Neujahrskonzert 2021

  • Nun scheint es also fix: Das Neujahrskonzert 2021 der Wiener Philharmoniker wird stattfinden, und zwar mutmaßlich ohne Publikum (Quelle).

    Wie bereits 1993, 1997, 2000, 2004 und 2018 wird es der italienische Dirigent Riccardo Muti leiten (m. E. zu begrüßen).


    Das Programm steht nun ebenfalls:


    PROGRAMM


    Franz von Suppè

    Fatinitza-Marsch


    Johann Strauß (Sohn)

    Schallwellen. Walzer, op. 148

    Niko-Polka, op. 228


    Josef Strauß

    Ohne Sorgen. Polka schnell, op. 271


    Carl Zeller

    Grubenlichter, Walzer


    Karl Millöcker

    In Saus und Braus. Galopp


    -- Pause --


    Franz von Suppè

    Ouvertüre zu "Dichter und Bauer"


    Karl Komzák

    Bad'ner Mad'ln. Walzer, op. 257


    Josef Strauß

    Margherita-Polka, op. 244


    Johann Strauß (Vater)

    Venetianer-Galopp, op. 74


    Johann Strauß (Sohn)

    Frühlingsstimmen. Walzer, op. 410

    Im Krapfenwaldl. Polka française, op. 336

    Neue Melodien-Quadrille. op. 254

    Kaiser-Walzer, op. 437

    Stürmisch in Lieb' und Tanz. Polka schnell, op. 393


    Insgesamt bin ich davon sehr angetan. Einer meiner Lieblingswalzer, Bad'ner Mad'ln, feiert endlich seine verspätete Neujahrskonzert-Premiere. :jubel: Ich hätte es schon nicht mehr für möglich gehalten.:thumbup:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich stelle fest, dass ich mit Joseph II. eine Gemeinsamkeit habe: Komzaks Walzer "Bad'ner Mad'ln" ist auch einer meiner Lieblingswalzer - nur so am Rande notiert...


    :untertauch:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Ich frage mich wer solche hirnverbrqannten Entscheidungen trifft !!

    Die Musiker sind ja auch gefährdet !!!

    Man sehe sich in einer Simulation aln wie die Luft über einer Kesselpauke aufwirbelt

    Schall ist bewegte Luft - und in diesem Sinne Ärosole !!!

    Die Bläser blasen die Ärosole geradezu heraus - wie aus einem Duschkopf oder (je nach Instrument) Gartenschlauch.

    Der Mindestabstand kann auch nicht eingehalten werden, weil sich ansonst das Klangbild verändert !!

    Wir sitren auf enem Vulkan der derzeit noch Feuer speit, aber zu expldieren droht. Und wir machen uns Sorgen um

    Advent, Weihnachten, Nikolo und Neujahrskonzert !!!

    Aus meiner Sicht ist es -völlig unwichtig, ob dieses Konzert heuer stattfindet oder nicht

    Wenn man - wie ich - sich mit historischen Ereignissen - und dazu gehören natürlich all die unzähligen Epidemien und Pandemien der Vergangenheit - befasst hat - dann hat man eine ziemliche Vorstellung was noch auf uns zukommt.

    Schon um 15. Jahrhundert haben Kaufleute Druck gemacht, die Quarantäne eines Handesschiffes mit kostbaren Textilien früher zu beenden. Das Schiff fuhr in den Hafen ein, die Ratten schwammen an Land - und im Nu ware die ganze Stadt verseucht - mit unzähligen Toten !!!

    Es waren übreigens nicht die Ratten, die die Infektion verursachten, sondern die auf den Ratten befindlichen Flöhe.

    Kopfschütteln stehen Regierungsvertreter vor den hohen Infektionszahlen und planen nun "Lockerungen" - Welch ein IRRSINN

    Virologen, die die Wahrheit sagen (und das sind leider nicht alle) werden mit Mord bedroht oder lächerlich gemacht !!!

    Politiker zittern davor - nicht wiedergewählt zuwerden - Etliche halten sich selber nicht an die Schutzmaßnahmen.

    Manchmal denke ich, ich sei verbohrt und rückständig, weil ich den Großteil der Menschen für

    stumpfe infantil-naiver Wesen halte, mit einem Intelligenzquotienten, der in etwa dem meiner Nachttischlampe entspricht.

    Und die politischen Entscheidungsträger und sogenannten "Eliten" machen hier selten eine Ausnahme

    Aber bei genauer Betrachtung sehe ich mich insbesondere in dieser Situation in meiner Meinung bestätigt und ich kann die Grage von Faust beantworten:


    Zitat

    "........dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält"

    Ganz einfach:

    Es ist die menschliche BLÖDHEIT !!


    mfg aus Wien

    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Die Wiener Philharmoniker haben kürzlich ja sogar unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen erfolgreich eine Japan-Tournee bestritten (Quelle). Vielleicht ist dergleichen derzeit nur in Japan denkbar. Ob es notwendig ist, darüber kann man freilich trefflich streiten.

    Jedenfalls meint Daniel Froschauer, Vorstand der Wiener Philharmoniker, bzgl. des Neujahrskonzerts 2021:


    Eine Absage der Veranstaltung sei jedenfalls nie im Raum gestanden. "Es wäre international unmöglich, das Konzert nicht zu machen", zeigte sich der Philharmoniker-Vorstand angesichts von 30 Millionen Zuschauern weltweit überzeugt: "Das Konzert ist für mich eine Botschaft in die Welt." (Quelle)

    Ich könnte mir vorstellen, dass man sich die weltweiten TV-Einschaltquoten plus die Erlöse durch den späteren CD- und DVD/Blu-ray-Verkauf (bzw. neuerdings auch durchs Streaming) nicht entgehen lassen will. Es ist insofern wohl keine rein künstlerische Entscheidung, fürwahr. Offenbar steht ja aber auch Maestro Muti, 79, voll dahinter, der in diesem Zusammenhang selbst Strapazen, wie man sie bislang nicht für möglich hielt, auf sich nehmen wird. Er muss ja wohl zwei Wochen davor schon eingeflogen werden und dann unter Quarantäne bleiben.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Jedenfalls meint Daniel Froschauer, Vorstand der Wiener Philharmoniker, bzgl. des Neujahrskonzerts 2021:


    Eine Absage der Veranstaltung sei jedenfalls nie im Raum gestanden. "Es wäre international unmöglich, das Konzert nicht zu machen", zeigte sich der Philharmoniker-Vorstand angesichts von 30 Millionen Zuschauern weltweit überzeugt: "Das Konzert ist für mich eine Botschaft in die Welt." (Quelle)

    Ich bin davon überzeugt, dass es international derzeit andere Sorgen gibt als dieses Konzert. Herr Froschauer muss natürlich in eigener Sache reden, dafür wird er bezahlt. Letztlich geht es um Geld, sehr viel Geld, wie schon Joseph gemutmaßt hat. Und nicht um die Kunst. Andererseits werden gewiss viele Menschen, die sich derzeit in ihren Wohnungen eingesperrt fühlen, am Neujahrsvormittag dankbar den Fernseher einschalten. Selbst halte ich den Aufwand um diese Veranstaltung für völlig überzogen und abwegig angesichts des Ernstes der Lage auch in Österreich, der vielen Toten und der um sich greifenden Zukunftsängste. Da wären mit Demut und Bescheidenheit lieber statt Tanz auf der Titanic.


    Berlin, ein Corona-Hotspot, gönnt sich ja nächsten sogar die Onlinepremiere eines neuen "Lohengrin" in der Regie von Calixo Bieto. :no: Ich frage mich, wer das verantwortet. Mir fehlen wirklich die Worte.


    Die Primadonna im Vorspiel der "Ariadne auf Naxos" bringt es auf den Punkt: "Sind die Leute wahnsinnig?"

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Man könnte natürlich auch fragen: warum schon wieder Muti ?

    Könnte man. Andererseits ist dieser mit dann sechs Einladungen noch immer deutlich hinter Boskovsky (25), Krauss (13) und Maazel (11). Von den Neujahrskonzerten der letzten Jahre fand ich seines von 2018 weit vorn, da er den Stücken eine symphonische Gewichtigkeit gab, wie man sie eher selten hört.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Man könnte natürlich auch fragen: warum schon wieder Muti ?

    Allzu groß dürfte die Auswahl ja nicht mehr sein.....

    und man wird vermutlich Dankbar sein, daß Muti TROTZ der Coronakrise dirigiert.

    Manch ein großer Dirigent würde in solch einer Situation absagen...


    Ich erinnere mich hier an ein Konzert, wo Peter Serkin im Herbst 2001 als Solist im Wiener Musikverein auftreten häte sollen.

    Dem Programmheft war ein Text des Pianisten beigefügt, wo er sich beim Publikum für seine Absage entschuldigte, aber er woll in diesen Tagen

    (Terroranschlag auf das WTC) das Risiko einer Flugreise nicht auf sich nehmen.

    Das Konzert wurde mit gleichem Programm durch den freundlicherweise eingesprungenen Stefan Vladar realisiert.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Insgesamt bin ich davon sehr angetan. Einer meiner Lieblingswalzer, Bad'ner Mad'ln, feiert endlich seine verspätete Neujahrskonzert-Premiere. :jubel: Ich hätte es schon nicht mehr für möglich gehalten.

    Tja, nachdem Knappertsbusch nie eingeladen wurde es zu dirigieren...

  • Das ist allerdings

    Das ist allerdings nicht besonders logisch. Vermutlich waren die Kontrollen nie schärfer und das Risiko einer erneuten Entführung o.ä. niedriger als nach dem 11.09. Oder dauerte es länger, bis die Maßnahmen verschärft wurden?


    Ein lokaler Dirigent aus Österreich oder Deutschland wäre ja gar kein Problem. Der könnte ggf. im PKW nach Wien chauffiert werden. The show must go on. Vielen Menschen schadet die Einsamkeit und Trübsinnigkeit vermutlich weit mehr als das Virus.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ein Neujahrskonzert mit Knappertsbusch, das wäre ein Hit gewesen. Der "Kna" hatte die Wiener Musik im Blut, wie die erhaltenen Aufnahmen unzweifelhaft beweisen. In jener Zeit waren die Wiener Neujahrskonzerte aber fest in der Hand von Clemens Krauss und später Willi Boskovsky.


    Da Muti gewillt ist, sein Engagement zu erfüllen, ist ein Dirigentenwechsel doch praktisch unmöglich, will man einen Affront vermeiden. Es soll am ersten Tage des neuen Jahres bestimmt auch ein hoffnungsvolles Zeichen für 2021 gesetzt werden. Von daher finde ich es trotz allem gut, dass dieses besondere Konzert (unter höchsten Sicherheitsstandards) stattfinden soll.

    Hier ein ganz aktuelles Interview mit Maestro Muti selbst: https://www.news.at/a/intervie…i-musik-menschen-11800099

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Vielen Menschen schadet die Einsamkeit und Trübsinnigkeit vermutlich weit mehr als das Virus.

    Diejenigen ausgenommen, die auf Intensivstationen unter Sauerstoffgeräten mit dem Tode ringen. Wenn der harte Lockdown kommt über den Jahreswechsel, dann wäre es nur logisch und konsequent, auch dieses Konzert abzusagen. Schon aus Pietät. Seine Sinnhaftigkeit wäre niemandem mehr zu vermitteln.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Diejenigen ausgenommen, die auf Intensivstationen unter Sauerstoffgeräten mit dem Tode ringen. Wenn der harte Lockdown kommt über den Jahreswechsel, dann wäre es nur logisch und konsequent, auch dieses Konzert abzusagen. Schon aus Pietät. Seine Sinnhaftigkeit wäre niemandem mehr zu vermitteln.

    :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:


    Leider ist das Virus nicht gerecht. Es kann nicht unterscheiden. Übrigens hielt ich den harten Lockdown für eine sofortige, das ganze Land umfassende Maßnahme.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Jeden Tag ringen ein paar hundert oder mehr Leute in Deutschland mit dem Tode. In der Tat sterben je nach Jahreszeit jeden Tag knapp 3000 Leute in Deutschland. Alle Menschen müssen sterben. Die Pietät diesbezüglich betrifft das nähere Umfeld, nicht die anderen 80 Millionen in einem Land. Insbesondere werden normalerweise keine Veranstaltungen in einem anderen Land abgesagt, weil jemand anderswo gestorben ist. Komischerweise soll diese Selbstverständlichkeit seit einigen Monaten nicht mehr gelten. Warum genau, hat noch niemand so richtig erklären können. Entweder waren wir in den vergangenen Jahren unfassbar pietätlos oder wird sind dieses Jahr vor Angst verrückt geworden.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Insbesondere werden normalerweise keine Veranstaltungen in einem anderen Land abgesagt, weil jemand anderswo gestorben ist. Komischerweise soll diese Selbstverständlichkeit seit einigen Monaten nicht mehr gelten. Warum genau, hat noch niemand so richtig erklären können. Entweder waren wir in den vergangenen Jahren unfassbar pietätlos oder wird sind dieses Jahr vor Angst verrückt geworden.

    Hervorhebung von mir.

    In der Tat das waren wir - oder besser gesagt diejenigen, die das Sagen hatten oder es sich anmaßten

    Vor allem die sogenannte "Wirtschaft" und ihre "Investoren", die in der Menschheit lediglich eine Summe von Konsumenten und Arbeitersklaven sehen.

    Die zittern nun um ihre Profite (das freut mich)und reden immer heuchlerisch um "Arbeitsplätze" - wobei sie die meist sowieso schon selbst zerstört haben um ihre Erträge zu minimieren.

    Man ist dabei den Sonntag abzuschafffen, man möchte in Pandemiezeiten alles Weiterlaufen lassen - denn die Profite dürfen nicht leiden cä- und dann jammern die um staatliche Unterstützungen - der Staat soll in Krisenzeit einspringen - aber sich dezent zurückziehen, wenn die globalisierte wirtschftsliberale ("Wirtschaftsdiktatur!!!!") wieder Gewinne einheimsen kann.

    Weil wir von Pietät sprechen: Es war noch in meiner Kindheit/Jugend völlig normal, daß am Karfreitag Kinos und Tanzveranstaltungen geschlossen waren, es gab Trauerminuten im Rundfunk. Und früher war das noch ausgeprägter:

    Zitat

    Als Marconi starb, wurde zu seinem Gedenken sämtlicher Funkverkehr weltweit für zwei Minuten ausgesetzt

    Wir müssen davon ausgehen, daß ohne die (ohnedies viel zu laxen) Maßnahmen hundert mal mehr Tote wären. Das ist ein einfaches Rechenexempel, siehe Kettenbrief oder Schachbrettbeispiel....


    mfg aus Wien

    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • L

    Warum genau, hat noch niemand so richtig erklären können. Entweder waren wir in den vergangenen Jahren unfassbar pietätlos oder wird sind dieses Jahr vor Angst verrückt geworden.

    Lieber Johannes,

    genau erklären kann ich es Dir auch nicht. Aber meine Meinung dazu äußern wohl. Wir stehen mit Corona vor einem, zumindest in dieser Größe und Heftigkeit unbekannten Phänomen. Solche Ängste verunsichern. Verunsicherung sucht nach neuen Lösungsmöglichkeiten. Bis wir unseren neuen Standpunkt gefunden haben schwanken wir, oft sogar zwischen Extremen. Ich bin wie wahrscheinlich die meisten im Forum ein engagierter Freund von Kultur und Klassik. Als Ehrenpräsident und Aktiver des Heilbronner Sinfonie Orchesters trifft mich der gegenwärtige Corona-Tiefschlaf des Orchesters persönlich hart, weil wir noch nicht wissen, wie gerupft wir aus der existenzgefährdenden Krise herauskommen. Dennoch verstärkte sich meine vorher bereits bestehende Meinung: Gesundheit und Gesunderhaltung des Einzelnen und der Gesamtbevölkerung muss die höchste Priorität genießen. Deshalb halte meine Frau und ich, zur höchsten Risikogruppe gehörend, alle Regeln strikt ein und befürworten eine ganz konsequente, harte Umsetzung aller die Epidemie einschränkenden Maßnahmen. Ich meine auch in eine solche Zeit passt ein Konzert wie das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker nicht gut hinein, zumal es einen eher heiteren Charakter hat. Auch Rücksicht auf die Gefühlslage der Betroffenen und alle diejenigen, die jetzt die Belastungen schultern und meistern müssen scheint mir ein angemessenes Zeichen richtigen Mitgefühls zu sein. In meiner Kindheit kannte und feierte man den Jahreswechsel nicht ausgelassen, sondern man ging am Altjahresabend und am Neujahrstag in die Kirche. Mit scheint also in der aktuelle Lage Besinnlichkeit und Mitgefühl angemessen zu sein. Noch etwas tiefer gedacht. Vielleicht ist die jetzige Katastrophe auch eine Chance zum Nachdenken und zur Besinnung.

    Liebe Grüße

    Herzlichst

    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Entweder waren wir in den vergangenen Jahren unfassbar pietätlos oder wird sind dieses Jahr vor Angst verrückt geworden.

    Das mit der Pietät ist so eine Sache. Gerade habe ich interessehalber herausgefunden, dass bei den letzten beiden großen Influenza-Pandemien im 20. Jahrhundert, der Asiatischen Grippe 1957/58 und der Hongkong-Grippe 1968/69, in Deutschland schätzungsweise 30.000 bzw. 40.000 Menschen starben (2020 rechnet man mit etwas über 20.000 Corona-bedingten Todesfällen, wenn ich das richtig sehe). Für Österreich finde ich spontan keine Zahlen. Medial spielte es praktisch keine Rolle. Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker in diesen Jahren fand jedenfalls statt und offenbar nahm niemand Anstoß daran. Vielleicht ist man aber auch sensibler geworden in diesen Dingen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Aus "Pietät" wurde doch irgendwann mal in den letzten Jahren auf Radetzky verzichtet. Nach dem Weihnachts-Tsunami im indischen Ozean oder nach 9/11, weiß nicht mehr.

    Sport lässt Menschen besser aussehen - Wein aber auch.

  • Vielleicht ist man aber auch sensibler geworden in diesen Dingen.

    Mit Sicherheit


    Man darf keine Witze oder Bemerkuingen machendie jemandem in seiner Rasse kränken könnte

    Man darf keine Witze über Frauen machen

    Man darf keine zweideutigen (eindeutigen) Witz Machen

    Man darf keine Wite über Religionen machen

    Man muß "politisch" Korrekt sprechen

    Man darf niemand als Gesindel bezeichen, auch wenn dies zuträfe

    Man darf niemanden diskriminieren

    "Neger", "Mohr", "Zigeuener"

    Man benennt Straßen um, wenn der Geehrte nicht heutigen "Normen" entspricht


    Ich kann mich nicht erinneren, daß das in meiner Jugend irgendjemand interessiert hätte


    Woran ich mich aber erinnere ist daß ANGEBLICH nach dem Tod von Dr Karl Renner aus Pietät alle Bälle abgesagt wurden

    Im Internet findet sich indes davon nichts


    Aber zu den Pandemien von 1957 und 1968


    Ich habe als Kind, bzw Jugendlicher nicht mal mitgekriegt, daß es sowas aktuell gab.

    Vermutlich lag das daran, daß die Medien nicht so überpräsent waren, wie heute.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Aus "Pietät" wurde doch irgendwann mal in den letzten Jahren auf Radetzky verzichtet. Nach dem Weihnachts-Tsunami im indischen Ozean oder nach 9/11, weiß nicht mehr.

    Ersteres. Das war beim Neujahrskonzert 2005, dem letzten unter Lorin Maazel, und eine Reaktion auf den Tsunami vom 26. Dezember 2004.


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ein Neujahrskonzert mit Knappertsbusch, das wäre ein Hit gewesen.

    Lieber Joseph II.,


    wenn Du möchtest, hier kannst Du es genießen, in guter Stereo-Qualität:


    Die Schönsten Orchesterstücke - Knappertsbusch, Hans, Wp, Knappertsbusch,  Strauss, Tschaikowsky, Brahms, Johannes, Various: Amazon.de: Musik

    und das zum schlappen Preis von € 5,90 + Versandkosten (beim Urwaldfluß). Auf CD 1 sind folgende Hits zu hören:

    1. Radetzkymarsch, 2. Bad'ner Mad'ln, 3. Annenpolka, 4. Accelerationen, 5. Tritsch-Tratsch-Polka, 6. Wiener Bürger, 7. Leichtes Blut, 8. G'schichten aus dem Wienerwald. Und als "Zugabe" noch die "Aufforderung zum Tanz" von C.M. von Weber!


    Und so sah die Original-LP einst aus:


    Knappertsbusch* Conducting The Vienna Philharmonic Orchestra* - Vienna  Holiday (1977, Vinyl) | Discogs

    Die Aufnahmen wurden sogar im Großen Musikvereinssaal zu Wien gemacht! (Allerdings nicht am Neujahrstag).


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Gerade klang das diesjährige Neujahrskonzert, das gleichsam das neue Jahr 2021 musikalisch traditionell einleitet, aus.


    Natürlich kann man es noch einige Zeit in der TVthek des ORF (und wohl auch des ZDF etc.) abrufen. Und es wird auch noch mehrmals klassisch im Fernsehen ausgestrahlt, so morgen um 20:15 im 3sat.


    Wie sind eure Eindrücke?


    Ich empfand es als eines der interessantesten Programme der letzten Jahre. Zeller, Millöcker und Komzák fanden endlich gebührende Berücksichtigung. Riccardo Muti wurde über all die Jahre, in denen er dieses Neujahrskonzert dirigiert (erstmals vor 28 Jahren), immer besser und traf den wienerischen Tonfall von Mal zu Mal immer treffender.


    Die Highlights für mich die großen Walzer. Mit "Schallwellen" machte ein unbekannter Genrevertreter von Johann Strauss Sohn den Anfang. Überraschend gut dann "Grubenlichter" von Carl Zeller. Die fetzigen "Bad'ner Mad'ln" von Karl Komzák bildeten einen Höhepunkt. Kaum ein Walzer spiegelt die späte k. u. k. Monarchie besser wider. In den bekannten Strauss-Walzern "Frühlingsstimmen", "Kaiser-Walzer" und "An der schönen blauen Donau" wählte Muti ein betont breites, monumentales Zeitmaß. Der abschließende Radetzky-Marsch mal glücklicherweise ohne nervtötendes, zirkusartiges Dreingeklatsche (sollte so die Regel werden, aber schon Harnoncourt konnte sich in diesem Punkt nicht durchsetzen).


    Sehr gut fand ich auch die ungewöhnlich lange und deutliche Neujahrsansprache, die einen eindringlichen Appell an die Politik in aller Welt zur Unterstützung der Kultur in diesen schwierigen Zeiten enthielt.


    Insgesamt m. E. eines der überzeugendsten Neujahrskonzerte der letzten Jahre, trotz der denkbar ungünstigen Ausgangsbedingungen. Ich freue mich auf die CD, die nächsten Freitag erscheinen wird.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Mir hat es auch außerordentlich gut gefallen. Eine tolle Idee waren auch die zugeschalteten Handys aus aller Welt mit Applaus. Die Ansprache von Muti hat mich sehr berührt.

    :hello:
    Jolanthe.

  • Ich muss Joseph II. für seine geschilderten Eindrücke beipflichten. Für mich war dieses Neujahrskonzert aus Wien zwar speziell, und doch habe ich die Musik - wie immer, weil sie mir auch grundsätzlich gefällt - genossen. Ich höre schon in meiner Vorstellung die Stimmen, die da sagen

    uns schreibt man die Abstände vor und die Musiker sitzen dort dicht an dicht und noch dazu ohne Masken. Zumindest hätten, die Bläser mal ausgenommen, alle anderen sie tragen sollen.

    Genau daran habe ich, muss ich zugeben, auch gedacht, und ich weiß nicht, welches Konzept die WP ausgearbeitet haben (falls es denn eines gab), doch nehme ich dankbar zur Kenntnis, dass man dieses wunderbare Jahresanfangs-Ereignis nicht hat ausfallen lassen.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Für mich war das Konzert ein Anlass, den ganzen "Corona-Wahnsinn" mal für ein paar Stunden komplett auszublenden. Zum Glück trug niemand im Orchester während des Konzerts eine Maske, was sofort daran erinnert hätte (im Musikverein gilt ansonsten, abseits von Konzert und Proben, freilich für alle die Maskenpflicht). Das Sicherheitskonzept der Wiener Philharmoniker ist ausgeklügelt, hat sich über Monate bewährt und wurde auch schon im Vorfeld ausführlich erläutert. Es zwingt jedem Orchesterspieler eine harte Disziplin auf, und schon deswegen sollte man es wirklich würdigen, dass die Musiker bereit waren, sich dem strengen Reglement zu unterwerfen, das ihnen noch mehr Verzicht abverlangt als uns übrigen. Maestro Muti ging vor ein paar Tagen auch darauf ein, als er meinte, er sei in seinem Hotel praktisch völlig von der Außenwelt abgeschottet und dürfe keinen einzigen Menschen empfangen. Es hat schon etwas Surreales, welcher Aufwand betrieben werden muss, um zumindest für einen Moment einen Anflug von Normalität erzeugen zu können.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid