GOETHE, Johann Wolfgang von: FAUST, DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL

  • Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832):


    FAUST

    DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL


    Einzelne Szenen wurden in Privataufführungen am

    18. Februar 1816, 24. Mai 1819 und 7.Juni 1820 auf Schloss Monbijou, Berlin, gegeben,

    die erste öffentliche Aufführung fand am 19. Januar 1829 im Nationaltheater Braunschweig statt



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter

    Mephistopheles (Mephisto), Teufel

    Margarete, genannt Gretchen, junges Mädchen

    Marthe Schwerdtlein, Gretchens Nachbarin

    Wagner, Fausts Famulus

    Valentin, Gretchens Bruder

    Hexe

    Schüler

    Frosch - Brander - Siebel - Altmayer, lustige Gesellen in Auerbachs Keller

    Lieschen, Bekannte von Gretchen

    Theaterdirektor

    Dichter

    Lustige Person

    Raphael - Gabriel - Michael, Erzengel

    Gott der Herr

    Geist

    Erdgeist

    Chor der Engel - Chor der Weiber - Chor der Jünger

    Spaziergänger aller Art

    Bauern - Geister - Hexentiere

    Böser Geist

    Walpurgisnacht-Figuren

    Stimme von oben

    Ein Pudel

    Meerkatzen der Hexe


    Die Handlung geht an wechselnden Orten im 16. Jahrhundert vor sich.



    INHALTSANGABE



    Vorbemerkung: Anders als bei Dramen üblich, ist dieses Stück nicht in Aufzüge/Akte und Auftritte/Szenen unterteilt,

    sondern in einzelne Szenenbilder mit Überschriften.


    ZUEIGNUNG

    Die Personen des Dramas werden in einem Gedicht, in dem sich der Dichter zum Thema selbst äußert, vorgestellt. Es ist gleichzeitig eine Reflektion über die Entstehungsgeschichte des Dramas und die eigene Jugendzeit, an die der Poet sich mit Wehmut erinnert.


    VORSPIEL AUF DEM THEATER

    Drei Personen - Theaterdirektor, Dichter und Lustige Person - diskutieren über die Situation an den Theatern und beklagen den Niedergang alles Kulturellen. Der Theaterdirektor schaut natürlich auf die Kasse und befindet, dass ein gutes Theaterstück nicht nur dem Publikum gefallen muss, es muss auch die Kassen füllen, und dazu ist ersteres unabdingbar. Der Dichter meint, dass des Poeten Bestreben sein muss, große Kunst zu erschaffen. Für den Komiker, die „Lustige Person“ ist es wichtig, dass ein Bühnenstück in der Lage ist, das Publikum zu fesseln und zu unterhalten. Gemeinsam glauben sie, dass das folgende, neue Stück ein gelungener Kompromiss ist.


    PROLOG IM HIMMEL

    Während die Erzengel - Raphael, Gabriel und Michael - den Herrn für die Schönheit und Vollkommenheit der Schöpfung loben, kommt von Mephistopheles, kurz Mephisto, der Teufel, Hohn und Widerspruch zugleich. Die Menschen sind doch oft unglücklich, müssen sich so plagen, dass es sogar ihn, den Teufel, jammert. Ein Vorwurf, den Gott, der Herr, nicht hinnehmen will. Er fragt Mephisto, ob er den Doktor Faust kenne - er nennt ihn „meinen Knecht“ - und bekommt zur Antwort, dass er ihn kenne, denn „er dient euch auf besondere Weise“. Genau den darf Mephisto „solang er auf der Erde lebt“ verführen, denn „es irrt der Mensch, solang er lebt“. Mephisto gesteht, nachdem Gott in einer Wolke verschunden ist

    Von Zeit zu Zeit seh’ ich den Alten gern, / Und hüte mich mit ihm zu brechen.

    Es ist gar hübsch von einem großen Herrn / So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.



    DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL



    NACHT

    Faust beklagt in einem Monolog seine allgemeine Unzufriedenheit. Er hat im Streben nach Weisheit und Erkenntnis alle möglichen Wissenschaften studiert, aber keine hat ihn dem anvisierten Ziel nähergebracht:

    Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.

    Nun will er sich mit dem Zauberbuch des Nostradamus der Magie zuwenden. Er beschwört den Erdgeist, der auch tatsächlich erscheint, ihn aber verhöhnt und an seine Sterblichkeit erinnert. Das ist für Faust niederschmetternd. Zu allem Übel kommt nun sein Famulus Wagner mit Lobeshymnen über seine umfassende Bildung. Doch Faust will ihn wieder loswerden, weil er ihn bei seinen Studien stört; er komplimentiert Wagner hinaus und setzt den Monolog fort. Völlig desillusioniert durch den Erdgeist will er seinem Leben ein Ende setzen, doch die plötzlich ertönenden Kirchenglocken und ein jubelnder Chorgesang, die auf das Osterfest hinweisen, lassen ihn innehalten.


    VOR DEM TOR

    Das Volk ist zu Hauf in der erwachenden Natur vor dem Stadttor unterwegs. Auch Faust und Wagner unternehmen den Oster- und Frühlingsspaziergang. Faust wird von den Menschen ehrfürchtig begrüßt, von Wagner aber genau deswegen beneidet. Während sie durch die Felder spazieren, läuft ihnen plötzlich ein schwarzer Hund zu, der sich nicht abwimmeln lässt und ihnen ständig auf den Fersen bleibt.


    STUDIERZIMMER (I)

    Der Spaziergang durch die frühlingshafte Natur hat Faust neu belebt und motiviert. Er hat den Hund, der ihm und Wagner ständig folgte, mit in sein Haus genommen. Faust will das Neue Testament in die deutsche Sprache übersetzen und mit dem Johannes-Evangelium beginnen. Doch schon der erste Vers lässt ihn stocken und mehrmals zu einem Versuch ansetzen. Dabei stört ihn der Hund durch ständiges Heulen und Bellen. Er versucht, allerdings erfolglos, das Gejaule durch die Beschwörung des in dem Hund verborgenen Geistes abzustellen. Plötzlich aber verwandelt sich der Hund in einen Studenten in etwas altertümlicher Tracht. Und der Student gibt sich als Teufel zu erkennen und Faust staunt:

    Das also war des Pudels Kern! / Ein fahrender Skolast? Der Kasus macht mich lachen.

    Mephisto arbeitet sich langsam an den Doktor heran; er will (und wird) ihn dazu bringen, mit Blut die Unterschrift unter den Pakt mit dem Satan zu setzen. Vorerst hat Faust jedoch viele Fragen, die ihm Mephisto auch gerne beantworten will, allerdings erst später. Für jetzt bittet er sich verabschieden zu dürfen, doch gibt es für ihn das Problem, dass ein Drudenfuß (ein Bannzeichen gegen das Böse) auf der Türschwelle genau das verhindert. Fast schelmisch fragt Faust, warum er nicht einfach durchs Fenster verschwinde, worauf Mephisto bekennt, dass selbst er sich an strenge Gesetzen halten muss:

    ’s ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster / Wie sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus.

    Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.

    Weil aber Faust Mephistos Problem nicht lösen kann, sorgt Mephisto selbst dafür: er ruft Geister herbei, die Faust mit Gesang einschläfern. Dann zitiert er eine Ratte herbei, die das Zeichen an einer Ecke benagt und damit dem „Herrn der Ratten und der Mäuse“ den Abgang ermöglicht. Als Faust erwacht ist er sich sicher, geträumt zu haben.


    STDIERZIMMER (II)

    Mephisto kehrt tatsächlich zu Faust zurück, jetzt in der Verkleidung eines edlen Junkers. Er will Faust bestens unterhalten, ihm alles zeigen, ihn wunschlos glücklich machen. Faust ist es recht, allerdings wendet er ein, dass der Satan nichts ohne Gegenleistung macht, also fragt er, was Mephisto von ihm erwartet. Die Antwort ist ein Wettangebot, das Faust überrascht: Wenn der Herr Doktor mit den gebotenen Leistungen zufrieden ist, dann soll seine Seele nach dem Tod ihm, Mephisto, gehören. Faust stimmt zu, und der „Junker“ zieht den schon fertigen Pakt aus seinem Wams und verlangt die Unterschrift mit Blut, dem „besonderen Saft“. Faust sticht sich kurzerhand mit dem Federkiel in die Vene und unterschreibt den Pakt. Als Mephisto einen Schüler Fausts kommen sieht, wehrt der Doktor sofort ab, ihn zu sehen. Mephisto dagegen findet es nicht gut, wenn ein lernbegieriger Scholast nicht empfangen wird, verkleidet sich deshalb als Faust und lässt den Schüler eintreten. Das Gespräch zwischen den beiden ist gekennzeichnet von Lehrhaftem und, als es Mephisto schließlich zu viel wird, von boshaft-sarkastischen Belehrungen. Als der Scholast ihm ein Stammbuch hinhält, schreibt er

    Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum.

    (Ihr werdet sein wie Gott, wissend, was Gut und Böse ist)

    hinein und schickt ihn ziemlich unsanft fort.


    AUERBACHS KELLER IN LEIPZIG

    Mephisto hat es mit Faust in Auerbachs Keller gezogen. Dort sind vier schon angeheiterte Studenten (Frosch, Siebel, Brander und Altmayer) in entsprechender Stimmung, fühlen sich von den beiden fremden Männern jedoch zu sehr gemustert. Mephisto versteht es, schnell für Anschluss bei den Studiosi zu sorgen. Er bietet ihnen zunächst Unterhaltung mit dem Lied von der Ratte, bekommt auch viel Beifall dafür, beklagt dann aber die schlechten Weine hier vor Ort. Er fragt die vier nach ihrem bevorzugten Wein und spendiert ihnen genau den, indem er den Rebensaft durch Löcher im Tisch fließen lässt. Als sich zum Boden fallende Tropfen plötzlich in Feuer verwandeln, wollen die Studenten mit Messern auf Mephisto losgehen. Der verwirrt die Studenten mit Zauberei so, dass sie ihre Nasen für Weintrauben halten, die sie sich partout gegenseitig abschneiden wollen. Mephisto und Faust, der sich beobachtend zurückgehalten hat, gelingt es zu verschwinden.


    HEXENKÜCHE

    Nun sind Mephisto und Faust in einer Hexenküche gelandet. Man sieht auf dem Herd einen großen Kessel, aus dem sich durch aufsteigenden Dampf die verschiedensten merkwürdigen Wesen zeigen. Vor dem Kessel sitzt eine Meerkatze und rührt in der Suppe, damit sie nicht überläuft. An den Wänden sieht man Hexenhausrat, an der Decke Hexensymbole. Als die Hexe kommt und sich äußerst giftig gegenüber den Eindringlingen verhällt, macht Mephisto ihr unmissverständlich klar, wer da vor ihr steht. Die Hexe reagiert kleinlaut-unterwürfig und Mephisto befiehlt ihr, für Faust einen Trank zu brauen, der ihn zu einem Jüngling macht. Die Hexe macht sich mit allerlei Zaubersprüchen ans Werk, während Faust einen Spiegel findet, in dem er eine wunderschöne Frau sieht, für die er sofort entflammt ist.


    STRASSE (I) - BEGEGNUNG MIT MARGARETE

    Auf einer Straße begegnet Faust einem jungen Mädchen, die sich als Margarete vorstellt, die sich ihm gegenüber jedoch sehr reserviert verhällt: sie ist weder schön noch benötigt sie ein Geleit nach Haus. Gerade dieses Sträuben stachelt Faust an und er verlangt von Mephisto, dass er sie ihm sofort gefügig macht. Genau das ist der Plan Mephistos und er kommt dem Verlangen sehr gerne nach. Er stachelt Fausts Begierde noch mehr an mit der Bemerkung, dass er Geduld und Ausdauer aufbringen muss.


    ABEND

    Gretchen ist in ihrem Zimmer allein und gesteht sich (in einem Monolog) ein, dass die Begegnung mit Faust nicht spurlos an ihr vorübergegangen ist; hört man ihren Aussagen zu, lässt sich sogar „tief beeindruckt“ festhalten. Als sie kurzzeitig das Zimmer verlässt, können Faust und Mephisto hineinzuschlüpfen, und Mephisto legt ein Schmuckkästchen in den Schrank. Faust inspiziert das Zimmer genau und lässt dabei seine Fantasie spielen. Mephisto merkt natürlich rechtzeitig Gretchens Rückkehr und dringt in Faust, schnell zu Verschwinden. Sie beobachten, dass sich Margarete entkleidet und dabei das Lied vom König in Thule singt. Dann entdeckt sie plötzlich das von Mephisto hinterlegte Schmuckkästchen - und reagiert sowohl erstaunt wie auch erschrocken. Letztlich ist sie aber so neugierig und legt sich einige der Kleinodien an; dabei äußert sie sich traurig über ihre Armut.


    SPAZIERGANG

    Mephisto musste verärgert registrieren, dass Margaretes Mutter das Schmuckkästchen gefunden und es sofort dem „Pfaff“ übergeben hat. Der nahm es selbstverständlich auch an, denn die Kirche „hat einen guten Magen“. Fausts Antwort an Mephisto ist sarkastisch, denn er weiß doch, dass ein solches Verhalten nichts Besonderes ist, weil ja „Jud‘ und König“ es ebenso halten. Dann verlangt er von Mephisto ein neues Schmuckkästchen herbeizuschaffen. Mephisto höhnt, dass Faust im Fordern ganz groß ist.


    DER NACHBARIN HAUS

    Bei Frau Marthe berichtet Margarete ganz aufgeregt, dass in ihrem Schrank schon wieder ein Schmuckkästchen liegt und sie versteht das nicht. Frau Marthe empfiehlt, den Fund geheim zu halten, auch nicht ihrer Mutter davon zu berichten. Außerdem solle sie den Schmuck auch nur heimlich anlegen. Als Gretchen gegangen ist tritt Mephisto zu Frau Marthe und behauptet mit gespielter Niedergeschlagenheit, die traurige Nachricht vom Ableben ihres Mannes in Padua auftragsgemäß erledigen zu müssen. Ohne eine Nachfrage von Frau Marthe fügt er ergänzend hinzu, dass es auch leider nichts zu erben gebe, ihr Mann hat nämlich vollkommen mittellos das Zeitliche gesegnet. Er rät der erstaunten und erschrockenen Witwe, dass sie sich nach der angemessenen Trauerzeit nach einem neuen Mann umsehen sollte. Offensichtlich sind Frau Marthe an Mephistos Erklärungen doch Zweifel gekommen, so dass er sich bemüßigt fühlt, am Abend mit einem Zeugen wiederzukommen, der das Sterben ihres Mannes mitbekommen hat. So nebenbei vergewissert er sich, dass dann auch Gretchen anwesend ist.


    STRASSE

    Mephisto muss nun Faust dazu bringen, dass er am Abend bei Frau Marthe den Tod ihres Mannes bezeugt. Das stellt sich gar nicht als leicht heraus, denn der Doktor weigert sich zunächst, eine Falschaussage zu machen, kennt er doch weder Frau Marthes Mann, noch war er in Padua als Zeuge dabei. Was soll er also bezeugen? Nein, das kann er nicht. Mephisto aber weiß genau, wie er Faust herumkriegen kann - dass Gretchen am Abend auch anwesend sein wird, überzeugt Faust und er wird den Zeugen spielen.


    GARTEN

    In Frau Marthes Garten gehen Faust mit Gretchen, und Mephisto mit Frau Marthe spazieren. Während Mephisto jede Mühe aufwenden muss, Frau Marthes Heiratsanträge abzuwehren, überschüttet Faust sein Gretchen mit Komplimenten, die sie sich ungläubig anhört. Ihr fehlt die Vorstellungskraft, dass sich ein Doktor, ein Mann überhaupt, für sie interessieren könnte, es sei denn aus reiner Höflichkeit. Dann aber bekommt sie zufällig eine Blume in die Hände und zählt spielerisch an den Blütenblättern ab, ob Faust sie liebt oder nicht. Dieses Spielchen empfindet Faust so anregend, dass er ihr seine Liebe gesteht. Mephisto hat die beiden trotz seines Flanierens mit Frau Marthe genau beobachtet und er weist seine Begleiterin schließlich in dem Augenblick darauf hin, als sich das Paar zurückzieht. Frau Marthe geht weiter und Mephisto folgt ihr.


    EIN GARTENHÄUSCHEN

    Während sich Faust und Gretchen gegenseitig Liebesschwüre schenken, und dann küssen, stört sie Mephisto plötzlich mit dem energischen Ruf, aufbrechen zu müssen. Nachdem Faust trotz ihres Flehens zu bleiben, verschwunden ist, fragt sich Margarete, was ein so gebildeter Mann wie Faust an ihr wohl reizvoll findet, ist sie doch weder schön noch reich, sondern nur ein „arm unwissend Kind“.


    WALD UND HÖHLE

    Faust findet sich in einer Waldhöhle wieder und dankt dem Erdgeist für die Erfüllung aller seiner Wünsche. Er ärgert sich allerdings über die Abhängigkeit von Mephisto, der ihm zwar schon viel geboten hat, sich aber an seinem Zynismus reibt. Der Gedanke an Mephisto war ausreichend, ihn sofort erscheinen zulassen: er tritt auf die Szene und erinnert Faust an sein Gretchen, die sehnsüchtig auf ihren Geliebten wartet. Er verspottet Faust wegen seiner Natur-Schwärmerei und fordert ihn auf, ihm nach Gretchen zu folgen.


    GRETCHENS STUBE

    Gretchen sitzt am Spinnrad und beklagt den Verlust ihres seelischen Gleichgewichts durch die Begegnung mit Faust:

    Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, / ich finde sie nimmer und nimmermehr.

    Wo ich ihn nicht hab’ / Ist mir das Grab, / Die ganze Welt / Ist mir vergällt. […]

    Mein Busen drängt / Sich nach ihm hin, / Ach dürft’ ich fassen / Und halten ihn!

    Und küssen ihn / So wie ich wollt’, / An seinen Küssen / Vergehen sollt’!


    MARTHENS GARTEN

    Margarete und Faust spazieren durch Frau Marthes Garten und sie stellt ihm die sogenannte „Gretchenfrage“, nämlich wie er es mit der Religion halte. Seine Antwort ist ausweichend, ein offensichtlich unangenehmes Thema für Faust. Seine Erklärungen befriedigen sie nicht und sie wirft ihm vor, ohne Christentum zu sein. Abrupt kommt sie auf seinen ständigen Begleiter zu sprechen, den sie nicht leiden kann, der ihr sogar Grauen einflößt. Dementsprechend macht sie Mephisto für Fausts Religionsverachtung verantwortlich. Er versucht sie zu beruhigen und lenkt dann das Gespräch auf ein für ihn wichtiges Thema: er beklagt, nie mit ihr allein sein zu können, ständig auf die Mutter achtgeben zu müssen. Um das zu ändern hat er ein harmloses Schlafmittel besorgt, das sie am Abend in den Tee geben soll, dann kann endlich mit ihr unbemerkt und ungestört turteln.


    AM BRUNNEN

    Gretchen trifft ihre Freundin Lieschen und erfährt von ihr, die Schadenfreue ist dabei nicht zu überhören, dass Bärbelchen, eine gemeinsame Bekannte aus dem Dorf, ab sofort „zwei füttert, wenn sie isst und trinkt“, also schwanger geworden ist. Außerdem hat Bärbelchens Liebhaber sie sitzen gelassen und ist auf und davon. Während Lieschen über das Paar herzieht, macht die Nachricht Margarete sichtlich betroffen. Sie muss unwillkürlich an ihre „sündhafte“ Liebe zu Faust denken. Und das Publikum kann daraus schließen, dass Margarete mit Faust intim geworden ist.


    ZWINGER

    Gretchen hat sich betend vor dem Andachtsbild der Mater dolorosa niedergekniet und spricht:

    Ach neige, / Du Schmerzenreiche, / Dein Antlitz gnädig meiner Not! […]

    Hilf! rette mich von Schmach und Tod!

    Ach neige, / Du Schmerzenreiche, / Dein Antlitz gnädig meiner Not!


    NACHT

    Valentin, Bruder von Gretchen und Soldat, beklagt sich über die Gerüchte über seine geliebte Schwester Er, der immer stolz auf den guten Ruf Margaretes war, hört in der letzten Zeit viel über ihren lockeren Lebenswandel. Er will dem nachgehen und für Klarheit sorgen. Mephisto und Faust treten auf und planen einen Kircheneinbruch, weil sie unter den dort vorhandenen Wertgegenständen ein Kleinod für Gretchen vermuten. Mephisto singt unter Margaretes Fenster ein Lied, und das ist für Valentin das Signal, auf den „Junker“ loszugehen und ein Duell zu provozieren. Faust hält sich zwar zurück, beobachtet aber genau, ob er eingreifen muss. Anscheinend weiß er nicht, dass Mephisto mit Valentin sein Spielchen treibt. Plötzlich aber springt er hinzu, greift unter Mephistos Arm hindurch und ersticht Valentin. Während Faust und Mephisto flüchten, kommen Gretchen, Marthe und weitere Nachbarn herbei und finden den tödlich Verwundeten auf der Straße. Bevor er seinen letzten Atemzug macht, beschimpft er seine Schwester als Hure und Frau Marthe als Kupplerin.


    DOM

    Gretchen will im Dom beten, doch es erscheint ihr zunächst ein böser Geist, der sie nicht nur auf ihre Sünden anspricht, sondern ihr auch die Schuld am Tod der Mutter und des Bruders gibt. Als er sie dann noch auf ihre Schwangerschaft aufmerksam macht, fällt sie, erschüttert, in eine Ohnmacht. Während dieses Geschehens singt der Chor einen Teil der Sequenz aus dem „Requiem“, das „Dies irae“.


    WALPURGISNACHT - HARZGEBIRG

    Mephisto zieht es mit Faust zum Harz, um auf dem Brocken die Walpurgisnacht zu genießen. An ihnen jagen die Windsbraut und jede Menge Hexen mit ungestümem Gesang vorbei und Faust wird von dem „Strudel“ mitgezogen. Eine schöne Frau, die Mephisto Lilith, Adams erste Frau, nennt, zieht ihn in seinen Bann, doch warnt ihn Mephisto vor ihr, denn einmal gefangen wird sie ihn nicht mehr loslassen. Nach einem wirbelnden Tanz mit einer Schönen sieht Faust plötzlich eine Erscheinung, die ihn stark an sein Gretchen erinnert: ein „blasses, schönes Kind“, das eine rote Schnur um den Hals trägt - eine Vorausdeutung auf ihren Tod.


    WALPURGISNACHTSTRAUM

    Der Walpurgisnachtstraum ist ein auf dem Blocksberg aufgeführtes Theaterstück um die Goldhochzeit des Elfenkönigspaares Oberon und Titania, also ein Stück im Stück. Es enthält zahlreiche Anspielungen auf zeitgenössische Personen und konfus kombinierte Wechselspiele zwischen den am Theaterstück beteiligten Personen, aber keine eigentliche Handlung und schon gar keinen Sinnzusammenhang mit dem Faust-Stoff, Goethe selbst nennt es Intermezzo. Es ist umstritten, warum er die Szene in den „Faust“ aufgenommen hat (nach Wikipedia).


    TRÜBER TAG - FELD

    Margarete ist als eine Verbrecherin ins Gefängnis gekommen. Als Faust davon erfährt, macht er seinem Kumpan Mephisto Vorwürfe, weil ihm das verheimlicht wurde, und er durch die Teilnahme an der Walpurgisnacht sogar abgelenkt war. Er will, dass Mephisto sein Gretchen rettet, doch der erwidert ungerührt, dass das seine, Fausts, Angelegenheit ist. Außerdem warnt er ihn, an den Ort des Mordes - an Valentin - zurückzukehren, da er eine Blutschuld auf sich geladen hat. Faust will nun unbedingt Gretchen aus dem Kerker befreien, und Mephisto gibt seinem Drängen schließlich nach; er wird den Wächter ablenken und die Pferde zur Flucht bereithalten.


    NACHT, OFFEN FELD

    Wie durch einen Zauber stehen plötzlich schwarze Pferde da, auf die sich beide schwingen und durch die Nacht dahinreiten. Als sie jedoch an der Hinrichtungsstätte „Rabenstein“ vorbeikommen, sehen sie eine Gruppe von Hexen, die sich an diesem Ort offensichtlich sehr wohlfühlen und sie mit Hexenbrimborium für eine bevorstehende Hinrichtung vorbereiten.


    KERKER - SCHLUSSSZENE

    Vom Strafgericht wurde Margarete für die Ermordung ihres Kindes und ihrer Mutter zum Tode verurteilt. Im Kerker an schwere Ketten gefesselt erwartet sie ihre Hinrichtung. In ihren Äußerungen wird geistige Verwirrtheit deutlich. Als Faust vor der Kerkertür steht, hört er aus der Zelle anklagende Worte und erschrickt:

    Meine Mutter, die Hur / Die mich umgebracht hat!

    Mein Vater, der Schelm / Der mich gessen hat!

    Mein Schwesterlein klein / Hub auf die Bein / An einem kühlen Ort;

    Da ward ich ein schönes Waldvögelein; / Fliege fort, fliege fort!

    Als Faust eintritt glaubt sie, dass der Henker sie holen will und reagiert panisch; dass ihr Heinrich vor ihr steht, nimmt sie nicht wahr. Selbst Fausts eindringliche, immer dringlicher vorgetragene Mahnung (während er die Ketten aufschließt) mit ihm zu fliehen, bringen keine Änderung. Erst als er lachend mit „Gretchen! Gretchen“ ruft, erkennt sie ihn an der Stimme. Diese plötzliche Erinnerung lässt sie an die frühere Verliebtheit denken und Faust vorhalten. Aber sie wirft ihm auch Mitschuld am Tod ihres gemeinsamen Kindes vor. Seine flehentliche Bitte, ihm zu folgen, kommt zunächst bei ihr nicht an, sie will von ihm geküsst werden. Als Mephisto erscheint, der auch zur Eile zu drängt, erschrickt Gretchen vor ihm, sieht vor ihrem geistigen Auge die Hölle sich auftun und erkennt in ihm den Teufel, der ihre Seele zu besitzen glaubt. Mephisto stellt triumphierend fest, dass Margarete gerichtet ist, aber aus der Höhe widerspricht eine unsichtbare Stimme

    Ist gerettet!

    Mephisto reißt Faust zu sich heran und ist im Nu verschwunden, während von innen eine Stimme verhallend

    Heinrich! Heinrich!

    ruft…



    © Manfred Rückert für den Tamino-Schauspielführer 2021.

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    MUSIKWANDERER

  • Empfehlenswert und unerreicht bis heute ist die Gründgens-Inszenierung, die von Peter Gorski abgefilmt wurde, und die es bei den verschiedensten Händler in verschiedensten Ausführungen gibt:


    Faust (plus Bonus: ZDF-Interview mit Gustaf Gründgens) - Filmjuwelen (DVD)


    Eine modernere Sicht des Dramas bietet diese DVD (Regie Dieter Dorn) mit Helmut Griem, Romuald Pekny, Sunnyi Melles, Cornelia Froboess u.v.a.:


    Faust



    Zu erwähnen und zu empfehlen ist auch ein Doppel-Audio-Album aus der Reihe DG-Literatur, dass die Gründgens-Inszenierung des Düsseldorfer Schauspielhauses von 1954 beinhaltet. Die Mitwirkenden waren


    Faust: Paul Hartman

    Mephistopheles (Mephisto): Gustaf Gründgens

    Margarete, genannt Gretchen: Käthe Gold

    Marthe Schwerdtlein: Elisabeth Flickenschildt

    Wagner: Rudolf Therkatz

    Raphael / Valentin: Max Eckard

    Hexe: Maria Alex

    Schüler: Karl Viebach

    Frosch: Kurt Weitkamp

    Brander: H. Müller-Westernhagen

    Siebel: Gerhard Geisler

    Altmayer: Siegfried Siegert

    Lieschen / Meerkater: Ursula Dinggräfe

    Gabriel: Hansgeorg Laubenthal

    Michael: Ulrich Haupt

    Gott der Herr: Peter Esser

    Erdgeist: Gerhard Geisler

    Meerkatze: Piet Clausen

    Alter Bauer: Paul Maletzki

    Böser Geist: Sybille Binder

    Stimme von oben: Walter Czaschke

    Musik: Mark Lothar


    Und auch diese Aufnahme von den Filmfestspielen in Venedig ist sehenswert - wenn man modernen Inszenierungen aufgeschlossen gegenübersteht:


    Faust


    Und auch Peter Stein hat sich des Goetheschen Dramas angenommen:


    Goethe: Faust - Die Theater Edition [4 DVDs]

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    MUSIKWANDERER

  • Lieber 'Musikwanderer',


    ich beziehe mich zunächst auf die Erstfassung des Stoffes, den sogenannten „Urfaust“, der noch in Johann Wolfgang Goethes Frankfurter Zeit in den Jahren 1772 bis 1775 entstand. Darin verarbeitete er die alte Volkssage von Dr. Johannes Faust (der tatsächlich als Zeitgenosse Martin Luthers in Süddeutschland gelebt hat) und - als damaliger Rechtsanwalt - sein Erlebnis des Prozesses gegen die Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt, die 1772 in Frankfurt hingerichtet wurde. Im „Urfaust“ ist der Titelheld noch nicht so sehr der vergeistigte Zweifler wie in den späteren zwei „Faust“-Teilen, sondern mehr der zwischen geistigen und körperlichen Bedürfnissen zerrissene Mensch 'mit zwei Seelen in seiner Brust' und auch Mephistopheles hat noch nicht die dominierende Rolle wie in den späteren Fassungen. Die Handlung konzentriert sich auf die Liebesgeschichte von Faust und Margarethe, wie wir Opernfreunde sie auch aus Charles Gounods Oper kennen; auch alle später berühmt gewordenen und in die deutsche Alltagssprache eingeflossenen und oft zitierten Textstellen sind bereits im "Urfaust" vorhanden.


    1790 veröffentlichte der Dichter noch ein sogenanntes „Faust-Fragment“ und erst zwanzig Jahre nach dem „Urfaust“ machte er sich (auf Drängen Friedrich Schillers) daran, die heute weltweit bekannte Fassung des „Faust“-Stoffes zu schreiben, die als ein Höhepunkt der deutschen Literatur gilt. Danach vernichtete er eigenhändig die Erstversion, den „Urfaust“ also; 1887 fand man jedoch im Nachlass eines Weimarer Hoffräuleins, Luise von Göchhausen, eine vermutlich 1776 von ihr angefertigte Abschrift, die von Erich Schmidt unter dem Titel "Goethes Faust in ursprünglicher Gestalt nach der Göchhausenschen Abschrift" in Weimar (1887) publiziert wurde. Doch erst am 8. 5. 1918 erblickte das Stück in Frankfurt/Main nach fast 145 Jahren das Licht der Theater-Welt.


    „Urfaust oder Faust in ursprünglicher Gestalt“ von Johann Wolfgang von Goethe


    Das gab es im Rundfunk:


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Werner Hinz / Mephistopheles, Teufel – Erwin Linder / Margarethe, genannt Gretgen – Dagmar Altrichter / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Fita Benkhoff / Wagner, Fausts Famulus – Wilhelm Kürten / Ein Student – Helmut Kröger / Liesgen, Gretgens Bekannte – Marianne Kehlau / Valentin, ein Soldat, Gretgens Bruder – Gustav Knuth / Der Erdgeist – Fritz Wagner / Ein böser Geist – Erwin Linder / Funkbearbeitung und -regie: Ludwig Cremer (NDR Norddeutscher Rundfunk Hamburg, Sendung am 1. 4. 1946). Die Szene in 'Auerbachs Keller' war gestrichen. Ein Tonband der Sendung existiert nicht mehr.


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Maximilian Larsen / Mephistopheles, Teufel – Wolf Kaiser / Margarethe, genannt Gretgen – Elfriede Née / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Lotte Molter / Wagner, Fausts Famulus – Thankmar Herzig / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller': Frosch – Paul Joachim Schneider, Brander – Fritz Werth, Siebel – Willi Arnhold, Alten – Walter Max Schwarz / Liesgen, Gretgens Bekannte – Annelies Lange / Der Erdgeist – Werner Schmidt-Wieland / Ein böser Geist – Carla Herrmann / Funkbearbeitung: Ewald Horst Hagen / Funkregie: Carl Nagel (Mitteldeutscher Rundfunk Leipzig, Sendung am 14. 4. 1949). Die Rolle des 'Valentin', der nur einen kurzen Monolog in der Szene 'Vor Gretgens Haus' hat, wurde gestrichen. In den Text des „Urfaust“ wurden Verse aus „Faust – Erster Teil“ integriert.


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Klausjürgen Wussow / Mephistopheles, Teufel – Charles Regnier / Margarethe, genannt Gretgen – Gertrud Kückelmann / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Elisabeth Flickenschildt / Wagner, Fausts Famulus – Karl Bockx / Ein Student – Gerd Seid / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller': Frosch – Kurt Haars, Brander – Gerhard Just, Siebel – Hans-Helmut Dickow / Liesgen, Gretgens Bekannte – Maria Häussler / Der Erdgeist – Hans Mahnke / Ein böser Geist – Edith Heerdegen / In weiteren Rollen: Karl Heinz Bernhardt, Fred Goebel, Bodo Knuth, Norbert Scheumann, Wolfgang Schwalm, Hans Treichler und Günther Willmann / Musik: Mark Lothar / Funkbearbeitung: Alfred Andersch / Funkregie: Ulrich Erfurth (SDR Süddeutscher Rundfunk Stuttgart, Sendung am 29. 3. 1959). Enthalten in der CD-Box „Johann Wolfgang von Goethe: Werke“ bei 'Random House Audio' (40 CDs, 2011)


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Eberhard Müller-Elmau / Mephistopheles, Teufel – Hannes Messemer / Margarethe, genannt Gretgen – Claudia Clemens / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Angelika Hurwicz / Wagner, Fausts Famulus – Ludwig Thiesen / Ein Student – Heinz Schubert / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller': Frosch – Axel Corti, Brander – Kurt Sowinetz, Siebel – Hans Weicker, Alten – Paul Dättel / Liesgen, Gretgens Bekannte – Anneliese Benz / Der Erdgeist – Hans Korte / Ein böser Geist – Konrad Georg / Sprecher der Zwischentexte: Kurt Lieck / Funkbearbeitung und -regie: Peter Schulze-Rohr (Eine Co-Produktion von SWF Südwestfunk Baden-Baden und ORF Österreichischer Rundfunk Wien) (Südwestfunk, Sendung am 1. 1. 1963 / Österreichischer Rundfunk, Sendung am 8. 1. 1963)


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Ulrich Matthes / Mephistopheles, Teufel – Sven-Eric Bechtolf / Margarethe, genannt Gretgen – Katharina Schüttler / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Astrid Meyerfeldt / Wagner, Fausts Famulus – Thomas Neumann / Ein Student – Philipp Hochmair / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller': Frosch – Lars Rudolph, Brander – Oliver Materlik, Siebel – Meigl Hoffmann, Alten – Thomas Schmidt / Liesgen, Gretgens Bekannte – Jeanette Spassova / Der Erdgeist und Ein böser Geist – Traugott Buhre / Sprecher begleitender Verse: Winnie Böwe, Wilhelm Bartzsch und Stefan Kaminski / Funkbearbeitung: Heide Böwe / Funkregie: Leonhard Köppelmann (MDR Mitteldeutscher Rundfunk Leipzig, Sendung am 20. 3. 2007). Auf 2 CDs erschienen beim 'Argon Verlag'.


    Das gab es im Fernsehen:


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter - Hilmar Thate / Mephistopheles - Manfred Krug / Margarethe, genannt Gretgen - Monika Lennartz / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin - Helga Göring / Wagner, Fausts Famulus - Walter Jupé / Ein Student - Wolfgang Hübner / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller': Frosch - Lothar Thuengetal, Brander - Horst Kube, Siebel - Albert Zahn, Alten - Peter Dommisch / Liesgen, Gretgens Bekannte - Ruth-Maria Kemper / Musik: Paul Dessau / Regie: Achim Hübner und Hans-Peter Minetti (DFF Deutscher Fernsehfunk, Sendung am 2. 4. 1961). Diese ostdeutsche TV-Produktion stellt das - zeitlose - Stück in ein Ambiente der Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts.


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Walther Reyer / Mephistopheles, Teufel – Boy Gobert / Margarethe, genannt Gretgen – Maria Rainer / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Gusti Wolf / Wagner, Fausts Famulus – Günther Haenel / Ein Student – Achim Benning / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller: Frosch – Peter P. Jost, Brander – Michael Janisch, Siebel – Wolfgang Hebenstreith, Alten – Walter Ladengast / Liesgen, Gretgens Bekannte – Hilde Nerber / Valentin, ein Soldat, Gretgens Bruder – Peter Neusser / Der Erdgeist – Albin Skoda / Ein böser Geist – N. N. / Der Akademie- Kammerchor Wien (Chorltg.: Xaver Meyer) / Orgel: Hans Haselböck / Regie: Theodor Grädler ( ORF Österreichischer Rundfunk, Sendung am 22. 4. 1961).

    Dies ist nur die zweite genuine (deutschsprachige) Fernseh-Produktion von Goethes „Faust“; alle übrigen Filme und TV-Sendungen basieren auf Theater-Aufführungen. Walther Reyer als 'Faust' und der im mimischen Ausdruck sehr zurückhaltende Boy Gobert ('Mephisto') – der gebürtige Hamburger leitete 11 Jahre lang erfolgreich das 'Thalia-Theater' in der Hansestadt - dominieren die Aufführung. Die junge (nicht blonde) Maria Rainer ist ein beeindruckendes 'Gretgen', aber sie spricht leider sehr undeutlich. Als 'Erdgeist' ist nur die (mit Hall unterlegte) Stimme Albin Skodas aus dem 'Off' zu hören und wer die (weibliche) Flüsterstimme des 'bösen Geistes' in der Kirchenszene ist, wird im Abspann nicht mitgeteilt. Das Werk wurde geschickt auf 105 Minuten leicht gekürzt. (Als die TV-Produktion des ORF vor einigen Jahren noch einmal im Kulturkanal '3sat' gezeigt wurde, habe ich sie auf Video aufgezeichnet und mir heute noch einmal angesehen.)


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter - Frank Lienert / Mephistopheles, Teufel - Herbert Sand / Margarethe, genannt Gretgen - Katrin Knappe / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin - Dagmar Manzel / Wagner, Fausts Famulus - Ralf-Friedrich Voß / Ein Student - Rolf Gebert / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller': Frosch - Bernd Schramm, Brander - Michael Kleinert, Siebel - Eckhard Beger, Alten - Holger Franke / Liesgen, Gretgens Bekannte - Katrin Klein / Valentin, ein Soldat, Gretgens Bruder - Roman Kretschmer / Ein Bürgermädchen - Janina Hartwig / Eine Aufführung des Studios der Staatlichen Schauspielschule Berlin / Inszenierung: Thomas Langhoff / Fernsehregie: Margot Thyrét (Das Fernsehen der DDR, Sendung am 28. 8. 1979)


    Carlo

  • Wie immer sei Carlo bedankt für die akribische Auflistung der "Faust"-Produktionen - als Ergänzung des profunden Schauspielführers von Musikwanderer. Eine Möglichkeit, sich neu mit dem Werk zu beschäftigen, bietet auch die Schauspielmusik, ein Genre, das in Vergessenheit geraten ist. Ich würde mir mal eine entsprechende Aufführung wünschen. An solches Musiken ist ja wohl kein Mangel. Am Theater Rudolstadt in Thüringen wurde vor einigen Jahren eine Neubelebung dieser Tradition versucht, die sogar auf CD gelangte. Verwendet wurde die Schauspielmusik von Eduard Lassen:


    Es grüßt Rheingold1876

  • Pünktlich zum Osterfest 2020:


    „Faust . Der Tragödie erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe


    Das gibt es auf Schallplatten:


    Die im Beitrag Nr. 1 genannte 'klassische' Aufnahme von Goethes „Faust – Erster Teil“ basiert auf einer Inszenierung des Düsseldorfer Schauspielhauses, die im 'Goethe-Jahr 1949' im Düsseldorfer Opernhaus Premiere (13. 4. 1949) hatte. Damals wirkten u. a. Paul Hartmann (Faust), Gustaf Gründgens (Mephisto), Antje Weisgerber (Margarethe), Elisabeth Flickenschildt (Marthe / Böser Geist), Peter Esser (Gott der Herr), Heinz Drache (Raphael), Wolfgang Wahl (Michael), Max Eckard (Schüler) und Peer Schmidt (Frosch) mit: die übrige Besetzung ist mit der Schallplattenaufnahme vom Oktober 1954 weitgehend identisch. Käthe Gold – ein berühmtes 'Gretchen' - und Hannsgeorg Laubenthal (Gabriel), die keine Mitglieder des Düsseldorfer Ensembles waren, wurden speziell für diesen „Faust“ verpflichtet, der eine der meistverkauften Aufnahmen im Katalog der „Deutschen Grammophon Gesellschaft“ ist und mehrfach wiederveröffentlicht wurde (Spieldauer: 146 Minuten). (Es war auch die erste Schallplattenveröffentlichung im 1955 gegründeten 'Literarischen Archiv' der „DGG“ mit den Katalognummern NK 201/03 bzw. AK 211/13; NK bedeutet 'Normale Kopplung' und AK 'Automatische Kopplung' für Plattenwechsler.)


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Will Quadflieg / Mephisto, Teufel – Heinz Moog / Margarethe, genannt Gretchen – Sonja Sutter / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Susi Nicoletti / Wagner, Fausts Famulus – Theo Lingen / Valentin, ein Soldat, Gretchens Bruder – Wolfgang Stendar / Lieschen, Gretchens Bekannte – Ulrike Fessl / Der Erdgeist – Otto Schmöle / Ein Schüler - Dieter Klein / Ein Bauer – Josef Krastel / Böser Geist – Heinz Moog / Bearbeitung und Regie: Karl Eidlitz (Studio Wien, 1964). Eine Eigenproduktion mit einem 'Ensemble des Burgtheaters Wien' durch die Firma 'Concert Hall GmbH' auf zwei Schallplatten mit einer Gesamtdauer von 113 Minuten. 1990 wurde die Aufnahme von der 'Leuberg Edition GmbH' (Schweiz) unter dem Label 'L&M Literatur und Musik' auf zwei CDs wiederveröffentlicht. (Die Schauspielerin Ulrike Fessl ist in Wien allgemein als 'Ulli Fessl' bekannt.)


    „Faust – Erster Teil“: Vorspiel auf dem Theater / Hermann Thimig, Raoul Aslan und Werner Krauss / Regie: Adolf Rott (enthalten in „Die große Szene“) / 'Amadeo' AVRS 13903 (1 LP, 30 cm)


    „Faust – Erster Teil“: Die Beschwörung des Teufels / Faust und Mephisto – Werner Krauss / 'Athena' 56122 C (1 EP, 17 cm)


    „Faust – Erster Teil“: Das Lied vom Floh – Serenade des Mephistopheles (Komponist: Mark Lothar) / Gustaf Gründgens / Fritz Thöne (Spinett) / Enthalten auf der LP 'Gustaf Gründgens – Ein Porträt' / 'Electrola' E 83 566 bzw. 1 C 049-30240 M (1 LP, 30 cm). Die Aufnahmen entstanden vermutlich 1938.


    „Faust – Erster und Zweiter Teil“ (Szenen): Faust – Kurt Böwe / Mephistopheles – Joachim Zschocke / Margarete – Ursula Werner / Wagner – Gert Gütschow / Junger Bauer – Heinz Martin Bernecke / Alter Bauer – Alfred Driesener Tressin / Erdgeist – Walter Niklaus / Vier Lemuren – Dieter Bellmann, Paul Dolf Neis, Jürgen Silbermann, Immo Zielke / Sorge – Christa Gottschalk / Musik: Günter Neubert / Bearbeitung: Peter Goslicki / Regie: Günter Bormann und Walter Niklaus / 'Litera' 8 60 060 (1 LP, DDR 1975) bzw. 'Schola' 8 70 052/53 (2 LPs, 25 cm, DDR 1975) Eine Co-Produktion der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR mit der Hörspielabteilung des Rundfunks der DDR für den Schulunterricht.


    „Faust – Erster und Zweiter Teil“: Sämtliche Szenen des Faust und des Mephisto / Faust – Fred Düren / Mephistopheles – Jörg Gudzuhn / Sprecher der Zwischentexte – Dieter Mann / Musik: Tobias Morgenstern / Bearbeitung: Karl-Heinz Müller und Silke Panzner / Regie: Gerda Zschiedrich / 'eulenspiegel' (2 CDs, BRD 2005, 145,26 Min.)


    „Faust – Erster und Zweiter Teil“ Szenen des Gretchen / Antje Weisgerber / 'Telefunken' TSF 13009 (1 EP, 17 cm)


    Das gab es im Rundfunk:


    Der Ansager ('Zueignung') – Johannes Marx // Prolog im Himmel: Gott der Herr – Robert Vogel / Die Erzengel: Raphael – Manuel Collado, Gabriel – Heinz Walter Weiss, Michael – Hans-Joachim Kroeber / Mephistopheles, Teufel – Paul Hoffmann // Die Tragödie: Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Herbert Herbe / Mephistopheles, Teufel – Paul Hoffmann / Margarethe, genannt Gretchen – Mila Kopp / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Elsa Pfeiffer / Wagner, Fausts Famulus – Walter Thurau / Erdgeist – Willy Leyrer / Ein Schüler – Paul Land / Valentin, ein Soldat, Gretchens Bruder – Michael Konstantinow / Eine Hexe – Elsa Pfeiffer / Böser Geist – Anne Andresen / Funkregie: Cläre Schimmel (Radio Stuttgart, Sendung am 19. 5. 1946). Von dieser Aufnahme ist kein Tonband erhalten.


    Der Ansager ('Zueignung') - Hans Quest // Prolog im Himmel: Gott der Herr – Erich Schellow / Die Erzengel: Raphael - Oscar Dimroth, Gabriel - Richard Lauffen, Michael - Werner Dahms / Mephistopheles, Teufel – Peter Mosbacher // Die Tragödie: Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Mathias Wieman / Mephistopheles – Peter Mosbacher / Margarethe, genann Gretchen – Maria Wimmer / Marthe Schwerdtlein, ihr Nachbarin – Gustl Busch / Wagner, Fausts Famulus – Fritz Schröder-Jahn / Erdgeist – Jutta von Oppermann und Rudolf Fenner / Ein Schüler – Werner Dahms / Valentin, ein Soldat, Gretchens Bruder – Hans Quest / Lieschen, Gretchens Bekannte – Ursula Zeitz / Zwei Jünger – Eduard Marks und Hans Paetsch / Ein Bettler – Helmut Peine / Ein alter Bauer – Willy Schweissguth / Eine Hexe – Lucy Valenta / Meerkatzen – Ingrid Mirbach und Ursula Ziehe / Böser Geist – Ein Sprechchor / Geisterchor im 'Studierzimmer': Louise Dorsay, Edith Schneider, Liselotte Stave / Mitwirkende in der 'Walpurgisnacht': Lilian Aye, Louise Dorsay, Gertrud Gaebler-Jansen, Elke Hansen, Marga Maasberg, Traute Moser, Lydia Schwieder, Alois Hermann und Heinz Seiler / Weitere Sprecher: Evy Gotthardt, Andrea Grosske, Thessy Kuhls, Ruth Leuwerik, Susanne Lynker, Gisela Mattishent, Christiane Merck, Marion Molitor, Ruth Niehaus, Walter Eckardt-Martens, Klaus Höhne, Hans-Joachim Richter, Harald Vock und Hans Dieter Zeidler / Musik: Hans-Martin Majewski / Funkregie: Ludwig Cremer (NDR Norddeutscher Rundfunk Hamburg, Sendung am 14. 4. 1949). Mit vielen akustischen Mitteln - beispielsweise dem Einsatz von Sprechchören - wurde versucht, dem Hörer die übernatürliche Ebene des Stücks zu vermitteln; ein Tonband der Sendung hat sich leider nicht erhalten.


    Prolog im Himmel: Gott der Herr – Hermann Schomberg / Die Erzengel: Raphael – Heinz Drache, Gabriel – Claus Hofer, Michael – Kaspar Brüninghaus / Mephistopheles, Teufel – Erich Ponto // Die Tragödie: Dr, Heinrich Faust, Gelehrter – Horst Caspar / Mephistopheles, Teufel – Erich Ponto / Margarethe, genannt Gretchen – Antje Weisgerber / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Fita Benkhoff / Wagner, Fausts Famulus – Ernst Hetting / Ein Schüler – Kurt Beck / Valentin, ein Soldat, Gretchens Bruder – Ullrich Haupt / Lieschen, Gretchens Bekannte – Luitgard Im / Ein Bettler – Bernd M. Bausch / Ein alter Bauer – Karl Brückel / Drei Bürger: Wilhelm Pilgram, Wilhelm Wahl und Philipp Wilhelm Ost / Eine Hexe – Emmy Graetz / Böser Geist – Ullrich Haupt / Irrlicht – Paul Bürks / Die Trödelhexe – Edith Lechtape / Eine Stimme – Hermann Stein u. a. / Musik: Werner Haentjes / Die Schola Gregoriana, Köln (Chorltg.: Franz Tack) / Funkbearbeitung und -regie: Wilhelm Semmelroth / Aufgenommen im März 1952 im Kölner Funkhaus / (WDR Westdeutscher Rundfunk, Sendung am 12. 4. 1952 zusammen mit der WDR-Aufnahme von „Faust – Zweiter Teil“ von 1949). Für mich steht diese Rundfunk-Produktion gleich bedeutend neben der Schallplatten-Aufnahme der 'DGG'; vor allem ist sie eine wertvolle Erinnerung an die Schauspieler Horst Caspar (der mit Antje Weisgerber verheiratet war und Ende 1952 mit nur 39 Jahren starb) und Erich Ponto.

    Diese Aufnahme von „Faust – Erster Teil“ wurde zuerst 1958 von 'Bertelsmann' (auf dem Label 'Athena', Nr. 51091 X) auf drei Platten (Spieldauer: 163 Minuten) veröffentlicht, später dann bei 'Eurodisc' (Nr. 71050 XW - diese Ausgabe habe ich) und 1965 in der DDR bei 'Litera' (8 60 056/58). Auf CD erschien sie 1999 bei 'Litraton' (gekoppelt mit „Faust – Zweiter Teil“ von 1949, 5 CDs) und 2011 in der Box „Johann Wolfgang von Goethe: Werke“ bei 'Random House Audio' (40 CDs).


    Vorspiel auf dem Theater: Der Theaterdirektor – Paul Hoffmann / Der Dichter – Peter Lühr / Die lustige Person – Boy Gobert // Prolog im Himmel: Gott der Herr – Ewald Balser / Die Erzengel: Raphael – Judith Holzmeister, Gabriel – Erich Auer, Michael – Wolfgang Stendar / Mephistopheles, Teufel – Will Quadflieg // Die Tragödie: Dr, Heinrich Faust, Gelehrter – Attila Hörbiger / Mephistopheles, Teufel – Will Quadflieg / Margarethe, genannt Gretchen – Aglaja Schmid / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Susi Nicoletti / Wagner, Fausts Famulus – Bruno Hübner / Erdgeist – Leopold Lindtberg / Ein Schüler – Bruno Dallansky / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller': Frosch – Franz Böheim, Brander – Kurt Sowinetz, Siebel – Edd Stavjanik, Altmayer – Hanns Obonya / Valentin, ein Soldat, Gretchens Bruder – Walther Reyer / Lieschen, Gretchens Bekannte – Annemarie Düringer / Ein alter Bauer – Hermann Wlach / Ein junges Paar - Helma Gautier und Ingo Koblitz / Eine Hexe – Blanche Aubry / Böser Geist - Sprechchor / Personen der Walpurgisnacht: Das Irrlicht – Dolores Hubert, Die Trödelhexe – Vera Comployer, Der General – Helmut Janatsch, Der Minister – Otto Kerry, Der Parvenü - Edd Stavjanik, Der Autor - Josef Krastel, Lilith – Nives Stambuk, Die Schöne – Julia Gschnitzer, Die Alte – Gyula Füleky u. a. / Musik: Rolf Langnese / Einstudierung der Sprechchöre: Ellen Widmann / Inszenierung: Leopold Lindtberg / Eine Aufführung der Salzburger Festspiele 1961, aufgenommen im Großen Festspielhaus am 19. 8. 1961 (ORF Österreichischer Rundfunk, Sendung am 27. 8. 1961).

    Diese Inszenierung wurde damals von der Kritik und dem Publikum sehr zwiespältig aufgenommen. Der überbordenden Phantasie des Regisseurs Leopold Lindtberg und des Bühnenbildners Teo Otto, die alle Möglichkeiten der Bühne des neuen Großen Festspielhauses (mit einer für das Sprechtheater schwierigen Akustik) nutzten, standen merkwürdige Rollenbesetzungen, wie z. B. der 'Faust' des 65jährigen Attila Hörbiger, gegenüber.


    Prolog im Himmel: Gott der Herr – Walter Starz / Die Erzengel: Raphael – Eva Zilcher, Gabriel – Marion Degler, Michael – Sonja Sutter / Mephistopheles, Teufel – Heinz Reincke // Die Tragödie: Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Klausjürgen Wussow / Mephistopheles, Teufel – Heinz Reincke / Margarethe, genannt Gretchen – Adelheid Picha / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Erni Mangold / Wagner, Fausts Famulus – Rudolf Wessely / Der Erdgeist – Otto Collin / Ein Schüler – Friedrich Hammel / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller': Frosch – Horst Eder, Brandner – Kurt Sowinetz, Siebel – Friedrich Schwardtmann, Altmayer – Michael Herbe / Valentin, ein Soldat, Gretchens Bruder – Thomas Egg / Lieschen, Gretchens Bekannte – Ulli Fessl / Ein alter Bauer – Walter Stumvoll / Eine Hexe – Gusti Wolf / Drei Meerkatzen: Eva Maria Deininger, Renate Jenny und Gerda Pirkl / Böser Geist – Joachim Unmark / Musik: Gottfried von Einem – das Lied beim 'Osterspaziergang' singt der Bariton Hans Christian / Funkbearbeitung und -regie: Hans Conrad Fischer (ORF Österreichischer Rundfunk, Sendung am 9. 3. 1974)


    Das gab es im Fernsehen:


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Wolfgang Dehler / Mephistopheles, Teufel – Fred Diesko / Margarethe, genannt Gretchen – Gudrun Volkmar / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Linde Sommer / Wagner, Fausts Famulus – Ekkehard Kiesewetter u. a. / Eine Aufführung des Nationaltheaters Weimar / Inszenierung: Fritz Bennewitz / Fernsehregie: Peter Deutsch (DFF Deutscher Fernsehfunk, Sendung am 21. 1. 1968)


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Manfred Heine / Mephistopheles, Teufel – Klaus-Martin Boestel / Margarethe, genannt Gretchen – Helga Ziaja u. a. / Eine Aufführung des Nationaltheaters Weimar / Inszenierung: Fritz Bennewitz / Fernsehregie: Margot Thyrét (Fernsehen der DDR, Sendung am 5. 10. 1975). Eine Neuinszenierung zu den Feierlichkeiten '1000 Jahre Weimar'.


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Bernhard Baier / Mephistopheles, Teufel – Matthias Günther / Margarethe, genannt Gretchen – Heidrun Perdelwitz / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Elvira Grecki / Wagner, Fausts Famulus – Stefan Schweninger / Ein Schüler – Ulrich Mühe / Valentin, ein Soldat, Gretchens Bruder – Gerhard Hähndel / Lieschen – Angelika Böttiger u. a. / Eine Aufführung der 'Theaterhochschule Hans Otto' in Leipzig / Inszenierung: Piet Drescher / Fernsehregie: Margot Thyrét (Fernsehen der DDR, Sendung am 5. 3. 1982). Eine Sendung zum 150. Todestag Johann Wolfgang von Goethe.


    Der Ansager ('Zueignung') – Rolf Boysen // Vorspiel auf dem Theater: Der Theaterdirektor – Helmut Stange / Der Dichter – Peter Lühr / Die lustige Person – Axel Milberg // Prolog im Himmel: Gott der Herr – Martin Flörchinger / Die Erzengel: Raphael – Richard Beek, Gabriel – Hans Drahn, Michael – Otto Kurth / Mephistopheles, Teufel – Romuald Pekny // Die Tragödie: Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Helmut Griem / Mephistopheles, Teufel – Romuald Pekny / Margarethe, genannt Gretchen – Sunnyi Melles / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Cornelia Froboess / Wagner, Fausts Famulus – Axel Milberg / Der Erdgeist – Martin Flörchinger / Ein Schüler – Michael Tregor / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller': Frosch – Peter Herzog, Brander – Helmut Stange, Siebel – Fred Klaus, Altmayer – Karl Renar / Valentin, ein Soldat, Gretchens Bruder – Arnulf Schumacher / Lieschen – Gretchens Bekannte – Katja Riemann / Ein Bettler – Karl Renar / Ein alter Bauer – Peter Herzog / Osterspaziergänger: Gabi Geist, Inge Rodmann, Willy Berlin, Matthias Hell, Fred Klaus und Helmut Stange / Eine Hexe – Maria Nicklisch / Die Meerkatze – Judit Achternbusch / Der Meerkater – Michael Tregor / Menschen im Dom: Judit Achternbusch, Gabi Geist, Katja Riemann, Peter Herzog, Helmut Stange und Michael Tregor / Stimme der Madonna – Heide von Strombeck u. a. / Eine Studio-Produktion von 1987 nach einer Inszenierung an den Münchner Kammerspielen / Bearbeitung und Regie: Dieter Dorn (ARD/Süddeutscher Rundfunk Stuttgart, Sendung am 27. 10. 1988). Bei 'Euro Video' ist 2005 eine DVD dieses Fernsehfilms erschienen.


    Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Bruno Ganz (alter Faust) und Christian Nickel (junger Faust) / Mephistopheles, Teufel – Johann Adam Oest und Robert Hunger-Bühler / Margarethe, genannt Gretchen – Dorothee Hartinger / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Elke Petri / Das Ensemble des 'Faust-Projekts' (in diversen Rollen): Hille Beseler, Melanie Blocksdorf, Ana Kerezovic, Tanja Kübler, Gisela Salcher, Schirin Sanaiha, Nicola Schößler, Petra Tauschler, Justus Carrière, Stephan von der Decken, Aom Flury, Christian Habicht, Jürgen-Christoph Kamke, Daniel Keberle, Lorenz Christian Köhler, Thorsten Loeb, Bernd Ludwig, Patrick O'Beirne, Alexander Peutz, Rainer Philippi, Jürgen Sarkiss und Johannes Zeiler. Zu diesem Ensemble zählten auch Brigitte Hobmeier, Stephan Baumecker und Michael Rotschopf (die sich inzwischen als Bühnen- und Fernsehdarsteller profilieren konnten) sowie die 2017 verstorbenen Schauspieler Christine Oesterlein und Hans-Michael Rehberg. / Eine Aufzeichnung von 2000 aus dem „Arena“-Theater in Berlin / Inszenierung: Peter Stein / Fernsehregie: Peter Schönhofer (ZDF Zweites Deutsches Fernsehen, Sendung am 16. 2. 2001, Dauer: 265 Minuten).

    Peter Steins 'Faust-Projekt' für die Weltausstellung „Expo 2000“ in Hannover brachte die beiden Teile von Goethes „Faust“ erstmals ungekürzt in einer Länge von 21 Stunden (reine Spieldauer: 13 Stunden) auf die Theaterbühne, verteilt auf zwei Abende in einer riesigen Halle auf dem Ausstellungsgelände. Auf DVD erschien 2007 bei 'Arthaus' eine 870 Minuten dauernde Fassung („Faust I und II“) der 'ZDF'-Sendung; leider gibt weder der Abspann der TV-Aufzeichnung noch das Beiheft der DVD-Ausgabe eine detaillierte Rollenbesetzung.


    Das gab es auf der Kinoleinwand:


    Vorspiel auf dem Theater: Der Theaterdirektor – Hermann Schomberg / Der Dichter – Will Quadflieg / Die lustige Person – Gustaf Gründgens // Prolog im Himmel: Gott der Herr – Hermann Schomberg / Die Erzengel: Raphael – Konrad Krauss, Gabriel – Christian Rode, Michael – Karl-Heinz von Hassel / Mephistopheles, Teufel – Gustaf Gründgens // Die Tragödie: Dr. Heinrich Faust, Gelehrter – Will Quadflieg / Mephistopheles, Teufel – Gustaf Gründgens / Margarethe, genannt Gretchen – Ella Büchi / Marthe Schwerdtlein, ihre Nachbarin – Elisabeth Flickenschildt / Wagner, Fausts Famulus – Eduard Marks / Der Erdgeist – Hermann Schomberg / Ein Schüler – Uwe Friedrichsen / Lustige Gesellen in 'Auerbachs Keller': Frosch – Heinz Reincke, Brander – Friedrich G. Beckhaus, Siebel – Karl Heinz Wüpper, Altmayer – Hans Irle / Valentin, ein Soldat, Gretchens Bruder – Max Eckard / Lieschen, Gretchens Bekannte – Heidi Leupolt / Ein alter Bauer – Eugen Klimm / Eine Hexe – Gustl Busch / Eine Meerkatze – Renate Wegener / Ein Meerkater – Dieter Wossidlo / Böser Geist – Elisabeth Flickenschildt (?) u. a. / Musik: Mark Lothar / Studioverfilmung (Juni 1960) einer Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses Hamburg / Inszenierung: Gustf Gründgens / Regie: Peter Gorski (Divina Film GmbH und Gloria-Film, 1960, 125 Minuten). 1957 inszenierte Gustaf Gründgens in Hamburg den ersten Teil des „Faust“ - eine Produktion, die von Publikum und Presse (auch international) gefeiert wurde. Gründgens und Quadflieg waren mit dem späteren Film nicht ganz zufrieden, doch er wurde ein 'Renner' bei den sonntäglichen Matinee-Vorführungen der Lichtspielhäuser. (Quadflieg hat – wie er in seinen Memoiren eingestand - seine berühmten Verse, im Bemühen nicht zu 'deklamieren', bewusst sehr schnell gesprochen, was ihm die Kritik auch ankreidete.) Das 'Lieschen' in der Hamburger „Faust“-Premiere am 21. 4. 1957 (mit Antje Weisgerber als 'Gretchen') spielte die Schweizerin Ella Büchi und sie war dann später auch das 'Gretchen' bei den triumphalen Gastspielen des Hamburger Ensembles in Leningrad und Moskau (Dezember 1959) und in New York (Dezember 1961). Ella Büchi, die mit dem deutschen Schauspieler Richard Münch verheiratet war und bis 1969 in Hamburg engagiert war, ist 1999 siebzigjährig in der Schweiz verstorben.


    Ich wünsche allen 'Taminos' trotz der Einschränkungen ein schönes Osterfest! Bleibt gesund!


    Carlo

  • Es gab noch bei der Firma Period Records eine Schallplatten-Aufnahme des deutschen Emigranten-Ensembles The Players from Abroad:


    Michael Ingram (Faust)

    Grete Mosheim (Margarete)

    Ludwig Roth (Mephistopheles)

    Margarete Neff (Hexe / Marthe)

    Ernst Rose (Valentin)

    Theo Goetz (Wagner)

    Anneliese Gellhorn (Lieschen)

    Fred Lion (alter Bauer)

    Walter Pose (Kater / Böser Geist)