Dr. Pingel´s Führer durch den Bibeldschungel. Buch IV. Der Pentateuch (2.-5. Mose)

  • Erste Lieferung: Exodus

    Vorwort


    Ich versuche hier etwas Neues, um die Lesefähigkeit der Bibel (AT) zu verbessern. Ich trenne in diesen Lieferungen die eigentliche Geschichte des Volkes Israel vom Exodus (der Auszug aus Ägypten) bis zur Landnahme oder Einwanderung nach Kanaan (das ist der Euphemismus für die Besitzergreifung fremden Landes). Der andere Teil ist die summarische Darstellung der Gesetze und Geschlechtsregister, was keine besonders spannende Lektüre ist, aber doch eine Reihe von Überraschungen birgt. So kann jeder die Geschichte flüssig durchlesen; wer sich darüber hinaus für Gesetze und Riten interessiert, findet schnell das Gesuchte.

    Ich benenne die biblischen Bücher mit ihren lateinischen Namen (in Klammern die gängigen Abkürzungen).

    2. Buch Mose= Exodus (Ex) - der Auszug aus Ägypten

    3. Buch Mose= Leviticus (Lev) - alle Gesetze, besonders über die Leviten (die Priesterkaste)

    4. Buch Mose= Numeri (Num) - Numeri - die "Zahlen", also die Listen

    5. Buch Mose= Deuteronomium (Dtn)- alle Gesetze nochmal

    Zahlen am Anfang in "fett" sind die Kapitel der jeweiligen Bücher.

    Der berühmteste Film über den Exodus und Moses ist der von Cecil B. deMille mit Charlton Heston als Moses. Unser Kollege MDM mit seiner Tendenz zum Gewaltigen (MDM ist Mario del Monaco, der aber nie den Moses gesungen hat) hat Charlton Heston als Moses zu seinem Avatar erwählt.

    Nicht nur für Kinder gibt es einen wunderbaren Zeichentrickfilm, der "Prinz von Ägypten."


    Bibelfilme wurden normalerweise in meinem Unterricht als furchtbare Pein für unbotmäßige Schulklassen eingesetzt: endlose Dauer, grausamer Kitsch und unfassbare Langeweile waren hier die Disziplinierungsmittel.

    Dieser Film aber gefiel allen.

    Spruch des Konfuzius (Schiller):

    Dreifach ist der Schritt der Zeit: zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.

  • Das Buch Exodus (Kap. 1-40)


    1 Die Vermehrung des Volkes, Zwangsarbeit unter einem neuen Pharao, alle Söhne der Hebräer werden getötet.

    2 Moses wird geboren und auf dem Nil ausgesetzt. Eine Pharaonentochter findet ihn, und er wächst als Prinz am ägyptischen Königshof auf. Als Erwachsener tötet er im Streit einen Ägypter, flieht in die Wüste nach Midian. Dort heiratet er Zippora (sein Schwiegervater heißt Jithro/Reguel).

    3 Jahwe erscheint im brennenden Dornbusch und sendet ihn zum Pharaoh.

    4 Auseinandersetzung mit Jahwe am Horeb, Aaron geht mit ihm als Sprecher zum Pharaoh. Moses nimmt Weib und Kind mit. Sonderbar Vers 24: Gott will Moses töten, Zippora verteidigt ihn; die Beschneidung wird eingeführt.

    5 Die Zwangsarbeit der Hebräer wird verschärft.

    6 Bitte an den Pharaoh: "Let my people go!" (ab Vers 14 überspringen)

    7-10 Wunder vor Pharaoh (Stab und Schlange).

    Die Plagen: Wasser zu Blut, die Frösche, die Stechmücken, die Fliegen, Viehpest, Blattern, Hagel, Heuschrecken, Finsternis.

    11 Androhung der Tötung der Erstgeburt bei Mensch und Vieh.

    12 Einsetzung des Pessachfestes, Tötung der Erstgeburt, der Exodus.

    Interessant ist hier Vers 36: mit Billigung des Herrn "berauben" (das steht so wörtlich da) die Israeliten die Ägypter an immensen Werten von Schmuck und Gold (wobei ich mir nicht erklären kann, wie sinnvoll das ist für eine ausgedehnte Wüstenwanderung).

    Das Heer der Exilanten beträgt 600.000, die Kinder nicht gerechnet. Wie soll man sich das vorstellen?

    Essen, Trinken, Hygiene, Zusammenleben, Aggressionen; all das in einer Wüste, also einer besonders lebensfeindlichen Umgebung.

    13 Feuersäule und Wolkensäule, sie wandern Tag und Nacht.

    14 Durchzug durch das Schilfmeer, die Verfolgung durch die Ägypter, deren Untergang (die Stelle muss schmal gewesen sein, da man vom anderen Ufer die Leichen der Verfolger sehen konnte, V.30).

    15 Der Lobgesang des Moses und der von Miriam (Aarons Schwester) mit Paukenbegleitung.

    16 Wachteln und Manna, Sehnsucht nach den Fleischtöpfen Ägyptens (Vers 31). Wer möchte 40 Jahre Semmeln mit Honig essen?

    17 Wasser aus Steinen, Ankündigung der Vernichtung der Amalekiter.

    18 Jithro kommt mit Moses´Frau und den beiden Söhnen

    19 Wüste und Berg Sinai (Tabuzone außer für Mose).

    20 Die Zehn Gebote (Witz: Moses - Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: ich konnte ihn auf 10 herunterhandeln. Die schlechte: Ehebruch ist auch dabei). Vers 20: Du sollst nicht begehren das Eigentum deines Nächsten. Allerdings ist das Begehren nach ganzen Ländern und Völkern nicht nur nicht verboten, sondern das Ziel des Exodus.

    21-23 Altargesetze (überspringen)

    24 Der Bundesschluss. Die Ältesten besteigen den Sinai und sehen (V.9) Gott. Wie soll man sich das vorstellen?

    Jahwe erscheint dem Mose in Wolke und Feuer.

    25 Die Schaubrote (überspringen)

    26 Stiftshütte und Bundeslade (nur für Interessierte, die wissen wollen, worum es bei den "Jägern des verlorenen Schatzes" eigentlich geht).

    27-31 diverse Gesetze (überspringen). Vers 18: die beiden Steintafeln sind beschrieben vom Finger Gottes.

    32 Das goldene Kalb. Vermutlich ist es ein goldener Stier gewesen; in vielen Religionen galt der Stier als Fruchtbarkeitssymbol. Hier konnte man endlich den vielen Schmuck, den man den Ägyptern geraubt und bis hierher mitgeschleppt hatte, sinnvoll einsetzen. Die Tafeln der Gebote werden zerbrochen; die Polizeitruppe, nämlich die Leviten, brachten 3000 Menschen um. Der Schöpfer des goldenen Stieres, Aaron, bleibt verschont.

    33 Moses und Jahwe, Moses darf, anders als die 70 Ältesten, Jahwe nicht schauen.

    34 Neuer Bund, neue Tafeln. Hinweis für später: die Israeliten dürfen sich nicht mit den Kanaanäern vermischen.

    35-40 (überspringen) Hier wird beschrieben, wie die heiligen Gerätschaften hergestellt werden, was vorher angeordnet war.

    Spruch des Konfuzius (Schiller):

    Dreifach ist der Schritt der Zeit: zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.

  • Nachtrag zu Exodus 12,36: das Wort, das die Zürcher Bibel mit "berauben" übersetzt, heißt im Hebräischen "nazal" und hat verschiedene Facetten. Grundsätzlich: etwas sichern, etwas wegnehmen, aber auch (wie an dieser Stelle hier): berauben, plündern.


    2. Lieferung: Die Bücher Mose 3-5 (Leviticus, Numeri, Deuteronium)


    Hier geht es nur um den Fortgang der Erzählung, alle Gesetze und Kultvorschriften werden zunächst übersprungen. Das bedeutet, dass wir das Buch Leviticus ganz überspringen können und mit Numeri weitermachen.

    (Im Fettdruck die Kapitel)


    Numeri (4.Buch Mose)


    1-4 Das Wort "Numeri" bedeutet Zahlen, und damit geht es sofort los. Zunächst werden nur die wehrfähigen Männer über 20 erfasst, das sind ca. 600.000. Die Leviten sind keine Kämpfer, sondern sie versehen den Kult und sind gleichzeitig Polizeitruppe (ca.7.500 Männer). Zu allem kommen dann Frauen und Kinder, sodass wir mit einer Menschenmenge von 1,6 - 2 Millionen zu rechnen haben.

    5-9 Gesetze (überspringen)

    9, ab Vers 15: Wolkensäule und Feuersäule dienen nach wie vor als Wegweiser.

    10, nur Verse 1-10: Die Trompeten. Wenn sie blasen, versammeln sich die Menschen vor der Stiftshütte. Wie soll man sich das vorstellen? Wie kann eine solch riesige Menge von Menschen ein paar Trompeten hören? Die Trompeten sind übrigens Widderhörner, nicht mal Bachtrompeten!

    11 Beschwerden über das ständige Manna (Ölkuchen), Sehnsucht nach den "Fleischtöpfen Ägyptens". "Geliefert" werden Wachteln.

    12 Mirjam und Aaron lehnen sich gegen Moses auf, sie wollen eine Troika als Führung des Volkes. Dazu missfällt es ihnen, dass Moses eine Ägypterin geheiratet hat. Zur Strafe wird Mirjam für 7 Tage zu einer Aussätzigen.

    13 Die Kundschafter in die zu erobernden Gebiete kehren zurück. Sie bringen Trauben mit (das Logo des israelischen Touristikverbandes zeigt zwei Männer, die eine riesige Traube tragen). Dazu erzählen sie, dass sie erkundet haben, dass die betreffenden Völker sehr kampfkräftig seien.

    14 Die Kundschafter werden getötet, dabei waren sie nur die Boten. (Erstaunlich, wie alt dieser Topos ist!) Verse 14-20: Außer Josua und Kaleb wird keiner das verheißene Land betreten.

    15 Gesetze (überspringen)

    16 Aufstand der "Rotte Korach" (wohl eine Sängergilde). Die Erde verschlingt sie samt ihrer Kinder und 15.000 Sympathisanten.

    17-19 Gesetze, überspringen

    20 Auf der Wanderung zum Berg Hor zaubert Aarons Stab Wasser herbei. Am Berg stirbt Aaron. Die Edomiter erlauben den Durchzug nicht, daher muss ein Umweg gemacht werden.

    21 Das ungehorsame Volk wird mit Schlangenbissen gequält, nur wer auf die eherne Schlange von Moses blickt, kommt davon. Drei Völker, die die Durchreise verbieten wollen, werden niedergemacht.

    22-24 Kampf gegen die Moabiter.

    Die Novelle von Bileams Eselin (22, 1-35; 24, 1-9), später eingefügt.

    24-26 nicht lesen; es geht um die Verurteilung von Götzendienst, die Aufstockung der Levitentruppe auf 23.000.

    27 nicht lesen; Moses wird das neue Land nicht sehen, Josua wird sein Nachfolger.

    28-30 Gesetze; überspringen

    31 Kein Kapitel für Fundamentalisten und Erwachsene mit schwachen Nerven. Dieses Kapitel ist wohlweislich eines der unbekanntesten in der Bibel, weil es eines der grausamsten ist, was auch für Moses und Jahwe selbst gilt.

    Es geht um Völkermord, und zwar um einen Holocaust, d.h. ein Ganzopfer, in dem neben den Männern auch die Frauen und Kinder nicht verschont werden. Dazu werden die Städte niedergebrannt und alle Tiere sowie Hab und Gut geraubt. Am Leben bleiben nur 32.000 Jungfrauen, die dann jeweils zur Hälfte unter die Kämpfer als Ehefrauen und zur anderen Hälfte als Sklavinnen aufgeteilt werden. Bei den Israeliten gab es übrigens keinen einzigen Verlust.

    32-34 Das Ost-Jordan-Land wird an die Stämme verteilt, Jahwe gebietet ausdrücklich die Vertreibung der dort ansässigen Völker.

    35-36 Gesetze; überspringen


    Die meisten Menschen sind beunruhigt über die Stellen in der Bibel, die sie nicht verstehen, Ich bin beunruhigt über die Stellen, die ich sehr gut verstehe (Mark Twain).


    Spruch des Konfuzius (Schiller):

    Dreifach ist der Schritt der Zeit: zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.

  • Das Buch Deuteronomium (5. Buch Mose)


    Das Wort "Deuteronomium" bedeutet: "Das ganze Gesetz noch mal". Das steht dann auch drin, und wir benötigen hier nur Kap 31 (Josua wird Nachfolger von Moses) und 34: Moses darf das "Gelobte Land" sehen, aber nicht betreten. Moses sstirbt, sein Grab ist unbekannt.

    Spruch des Konfuzius (Schiller):

    Dreifach ist der Schritt der Zeit: zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.

  • 3. Lieferung: Kultstätten und Gesetze (Ex, Lev, Num, Dtn)

    Vorwort


    Ich habe wegen der besseren Übersicht und Lesbarkeit die eigentliche Handlung des Auszugs aus Ägypten und der Wüstenwanderung (die Landnahme erfolgt im Buch Josua) von den Gesetzen und Kultstätten getrennt. Diese werden nun nachgeholt.

    Man muss sich die Wüste Sinai nicht wie die Sahara vorstellen, also als Sandwüste. Sie ist eine gebirgige Steinwüste praktisch ohne Vegetation und Wasser. Wenn das Wasser kommt, dann in gewaltigen Fluten, die den ersäufen, der sich gerade im Wadi befindet. Außerdem kann man sich leicht verlaufen. Deshalb ist es bis heute so, dass niemand alleine oder ohne Kompass dort umherzieht.

    Auch die Gesetze sind eine solche Flut, die geradezu auf einen einprasselt. Daher habe ich die Gesetze nach SDachgruppen gegliedert. Die gute Botschaft am Anfang ist, dass man das nur lesen muss, wenn man sich dafür interessiert. Dazu muss man bedenken, dass vor allem die Opfergesetze im Judentum mit dem Fall Jerusalems (70post) obsolet wurden, da es keine Kultstätte mehr gab.

    Einige wichtige, interessante oder skurrile Gesetze werde ich aber zitieren.


    Die Kultstätte in der Wüste


    Hier handelt es sich um die Stiftshütte (am Anfang eher ein Zelt), darin waren die Opferaltäre und die Bundeslade. Diese enthielt die Steintafeln mit den 10 Geboten, dazu die Cherube und den Leuchter. In Lev. 24 ist alles beschrieben. Die Kleidung der Priester finden wir in Num.4.

    Im Internet findet man eine Reihe von bildlichen Rekonstruktionen von allem, das kann ich hier aus rechtlichen Gründen nicht vorstellen. Die Vorschriften im Text sind aber so genau, dass die Rekonstruktionen nicht schwer waren.

    Die Bundeslade ist verschollen, wir wissen nicht, ob es sie gab oder wo sie jetzt ist. Man vermutet sie unter der Tempelmauer, die ja noch existiert,aber niemand wird je eine Lizenz zum Ausgraben dort bekommen, nicht mal Indiana Jones.


    Man fragt sich natürlich, wie eine solche Völkergruppe auf der Flucht vor Verfolgung und vor dem Verhungern in einer lebensfeindlichen Umgebung sich den Luxus einer solchen Kultstätte leisten konnte. Zwar hatte man den Ägyptern ja viel Schmuck und Gold geraubt und wohl auch das Goldene Kalb wieder eingeschmolzen, aber das waren Güter, die in der Wüste ohne Wert waren.

    Noch fragwürdiger wird die Sache, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Menge von Tieren dort jeden Tag geschlachtet und geopfert wurden. Für Rinder gab es in dieser Wüste keine vegetation, die sie fressen konnten; Schweine waren unrein.

    Bei diesen Geschichten handelt es sich wohl um ein "vaticinium ex eventu", wie es die Forscher nennen, eine Prophezeiung, die nach dem Ereignis liegt, ein Euphemismus der besonderen Art.

    Spruch des Konfuzius (Schiller):

    Dreifach ist der Schritt der Zeit: zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.

  • 4. Lieferung: Das Opfer (Ex, Lev, Num, Dtn)


    Schon eine rasche Durchsicht des Pentateuchs zeigt, wie zentral die Gesetzgebung ist, besonders aber die Idee des Opfers. Kain und Abel sowie die "Opferung" Isaaks haben ja davon schon einen Vorgeschmack gegeben. Jetzt wird alles in strenge Gesetze mit drakonischen Sanktionen gegossen.

    Ex 13

    Heiligung und Opferung der Erstgeburt: von allen Lebewesen gehört die Erstgeburt Jahwe und muss geopfert werden. Beim Menschen wird die Erstgeburt durch ein Tier ersetzt (Num 18). Esel werden nicht geopfert.

    Ex 17-27

    17,11-14: im Blut sitzt das Leben. Ausbluten (Schächten) ist Pflicht bis heute.

    Ex 28

    Die Kleidung der Priester (Leviten).

    Ex 29

    Weihe der Priester, des Altars. Ab hier beginnt die Beschreibung der umfangreichen Schlachtungen vieler verschiedener Tierarten. Von den Leviten wird verlangt, dass sie sich auf die Schlachtungen verstehen. Neben den Teilopfern gibt es auch Ganzopfer durch Verbrennung (Holocaust, gr. für Verbrennen ganzer Lebewesen).

    Warum wird eigentlich so viel Fleisch gebraucht, dann verbrannt und selten verzehrt? Die Antwort: dies ist ein lieblicher Geruch für Jahwe, der damit beschwichtigt wird (Wissenschaftler nennen das "Beschwichtigungsopfer"): Ex 29, 18 und die Kap. 25 und 41. Fragen nach dem dahinterliegenden Gottesbild stelle ich hier mal nicht. Man sagt ja oft, dass mit Jahwe sich der Monotheismus durchgesetzt hat. Die Sache mit den Opfern muss man dabei wohl ausklammern.

    Ex 34,26

    "Du sollst das Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen." Das ist zunächst wörtlich gemeint, später hat sich das Gesetz dahin erweitert, dass bis heute Fleischprodukte und Milchprodukte getrennt werden müssen. Wir waren mit einer Reisegruppe 1969 in Israel unterwegs, damals auf dem einzigen israelischen Schiff, der "Molädät". Dort wurden Fleischprodukte und Milchprodukte dadurch getrennt, dass es für die jeweilige Sorte eigene Teller gab, denn sonst könnten sich Säfte in den Ritzen festsetzen und vermischen. Das gilt bis heute in der israelischen Gastronomie. Das hier angewandte Verfahren nennt man auch den "Zaun um das Gesetz". Damit das Gesetz auf keinen Fall übertreten wird, zieht man einen Zaun darum, der sicher verhindert, dass das eigentliche Gesetz nicht gebrochen werden kann, nicht einmal unabsichtlich.

    In Amerika habe ich Fundamentalisten gefragt, ob sie das kennen oder anwenden würden. Sie kannten es und wendeten es nicht an, getreu dem Motto "Fundamentalismus à la carte".

    Ein anderes schönes Beispiel ist in Israel der "Sabbataufzug". Aufzug fahren am Sabbat ist erlaubt, nicht aber das Drücken von Knöpfen, denn das ist als "Arbeit" definiert und die ist am Sabbat verboten. Also was macht man? Nun, der Aufzug fährt unentwegt und hält an jedem Stockwerk! All das extrahiert aus einem (!) Bibelvers.

    Lev 1-7

    Ein großer Anteil des Fleisches ging an die Leviten. Vom Gestank des Blutes und des Fleisches ist in der Bibel natürlich nicht die Rede, aber es hörte wohl dazu. Es gibt in meiner Heimatstadt eine Reihe von Hofläden, in denen die Bauern ihre eigenen und fremde Produkte anbieten. Einer ist eine ehemalige Schlachterei und bis heute ist das Angebot auf Fleisch zentriert. Alles sauber und hygienisch einwandfrei, aber der starke Geruch nach Fleisch zwang mich zum sofortigen Rückzug.

    Ich erinnere mich aus meiner Lehrerzeit an einen besonderen Lehrerausflug in einen Schlachthof in der Umgebung. Wir sahen, wie die Tiere angeliefert wurden, wir sahen, wie sie, etwa mit Bolzenschuss, getötet und dann "seziert" wurden. Ein Besuch in der Hölle!

    Zurück ins AT:

    Das gesammelte Blut von der Schächtung vieler Tiere, z.T. sehr großer Tiere wie Stiere, wurde dann auf den Altar geschüttet und verbrannt.

    Die verschiedenen Arten der Opfer lassen wir hier außen vor.

    Wichtige Punkte:

    1. Jahwe liebt den Geruch des Fleisches (Lev 1,13 - 2,2 - 2,9 - 2,12 - 3,5 - 3,16 - 4,31

    2. Auf dem Altar brennt ein ewiges Feuer

    3. Tauben wird der Kopf abgeknickt

    4. Esel werden nicht geopfert

    5. Das Verzehren von Fett und Blut ist verboten (3,17 - 7,24)


    Lev 8-10

    1. Der liebliche Brandgeruch für Jahwe (8,21 - 8,28).

    2. Der Sündenbock wird geschlachtet (9,15).

    3. Zwei Söhne Aarons bringen eigene Opfer in ihren eigenen Räucherpfannen dar. Sie müssen sterben.


    Lev 16, der Versöhnungstag

    Der eine Bock, der Sündenbock, wird geschlachtet, der andre Bock wird zum Teufel Asasel in die Wüste geschickt.


    Zusammenfassung:


    1. Die hier gezeigten "Beschwichtigungsopfer" gibt es auch in anderen Religionen.

    In einer Handreichung für Kinder, denen das AT erklärt wird, heißt es: "Blutige Opfer waren in der damaligen Zeit nicht selten. Wenn man die Texte liest, wird deutlich: Das Opfer wird im Alten Testament nicht gebracht, um Gott irgendwie zu bestechen oder zu beschwichtigen." Wenn man die Texte liest, wird deutlich, dass sie genau dazu da waren!

    2. Rigide Vorschriften, rigide Sanktionen.

    3. Wie wurden die notwendigen hygienischen Vorkehrungen eingehalten?

    4. Für diese Opfer wurden große Herden von verschiedenen Tieren benötigt. In einer Steinwüste gibt es für sie nichts zu fressen.

    5. Umfangreiches Blutvergießen (wörtlich!) am Altar.

    6. Nach der Zerstörung des Tempel (70 post) wurden diese Opfer aufgegeben, weil es keine zentrale Kultstätte mehr gab.

    Spruch des Konfuzius (Schiller):

    Dreifach ist der Schritt der Zeit: zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.

  • 5. Lieferung: Gesetze zur Ethik (Pentateuch)

    Dieser Teil ist eine Übersicht über die Gesetze zur Ethik, bei der man den Bibeltext nicht lesen muss, es sei denn, man interessiert sich besonders dafür. Für diese Leser sind die Stellen genannt (Ex=2. Mose; Lev.=3. Mose; Num.= 4. Mose; Dtn= 5.Mose).


    1. Rein und unrein

    Alle fundamentalistische Bewegungen, nicht nur die Religionen, unterscheiden scharf zwischen "rein" und "unrein". Kriterien sind oft nicht nur körperliche Merkmale, sondern auch geistige. Wir beschränken uns hier auf die körperlichen Unterschiede zwischen rein und unrein im Pentateuch.

    Tiere (Lev 11): rein und essbar sind nur Haustiere, die gespaltene Klauen haben (Paarhufer) und Wiederkäuer sind, also Rind, Schaf, Ziege, Schweine aber nicht. Diese Kriterien wurden dann auf Wildtiere übertragen. Wenn nur ein Tier eines der Ausschlusskriterien hatte, war es nicht essbar. Etwa der Hase, den man für einen Wiederkäuer hielt.

    Aas war verboten, essbare Fische nur die mit Schuppen und Flossen, also keine Hummer und Garnelen (:(). In Lev. 11, 13 gibt es eine ellenlange Liste von Vögeln, die tabu sind.

    Aussätzige waren unrein und wurden abgesondert, ein Priester entschied, wann sie wieder gesund waren (Lev13). Bei Annäherung an andre Menschen mussten sie "unrein, unrein" rufen.

    Frauen waren 7 Tage unrein bei ihrer Menstruation. Das heißt, dass sie aus der Wohnung aussortiert wurden, denn alles, was sie berührten, ob Gegenstände oder Menschen, war unrein. Jede Berührung einer Frau machte ebenfalls unrein.

    Nach der Geburt eines Jungen war die Frau 7 Tage unrein, nach der Geburt eines Mädchens 14 Tage!

    (An dieser Stelle frage ich mich, warum Fundamentalisten die Abwehr der Homosexualität und die Erlaubnis zum Züchtigen aus dem AT übernehmen, aber nicht die Frage der Unreinheit der Frauen. Sie müssten für diese Frauen riesige Zeltstädte außerhalb der Ortschaften errichten (Lösung: Fundamentalismus à la carte).

    Das Berühren eines Toten machte ebenfalls 7 Tage lang unrein (Num. 19,11).


    2. Sexualität

    Blutschande ist verboten (Ex 18, 6), ebenso Homosexualität und Sodomie (18, 22).

    Dtn. 22, 25: auf Sodomie wie auf Ehebruch stand die Todesstrafe, meist durch Steinigung beider Partner. Wenn in den USA etwa ein Teleevangelist wie Jimmy Swaggart gefilmt wurde, wie er aus einem Bordell kommt, heulte er anschließend in seinem eigenen Sender um Vergebung. Stattdessen hätte er gesteinigt werden müssen. Dies musste auch geschehen, wenn zwei Homosexuelle beim Akt festgenommen wurden. Amerikanische Fundamentalisten haben das übernommen, allerdings mit der Einschränkung: "Wir bringen sie nicht um!" Das aber ist eine Verfälschung des Gesetzes, denn der Vollzug der Todesstrafe gehört zum Gesetz dazu. Wer das nicht beachtet, sündigt, wenn er nicht tötet!

    Dtn. 22, 20: auf Vortäuschung der Jungfräulichkeit steht Steinigung; wenn ein verlobtes Mädchen Sex mit einem Mann hat, selbst mit ihrem Verlobten, wird sie gesteinigt. Bei Vergewaltigung innerorts werden beide gesteinigt, auch das Mädchen, wenn sie nicht geschrieen hat. Außerort bleibt sie unbehelligt, weil niemand sie ja hören konnte.

    Dtn 22, 5: Frauen dürfen keine Männerkleidung tragen.

    Dtn. 21, 18: ungeratene Söhne müssen gesteinigt werden (diesen Vers zieht man bei den fundamentalistischen Gruppen nicht heran).


    3. Mord und Totschlag


    Lev. 24, 17 und 21: auf Mord steht die Todesstrafe, die auch (Ex. 21, 28) auch ein Rind treffen kann (noch im Mittelalter wurden Tiere strafrechtlich belangt und evtl. auch hingerichtet). In diesem Kapitel finden sich auch weitere Regeln, wie das berühmte "Auge um Auge", das aber wohl eher den Ersatz der Blutrache bedeutete. In Num 35 wird aber noch die Blutrache vorausgesetzt. Dort werden auch 6 sog. "Freistädte" genannt, in die sich Verbrecher flüchten konnten.

    Oft wird, etwa bei der Diskussion der Todesstrafe, das Gebot "Du sollst nicht töten" zitiert. Das ist irreführend und sollte besser "Du sollst nicht morden" heißen. Im AT ist staatliches Töten nach Verbrechen immer erlaubt.


    4. Sklaven

    Sklaven sind selbstverständlich. Hebräische Sklaven hatten allerdings Sonderrechte (Ex.21, 2-11). Nach 7 Jahren konnten sie freigelassen werden, allerdings durften sie ihre Frauen und Kinder nicht mitnehmen. Außerdem stand ihnen eine Entschädigung zu (Dtn 15, 12). Ein Sklave, der lieber bleiben wollte, wurde an einen Türpfosten gestellt; dann wurde ihm ein Nagel durch ein Ohrläppchen getrieben als Zeichen, dass er bleibt.

    Noch Amerikas Gründungsvater Jefferson hatte Sklaven; die Unterkünfte sind in seinem Wohnsitz (Monticello) noch heute zu sehen.

    Außerdem frage ich mich, warum man in den USA die Sklaverei nicht wieder einführt; steht doch in der Bibel!


    5. Der Sabbat

    Der Sabbat ist die große soziale Errungenschaft des Judentums. Im ganzen Orient gab es nur religiöse Feiertage, aber der Sabbat war ein freier Tag einmal in der Woche. Er galt für alle, auch für Sklaven und sogar für die Tiere.

    Die dazugehörigen Feste findet man in Lev. 22 beschrieben.

    Sabbatschändung konnte mit Steinigung bestraft werden (Num. 15, 32).

    Auch ein Sabbatjahr gab es (Lev. 25), das ist ja in der BRD in den letzten Jahren wiederbelebt worden.

    Im Sabbatjahr durften auch Weinberge und Felder nicht bestellt werden. Nach 7 Sabbatjahren, also im 50. Jahr, dem sog Erlassjahr, bekam jeder das Seine zurück, alle Schulden wurden erlassen (das sollte man amerikanischen Fundamentalisten und Donald Trump mal vorschlagen, aber diese Teile des AT scheinen sie nicht zu kennen oder nicht kennen zu wollen).


    6. Einzelgesetze


    Lev. 25, 35 und Dtn 23, 20: Verbot, Zinsen zu nehmen (what about this, American fundamentalists?)

    Dtn. 23, 25 und 26: man darf Weintrauben und Ähren "ernten", Gefäße sind verboten (vgl. Mt 12, 1)

    Ex 19, 9: die Nachlese ist nur für Arme und Fremde erlaubt

    Ex. 19, 13:: man soll Arme nicht berauben und die Tagelöhner am Abend auszahlen

    Ex. 19, 18: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst

    Ex. 23,6: du sollst das Recht des Armen nicht beugen

    Dtn. 22, 8: an neuen Häusern sollen Geländer angebracht werden

    Dtn 24, 5: wer frisch verheiratet ist, ist vom Kriegsdienst befreit

    Ex 23, 8: Bestechung ist verboten

    Ex 23, 9: Fremde sollen geachtet werden

    Dtn 25,4: du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden (d.h., der Ochse, der den Dreschschlitten zieht, soll das Recht haben, Körner zu fressen, die er erreichen kann

    Dtn 25, 2: die Prügelstrafe ist auf 40 Hiebe beschränkt

    Dtn 20, 19 Im Krieg, bei einer Belagerung, soll man die Obstbäume nicht als Belagerungsinstrumente verwenden

    Spruch des Konfuzius (Schiller):

    Dreifach ist der Schritt der Zeit: zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.

  • Sechste Lieferung: Das Buch Josua

    (Landnahme/Eroberung/Vertreibung/Annexion)

    Das Buch Josua gehört strenggenommen nicht zum Pentateuch, aber in ihm wird das Ziel des Exodus beschrieben: die Eroberung des Westjordanlandes, das Land in dem "Milch und Honig fließen", wie Jahwe verheißen hatte.

    Moses war auf dem Berg Nebo gestorben; er hatte das verheißene Land nur geschaut, nicht betreten. Josua war sein Nachfolger (und noch grausamer).

    Überflüssig zu sagen, dass die ansässigen Bewohner ihr Land nicht hergeben wollten, sodass sich in 12 Kapiteln eine Eroberung an die andere reihte. Diese Eroberung bedeutete: die Menschen und Tiere töten (oder opfern), die Städte werden verwüstet, die Wertsachen werden mitgenommen. Alles wird Jahwe geweiht und heißt "den Bann vollstrecken".


    (Im Folgenden sind alle Kapitel, die man getrost überschlagen kann, einfach nicht erwähnt).

    Kap. 1: Hier wird der Umfang des neuen Reiches festgelegt. Im Norden der Libanon als Grenze zu den Hethitern, im Westen das Mittelmeer, im Süden die arabische Wüste, im Osten der Euphrat (der nie erreicht wurde).

    Kap. 2: Die Geschichte der Kundschafter und der Dirne Rahab in Jericho.

    Kap. 3: Die Querung des Jordan mit der Bundeslade. Die Wasser bleiben stehen und schlagen erst nach der Querung wieder zusammen.

    Kap. 5: Die neue Beschneidung. Sie war notwendig geworden, weil die erste Generation nicht mehr lebte. Das Manna versiegt.

    Kap. 6: Die Eroberung Jerichos, dessen Mauern fallen, nachdem die Israeliten mit Posaunen (=Widderhörner) die Stadt mehrfach umkreist haben. Alle Versuche von praktischen Archäologen, dies mit Hilfe der zahlreichen evangelischen Posaunenchöre nachzustellen, sind gescheitert. Musikkritiker monierten, dass man mehr Tuben hätte verwenden müssen, allerdings haben die Blechbläser in Bayreuth sich geweigert, da mitzumachen. Sie erklärten, sie spielten nur für ihre eigene Religion, den Wagnerismus.

    Andere Wissenschaftler behaupten, dass die Instrumente nur den Baulärm übertönen sollten, der beim Unterwühlen der Mauern entstand.

    Alle Bewohner werden getötet, außer Rahab und ihre Familie.

    Kap. 10: die angegriffenen Stadtstaaten verbünden sich und werden trotzdem besiegt. (Anonyme Quellen berichten, dass dem eigentlichen Kampf ein Wettstreit der Widderhörner vorausging, aber das sind Fälschungen).

    Die Sonne steht einen ganzen Tag lang still. Fünf Könige flüchten in eine Höhle. Sie werden belagert, ausgehungert und umgebracht. Ihre Leichen werden einfach in die Höhle ohne Begräbnis zurückgeworfen, im Alten Orient ein ungeheures Verbrechen.

    Kap. 13-19: Die Verteilung des Landes an die Stämme.

    Für die Freunde der Irrtumslosigkeit der Bibel: in Josua 15, 21-32 werden 34 Städte mit Namen genannt, in der Summe werden dann nur 29 angegeben.

    Kap. 24: Der erneuerte Bund in Sichem. Josua stirbt.

    Spruch des Konfuzius (Schiller):

    Dreifach ist der Schritt der Zeit: zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.

  • Nachtrag/Schluss/Fazit

    Ein Fazit muss jeder selber ziehen; hier kam es nur darauf an, einige Wege durch den Dschungel zu bahnen.

    Mein Fazit findet sich in einem Lexikon der Bibelwissenschaft.

    Nach den Quellen, die in Tell el-Amarna in Ägypten gefunden wurden, war das vermeintlich eroberte Siedlungsgebiet der Israeliten eine ägyptische Provinz mit der Hauptstadt Gaza. Über diese ägyptische Herrschaft berichtet das AT nichts. Pharaoh Ramses II. hatte eine schlagkräftige Armee, die auch in den Provinzen zum Niederschlagen der Aufstände sehr effizient war.

    Spruch des Konfuzius (Schiller):

    Dreifach ist der Schritt der Zeit: zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.