Dr. Pingel´s Miniaturen

  • 113. Raabe, Technisat-Glotze mit neuer Fernbedienung, der Tatortreiniger: Pingel´s Binge Night


    Nach langer Zeit gab der Fernseher seinen Geist auf, beginnend mit dem Totalausfall der Fernbedienung. Also mühsame Handschaltung, bis endlich alles aus war.

    Dann Fachgeschäft, Beratung, Lieferung mit Aufstellung, Einrichtung und Sortierung der Programme, dazu Abtransport des alten Möbels.

    Abends erstes Binge Watching: drei Folgen "Der Tatortreiniger", die ich nicht noch nicht kannte. Dann eine kleine Runde Zappen.

    Die Sensation: der Fernseher von Technisat wird mit 2 Fernbedienungen geliefert, die normale, große, die jeder nicht benutzt, und dann - o Wunder - eine einfache. Nur die Tasten, die man immer braucht. Dazu alle schön groß - eine Art Senioren-Bedienung.

    Der Tatortreiniger! Was für Dialoge, verrückte Geschichten und außer Bjarne Mädel jede Menge unbekannte tolle Schauspieler.

    Es war spät, aber noch nicht richtig spät. Also noch Binge-Lesen".

    Aus unserem Bücherturm hatte ich mir einen Klassiker mitgenommen, Wilhelm Raabes "Die Chronik der Sperlingsgasse." Ich habe es vor Jahrzehnten das letzte Mal gelesen, was bedeutet, das ich ein noch nie gelesenes Buch in der Hand hielt. Gerade dieses Buch (1863) gilt ja als etwas langweilig und biedermeierlich. So war es aber überhaupt nicht. Es schildert eine Zeit, ähnlich unserer Zeit, voller Krieg, Streit, Gleichgültigkeit, Standesdünkel, auch von Liebe, Tod und unendlichem Schmerz im privaten Leben. Da musste ich doch gleich die ersten 50 Seiten (von 200) lesen, denn dieser gute alte Raabe hat für mich das geschrieben, was die Amerikaner, meist zu Unrecht, einen page turner nennen. Zum Schlafen war dann der nächste Tag da.

    Rechtschreibfehler werden über Nacht in den Duden gelegt (?)

  • 8.7. - EM-Halbfinale, Spanien-Frankreich 2:1


    114. Fußball ist unser Leben... naja, fast.

    Jeder kennt das: man sieht ein Spiel, geht in die Küche oder den Keller fürs Bier oder auf die Toilette, um das letzte Bier wieder loszuwerden. In dieser Zeit fällt ein Tor. Bei Deutschland-Brasilien habe ich auf diese Weise drei deutsche Tore verpasst

    (Zeitlupe ist ja nur ein Notbehelf).

    Ich habe dann beim DFB eine Aufwandsentschädigung für meine spielentscheidende Mitwirkung beantragt, worauf man mir kühl antwortete, ich sei bei den Anträgen die Nr. 5.000.000.001

    Ich habe jetzt zur noch laufenden EM den Antrag erneuert, wobei der DFB zurückschrieb, ich sei wohl derjenige, der in der Verlängerung in der 116. Minute, als das spanische Tor fiel und Deutschland ausschied, Bier geholt habe. Ich könne froh sein, dass der DFB von Regressforderungen vorerst absehe.

    Ich besitze eine sehr große prachtvolle spanische Fahne, die aber nach der Niederlage Deutschlands erstmal drei Tage unter Verschluss kam. Heute habe ich sie wieder in üppiger Form im Heck ausgebreitet. Am Container für leere Flaschen war sie gut zu sehen.

    Ein kleiner Trupp von drei mittelalten Männern ging vorbei. Pfiffe, Lachen und ein Ausruf "...das ist ja sowas von peinlich...."

    Meine Antwort:" Ich habe von Kindesbeinen an gelernt, dass im Sport der bessere gewinnen sollte."

    Sie hielten sich den Bauch vor Lachen.

    Aber sie ließen mich am Leben:pfeif:.

    Rechtschreibfehler werden über Nacht in den Duden gelegt (?)

  • 115. Ein Autoschlüssel


    Pingel: Ich brauche eine Kopie von diesem Autoschlüssel.

    Schlüsselmann: fertigt die Kopie.

    Pingel: Ich will den auf der Terrasse vergraben, damit ich immer Ersatz habe.

    Schlüsselmann: Sie wissen, was das Hauptproblem ist?!

    Pingel: Nein.

    Schlüsselmann: Sie vergessen die Stelle, wo Sie ihn vergraben haben!

    Pingel: Das ist kein Problem; ich schreib mir das auf.

    Schlüsselmann: Ja, dann findet der Einbrecher den Zettel und den Schlüssel und das Auto.

    Pingel: Nein, ich verschlüssele den Text, indem ich ihn mit hebräischen Buchstaben schreibe.

    Schlüsselmann: Tja, dieses Bildungsniveau werden wohl sehr wenige Einbrecher haben.

    Pingel: freut sich schon auf die nächste Kopie bei diesem Schlüsselmann.

    Rechtschreibfehler werden über Nacht in den Duden gelegt (?)

  • Nachtrag: natürlich bleibt diese Fahne erstmal eine Woche lang im Auto (Spanien: England 2:1 im Endspiel EM, 14.7.2024)

    Rechtschreibfehler werden über Nacht in den Duden gelegt (?)

  • 116. Das Klassenbuch


    In der Comedy-Szene gibt es einen Comedian, der sich "Herr Schröder" (Beiname "der Korrekturensohn") nennt. Er war 10 Jahre im Schuldienst und ist wirklich witzig, besonders für uns Lehrer, denn fast alle die grotesken Situationen, die er treffend schildert, haben wir auch erlebt. Unsre Schüler natürlich auch, wenn sie auch "auf der falschen Seite des Notenbuches waren", wie ich mich gerne zum Unmut meiner Anvertrauten geäußert habe. Es gehört zu einer kleinen Auswahl von Killer-Sätzen, deren man sich aber mit Vorsicht und Ironie bedienen muss.

    In seinen Shows ist das Klassenbuch ein beliebtes Thema. Die guten alten Klassenbücher, absolut stabil und reißfest! Das mussten sie auch sein, denn allzu oft begann der Unterricht damit, dass man das Klassenbuch aufs Pult haute. Um einen richtig gruseligen Knall zu erzeugen, brauchte man eine gewisse Technik, die aber auch Unbegabte schnell lernten. Mir ist es einmal gelungen, ein Klassenbuch so "mit Schmackes" (wie wir um Ruhrgebiet sagen) auf die Erde zu schleudern, dass es sich in Fetzen auflöste.

    Für diese Leistung bekam ich von meiner 6 rauschenden Beifall, der zum Orkan anschwoll, als ich versicherte, dass ich den Ersatz selbst bezahlen würde.

    Solche Sachen sind leider heute mit tablets nicht möglich.

    Herr Schröder zitiert immer gerne die witzigsten Klassenbucheintragungen, denn das war ein gewisser Sport, um den Kollegen beim Lesen Vergnügen zu bereiten. Allzu ausufernde Bonmots wurden aber von der Schulleitung nicht gerne gesehen, z.B. der Eintrag "Peter X. kommt selten pünktlich" oder "Chantal Müller telefoniert mit ihrem Liebhaber im Unterricht." Damals kamen die Handy auf und da klingelte schon mal eines im Unterricht. Von einem der Mädchen ließ ich mir das Handy geben und sprach mit ihrem Freund. Ich lud ihn in den Unterricht ein, wobei er aber einen Extra-Platz einnehmen müsse.

    Früher gab es keinen Datenschutz, sodass im Klassenbuch immer sämtliche Daten der Schüler standen, einschließlich der Namen und Berufe der Eltern. Diese der Berufe wurde von einem SPD-Kultusminister abgeschafft (ich habe vergessen, wann).

    Der Grund ist klar! Bis heute haben die meisten Lehrer vermutlich einen bias für die Kinder der Mittelschicht, weil das die Schicht ist, aus der sie auch stammen. Dazu gibt es neue Untersuchungen, aber das ist jetzt nicht das Thema.

    Rechtschreibfehler werden über Nacht in den Duden gelegt (?)