Viola d'amore

  • Viola d'amore - Gibt man den Namen dieses Instrumentes in der erweiterten Suchfunktion des Forums ein, erscheinen wenige Nennungen im Forum.


    Ihre Blütezeit erlebte die Viola d'amore im 17. und 18. Jahrhundert. Ariosti, Farinelli und Antonio Vivaldi etwa galten als Virtuosen auf diesem Instrument. Der berühmte Venezianer hat sieben Solokonzerte für Viola d'amore geschrieben. Johann Sebastian Bach verwendete sie in der Johannespassion.



    Aber auch Telemann, Biber, Stamitz und Scarlatti, und viele weitere Komponisten schrieben Konzerte und Kammermusik für die Liebesgeige.


    Eine bauliche Besonderheit gab wohl dem Instrument den Namen: Anstatt einer Schnecke wurde ein geschnitzter Engelskopf mit verbundenen Augen verwendet, der auf den Gott Amor verweist.


    Im 19. Jahrhundert kam die Viola d'amore dann völlig aus der Mode. Als besonderer exotischer Klangeffekt in der Oper, bei Giacomo Meyerbeer in den "Hugenotten" oder bei Giacomo Puccini in "Madame Butterfly".


    Wikipedia klärt auf: Die Viola d’amore unterscheidet sich äußerlich von der Bratsche durch die verschnörkeltere Korpusform sowie die Anzahl der Saiten und deren Stimmung. Der Korpus steht strukturell dem der Viola-da-gamba-Familie näher, d. h., er hat wie diese stumpf auslaufende C-Bügel, C-Löcher statt F-Löcher, hängende Schultern und meist einen glatten Boden, der bei einigen Instrumenten auch gewölbt ist.


    Auffällig sind die Wirbel, 14 an der Zahl. 7 werden bespielt, 7 sind in den Steg eingearbeitet und schwingen mit. Das verleiht dem Instrument einen silbernen Klang. Der Instrumentenbauer muss präzise arbeiten und eine raffinierte Bauweise anwenden, denn die Spannung auf den Resonanzkörper und Steg ist höher als bei einer geringeren Anzahl Saiten.




    viola-d-amore-serguei-savrov.jpg



    Bei Wikipedia wird zur Stimmung dies erwähnt:


    Die Stimmung der Saiten war nie völlig einheitlich festgelegt und richtet sich üblicherweise nach dem jeweilig vorliegenden Musikstück. Meistens jedoch wurde das Instrument in D-Dur gestimmt (A-d-a-d′-fis′-a′-d″), aber auch d-fis-a-d′-fis′-a′-d″. Zur Vereinfachung des Spiels wird also häufig Skordatur eingesetzt, die Stimmung also den tonartlichen Anforderungen des gespielten Stücks angepasst.


    Das wird wohl auch der Grund sein, weshalb das Instrument sich nicht durchgesetzt hat.


    Den Thread verdankt seine Entstehung dieser CD, die Originalkompositionen für die Viola d'amore (und Harfe) enthält. Es sind Werke von Komponisten, die sich für das aus der Mode gekommene Instrument im 19./20. Jahrhundert eingesetzt hatten. Der Franzose Henri Casadesus hatte eine Art Gesuch verfasst, um den Unterricht und die Verbreitung der Violen zu fördern. Im Booklet ist ein Teil der Unterschriftenseite abgebildet. Casadesus muss ein Meister auf der Viola d'amore gewesen sein, denn er hat 24 Präludien in allen Dur- und Molltonarten komponiert. Das "...beweist, dass es möglich ist, sich in all diesen Tonarten auf der Viola d'amore (in D-Dur gestimmt) auszudrücken und dass auf dieses Instrument, wie auf jedes andere auch, moduliert werden kann." Zitat aus dem Booklet-Text


    Louis Waefelghem (1840-1908): Romanze für Viola d'Amore & Harfe

    Henri Casadesus (1879-1947): 24 Präludien für Viola d'Amore & Harfe

    Gabriel Fauré (1845-1924): Toscanische Serenade für Stimme, Viola d'Amore & Harfe


    Es bleiben übrig die Worte eines Dichters:

    Es sind nicht die, bei denen Logen applaudieren

    Die Worte leben und kriechen

    auf allen vieren ....


    Majakowski

  • Frank Martin (1890-1974) hat im Jahr 1938 eine Sonata da Chiesa für Viola d'amore und Orgel komponiert.


    Die Noten sind in der Universal Edition erschienen und durch den Werbepartner erhältlich. (auf die Fotografie klicken)


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    Majakowski

  • Leos Janacek (1854-1928) hatte zur Viola d'amore eine besondere Beziehung. Wenig bekannt ist, dass er sein zweites Streichquartett ursprünglich für die Viola d'amore komponiert hatte.



    Aus der Produktinformation:


    War schon dieses Quartett (das erste "Kreuzersonate" Anmerkung moderato) insgeheim an Janáceks Altersliebe Kamila Stösslová gerichtet, so deutet der Beiname des zweiten Quartetts ("Intime Briefe") ziemlich offen auf dieselbe Adressatin hin. Dabei verstärkte der Komponist den amourösen Anlass durch den Einsatz eines Instruments, das die Liebe im Namen trägt. "Das Ganze wird von einem besonderen Instrument zusammengehalten werden", schrieb Janácek, "es heißt Viola d'amour - Liebesviola." Die barocke Viola d'amore erlebte nach langem Dornröschenschlaf zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Renaissance, und Janácek war fasziniert von der silbrigen Klangfarbe des reich verzierten Instruments in Bratschenlage. Leider musste er aus spieltechnischen Gründen letztlich auf die Viola d'amore verzichten und arbeitete das Werk für die normale Bratsche um.


    Das Label audite schreibt weiter:


    Gunter Teuffel (Viola d'amore) und das Mandelring Quartett haben für diese Aufnahme die Urfassung rekonstruiert und bieten Janáceks zweites Streichquartett jetzt in beiden Versionen für Bratsche und Viola d'amore. Zusätzliche Informationen zur Produktion, Videoeindrücke von der Aufnahmesitzung und Interviews mit den Musikern finden Sie unter www. audite. de.

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    Majakowski

  • In der Recherche bin ich darauf gestossen, dass Paul Hindemith (1895-1963) einige Werke für die Viola d'amore komponiert hat. Seit 1922 hat er sich mit dem Instrument beschäftigt.


    In der Produktinformation des Werbepartners erfährt man mehr über die bemerkenswerte Aufnahme:


    »Gunter Teuffel – seines Zeichens Solobratschist des SWR Sinfonieorchesters – versteht sein Handwerk – auch auf der Viola d'amore. Auf dieser CD spielt er übrigens nicht irgendeine Viola d'amore, sondern die Viola d'amore, die sich Paul Hindemith einst anfertigen ließ, um mit einem Trio Alte Musik aufzuführen. Besonderes Merkmal des Instruments: Statt einem Amorkopf – wie sonst üblich – ziert die Schnecke des Instruments das Antlitz von Paul Hindemiths Ehefrau Gertrud. Kenner wissen also auf den ersten Coverblick, welche Besonderheit bei dieser CD Programm ist.« (R. Aschemeier, the-listener.de, Oktober 2013)


    »Die beiden Werke von Hindemith spielt Teuffel unglaublich souverän auf der Viola d'Amore Hindemiths ein, also auf dem Instrument, auf welchem der Komponist diese Stücke selbst gespielt hat – das ist ein Klangerlebnis feinster Art! Hinzu kommt noch, dass Teuffel die Kammermusik Nr. 6 ohne Dirigenten aufführt. Das schlägt sich in einem konzentriert-entspannten, lebhaft-beherrschten, stets spontan wirkenden Musizieren nieder wie auf solchem Niveau selten zu erleben. Diese Einspielungen sind in jeder Hinsicht eine Tat!« (FONO FORUM, Februar 2014)


    Von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) und Carl Stamitz (1745-1801) sind weitere Werke für Viola d'amore enthalten.


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    Majakowski

  • Der Barock war die Hochzeit der Musik für Viola d'amore. Auf dieser CD sind Werke eher wenig bekannter Komponisten enthalten. Die markanten Köpfe sind auf dem Cover abgebildet.


    Franz Simon Schuchauer (gest. 1743): Trio für 2 Violen d'Amore & Bc

    Johann Peter Guzinger (1683-1773): Suite A-Dur für Viola d'Amore & Bc

    Anonymus: Trios D-Dur & A-Dur für 2 Violen d'Amore & Bc

    Christian Pezold (1677-1733): Partita A-Dur für Viola d'Amore

    Wilhelm Ganspeck (1687-1770): Ouvertüre A-Dur für 2 Violen d'Amore & Bc


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  • Aus der Produktinformation des Werbepartners (Übersetzung und Auswahl moderato)


    Attilio Ariosti (1666-1729) war Sänger und Organist sowie Cellist und Komponist. Wenn sein Name heute jedoch auftaucht, steht er meist im Zusammenhang mit der Viola d'amore. Ariosti war als Virtuose auf diesem Instrument berühmt, aber er komponierte auch dafür. Die überlieferten Kammermusikwerke für Viola d'amore sind seine Sammlung von Lektionen und das Recueil de Pièces pour la Viol d'Amour, das 21 Soli umfasst – eigentlich Sonaten nur dem Namen nach. Zusammen bilden sie das grösste Einzelwerk barocker Werke für Viola d'amore. Zu Lebzeiten Ariostis kursierten diese Werke vermutlich in handschriftlichen Abschriften. Dass die Soli des Recueil überhaupt überliefert wurden, ist dem jungen Musikstudenten Johan Helmich Roman, später bekannt als Vater der schwedischen Musik, zu verdanken, der sie Ende der 1710er Jahre kopierte und mit nach Stockholm mitbrachte.


    Thomas Georgi, heute einer der besten Vertreter der Viola d'amore, gibt in seinen initiierten Liner Notes eine interessante Einführung in Ariosti und das Instrument, einschliesslich der damit verbundenen verschiedenen Stimmungen und Notationen. Die erste der drei CDs enthält die sechs Lessons of the Collection, die Ariosti produziert hatte, um die Viola d'amore in England, seiner neuen Heimat, zu promoten. Fünf davon erscheinen wie im Original, während Thomas Georgi den sechsten mit vier Sätzen aus dem Recueil de Pièces zu zwei Sonaten kombiniert hat.




    Die zweite CD umfasst die ersten 7 der 15 „Sonaten“, die im Receuil enthalten sind, wobei der Rest für einen letzten, dritten Band der Reihe übrig bleibt. In seinen Linernotes unterstreicht Tihomas Georgi Ariostis „bemerkenswerte Wendungen in der Harmonie, seinen witzigen Umgang mit Stille sowie mit Noten, seine Vorliebe für die Gegenüberstellung von kontrastierendem Material gegenüber der Entwicklung einer einzigen Idee“ und fragt sich, ob diese Qualitäten ihn „so breit“ gefunden hätten ein Publikum wie das von Corelli, wäre die Viola d'amore weiter verbreitet gewesen.




    Die dritte CD beschliesst den – in mehr als einer Hinsicht – fachkundigen Querschnitt von Thomas Georgi der Werke für Viola d‘amore von Attilio Ariosti (1666–1729). Die 79 Sätze, die in Gruppen unterteilt sind und 21 „Sonaten“ bilden, stammen aus zwei verschiedenen Quellen – einer 1724 in London veröffentlichten „Collection of Lessons for the Viol d'Amour“ und einer Manuskriptkopie des schwedischen Komponisten Johan Helmich Roman während seiner Studienzeit in London in den späten 1710er Jahren. Dieses Manuskript mit dem Titel „Recueil de Pièces“ wird in der schwedischen Musikbibliothek in Stockholm aufbewahrt, weshalb Thomas Georgi den Titel „Stockholm Sonatas“ für seine drei CDs gewählt hat.


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    Majakowski

  • Diese CD ist für mich eine kleine Entdeckung:



    Es musizieren: Marianne Ronez (Viola d'amore), Monika Mauch (Sopran), Affetti Musicali


    Ein kleines akustisches Beispiel gefällig? Aus Antoine Hubertys (1722-1791) "Neu method-messige Viold'amor Stüke" ist diese Aria: Un ruisselet bien clair.


    Klickt man oben Links im You Tube Beitrag auf den kleinen Kreis, gelangt man zu den weiteren Stücken der CD.


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  • Der bekannte Bratschist Garth Knox (Arditti Quartett, ensemble InterContemporain) interessiert sich für die Viola d‘amore. Er hat für dieses Instrument eine Komposituon geschrieben.


    Malor Me Bat (2008) für Viola d‘amore und Cello.


    Es spielen Garth Knox Viola d‘amore und Agnès Vesterman Cello


  • Der amerikanische Komponist John Zorn hat in Zusammenarbeit mit Garth Knox einen "Song" aus dem "Book of Angels" geschrieben für Viola d'amore und Streichquartett.


    Es spielt das noch junge niederländische Streichquartett "Ragazze Quartet" mit Garth Knox zusammen. Eine Live Aufnahem (Qualität eher mäßig) aus Amersfoort während des "September Me" Festivals 2021.