Ballett-Aufführungen - Mediale Wiedergaben

  • Dieser Thread ist Ballett-Aufführungen gewidmet, die im Internet oder auf DVDs anzusehen sind.


    Nur noch heute, nachdem sie zwei Wochen abrufbar waren, kann man vier Ballettaufführungen der Pariser Oper in der arte mediathek ansehen.


    Ich habe zwei Stunden gestaunt über: Die Pracht und Opulenz der Kostüme in "Frôlons", die Stringenz in "The Art of Not Looking Back", die Gestaltung der Tänzer in "Stabat Mater" und die Präzision der Menschenführung in "The Seasons' Canon". Kontrolle über die Bewegung bis in die Zehenspitze.


    Und bei allem daran gedacht, dass die Aufführungen vor der Corona Pandemie entstanden. So viel Nähe war einmal möglich.


    https://www.arte.tv/de/videos/…phen-an-der-pariser-oper/


    Dass das Pariser Ballett zu den vielfältigsten Compagnien der Welt gehört, beweist dieser Tanzabend aus dem Palais Garnier: Vier zeitgenössische Choreographen unterschiedlichster Stilrichtungen präsentieren ihre variationsreichen Kompositionen, die sie dem Corps de Ballet der Pariser Oper auf den Leib geschrieben haben. Den Auftakt des Abends macht James Thierrée. Er entert die öffentlichen Bereiche der Pariser Oper und entführt den Zuschauer mit seinem Werk „Frôlons“ in eine fantastische Traumwelt. In „The Art of Not Looking Back“ bemächtigt sich dann der Israeli Hofesh Shechter der Bühne, indem er neun Tänzerinnen in einen urtümlichen, von panischer Angst geprägten Reigen hineinzieht. Er spürt verschütteten Traumata nach und lässt in der Choreographie blanke Gewalt auf zeremonielle Feierlichkeit antworten. Damit hinterfragt er den Stellenwert des persönlichen Schmerzes im Rahmen des künstlerischen Schaffens. Im Anschluss präsentiert der Spanier Iván Pérez ein völlig anders geartetes Stück, auf das „Stabat Mater“ von Arvo Pärt. In seiner feinsinnigen Choreographie „The Male Dancer“ setzt Pérez nur männliche Tänzer ein und entwickelt mit ihnen Schritt für Schritt das Paradox der Tänzerfigur – dieser Mischung aus Kraft und Sensibilität, die mal zum Objekt der Begierde, mal zum Gegenstand des Spottes wird. Den dynamischen Abschluss des Abends bildet „The Seasons' Canon“, eine eigens für das Ballett der Pariser Oper geschaffene Choreographie der Kanadierin Crystal Pite aus dem Jahr 2016 zur Musik von Max Richters Bearbeitung der „Vier Jahreszeiten“ Vivaldis.


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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe