneut mit einem Ständchen vor Mrs. Budells Haus und wird von ihr über die Ursache von Prudences Verhalten aufgeklärt. Aus Enttäuschung und Wut bietet Johnny der patenten Mary die Verlobung an. Auf einer erneuten Probe weigert sich Johnny zu singen und kehrt der Theaterwelt den Rücken. Mr. Iturbi, der die Zusammenhänge ahnt, holt den Tenor Betelli zurück und sucht Johnnies Eltern auf. Er trifft dort auch auf Johnny, Artie und Mary und sie gibt Johnny sofort frei, zumal ihr Artie gesteht, dass er sie schon lange heimlich liebt.

    Es kommt zur Premiere. Mr. Iturbi fädelt auf den Rat seiner Schwester Amparo ein Komplott ein: er bringt Prudence in Johnnys Auftrag einen Strauss roter Rosen (worüber sie in Wut gerät, was ihm zeigt, dass sie Johnny noch immer liebt) und Mr. Pemberton und Artie booten Signor Betelli aus, indem sie ihm ein falsches – weil viel zu enges - Kostüm für die Opernvorstellung geben, worauf er seine Theater-Garderobe ein zweites Mal demoliert. Es folgt das 'Happy End' mit einem revueartig inszenierten Liebesduett (bei dem aber Prudence nicht im geringsten erstaunt wirkt, dass Johnny nun auf einmal vor ihr steht), aber nicht wie erwartet aus „Lucia di Lammermoor“, sondern aus einer fiktiven Oper - „Love is Music“ - zur Musik aus Chaikovskiis „Fünfter Symphonie“!


    Mario Lanza ist unzweifelhaft der Star des Films: locker, spielfreudig, jungenhaft und unverschämt gutaussehend. Neben ihm haben es die legendäre Ethel Barrymore und Kathryn Grayson schwer, sich zu behaupten. Das Drehbuch dürfte Mario Lanza wie ein Teil seiner eigenen Biographie vorgekommen sei, denn auch er hatte einige Jahre als Möbelpacker und LKW-Fahrer in Philadelphia gearbeitet und er kam ebenfalls aus einer italo-amerikanischen Familie. (Übrigens ist er in George Cukors Kriegsfilm „Winged Victory“ von 1944 kurz als Mitglied eines Militär-Chors zu sehen.) Einige Klischees - etwa Thomas Gomez als korpulenter Tenor mit Starallüren - und parodiehafte Szenen (u. a. als sich Abigails 'rechte Hand' Michael Pemberton als Dirigent mit der Ouvertüre zu Rossinis „Semiramide“ versucht) sind wohl dem Zeitgeist geschuldet. Der 'allmächtige' MGM-Boss Louis B. Mayer bot Hollywoods größtem weiblichen Gesangsstar jener Jahre, Deanna Durbin, die sich vom Kinderstar zur ernst zu nehmenden Schauspielerin entwickelte und als Sängerin von der Klassik bis zum Jazz ein respektables Repertoire beherrschte (die aber auch von den 'Melomanen' nicht anerkannt wird, da sich ihre Karriere ausnahmslos auf der Filmleinwand abspielte), 1 Million Dollar Gage für die Mitwirkung in diesem Film, doch sie hatte sich - frisch verheiratet - aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. MGM's neuer Gesangsstar Kathryn Grayson konnte sich mit Mario Lanzas 'Latino-Temperament' nicht anfreunden und so kam es nur zu zwei gemeinsamen Filmen. In dem von Plácido Domingo moderierten TV-Portrait von 1983 („Mario Lanza – The American Caruso“) hat die Sängerin dennoch freundliche Worte für den 'Womanizer' gefunden.


    Mit folgenden (teilweise gekürzten) Arien und Liedern ist Mario Lanza in „That Midnight Kiss“ zu hören: 'Una furtiva lagrima' („L'elisir d'amore“), 'Celeste Aida' („Aida“), „Mamma mia, che vo' sapé?“ (von Emmanuele Nutile), „I know, I know, I know“ (von Bronislav Kaper), „They didn't believe me“ (aus dem Musical „The Girl from Utah“ von Jerome Kern, zusammen mit Kathryn Grayson) und ebenfalls mit Kathryn Grayson in einem Duett aus der fiktiven Oper „Love is Music“ mit Musik aus Piotr Ilich Chaikovskiis „Fünfter Symphonie“, arrangiert von Charles Previn und seinem Sohn André, der hier sein musikalisches Film-Debüt gab. Kathryn Grayson singt außer der Arie 'Caro nome' aus „Rigoletto“ (mit José Iturbis Klavierbegleitung) Teile des Duetts „Verranno a te sull' aure' aus „Lucia di Lammermoor“ mit einem anonymen Tenor und das Lied „Die Nachtigall“ von Aleksandr Aliabiev (in englischer Sprache). Johnny Donnettis 'Kollegen' (das G. I. Quartett) stimmen in der Garage den Song 'Down among the shaltering palms' von Abe Olman an. Und schließlich ist auch der spanische Pianist und Dirigent José Iturbi zu nennen, dessen Filmrollen auch immer seinen Namen trugen: er spielt Ausschnitte aus Liszts und Chaikovskiis Klavierkonzerten (jeweils das 1.) und gemeinsam mit seiner Schwester Amparo Iturbi vierhändig die „Revolutions-Etüde“ von Frédéric Chopin. Der Dirigent der Gesangsnummern ist Charles Previn mit dem MGM Orchestra; die untermalende Filmmusik stammt von Robert Franklyn.


    Mario Lanzas exclusive Schallplattenfirma 'RCA Victor' veröffentlichte 1949 in Zusammenhang mit diesem Film eine LP (25 cm), die in Alben auch auf Schellack (3 Platten) und Vinyl (3 EPs) erschien und folgende Titel beinhaltete: 'Che gelida manina' („La Bohème“), 'Celeste Aida' („Aida“), „Mamma mia, che vo' sape'?“, „Core 'ngrato“ (von Salvatore Cardillo), „I know, I know, I know“ und „They didn't believe me“ (als Solonummer). Der Dirigent dieser Aufnahmen war Constantine Callinicos am Pult des RCA Victor Orchestras.


    Ich wünsche allen Lesern ein schönes Osterfest - trotz 'Corona'!


    Carlo

    Einmal editiert, zuletzt von Carlo ()

  • Hallo,


    hier ist Mario Lanzas zweiter Film:

    „The Toast of New Orleans“ ('Der Fischer von Louisiana') (MGM 1950) (Farbe, 95 Min.)


    mit Kathryn Grayson, Rita Moreno, David Niven, J. Carrol Naish, Richard Hageman, Clinton Sundberg, Sig Arno, James Mitchell u. a. / Regie: Norman Taurog


    Die Handlung dieses Films , den man wegen seiner vielen musikalischen Einlagen auch als Musical bezeichnen kann, spielt um 1910 im Bayou Country (Mississippi-Delta) und in New Orleans, der Hauptstadt Louisianas. Während eines Volksfestes trifft die Opernsängerin Suzette Micheline (Grayson) in Begleitung ihres Managers Jacques Riboudeaux (Niven) auf einer Durchreise in einem kleinen Küstenort ein, wo gerade die Segnung der Fischerboote statt findet. Der junge Krabbenfischer Pepe Duvalle (Lanza) und sein Onkel Nicky (Naish) verpassen durch eine Unachtsamkeit Pepes die religiöse Handlung, was Nicky als böses Omen wertet. Der Bürgermeister des Ortes (Arno) stellt die Sängerin den Festteilnehmern vor und bittet sie, etwas vorzutragen; davon animiert, stimmt Pepe in ihren Gesang ein und verärgert damit Suzette. Doch M. Riboudeaux ist von dem Tenor des jungen Mannes, der Suzette zu einem flotten Tanz auffordert, beeindruckt und schlägt ihm vor, seine Stimme ausbilden zu lassen.


    Bei einem Unwetter verlieren Nicky und Pepe ihr Boot und Pepe kommt auf den Gedanken, an der Oper von New Orleans Geld für ein neues Boot zu verdienen. Monsieur Riboudeaux lässt Pepe vom Kapellmeister Mr. Trellini ((Hageman) prüfen und weist seine 'rechte Hand' Oscar (Sundberg) an, den etwas burschikosen Laiensänger 'salonfähig' zu machen, was sich nach einem desaströsen Besuch eines vornehmen Restaurants auch als nötig erweist. Nachdem man Pepe gesellschaftlichen Schliff beigebracht und ihn modisch elegant eingekleidet hat, lädt Pepe die Sängerin zu einem romantischen Ausflug in die malerische Umgebung von New Orleans ein und lässt sich dabei hinreißen, sie zu küssen, was Suzette mit einer Ohrfeige quittiert. Als M. Riboudeaux von einer Reise zurückkehrt, macht Suzette ihm den Vorschlag, sie zu heiraten, doch er zögert und schiebt berufliche Gründe dafür vor. In Wahrheit ist ihm nicht verborgen geblieben, dass sich der 'Fischer' und Suzette nicht ganz gleichgültig sind, was durch ein Geständnis Pepes untermauert wird. Um Suzette zu zeigen, was er von ihrem distanzierten Verhalten hält, demonstriert Pepe ihr komödiantisch übertrieben sein inzwischen erlerntes gutes Benehmen.


    Schließlich kommt es für Pepes Operndebüt zur Probe von Puccinis „Madama Butterfly“, die vom Besuch seines Onkels und des Paares Tina (Moreno) und Pierre (Mitchell) aus Pepes Heimatort unterbrochen wird. Tina erkennt, dass Pepes verändertes 'vornehmes' Verhalten ihm eigentlich fremd ist und sie rät ihm, sich Suzette – deren eifersüchtige Reaktion auf ihren Besuch ihr zeigt, dass sich Sopran und Tenor lieben – gegenüber so unverstellt zu zeigen, wie er wirklich ist. Daraufhin macht Pepe seiner Angebeteten einen Heiratsantrag, doch Suzette lehnt ihn ab; sie gesteht aber dem verständnisvollen Jacques Riboudeaux, dass sie es lieber sähe, wenn Pepe wieder der urwüchsige 'Fischer von Louisiana' wäre. Während der Opernaufführung mit dem leidenschaftlichen Liebesduett zwischen 'Cho-Cho-San' und 'B. F. Pinkerton' schmilzt dann endlich der Widerstand Suzettes wie der Schnee in der Sonne...


    Nach dem großen Erfolg von „That Midnight Kiss“ schrieb man schnell ein Drehbuch für MGMs neuen Star: eine etwas triviale Handlung mit vielen Gelegenheiten für Kathryn Grayson und Mario Lanza, ihre Gesangsstimmen ertönen zu lassen, wobei man darauf achtete, dass es möglichst keine Bevorzugung gab. Der etwas anonyme Sopran der Sängerin aus North Carolina – deren Ziel es seit ihrer Jugend war, Opernsängerin zu werden und die als hoch bezahlte Entertainerin in Las Vegas endete - ist mit folgenden Musikstücken zu hören: 'O luce di quest'anima' ("Linda di Chamounix"), 'Je suis Titania la blonde' („Mignon“) und – kurz angesungen – 'La ci darem la mano' („Don Giovanni“ mit einem unbekannten Bariton), 'Regnava nell' silenzio' („Lucia di Lammermoor“), 'Ombre légère que suis mes pas' („Dinorah“) sowie mit Mario Lanza im Duett in 'Libiamo ne' lieti calici' („La Traviata“), dem (komplett) gebrachten zweiten Teil des Liebesduetts aus „Madama Butterfly“ (ab 'Vogliatemi bene, un bene piccolina') und den Duetten „Be my love“ (von Nicholas Brodszky) und „The Bayou Lullaby“ (ebenfalls von Brodszky).


    MGMs Absicht, Grayson und Lanza zu Nachfolgern des erfolgreichsten 'klassischen' Gesangspaares der Filmgeschichte - Jeanette MacDonald und Nelson Eddy - zu machen, schlug allerdings fehl, weil sich die Beiden buchstäblich nicht riechen konnten: Mario Lanza aß oft stark gewürzte Speisen und ging gerne auf 'Tuchfühlung', während Kathryn Grayson ihm gegenüber den 'Star' spielte und ihm deutlich zeigte, dass sie mehr Erfahrung im Filmgeschäft hatte. (Dennoch war die Sängerin mit Mario Lanzas Frau Betty befreundet und ließ sie und ihre vier Kinder nach dem Tod des Sängers in ihrer Villa in Los Angeles eine Zeitlang wohnen.) Bis heute gilt Kathryn Grayson als die ungekrönte Königin der amerikanischen Musikfilme, z. B. mit „Show Boat“ (Jerome Kern, 1951), „Lovely to look at“ (nach Kerns „Roberta“, 1952), „The Desert song“ (Sigmund Romberg, 1953), „Kiss me Kate“ (Cole Porter, 1953) und „The Vagabond King“ (Rudolf Friml, 1955). Und in dem 'Biopic' „So this is love“ stellte sie 1953 die bei einem Flugzeugabsturz in Kopenhagen 1947 tragisch jung verstorbene Opernsängerin Grace Moore dar.


    Aber die (vorwiegend weiblichen) Filmbesucher wollten hauptsächlich Mario Lanza und seine Tenorstimme hören – und sie wurden nicht enttäuscht. Er singt (kurz) die bekannten Arien aus „Carmen“, „L' Africaine“ und „Martha“ und die schon oben genannten vier Duette mit Kathryn Grayson, aber auch nicht weniger als vier Lieder, die von Nicholas Brodszky speziell für diesen Film und besonders für Mario Lanza komponiert wurden: „The Toast of New Orleans“, „Tina-Lina“, „Boom-Biddy-Boom“ und „I'll never love you“. (Die von 'RCA Victor' separat veröffentlichte Solo-Version von „Be my love“ wurde zum ersten Millionen-Hit Mario Lanzas.) Das MGM-Orchestra und ein Chor wurden dirigiert von Johnny Green (in den Opern-Titeln) und von George Stoll; die Filmmusik komponierte Robert Franklyn. Bemerkenswert in diesem Film sind – neben David Niven in seiner wohl am meisten gespielten Rolle eines 'Gentleman' - die junge Rita Moreno (die es später als Anita in der „West Side Story“ zu Oscar-Ehren brachte) als Tina mit einer rasanten Tanzszene und der (bis zur 'Machtergreifung' beliebte) deutsche Schauspieler Siegfried Arno, dem es gelang, sich in Großbritannien und später in den USA - als 'Sig' Arno - eine respektable Filmkarriere aufzubauen.


    Die von 'RCA Victor' unter dem Titel des Films „The Toast of New Orleans“ veröffentlichte Schallplatte (25 cm), deren Aufnahmen allerdings mit den im Film verwendeten nicht identisch sind, hat folgenden Inhalt: das Duett 'Libiamo ne' lieti callici' („La Traviata“), aus „Madama Butterfly“ das Duett 'Stolta paura, l'amor non uccide... Dicon che oltre mare se cade' und die Tenor-Arien 'Mi batte il cor... O paradiso' („L' Africaine“), 'La fleur que tu m'avais jetée' („Carmen“) und 'M'appari, tutto amor' aus „Martha“. Die Sopran-Partnerin von Mario Lanza war Elaine Malbin von der New York City Opera; Constantine Callinicos leitete einen Chor und das RCA Victor Orchestra. Diese Aufnahmen wurden auch in Alben mit je drei Platten sowohl in Schelllack- (30 cm) als auch in Vinyl-Pressungen (17 cm) herausgegeben.


    Carlo

  • Danke für den schönen Bericht über diesen Film, der vermutlich der vergnüglichste unter allen Lanza-Filmen ist. Er kostet es aus, den Naturburschen zu spielen. Ich erinnere mich an eine Szene am Anfang, in der er einen Amboss oder so etwas Ähnliches hochhebt.


    Sehr interessant finde ich deine Schilderung der Beziehung Familie Lanza/K. Grayson. Der "etwas anonyme Sopran" ist schön ausgedrückt. Früher dachte ich, man habe extra eine so farblose Singstimme gewählt, um den Tenor Lanzas um so mehr strahlen zu lassen. Aber das ist natürlich falsch.


    Hinweisen möchte ich noch auf die biographische Parallele zu Mario Lanzas echter Opernkarriere. Er sang ja tatsächlich nur kurz davor in New Orleans den Pinkerton!


    Und hier noch eine sehenswerte Montage aus Szenen dieses Films. Die beiden Hauptdarsteller zeigen dabei die Bandbreite ihres mimischen Ausdrucksvermögens:


  • Liebe Mario-Lanza-Fans,


    heute geht es um seinen berühmtesten Film, der zahllose Musik- und Filmfreunde für die Oper begeistert hat:


    „The Great Caruso“ ('Der große Caruso') (MGM 1951) (Farbe, 105 Min.)


    mit Ann Blyth, Dorothy Kirsten, Jarmila Novotna, Yvette Duguay, Carl Benton Reid, Ludwig Donath, Richard Hageman, Pál Jávor, Eduard Franz und Alan Napier / Regie: Richard Thorpe


    Die Handlung dieses in strikt chronologischer Weise gedrehten Films ist eigentlich schnell erzählt, da das Leben Enrico Carusos durch mehrere Bücher dokumentiert ist und sein künstlerischer Werdegang jedem Opernfreund bekannt sein dürfte. Er beginnt mit der Geburt des dritten Kindes des Fabrikarbeiters Marcellino Caruso und seiner Frau Anna - vermutlich am 26. 2. 1873 - in Neapel, das den Namen 'Enrico' erhält (tatsächlich hieß er aber 'Errico'). Der Junge hat eine schöne Stimme, singt im Kirchenchor und nimmt mit 18 Jahren privaten Gesangsunterricht. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er damit, dass er Mehlsäcke ausliefert und sich in Musetta (Duguay), die Tochter des Mühlenbesitzers Barretto, verliebt. Doch der Vater des Mädchens lehnt ihn ab, weil er Sänger werden will, das ist doch kein Beruf! Alfredo Brazzi (Donath), ein Sänger des Teatro San Carlo in Neapel entdeckt und fördert ihn. Nach der üblichen 'Ochsentour' durch die italienische Provinz - mit sehr kurzen Filmszenen aus „Aida“ (als Chorsänger), als Spoletta in der „Tosca“, als Turiddu („Cavalleria rusticana“) und als Enzo in „La Gioconda“ - kehrt er wenige Jahre später zurück und muss enttäuscht feststellen, dass Musetta inzwischen verheiratet ist.


    So nimmt er ein Engagement.in London für den „Rigoletto“ an, wo er durch sein etwas unhöfliches Benehmen die Primadonna Maria Selka (Novotna) düpiert. 1902 trifft er in London auch Brazzi wieder, der nun sein Manager wird und ihm einen Vertrag mit dem New Yorker Metropolitan Opera House verschafft, dessen Intendant Giulio Gatti-Casazza (Franz) ist. Gleich die erste Probe dort („Aida“ - tatsächlich debütierte Caruso 1903 auch in New York als Herzog von Mantua) bringt ihm die Zuneigung der Sängerin Louise Heggar (Kirsten), des Baritons Antonio Scotti (Jávor) und des Dirigenten Carlo Santi (der Niederländer Richard Hageman, der wirklich Dirigent war und noch Aufführungen mit Caruso geleitet hat), aber irrtümlich glaubt er, der Begleiter Louises, Mr. Benjamin (Reid), sei ihr Vater. Dieser ist dadurch gegen Caruso eingenommen, umsomehr, als sich seine Tochter Dorothy (Blyth) in den Tenor verliebt hat. Weder eine erfolgreiche Canada-Tournee (mit kurzen Szenenausschnitten seiner Auftritte in „Il trovatore“, „Rigoletto“, „Tosca“ und „Cavalleria rusticana“) noch eine gefeierte Vorstellung von „La Bohème“ im Beisein des von Mr. Benjamin verehrten Jean de Reszke (Napier) oder ein Konzert des 'War Relief Benefit' 1918, bei dem Carusos Auftritt für 50000 US-$ zu Gunsten des Roten Kreuzes versteigert wird (er singt die Arie des Canio in Leoncavallos „I pagliacci“ - dieses Wohltätigkeitskonzert hat es tatsächlich gegeben), können Mr. Benjamin, der auch ein Patron der 'Met' ist, umstimmen.


    Gegen den Willen ihres Vaters nimmt Dorothy 1918 den Hochzeitsantrag Carusos an und ein Jahr später wird diese Verbindung durch die Geburt einer Tochter namens Gloria gekrönt. (Die beiden überlebenden Kinder Carusos aus der langjährigen Beziehung mit der Sängerin Ada Giachetti, Rodolfo und Enrico, verklagten die MGM, weil ihrer Ansicht nach der Film den Anschein erweckt, als sei Gloria das einzige Kind des Tenors gewesen. Der Prozess zog sich jahrelang hin und führte sogar zum Verbot des Films in Italien.) Als Caruso bei einer Abendgesellschaft ein Lied für sein Töchterchen singen will, bekommt er einen Hustenanfall und versucht, sich mit Äther zu kurieren. Wegen einer unbehandelten Rippenfellentzündung spuckt er Blut bei einer Aufführung von Flotows „Martha“ in New York und erleidet einen Schwächeanfall. Mit dem Fallen des 'Goldenen Vorhangs' der Metropolitan Opera endet der Film. (Tatsächlich war am Heiligabend 1920 als Eléazar in Halévys „La Juive“ der letzte Auftritt Enrico Carusos; er begab sich in New York in medizinische Behandlung und reiste zur Erholung nach Neapel, wo er am 2. 8. 1921 mit 48 Jahren an einer Blutvergiftung starb.)


    Im Jahre 1951 feierte Mario Lanza seinen 30. Geburtstag, die Musikwelt gedachte gleichzeitig des dreißigsten Todestages von Enrico Caruso. Schon lange hatte man in Hollywood daran gedacht, das Leben des großen Tenors zu verfilmen; fertige Drehbücher lagen in der Schublade, aber bisher hatte man keinen Sänger gefunden, der nicht nur passabel aussah und mimisches Talent besaß, sondern auch eine annähernd vergleichbar glänzende Tenorstimme besaß. In den 40er Jahren gab es den Plan, den Unvergessenen von einem Schauspiieler darstellen zu lassen, der zu den Originalaufnahmen Carusos den Gesang imitieren sollte.


    Aber wegen der bekannten Abneigung der Amerikaner gegen derartige 'Fakes' ließ man dieses Projekt wieder fallen. Bis heute werden in den USA fremdsprachige Filme im Kino und Fernsehen unsynchronisiert mit Untertiteln gezeigt; in den Unterhaltungsshows sind die Mitwirkenden vertraglich verpflichtet, live zu singen. Und die vielen 'klassischen' Sänger, die z. B. in TV-Sendungen wie „The Voice of Firestone“ oder „The Ed Sullivan Show“ auftraten, sangen stets ohne Playback. (Es ist auf den erhaltenen Videos oft amüsant zu sehen, wie unsichere oder darin wenig geübte Sänger während ihres Vortrages verstohlen kurz zum unsichtbaren Hilfsdirigenten oder auf einen Monitor mit dem dort zu sehenden Dirigenten blicken.) Einer der 'Skandale' in Mario Lanzas Karriere war, dass er in einer Fernsehshow zu einigen seiner Schallplatten den Gesang imitierte, weil er sich unpässlich fühlte; als das heraus kam, erhielt der produzierende TV-Sender körbeweise böse Zuschriften und die Zeitungen spekulierten seitenlang, der Tenor habe seine Stimme verloren.


    Nachdem man vergebens gutaussehende Tenöre wie James Melton oder Ferruccio Tagliavini getestet hatte, kam den Verantwortlichen bei MGM Mario Lanza wie eine Erlösung vor. Nachdem sein zweiter Film „The Toast of New Orleans“ nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Kritikern gut ankam und man mehrere Personen (darunter Carusos Witwe Dorothy) befragt hatte, die Caruso noch persönlich kannten, konnten die Dreharbeiten beginnen. Zuvor hatte Joe Pasternak, der Produzent von Lanzas ersten zwei Filmen, den Sänger, der inzwischen figürlich etwas 'zugelegt' hatte, zu einer zweimonatigen strengen Abmagerungskur auf einer Ranch in Oregon verdonnert. Man verpflichtete einige 'echte' Opernstars (wie Dorothy Kirsten, Marina Koshetz, Jarmila Novotna, Blanche Thebom, Giuseppe Valdengo und Nicola Moscona) und einen 'richtigen' Operndirigenten wie Peter Herman Adler für die Musikaufnahmen; auf Wunsch Mario Lanzas zog man auch seinen früheren Gesangslehrer Enrico Rosati – der schon Beniamino Gigli unterrichtet hatte – als Coach für ihn hinzu. Richard Thorpe übernahm wieder die Regie; die junge, aufstrebende Schauspielerin und Sängerin Ann Blyth übernahm die Rolle von Carusos Frau Dorothy und durfte ein Duett mit Mario Lanza singen („Under the Bamboo tree“ von Rosamund Johnson), das aber aus dem Film herausgeschnitten wurde, und ein Solo. Dieses Lied - „The loveliest night of the year“, in der deutschen Synchronisation auch in deutsch gesungen als „Wenn du mich liebst“ - verhalf Mario Lanza in dessen Schallplatten-Version zur zweiten 'Goldenen Schallplatte'; in Wahrheit handelt es sich hierbei um eine Bearbeitung des bekannten Walzers „Sobre las olas“ ('Über den Wellen') des mexikanischen Komponisten Juventín Rosas.


    Bei den Aufnahmen der Opernteile des Films fiel auf, dass sich Mario Lanza im Beisein seiner 'Opernkollegen' gehemmt und unsicher fühlte, aber auch manchmal überheblich wirkte, obwohl sich die anderen sehr um ihn bemühten und ihm zu zeigen versuchten, wie man diese oder jene Gesangslinie noch effektiver bringen könnte und wo man den Ausdruck noch intensivieren kann. In einem „Time“-Interview vom August 1951 drückte Peter Herman Adler, der Dirigent der Operntitel aus „The Great Caruso“, seine Besorgnis aus: „Seine Stimme ist noch nicht gefestigt, sein Aufstieg war zu schnell. Er weiß das selbst, fühlt sich unsicher und gibt umsomehr an. Aber nachdem er einmal ein Star geworden ist, wer soll ihn da auf die Schulbank zurückbringen? Ich habe versucht, ihm ein Jahr Ausbildung in Italien zu empfehlen, wo Dutzende von Operngesellschaften junge Naturtalente richtig großziehen. Aber wer weiß, ob es nicht schon zu spät ist?“


    Die Premiere des Films fand am 29. 5. 1951 vor geladenen Gästen im 'Egyptian Theatre' in Hollywood statt, wenige Tage später folgte die öffentliche Erstaufführung in der riesigen New Yorker „Radio City Music Hall“ und es war ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges; Lanza erhielt auch für seine schauspielerische Leistung glänzende Kritiken und wochenlang stand „The Great Caruso“ auf Platz 1 der meistgesehenen Filme Amerikas mit einem Einspielergebnis von 5 Millionen US-$. Die Popularität Mario Lanzas erreichte einen Höhepunkt und machte ihn – da er an den Einspielergebnissen beteiligt war und zwei gleichzeitig von 'RCA Victor' mit dem Titel „The Great Caruso“ produzierte Langspielplatten (eine mit einigen Gesangsnummern des Films und eine zweite nur mit Opernarien) Umsatzrekorde erzielten – zum mehrfachen Millionär.


    Abschließend die Auflistung der im Film zu hörenden Musiknummern in der Reihenfolge der Handlung: Eine kurze Passage aus dem „Magnificat“ von Johann Sebastian Bach; den zehnjährigen Enrico Caruso stellt Peter Edward Price dar und es singt für ihn die Sopranistin Jacqueline Allen mit den St. Luke's Episcopal Church Choristers / „'A vucchella“ (von Francesco Paolo Tosti) / „La Danza“ (Gioachino Rossini) / als Zusammenfassung von 'Carusos' frühen Auftritten sehr kurze Ausschnitte aus „Aida“ (als Chorsänger), aus „Tosca“ (als Spoletta), aus „Cavalleria rusticana“ (mit Marina Koshetz) und aus „La Gioconda“ / „Rigoletto“ ('La donna è mobile'), vollständig – aber das Duett 'È il sol dell' anima' mit Jarmila Novotna als Gilda wurde aus dem Film herausgeschnitten, die Tonaufnahme ist aber erhalten / „Torna a Surriento“ (Ernesto De Curtis) mit Klavierbegleitung / „Aida“ ('Ritorna vincitor'), gekürzt, gesungen von Dorothy Kirsten / ebenfalls aus „Aida“ 'Se quel guerrier io fossi... Celeste Aida' (komplett) und das gekürzte Finale 'O terra addio' mit Dorothy Kirsten und Blanche Thebom / „La Bohème“ ('Che gelida manina'), unvollständig / „Mattinata“ (Leoncavallo) a cappella – in einer Kutsche stehend für die Fans vor dem Bühnenausgang gesungen / Als sehr kurze Beispiele für Aufführungen einer Tournee: „Il trovatore“ ('Miserere' mit Lucine Amara, die nicht zu sehen ist); das Quartett 'Bella figlia dell' amore' aus „Rigoletto“ (mit Kirsten, Thebom und Giuseppe Valdengo); die Arie des Cavaradossi 'E lucevan le stelle' aus „Tosca“ und das Trinklied des Turiddu aus „Cavalleria rusticana“ mit Teresa Celli, die ebenfalls nicht zu sehen ist). / „Sweethearts“ von Victor Herbert, gesungen von Dorothy Kirsten / „I pagliacci“ ('Recitar!... Vesti la giubba') in einer konzertanten vollständiger Darbietung / Das „Ave Maria“ von Bach/Gounod – der neben ihm stehende Chorknabe wird von Jacqueline Allen gesungen! / Das schon oben erwähnte Lied „The loveliest night of the year“ mit Ann Blyth / Aus Donzettis „Lucia di Lammermoor“ der erste Teil des Quintetts 'Chi mi frena in tal momento' mit Dorothy Kirsten, Blanche Thebom, Gilbert Russell , Giuseppe Valdengo und Nicola Moscona / „Because“ von Guy d'Hardelot / Zum Schluss die Arie des Lyonel 'M'appari, tutto amor' und das Finale von Flotows „Martha“ mit Kirsten, Thebom und Moscona / Alle diese Musikstücke werden geleitet von Peter Herman Adler am Pult des MGM-Orchestra; zu beachten ist, dass sie jeweils in voller Länge aufgenommen wurden, im fertigen Film aber großteils nur in Fragmenten ertönen. (Der aus Gablonz stammende Adler war bekannt durch zahlreiche TV-Operninszenierungen bei der NBC und später beim NDR in Hamburg.) Die von 'RCA Victor' veröffentlichten Schallplattenaufnahmen sind nicht mit den Tonaufnahmen des Films identisch und werden von Constantine Callinicos (ohne weitere Solisten) dirigiert.


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Es ist genau, wie Carlo in seiner Einleitung schreibt:

    Neben Domingo, Carreras und anderen Größen der Musikwelt, die bezeugt haben, dass sie durch diesen Film bzw. Mario Lanza generell zur Oper gekommen sind, kann das auch greghauser2002 von sich behaupten ;).


    Daher weiß ich deinen Einsatz in diesem Thread sehr zu schätzen, lieber Carlo.


    Was für außergewöhnliche Perlen diese Film-Soundtracks bieten, die - wie uns Carlo erklärt - nie für den kommerziellen Verkauf gedacht waren, zeigt dieses Beispiel:


  • Lieber Gregor,


    wieder einmal vielen Dank für das Posten dieses Videos.


    Zu Deinem Beitrag Nr. 9: Es ist ein Anker, den Mario Lanza am Beginn des Films „The Toast of New Orleans“ stemmt. Der Sänger hatte schon in jungen Jahren regelmäßig Bodybuilding trainiert und zeigte seinen eindrucksvollen Thorax gerne her, so z. B. auch in seinem nächsten Spielfilm „Because You're Mine“ ('Mein Herz singt nur für Dich') in einer Musterungs-Szene beim Militär.


    LG


    Carlo

  • Hallo,


    hier ist der nächste Film mit Mario Lanza!

    „Because You're Mine“ ('Mein Herz singt nur für Dich') (MGM 1952) (Farbe, 100 Min.)


    mit Doretta Morrow, Paula Corday, Jeff Donnell, Spring Byington, Celia Lovsky, James Whitmore, Don Porter, Eduard Franz, Bobby Van, Curtis Cooksey, John Maxwell, George Renavent u. a. / Regie: Alexander Hall


    Mario Lanzas vierter Spielfilm beginnt mit einer Musterungsszene beim Militär. Eine Stimme aus dem 'Off' versichert uns, dass der Tenor Renaldo Rossano nur eingezogen wurde, weil er vier Wochen zu spät auf die Welt kam – vier Wochen früher und er hätte mit 26 Jahren über dem Limit zur Einberufung gelegen. (Mario Lanza war bei den Dreharbeiten 30 Jahre alt.) Dass der Rekrut als Wochenverdienst 5000 Dollar angibt, macht ihn bei seinen Kameraden (u. a. Bobby Van) und Vorgesetzten verdächtig. Sergeant 'Bat' Batterson (Whitmore) nimmt sich vor, dem Mann 'besondere Aufmerksamkeit' zukommen zu lassen; doch als er erfährt, dass Renaldo ein gefeierter Tenor ist, kehren sich seine Absichten ins Gegenteil um, denn er ist ein großer Opernfan. Sgt. Batterson macht Renaldo den Wehrdienst so angenehm wie möglich, nimmt ihn gegenüber seinem Vorgesetzten, Captain Loring (Porter), in Schutz und ermöglicht ihm auch einen Auftritt in der Kirche – Lanza singt hier das berühmte „Lord's Prayer“ - wo ihn auch der General Montville (Cooksey) hört. 'Bat' beschließt, seine Schwester Bridget (Morrow) - die zwar in 'klassischem' Gesang ausgebildet ist, aber als Schlagersängerin beim Rundfunk jobbt - mit Renaldo bekannt zu machen, damit dieser durch seine Beziehungen ihre Gesangskarriere fördern kann. Bereits das erste Vorsingen Bridgets wird zum Tête-à-tête, was Renaldos Gesangspartnerin Francesca Landers (Corday) nicht verborgen bleibt.


    Renaldo überredet Batterson, ihm Urlaub für eine Reise nach New York zu gewähren, um Bridget während einer gemeinsamen Schallplattenaufnahme mit Francesca seinem Manager Albert Foster (Franz) vorzustellen. Doch ehe sich Albert Bridgets Stimme anhören kann, klärt die eifersüchtige Francesca Bridget über Renaldos angebliches 'Liebesleben' auf. Als Batterson davon erfährt, beginnt er Renaldo nach seiner Rückkehr in die Kaserne zu schikanieren. Es kommt sogar zu einer Prügelei zwischen Renaldo und Batterson, so dass Capt. Loring beide zu 30 Tagen Arrest verdonnert. Die Vermittlungsversuche von Renaldos Mutter (Lovsky) und Battersons Freundin Patty (Donnell) scheitern ebenso an Renaldos Sturheit wie auch Bridgets Liebesgeständnis und die Intervention der Generalsgattin Mrs. Montville (Spring Byington in einer 'Cameo'-Rolle). Inzwischen hat sich eine Militär-Delegation der Vereinten Nationen angekündigt und General Montville befiehlt Renaldo, auf einer Feier zu singen. Doch erst als Renaldo in der Gruppe der ausländischen Militärs den mit ihm befreundeten französischen General Montal (Renavent) entdeckt, macht er den Mund zum Singen auf. Mit Renaldos – und Mario Lanzas - Darbietung des Liedes „Granada“ kommt der Film schließlich zum 'Happy End'.


    Mario Lanza wollte diesen Film eigentlich gar nicht drehen, da ihm die etwas abgedroschene - wenn auch durch das Militär-Ambiente Abwechslung bringende - Handlung wie ein Rückschritt in alte Klischees erschien: wieder sollte er einen Operntenor spielen, der sich in eine junge Frau verliebt und sie erst nach einigen Verwicklungen in die Arme schließen kann. So begann er, den Drehbeginn hinauszuzögern und eine ihm von MGM verordnete Abmagerungskur zu boikottieren. Auch hatte er Differenzen mit Doretta Morrow, die vom Musical kam – sie hatte in der Uraufführung von „The King and I“ die Rolle der Prinzessin 'Tuptim' verkörpert und gab hier ihr Filmdebüt. Schließlich dauerten die Dreharbeiten acht Monate und waren für Miss Morrow eine derart negative Erfahrung, dass sie nie wieder einen Film drehte und zur Musical-Bühne zurückkehrte; in „Kismet“ kreierte sie kurz darauf am Broadway die 'Marsinah'. Zudem fühlte sich Lanza von James Whitmore, der in Aussehen und Darstellung Ähnlichkeit mit Spencer Tracy hat, 'an die Wand' gespielt. Wenn man genau hinschaut, kann man erkennen, dass der Film nicht chronologisch entstand, denn Mario Lanza hungerte sich im Laufe dieser acht Monate fast 40 Kilo herunter, was natürlich auf seine Gemütsverfassung großen Einfluss hatte. Er zeigte am Set Star-Allüren – wie immer, wenn er sich unsicher fühlte - und alle Beteiligten waren froh, als endlich die letzte Klappe fiel.


    Der musikalische Anteil des Films ist sehr abwechslungsreich; leider fehlt dem Titelsong „Because you're mine“* von Nicholas Brodszky die große einprägsame Melodie wie seinem ebenfalls Oscar-nominierten „Be my love“ (aus „The Toast of New Orleans“), das Doretta Morrow hier noch einmal singt. So setzte man in diesem Film die älteren, weltbekannten Lieder „Granada“* von Agustin Lara und „The Lord's Prayer“* (eine Vertonung des 'Vaterunser'-Gebets von Albert Hay Melotte) ein - und beide werden von Mario Lanza denn auch mit Inbrunst vorgetragen. Er ist noch mit folgenden Titeln zu hören: „Lee-Ah-Loo“* von Jonny Lehman, „Fluffy Foam“ ('Schaumflocke') von Jeff Alexander und „The song angels sing“*, Irving Aaronsons Bearbeitung einer Melodie aus dem dritten Satz der dritten Symphonie von Johannes Brahms. Lanzas Filmmutter legt seine Schallplatte mit der Canzone „Mamma mia, che vo' sapé“* auf und er selbst singt nur in kurzen Opern-Titeln: 'Questa o quella' aus „Rigoletto“ (mit seinen echten Eltern Mary und Anthony Cocozza in Statistenrollen), 'O Paradiso' aus „L'Africaine“ und das als Bühnenaufführung gegebene Finale* aus „Cavalleria rusticana“. (Wie der Vorspann verrät, wurde diese Szene von Wolfgang Martin einstudiert, der auch Kapellmeister an der Städtischen Oper Berlin war.)


    Doretta Morrow ist mit vier Titeln vertreten: dem Titelsong „Because you're mine“ (im Duett mit Mario Lanza) und dem schon erwähnten „Be my love“, mit Cole Porters „You do something to me“ und „Gummy for your tummy“ von Jeff Alexander. Die von Paula Corday dargestellte Opernsängerin Francesca Landers singt – mit der Stimme von Peggy Bonini – im Finale aus „Cavalleria rusticana“ und in den Schlussnoten des Duetts 'È il sol dell'anima' aus „Rigoletto“. Witzig ist die Szene, als Renaldo (Lanza) ihr per Telefon Ratschläge gibt, wie sie die Arie 'Casta Diva' aus Bellinis „Norma“ interpretieren soll. James Whitmore als Amateur-Opernsänger versucht sich an Graf Lunas 'Per me, ora fatale' aus Verdis „Il trovatore“ und der später sehr populäre Musical-Sänger und Showmaster Bobby Van bringt mit seinen Kameraden den „Garbage Can-Can“ von Jeff Alexander. Der Jeff Alexander Choir und das MGM-Studioorchester werden von Johnny Green geleitet. (Die mit * gekennzeichneten Titel – und zusätzlich „You do something to me“ - hat Mario Lanza mit dem Jeff Alexander Choir und den Dirigenten Constantine Callinicos und Ray Sinatra auch für 'RCA Victor' separat aufgenommen und sie erschienen auf einer 25cm-LP und auch in einer Box mit vier Schelllackplatten.)


    Carlo

  • Ein Videoclip aus dem Film, durch den man eine Vorstellung über die Machart des Films bekommt, den ich insgesamt eigentlich wenig gelungen finde. An eine Szene erinnere ich mich aber mit Vergnügen. Leider finde ich sie nicht in YouTube. Bei der angesprochenen Musterung hört ein von der Routine sichtlich gelangweilter Arzt einen Rekruten nach dem anderen mit dem Stethoskop ab. Begleitet von einem monotonen "Der Nächste". Als unser Mario an der Reihe ist und der Arzt sein Stethoskop ansetzen möchte, ist er plötzlich ganz verdutzt, weil sich der riesige Brustkorb des Tenors bereits direkt vor seiner Nase befindet. Die Szene ist recht komisch und zeigt, in welcher athletischen Verfassung Lanza war. Das war dann wahrscheinlich nach der angesprochenen Hungerkur.


  • „Because You're Mine“ ('Mein Herz singt nur für Dich') (MGM 1952) (Farbe,100 Min.)


    Bei den Russen gibt es den ganzen Film mit der erwähnten Szene zu Beginn in Originalsprache.


    Hier klicken>

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Liebe Fans von Mario Lanza!


    „The Student Prince“ ('Alt Heidelberg') (MGM 1954) (Farbe, 107 Min.)


    mit Ann Blyth, Betta St. John, Evelyn Varden, Edmund Purdom, Edmund Gwenn, Louis Calhern, Szöke Szakáll, John Williams, John Ericson, John Hoyt, Richard Anderson u. a. / Regie: Richard Thorpe


    „The Student Prince“ aus dem Jahre 1954 wird von zahlreichen Mario-Lanza-Fans nicht zum Kanon seiner anderen sieben Spielfilme gerechnet, weil er hier nicht 'in persona' mitwirkt, sondern – wie es im Vorspann heißt - nur 'The singing voice of Mario Lanza' zu hören ist. Die am 2. 12. 1924 im Jolson Theatre in New York 'offiziell' uraufgeführte Operette dieses Titels schuf der österreichisch-ungarische Komponist Sigmund Romberg (1887 – 1951), der 1909 nach New York kam, in einer Bleistift-Fabrik arbeitete und nebenher in einem Café als Pianist tätig war. Schon ein Jahr später hatte er sein eigenes kleines Orchester und er begann, für Varieté-Revuen und New Yorker Theater (darunter mehrere des aus Litauen stammenden 'Theaterkönigs' Jacob J. Shubert) die Musik zu operettenartigen Bühnenstücken zu schreiben. 1917 hatte seine 17. Operette „Maytime“ ('Maienzeit'/492) erfolgreich Premiere, dem 1921 „Blossom Time“ ('Blütenzeit'/576 – derselbe Stoff wie Bertés „Das Dreimäderlhaus“ und basierend auf Franz Schuberts Melodien) und als 38. Operette „The Student Prince“ (608) folgten. Zwei Jahre später schloss sich „The Desert Song“ ('Das Lied der Wüste'/471) an, gefolgt 1928 von seiner 47. Operette „The New Moon“ (das ist der Name eines Schiffes/509); es folgten noch neun weitere Werke. (Die Zahlen geben die Aufführungen allein nur während des ersten 'Runs' in New York an; wie fast alle Broadway-Bühnenstücke wurde auch „The Student Prince“ zuerst in der amerikanischen 'Provinz' – hier z. B. Atlantic City und Philadelphia - 'ausprobiert'.) Achtzehn Monate und 608 Vorstellungen nach der New Yorker Premiere schickte Jacob. J. Shubert zehn Operetten-Kompanien mit diesem Werk durch die U. S. A.; Romberg gehört damit zu den meistaufgeführten Musiktheater-Komponisten des 20. Jahrhunderts. (Seit 1974 wurde das Werk in englischer Sprache mehrere Jahre lang im Hof der Schlossruine von Heidelberg zur Freude der amerikanischen Touristen aufgeführt - 1997 sogar mit Jonas Kaufmann in der Titelrolle, was einen Auftritt in Günter Wewels TV-Sendung „Kein schöner Land: Heidelberg“ zur Folge hatte.)


    „The Student Prince“ basiert auf dem bekannten Theaterstück „Alt Heidelberg“, das Wilhelm Meyer-Förster 1901 nach seiner eigenen Novelle schrieb und das schon zwei Jahre später in New York gespielt wurde. 1932 kam Rombergs Operette unter diesem Titel am Deutschen Schauspielhaus in Berlin zur deutschen Erstaufführung – Rudolf Schanzer und Ernst Welisch besorgten die deutsche Textfassung – aber schon kurze Zeit später wurden die Aufführungen verboten, weil Romberg nicht 'arisch' war. (Die Rollennamen der nachfolgend genannten Inhaltsangabe des Hollywood-Films sind teilweise nicht identisch mit jenen der vieraktigen Operette; das Drehbuch erzählt die Handlung wesentlich stringenter, verändert sie aber auch; z. B. fehlt hier die Beziehung der Prinzessin Johanna zu dem Hauptmann Tarnitz.) Angeblich wurden in der deutschen Filmversion von 1955 ("Alt Heidelberg") auch die englischsprachigen Original-Lieder des Films deutsch synchronisiert; da ich nur die amerikanische Fassung des Films kenne, kann ich auch nicht bestätigen, dass Josef Traxel – wie es auf einer Schallplattenhülle dieses Tenors heißt - für Mario Lanza die Titelpartie singt.


    Die Operette „The Student Prince“ ('Der Studentenprinz') spielt um 1900 in dem fiktiven deutschen Duodezstaat 'Karlsburg'. (Am Beginn des Films wird prompt Schloss Neuschwanstein als Residenz des Königs gezeigt!) Der Zwergstaat steckt in finanziellen Schwierigkeiten und es droht die Annektion durch das Deutsche Reich mit seinem (ungenannten) Kaiser. Daher soll der Erbprinz Karl (Purdom) die Prinzessin Johanna (St. John) aus dem benachbarten Königreich Nordhausen wegen ihrer millionenschweren Mitgift heiraten und man arrangiert ein erstes Kennenlernen. Die junge Dame, die mit ihrer Mutter (Varden) angereist ist, hat aber ihre eigenen Vorstellungen von ihrem zukünftigen Ehemann und sie findet Karl zu steif und wenig romantisch. Auf Rat seines Erziehers Dr. Juttner (Gwenn), der in jungen Jahren in Heidelberg studierte, reist der Prinz mit ihm und seinem Kammerdiener Lutz (Williams) nach Heidelberg, um dort als angeblicher Student das 'wahre' Leben kennenzulernen. Sie nehmen Unterkunft im Gasthof „Zu den drei goldenen Äpfeln“, das von Herrn Ruder (der auch vor dem Krieg in Deutschland bekannte Szöke Szakáll in seiner letzten Rolle) und seiner hübschen Nichte Kathie (Blyth) geführt wird. Das lockere Studentenleben – das Incognito Karls ,wird schnell gelüftet und es gibt sogar ein Duell mit einem adligen Studenten, dem Grafen von Asterburg (Ericson)– und die bald erwachende Liebe zu Kathie lassen in Karl den Plan reifen, dem Thron in Karlsburg zu entsagen.und mit Kathie nach Paris 'durchzubrennen'. Doch da wird er plötzlich nach Hause zurück befohlen, sein Großvater, König Ferdinand (Calhern), ist schwer erkrankt und Karl muss die Regierung übernehmen. Doch während in der Operette nach dem kurz danach erfolgten Tod des Monarchen Karl nur davon träumt, noch einmal nach Heidelberg zu reisen und Kathie wiederzusehen, tritt er im Film diese Reise tatsächlich an. Kathie und Karl lieben sich unverändert, doch die junge Frau gibt ihrem Geliebten, der nun ein König ist, zu verstehen, dass ihre Liebe wegen des Standesunterschiedes keine Zukunft hat und sie nehmen endgültig voneinander Abschied. („The Student Prince“ ist übrigens – einige Jahre vor Lehár – eine der wenigen Operetten ohne Happy-End.)


    Es ist merkwürdig, dass MGM Mario Lanza nicht schon früher in der Verfilmung einer der in America so beliebten Operetten und frühen Musicals (in der Nachfolge des 'Traumpaares' Jeanette McDonald/Nelson Eddy) einsetzte. Vielleicht lag es daran, dass die Kombination Kathryn Grayson/Mario Lanza wegen privater Disharmonie nicht funktionierte. Noch einmal versuchte man, Deanna Durbin für die weibliche Hauptrolle in „The Student Prince“ vor die Kamera zu locken – vergebens. Die dann vorgesehene Jane Powell („Seven Brides for Seven Brothers“) wurde vor Drehbeginn schwanger und man verpflichtete schließlich Mario Lanzas Partnerin aus „The Great Caruso“, Ann Blyth, die aber erst noch von der 'Universal Film' frei gekauft werden musste. (Während der fast einjährigen Drehpause von „The Student Prince“ heiratete Ann Blyth und war am Ende der Dreharbeiten auch schwanger.) Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verfilmung von Rombergs erfolgreichster Operette waren nach kleinen Startschwierigkeiten gegeben – doch dann machte Mario Lanza dem neuen MGM-Boss Dore Schary und dem Produzenten Joe Pasternak einen Strich durch die Rechnung.


    Durch seinen mit MGM geschlossenen (und damals in Hollywood üblichen) 'Knebelvertrag' – man regelte sogar das Privatleben der Stars, schrieb ihnen vor, mit wem sie Umgang haben, was sie in Interviews sagen dürfen, ja sogar wie sie sich kleiden - war Lanza zu diesem Film gezwungen, obwohl er sich in mentalen Schwierigkeiten befand (heute würde man von einer Depression sprechen), die er mit Tabletten zu beheben versuchte. Wie Ann Blyth – die im Juli 1952 mit Mario Lanza die Tonaufnahmen für „The Student Prince“ machte - in einem Interview der „Opera News“ erklärte, hatte der Sänger nach „Because You're Mine“ nur minimal zugenommen; seine großen Alkohol- und Gewichtsprobleme kamen erst nach dem Eklat mit MGM. Zu den Tonaufnahmen erschien der Tenor gut vorbereitet und man konnte bei manchen Stücken gleich den ersten 'Take' verwenden. Es hatte sich aber schon herumgesprochen, dass Mario Lanza mit der Wahl des aus Deutschland stammenden Regisseurs Curtis (Kurt) Bernhardt, dem der Ruf eines 'Zuchtmeisters' vorausging, nicht einverstanden war und er MGM vergebens gebeten hatte, Richard Thorpe („The Great Caruso“) einzusetzen.


    Curtis Bernhardt hatte darauf bestanden, bei den Tonaufnahmen anwesend zu sein, vermutlich weil er auf die musikalische Gestaltung Einfluss nehmen wollte. Er kritisierte Lanzas emphatischen Gesangsstil und verlangte von ihm mehr zurückhaltendes – nach seiner Meinung wohl 'aristokratisches' – Singen. (Tatsächlich hört man bei einigen Liedern, dass sich Lanza dieser Anweisung fügte und wie 'mit angezogener Handbremse' sang.) Doch schon nach zwei Drehtagen und mehreren Wortgefechten mit Bernhardt verließ der Tenor im August 1952 das Studio in Culver City und erschien nicht mehr am Filmset, worauf man zunächst einige Szenen, bei denen Mario Lanza nicht mitspielen musste, vorzog. Erst als MGM ihm drohte, eine Klage wegen Vertragsbruchs gegen ihn zu erheben, kam er zu einer Kostümprobe – nur hatte er in den wenigen Wochen derart 'zugelegt', dass man ihm sofort eine strikte Abmagerungskur verordnete, der er sich in Palm Springs unterzog.


    Als Lanza wieder, um etliche Kilos leichter, am Drehort erschien, geriet er wieder in Streit mit Curtis Bernhardt und er verärgerte den Produzenten Joe Pasternak derart, dass der MGM-Chef Dore Schary ihn fristlos 'feuerte' und wegen Vertragsbruchs 5 Millionen Dollar Schadenersatz einklagte. (Zudem benachrichtigte MGM nach amerikanischem Gesetz alle Konzertagenturen und Rundfunk- und Fernsehsender, dass dem Sänger bis zum Ausgang des Prozesses alle Honorare zu sperren seien.) Die Dreharbeiten wurden abgebrochen. Schließlich einigte man sich im Mai 1953 aussergerichtlich: die Klage wurde zurückgenommen und Lanza aus seinem Vertrag entlassen; im Gegenzug stimmte er zu, dass seine Tonaufnahmen für „The Student Prince“ in dem fertigen Film unentgeltlich verwendet werden durften. (Er war so clever gewesen, sich die Tonaufnahmen zu seinen früheren Filmen von MGM gesondert bezahlen zu lassen.) Die Ironie der Geschichte: Curtis Bernhardt wurde die Regie an dem Film entzogen und Richard Thorpe, um dessen Einsatz Mario Lanza ja gebeten hatte, nahm im August 1953 auf dem Regiestuhl Platz.


    Schwierig gestaltete sich die Suche nach einem neuen Hauptdarsteller; man wollte ganz bewusst kein bekanntes Gesicht, um die Illusion einer Einheit von Darsteller und Sänger zu vermitteln. Der Brite Edmund Purdom, der als Mitglied der „Vivien Leigh-Laurence Olivier-Company“ die USA mit Aufführungen von Shakespeare-Stücken bereiste, erschien den MGM-Verantwortlichen europäisch und 'aristokratisch' genug für die Rolle des jungen Thronfolgers zwischen Pflicht und Liebe. Der Schauspieler, der sich privat für klassische Musik und technische Tonreproduktion begeisterte – er arbeitete später freiberuflich als Ton-Ingenieur für die 'RCA' in Italien (u. a. Mozarts „Il re pastore“ mit Reri Grist und Lucia Popp) und entwickelte ein System zur Stereophonisierung monauraler Tonaufnahmen – studierte wochenlang den Gesang Mario Lanzas, um seinen Part lippensynchron darzustellen. Dem Vernehmen nach empfanden die meisten Zuschauer und Kritiker die Besetzung der Titelrolle mit Edmund Purdom als zwiespältig, obwohl es an seiner schauspielerischen 'Performance' nichts zu beanstanden gab. Aber ihm fehlt Lanzas Ausstrahlung und man fragt sich beim Ansehen des Films und beim Hören der berühmten Stimme unwillkürlich, wie Mario Lanza als „Student Prince“ gewirkt hätte.(Später wurde Purdom mehr durch seine Affären bekannt als mit seinen Filmen – z. B. „Sinuhe, der Ägypter“ mit Jean Simmons, Victor Mature und Peter Ustinov, „Der Tempel der Versuchung“ mit Lana Turner oder „Des Königs Dieb“ mit Ann Blyth, David Niven und Roger Moore.)


    Natürlich ist dieser Film von Rombergs „The Student Prince“ nicht mit der Aufzeichnung einer Bühneninszenierung dieser Operette zu vergleichen, zumal er von den 24 Nummern der Partitur nur 8 Titel - neu orchestriert von Maurice de Packh - enthält. Zusätzlich 'modernisierte' man das Libretto der ehemaligen Schauspielerin Dorothy Donnelly – die schon für Romberg den Text zu „Blossom Time“ geschrieben hatte – und beauftragte Nicholas Brodszky drei neue Nummern zu komponieren: „Summertime in Heidelberg“ (ein Duett für Kathie und Karl) und die Solos für den Tenor „Beloved“ ('Night was just a masquerade') und „I'll walk with God from this day on“. Mario Lanza ist ausserdem noch mit folgenden Titeln zu hören: das populäre Trinklied (mit Chor) „Drink! Drink! Drink“, die berühmten Serenade „Overhead the moon is beaming“, das Ensemble „Ergo bibamus“, das Duett Kathie – Karl „Deep in my heart, dear“, das Lied „Golden Days in the sunshine of a happy youth“ (in Wahrheit ein Duett Dr. Engel – Karl Franz) und das Duett Kathie – Karl „Just we two, if they knew“ (das im Original aber ein Duett von Princess Margaret und Captain Tarnitz ist; im Film heißt die spätere Verlobte des Prinzen 'Johanna' – ihre Rolle ist in der Operette wesentlich größer - und der Hauptmann Tarnitz, ein Verehrer der Prinzessin, kommt im Film überhaupt nicht vor). Ann Blyth singt gemeinsam mit Mario Lanza die schon erwähnten drei Duette und ihr großes Solo „Come, boys, let's all be gay, boys“; ein Chor von 'Studenten' (Jeff Alexander Choir) singt fröhlich „To the inn we're marching!“ und hebt zum traditionellen „Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus“ (mit Mario Lanzas tenoraler Unterstützung) die Bierkrüge. Das MGM-Filmorchester dirigieren Constantine Callinicos (Vokalaufnahmen) und George Stoll (Filmmusik).


    Da ich auch ein großer 'Fan' der amerikanischen Operette und der 'klassischen' Musicals bin, habe ich auch mehrere Querschnitt-Aufnahmen von „The Student Prince“ im Regal stehen:


    Lauritz Melchior und Jane Wilson / Male Chorus and Orchestra / Dirigent: Victor Young (gekoppelt mit „The Vagabond King“ von Rudolf Friml mit Alfred Drake, Mimi Benzell und Frances Bible / Chorus and Orchestra / Dirigent: Jay Blackton ('Decca' 1949)


    Robert Rounseville, Dorothy Kirsten, Genevieve Warner, Clifford Harvuot, Wesley Dalton, Frank Rogier u. a. / Chorus and Orchestra / Dirigent: Lehman Engel ('Columbia' 1952)


    Mario Lanza und Elizabeth Doubleday / Chorus and Orchestra / Dirigent: Constantine Callinicos (gekoppelt mit Operetten- und Musical-Liedern) ('RCA' 1952)


    Mario Lanza und Norma Giusti / Chorus and Orchestra / Dirigent: Paul Baron (gekoppelt mit Operetten- und Musical-Liedern) ('RCA' 1959)


    William Lewis, Jeanette Scovotti, William Chapman, Saramae Endich, Mallory Walker, Peter Palmer, Robert Nagy und Lee Cass / Chorus and Orchestra / Dirigent: Lehman Engel (gekoppelt mit "No, No, Nanette" von Vincent Youmans mit Jeanette Scovotti, John Hauxwell, William Lewis und Bryan Johnson unter Lehman Engel) ('RCA' / 'Readers Digest' 1962)


    Jan Peerce, Roberta Peters, Giorgio Tozzi, Anita Darian, Lawrence Avery, James Wainner, Robert Regan, Robert Sands u. a. / The Merrill Staton Choir / An Orchestra / Dirigent: Franz Allers ('Columbia' 1963)


    Gordon MacRae, Dorothy Kirsten, Gerald Shirkey and Members of the Roger Wagner Chorale / The Roger Wagner Chorale / An Orchestra / Dirigent: Van Alexander ('Angel Records' 1978)


    Es gibt auch einen englischsprachigen Querschnitt mit Erik Geisen, Celia Jeffreys und Dieter Hönig sowie dem Chor und dem Orchester der Hamburgischen Staatsoper unter Stefan Gyártó bei 'Bayer Records' auf LP und CD. Diese Aufnahme habe ich nicht und auch nicht den Querschnitt von 1953 mit Gordon MacRae, Dorothy Warenskjold und Harry Stanton unter George Greeley bei 'Capitol'.


    Ausserdem habe ich die Produktion des WDR Köln von 2012 aufgenommen, die unter der Leitung des mit diesem Genre vertrauten Dirigenten John Mauceri das Werk im englischen Original, aber mit deutschsprachigen Künstlern (und gekürzten Dialogen) bringt. (Eine CD-Veröffentlichung davon erschien bei 'cpo'). Die Titelrolle singt der Tenor Dominik Wortig, der einige Jahre lang der 'Star' des Opernhauses Hagen war – ich habe ihn dort oft in großen anspruchsvollen Rollen erlebt – und der beim WDR mehrere Operetten-Gesamtaufnahmen eingespielt hat (teilweise bei 'Capriccio' veröffentlicht). Merkwürdigerweise hat seine Karriere nie den von seinen vielen Bewunderern erhofften Verlauf genommen, obwohl er mit bedeutenden Dirigenten Konzerte (hauptsächlich geistliche Musik) in ganz Europa gegeben hat. Mittlerweile hat er eine Gesangsprofessur am 'Leopold-Mozart-Zentrum' der Universität Augsburg und tritt noch gelegentlich im Konzertsaal auf, wie noch vor wenigen Wochen in Düsseldorf. Hier abschließend die genaue Besetzung:


    „The Student Prince“ (Romberg): Erbprinz Karl Franz von Karlsburg – Dominik Wortig / Dr. Engel, sein Erzieher – Frank Blees / Graf Hugo, Adjutant – Vincent Schirrmacher / Kathie, Zimmerwirtin im Gasthof „Drei goldene Äpfel“ – Anja Petersen / Gretchen, Bedienung im Gasthof „Drei goldene Äpfel“ - Arantza Ezenarro / Die Studenten: Graf Asterberg – Joan Ribalta, Detlef – Vincent Schirrmacher, Lucas – Wieland Satter / Prinzessin Margaret – Theresa Nelles / Hauptmann Tarnitz – Christian Sturm / Der WDR Rundfunkchor Köln / Chorltg.: David Marlow / Das WDR Funkhausorchester Köln / Dirigent: John Mauceri / Sprachregie: Sabine Müller (Köln, WDR-Funkhaus, 18. - 22. 6. 2012) 'cpo' (Classic Production Osnabrück) (2 CDs, 2016) Gesamtaufnahme in englischer Sprache mit dem Original-Libretto von Dorothy Donnelly.


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Zitat

    „The Student Prince“ ('Alt Heidelberg') (MGM 1954) (Farbe, 107 Min.)

    mit Ann Blyth, Betta St. John, Evelyn Varden, Edmund Purdom, Edmund Gwenn, Louis Calhern, Szöke Szakáll, John Williams, John Ericson, John Hoyt, Richard Anderson u. a. / Regie: Richard Thorpe

    i?r=AzEPZsRbOZEKgBhR0XGMT1Rk5-X8lpDIiOvN4vTd5X3xAqaKTM5SRkZCeTgDn6uOyic gibt es hier > in der englischsprachige Version

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Lieber Carlo,


    ein hochinteressanter Artikel von dir, zumal ich von diesem Film fast nichts wusste, da ich zu der von dir im Einleitungssatz zitierten Gruppe gehöre.

    Natürlich könnten wir Fans nun beleidigt sein, dass du einem Film, in dem Lanza gar nicht mistspielt, gefühlt doppelt so viele Zeilen widmest, wie seinen Klassikern ;).

    Scherz beiseite: sehr informative Querverbindungen bis hin zu Jonas Kaufmann und Vincent Schirrmacher, der inzwischen in Wien (Volksoper) zu Recht ein großer Liebling geworden ist.

    Ergänzen möchte ich noch, was du einmal erzählt hast: Seine Schauspielkunst durfte man kritisieren, aber von einem Filmregisseur mochte Lanza sich nicht vorschreiben lassen, wie er zu singen habe.


    Lieber Orfeo,


    danke für den Link zum ganzen Film. Nach Carlos Beitrag hat man doch so richtig Lust, sich den einmal anzusehen. Vielleicht noch ein Wort zum Darsteller John Ericson, dem Darsteller des Grafen von Asterburg. Dieser ist in Düsseldorf als Joseph Meibes geboren und hat später eine sehr passable Hollywood-Karriere hingelegt. Er ist - wie ich gerade feststellen muss - vor exakt 14 Tagen 93-jährig verstorben.

  • Lieber Gregor,


    Danke für den Hinweis auf John Ericson, das wusste ich nicht. Da gab es also ausser der zweifachen Oscar-Gewinnerin Luise Rainer - nach der in Düsseldorf auch eine Straße benannt ist - noch einen 'Hollywood-Star' aus meiner Heimatstadt! (Dafür haben wir aber keine Helmut-Käutner-Straße; lediglich an Gustaf Gründgens wird mit einem Platz - der zur Zeit durch eine spektakuläre Bebauung aufgewertet wird - erinnert. Und die Namen der drei Wagner-Tenöre Max Alvary, Rudolf Laubenthal und Max Lorenz sucht man im Düsseldorfer Straßenverzeichnis vergebens. Aber Frank Zappa wurde diese Ehre zuteil, weil der mal ein paar Monate in Düsseldorf gewohnt hat!)



    Nachfolgend einige Details zu Mario Lanzas (nach meiner Zählweise) sechstem Spielfilm mit dem Titel "Serenade:


    Entbunden von der Gängelei durch eine Filmfirma, ohne Verträge für Konzerte – seine letzte triumphale Tournee durch die USA im Nachklang des „Caruso“-Films lag schon über ein Jahr zurück – und durch die Schadenersatz-Klage und dem damit verbundenen Gagen-Stopp auch finanziell angeschlagen, zog sich Mario Lanza Ende 1952 in seine Villa in Beverly Hills zurück; Hollywood war für ihn Vergangenheit. Ausserdem hatte er sich während der Auseinandersetzungen mit MGM von seinem Manager Sam Weiler getrennt und weil kaum Plattenaufnahmen anstanden, übte er auch nicht viel an seiner Gesangstechnik. Lediglich sein Familienleben – er war mittlerweile Vater von drei Kindern – schien in Ordnung zu sein.


    Als ihm 1954 der Fernsehsender CBS das Angebot machte, für eine Gage von $ 40.000 drei Stücke ('Vesti la giubba' aus „I pagliacci“, 'Some Days' aus Rudolf Frimls „The Vagabond King“ und die Canzone „A Marechiare“) im TV-Studio live zu singen, bekam er solche Panikattacken, dass man beschloss, das von den Amerikanern stets als Betrug angesehene 'Playback'-Verfahren einzusetzen. Als das nach der Sendung durch eine Indiskretion herauskam, wurde Mario Lanza in der Presse geradezu 'zerrissen' und obwohl er in eilig angesetzten Pressekonferenzen den Journalisten demonstrierte, dass er seine Stimme keinesfalls verloren hatte, blieb sein Ruf beschädigt. Als dann auch noch im Frühjahr 1955 ein mit viel Reklame angekündigtes vierzehntägiges Gastspiel (mit täglichen Auftritten) für $ 100.000 in Las Vegas am Abend seines ersten Auftretens dort wegen Erkrankung des Sängers – so die offizielle Begründung – abgesagt wurde, schien die Karriere Mario Lanzas beendet zu sein.


    Schließlich begab sich der Tenor in eine (erfolgreiche) nervenärztliche Behandlung und unterschrieb ohne Zögern und ohne große Bedingungen zu stellen Ende 1955 den Vertrag für einen weiteren Spielfilm, diesmal bei „Warner Brothers“:



    „Serenade“ ('Serenade') (Warner Bros. 1956) (Farbe, 120 Min. / Deutsche Version: 106 Min.)


    mit Joan Fontaine, Sara ('Sarita') Montiel, Vincent Price, Joseph Calleia, Harry Bellaver, Frank Puglia, Silvio Minciotti, Vince Edwards, Stephen Bekassy, Eduardo Noriega, Edward Platt sowie Licia Albanese und Jean Fenn / Regie: Anthony Mann.


    Bei den Filmkritikern gilt dieser Film als Mario Lanzas bester, weil er hier – unter der Anleitung des erfahrenen Regisseurs Anthony Mann - eine erstaunliche darstellerische Bandbreite zeigt. Leider fehlt in der deutschsprachigen Version, die ich mir vor Jahren beim ehemaligen Bezahl-Sender 'Premiere' aufzeichnete und die nur 106 Minuten lang ist, ausgerechnet eine Kernszene des Films: die Probe von Otellos Monolog ('Dio! Mi potevi scagliar') aus dem dritten Akt von Verdis „Otello“. (Aber bestimmt wird unser Gastmitglied 'orfeo', der sich ja ausgezeichnet in den Tiefen des Internets auskennt, die komplette Film-Version hier anzeigen können.)


    Wieder spielt Mario Lanza einen aus kleinen Kreisen stammenden, musikbegeisterten jungen Mann: Damon Vincenti, der nach dem Tod seiner Eltern auf dem Weingut seines Onkels in Kalifornien arbeitet und nach einem kurzen Gesangsunterricht davon träumt, einmal auf der Opernbühne stehen zu können. Gerade als ihm sein Cousin Tonio (Bellaver) berichtet, dass er ihm einen Termin für ein Probesingen bei dem Restaurant-Besitzer Lardelli ( Minciotti) verschafft hat – es ist noch heute eine amerikanische Tradition, jungen Sängern mit einem Auftritt in Restaurants Aufmerksamkeit zu geben – lernt Damon die schwerreiche, elegante Kendall Hale (Fontaine) kennen, die sich in Begleitung des jungen Boxers Marco Roselli (Edwards) mit ihrem 'Straßenkreuzer' verfahren hat. Damons Vorsingen ist erfolgreich und der mit Kendall befreundete Impresario Charles Winthrop (Price) lässt ihn von Maestro Marcatello (Calleia) weiter ausbilden.


    Bei einem seiner Auftritte im „Lardelli's“ sieht Damon Kendall wieder, die ihn sofort in ihren Bann zieht und er verfällt trotz Winthrops Warnung dieser Frau, die sich hobbymäßig der beruflichen Förderung junger Männer annimmt. Als er eine Auseinandersetzung zwischen Kendall und Marco mitbekommt, weil sie zu einem für ihn entscheidenden Boxkampf nicht erschien, ahnt Damon, dass sie nur mit den Gefühlen der Männer spielt, zumal sie bald ein neues Talent entdeckt hat: einen jungen Bildhauer namens Russell Hanson (Bekassy), der eine Büste von ihr anfertigen soll. Doch Damon kommt von Kendall nicht los, obwohl er inzwischen eine erfolgreiche Karriere als Tenor begonnen hat. Er probt an der Oper von San Francisco mit dem Regisseur Everett Carter (Platt) zum ersten Mal die Titelrolle in Verdis „Otello“ (mit Licia Albanese in ihrem ersten und einzigen Spielfilm) und sein Privatleben vermischt sich mit der Bühnenrolle: Damons Eifersucht steigert sich derart, dass er - weil er Kendall nicht im Publikum sieht - mitten in der Premiere die Vorstellung abbricht und in Kendalls Wohnung stürzt. Als er sie dort nicht antrifft, zerstört er wütend und verzweifelt Kendalls Portraitbüste.


    Damon hat nach einer desaströsen Probe zu Mozarts „Don Giovann“ an der Oper von Mexico City alle Auftritte abgesagt und versucht in dem kleinen Ort San Miguel de Allende zur Ruhe zu kommen. Nach einer Malaria-Erkrankung wird er im Haus von Manuel Montes (Puglia) und dessen Nichte Juana (Montiel) aufgenommen und gepflegt; nach seiner Genesung arbeitet er auf der Plantage von Manuel. Die Zuneigung Damons zu der schönen und stolzen Juana, deren verstorbener Vater Stierkämpfer war und die sich der besitzergreifenden Nachstellung eines Arbeiters ihres Onkels, Felipe (Noriega), erwehren muss, hilft ihm, wieder zum Gesang zu finden. Während eines Gewitters gestehen sich Damon und Juana ihre Liebe und der Sänger kehrt mit ihr nach Kalifornien zurück, wo sie heiraten. Sein Weg führt Damon auch zu Lardellis Restaurant, wo ein paar Jahre zuvor sein 'Sänger-Leben' begann. Charles Winthrop nimmt ihn erneut unter Vertrag und Damon singt wieder an der Oper – der Film zeigt übrigens Innenaufnahmen des „War Memorial Opera House' in San Francisco.


    In der Vorstellung von Cileas „L'Arlesiana“ sitzt auch Kendall unter den Opernbesuchern und sie lädt Damon und Juana zu einer Party ein, wo sie Damon Avancen macht und in einem Zwiegespräch Juana beleidigt. Diese versucht, mit einem improvisierten 'Stierkampf-Tanz' Kendall vor den Gästen bloßzustellen und verlässt danach ohne Damon verzweifelt die Party. Auf der Straße läuft Juana vor ein Auto, wird verletzt und ins Hospital gebracht. Damon muss ein Konzert geben und singt hier das Lied „Serenade“, das er einst für Juana einstudiert hat; nach dessen Vortrag bringt Tonio die gute Nachricht, dass Juana ausser Gefahr ist.



    Mario Lanza musste in diesem Film gegen einen großen 'Hollywood-Star' anspielen: Joan Fontaine (1917 – 2013). Die Schauspielerin, die in ihren frühen Filmen oft sanfte, schüchtern wirkende Frauen darstellte (die beiden Hitchcock-Filme „Rebecca“ und „Verdacht“), nutzte gerne die Gelegenheit, hier eine 'Femme fatale' zu spielen. (Im 'echten' Leben besaß sie einen Piloten- und einen Hochsee-Segelschein, fuhr Autorennen und war Bergsteigerin!). Ähnlich war auch ihre ein Jahr ältere Schwester Olivia de Havilland – die mit 103 Jahren nach dem Tod der Düsseldorferin Luise Rainer (2014) die älteste jetzt noch lebende Oscar-Gewinnerin ist – anfänglich auf das 'sanfte' Rollenfach („Vom Winde verweht“) festgelegt. In die Filmgeschichte eingegangen ist die Rivalität der beiden als Britinnen in Tokio geborenen Schwestern, die sich seit 1942 – als Joan den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt, die ebenfalls nominierte Olivia aber leer ausging – aus dem Weg gingen, was laut Insidern aber wohl an Joan lag. (Joan Fontaine schrieb übrigens eine viel Staub aufwirbelnde Autobiographie, während Olivia de Havilland, die seit Anfang der sechziger Jahre in Paris lebt und von der englischen Königin geadelt wurde – was ihre Schwester, die in den Vereinigten Staaten blieb, nicht mehr erleben musste – bis heute vornehm schweigt...)


    Die Spanierin Sara Montiel, die hier noch als 'Sarita' angekündigt ist, war die Ehefrau des Regisseurs von „Serenade“, Anthony Mann; nach einer kurzen Hollywod-Karriere kehrte sie nach Spanien zurück und war dort jahrzehntelang eine der bekanntesten Schauspielerinnen und Sängerinnen des Landes. Der aus Malta stammende Schauspieler und Musiker Joseph Calleia, der tatsächlich Calleja hieß - ob es eine verwandtschaftliche Verbindung zu dem maltesischen Tenor gleichen Namens gibt, weiß ich nicht – hat in sehr vielen amerikanischen Filmen mitgewirkt. Und Vincent Price, dem in „Serenade“ herrlich süffisante Texte zufallen (über Jean Fenn von der New York City Opera nach ihrem Vorsingen mit Mario Lanza in Lardellis Restaurant: „Die Stimme klingt wie die Bremsen des Orient-Express“ und dann direkt zur Sängerin selbst: „Ich habe eine solche Stimme wie die Ihre noch nie gehört – etwas ganz Besonderes.“) braucht man wohl nicht vorzustellen...


    Die folgende Auflistung der im Film verwendeten Musikteile bezieht sich auf die um 15 Minuten gekürzte deutsche Filmfassung! (Angeblich erklingen in der US-Version die beiden Duette aus „La Bohème“ mit Jean Fenn und „Otello“ mit Licia Albanese - wie auf dem „Original Sound Track Album“ von 'RCA' - komplett und neben dem Monolog des Otello 'Dio! Mi potevi scagliar' singt Lanza vermutlich auch noch die Arie 'Nessun dorma!' aus Puccinis „Turandot“!) Der Tenor ist hier endlich wieder mit zahlreichen – und teilweise von ihm vorher nicht gehörten - Operntiteln vertreten: 'Di rigori armato' aus dem „Rosenkavalier“, 'Amor ti vieta' aus Giordanos „Fedora“, die Stretta des Manrico aus „Il trovatore“, das (gekürzte) Duett Otello – Desdemona 'Dio ti giocondi' aus dem dritten Akt des „Otello“, ein drehbuchgemäß verpatztes 'Il mio tesoro' aus „Don Giovanni“, Meyerbeers 'O paradiso' („L' Africaine“) und das Lamento des Federico aus Cileas „L'Arlesiana“. Dazu kommen mehrere Lieder: „La danza“ von Rossini (mit Akkordionbegleitung), De Curtis' „Torna a Surriento“, zwei Kompositionen Nicholas Brodszkys für diesen Film („My Destiny“ und „Serenade“) und das „Ave Maria“ Schuberts. (Einige der Titel werden am Klavier von dem berühmten Pianisten Jakob Gimpel begleitet, der Mario Lanzas Plattenfirma 'RCA' verklagte, als diese bei der Veröffentlichung des „Original Sound Track Album“ - das merkwürdigerweise Otellos Monolog 'Dio! Mi potevi scagliar' ebenfalls nicht enthält - mit seinem Namen Werbung machte, obwohl Gimpel darüber Stillschweigen vereinbart hatte. Die Orchesteraufnahmen leitete Ray Heindorf am Pult eines ungenannten Orchesters.)


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Der Film ist künstlerisch gesehen wohl wirklich der beste Streifen Lanzas. Die dämonische Otello-Stimmung zieht sich durch den ganzen Film, in der Regie von Anthony Mann, der in der Tat ein absoluter Großmeister mit eigener Handschrift war (besonders allerdings im Western-Genre).

    Dafür ist Lanza leider körperlich schon ein wenig unansehnlich geworden. In seinen früheren Film-Auftritten kommt er da sympathischer rüber.

    Ich muss angesichts der langen Otello-Szenen daran denken, welches Ereignis er gerade auch in dieser leidenschaftlichen Partie auf der Bühne wohl gewesen wäre.

    Danke, Carlo.

  • Zitat

    Beim Wiederanschauen von seinen sieben Spielfilmen .....

    Lieber Carlo, ich will nicht vorgreifen, aber ich komme auf acht Spielfilme. Die beiden auf der Karte unten waren kein Paar, haben aber einen Film zusammen gedreht. Damit stehen noch zwei Filme aus, die ich aber schon gesichtet habe.

    Grüße von Orfeo


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    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Ich erinnere mich an einen Film Lanza's, den ich wohl in meiner Kindheit gesehen habe, und der zeigt, dass seine Filmkarriere nicht nur auf Hollywood beschränkt war. Da wirkte Lanza in einer US-amerikanisch-deutsch-italienischen Produktion mit und spielte an der Seite von Johanna von Koczian (die, wie ich gehört habe, heute leider dement in einem Seniorenheim lebt). Zum Cast gehörten auch Hans Söhnker und die große österreichische Schauspielerin Annie Rosar, die im Film oftmalig die geniale Partnerin von Hans Moser gewesen ist und gerne als gestrenge und hantige Ehefrau/Tante/Mutter/Schwiegermutter besetzt wurde.


    Der Film hatte im Laufe der Zeit wohl mehrere Titel. So heißt er zum einen "Der Sänger von Capri" und aber auch "Serenade einer großen Liebe". Der internationale Filmtitel ist "For The First Time".


    Lanza singt in dem Film neben italienischen Opernarien und Canzoni mit dem Lied Wer einmal nur in München war auch ein Lied in deutscher Sprache!

    Der Film ist in der Reihe Filmjuwelen auch auf DVD erschienen.


    Auf dem Szenenfoto sieht man von links, Söhnker, Ziege, Rosar, von Koczian und Lanza.


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    Gregor

  • For the First Time by Mario Lanza  For the first time >

    Man beachte die vier verschiedenen Schriftgrößen bei den Namen der Schauspieler.


    Den Sound-Track gab es auch als LP

    „La donna e mobile“ und das Quartett „Un di, se ben rammentomi …“ aus Rigoletto / „Come prima“ (For the First Time), ein Schlager von Panzeri, Di Paola und Taccani / „Oh, Capri“ / „Pineapple Picker / „O sole mio“ /das Terzett aus „Così fan tutte“ / „Vesti la giubba“ / „Ich liebe dich“ von Edvard Grieg /Todesszene aus "Otello“ / „Ave Maria“ von Franz Schubert / „Je n’en connais pas la fin“ von Marguerite Monnot / Triumphmarsch aus Aida /„Wer einmal nur in München war“ von Bette/Hauff.

    LSC-2338 – For The First Time ~ Mario Lanza — Shaded Dog


    Dann fehlt jetzt nur noch ein Film (wenn ich richtig gezählt habe)

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Lieber 'Orfeo',


    als ich in meinem Einführungsbeitrag zu diesem Thread schrieb: „Beim Wiederanschauen von seinen sieben Spielfilmen...“ , wollte ich damit - wohl etwas missverständlich - sagen, dass ich nur sieben Filme von Mario Lanza auf Video (Fernseh-Aufzeichnungen) habe. Von „The Student Prince“ ('Alt-Heidelberg') kannte ich bisher nur einige wenige Ausschnitte aus der amerikanischen Original-Version, weil der m. W. noch nie im Deutschen Fernsehen zu sehen war und es auch keine VHS-Veröffentlichung gab. (Als er Mitte der 50er Jahre in den deutschen Kinos lief, war ich noch zu jung.) Durch Deine Hinweise habe ich jetzt nicht nur endlich diesen Film, sondern auch „Serenade“ (wovon ich nur die 14 Minuten kürzere deutsche Fasssung auf Video habe) komplett sehen können. Vielen Dank dafür!


    Lieber Gregor,


    „Der Sänger von Capri“ bzw. „Serenade einer großen Liebe“ ist mir natürlich bekannt; das war Mario Lanzas achter und letzter Spielfilm. Im Nachhinein etwas makaber, dass er im Original „Zum ersten Mal“ ('For the First Time') heißt und produziert wurde er von einer deutschen Filmgesellschaft mit dem Namen 'Corona'. Aber vorher stelle ich Ende der Woche seinen siebten Film „Arrivederci, Roma!“ (im Original: „Seven Hills of Rome“) vor!


    Carlo

  • Ich greife jetzt vor und verlinke den letzten noch offenen Film von Mario Lanza. Ab sofort bin ich bis August mit miserablem Internetanschluß, aber umgeben von meckernden Lämmern und schnatternden Gänsen in Frankreich.


    Seven hills of rome.jpg Seven Hills of Rome >

    Der Film beginnt sehr abrupt, da fehlt also ein kleines Stück. Ich habe noch eine andere Version gefunden, aber da fehlte sogar noch mehr

    Das wars also! Sieben Filme in denen Mario Lanza zu sehen ist, in einem ist er nur zu hören.

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Lieber Orfeo,

    danke, dass du noch im Gehen weise Voraussicht zeigst und uns diesen Film nicht vorenthältst. Ich wünsche dir alles Gute für die nächste Zeit. Hoffentlich kannst du in Frankreich wenigstens Musik hören. Freue mich, nach deiner Rückkehr wieder von dir zu lesen. Dann wird die Mario-Lanza-Reihe unseres Carlos sicher abgeschlossen sein.

  • Alles zurück auf Null.


    Mir ist erst jetzt aufgefallen, dass die oben eingestellte Version von Seven hills of Rome russisch synchronisiert ist. Aber ich habe noch eine unsynchronisierte Fassung gefunden.

    SEVEN HILLS OF ROME 1957 >


    The Seven Hills of Rome

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt