Bernhard Lang (*1957), ein Komponist mit Humor und Tiefsinn

  • Ich hatte in dem Thread Zeitgenössisches - Was hört ihr? über das Musiktheaterstück I hate Mozart von ihm berichtet, was mir außerordentlich Spaß gemacht hat. Man sagt ja dem Österreicher schwarzen Humor nach, was hier offensichtlich zutrifft.


    Angeregt durch die österliche Zeit bin ich auf ein Streichquartett von ihm gestoßen. Ich denke mittlerweile, dass der Komponist wichtig genug für einen eigenen Thread ist, aber eine Unterteilung in Werkgattungen vom Volumen her keinen Sinn macht.


    Wer Die sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuze von Joseph Haydn zu genießen weiß ;), wird vielleicht mit Interesse der Komposition The Anatomy of Disaster lauschen können. es gibt das Werk in einer Einspielung des unermüdlichen und immer noch großartigen Arditti Streichquartettes



    Vielleicht noch ein paar Sätze zum Cover. Es handelt sich um eine Holzplastik (;)) von Martin Kippenberger aus dem Jahre 1990 mit dem Titel Fred the Frog Rings the Bell. Es gibt insgesamt sieben nummerierte Exemplare, immer mit Bierseidel, auf dem Cover zusätzlich wohl mit Spiegelei. Da habe ich nur nichts im Web gefunden.



    martin-kippenberger-fred-the-frog-rings-the-bell.jpg


    Über Assoziationen muss ich hier wohl nichts schreiben :). Weitere Subtexte unter Auktionshaus Phillips.



    Das Werk ist formal satztechnisch eine Kopie des Haydn-Werkes. Am Anfang jedes Satzes erinnert eine kurze Sequenz an den Schöpfer der Komposition von 1787. Wie auch bei seinem Werk I hate Mozart ist man hin- und hergerissen zwischen Schmunzeln, Lachen, Lachtränen und Trauer. Lang schreibt zu seinem Stück:


    Mittels Zellulärer Automaten und Granularer Analyseverfahren werden historische Texte prozessiert, analog den Umgangsweisen des Experimentalfilms von Ortiz und Arnolds mit found footage.


    Eigentlich spannend, was so mit zellulären Automaten (- keine Angst, jeder der früher mal The Game of Life auf seinem Computer gespielt hat, kennt zumindest einen solchen ;) - ) aus der Musik von Haydn gemacht werden kann. Trotz des vermutungsweise in Teilen maschinellen Produzierens dieser Musik (auch Fugen haben solche Elemente!) lässt sie sich eigentlich recht gut rezipieren. Wie im Game of Life entstehen auch hier interessante Muster und Wiederholungen, ein Thema was Lang auch schon in seiner Oper beschäftigt hat.


    Lang spricht ab 2:45 über dieses Streichquartett. Es ist eine Aufzeichnung aus der Uraufführung von Donaueschingen 2010. Wahrscheinlich lohnt sich bald eine Anschaffung der CDs. :jubel:



    Leider finde ich keine Aufzeichnung des Quartettes, auch nicht in Teilen im Internet. Allerdings habe ich im Web ein "Gespräch" mit Bernhard Lang über Notationen und Interpretationen gefunden, was allgemein Bezug nimmt auf seine kompositorische Tätigkeit. Wirklich spannend, was und wie dieser Komponist denkt.



  • astewes

    Hat den Titel des Themas von „Bernhard Lang (*1957), ein Komponist mit Humor“ zu „Bernhard Lang (*1957), ein Komponist mit Humor und Tiefsinn“ geändert.
  • Nocheinmal dieselbe Suche bei youtube und jetzt finde ich Ergebnisse. :/ Man muss offensichtlich nur insistieren ;)



    Introduzione



    Sonata I: Pater, Dimitte Illis; Non Enim Sciunt, Quid Faciun


    Sonata II: Amen Dico Tibi: Hodie Mecum Eris in Paradiso





    gefühlt mikrotonal unf tonal :/ (Besserwisser ;) sind gefragt)


    Sonata VI: Consumatus Est




    und das Erdbeben:


    Il Terremoto