Oksana Lyniv - Dirigentin aus der Ukraine

  • Oksana Lyniv hat bereits am Gran Teatre del Liceu mit einer Neuproduktion von Wagners »Der fliegende Holländer« für Aufsehen gesorgt.
    Jetzt soll sie die Oper auch bei den Bayreuther Festspielen einstudieren.

    Sie wird - wenn nichts dazwischen kommt - damit die erste Frau am Pult in Bayreuth sein.


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    Oksana Lyniv, geboren 1978 in Brody/Ukraine, studierte Dirigieren u. a. an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Von 2008 bis 2013 war sie stellvertretende Chefdirigentin am Akademischen Nationaltheater Odessa.

    Von 2013 bis 2017 war sie an der Bayerischen Staatsoper als Assistentin des Generalmusikdirektors Kirill Petrenko engagiert. Hier dirigierte sie u. a. La clemenza di Tito, Ariadne auf Naxos und Lady Macbeth von Mzensk.
    Seit der Spielzeit 2017/18 war sie Chefdirigentin der Oper Graz, wo es sie aber nur drei Spielzeiten lang hielt.

    Inzwischen ist sie eine viel gefragte frei arbeitende Dirigentin, um die sich bereits renommierten Opernhäusern und Orchestern reißen.

    Seit 2017 leitet sie auch höchst erfolgreich das Festival Lviv MozArt im ukrainischen Lviv (Ehemals Lemberg).



    Ich habe sie bisher leider nur mit Bartoks HERZOG BLAUBARTS BURG gehört und war sehr beeindruck von ihrem ausgeprägten musikdramatischen Gespür und ihrer souveränen Beherrschung des riesigen Orchesterapparates.
    Sicher können unsere österreichischen Mitglieder im Forum mehr von ihrer Arbeit berichten und eigene Höreindrücke schildern. Dort war ja in den letzten Jahren der Mittelpunkt ihres künstlerischen Wirkens.


    Ich bin neugierig!


    Caruso41

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  • Oksana Lyniv hat eine bemerkenswerte Uraufführung im Wiener Musikverein dirigiert:
    Sofia Gubaidulina gewaltiges Werk "Der Zorn Gottes" wurde vom RSO unter ihrer Leitung uraufgeführt.

    Zuvor sollte es schon verschiedene Aufführungen andernorts geben – unter anderem bei den abgesagten Osterfestspielen Salzburg – nun wagte WIEN MODERN eine Aufführung im Musikverein, zu der wegen der Covid19-Pandemie nur einige Journalisten und Musikwissenschaftler zugelassen waren.


    Man kann das Konzert aber über die Medien hören:

    Ab dem 6. November 2020 ist es sieben Tage lang kostenlos auf http://www.wienmodern.at und http://www.musikverein.at. zu erleben.

    Ö1 sendet das Konzert am 26. November ab 19.30 Uhr aus.



    "Der Zorn Gottes" ist – wie gesagt - ein gewaltiges Werk!

    Zitat von Wien Modern

    Gubaidulina lässt gleichsam die Posaunen von Jericho erschallen. Auf mächtige Blechsalven folgt ein solch tiefer Cantus der Wut, dass einem Beethoven nur so die Ohren geschlackert hätten. Die Streicher werden über weite Strecken zur klanglichen Auslegeware bestimmt, die sich nie gegen die anderen Gruppen in den Vordergrund spielt. Die Bläser und ab und an das Schlagwerk sind die Wortführer dieser Brandrede, wohingegen die Streicher bisweilen beinahe die Kraft zu verlassen scheint. Der Klang schwingt sich immer wieder brachial in die Weiten des Alls auf, um alsbald im vollen Lauf in die Fermate zu gehen. Es sind Ahnungen von Beethoven, keine direkten Zitate, welche die 89-jährige Gubaidulina am Ende anklingen lässt.

    https://www.wienmodern.at/2020…sikverein-grosser-saal-de

    Programm

    • Sofia Gubaidulina: Konzert für Viola und Orchester (1996) - 34
    • Der Zorn Gottes (2019 UA) - 18'
      Auftrag Osterfestspiel Salzburg
      Das Werk ist Ludwig van Beethoven gewidmet



    Von beiden Werken bin ich tief beeindruckt!

    Beeindruckt bin ich aber auch von der energisch zupackenden Art, mit der Oksana Lyniv die Werke aufgeführt hat.
    Wie sie in "Der Zorn Gottes" den heißen Atem und die flammende Energie Beethovens aufklingen lässt, ist schon imponierend. Die spektakulären Schlusstakte gehen einem buchstäblich durch Mark und Bein!


    Beste Grüße

    Caruso41

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  • Hier Oksana Lyniv in einem Interview des Bayerischen Rundfunks, in dem sie sich zu ihrer Berufung nach Bayreuth äußert und zu ihren Erfahrungen mit Wagners DER FLIEGENDE HOLLÄNDER.


    https://www.br-klassik.de/aktu…aender-interview-100.html


    Bisher habe ich im Internet keinen Mitschnitt des HOLLÄNDER gefunden, den sie ja in Barcelona schon dirigiert hat. Es fehlt allerdings nicht an begeisterten Kritiken!


    Caruso41

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  • Heute debutiert Oksana Lyniv am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.

    Leider natürlich ohne Publikum.

    Auf die Frage, was eine gute Dirigentin ausmacht, hat sie einmal geantwortet:

    Zitat von Oksana Lyniv

    Sie muss es schaffen, Leistung auf den Punkt zu bringen – unabhängig davon, was noch vor fünf oder zehn Minuten passiert ist. Die ständigen Flugreisen sind stressig, manchmal fühlt man sich körperlich nicht fit. Eine Vorstellung abzusagen, wie das bei Instrumentalisten manchmal vorkommt, ist trotzdem ein völliges No-Go. Gerade bei komplexen Produktionen ist der Dirigent nicht ersetzbar. Diese innere Disziplin muss wie auf Knopfdruck abrufbar sein.

    Mit der Einstellung wird sie es auch schaffen, ein "Geisterkonzert" zu einem Ereignis zu machen.

    Das Programm kann im Live-Stream ab 20:30 gehört werden:
    https://www.br-klassik.de/concert/ausstrahlung-2318372.html

    Sinfonia concertante Es-Dur, KV 364
    Symphonie Nr. 4 A-Dur, op. 90 - "Italienische"


    Caruso41

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  • ... ein "Geisterkonzert" zu einem Ereignis zu machen.

    Geht denn das überhaupt? Ich habe einige Anläufe genommen, mir solche Konzerte anzutun und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich fürderhin darauf verzichte. Konzerte ohne Publikum? Das eine schließt doch das andere aus. Dann lieber gleich eine Aufnahme aus dem Studio. Alle diese Veranstaltungen empfand ich als kalt und gespenstisch. Als ob Teller und Gläser leer bleiben an der gedeckten Tafel. :no: Diese Konzerte mögen ja gut gemeint sein, und ich kann auch verstehen, dass Musiker wie die Fußballer im Training bleiben wollen und müssen. Mit Kunst haben sie nicht viel zu tun. :(

    Es grüßt Rheingold1876

  • Es macht mich schon traurig, dass die erste und einzige Reaktion auf die Vorstellung von Oksana Lyniv an eine Nebenbemerkung von mir anknüpft und mit keinem Wort auf die Dirigentin eingeht!


    Caruso41

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  • Sorry, lieber Caruso, dass ich mich zu "Geisterkonzerten" ganz allgemein geäußert habe. Daran lag mir, und es bot sich einfach an. Zur Dirigentin selbst kann ich leider nichts beisteuern.

    Es grüßt Rheingold1876

  • Lieber Rheingold!

    Sorry, lieber Caruso, dass ich mich zu "Geisterkonzerten" ganz allgemein geäußert habe. Daran lag mir, und es bot sich einfach an.

    In der Sache der habe ich ja durchaus Verständnis für Deine Position.


    Trotzdem habe ich das Konzert gestern Abend ausgesprochen interessant und in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich gefunden. Darüber werde ich allerdings nichts weiter schreiben, da es ja hier im Forum kein Interesse dafür gibt. Das wundert mich eigentlich schon. Ich hätte gedacht, dass die Österreicher Oksana Lyniv kennen. Sie hat viel in Wien dirigiert und war Generalmusikdirektorin in Graz. Trotzdem kommt in drei Wochen nicht ein einziger Beitrag, der einen Austausch über die vielversprechende Litauerin fördern könnte.

    Aber es passt ins Bild: Im Forum herrscht das Gefühl der Retrophilie. Da fehlt jede Zukunftsorientierung. Es herrscht die Sehnsucht nach einem Ideal, das man in der Vergangenheit sucht. Eine neu auftauchende Dirigentin wird da einfach ignoriert. Sich mit Neuem und Neuen zu beschäftigen lohnt nicht.
    Die Musik und die Aufführungen von Musik versinken in ihren eigenen Archiven!


    Sorgenvolle Grüße

    Caruso41

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  • Teuerster Stimmenliebhaber!

    Wie lange gleich nochmal? :D

    Falls das eine Informationsfrage war und nicht nur Häme, will ich die Antwort nicht schuldig bleiben

    Zitat von DIE PRESSE (Wien)

    Die Oksana Lyniv, die erst 2017 zur Chefdirigentin der Grazer Philharmoniker und der Oper Graz bestellt worden war, wird ihren Vertrag nicht verlängern. ... ...

    Lyniv war für drei Spielzeiten bestellt worden und hat seither zahlreiche Opernproduktionen und Konzerte geleitet. "Das musikalische Echo dieser Arbeit klang so rasch in die internationale Musikwelt, dass Oksana Lyniv innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Anfragen für Dirigate bekam, die sie gerne übernehmen möchte", hieß es asu der Oper Graz.

    Sie selbst sagte: "Ich bin der Oper Graz und der Intendantin Nora Schmid dankbar, dass ich hier mein Wirken als Dirigentin mit den Grazer Philharmonikern weiterentwickeln konnte. Dass diese Arbeit so schnell eine solche internationale Ausstrahlung gewinnt, liegt auch an der Qualität des Orchesters und dem hohen künstlerischen Anspruch der Oper Graz." ... ...


    Für die Intendantin der Oper Graz, Nora Schmid, ist diese Entwicklung ein Beweis für die internationale Strahlkraft der Oper Graz: "Es ist nicht das erste Mal, dass künstlerische Karrieren an unserem Haus einen entscheidenden Impuls erfahren. Ich freue mich für Oksana Lyniv, dass sich ihr solche Chancen eröffnen."

    Caruso41

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  • Ich muss gestehen, der Name dieser Dirigentin ist mir vor diesem Thread überhaupt noch nicht bewusst untergekommen. Nun mag sie in Graz während ihrer kurzen Amtszeit eine gewisse Bekanntheit erlangt haben, doch ist Österreich nun auch nicht so klein, dass man als Wiener ständig in Graz wäre, zumal in diesen Zeiten. Sie soll viel in Wien dirigiert haben? Im Archiv des Wiener Musikvereins scheint tatsächlich das besagte Konzert des ORF RSO Wien vom 6. November 2020 mit dem obskuren modernen Werk auf, das ohne Publikum erfolgte. Im Archiv des Konzerthauses Wien gibt es gar keinen Treffer. Auch finde ich an der Wiener Staatsoper und Wiener Volksoper nichts. Am ehesten trat sie wohl im Theater an der Wien in Erscheinung, wo sie im März 2019 Tschaikowskis "Jungfrau von Orléans" dirigiert hat. Auch nicht eben ein Publikumsmagnet. Das mag nichts über die künstlerische Befähigung Frau Lynivs aussagen, doch finde ich, dass es insofern kein Wunder ist, wenn niemand im Forum zu dieser Dirigentin zum jetzigen Zeitpunkt viel sagen kann. Aufnahmen scheint es ja auch nicht in Hülle und Fülle zu geben.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Oksana Lyniv war mir bis gestern auch vollkommen unbekannt. Das Konzert hat mich neugierig gemacht und ich fand das folgende interessante Interview: Gerald Matt trifft die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv zum Gespräch.


    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • will ich die Antwort nicht schuldig bleiben

    Also für ganze drei Spielzeiten. In solchen Positionen eigentlich ein Unding, schließlich dauert es zwei bis drei Jahre, bis eine kontinulierliche Zusammenarbeit Früchte trägt und man die Ernte einer solchen einfahren kann.


    Jedenfalls würde ich den Österreichern nicht vorwerfen, eine Dirigentin zu wenig zu kennen, die mal gerade drei Jahre lang GMD in Graz war und dann weiterzog.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Eine CD- Einspielung des CAV/PAG aus Graz unter Leitung der Dirigentin. Die Aufnahme hatte ich mir zu Jahresbeginn wegen des Tenors Aldo di Toro besorgt. Das Dirigat ist intensiv und glutvoll, die Sängerinnen und Sänger mit Ausnahme von Aldo di Toro scheinen mir indes nicht übermäßig interessant. Die Konkurrenz bei diesen beiden "Schlachtrössern der Oper" übermächtig. Ansonsten habe ich Frau Lyniv noch nicht erlebt, kann daher nichts zu ihr beitragen.

    Unter den aufstrebenden jungen Dirigentinnen, die ich gehört habe, gefällt mir im übrigen Karina Canellakis, die als Chefdirigentin des ausgezeichneten Niederländischen Rundfunkorchesters und Erste Gastdirigentin des Royal Stockholm Philharmonic Orchestra und des RSO Berlin auch ihrerseits vor einer großen Karriere zu stehen scheint.


    https://media1.jpc.de/image/w600/front/0/4260034869875.jpg


    VG
    Otello50

  • Ich hätte gedacht, dass die Österreicher Oksana Lyniv kennen. Sie hat viel in Wien dirigiert und war Generalmusikdirektorin in Graz. Trotzdem kommt in drei Wochen nicht ein einziger Beitrag, der einen Austausch über die vielversprechende Litauerin fördern könnte.

    Aber es passt ins Bild: Im Forum herrscht das Gefühl der Retrophilie. Da fehlt jede Zukunftsorientierung. Es herrscht die Sehnsucht nach einem Ideal, das man in der Vergangenheit sucht. Eine neu auftauchende Dirigentin wird da einfach ignoriert. Sich mit Neuem und Neuen zu beschäftigen lohnt nicht.
    Die Musik und die Aufführungen von Musik versinken in ihren eigenen Archiven!

    Lieber Caruso, muss man sich jetzt noch dafür rechtfertigen, was man gern hört, gut findet und sammelt? Deinen Vorwurf, es fehle im Forum an jeder Zukunftsorientierung, verbuche ich jetzt mal unter Frust, weil sich bisher niemand für die ukrainische Dirigentin interessiert hat, geschweige denn sie kennt. Dass sie Graz so rasch wieder verlassen hat, weil sich andere und gewiss wohl auch höher dotierte Aufgaben anboten, macht sie mir nicht sympathischer. Das sage ich ganz offen. Natürlich kannst Du die verbreitete Sehnsucht nach Idealen beklagen. Würde heutzutage so genau, so unverwechselbar werkbezogen und so hoch individuell gesungen wie das einst vielen, doch nicht allen Sägern gelang, der Blick zurück erübrigte sich vielleicht ganz von selbst. Und vielen jungen Sängern würde es nicht schaden, nähmen sich sich mal eine historische Aufnahme ihres Fachs vor. Mich erreichst Du mit Deinen Vorwürfen jedenfalls nicht. Ich fühle mich nicht angesprochen. Und was in meinem Archiv versinkt oder nicht, ist immer noch meine Sache. Als eine der großen Stärken dieses Forum habe ich es in den Jahren meiner Zugehörigkeit stets empfunden, dass hier jeder nach seiner Facon selig werden kann.

    Es grüßt Rheingold1876

  • Lieber Rheingold!

    Deinen Vorwurf, es fehle im Forum an jeder Zukunftsorientierung, verbuche ich jetzt mal unter Frust, weil sich bisher niemand für die ukrainische Dirigentin interessiert hat, geschweige denn sie kennt.

    Frust! Das wird es wohl gewesen sein!

    Der hat sich aber aufgestaut. In verschiedenen Anläufen, interessante junge Dirigenten vorzustellen!

    Dass sie Graz so rasch wieder verlassen hat, weil sich andere und gewiss wohl auch höher dotierte Aufgaben anboten, macht sie mir nicht sympathischer.

    Sie hatte eine dreijährigen Vertrag. Den hat sie voll erfüllt. Dass sie danach keine Verlängerung des Engagements in Graz wollte, finde ich verständlich, da sie inzwischen vielgefragt war.

    Würde heutzutage so genau, so unverwechselbar werkbezogen und so hoch individuell gesungen wie das einst vielen, doch nicht allen Sägern gelang, der Blick zurück erübrigte sich vielleicht ganz von selbst.

    In diesem Thread geht es nicht um Sänger sondern um eine Dirigentin.

    Wie "unverwechselbar werkbezogen und ... hoch individuell" die Sänger früher gesungen haben, sollten wir in einem anderen Thread diskutieren.

    Mich erreichst Du mit Deinen Vorwürfen jedenfalls nicht. Ich fühle mich nicht angesprochen.

    Ich habe Niemanden persönlich anklagen wollen. Mir ging es darum, meinen Frust über die Retrotopie, die ich im Forum als schier unstillbar empfinde, raus zu lassen. Wenn jetzt der Eine oder die Andere glaubt, er/sie müsse sich dadurch angesprochen fühlen, tut mir das leid.

    Als eine der großen Stärken dieses Forum habe ich es in den Jahren meiner Zugehörigkeit stets empfunden, dass hier jeder nach seiner Facon selig werden kann.

    Wer den Austausch über Neues und Neue sucht, muss sich aber darauf einstellen, dass der Weg zur Seligkeit mit reichlich viel Frust gepflastert ist.


    Mit herbstlichen Grüßen aus der norddeutschen Tiefebene (wo man von Graz offensichtlich mehr erfährt als in Wien)


    Caruso41

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  • Lieber Otello!

    Eine CD- Einspielung des CAV/PAG aus Graz unter Leitung der Dirigentin. Die Aufnahme hatte ich mir zu Jahresbeginn wegen des Tenors Aldo di Toro besorgt. Das Dirigat ist intensiv und glutvoll,


    Deine Einschätzung der Leistung von Oksana Lyniv teile ich. Nur ihretwegen habe ich die Aufzeichnung bis zum Ende gehört, was angesichts der Sängerqualität (Aldo di Toro ausgenommen) durchaus kein reines Vergnügen war! Wie sie es schaffte, das Orchester ungemein präzise und transparent musizieren zu lassen, zugleich das Drama "intensiv und glutvoll" zu gestalten, fand ich schon aller Ehren Wert!


    Unter den aufstrebenden jungen Dirigentinnen, die ich gehört habe, gefällt mir im übrigen Karina Canellakis, die als Chefdirigentin des ausgezeichneten Niederländischen Rundfunkorchesters und Erste Gastdirigentin des Royal Stockholm Philharmonic Orchestra und des RSO Berlin auch ihrerseits vor einer großen Karriere zu stehen scheint.

    Das sehe ich genau so.
    Ich habe sie in Hamburg mit einem sehr anspruchsvollen Programm gehört:

    Alban Berg: Sechs Stücke für großes Orchester op. 6

    Ludwig van Beethoven: Konzert C-Dur für Klavier, Violine und Violoncello - Tripelkonzert -

    Ludwig van Beethoven: Coriolan-Ouvertüre

    Witold Lutosławski: Konzert für Orchester

    Wenn Du einen Thread für Karina Canellakis eröffnest, schreibe ich gerne über meine Eindrücke!


    Liebe Grüße

    Caruso41

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  • Wenn in Graz die Chefdirigentin nach drei Jahren geht ist das nicht ungewöhnlich für die Stadt. Ab der Spielzeit 2001/02 war Philippe Jordan Chefdirigent des Grazer Philharmonischen Orchesters und des Grazer Opernhauses. Wegen Unstimmigkeiten mit der Opernintendanz und den politisch Verantwortlichen verliess er Graz im Sommer 2004.


    Ebenfalls nur drei Jahre, von 1999 bis 2002, war Kirill Petrenko Generalmusikdirektor der Meininger Hofkapelle am Meininger Theater.


    In den Jahren 1973 bis 1975 leitete Charles Dutoit das Nationalorchester von Mexiko und von 1975 bis 1978 jenes von Göteborg.


    "Nur" drei Jahre sind also gar nicht so ungewöhnlich. Streit hat es anscheinend in Graz mit Oksana Lyniv nicht gegeben, zumindest steht davon nichts in der Presse.


    meinbezirk.at 28. Juni 2020

    Kleine Zeitung 29. September 2020

    Gespräch mit Anastassia Boutsko in DW am 03.05.2020

    Kronen Zeitung 24.06.2020

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Lieber Orfeo!

    "Nur" drei Jahre sind also gar nicht so ungewöhnlich.

    Nein, das sind sie nicht. Aber sie taugen als Munition, wenn man jemanden abkanzeln will!


    Übrigens: Die Liste Deiner Beispiele ließe sich leicht verlängern. Ingo Metzmacher etwa war auch nur drei Spielzeiten Chefdirigent der Niederländischen Nationaloper. Von dem, was er da geleistet hat. schwärmen viele Opernfans in Amsterdam noch heute!


    Beste Grüße aus der inzwischen herrlich sonnigen norddeutschen Tiefebene


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Vielleicht sollte man dabei einfach mal mitbedenken, dass die Entscheidung, einen dreijährigen Vertrag nicht zu verlängern, nicht erst nach drei Jahren fällt, sondern schon nach etwa anderthalb Jahren, wenn die (Aus-) Wirkungen einer begonnenen Leitungstätigkeit noch gar nicht wirklich abzusehen sind. Ich finde solche kurzfristigen (und drei Jahre sind in einem solchen Amt kurz-fristig) Übernahmen von solchen Leitungspositionen einfach unseriös, schon das Anbieten einer solch kurzen Vertragslaufzeit. Natürlich wollen die Häuser auf Nummer sicher gehen und denken sich, dass sie ja immer noch verlängern können, wenn es gut läuft - aber in Zeiten, wo die Karrieregeilheit maßgeblich von einflussreichen Agenturen beflügelt wird, die viel mehr ihren kurzfristigen Profit (und jeder Wechsel bringt denen Profil, die Beibehaltung einer vom Schützling übernommenen Stelle hingegen nicht!) als die Kunst im Auge haben, funktioniert das so nicht mehr und solche Engagements nützen dann nur der Profilierung des Leiters, aber nicht wirklich dem Haus, im Gegenteil, sie hinterlassen langfristig oft mehr Schaden, als die kurzfristig genutzt haben. Dies meine ganz allgemeine Meinung zu solch kurzfristigen Vertragslaufzeiten - alles unter 5 Jahren empfinde ich bei einer GMD-Position als unseriös.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Vielleicht sollte man dabei einfach mal mitbedenken, dass die Entscheidung, einen dreijährigen Vertrag nicht zu verlängern, nicht erst nach drei Jahren fällt, sondern schon nach etwa anderthalb Jahren

    Das ist wohl richtig. Die Gründung des Festival Lviv MozArt war im gleichen Jahr wie der Beginn der Tätigkeit als GMD in Graz. Sie hat wahrscheinlich nach ein bis zwei Jahren Prioritäten gesetzt und sich gegen Graz entschieden. Ist doch eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung.

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Ist doch eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung.

    Wenn man als Künstler primär seine eigene künstlerische Selbstverwirklichung im Blick und weniger das Wohl seines Arbeitgebers und des von diesem anvertrauten Orchesters (eine solche Leitungsposition bedeutet nämlich viel mehr als einfach zu dirigieren), dann ist das absolut nachvollziehbar, ja.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Aufnahmen scheint es ja auch nicht in Hülle und Fülle zu geben.

    Dem wird sofort Abhilfe geschaffen


    Münchner Philharmoniker, Oksana Lyniv - conductor, Alice Sara Ott - pianoWolfgang Amadeus Mozart: Piano Concerto No. 13 C major, KV 415

    Valentin Silvestrov: "Messenger 1996"
    Joseph Haydn: Symphony No. 96 D major, Hob. I:96 "Miracle"


    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks -Jehye Lee Violine - Tobias Reifland Viola - Oksana Lyniv

    Wolfgang Amadeus Mozart:Sinfonia concertante Es-Dur, KV 364

    Felix Mendelssohn Bartholdy:Symphonie Nr. 4 A-Dur, op. 90 - "Italienische"


    Mit einem wirklich nicht alltäglichen Programm

    Antonin Dvořák ∙ „Karneval" Konzert-Ouvertüre op. 92

    Stanislav Moniuszko ∙ Aus der Oper „Halka": Arie des Jontek „Szumią jodły na gór szczycie"

    Stanislav Moniuszko ∙ Aus der Oper „Halka": „Gdyby rannym slonkiem" (Sopran)

    Mykola Lysenko ∙ Aus der Oper „Taras Bulba": Ouvertüre

    Nikolai Rimskij-Korsakow ∙ Aus der Oper „Schneeflöckchen": Erstes Lied des Hirten Lel

    Nikolai Rimskij-Korsakow ∙ Aus der Oper „Schneeflöckchen": Arie des Schneeflöckchens

    Peter I. Tschaikowsky ∙ Aus der Oper „Der Oprichnik" (Der Leibwächter): Tänze

    Nikolai Rimskij-Korsakow ∙ Aus der Oper „Schneeflöckchen": Drittes Lied des Hirten Lel

    Antonin Dvořák ∙ Aus der Oper „Rusalka": Das Lied an den Mond (Sopran)

    Peter I. Tschaikowsky ∙ Aus der Oper „Mazeppa": Kosaken Tanz

    Peter I. Tschaikowsky ∙ Aus der Oper „Die Jungfrau von Orleans": Zigeunertänze

    Sergei Rachmaninov ∙ Aus der Oper „Aleko": Romanze des jungen Zigeuners (Tenor)

    Bedřich Smetana ∙ Aus der Oper „Der Kuß": Barče's Arie „Hlásej, ptáčku” (Koloratur-Sopran)

    Peter I. Tschaikowsky ∙ Aus der Oper „Cherevichki” (Die Goldenen Schuhe): Russischer Tanz, Kosaken Tanz

    Mikhail Glinka ∙ Aus der Oper „Ruslan und Lyudmila": Arie des Ratmir „I zhar, i znoy smenila nochi ten”

    Boris Lyatoshynsky ∙ Aus der Oper „Die Goldene Krone": Tänze

    Nikolai Rimskij-Korsakow ∙ Aus der Oper „Der Goldene Hahn": Arie der Königin von Schemacha

    Bedřich Smetana ∙ Aus der Oper „Dalibor": Arie der Milada (Sopran)

    Antonin Dvořák ∙ Aus der Oper „Rusalka": Arie des Prinzen (Tenor)



    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Bisher habe ich im Internet keinen Mitschnitt des HOLLÄNDER gefunden, den sie ja in Barcelona schon dirigiert hat. Es fehlt allerdings nicht an begeisterten Kritiken!

    Einen Mitschnitt habe ich auch nicht gefunden, aber immerhin 4 Schnipsel (Interviews, kurze Szenen). Das war nur zu finden unter "el holandes errante".


    "El holandés errante" desembarca en el Liceu entrelazando realidad y ficción


    El holandés errante (2016/17) - Reportaje


    L'holandès errant (2016/17) - "Die Frist ist um"


    Entrevista con la directora musical Oksana Lyniv (in engl. Sprache)

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Lieber Caruso41,


    zu Karina Canellakis möchte ich den Thread lieber nicht eröffnen, da fehlt mir einfach der notwendige Hintergrund. Das lasse ich auch aus Respekt vor der Künstlerin lieber sein. Sie sollte eigentlich im Dezember in der Kölner Philharmonie mit dem Gürzenich-Orchester konzertieren, mal sehen.


    VG

    Otello50

  • Frust! Das wird es wohl gewesen sein!

    Der hat sich aber aufgestaut. In verschiedenen Anläufen, interessante junge Dirigenten vorzustellen!

    Lieber Caruso,


    ich kann Deinen Frust durchaus verstehen. Allerdings erging mir das bei der Vorstellung etlicher Dirigenten aus der Vergangenheit nicht anders. Ich nenne nur mal willkürlich Selmar Meyrowitz, Tor Mann, Jaroslav Krombholc, Karl Anton Rickenbacher oder Roberto Benzi, wo es wenige oder gar keine Reaktionen gab. Es ist also wohl kein prinzipielles Desinteresse an den Jungen. Nicht jeder fühlt sich berufen, zu diesen Themen etwas beizutragen. Gelesen werden sie gleichwohl, wie die Klickzahlen beweisen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid