Klassik benötigt Botschafter

  • Es braucht bekannte Gesichter, um die Masse für die klassische Musik zu begeistern.


    Die Schauspieler Devid Striesow und Axel Ranisch sind Klassik-Liebhaber. Auf der Webseite von Deutschlandfunk Kultur kann man ihre Radio Beiträge nachhören. Da ist neben Eingängigem auch Sperriges vertreten. Man spürt die Begeisterung der beiden Klassik Nerds, wie sie im Editioral bezeichnet werden.


    In der Serie „Klassik drastisch“ Lippenbekenntnisse zweier Nerds stellen die beiden Schauspieler Werke der Klassik im Gespräch vor. Manchmal mitsingend, mit kurzen Einspielern. Inzwischen sind es 30 Folgen. Kein Beitrag ist länger als 7 Minuten, ausser zwei, die sind stündige Weihnachts-Specials.


    https://www.deutschlandfunkkul…ik-drastisch.3786.de.html


    Es lohnt sich die Erklärungen zu hören, weil die Auswahl sehr persönlich ist und man vom Enthusiasmus der beiden mitgerissen wird und Lust bekommt, die Werke als Ganzes zu hören.

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    I think laughter is preferable to tears.

    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

  • Es braucht bekannte Gesichter, um die Masse für die klassische Musik zu begeistern.

    Das ist eine gewagte These, lieber moderato.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Das Engagement der zwei ist sicherlich weit hilfreicher zur Verbreitung klassischer Musik, als dass es verkehrt sein könnte. Dass diejenigen, die seit Jahrzehnten für Klassik schwärmen, das mit Argusaugen betrachten, ist nicht relevant, sie sind nicht die Zielgrupppe. Ich begrüße das jedenfalls sehr, obwohl ich auch nicht die Zielgruppe bin! Insofern finde ich die "These" weit mehr zutreffend als "gewagt".

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Rheingold1876


    Es ist keine These, dass bekannte Gesichter als Botschafter für die klassische Musik sich einsetzen. Es ist eine Notwendigkeit, wenn man bedenkt, dass die klassische Musik in den Radio-Sendern, die sich ihrer annehmen sollten, zunehmend ihr Angebot verwässern und einem vermeintlichen Gusto ihres Publikums angleichen.


    Mit Karfreitagsgruss Gruss


    moderato

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    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

  • Es braucht bekannte Gesichter, um die Masse für die klassische Musik zu begeistern.

    Die Schauspieler Devid Striesow und Axel Ranisch

    Bin ich der einzige, der erst nach den beiden Namen googeln musste? Striesow meine ich zumindest schon in irgendeinem Film gesehen zu haben.

    Da bräuchte es wohl schon andere Kaliber, um die breite Masse für Klassik zu begeistern (sofern dieses Konzept Erfolg verspricht). Ich denke an die Liga Tom Cruise oder Daniel Craig. :D Wenn Ethan Hunt ("Mission: Impossible") und James Bond Klassik propagierten, könnte das ja plötzlich "cool" sein bei der Jugend.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lesen zum Thema Ausdünnung


    https://van.atavist.com/wdr3-2021


    Zum Gesicht von Devid Striesow, der Schauspieler war mal in der Rolle des Jens Stellbrink Tatort-Kommissar und ist ein beliebter Schauspieler.


    ja-bitte-devid-striesow-alias-hauptkommissar-jens-stellbrink-100~_v-standard644_9fe20a.jpg



    Was ich von ihm in anderen Fernsehproduktionen und Spielfilmen gesehen habe, hat Niveau.

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    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

  • Das war mir tatsächlich nicht bekannt. Ich schaue aber auch nur sehr selten mal einen "Tatort", und wenn, dann sind das eigentlich nur Fälle aus Wien, Köln, München oder Münster (auch wenn letzteres m. E. stark an Qualität einbüßte).


    Man müsste heutzutage wohl auch die sog. "Influencer" (furchtbarer Begriff, ich weiß, der mich zudem an Influenza erinnert) denken. Diverse "YouTube-Berühmtheiten" oder "Instagram-Stars" hätten da wohl durchaus einen gewissen Einfluss. Nun verfolge ich diese Szene überhaupt nicht. Vielleicht gibt es das ja stellenweise sogar bereits.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Influencer müssten Klassik lieben. Da müsste man recherchieren.


    Und die Staatsoper München schreibt über Axel Ranisch.


    csm_ranisch_axel_q_6191344d51.jpg


    Axel Ranisch, geboren in Berlin, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Medien- und Theaterpädagogen und leitete als solcher zahlreiche soziale Projekte. Von 2004 bis 2011 studierte er Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam Babelsberg. 2011 gründete er die Produktionsfirma „Sehr gute Filme“ und drehte zahlreiche Filme, u. a. Dicke Mädchen (2011), Ich fühl mich Disco (2013) und Alki Alki (2014). 2017 wurde die Tatort-Folge Babbeldasch ausgestrahlt, bei der er Regie führte. Bei den Münchner Opernfestspielen 2013 inszenierte er The bear/La voix humaine, 2015 die Familienoper Pinocchio. 2014 kam in Hannover unter seiner Regie die Oper George von Elena Kats-Chernin, für die er auch das Libretto schrieb, zur Uraufführung. 2017 erschien sein erster Roman Nackt über Berlin. In der Spielzeit 2017/18 inszenierte er an der Bayerischen Staatsoper Orlando Paladino, im Dezember 2018 feierte seine Inszenierung zu Die Liebe zu drei Orangen an der Staatsoper Stuttgart Premiere.(Stand: 2019)

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    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

  • Zitat von Joseph II.

    Bin ich der einzige, der erst nach den beiden Namen googeln musste?

    Hoffentlich nicht! :P

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Natürlich kann man klassische Musik unter dem Aspekt der Marktlogik betrachten, auch wenn man nicht seinen Lebensunterhalt damit verdient. Dann mag man sich Gedanken machen über Werbung, Vermittlung, Nutzerzahlen usw. Zugleich unterwirft man sich damit natürlich der Regeln eben dieses Marktes, die zum Beispiel beinhalten, klassische Musik nur als eine musikalische Darreichungsform von vielen zu betrachten, als "Genre", die gleichwertig im Wettbewerb zueinander stehen.


    Diese Betrachtungsweise widerstrebt mir. Als "Notre Dame" brannte, brauchte es keine Werbekampagne, um Spender zu motivieren, den Wiederaufbau zu finanzieren. Das gleiche erwarte ich für die Musik von Bach, Mozart, Beethoven und Wagner: Klassische Musik trägt, als zweifelloser Höhepunkt menschlichen kulturellen Ausdrucks, ihren Wert in sich. Selbstverständlich ist zu verlangen, dass sie einen festen Platz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in der schulischen Vermittlung und in öffentlichen Bibliotheken hat. Aber grundsätzlich gilt: Wenn die Gesellschaft die Bedeutung dieses Werts vergisst, hat sie den Trost und die Schönheit, die in dieser Musik liegt, eben auch nicht mehr verdient, und soll mit der Tristesse ihrer musikalischen Resterampe dann halt dahinvegetieren. Glücklicherweise sind wir von diesem Zustand noch entfernt.

    "...zerging’ in Dunst / das Heil’ge Röm’sche Reich, / uns bliebe gleich / die heil’ge deutsche Kunst!" (Die Meistersinger von Nürnberg)

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  • Ich kann natürlich nachvollziehen, worauf moderato mit seinem Eröffnungsbeitrag hinaus will. Irriitiert war ich zunächst nur, weil in der Überschrift von Botschftern für die Klassik die Rede war, im Text dann von bekannten Gesichtern. Ich kannte nur eines, was nichts heißt: Devid Striesow aus dem Film "DREI", den ich vor gut zehn Jahren im Kino sah. Der andere, Axel Ranisch, sagte mir nichts. Das Netz aber ist voll von ihm. Ich habe mich etwas umgesehen. Er hat auch einen Roman geschrieben, aus dem er eine dratische Szene liest. Sogar zwei Folgen der Nerd-Lippenbekenntnisse schaute ich mir an. An wen sie sich richten, habe ich nicht ganz herausgekommen. Der Sprache nach an sehr junge Leute. Für die scheinen mir die Akteure dann doch etwas reif. Vielleicht bin ich zu altmodisch für derlei Angebote. Auf jeden Fall bin ich nicht die Zielgruppe. Ranisch macht auf klug und ist er auch, sein Partner gibt den Naiven. Ein altes Paar-Muster wird neu aufgelegt. Warum auch nicht. Sollten diese Filme wirklich Menschen zur Klassik führen, wäre ein Zweck erfüllt.


    Ansonsten bleibe ich sekptisch, wenn sich bekannte TV-Gesichter für die Klassik ins Zeug werfen. Für Geld werben die auch für Tütensuppen. ;)

    Es grüßt Rheingold1876


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  • Ein Botschafter vertritt die Anliegen eines Staates am Regierungssitz eines anderen Staates. Die Unicef, die SOS-Kinderdörfer haben ihre Botschafter, die als Sympathieträger für die Organisationen in der Öffentlichkeit auftreten.


    Auf dieses Sendeformat übertragen vertreten Devid Striesow und Axel Ranisch die Klassik als ihre Fürsprecher am Mikrofon eines Senders der Klassik sendet. Empfänger sind die Hörer. Die beiden gehen dabei sehr subjektiv vor: Gespielt und vorgestellt wird, was ihnen gefällt. In weniger als sieben Minuten geben sie Wissen, Begeisterung, in Geschichten sowie Bildern ihre Anteilnahme weiter. Kleine Anekdoten würzen die Beiträge. Was will man mehr.


    Wenn das Interesse für klassische Musik geweckt wird, ist viel erreicht. Spannend finde ich, wenn sie auf ihre eigenen Initialzündungen zu sprechen kommen. Es sind das Elternhaus und Lehrpersonen, die den Keim gelegt haben.


    Jedes Taminomitglied wird seine eigene Geschichte haben, wie er zur Klassik gefunden hat.


    Bei mir war es das Erlebnis an einem Mitsubishi Transistor-Radio, woraus Tschaikowskys Nussknacker-Suite durch den Ohrstöpselkopfhörer ertönte. Das Terrain habe ich mir selbst erobert auch wenn rundherum anderes aus den Lautsprechern ertönte.

    I think laughter is preferable to tears.

    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

  • Bin ich der einzige, der erst nach den beiden Namen googeln musste?

    Geht mir genauso, ich kenne keinen der Beiden. Allerdings gestehe ich, das Gesicht aus #6 schon gesehen zu haben.

    Ich glaube, eine gute Ausbildung in der Schule in Literatur und Musik ist die beste Grundlage, sich für Klassik zu interessieren. Und mehr Kultur im TV. Mit Wehmut denke ich an die Jugendkonzerte in meinem Heimattheater in den 50-er Jahren. Und an Sonntagskonzerte in unserem Park namens "Küchengarten". Da traf sich im Sommer fast jeden Sonntag jung und alt, teils um gesehen zu werden, aber auch teils um Musik zu erleben. Manch einer hat nur gesehen werden wollen und fand dabei Gefallen an der Musik. Er kam die nächste Woche wieder. Auch ohne Botschafter. Das Umfeld war anders, es gab kein Fernsehen, Internet sowieso nicht. Man war dankbar, einen Sonntag Vormittag gewinnbringend erleben zu können.

    Musik im Radio höre ich nur als Hintergrundmusik, und da ist Klassik für mich nicht das passende Genre.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich glaube, eine gute Ausbildung in der Schule in Literatur und Musik ist die beste Grundlage, sich für Klassik zu interessieren.

    Ich bin leider nicht mehr überzeugt. Ich hatte zumindest für meine Begriffe einen guten Musikunterricht, aber, wenn ich schaue, wer sich aus der Klasse für Klassik interessiert hat, war das auch damals eine Minderheit. Gehört hatte natürlich dann schon mal jeder davon. ;)


    Musik im Radio höre ich nur als Hintergrundmusik, und da ist Klassik für mich nicht das passende Genre.

    Ich habe einen nicht unbeträchtlichen Teil meiner frühen Musikausbildung aus dem Radio. Moderne Klassik, Jazz die "alten" Symphoniker und und und. Das kann die Schule selbst bei besten Lehrern gar nicht leisten, was ich alles gehört hatte. Also: Doch: Radio ist ein geeignetes Medium für Klassik. Ich hätte mir die Platten gar nicht alle leisten können. Und ich kenne heute noch Aufnahmen aus dem WDR, die nie erschienen sind.


    Und mehr Kultur im TV.

    Das halte ich eher für ein ungeeignetes Medium. Es ist sehr langsam und extrem aufwändig. Manchmal höre ich im Radio (oder im folgenden Podcast) Sendungen zur Musikkultur. Da kann man in einer Stunde Inhalte in einem Umfang vermitteln, für die man im TV wahrscheinlich eine ganze Sendereihe über ein Jahr verteilen muss :(.


    Für spektakuläre Ereignisse ist TV sicher das bessere Medium, aber da stellt sich schon die Frage, ob man dann nicht lieber live ...


    In einem anderen Thread wurden zwei Studien zur Rezeption von Musik in der Jugend vorgestellt, die ich hier gerne noch einmal einstelle:


    concerti Studie


    Bertelsmann Studie


    Wenn man möchte, dass man für klassische Musik (oder überhaupt ernst zu nehmende Musik) junges Publikum über die Bestandsmenge hinaus gewinnen möchte, denke ich auch, dass Botschafter hier richtig sind.

  • Ich habe einen nicht unbeträchtlichen Teil meiner frühen Musikausbildung aus dem Radio.

    In den 50-ern und 60-ern hing ich auch am Radio, ich studierte sogar die Rundfunkprogrammzeitschriften und kreuzte mir Opern- und Operettensendungen an. In jedes Opern- und Operettenverfilmung sind wir ins Kino gerannt, auch Schauspiele standen auf dem Programm. Dazu habe ich mir Sängerfotos aus allen möglichen Zeitungen ausgeschnitten und in Hefte eingeklebt. Später ist das mit dem Aufkommen des TV weniger geworden, zumal z.B. mit der Tanzstunde und ihren Folgen, mit sportlicher Aktivität usw. andere Interessen hinzukamen. Das TV der 60-er Jahre war in seinem kulturellen Angebot auch nicht vergleichbar mit heute, ausgenommen 3-Sat, arte und ARD Alpha. Im DDR-Fernsehen wurden unzählige Schauspiel- und Opernverfilmungen gezeigt, natürlich auch in der jetztigen ARD. Was ist unser TV-Programm arm geworden?!

    Was sind wir in die Bibliothek gerannt und haben in unserer Klassikphase den kompletten Goethe, Schiller oder Shakespeare usw. gelesen. Wer tut das heute noch? Ich hatte Hunderte Reclamhefte mit Schauspielen, Librettis, Romanen u.a., die nicht nur dastanden oder zur Pflichtliteratur in der Schule gehörten, sondern gelesen wurden. Und alles auf der Grundlage eines Bildungsdranges, den unsere Deutsch- und Musiklehrer weckten und die uns zur freiwilligen Pflicht wurden.

    Ich weiß, daß das Nostalgie ist. Aber der Bildungshunger hatte sicher Ursachen. War es die Nachkriegszeit, waren es Vorbilder, war es das Elternhaus? Was ist heute anders? Braucht es wirklich Botschafter der Klassik, um Interesse zu wecken?

    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Braucht es wirklich Botschafter der Klassik, um Interesse zu wecken?

    La Roche

    Sei gegrüßt, LaRoche!!

    Meine Antwort:

    Ganz gewiss keinen, der auf den Namen „Devid“ hört :evil: Wer einen biblischen Namen verhunzt, damit er im American Slang ausgesprochen werden soll, der braucht mir in Sachen Kultur keine Nachhilfe erteilen.

    Meine Reclam Hefte ergeben auch einen Turm bis zur Zimmerdecke hoch und sind teilweise recht zerfleddert von zahlreichen Nutzungen, worüber die Randnotizen Zeugnis abgeben.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Ganz gewiss keinen, der auf den Namen „Devid“ hört :evil: Wer einen biblischen Namen verhunzt, damit er im American Slang ausgesprochen werden soll, der braucht mir in Sachen Kultur keine Nachhilfe erteilen.


    Toll, dass jetzt schon Leute dafür verurteilt werden, dass ihre Eltern sie so genannt haben, wie sie sie genannt haben. Kinder haften für Ihre Eltern!

    Und auch toll, dass sich einige hier so herrlich über Dinge auskotzen können, die sie gar nicht betreffen, weil sie ganz sicher nicht die Zielgruppe der von ihnen gebashten Aktivität sind. :no:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Zitat von Siegfried

    Ganz gewiss keinen, der auf den Namen „Devid“ hört :evil: Wer einen biblischen Namen verhunzt, damit er im American Slang ausgesprochen werden soll, der braucht mir in Sachen Kultur keine Nachhilfe erteilen.

    Bevor man hier lospoltert, (wie bei dir üblich)

    Bedeutung:

    "Der Geliebte"

    dev=göttlich, id=hübsch

    Herkunft:

    deutsch hebräisch ev.russisch

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Hm,


    Man darf dankbar sein, dass sich Leute für Klassik einsetzen.


    Etwas zu Herkunft, Vornamen, Leistungsnachweis und Auszeichnungen sowie Würdigungen von Devid Striesow hier:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Devid_Striesow


    Dann ist hoffentlich Ruhe im Karton.



    Liebe Ostergrüsse


    moderato

    .

    I think laughter is preferable to tears.

    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

  • Spätestens in einer Woche wird der Thread in den Tiefen des Taminoforums hoffentlich verschwunden sein. Warum soll es keine Klassik Botschafter geben ? Es gibt ja auch Vorlese Paten .

  • Amateurfilm forum und -Produktion sucht Darsteller jeden Alters und technische Mitarbeiter aus Wien

    Tamino Testbanner
  • Ich habe einen nicht unbeträchtlichen Teil meiner frühen Musikausbildung aus dem Radio. Moderne Klassik, Jazz die "alten" Symphoniker und und und. Das kann die Schule selbst bei besten Lehrern gar nicht leisten, was ich alles gehört hatte. Also: Doch: Radio ist ein geeignetes Medium für Klassik. Ich hätte mir die Platten gar nicht alle leisten können. Und ich kenne heute noch Aufnahmen aus dem WDR, die nie erschienen sind.


    In den 50-ern und 60-ern hing ich auch am Radio, ich studierte sogar die Rundfunkprogrammzeitschriften und kreuzte mir Opern- und Operettensendungen an.

    Solche Erfahrungen habe auch ich gesammelt. Dem Radio verdanke ich sehr viel. Radio, das waren in ersten Linie jene Moderatoren, die Musik vermitteln konnten, denen man abnahm, was sie sagten und spielten. Es gab Nachtsendungen, in denen Wünsche geäußert werden konnten. Die Archive sind ja voll. Moderatoren wie Einhard Luther beim SFB oder Gottfried Cervenka beim Österreichischen Rundfunk hatten die Gabe, einem Musik auf eine völlig unspektakuläre Weise nahe zu bringen. Der vielseitig aktive und umtriebige Ludwig Kusche war auch so einer. Wer wollte, der kam in der Woche auf etliche kluge Stunden am Radioapparat. Der Stil dieser Herren, die mit Ausnahme von Kusche übrigens keine bekannten Gesichter hatten, käme heute wohl ncht mehr an. Sie wirkten einzig durch das Wort und ihre hochindividuelle Art. Über die Formate ist auch die Zeit hinweg gegangen. Einen kraftvollen Ersatz aber gab es nach meiner Beobachtung nicht.

    Es grüßt Rheingold1876


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  • Über die Formate ist auch die Zeit hinweg gegangen.

    Das meine ich auch. Welcher junge Mensch hört heutzutage überhaupt noch regelmäßig bewusst Radio? Damit meine ich nicht, wenn das Autoradio beiläufig zur Berieselung mit Pop und Schlagern eingeschaltet wird.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich habe ja bereits bei meiner Vorstellung vor elf Jahren geschrieben, dass unser alter Volksempfänger (der hatte den Krieg überlebt, wurde aber bald gegen ein Grundig-Radio ausgetauscht) meine musikalischen Interessen transportiert hat - was aber ohne meine Eltern nicht möglich gewesen wäre: Mein Vater liebte Klassik, meine schwerhörige Mutter auch, allerdings die leichte (und oft doch so schwere) Richtung, die ihr durch den Kopfhörer ins Ohr kam. Und die Eltern erlaubten mir schon sehr früh (mit sechs) das Hören der Sinfoniekonzerte oder an Wochenenden auch Opernaufführungen.


    Da war (noch heute sehe ich die Spalten der HÖRZU vor mir) jeden Montag das Sinfoniekonzert (in Frakturschrift) einmal aus Hamburg (Laeiszhalle), eine Woche später aus dem Gürzenich in Köln. Dort mit Hans Schmidt-Isserstedt, hier mit Günter Wand. Und ich habe an der Musik zwar nicht immer Gefallen gefunden, aber zumindest das erste Stück, das mir als Bub gefiel, war eine Zugabe: der erste Satz von KV 525. Es war folgerichtig auch die erste Platte, die mir mit dem ersten Plattenspieler (einem Grundig-Koffer) geschenkt wurde - eine 17cm-Telefunken-Platte mit verlängerter Spielzeit, da im Rheinschen Verfahren hergestellt. Ist es diese Musik, die mich bis heute an den Komponisten fesselte? Ich weiß es nicht genau, fest steht, dass mein Vater dem Klassiker aus Salzburg genauso zugetan war. Also doch eher die Gene?


    Letztlich ist es mir egal. Das Radio war damals wichtig, wichtig wie Essen, Trinken, Schlafen. Es brachte Leben und Träume in das armselige Wohnen der Nachkriegszeit. Wir, Eltern und zwei Kinder, konnten vergessen, was um uns geschah. Vater und Sohn Sinfonisches, Oper, Oratorium, Passionen, Mutter und Tochter die leichte Muse. Unvergesslich übrigens die erste Matthäus-Passion von Bach in einer ungeheizten Kirche, die den Knaben langweilte, weil sie viel zu lang war und die Kirche zu kalt, die aber ein Faksimilie von Bachs Handschrift als Titel zeigte, in der die Christus-Worte mit roter Tinte geschrieben waren, was im Druck auch so wiedergegeben war.


    Nostalgisches, aber mir ist das Radio immer wichtig gewesen - bis zu dem Zeitpunkt, als die Schallplatten bzw. CDs das eigenständige Programm ermöglichten...


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Gern möchte ich auf Ludwig Kusche, diesen Mittler von Musik auch in den Medien zurückkommen:



    Damit wir uns verstehen, ich möchte hier und jetzt nicht die Vergangenheit in schwarz-weiß heraufbeschwören. Wie schon weiter oben gesagt, diese Formate sind aus der Zeit gefallen. Nur, das Niveau, das seinerzeit vermittelt wurde, sollte nicht von der Hand gewiesen werden. Man nahm sich Zeit. Ich saß wie gebannt vor dem Bildschirm und machte mir Notizen. Insofern ist auch diese Gesprächsrunde - nur eine Folge einer ganzen Reihe, in die auch der Dirigent Ferenc Fricsay einbezogen ist - ein Treffen von Botschaftern der Musik. Dafür gibt es nach meiner Beobachtung in unserer hektischen Gegenwart leider keinen entsprechenden Ersatz. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ehr entschlossen, seinem Publikum nicht zuviel zuzumuten, weil die Macher auch aus eigener Erfahrung sprechen dürften. Offizielles Motte des RBB und damit auch seiner Verantwortlichen: "Bloß nicht langweilen". Das sagt mir alles.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Gern möchte ich auf Ludwig Kusche, diesen Mittler von Musik auch in den Medien zurückkommen:


    Was für eine hochwertige Empfehlung - hab herzlichen Dank dafür!

    "...zerging’ in Dunst / das Heil’ge Röm’sche Reich, / uns bliebe gleich / die heil’ge deutsche Kunst!" (Die Meistersinger von Nürnberg)

  • Ich habe die starke Hoffnung, dass es keine Entgleisungen geben wird und wir hier am Thema diskutieren können.

    Was ist unser TV-Programm arm geworden?!


    Ich weiß, daß das Nostalgie ist. Aber der Bildungshunger hatte sicher Ursachen. War es die Nachkriegszeit, waren es Vorbilder, war es das Elternhaus? Was ist heute anders? Braucht es wirklich Botschafter der Klassik, um Interesse zu wecken?


    In diesem Forum sind schon an mehreren Stellen wichtige Argumente zur Klassikrezeption gefallen. Diese wichtigen Diskussionen werden immer wieder durch ziemlich erhitzte Gemüter gesprengt. Hitze im Gemüt verbraucht die Energie an der falschen Stelle. :(


    Ich versuche die Fakten, soweit ich sie verstanden und auch gelernt habe, noch einmal zusammenzufassen.


    1. Es gibt wahrscheinlich heute wie damals nur einen kleinen Teil an wirklich Klassikbegeisterten (so leid uns das allen auch tun mag :huh:)


    2. Obwohl vielleicht auch damals viele keine Klassik gehört haben, die über die kleine Nachtmusik von Beethoven hinausging ;), war es Konsens, dass es sich hier "grundsätzlich" um erstrebenswerte Inhalte handelte.


    Man muss bei Punkt zwei sehr vorsichtig sein, weil nach dem Krieg eine Debatte um die Werte der Väter entbrannt war, an der ich mich im privaten Familienkreis zum Leidwesen anderer Beteiligter sehr engagiert habe. :). Aber so sehr ich auch gegen Goethe polemisierte, es war klar, dass es hier um Inhalte ging, die überhaupt zu thematisieren waren und damit auch Bestandteil eines Lernstoffs.


    Diese Zeit hat sich in meinen Augen geändert. Es gibt diesen diskutablen Kanon an (musikalischen) Werten nicht mehr.


    Folgende Ursachen wurden als mögliche indentifiziert


    1. In einer multikulturellen Gesellschaft ist der historische Hintergrund deutscher und europäischer Geschichte, auf dem alle diese Auseinandersetzungen stattgefunden haben, nicht mehr gegeben.


    2. Die grundsätzlich zu befürwortende Idee, Kultur in die Masse zu tragen, hat letztendlich die Kultur selbst beschädigt, duch die Rahmenbedingungen, was überhaupt in die Masse getragen werden kann. Diese, wo auch immer politisch zu verortende, Idee hat dazu geführt, dass in unserer Gesellschaft an vielen Stellen nicht mehr akzeptiert wird, dass Aneignung kultureller Werte oder von Wissen überhaupt gewisser Mühen bedarf. (Wissen kann ich nachschlagen und Superstar sollte ich durch ein bisschen Show werden können!). Konsequenz ist ist jetzt, dass alles, was nicht in die Masse getragen werden kann, auch nicht mehr als Kultur erkannt wird.


    Diese Einstellung hat sich bis in die oberste Entscheidungsriege unserer kulturtragenden Sender verbreitet, wie wir ja an anderer Stelle nachvollziehen konnten.


    Punkt 1 alleine wäre in meinen Augen noch zu verkraften, weil ja spannende Auseinandersetzungen entstehen könnten. Die Kombination mit der Ignoranz aus Punkt 2 ist ruinös.


    Just my two cents. Lösungen habe ich auch nicht. Aber,


    um in diesem Umfeld wieder Freunde für die Klassik zu gewinnen, braucht es Botschafter!

  • Wir machen in diesem Thread einen Fehler, wenn wir immer von uns aus gehen. Wir sind nicht die Zielgruppe und brauchen auch keine Botschafter. Was ist so schlimm daran, wenn versucht wird die klassische Musik für die Masse zugänglich zu machen. Und die Hörgewohnheiten haben sich eben geändert. Ich weiß noch das es für mich ein Weltuntergang war, als Peter Allen nicht mehr Radioübertragungen aus der MET moderiert hat. Mitte der 80ger , wo ich angefangen hab, regelmäßig die Oper zu besuchen, war ich immer der jüngste im Zuschauerraum. Heute gehen Jugendliche mit Jeans und Pullover in die Oper. Das wäre früher auch undenkbar gewesen. Während einer Vorstellung saß ein junges Pärchen mit normaler Alltagskleidungvorne im Parkett. Meine Sitznachbarin meinte zu mir woher die denn das Geld für die Karten her hätten, so wie die aussehen. Darauf hab ich ich nur gesagt day das Aussehen egal ist, Hauptsache die Jugend geht in die Oper.

  • Wir machen in diesem Thread einen Fehler, wenn wir immer von uns aus gehen. Wir sind nicht die Zielgruppe und brauchen auch keine Botschafter. Was ist so schlimm daran, wenn versucht wird die klassische Musik für die Masse zugänglich zu machen. Und die Hörgewohnheiten haben sich eben geändert. Ich weiß noch das es für mich ein Weltuntergang war, als Peter Allen nicht mehr Radioübertragungen aus der MET moderiert hat. Mitte der 80ger , wo ich angefangen hab, regelmäßig die Oper zu besuchen, war ich immer der jüngste im Zuschauerraum. Heute gehen Jugendliche mit Jeans und Pullover in die Oper. Das wäre früher auch undenkbar gewesen. Während einer Vorstellung saß ein junges Pärchen mit normaler Alltagskleidungvorne im Parkett. Meine Sitznachbarin meinte zu mir woher die denn das Geld für die Karten her hätten, so wie die aussehen. Darauf hab ich ich nur gesagt day das Aussehen egal ist, Hauptsache die Jugend geht in die Oper.

    :jubel::thumbup::hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Darauf hab ich ich nur gesagt day das Aussehen egal ist, Hauptsache die Jugend geht in die Oper.

    Auf jeden Fall! :) Zumal das Urteil über die Kleidung andersherum nicht anders ausfallen wird und deswegen sicher nicht objektivierbar ist.

  • Die grundsätzlich zu befürwortende Idee, Kultur in die Masse zu tragen, hat letztendlich die Kultur selbst beschädigt, duch die Rahmenbedingungen, was überhaupt in die Masse getragen werden kann.


    Was ist so schlimm daran, wenn versucht wird die klassische Musik für die Masse zugänglich zu machen

    Es ist eine nachvollziehbare, wenn auch durch und durch sozialistische Idee, Klassik zu den Massen tragen zu wollen. Das aber funktioniert natürlich nicht, weil Musik, wie wir sie hier im Klassikforum verstehen, nicht massentauglich ist. Das gehört zu ihrem Wesen. Ich habe nie verstanden, warum diese Verbreiterung Sinn machen sollte. Musik findet schon selbst zu ihrem Publikum. Da muss nach meinem Dafürhalten nicht sonderlich nachgeholfen werden. Ich möchte mich auch nicht zu einem Rockkonzert oder zu einer Helene-Fischer-Show überredet wissen wollen. :no: In Diktaturen wurde Klassik vor Arbeitern in Werkhallen aufgeführt. Die Nazi setzten Kriegsverwundete in Bayreuth in die "Meistersinger" und glaubten, ihnen ein gutes Werk zu tun. Es ist die Anekdote überliefert, dass Verletzte am Schluss der Vorstellung bei heftig einsetzendem Regen aus dem Festspielhaus traten und aufstöhnten: "Auch das noch!"


    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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