Manfred Honeck - Österreicher auf Weltkarriere

  • Manfred Honeck macht auf eine stille, unspektakuläre Art eine beachtliche Karriere als Dirigent! Sein Repertoire ist breit. Es umfasst die zentralen Werke der österreichisch-deutschen Tradition ebenso wie Werke von slawischen und skandinavischen Komponisten.


    Nachdem ich ihn gestern Abend wieder mit einen Live-Übertragung aus der Hamburger Elbphilharmonie erlebt habe, denke ich, dass er endlich einen eigenen Thread im Forum verdient hat. Bisher ist nämlich relativ wenig über ihn und sein Wirken im Forum zu finden.


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    Caruso41 in einer Diskussion im Forum über Österreichische Dirigenten

    Ich will mich als Preuße ja nicht einmischen, aber frage doch mal:
    Hat man denn den Österreicher Manfred Honeck in Österreich überhaupt nicht im Blick! Unter den gegenwärtig in Österreich verpflichteten Dirigentinnen und Dirigenten, die JosephII aufgelistet hat, sehe ich zumindest keinen, der den Rang Honecks hätte.
    Ich habe gerade seine neueste CD-Einspielung der monumentalen Symphonie Nr. 9 d-moll von Anton Bruckner gehört. Die englischsprachigen Musikzeitungen sind voll der Begeisterung. Das ist wirklich eine grandiose, packende Aufnahme! Und sie hat etwas, das man bei Aufnahmen von amerikanischen Orchestern selten findet: Honeck erschließt die spirituellen Dimensionen der Komposition.


    Joseph II hat darauf reagiert

    Ein Unbekannter ist Manfred Honeck in Wien nicht. Ich erwähnte ihn oben ja bereits. Gleichwohl hat er in seinem dirigentischen Wirken offenkundig andere Schwerpunkte gesetzt. So trat er mit den Wiener Philharmonikern bisher nur dreimal überhaupt auf, und dies immer in Salzburg (Mozartwoche 1994 und 2006 sowie Salzburger Festspiele 2006). Deutlicher enger ist seine Beziehung zu den Wiener Symphonikern, die er 1988 zum ersten Mal dirigierte. Immerhin zwei CDs mit Wiener Musik sind mit Honeck eingespielt worden.

    Allerdings ist mein Eindruck, dass Honeck in Wien keine genuine Stellung eines "Homo Austriacus" innehat. Er wurde kein einziges Mal für ein Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker in Betracht gezogen, was einigermaßen verwundert. Vielleicht können beide nicht so gut miteinander. Gerade sah ich, dass er dafür eigentlich das heurige Silvesterkonzert der Wiener Symphoniker im Konzerthaus hätte dirigieren sollen. Dieses wird aber ohne Publikum stattfinden müssen, sofern es überhaupt zustande kommt.

    In Pittsburgh hat sich Honeck dagegen, wie Caruso schon zurecht schreibt, einen hervorragenden Ruf erarbeitet und gilt längst mehr als nur ein Geheimtipp in der US-amerikanischen Orchesterlandschaft. Das ist ja auch ein ganz tolles Orchester, wie man schon seit der Steinberg-Ära weiß.


    Hier ein paar biografische Informationen. Ich habe sie aus verschiedenenQuellen zusammengestellt. Eine eigene Homepage hat Manfred Honeck wohl nicht.
    Manfred Honeck (* 17. September 1958 in Nenzing) ist ein österreichischer Bratschist und Dirigent.


    Seit 2008 ist er Music Director des Pittsburgh Symphony Orchestra. Seine richtungweisenden Interpretationen mit diesem Orchester erfahren international große Anerkennung. Umjubelte Gastspiele führen regelmäßig in die großen Musikmetropolen und zu unternationalen Festivals. Die Zusammenarbeit wird durch zahlreiche Einspielungen dokumentiert, die u. a. mit dem Grammy Award ausgezeichnet wurden.

    Der gebürtige Österreicher absolvierte seine musikalische Ausbildung an der Hochschule für Musik in Wien. Seine Arbeit als Dirigent wird durch Erfahrungen geprägt, die er über lange Jahre als Mitglied der Wiener Philharmoniker und des Wiener Staatsopernorchesters sammelte. Seine Laufbahn begann er als Assistent von Claudio Abbado in Wien; anschließend ging er als Erster Kapellmeister ans Opernhaus Zürich. Nach Positionen beim MDR-Sinfonieorchester und als Erster Gastdirigent des Oslo Philharmonic Orchestra wurde er zum Music Director des Swedish Radio Symphony Orchestra berufen; er war außerdem Erster Gastdirigent der Tschechischen Philharmonie. Von 2007 bis 2011 wirkte Honeck als Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart. Seit 25 Jahren ist er Künstlerischer Leiter der Internationalen Wolfegger Konzerte. Als Gastdirigent stand er am Pult aller führenden internationalen Klangkörper, darunter die Berliner und Wiener Philharmoniker, Staatskapelle Dresden, das Symphonieorchester des BR, Gewandhausorchester

    Leipzig, London Symphony Orchestra und Orchestre de Paris. In den USA leitete er die Orchester von Los Angeles, New York, Chicago, Boston, Cleveland und Philadelphia.

    Honeck wurde von mehreren US-amerikanischen Universitäten zum Ehrendoktor ernannt.

    Im Auftrag des österreichischen Bundespräsidenten erhielt er den Berufstitel Professor.


    Nach zwei früheren Grammy-Nominierungen wurde die Aufnahme mit Schostakowitschs 5. Symphonie im Januar 2018 mit einem Grammy in der Kategorie „Best Orchestral Performance“ ausgezeichnet.

    Im folgenden Jahr erschien Bruckners 9. Symphonie, die erneut in mehreren Kategorien für den Grammy nominiert wurde.


    Nun noch eine Auswahl seiner CD-Aufnahmen, die mich besonders beeindruckt haben:


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    Honeck dirigiert die 10. Sinfonie von Alan Peterson


    Caruso41





    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Da warst du nun schneller als ich, lieber Caruso41, da ich ebenfalls an einem Eröffnungsbeitrag zu Manfred Honeck arbeite - oder gearbeitet habe. :D Spielt ja auch keine Rolle, wer denn eröffnet. Vielmehr ist wichtig, dass er nun einen längst fälligen eigenen Thread hat. Ich beobachte seine Karriere seit seinem Engagement in Stuttgart.


    Zu gegebener Zeit werde ich etwas beisteuern.

  • Der sonst so überkritische David Hurwitz scheint an Honeck jedenfalls einen Narren gefressen zu haben …


    Jedoch nicht bei Beethoven's Neunter … 8)

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Manfred Honeck macht auf eine stille, unspektakuläre Art eine beachtliche Karriere als Dirigent

    Vermutlich ist es stille, unspektakuläre Art im Auftreten wie im Interpretieren das, was Manfred Honeck's angemessene Würdigung verhindert. Immer wieder erlebe ich, dass bei Diskussionen über die Neubesetzung von Chefpositionen großer Orchester sein Name fehlt. Spreche ich das an, kommen fast ausnahmslos Lobeshymnen. Man hat Manfred Honeck "nicht auf dem Schirm".


    Die Wiener Philharmoniker und Manfred Honeck - irgendwo las ich, dass der Dirigent solange kaum mit dem Orchester arbeitet, wie sein Bruder Rainer Honeck dort Konzertmeister ist. Den er übrigens gerne als Solist nach Pittsburgh holt.


    Mir geht es wie Novalis, seit seiner Stuttgarter Zeit verfolge ich den Karriereverlauf von Manfred Honeck. Besonders beeindruckte mich vor Jahren eine Achte von Dvorak mit dem hr-Sinfonieorchester, die sich zu einem YouTube-Renner entwickelt hat:


  • Die von Caruso41 im Eingangsbeitrag erwähnte Live-Übertragung aus der Elbphilharmonie vom gestrigen Abend kann man als Video-Mitschnitt hier abrufen:


    Manfred Honeck / Elbphilharmonie / 25.03.2021


    Programm:
    Max Bruch - Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26

    Antonín Dvořák - Symphonie Nr. 9 e-Moll op. 95

    María Dueñas, Solistin
    Elbphilharmonie Orchester
    Manfred Honeck

  • Da warst du nun schneller als ich, lieber Caruso41, da ich ebenfalls an einem Eröffnungsbeitrag zu Manfred Honeck arbeite - oder gearbeitet habe. :D

    Lieber Novalis.

    lass Dich durch meine Thread-Eröffnung nicht etwa ausbremsen. Sicher hast Du noch viel mitzuteilen!

    Ich bin neugierig.


    Der sonst so überkritische David Hurwitz scheint an Honeck jedenfalls einen Narren gefressen zu haben: Fast durchgängig Höchstwertungen.

    Lieber Joseph II!

    Warum wundert Dich das? Auch in Grammophone und Fanfare sind die meisten der Aufnahmen von Manfred Honeck ausgesprochen positiv besprochen und nachdrücklich empfohlen worden. Sie bestechen zunächst einmal schon durch ihre phantastische Klangqualität. Jede der Aufnahmen aus Pittsburgh ist ein Vergnügen für audiophil orientierte Musikfans. So transluzent und dabei üppig klingen Strauss und Tschaikowski sonst kaum, von Schostakowitsch ganz zu schweigen!

    Aber auch die Interpretationen von Honeck haben was zu bieten. Der Mann zielt nicht auf Überwältigung oder spektakuläre Wirkungen. Er musiziert fast altmodisch, gelassen, lässt der Musik ihren eigenen Atem und entwickelt Spannung aus dem thematischen Material. Jede Stimme und jede Phrase ist überlegt und genauestens geformt. Honeck hat ein feines Ohr für Details der Abstimmung zwischen den Instrumenten. So entsteht etwa bei Beethovens 5. und 7. Sinfonie, bei der er die ersten und zweiten Geigen antiphon setzt, eine Klarheit der kontrapunktischen Faktur, die wirklich aufregend oft sogar überwältigend ist. Das funktioniert natürlich nur, weil die Balance perfekt ist. Diese zentimetergenaue Präzision kann man übrigens auch im Finale der 5. Sinfonie bewundern, wo er die Pauke und die Pikkoloflöte so haargenau zusammen zum Schluss bringt, wie ich das noch nie gehört habe. Eine unerhörte Wirkung!


    Vermutlich ist es stille, unspektakuläre Art im Auftreten wie im Interpretieren das, was Manfred Honeck's angemessene Würdigung verhindert. Immer wieder erlebe ich, dass bei Diskussionen über die Neubesetzung von Chefpositionen großer Orchester sein Name fehlt. Spreche ich das an, kommen fast ausnahmslos Lobeshymnen. Man hat Manfred Honeck "nicht auf dem Schirm".

    Lieber Udohasso!


    Da hast Du ganz sicher recht! Man hat ihn in Europa meist 'nicht auf dem Schirm', weil er als Mensch zurückhaltend ist und als Musiker sich selbst nicht in den Vordergrund drängt sondern sich als Diener des Komponisten und seiner Partituren versteht.

    Nur so nebenbei: Er hat nicht mal eine eigene Homepage!

    Besonders beeindruckte mich vor Jahren eine Achte von Dvorak mit dem hr-Sinfonieorchester, die sich zu einem YouTube-Renner entwickelt hat:

    Seine Aufnahme der 8. Dvorak mit dem Orchester aus Pittsburgh ist übrigens mit einer Orchestersuite aus JENUFA veröffentlicht, die Honeck zusammen mit den tschechischen Komponisten Thomás Ille zusammengestellt hat. Ganz tolles Stück! Lohnt schon allein die Anschaffung der CD!


    Gestern habe ich den LiveStream der Übertragung aus der Elbphilharmonie gehört. Auch die Aufführung der 9. von Dvorak unter Honeck war ein Ereignis. Das NDR-Elbphilharmonie-Orchester habe ich lange nicht mehr so gut gehört. Aber sie habe nicht nur genauer und klangschöner gespielt als oft, sondern auch mit einer seltenen Hingabe und Intensität.


    Allen wünsche ich einen schönen Abend!

    Herzliche Grüße


    Caruso41


    ********************************


    Noch ein Nachsatz zu Maurice:

    Der sonst so überkritische David Hurwitz scheint an Honeck jedenfalls einen Narren gefressen zu haben: Fast durchgängig Höchstwertungen.

    Jedoch nicht bei Beethoven's Neunter … 8)

    Anderen gefällt auch die Aufnahme!
    Hier Beispiele:


    https://bachtrack.com/de_DE/re…sburgh-symphony-june-2019

    https://www.allmusic.com/album…ymphony-no-9-mw0003464769

    https://www.nytimes.com/2021/0…-joy-classical-music.html

    https://www.gramophone.co.uk/features/article/this-week-s-essential-new-albums-beethoven-s-ninth-settecento-the-world-was-once-all-miracle

    http://culturespotla.com/cd-re…burgh-symphony-orchestra/

    https://www.classical-music.co…choral-pittsburgh-honeck/


    Sicher wirst Du noch mehr finden können.


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • ORCHESTERSUITEN


    Seine Aufnahme der 8. Dvorak mit dem Orchester aus Pittsburgh ist übrigens mit einer Orchestersuite aus JENUFA veröffentlicht, die Honeck zusammen mit den tschechischen Komponisten Thomás Ille zusammengestellt hat. Ganz tolles Stück! Lohnt schon allein die Anschaffung der CD!


    Manfred Honeck hat Orchestersuiten zu Janáčeks Jenůfa, Dvořáks Rusalka und Strauss' Elektra zusammen mit dem Komponisten Tomáš Ille eingerichtet. Von Honeck entstammt die Konzeption, von Ille die Umsetzung. Alle drei Suiten sind sehr hörenswert und auf den nachfolgenden Alben enthalten:



    Leoš Janáček

    Symphonische Suite aus "Jenufa"

    Pittsburgh Symphony Orchestra
    Manfred Honeck












    Antonín Dvořák

    "Rusalka"-Fantasie

    Pittsburgh Symphony Orchestra
    Manfred Honeck












    Richard Strauss

    Suite aus "Elektra"

    Pittsburgh Symphony Orchestra
    Manfred Honeck

  • Die Symphonische Rhapsodie über ELEKTRA habe ich in einer Aufführung unter Martin Honeck im Frühjahr 2017 in Hamburg vom Philharmonischen Staatsorchester Hamburg gehört!


    7. Philharmonisches Konzert

    So. 12. März 2017, Elbphilharmonie, 11.00 Uhr

    Mo. 13. März 2017, Elbphilharmonie, 20.00 Uhr

    Klavier: George Li

    Dirigent: Manfred Honeck

    • Richard Strauss: Elektra – Symphonische Rhapsodie (arrangiert von Manfred Honeck und Tomáš Ille)
    • Sergej Rachmaninow: Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43 für Klavier und Orchester
    • Peter I. Tschaikowsky: Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64


    Die ELEKTRA-Rhapsodie hat mich mächtig beeindruckt.
    Danach habe ich mir die CD mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra gekauft. Ich lege sie immer wieder mal auf und bin jedes Mal von Neuem begeistert!


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Die ELEKTRA-Rhapsodie hat mich mächtig beeindruckt.
    Danach habe ich mir die CD mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra gekauft. Ich lege sie immer wieder mal auf und bin jedes Mal von Neuem begeistert!

    Mir ergeht es ebenso, lieber Caruso41.


    Manfred Honeck macht auf mich einen sehr 'geerdeten' Eindruck, ein Künstler mit Bodenhaftung, der sein Handwerk beherrscht. Er ist ein Dirigent der 'alten Schule', der im Dienste der Komponisten und ihrer Partituren steht, der die Musik immer aus sich selbst heraus zur Entfaltung bringt.


    Ich habe ihn mehrfach in Stuttgart live erlebt. Ein sogenannter 'Pultstar' ist er nicht, eher ein bescheidener Zeitgenosse. Eine spezifische Aura, Charisma oder raumgreifende Präsenz, wenn er auf dem Podium steht, ist nicht in ihm angelegt. Vielleicht einer der Gründe, warum er bei der Besetzung von Chefdirigenten-Posten an großen Häusern nicht „auf dem Schirm“ hat - udohasso hat in seinem Beitrag darauf hingewiesen, dass sein Name nicht auf den Listen potenzieller Kandidaten erscheint.


    Wenn ich über Manfred Honeck nachdenke, so denke ich oft auch an Klaus Tennstedt, der einen ähnlichen Karriereverlauf hatte. Nach seinem Engagement in Kiel dirigierte er lange Jahre die ‚Big Five‘ der amerikanischen Orchesterlandschaft: die großen Klangkörper in New York, Boston, Chicago, Cleveland und Philadelphia. In späteren Jahren kam dann das Engagement in London hinzu. Lediglich Gastspiele führten ihn hin und wieder zurück in die Heimat.


    Manfred Honeck ist seit 2009 fest an Pittsburgh gebunden. Die Kategorie der 'Big Five' muss man aus meiner Sicht inzwischen erweitern. Das Pittsburgh Symphony Orchestra würde ich durchaus zu einem weiter zu fassenden Kreis zählen. Namhafte Chefdirigenten wie Fritz Reiner [1938-1948], William Steinberg [1952-1976], André Previn [1976-1984], Lorin Maazel [1988-1996] und Mariss Jansons [1996-2004] haben zur positiven Entwicklung des Orchesters beigetragen, eine Entwicklung, die sich unter Maestro Honeck fortsetzt.


    Man kann die Gemeinsamkeiten beider Dirigenten kondensieren auf:
    - Schwerpunkt der Dirigententätigkeit in einer späteren Phase der Karriere in den USA
    - gelegentliche Auftritte im deutschsprachigen Raum im Rahmen von Gastauftritten [oder Tourneen], kein festes Engagement
    - große Schnittmenge im Repertoire: Beethoven, Brahms, Mahler, Strauss
    - nicht 'Pultstar', sondern im Dienste von Partitur und Komponist wirkend

  • Wenn ich über Manfred Honeck nachdenke, so denke ich oft auch an Klaus Tennstedt, der einen ähnlichen Karriereverlauf hatte

    Lieber Novalis!


    Das ist ein überraschende und interessante Feststellung.


    Ja, ein paar äußere Ähnlichkeiten im Karriereverlauf sind nicht von der Hand zu weisen.


    Man muss aber doch sagen, dass Klaus Tennstedt ein ganz anderer Typus als Musiker war, als Manfred Honeck.
    Ich habe Tennstedt in seiner kurzen und merkwürdig wenig erfolgreichen Zeit beim NDR-Sinfonieorchester des Öfteren gehört - und bin ihm später in London wieder begegnet, als er ein umjubelter Liebling des Londoner Publikums war.
    Seine Emotionalität hat mich eigentlich immer für ihn eingenommen, auch wenn viele Details seiner Interpretationen mir merkwürdig aufgeplustert, andere Details dann wieder unscharf und verwaschen vorkamen. Ich erinnere mich an so manche Aufführung, in der die ekstatische Kraft seiner Interpretationen derart hingerissen hat, dass man einfach keine Einwände, die eigentlich durchaus angebracht gewesen wären, mehr vorbringen wollte.

    Ich meine: Tennstedts spätromantisch-genialischer Habitus hat so gar nichts gemein mit Honecks demütiger Kapellmeister-Haltung.


    Herzliche Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Ja, ein paar äußere Ähnlichkeiten im Karriereverlauf sind nicht von der Hand zu weisen. [...]


    Man muss aber doch sagen, dass Tennstedt ein ganz anderer Typus als Musiker war.
    Sein spätromantisch-genialischer Habitus hat so gar nichts gemein mit Honecks demütiger Kapellmeister-Haltung.


    Du hast es auf den Punkt gebracht, lieber Caruso41! Mir ging es in meinem Beitrag - du hast es angesprochen - um die äußeren Parallelen, die ich versucht habe, herauszuarbeiten. Rein musikalisch sind sie unterschiedlich veranlagt, kein Zweifel.


    Klaus Tennstedt habe ich leider nie live erlebt, da beneide ich dich um deine Erfahrungen.


    Herzliche Grüße
    Novalis

  • Klaus Tennstedt habe ich leider nie live erlebt, da beneide ich dich um deine Erfahrungen.

    Lieber Novalis!

    Eine Vorteil muss es ja haben, wenn man schon etwas älter ist!!!

    Ich habe halt auch das Privileg gehabt, in Orten aufgewachsen zu sein, studiert und gearbeitet zu haben, in denen die großen Dirigenten zu hören waren.


    Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

    Mit lieben Grüßen

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Udohasso hatte die prachtvolle Interpretation von Dvoraks 8. Sinfonie mit dem SO des Hessischen Rundfunks eingestellt.


    Sicher ist es auch sinnvoll, Honeck mit seinem Pittsburgher Orchester einzustellen.

    Dafür habe ich jetzt erst mal die vielfach ausgezeichnete 7. Sinfonie von Beethoven ausgewählt:






    Als die Aufnahme erschien, hat Frank Remy vom Magazin pizzicato ein Interview mit Martin Honeck veröffentlicht, das auch heute vielleicht noch interessant ist:


    https://www.pizzicato.lu/manfr…er-besetzung-aufzufuhren/


    Übrigens: es lohnt sich, die Kundenrezensionen zu den Beethoven-Aufnahmen der 5. und 7. Sinfonie mal anzuschauen.


    https://www.amazon.com/Beethov…ies-Nos-5-7/dp/B016E5S632


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • GUSTAV MAHLER


    Gustav Mahlers symphonisches Schaffen wurde noch nicht erwähnt. Manfred Honeck hat mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra bisher nachfolgende Symphonien eingespielt:


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    Mir fallen zunächst die wunderschönen langen melodischen Linien beim Hören auf. Daneben dieser dunkle und volle Streicherklang des Pittsburgh Symphony Orchestra. Als ausgebildeter Violinist und Bratschist weiß Manfred Honeck diesen spezifischen Mahlerklang der Streicher wunderbar zu modellieren. [Er hat als Bratschist bei den Wiener Philharmonikern unter Leonard Bernstein und Lorin Maazel Symphonien von Mahler gespielt.] Auffällig ist auch der satte Blechbläserklang. Besonderes Augenmerk richtet er auf Agogik und Dynamik: diffizile Temporückungen in vielen Abstufungsgraden und eine norme dynamische Bandbreite sind charakteristisch. Im Pianissimobereich wird regelrecht geflüstert, im Fortissimobereich bebt die Erde förmlich.

  • Ich meine: Tennstedts spätromantisch-genialischer Habitus hat so gar nichts gemein mit Honecks demütiger Kapellmeister-Haltung.

    Nicht auf den Vergleich mit Tennstedt will ich hinaus - sondern auf den zweiten Teil des Satzes von Caruso. Vielleicht liegt darin ein Hinweise auf mein eigenes Verhältnis zu Honeck. Wann immer ich etwas mit ihm hörte, was ehr selten geschah und dann auch nur von Konserven, gefiel es mir. Meist sogar sehr gut. Ich hatte nie etwas auszusetzen. Mich regte nichts auf. Und es wühlte mich auch nichts auf. Und ich war nie so richtig hingerissen. Honeck polarisiert nicht. Er ist - wie es mir vorkommt - der stille Arbeiter. Ich werde mir nächsten mehr vornehmen. Auf Spotify ist er reichlich vertreten. :) Eben hörte ich die Suiten aus "Elektra" und "Jenufa". Ich neige zu solchen Bearbeitungen, die man ja vor allem von Strauss selbst kennt. Sie ersetzen natürlich nicht die Werke im Original, haben aber einen gewaltigen Vorteil: Es nerven keine grelle Stimmen! Besonders "Elektra" gesungen kann ich kaum mehr hören, weil mir die Stimmen meist nicht zusagen. Die Suiten glätten aber auch. Da wurde mir bei "Jenufa" sehr deutlich.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • OPER



    Ludwig van Beethoven
    Fidelio
    Leonore: Nicole Chevalier
    Florestan: Eric Cutler
    Don Pizarro: Gábor Bretz
    Rocco: Christof Fischesser
    Marzelline: Mélissa Petit
    Jaquino: Benjamin Hulett
    Don Fernando: Károly Szemerédy
    Arnold Schoenberg Chor
    Wiener Symphoniker

    Manfred Honeck

    Regie: Christoph Waltz

    Theater an der Wien, 2020



    Die dritte Opernregie des Schauspielers Christoph Waltz. Die Produktion kam unter widrigen Begleitumständen zustande. Bei JPC kann man hierzu erfahren:

    Zitat

    "Die Produktion, die Monate zuvor ausverkauft war, erlebte nie ihre Bühnenpremiere, da das Theater an der Wien wegen der Covid-19-Pandemie wenige Tage zuvor schließen musste. Dank eines unglaublichen Einsatzes aller Beteiligten konnte das Opernhaus kurzfristig in ein Filmstudio umgebaut werden, so dass die Inszenierung von Beethovens flammendem musikalischen Plädoyer für Freiheit und Menschlichkeit doch noch ihr Publikum erreicht.

    Es ist die einzige mir bekannte Beschäftigung Manfred Honecks mit einer Oper seit seiner Zeit am Staatstheater Stuttgart. Aber da kann Caruso41 wahrscheinlich mehr dazu sagen.

  • Meist sogar sehr gut. Ich hatte nie etwas auszusetzen. Mich regte nichts auf. Und es wühlte mich auch nichts auf. Und ich war nie so richtig hingerissen.

    Die im Thread gezeigte Neunte von Bruckner hörte ich vor einigen Tagen komplett. Das Zitat charakterisiert auch für meine Begriffe sehr gut, was ich bei dieser und anderen Aufnahmen von Honeck empfinde. An den expressiven, hochindividuellen und teils auch exzentrischen Klaus Tennstedt hätte ich bei dem Gehörten nicht im Traum gedacht. Aber es mag stimmen: Oberflächlich betrachtet, gibt es da ein paar Gemeinsamkeiten in ihrem Karriereverlauf.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • An den expressiven, hochindividuellen und teils auch exzentrischen Klaus Tennstedt hätte ich bei dem Gehörten nicht im Traum gedacht

    So sehr mir Etikettierungen und Superlative im Bezug auf Musiker meist Unbehagen bereiten: ich stimme Joseph II. zu, dass Klaus Tennstedt und Manfred Honeck eher Antipoden sind.


    Gestern hörte ich die Neunte von Dvorak aus der Elbphilarmonie. Ich dachte an

    Ich hatte nie etwas auszusetzen. Mich regte nichts auf. Und es wühlte mich auch nichts auf. Und ich war nie so richtig hingerissen. Honeck polarisiert nicht.

    Bei mir lösen die Arbeiten von Manfred Honeck Befriedigung aus, ein tiefes Einverständnis. So war es auch gestern bei der "Neuen Welt".

  • An den expressiven, hochindividuellen und teils auch exzentrischen Klaus Tennstedt hätte ich bei dem Gehörten nicht im Traum gedacht.


    Es war auch nur von äußerlichen Parallelen im Karriereverlauf der beiden Dirigenten die Rede. Wie man daraus vermeintliche musikalische Gemeinsamkeiten herleitet, kann ich nicht nachvollziehen.

  • Lieber Rheingold (und eigentlich an alle, die sich bisher in diesen Thread geäußert haben)!

    Und ich war nie so richtig hingerissen.

    Ich weiß nicht so recht, ob diese Deine Bemerkung, der sich auch Joseph II angeschossen hat, die zuvor so positiv timbrierten Feststellungen einschränken oder zurücknehmen soll.


    Es bringt mich natürlich zu einer entscheidenden - vielleicht sogar der entscheidenden - Frage: was erwarte ich von einem Dirigenten und was sollte er bringen, damit wir "hingerissen" sind?

    Mich beschäftigt diese Frage zunehmend. Im Mäkelä-Thread habe ich mit Bezug zu Bruckner-Interpretationen schon mal eine Teilantwort gegeben ( Klaus Mäkelä - Chefdirigent beim Oslo Filharmoniske Orkester).

    Inzwischen habe ich den gesamten Takashi-Asahina-Thread gelesen. Mich hatte irritiert, dass der Dirigent hier von Joseph II so gehyped wird. Darum wollte ich mal erfahren, was ihn interessant macht. Der Thread enthält jede Menge begeisterte Wertungen seiner Interpretationen aber leider keine Beschreibungen und Analysen. Offensichtlich waren die Hörer seiner CDs - niemand hatte ihn je live gehört - von seinen Interpretationen "hingerissen". Ich habe daraufhin mal zwei seiner Aufnahmen angehört und konnte wirklich nichts entdecken, was mich befriedigt oder gar hingerissen hätte - allerdings sehr viel, das mich gestört und verärgert hat. Darüber jetzt mehr zu sagen, ist hier sicher nicht der rechte Ort.
    Die Frage wäre allerdings: Warum wird ein Mann wie Manfred Honeck als einer empfunden, der Hörer nicht "aufwühlt" und "hinreißt"?
    Die Interpretationen von Honeck haben doch wirklich was zu bieten. Ich darf mal zitieren, was ich in der Thread-Eröffnung über Manfred Honeck geschrieben habe: "Der Mann zielt nicht auf Überwältigung oder spektakuläre Wirkungen. Er musiziert fast altmodisch, gelassen, lässt der Musik ihren eigenen Atem und entwickelt Spannung aus dem thematischen Material. Jede Stimme und jede Phrase ist überlegt und genauestens geformt. Honeck hat ein feines Ohr für Details der Abstimmung zwischen den Instrumenten. So entsteht etwa bei Beethovens 5. und 7. Sinfonie, bei der er die ersten und zweiten Geigen antiphon setzt, eine Klarheit der kontrapunktischen Faktur, die wirklich aufregend oft sogar überwältigend ist. Das funktioniert natürlich nur, weil die Balance perfekt ist. Diese zentimetergenaue Präzision kann man übrigens auch im Finale der 5. Sinfonie bewundern, wo er die Pauke und die Pikkoloflöte so haargenau zusammen zum Schluss bringt, wie ich das noch nie gehört habe. Eine unerhörte Wirkung!"

    So etwas finde ich hinreißend! Offensichtlich sind die Jury-Mitglieder des Grammy nicht so ganz anderer Meinung. immer wieder werden seine Aufnahmen nominiert, zwei sind sogar schon ausgezeichnet worden.


    *************************************

    Lieber Novalis!

    Gustav Mahlers symphonisches Schaffen wurde noch nicht erwähnt. Manfred Honeck hat mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra bisher nachfolgende Symphonien eingespielt:

    Von diesen CDs hatte ich bisher noch nichts gehört. Hab herzlichen Dank, dass Du auf sie hingewiesen hast.


    Am letzten Sonntag hätte ich eine Karte für das Konzert in der Elb-Philharmonie gehabt, das leider ganz abgesagt werden musste: Schade um das interessante Programm:

    Camille Saint-Saëns

    Konzert für Violine und Orchester Nr. 3 h-Moll op. 61

    Gustav Mahler

    Sinfonie Nr. 1 D-Dur »Titan«

    Max Bruch

    Konzert für Violine und Orchester g-Moll op. 26

    Antonín Dvořák

    Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 »Aus der Neuen Welt«


    NDR Elbphilharmonie Orchester

    Ray Chen Violine

    Dirigent Manfred Honeck


    Gerade auf den Mahler war ich ausgesprochen gespannt.


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Und das soll das Programm für ein einziges Konzert sein? Kaum zu glauben! Die ganze Mahler 1 und die ganze Dvorak 9 und noch zwei Konzerte???


    Kann es vielleicht sein, dass von Mahler 1 nur "Blumine" erklingen sollte? Dann würde eine "normale" Konzertlänge eher hinkommen.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Gewundert hatte ich mich auch - und deshalb nachgesehen. Vielleicht sollte es noch ein zweites Konzert geben.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Gewundert hatte ich mich auch - und deshalb nachgesehen. Vielleicht sollte es noch ein zweites Konzert geben.

    Danke für den Link! Da steht nun als Programm freilich:


    Zitat

    Programm

    Max Bruch

    Violinkonzert Nr. 1

    Antonín Dvořák

    Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 »Aus der Neuen Welt«

    Also nix mit Mahler und dem Unaussprechlichen...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Und das soll das Programm für ein einziges Konzert sein? Kaum zu glauben! Die ganze Mahler 1 und die ganze Dvorak 9 und noch zwei Konzerte???

    Gewundert hatte ich mich auch - und deshalb nachgesehen. Vielleicht sollte es noch ein zweites Konzert geben.

    Das Konzert, das ich besuchen wollte und dessen Programm ich oben eingestellt hatte, war für Sonntag den 28. März um 11:00 Uhr angesetzt und wurde komplett abgesagt.

    https://www.elbphilharmonie.de…chen-manfred-honeck/14112


    Das Konzert, das Rheingold nennt, fand am 25 März um 20:00 ohne Zuhörer statt - konnte aber im Hörfunk gehört werden und war als Live-Stream verfügbar!

    https://www.elbphilharmonie.de…ester-duenas-honeck/16351


    In Corona-Zeiten kommt manches durcheinander!

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Und mit welcher Konzertdauer hattest du gerechnet? ;)

    Na, mein lieber Stimmenliebhaber, etwas über drei Stunden wären es sicher geworden.
    Das ist doch bei den Preisen in der Elphi angemessen! 8o :*

    Aber denke mal an das Programm des Antritts-Konzertes von Kent Nagano beim DSO! Da haben dann vor der Bruckner-Sinfonie Besucher bereits das Weite gesucht.


    Beste Grüße


    Caruso41

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  • Lieber Rheingold (und eigentlich an alle, die sich bisher in diesen Thread geäußert haben)!

    Ich weiß nicht so recht, ob diese Deine Bemerkung, der sich auch Joseph II angeschossen hat, die zuvor so positiv timbrierten Feststellungen einschränken oder zurücknehmen soll.


    Es bringt mich natürlich zu einer entscheidenden - vielleicht sogar der entscheidenden - Frage: was erwarte ich von einem Dirigenten und was sollte er bringen, damit wir "hingerissen" sind?

    Dem waren diese Bemerkungen vorangegangen, die ich dem besseren Verständnis wegen nochmals zitierte:

    Wann immer ich etwas mit ihm hörte, was ehr selten geschah und dann auch nur von Konserven, gefiel es mir. Meist sogar sehr gut. Ich hatte nie etwas auszusetzen. Mich regte nichts auf. Und es wühlte mich auch nichts auf. Und ich war nie so richtig hingerissen. Honeck polarisiert nicht. Er ist - wie es mir vorkommt - der stille Arbeiter.

    Mein Verhältnis zu Honeck ist ambivalent. Als ich mir die oben verlinkte Mahler 5 anhörte, war auch ich beeindruckt von der exzellenten Spielweise und Orchesterkultur. Man merkt auf Anhieb, dass alles richtig ist. Das teilt sich so auch jenen mit, die nicht - wie Du - einer Sinfonie mit der Orchesterpartitur folgen können. Diese Fähigkeit ist mir nicht gegeben. Ich räume ein, dass die Bewertung in eine ganz andere Liga vorstößt, wenn man in jedem Moment die notierten Intentionen des Schöpfers verschriftlicht vor sich hat und sie mit der jeweiligen Aufführung abgleichen kann. Im Falle von Honeck wird dabei ganz gewiss deutlich, dass er alles in Perfektion erledigt. Für mich, den schlichten Laien, ist das aber noch keine Kunst. Es ist Handwerk. Und das ist ja auch schon viel. Hebt die Sinfonie bei Bernstein der Barbirolli an, fühle ich mich wie in einen Abgrund gerissen, aus dem ich nicht entfliehen kann. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Honeck lässt mich da relativ kalt. Mir ist klar, dass das mein Problem ist und nicht seines. Aber das macht ja gerade den Reiz und die Faszination aus. Schließlich fühlen wir uns doch auch von manchen Stimmen mehr angezogen als von anderen - obwohl sie beide alles richtig machen.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lieber Rheingold!

    Hebt die Sinfonie bei Bernstein der Barbirolli an, fühle ich mich wie in einen Abgrund gerissen, aus dem ich nicht entfliehen kann. Ich kann es nicht anders ausdrücken.

    Das Charisma und die emotionale Energie, die ein Barbirolli oder ein Bernstein in ihre Aufführungen einbrachten, entfalteten ohne Frage eine unheimliche Sogwirkung. Der konnte man sich nicht entziehen. Das habe ich nun wahrlich oft genug erlebt! Diese Abende gehören für mich zu den musikalischen Sternstunden.

    Aber was ist das für eine Erwartung, Gleiches oder zumindest Ähnliches von Manfred Honeck haben zu wollen? Beide waren einzig. Sie waren es meiner Meinung nach, weil sie eben nicht nur Charisma und emotionale Energie einbrachten sondern zugleich eine hohe Musikalität und herausragende intellektuelle Fähigkeiten.


    Was ich nun an Honeck schätze, ist seine Fähigkeit, durch genaueste Ausführung der Partiturangaben die Musik selber sprechen zu lassen und die Spannungen aus dem thematischen Material zu entwickeln. Bei Bruckners 9. Sinfonie - um ein konkretes Beispiel zu nehmen, das ich live von Honeck gehört habe und von der SACD - entfaltet das durchaus eine unerhörte Sogwirkung. Da werden große Linien und Zusammenhänge erkennbar. Übergänge gelingen ohne Brüche und Steigerungen und Höhepunkte entstehen ganz organisch und haben nichts willkürlich Gemachtes.


    Liebe Grüße


    Caruso41

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